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Was ist Vorgeschichte?

Vorgeschichte ist die Zeit, in der die Menschen noch keine Schrift kannten. Um herauszufinden, wie die Menschen in dieser Zeit lebten, und wie sich ihr Leben allmählich veränderte, untersuchen die   Archäologen die Dinge, die sie gemacht haben, oder die Spuren, die sie in der Erde hinterlassen haben. Sie graben Spuren von Zelten und Häusern, Gräber, Werkzeuge, Abfälle und Reste von Nahrungsmitteln aus.

Die Vorgeschichte fängt vor etwa zweieinhalb Millionen Jahren an. Im warmen, fruchtbaren Afrika lebten die ersten Menschen. Ihre ersten Werkzeuge waren aus Stein. Anfangs fanden sie geeignete Steine im Geröll, später lernten sie Steine zu bearbeiten, deshalb nennt man diese Zeit die   Steinzeit.

Ein gewaltiger Schritt voran in der Menschheitsentwicklung war vor ungefähr zwei Millionen Jahren die Beherrschung des Feuers. Die Beherrschung des Feuers ist einer der wesentlichsten Unterschiede zwischen Menschen und Tieren. Der Mensch nutzte das Feuer nicht nur, um sich zu wärmen. Das Licht verlängerte ihnen den Tag. Mit Hilfe von Feuer kann man Lebensmittel zubereiten, die einfacher zu kauen und leichter zu verdauen sind. Das Kochen vernichtete Krankheitserreger. Das Räuchern machte Fleisch haltbar. Das Licht des Feuers schützt zuverlässig vor wilden Tieren.

Allerdings konnten unsere Vorfahren das Feuer anfangs noch nicht entzünden. Sie mussten auf einen Blitzschlag, Wald- oder Steppenbrand hoffen. Das Feuer der Sippe wurde Tag und Nacht unterhalten, über Generationen hinweg. Das Feuer lehrte die Menschen Disziplin. Stell dir vor, der Verantwortliche schläft ein und das Feuer erlischt! Was für eine Katastrophe! Wie lange muss man wohl durchschnittlich warten, bis ein Blitz in der Nähe ein Feuer entzündet? Den „Nachbarn“ um Feuer bitten ging nicht, denn eine andere Sippe zu finden war kaum möglich. Die Welt war nur sehr dünn bevölkert. Bei tiefen Temperaturen entscheidet der Besitz von Feuer über Leben und Tod. Die Besiedelung der kühleren nördlichen Gebiete der Erde wäre ohne das Feuer nicht möglich gewesen.

 
Eine steinzeitliche Axt aus Feuerstein

Mit Hilfe des Feuers erzeugten die Urmenschen vor 30.000 Jahren neue Materialien. Sie rösteten Farbmineralien und bemalten mit den gewonnenen Rottönen ihre Höhlen, das Feuer leuchtete ihnen dabei. Später lernten die Menschen Töpfe aus Ton herzustellen und schufen damit erstmals in großem Stil ein künstliches Produkt. Später fanden die Menschen dann auch heraus, wie man das Feuer nutzen kann, um Metall zu bearbeiten, und sie stellten Werkzeuge und Waffen aus Kupfer und Bronze her. Die Herstellung von Bronze veränderte das Leben der Urmenschen derart stark, dass man seitdem von der Bronzezeit spricht. Später verhalfen wiederum Eisen und Glas - ebenfalls Kinder des Feuers - zu weiterem Fortschritt.

Die ersten Menschen jagten wilde Tiere und sammelten essbare Samen, Wurzeln und Früchte. Später fanden sie heraus, wie man wilde Tiere zähmen und Gräser anpflanzen kann. Einen Acker abzuernten oder eine Herde zu hüten und bei Bedarf ein Tier zu schlachten, ist oft zuverlässiger und weniger gefährlich, als wilde Tiere zu jagen. Mit der Erfindung von Ackerbau und Viehzucht wurden die Menschen sesshaft, sie bauten feste Häuser und brauchten nicht mehr den Beutetieren hinterher ziehen. Die ersten Getreidefelder entstanden vor ungefähr 10 000 Jahren in Syrien, Palästina und Israel. Auch in anderen Weltgegenden fand man unabhängig davon heraus, wie man wilde Pflanzen gezielt anbauen und durch Züchtung allmählich verbessern kann. So wurde in Indien Reis, in Mexiko Mais, in Südamerika Kartoffeln, Bohnen und Maniok, in China Hirse, Weizen und Reis, in Westafrika Sorghum, in Neuguinea Yams und Süsskartoffeln angebaut.

Über die Vorgeschichte wissen wir sehr wenig. Aus gefundenen Steinen und Knochen ist es schwer zu ermitteln, wie unsere Vorfahren lebten. Mit der Erfindung der Schrift wurde es anders. Durch eine Flut von Briefen, Verträgen, Lieferscheinen, Abrechnungen und vielen anderen Schriftstücken (bzw. Tontafeln) haben wir unvergleichlich genauere Kenntnisse gewonnen. Deshalb gilt das Aufkommen der Schrift als Trennlinie zwischen Vorgeschichte und Altertum.

Die Vorgeschichte endet mit den ersten Überlieferungen, die aufgeschrieben wurden. Das ist von Gegend zu Gegend unterschiedlich. In Ägypten endet sie ungefähr 3.500 Jahre vor Christus mit der Erfindung der Hieroglyphenschrift. In Deutschland endete die Vorgeschichte mit der Besetzung durch die Römer 15 v. Chr. und anderswo noch später. Ab diesem Zeitpunkt reden die Historiker von „Geschichte“.