Umgangsformen: Trauerfälle

Umgangsformen

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Kleidung
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Trauerfälle
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Vom Umgang der Geschlechter

Allgemeines

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Eines der obersten Gebote ist: "Heule, aber jaule nicht!" Soll heißen, die Trauer sollte in „Zimmerlautstärke“ erfolgen. Laute Trauer ist eher im südlichen Europa und im orientalischen Raum verbreitet, nicht in Mittel- und Nordeuropa.

Der Tod wird in unserer Kultur von den meisten Menschen als etwas Trauriges betrachtet, also: Nicht lachen! Sollte man es dennoch nicht vermeiden, weil man „scherzhafte Erlebnisse“ mit dem/der Verstorbenen gehabt hat, so soll das leise geschehen und sofort durch tiefes Ein- und Ausatmen unterbrochen werden.

Kondolenz

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„Herzliches Beileid“ ist die Standardformulierung bei Trauerfällen. Da diese Formulierung aber oft als sehr ritualisiert wahrgenommen wird, können Sie auch persönlichere Worte sagen, die Ihr Mitgefühl ausdrücken. "Es tut mir sehr leid, dass Ihr Vater gestorben ist" ist ein persönlicherer Ausdruck und drückt Ihr Mitgefühl besser aus.

Bei Kondolenzbriefen gilt: Antworten Sie noch am selben Tag mit einer handschriftlichen Karte oder einem Brief. Getipptes oder gar E-Mails bzw. SMS sind tabu!

Auch wenn der/die Verstorbene nicht bei jedem beliebt war, so sollten ausschließlich positive Aspekte in den Kondolenzkarten bzw. bei der Trauerrede berücksichtigt werden. Denn die „Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener“ ist nicht nur eine Unverschämtheit, sondern in Deutschland auch eine Straftat.

Beerdigungen

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Sowohl bei den Juden als auch bei den Christen aller Konfessionen ist die Trauerfarbe schwarz. Bei den Muslimen und im asiatischen Raum ist sie weiß.

Wenn Sie zu einem jüdischen Begräbnis gebeten sind, denken Sie als Herr daran, dass eine Kopfbedeckung auf dem jüdischen Friedhof Pflicht ist. Blumen oder Kränze ziemen sich bei den meisten jüdischen Begräbnissen nicht. Im Zweifelsfall fragen Sie vorher bei den Hinterbliebenen.

Als Besucher eines Friedhofes dreht man sich zu einem Trauerzug um und lässt ihn an sich vorbei ziehen. Dabei wird natürlich jegliches Gespräch unterbrochen. Die Herren nehmen ihre Kopfbedeckung ab.

Wenn Sie zu einer Beerdigung gehen und die Friedhofskapelle betreten, können Sie kurz vor den Sarg und die Urne treten und kurz innehalten, bevor Sie sich auf Ihren Platz setzen. Sollten Sie nicht religiös geprägt sein und es sich um eine religiöse Trauerfeier handelt, müssen Sie nicht mitbeten oder singen, wenn Sie nicht religiös geprägt sind. Sie sollten sich aber erheben und setzen, wenn alle anderen das tun. Im Zweifelsfall können Sie vorher erfragen, wie Sie sich zu verhalten haben.

Kinder ab ca. 6 Jahren sollten auf Beerdigungen mitgenommen werden, wenn sie den/die Verstorbene kannten. Man sollte ihnen allerdings vorher erklären, was dort passiert und wie sie sich zu verhalten haben. Auch ein Gespräch über das Thema "Tod" sollte schon stattgefunden haben.

Bei manchen Beerdigungen sind Blumen nicht erwünscht. Manche Angehörigen oder Verstorbene wünschen sich eine Geldspende an eine Wohltätigkeitsorgaisation. Dies ist oft in der Traueranzeige (Partezettel) erwähnt.

Der sogenannte „Leichenschmaus“ (Totenmahl, Leichenkaffee) ist ein Symbol dafür, dass es dem Verstorbenen in seinem „Neuen Leben“ besser gehen soll und verhilft den Trauernden, selbst wieder ins Leben zu finden. Er soll aber bitte nicht als „Erbenschlacht“ dienen. Denn unmittelbar nach der Beerdigung ist die Trauer natürlich noch zu groß.

Die Zeit danach

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Viele Angehörige möchten nicht alleine gelassen werden in der Zeit ihrer Trauer. Oft fühlen sie sich gerade in der Zeit nach der Beerdigung alleine gelassen, weil dann das soziale Netzwerk den Alltag wieder aufnimmt. Fragen Sie telefonisch oder per Postkarte, ob Sie sie besuchen können, ohne sich aufzudrängen. Signalisieren Sie, dass Sie da sind für ein Gespräch oder eine Ablenkung, wenn dies gewünscht wird! Sprechen Sie mit Ihnen über den Verstorbenen und die gemeinsamen Erinnerungen, unterstützen Sie die Trauernden auf dem Weg durch die Trauer. Sätze wie „Das Leben muss weitergehen!“ oder „Nun raff Dich mal auf...“ sind nutzlos. Trauer ist ein Weg, für den jeder und jede seine Zeit braucht. Sie kann nicht forciert oder vorangetrieben werden.


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