Umgangsformen: Grundkonzepte

Umgangsformen

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Kleidung
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Urlaub
Vom Umgang der Geschlechter

Es gibt Formen des guten Benehmens, die sich aus allgemeinen Sinnsprüchen und Lebensmottos ableiten (Verhaltensregeln) und Formen, die auf gesellschaftliche Rituale zurückgehen (Rituale).

Grundlegende Verhaltensregeln

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Die Umgangsformen, die auf Verhaltensregeln basieren, sind leicht zu merken und mit ein wenig gesundem Menschenverstand leicht selbst herleitbar. Die wichtigsten Regeln sind:

  • Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest.
  • Bestehe nicht auf deinem Vorrecht.

Wer sich in einer Situation im Zwiespalt befindet, wird durch Befolgung dieser einfachen Regeln meist die richtige Entscheidung treffen. Man spricht hier auch von moralisch richtigem Verhalten.

Es ist ratsam, die Bedeutung einiger Konzepte zu kennen, die im Umfeld korrekter Umgangsformen immer wieder fallen. Es sind alltägliche Wörter, die durch Fehlgebrauch in Politik und Medien manchmal so verzerrt sind, dass uns ihre wahre Bedeutung überhaupt nicht mehr bewusst ist.

Konzepte für Verhaltensweisen

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Respekt ist eine innere Haltung einer Person gegenüber einer anderen. Jemandem mit Respekt oder Achtung begegnen bedeutet, dass man Autorität und Handlungen einer Person akzeptiert und sich ihr dementsprechend höflich nähert. Der große Irrglaube bestand zu allen Zeiten darin, dass man Respekt vor einer Person haben sollte, weil sie einen gewissen Rang inne hat. Echter Respekt ist aber eine innere Haltung, auf die die Respekt fühlende Person meist gar keinen bewussten Einfluss hat. Es ist möglich, einem Würdenträger, von dem man niemals zuvor etwas gehört hat, (äußerlich) respektvoll zu begegnen, aber (inneren) Respekt wird man erst haben, wenn man die Person und ihr Verhalten näher kennt.

Was bedeutet das im Alltag? Sie werden zum Abteilungsleiter ernannt. Bilden Sie sich nicht ein, dass Ihre neuen „Untergebenen“ jetzt Respekt vor Ihnen haben werden. Bilden Sie sich nicht einmal ein, dass sie diesen haben sollten. Wenn Sie den Respekt der von Ihnen geführten Personen gewinnen möchten, müssen Sie Ihnen durch gutes Verhalten beweisen, dass Sie es wert sind, respektiert zu werden.

In der Rechtsprechung unterscheidet man zwischen äußerer Ehre und innerer Ehre, Respekt ist die äußere Ehre.

Ehre ist uns heute vorwiegend in zweifelhaften, negativen Zusammenhängen ein Begriff, wie in islamisch-fundamentalistischen „Ehrenfehden“ und „Ehrenmorden“ oder dem ostasisatischen „Das-Gesicht-verlieren“. „Ehrgeiz“, das Streben nach Erfolg und Macht, hat mit dem ursprünglichen Gedanken der Ehre fast nichts zu tun. Sie gehören der äußeren Ehre an und folgen obendrein einem Verständnis von äußerer Ehre, das mit unserem Verständnis von Ehre nicht sehr viel zu tun hat.

Wenn wir in diesem Buch von Ehre sprechen, meinen wir nichts von alledem, sondern die mittelalterliche Ehre des Edelmannes und Herrschers. Ein ehrenvolles Verhältnis zwischen Herrscher und Untertan ist eine stille Übereinkunft über das, was verlangt und was gegeben wird: Der Herr erklärt sich bereit, nichts Ungebührliches vom Untertan zu verlangen. Der Untertan erklärt sich bereit, die Anweisungen des Herrn zu befolgen. Dieses Verhalten ist „nobel“ und „gereicht beiden zur Ehre“; mit anderen Worten, es ist die Grundlage einer gesunden Beziehung zwischen höher und tiefer gestellten Personen. Ehre im eigentlichen Sinne ist die innere Ehre. Ehre haben bedeutet, sittliche Werte zu beachten und entsprechend moralischer Grundsätze zu handeln. Nach mitteleuropäischem Verständnis beruht die äußere Ehre auf individuellem sittlichem Verhalten.

