Die Himmelstafel von Tal-Qadi/ Druckversion

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Die Himmelstafel von Tal-Qadi

HauptteilBearbeiten

 
Die Himmelstafel von Tal-Qadi in einer Vitrine des National Museum of Archaeology in Valletta (Malta).
 
Maßstäbliche Replik der Himmelstafel von Tal-Qadi aus Buchenholz.
 
In den Sternenhimmel eingepasste Himmelstafel von Tal-Qadi mit Lage der Ekliptik.

Der vorliegende Text befasst sich aus astronomischer Sicht mit dem archäologischen Fund einer zirka 4500 Jahre alten Kalksteintafel aus Malta, auf der ein Ausschnitt des Sternenhimmels dargestellt sein könnte.

Die beschriebenen Untersuchungen verfolgen zwei Haupthypothesen:

  1. Auf der Himmelstafel von Tal-Qadi sind Ausschnitte des Sternenhimmels dargestellt.
  2. Die fünf fächerartig dargestellten Segmente zeigen einen zusammenhängenden Ausschnitt des Sternenhimmels (von links nach rechts):
    1. Teile des heutigen Sternbilds Orion.
    2. Den Kopf des Stieres im heutigen Sternbild Stier (Taurus).
    3. Der Bogen der Ekliptik über dem Horizont.
    4. Den offenen Sternhaufen der Plejaden (das Siebengestirn).
    5. Die hellsten Sterne, die am östlichen Horizont vor den Plejaden aufgehen.

Unabhängig von diesen unbeweisbaren Hypothesen, wird in diesem Beitrag nachgewiesen, dass die im Sternbild Stier (Taurus) am Goldenen Tor der Ekliptik ausgerichtete Himmelstafel von Tal-Qadi heute genauso wie vor Jahrtausenden unmittelbar zur Vermessung der ekliptikalen Breite von Mond und Planeten verwendet werden kann. Mit Hilfe derartiger Beobachtungen lassen sich nicht nur die siderische und drakonitische Periode des Mondes sowie der Meton-Zyklus bestimmen, sondern auch Sternbedeckungen sowie Mond- und Sonnenfinsternisse vorhersagen.

Die Darstellungen auf der Himmelstafel von Tal-Qadi geben zahlreiche Hinweise darauf, dass neolithischen Bewohner der Insel Malta für die damalige Zeit über herausragende astronomische Kenntnisse und Fertigkeiten verfügten.

VorredeBearbeiten

Die Sterne haben in den Mythen aller Völker und zu allen Zeiten eine herausragende Stellung eingenommen. Sie wurden häufig als sich offenbarende Erscheinungsformen beziehungsweise als die himmlischen „Standorte“ von Gottheiten betrachtet. Im Altertum und selbst noch das Mittelalter hindurch bis zur Renaissance konnte der Mensch den Nachthimmel lediglich mit bloßem Auge betrachten. Dabei konnte jedoch schon festgestellt werden, dass die ungefähr 5000 sichtbaren Fixsterne untereinander eine ewig feststehende geometrische Konstellation bilden, nur dass zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten immer ein etwas anderer Ausschnitt des Universums zu sehen ist. Während die Sterne des Fixsternhimmels für die Navigation von Seefahrern oder von Wüstenwanderern von großer Bedeutung waren, wurden die gegenüber dem Fixsternhimmel beweglichen Himmelsobjekte häufig für astrologische Ausdeutungen herangezogen.

Der Anblick unserer Galaxis, der Milchstraße, der der benachbarten Andromedagalaxie oder der offenen Sternhaufen, allen voran die Plejaden (Messier 45), aber auch die Hyaden, die Krippe (Praesepe, Messier 44) oder der Doppelsternhaufen h Persei und χ Persei, wurde sicherlich immer schon als geheimnisvoll erfahren. Auch hell und farbig leuchtende Sterne wie die Roten Riesen Aldebaran, Antares, Arktur, Beteigeuze oder Pollux sowie bläuliche Sterne wie Spica oder Wega oder der hellste und somit am stärksten farbig szintillierende Stern Sirius waren schon immer besonders auffällig. Die hellsten Fixsterne sind an wenigen Händen abzählbar und konnten nicht nur verhältnismäßig leicht ins Gedächtnis eingeprägt werden, sondern erhielten zur Identifikation oder für die Kommunikation mit anderen Menschen sogar Eigennamen.

