Wikijunior Alte Zivilisationen/ Übersicht Europa

Der Aufstieg Griechenlands

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Ebenso wie im Zweistromland begann die Zivilisation im Großraum Griechenland mit der Herausbildung von Stadtstaaten. Die Städte wuchsen an lukrativen Standorten: Küsten, Häfen, Flüssen, Handelswegen, besonders fruchtbaren Gebieten ... Der Rest des Landes war weitgehend menschenleer, denn es gab noch zu wenig Menschen, um eine Gegend flächendeckend zu besiedeln. Welchen Sinn hätte es für einen Stadtstaat gehabt, umgebendes menschenleeres Land zu beanspruchen und zu verteidigen?

Die Stadtstaaten bekämpften sich gegenseitig, aber die Griechen fühlten trotzdem, dass sie zusammengehörten. Während der olympischen Spiele stellten sie die Kriege ein, und bei äußeren Bedrohungen standen sie zusammen.

Die Griechen besaßen mehr Neugier und Forscherdrang als die alten Ägypter. Sie waren begierig darauf, Wissen von ihren Nachbarn und auch von älteren Zivilisationen zu übernehmen. Die Griechen übersetzten auch viele uralte Dokumente in ihre Sprache, von denen wir andernfalls nichts wissen würden. Den Griechen verdanken wir unsere Staatsform: Die Idee der Demokratie wurde von den Griechen geschaffen.

Der Aufstieg Roms

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Die Bevölkerung nördlich des Mittelmeeres war jahrhundertelang gewachsen, und vor zweitausend Jahren gab es nur noch wenig ungenutztes Land, fast überall hatten sich Menschen niedergelassen. Auch Rom war einmal nur ein kleiner Stadtstaat zwischen anderen Stadtstaaten. Allmählich aber übernahm das aufstrebende Rom die Vorherrschaft auf einem großen Teil des Kontinents. Ein verlässliches Rechtssystem (Pax Romana) sicherte für Jahrhunderte eine relativ friedliche Zeit im größten Teil des römischen Weltreiches, auch wenn an den Grenzen des Reiches oft Krieg geführt wurde. Die Römer verfolgten die kluge Bündnispolitik, unterworfenen Völkern weitgehende Selbstbestimmung und Selbstverwaltung zu gewähren, um die Loyalität der Bewohner der Provinzen zu fördern. Die Bündnispartner hatten Steuern zu zahlen und Soldaten zu stellen, weitere Pflichten gegenüber Rom gab es wohl nicht. Römische Staatsbeamte wollten kulturell bedingte Probleme möglichst vermeiden. Sie mischten sie sich nur ein, wenn sie die römische Oberhoheit bedroht sahen. Später wurde das Christentum zur Staatsreligion und vereinte das römische Reich im Glauben.

Manch eins der unterworfenen Völker litt früher unter den eigenen, manchmal unberechenbaren Herrschern, wirtschaftlichen Unwägbarkeiten und Hungersnöten. Bewaffnete Konflikte mit benachbarten Stämmen waren die Regel. Die Unterwerfung unter die römische Ordnung und Gesetzlichkeit bedeutete oft eine Verbesserung ihrer Lage. Viele junge Männer dienten gern in der römischen Armee: Im Vergleich zum bäuerlichen Leben war das Leben in einem römischen Grenzkastell fast luxuriös. Große Schlachten waren selten. Wer zwanzig Dienstjahren überstanden hatte, brachte ein kleines Vermögen nach Hause mit.

Das römische Reich auf dem Höhepunkt der Macht

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Streitereien um die Macht sowie die Schwierigkeiten, ein so riesiges Reich zu regieren, führten zur Teilung in das weströmische Reich mit der Hauptstadt Rom und das oströmische Reich mit der Hauptstadt Konstantinopel. Beide Teilreiche sahen sich aber weiter als ideelle Einheit.

Zeitweise gab es sogar vier Kaiser: Zwei Seniorkaiser (sie trugen den Titel „Augustus“ adoptierten jeder einen Juniorkaiser (ihr Amtstitel war „Caesar“). Die Juniorkaiser konnten sich einarbeiten, bevor sie die Seniorkaiser ablösten. Ein weiterer Vorteil: Bei den vielen Konflikten im Reich konnte je ein Kaiser nach dem Rechten sehen. Bemerkenswert: Wenn einer der Kaiser ein Gesetz verkündete, war es im gesamten Imperium gültig.