Was bedeutet das im Alltag? Verlangen Sie als Führungspersönlichkeit nicht, dass Ihre Untergebenen für Sie lügen. Verlangen Sie als Lehrer nicht, dass Ihre Schüler nicht auf die Toilette gehen. Fordern Sie Dinge, die machbar sind, den Angesprochenen nicht schädigen und ihn nicht in eine moralische Zwickmühle bringen. Erfüllen Sie im Gegenzug als Untergeordneter alle Anweisungen, die diesen Ansprüchen genügen.

Höflichkeit

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Höfliches Verhalten ist distanziertes, rücksichtsvolles Verhalten. Jemanden höflich zu behandeln, bedeutet, die Person bei den eigenen Handlungen zu berücksichtigen. Höflichkeit ist etwas völlig anderes als Freundlichkeit. Höflichkeit ist die geeignete Verhaltensform, wenn man Respekt ausdrücken möchte.

Was bedeutet das im Alltag? Berücksichtigen Sie andere Fahrgäste im Bus, bevor Sie ein Fenster öffnen oder schließen. Wenn Sie sich in Gesellschaft eine Zigarette anzünden, fragen Sie, ob sich jemand am Tisch gestört fühlt ("Stört es Sie, wenn ich rauche?"). Sie können als Verkäuferin jemanden höflich bedienen, ohne diese Person anzulächeln; Sie sind nicht gezwungen, die bediente Person zu mögen.

Die Quellen für unsere Umgangsformen

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Zu den oben genannten Verhaltensregeln und Ritualen gibt es verschiedene Geistesströmungen, die unsere abendländische Kultur, ihre Rituale und Verhaltensweisen, ihre Moral und ihre Ethik besonders geprägt haben. Hierzu zählen zum Beispiel die antiken Denker wie etwa Sokrates ebenso wie das Christentum oder der Humanismus bis hin zu unserer Verfassung, dem Grundgesetz.

Eine besondere Bedeutung für das Christentum und unsere daraus abgeleitete Moral, die in die Umgangsformen eingeht, haben zum Beispiel die sogenannten zehn Gebote oder die Bergpredigt aus der Bibel, in der solche ethischen Verhaltensweisen wie „Du sollst nicht töten“ oder das „liebe Deinen Nächsten“ aus der Bergpredigt bereits beschrieben wurden.

Der Gleichheitsgrundsatz, nach dem Männer und Frauen gleich behandelt werden sollen, ist wesentlich neuer und ergibt sich aus dem Grundgesetz. Eine noch wichtigere Quelle aus der Verfassung ist aber der Grundsatz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Daraus folgert die Forderung, man möge sich immer so verhalten, daß sowohl die Würde des Mitmenschen als auch die eigene nicht verletzt werde.

Sinnsprüche und Lebensmottos gibt es unendlich viele, auch solche, die nicht unbedingt einer festen Geisteshaltung zugeordnet werden können, z.B. „Was der Sinn des Lebens ist, weiß keiner genau. Jedenfalls hat es wenig Sinn, der reichste Mann auf dem Friedhof zu sein.“ von Sir Peter Ustinov oder diejenigen einer festen Geisteshaltung, z.B. „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden“ von Rosa Luxemburg.

Rituale ergeben sich ganz besonders aus der Geschichte und der Tradition, etwa leitet sich die Kleiderordnung bei offiziellen Anlässen oder bei Tanzbällen, teils aus der jeweiligen Mode, teils aber auch aus geschichtlichen Festlegungen ab.

Aus all diesen Wurzeln ergeben sich insgesamt die Quellen für unsere Umgangsformen. Fast alle Ratschläge in diesem Buch sind durchaus einerseits so generell, aber andererseits auch so spezifisch gehalten, daß man sie problemlos befolgen kann und dadurch ein besseres Benehmen erhält.