Zu den besonderen, jedoch weitgehend unregelmäßigen Erscheinungen am Himmel zählen neben den Meteoren (inklusive der Photometeore, der Elektrometeore, der Lithometeore und der Hydrometeore) auch Supernovae und Kometen.[1] Im Mittel war in den letzten 2000 Jahren ungefähr alle 200 Jahre eine Supernova mit bloßem Auge zu sehen. Der Komet Halley ist in China bereits im Jahr 240 vor Christus belegt.[2] Der vorletzte Periheldurchgang des langperiodischen Kometen C2020 F3 (NEOWISE) dürfte beispielsweise während des Neolithikums stattgefunden haben. Es gab also immer wieder auch heute oft noch unvorhersagbare Ereignisse, wie das Auftreten von Novae, Kometen oder Sternschnuppen, die von den vielen Kulturen mythisch verarbeitet wurden. Hierzu gehören des Weiteren sicherlich auch die zahlreichen und vielfältigen atmosphärischen Erscheinungen, wie zum Beispiel Halos und Nebensonnen, ausbrechende Geysire, Aschewolken von Vulkanausbrüchen oder Polarlichter. Polarlichter sind zwar mit abnehmendem Breitengrad immer seltener zu beobachten, jedoch sind diese gelegentlich auch im Mittelmeerraum zu sehen, und es gibt auch entsprechende historische Berichte wie über das Carrington-Ereignis Anfang September 1859 oder sogar aus Babylonien.[3][4]

Beim regelmäßigen Betrachten des Nachthimmels fiel den ersten Menschen gewiss schon auf, dass sieben besondere Wandelgestirne sich mehr oder weniger regelhaft und immerwährend gegenüber dem Fixsternhimmel bewegen, allen voran die Sonne und der Mond, aber auch die fünf Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn.

→ Siehe auch Exkurs „Zur Sieben“.

Im Laufe der Zeit ziehen die Wandelgestirne entlang der Ekliptiklinie einmal mehr und einmal weniger dicht an Fixsternen vorbei und ziehen dabei auch durch Asterismen, bei denen von den Beobachtern sicherlich schon seit vielen Jahrtausenden benachbarte Sterne geometrisch in Verbindung gebracht wurden, um sie leichter wiedererkennen zu können.

→ Siehe auch Exkurs „Die Ekliptik“.

Manchmal treffen sich sogar zwei oder sogar mehrere von diesen Wandelgestirnen bei einer Konjunktion scheinbar an einer Stelle des Himmels. Auch deren scheinbare Begegnung mit ekliptiknahen Sternen oder sogar deren Bedeckung hat immer wieder die Aufmerksamkeit von Beobachtern erregt. So erwähnt zum Beispiel Aristoteles (* 384 vor Christus; † 322 vor Christus) in seiner Schrift „Meteorologikon“ (altgriechisch: Μετεωρολογικῶν), dass er die scheinbare Verschmelzung vom Planeten Jupiter und einem Stern im Sternbild Zwillinge (Gemini) beobachtet hat, ohne dass dabei ein Komet entstanden sei.

Auf der geografischen Breite von Malta gibt es aufgrund des trockenen und ausgeglichenen Klimas gute astronomische Beobachtungsbedingungen. Dort konnten regelmäßig Mondfinsternisse, aber immer wieder auch totale Sonnenfinsternisse beobachtet werden, wie zum Beispiel mit hoher Wahrscheinlichkeit die Sonnenfinsternis in den Morgenstunden vom 18. Mai 2146 vor Christus.[5]

→ Siehe auch Exkurs „Konjunktionen“.

