Elektrokardiographie: Eichung, Spannungen und Herzfrequenz


Höhe der gemessenen Spannungen

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Höhe des normalen QRS-Komplexes

  • Extremitätenableitungen: ca. 1 mV
  • Brustwandableitungen: ca. 1-3 mV

Einflussfaktoren:

  • Hohe Spannungen, d.h. große positive oder negative Q-Zacken (P-Wellen) -> Ursache: Hypertrophie (z.B. beim Sportlerherz)
  • Normale Spannungen
  • Niedrige Spannungen (Niedervoltage) -> Ursachen: Dilatation (Gefäßerweiterung), Adipositas (starkes Übergewicht), Perikarderguss (Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel)

Kalibrierung

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Spannungen

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Spannung in Millivolt [mV]. Die Spannung entspricht der vertikalen Auslenkung (Amplitude) von der isoelektrischen Linie des EKGs.

Die Kalibrierung kann nach Bedarf eingestellt werden, Bsp.: 1cm = 1mV

Die Ableitgeschwindigkeit

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Die Ableitgeschwindigkeit in mm/s

  • Sie kann nach Bedarf eingestellt werden
  • In Deutschland meistens 50mm/s, in den USA 25mm/s (das spart Papier, erschwert aber die Auswertung)
  • Bsp.: v = 50mm/s, das entspricht 5mm (=1 Quadrat) pro 0,1s (=100ms)
    • 10 mittlere Quadrate (5cm) => 10x100ms = 1 sek
    • 6 mittlere Quadrate (3cm) => 6x100ms = 0,6 sek

Ausrechnen der Herzfrequenz f

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1. Möglichkeit: Zacken zählen pro Blatt

Da meistens ein EKG Blatt 30cm lang ist werden damit 6 Sekunden erfasst, wenn die Vorschubgeschwindigkeit v wie üblich 50mm/s beträgt. Deswegen kann man ganz einfach die Schläge auf einem Blatt zählen und mal 10 nehmen. Dann hat man die Herzfrequenz errechnet.

Vorsicht: DIN-A4-Blätter sind etwas kürzer als 30 cm !

Beispiel:

-----*-----*-----*-----*-----*-----* Vorschub 50 mm/s

_|___|___|___|___|____|___|___|___|_  EKG R-Zacken
  
-----*-----*-----*-----*-----*-----* Zeitmarkierung * alle Sekunde

Man zählt hier 9 R-Zacken in 6s, daraus folgen circa 90 Schläge in 60 Sekunden.


2. Möglichkeit: Ausrechnen über Periodendauer RR und Vorschubgeschwindigkeit v

f in Schlägen pro Sekunde [1/s]: f = 1/RR, mit Einheiten: f[1/s] = 1/RR[s]

Die Periodendauer T bzw. RR-Zeit (RR) errechnet sich gemäß der Geschwindigkeitsformel v = s/t <=> t = s/v aus der RR-Strecke RRs:
RR = RRs/v, mit Einheiten: RR[s]=RRs[mm]/v[mm/s]
Oben eingesetzt hieße das: f = v/RRs, mit Einheiten: f[1/s] = v[mm/s]/RRs[mm]
Man kann RR[s] auch mit dem EKG-Lineal an der RR-Strecke ablesen und oben einsetzen.

f in Schlägen pro Minute [1/min] (bpm): f = 60/RR, mit Einheiten: f[1/min]=60[s/min]/RR[s]

Mit RR = RRs/v hieße das: f = 60 x v/RRs, mit Einheiten: f[1/min] = 60s/min x v[mm/s]/RRs[mm]
Bsp.: Beträgt die Vorschubgeschwindigkeit 50mm/s und der RR-Abstand RRs im EKG 25mm, so errechnet sich eine Frequenz von 120 bpm (= 2 Herzaktionen pro Sekunde).


3. Möglichkeit: (Orientierend) Kästchen zählen

Man zählt die Kästchen zwischen R und R und merkt sich ein paar Referenzwerte, z.B. (für v = 50mm/s):

  • 12 mittlere Quadrate (12x0,1s) => 1,2s => f = 50bpm
  • 10 mittlere Quadrate (10x0,1s) => 1s => f = 60bpm
  • 8 mittlere Quadrate (8x0,1s) => 0,8s => f = 75bpm
  • 6 mittlere Quadrate (6x0,1s) => 0,6s => f = 100bpm
  • 4 mittlere Quadrate (4x0,1s) => 0,4s => f = 150bpm

Durch das Abzählen der Kästchen kann die f dann grob abgeschätzt (oder genau ausgerechnet) werden.

Bei 50 mm/s 600 geteilt durch die Anzahl der Kästchen. Bei 25 mm/s 300 geteilt durch die Anzahl der Kästchen.

Beispiel: Bei einer Geschwindigkeit von 25 mm/s zählt man 6 Kästchen. Die Herzfrequenz beträgt 300 / 6 = 50 Schläge pro Minute.

4. Möglichkeit: Direkt Ablesen mit dem EKG-Lineal

Man kann die Frequenz auch einfach mit dem EKG-Lineal ablesen. Man nimmt die Skala mit der passenden Vorschubgeschwindigkeit (v=50mm/s oder v=25mm/s), legt das Lineal an die RR-Strecke an und liest den Wert für f ab.


5. Möglichkeit: Geräteanzeige

Manche Geräte drucken die HF auch aus (mit Vorsicht zu genießen).

An den meisten Geräten lässt sich ein Filter einschalten, der Störungen im Bereich von 35Hz herausfiltert.





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