Die Zeit der Völkerwanderung

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Die Goten siedelten früher vermutlich im Ostseeraum. Schon gegen Ende des zweiten Jahrhunderts machten sich die Goten auf den Weg. Die Ostgoten siedelten nördlich der Krim. Die Westgoten siedelten zunächst nördlich der Donau. Seit dem Jahr 332 galten sie als Verbündete der Römer. Sie erhielten Getreide, Gold und manchmal Siedlungsland. Als Gegenleistung stellten sie Truppen (die Foederati) und verteidigten die Grenzen des römischen Reiches.

Ab dem vierten Jahrhundert gerieten die Völker Europas immer mehr in Bewegung. Dafür gibt es wohl mehrere Ursachen:

  • Eine Klimaverschlechterung brachte den Bauern im Norden schlechte Ernten.
  • Die Lust auf Abenteuer, Entdeckungen und Reisen hatte sicherlich eine Bedeutung.
  • Das reiche, mächtige Rom wirkte wie ein Magnet.

Man muss sich diese Völkerwanderung nicht wie einen Gewaltmarsch vorstellen. Wenn ein Stamm die umliegenden Wälder leer gejagt hatte und der Ertrag der Felder nachließ, zogen sie ein paar Täler weiter, in eine bessere, wärmere Gegend. Dort ließen sie sich für ein oder mehrere Jahre nieder. Die Westgoten beispielsweise legten auf der „wilden“ Flucht vor den Hunnen 3000 km in 40 Jahren zurück, also durchschnittlich nur 75 km pro Jahr. Die Autos und die Autobahnen waren noch nicht erfunden ... :-)))

Im Jahr 375 drängte das Reitervolk der Hunnen mit ungeheurer Wucht nach Westen. Die Ostgoten wurden unterworfen. Die Westgoten flüchteten über die Donau ins römische Reich. Weil sie unter den Schikanen der römischen Beamten litten, das erstrebte Siedlungsland nicht erhielten und hungerten, riß ihnen die Geduld. Sie zogen plündernd durch das römische Reich und nebenbei eroberten sie Rom im Jahr 410. Sie ließen sich - mit Erlaubnis der Römer - in Südfrankreich nieder, mit der Hauptstadt Toledo.

Immer neue Völkerschaften drängten ins römische Reich, auf der Flucht vor den Hunnen und wohl auch vor dem Hunger. Rom verlor Britannien und nördliche Provinzen. Die Vandalen zogen aus der Gegend der heutigen Slowakei nach Süden. 406 durchbrachen Sie die römische Grenze am Rhein und zogen plündernd nach Spanien. Im Jahr 429 setzten 80 000 Krieger, Frauen und Kinder in Gibraltar nach Afrika über und unterwarfen 439 Karthago, die römische Kornkammer. Die Franken zogen vom Niederrhein nach Nordfrankreich, und die Jüten (Dänemark), die Angeln (Schleswig-Holstein) sowie die Sachsen (Norddeutschland) zogen auf die heutigen britischen Inseln um.

Untergang und Wiedergeburt des weströmischen Reiches

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Mißwirtschaft, Vetternwirtschaft und die vielen Kriege, nicht nur an den Grenzen, schwächten das römische Reich immer mehr. Die oströmischen und weströmischen Kaiser bekämpften sich. Theoderich, der Führer der Ostgoten, wurde 497 Kaiser der Reste des weströmischen Reiches. Er brachte Italien dreißig Jahre des Friedens und wurde „Theoderich der Große“ genannt. Dann startete der oströmische Kaiser Justinian I die Rückeroberung des weströmischen Reiches. Er ließ alles vernichten, was an die „ketzerischen“ Ostgoten erinnerte. Nach dem Jahr 522 wurden die Ostgoten nie mehr erwähnt.

Justinian war nicht stark genug, das ganze Reich zu verteidigen. Die Langobarden verließen ihre Siedlungen an der Elbe und eroberten einen großen Teil Italiens. Die Lombardei wurde nach ihnen benannt. Das oströmische Reich verlor das Interesse am Westen und konzentrierte seine Kräfte immer mehr auf den Osten. Im Jahr 774 wurden die Langobarden von den Franken besiegt.

Auf römischem Boden überdauerte nur das fränkische Reich die Völkerwanderung. Die Franken begannen, Europa zu gestalten. Ihr König Karl der Große eroberte ein gewaltiges Reich. Im Jahr 800 wird er zum Kaiser des römischen Reiches gekrönt. Die nachfolgenden Kaiser bezeichneten sich als „Kaiser des Heiligen Römischen Reiches“ und setzten die Tradition des antiken Römischen Reiches fort. Allmählich entstanden die Nationen Europas. Aus dem „Heiligen Römischen Reich deutscher Nation“ sind die heutigen Nationalstaaten Deutschland und Österreich entstanden.