Leider sind nicht viele solcher astronomischen Ereignisse und Sachverhalte schriftlich festgehalten worden, oder sie harren noch ihrer Entdeckung und Entschlüsselung. Es darf aber davon ausgegangen werden, dass in interessierten und unterrichteten Kreisen eine mündliche Tradierung von Wissen stattfand, sicherlich auch in den mehr oder weniger geheimen Kreisen von Priestern oder zum Beispiel auch bei den Kelten, die lange Zeit keine Schriftzeichen verwendeten. Auch schon lange bevor die Notenschrift mit adiastematischen Neumen erfunden wurde, konnten komponierte Melodien über viele Generationen weitergegeben werden. Durch den Vergleich der frühen Handschriften von geographisch weit entfernten Orten ergibt sich, dass die Reproduktion dieser Melodien aus der Erinnerung der Schreiber erstaunlich zuverlässig funktioniert hat. Verschiedene Urfassungen der Odyssee von Homer wurden jahrhundertelang durch Sänger vorgetragen und rein mündlich überliefert. Im Mittelalter konnten viele Mönche alle 150 Psalmen des Psalters auswendig rezitieren. Aus der Tatsache, dass nirgends aufgeschrieben wurde, dass die spätmittelalterlichen Folianten für den Gebrauch im Chor von Kirchen so groß beschriftet werden mussten, damit nicht nur mehrere Sänger gleichzeitig, sondern auch altersweitsichtige Sänger aus größerer Distanz die Texte und Noten überhaupt noch lesen konnten, kann nicht geschlossen werden, dass dies keine Rolle gespielt hat. Für solche Analysen müssen möglichst viele Indizien ermittelt und Hypothesen geprüft werden, ohne dass letztlich ein Beweis erbracht werden kann. Umgekehrt darf auch bei bekannten Schriftzeugnissen nicht immer davon ausgegangen werden, dass sie Tatsachen entsprechen - sie können unzuverlässiger sein als eine mündliche Überlieferung.

Die intelligenten Menschen des Altertums waren sicherlich nicht wesentlich weniger verständig als wir es heute sind, sie wussten damals nur erheblich weniger über abstrakte Zusammenhänge in der Natur. Das scheinbar merkwürdige, mystische und damals noch völlig unerklärliche Verhalten der Wandelgestirne fesselte mit Gewissheit schon im Altertum einige unserer Vorfahren, und viele Mythen sind daraus schließlich erwachsen. Erst viel später in der Neuzeit konnten die physikalischen Zusammenhänge in der Himmelsmechanik gefunden und beschrieben werden. Durch die Erfindung des optischen Fernrohrs vor gut 300 Jahren erfolgte ein sprunghafter Erkenntnisgewinn. Aber auch durch die natürliche Betrachtung der Verhältnisse am Himmel konnten bereits lange vorher zahlreiche beachtenswerte Sachverhalte erkannt und für die Beschreibung der Welt oder sogar für nützliche Vorhersagen verwendet werden. Diese reale Weltanschauung hatte zusammen mit dem über Generationen überlieferten Wissen der Vorfahren gewiss einen erheblichen Einfluss auf die kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung, sei es, dass Kalender implementiert wurden oder mythischer Glaube zu Religionen zusammengeführt wurde oder beides in Kombination passierte.

Zwischen den Disziplinen Astronomie (altgriechisch ἄστρον und νόμος = Sterngesetz) und Astrologie (altgriechisch ἄστρον und λόγος = Sternlehre) gab es im Altertum selbst bis zur Renaissance noch gar keinen Unterschied. Durch die langfristige und regelmäßige Beobachtung des Sternenhimmels ergab sich ein Erkenntnisgewinn, und nur hierdurch entstand die Möglichkeit, Kalender zu führen oder bestimmte Konstellationen vorhersagen zu können. Daraus konnten sich ein entsprechendes mathematisches Vorstellungsvermögen und eine geometrische Ordnung entwickeln, die für lange Zeit allerdings weitgehend nur mündlich überliefert wurden und denen heute daher nur mühsam und freilich immer nur unvollkommen in den zahlreichen verschiedenen Traditionen nachgespürt werden kann. Es ist in diesem Kontext wenig verwunderlich, dass die Astronomie im Mittelalter zusammen mit der Arithmetik, der Geometrie und der Musik zu den vier freien Künsten des Quadriviums gehörte.

→ Siehe auch Quadriviale Kuriositäten.

Die Vorgänge am Himmel sind in der Tat nach wie vor recht abstrakt und komplex sowie nur mit umfassendem Wissen zu verstehen und miteinander in Bezug zu bringen. Leider geht dieses Wissen heute bei vielen Menschen zunehmend verloren, da der Nachthimmel durch die starke Lichtverschmutzung kaum noch eine umfassende und regelmäßige Beobachtung zulässt, so dass das Interesse an diesen Vorgängen entsprechend abnimmt. Vielleicht tragen diese Ausführungen hier dazu bei, dass dieses Interesse geweckt wird oder bereits vorhandene Kenntnisse vertieft werden können.

Die Archäoastronomie ist eine junge Wissenschaft, die sich insbesondere im deutschsprachigen Raum noch kaum etablieren konnte. Eventuell tragen die hier dargestellten Ergebnisse auch dazu bei, diese Disziplin ein wenig voranzubringen sowie interessierten Kreisen die astronomischen Grundlagen für die Einordnung von archäoastronomischen Sachverhalten näher zu bringen und hierfür wichtige Aspekte darzustellen. Diese Abhandlung legt den Schwerpunkt daher weniger auf die archäologischen Aspekte des Fundes, sondern stellt vielmehr den Versuch dar, die Darstellungen auf der Steintafel ausgehend von den bisherigen Befunden aus astronomischer, geometrischer und geographischer Sichtweise zu interpretieren. Eventuell kann sie auf diese Weise dazu beitragen, den Fund in einen erweiterten Kontext einzuordnen.

Anhand der seit Jahrtausenden ohne Fernrohre in freier Natur zu beobachtenden Himmelserscheinungen konnten in der Astronomie bereits viele grundlegende Sachverhalte erkannt und miteinander in Bezug gebracht werden. Der Dichter Johann Wolfgang von Goethe hat 1816 in seinem Werk Künstlers Apotheose unter der Überschrift „Ein Liebhaber zum Schüler“ den Kern dieser Betrachtungsweise wunderbar zum Ausdruck gebracht:

Mein Herr, mir ist verwunderlich,
Dass Sie hier Ihre Zeit verschwenden
Und auf dem rechten Wege sich
Schnurstracks an die Natur nicht wenden;
Die Natur ist aller Meister Meister !
Sie zeigt uns erst den Geist der Geister,
Lässt uns den Geist der Körper sehn,
Lehrt jedes Geheimnis uns verstehn.
Ich bitte, lassen Sie sich raten !
Was hilft es, immer fremden Taten
Mit größter Sorgfalt nach zu gehn ?
Sie sind nicht auf der rechten Spur;
Natur, mein Herr ! Natur ! Natur !

Tal-QadiBearbeiten

 
Stark zerstörter und verfremdeter Zustand der Ruine von Tal-Qadi im Jahr 2014.

Die Tempelanlage von Tal-Qadi liegt zehn Kilometer nordwestlich der maltesischen Hauptstadt Valletta im nördlichen Teil der Inselrepublik in der Nähe der heutigen Kleinstadt Sàn Pawl il-Baħar. Die Lage ist bei 35°56'12" nördlicher Breite und 14°25'14" östlicher Länge. Die Höhe über dem Meeresspiegel des Mittelmeers beträgt rund 16 Meter.

Die Besiedlung von Malta lässt schon ungefähr 5200 vor Christus nachweisen. 1400 Jahre später, also etwa ab 3800 vor Christus begannen die Menschen der maltesischen Megalith- und Tempelkultur für das unterirdische Hypogäum von Ħal-Saflieni Felsen auszuhöhlen. Aus großen Steinblöcken wurden erste Kultplätze errichtet. Bekannt sind auch die zahlreichen Furchen auf der Erdoberfläche, die von prähistorischen Menschen vermutlich für den Transport schwerer Gegenstände oder von Wasser in den Fels geschliffen wurden. Die Stelle in der Nähe vom Ort Dingli, wo sich mehrere Furchen schneiden, wird auch   Clapham Junction genannt.

Der Ort Tal-Qadi auf Malta wurde bereits 4000 vor Christus von Menschen genutzt. Die ersten Tempelgebäude von Tal-Qadi wurden zwischen 3300 und 3000 vor Christus gebaut und waren danach für mehrere Jahrhunderte in Gebrauch. Gleichzeitig mit dem Tempelgebäude in Tal-Qadi existierten auch schon die bekannten an der südlichen Küste von Malta gelegenen Tempelanlagen von   Mnadjdra und von   Ġgantija auf der direkt benachbarten Insel Gozo. Dieser Zeitabschnitt wird auch Tarxien-Phase der Insel genannt.

→ Siehe auch Exkurs „Tarxien“.

Bezüge der Tempelanlage zum HimmelssystemBearbeiten

Aus der Archäologie sind verschiedene Beispiele bekannt, wie im Altertum mit Hilfe von ausgerichteten Gebäuden Himmelsrichtungen ermittelt sowie die Auf- und Untergänge von Gestirnen bestimmt und vorhergesagt werden konnten. Genannt seien exemplarisch die Kreisgrabenanlage von Goseck in Sachsen-Anhalt (4900 vor Christus)[6], die Tempelanlagen in Mnajdra auf Malta (um 3500 vor Christus), die Himmelsscheibe von Nebra (um 2000 vor Christus) oder das Belchen-System der Kelten in den Vogesen, bei dem vom Elsässer Belchen aus gesehen die vier anderen, weiter östlich gelegenen Belchen der Region in Bezug auf die Sonnenaufgänge eine Kalenderfunktion haben.[7] Der älteste bekannte Sonnenkalender Europas aus der Jungsteinzeit soll sich in der Höhle von Magura im äußersten Nordwesten Bulgariens beziehungsweise des Balkangebirges befinden.[8]

→ Siehe auch Die Höhlenmalerei in der Magura-Höhle.

Von der Tempelruine Tal-Qadi aus gesehen befindet sich in Richtung Westen (bei einem Azimut von 270 Bogengrad, die Richtung zum Sonnenuntergang bei der Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr und im Herbst) die gut erkennbare Schneise eines natürlichen Tals, in Richtung Osten liegt ein über 50 Meter hoher Hügel, der den Horizont verdeckt.

Der Ätna auf Sizilien ist bei guten Sichtverhältnissen in nördlicher Richtung über die in anderthalb Kilometer Entfernung befindliche schmale Bucht mit Salinen östlich von Sàn Pawl il-Baħar in gut 200 Kilometern sichtbar. Nur in dieser Richtung ist das Mittelmeer von der Tempelanlage aus von einem um einige Meter erhöhten Standpunkt zu sehen. Für die Orientierung am Nachthimmel war und ist in der nördlichen Hemisphäre der Himmelsnordpol ein wichtiger Bezugspunkt. Der Polarstern war im Altertum wegen der Präzession der Erdachse noch nicht an der Stelle des Himmelsnordpols und konnte daher nicht unmittelbar zur Bestimmung der Nordrichtung herangezogen werden. Diese kann von der Tempelanlage aus allerdings leicht durch die Anvisierung der Meeresbucht in Richtung des Ätna identifiziert werden. Dies war umso einfacher, wenn der Vulkan aktiv war und eine große, weit sichtbare Rauchsäule erzeugte, und sogar nachts, wenn die entsprechende Feuersäule wahrnehmbar war. Derartige Ereignisse sind in den Überlieferungen aus dem Altertum zur geographischen Orientierung belegt, wie zum Beispiel beim Auszug der Israeliten aus der Sklaverei des Pharaos in Ägypten etwa zwischen 1500 und 1000 vor Christus (vergleiche Exodus 13,21+22):[9]

21 Der HERR zog vor ihnen her,
bei Tag in einer Wolkensäule, um ihnen den Weg zu zeigen,
bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten.
So konnten sie Tag und Nacht unterwegs sein.
22 Die Wolkensäule wich bei Tag nicht von der Spitze des Volkes
und die Feuersäule nicht bei Nacht.

 
Aus digitalem Geländemodell berechnetes Rundumpanorama vom prähistorischen Tempel Tal-Qadi.

Die Ausrichtung der Tempelanlage von Westen nach Osten ist im Vergleich zu allen anderen maltesischen Tempelanlagen außergewöhnlich, da diese größtenteils entlang der Hauptachse der Insel von Nordwesten nach Südosten ausgerichtet sind. In Nord-Süd-Richtung hatte das Gebäude in Tal-Qadi eine Länge von rund 30 Meter, und in Ost-West-Ostrichtung waren es etwa 25 Meter. Wo sich der Eingang des Tempels befand, lässt sich allerdings nicht mehr eindeutig feststellen.[10]

Der von Norden rechtsläufig gemessene Azimut (Horizontalwinkel) der noch erkennbaren Achse im Tempel weist im Osten nach 76 Bogengrad (heute Richtung zum Sonnenaufgang am 20. April und am 23. August) beziehungsweise in westlicher Gegenrichtung nach 256 Bogengrad (heute Richtung zum Sonnenuntergang am 18. Februar und am 22. Oktober). 3500 bis 2500 vor Christus ergaben sich diese Azimute für die auf- und untergehende Sonne zu anderen Jahreszeiten, nach Julianischem Datum nämlich Mitte Mai (einen Monat nach der Tag-und-Nacht-Gleiche) beziehungsweise Mitte September (einen Monat vor der Tag-und-Nacht-Gleiche) am Morgen im Osten sowie Mitte März (einen Monat vor der Tag-und-Nacht-Gleiche) beziehungsweise Mitte November (einen Monat nach der Tag-und-Nacht-Gleiche) am Abend im Westen.

Die KalksteintafelBearbeiten

BeschreibungBearbeiten

 
Skizze der Einritzungen auf der Himmelstafel von Tal-Qadi nach einer photographischen Aufnahme vom Institute for Studies of the Study of the Ancient World der New York University.[11]

In der Tempelanlage von Tal-Qadi wurde bei den 1927 begonnenen Ausgrabungen eine fächerartige Kalksteintafel mit Einritzungen gefunden. Die meisten Markierungen erinnern deutlich an die Darstellung von Sternen, was den Fund zu einem der ältesten archäoastronomischen Objekte macht. Die Tafel befindet sich im National Museum of Archaeology in Valletta.[12]

Es ist unklar, ob die gefundene Kalksteintafel weitgehend vollständig ist oder nur ein Fragment einer größeren Platte ist, allerdings sind einige Seiten auffällig gerade und glatt gearbeitet.[13] Die Kalksteintafel hat die Form eines unregelmäßigen Sechsecks, ist 29 Zentimeter breit, 24 Zentimeter hoch und ungefähr 5 Zentimeter dick. Kalkstein hat keine große Härte und kann daher auch ohne Metallwerkzeuge bearbeitet und geritzt werden, und so wurden auf der ebenen Oberfläche zahlreiche Symbole und graphische Elemente dargestellt. Allerdings gibt es auch viele natürliche Unebenheiten, und es kann nicht an allen Stellen eindeutig erkannt werden, ob die Oberfläche natürliche, bewusst von Menschenhand gemachte, unbeabsichtigte oder auf Beschädigungen zurückzuführende Strukturen aufweist. Die Provenienz der Steintafel ist offenbar noch nicht untersucht worden, wie zum Beispiel anhand der chemischen Analyse der Zusammensetzung des Gesteins.

Entsprechend der Abmessungen ergibt sich für die Steintafel eine Fläche von knapp 500 Quadratzentimetern. Mit einer Dichte von 2,7 bis 2,9 Gramm pro Kubikzentimeter für Kalkstein[14] beträgt die Masse der Tafel also rund sechs Kilogramm. Damit ist sie portabel und kann mit einem entsprechenden Kraftaufwand für einige Minuten in den Händen gehalten werden.

Die Darstellung wird durch vier gerade Linien strahlenförmig in fünf ungefähr gleichgroße Segmente mit einem Winkel von jeweils rund 20 Bogengrad geteilt. Die Linien haben einen gemeinsamen Schnittpunkt etwas außerhalb der Tafel und gehen dabei radial von dem Eckpunkt links der längsten und geraden Kante aus. In den jeweils zwei Segmenten links und rechts sind sternförmige Symbole dargestellt. Im linken Segment ist ein einzelnes Sternsymbol erkennbar, in den drei anderen mehrere Sternsymbole. Das mittlere Segment zeigt eine halbkreisförmige Figur, deren gerade Kante senkrecht auf der Richtung zum Zentrum der Radialstrahlen und auf der Seite zu diesem Zentrum liegt. Die beiden rechten Segmente werden von einer deutlich stärker ausgeprägten Furche durchquert.

Ähnliche archäologische ObjekteBearbeiten

 
Vorderseite der Kalksteinstele vom Rocher des Doms.

In Avignon gibt es eine 26 Zentimeter hohe Kalksteinstele der Lagozza-Kultur des ausgehenden Neolithikums, auf der im unteren Bereich etwas nach rechts versetzt ein der Himmelstafel von Tal-Qadi sehr ähnliches sternförmiges Symbol mit acht Strahlen dargestellt ist.[15][16]

Für weitere Betrachtungen zur Stele siehe Exkurs „Die Stele vom Rocher des Doms“.

Ferner wurde in der Höhle von Buracas da Serra im Alvaiázere-Berg im heutigen Portugal im Distrikt Leiria bei der Stadt Alvaiázere eine in anderthalb Metern Höhe, rund fünf Millimeter tief in den Stein geritzte, sternenartige Struktur gefunden. Sie befindet sich auf einem kleinen Vorsprung des Felses, ist ungefähr zehn mal fünf Zentimeter groß und hat insgesamt sechs Strahlen, die zur Achse des längsten Doppelstrahls spiegelsymmetrisch sind. Die Darstellung tritt vollkommen isoliert auf und kann nur schwierig gedeutet werden. Es wurde vermutet, dass ein Komet oder der Meteor eines Meteoriten dargestellt sein könnte, der am Himmel beobachtet wurde.[17]

InterpretationBearbeiten

Der italienische Archäologe Luigi Maria Ugolini (* 1895; † 1936) mutmaßte bereits 1934, dass die Steintafel eine astrologische Funktion hätte und dass darauf Sterne und eine Mondsichel zu sehen seien.[18]

Schon früh sind die drei dargestellten Sterngruppen mit Sternzeichen in Verbindung gebracht worden. Es wurde gemutmaßt, dass die drei Sterngruppen für die drei Sternzeichen Skorpion, Jungfrau und Löwe stehen, oder dass die vorhandene Tafel lediglich ein Fragment einer größeren Tafel sei, die einen Mondphasenkalender dargestellt hat. Das Symbol im mittleren Segment wurde hierbei mit einem Halbmond in Zusammenhang gebracht.[10]

Es besteht die Möglichkeit, dass die auf der Himmelstafel dargestellte Himmelsregion mit den dann und dort untergehenden Gestirnen damals vom Tempel von Tal-Qadi aus insbesondere abends und in westlicher Richtung beobachtet wurde.[19]

 
Moderne künstlerische Untermalung des Nachthimmels mit Ausschnitten der benachbarten Sternbilder Orion und Stier (Taurus). Links unten der Arm und der Bogen vom Jäger Orion und in der Mitte der Kopf des Stieres mit Aldebaran und den Hyaden sowie der Rumpf des Tieres mit den Plejaden weiter oben rechts. Der Stern Omikron Tauri (ο Tauri) liegt rechts unten in der linken Vorderhufe, und die beiden Sterne Tien Kuan (ζ Tauri) und Elnath (β Tauri) liegen links oben in den Spitzen der Hörner. Oberhalb der Plejaden am Bildrand ist ein Fuß des Sternbilds Perseus mit den beiden Sternen ζ Persei und Atik (ο Persei) zu sehen.

Neueren Untersuchungen des Archäologen Peter Kurzmann zu Folge könnte es sich bei den sieben sternförmigen Darstellungen direkt links der Mitte um den Stern Aldebaran (α Tauri) mit den zum offenen Sternhaufen der Hyaden gehörigen Sternen γ, δ, ε und θ Tauri im heutigen Sternbild Stier (Taurus) sowie den beiden Spitzen der Stierhörner und Tien Kuan (ζ Tauri) und Elnath (β Tauri) handeln.[20]

Der Stern ε Tauri wird auch Ain genannt. Die beiden Sterne Aldebaran und Ain stehen für die Augen des Stieres, und es ist interessant darauf hinzuweisen, dass Aldebaran und Ain nicht nur die astronomischen Namen α Tauri (alpha Tauri) und ε Tauri (epsilon Tauri) haben, sondern dass sie auch mit dem ersten Buchstaben Aleph   und dem Buchstaben Ain   des bereits im zweiten vorchristlichen Jahrtausend verwendeten phönizischen Alphabets in Zusammenhang gebracht werden können.[21] Im später eingeführten hebräischen Alphabet entsprechen diese dem ersten Buchstaben Aleph und dem Buchstaben Ajin (zu Deutsch "Auge"). Diese Buchstaben tauchen auch im eng verwandten paläohebräischen Alphabet als Aleph und Ayin auf. Ferner ist bemerkenswert, dass der Frühlingspunkt auf der scheinbaren Sonnenbahn (Ekliptik) vor 5000 Jahren zwischen den ekliptikalen Längen dieser beiden Sterne lag und dass die Sonne während eines Sonnenjahres vom Anfang bei Aldebaran auf dieser Bahn bis zum Ende bei Ain zog. Im Christentum wird das "A und O" auf die Offenbarung des Johannes bezogen:[22]

Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.

Die Konstellation rechts der Mitte könnten die sieben Hauptsterne des offenen Sternhaufens der Plejaden, ebenfalls zum Sternbild Stier (Taurus) gehörig, sowie ganz rechts das nördlich angrenzende Sternbild Perseus darstellen. Der einzelne Stern links wurde mit einem der drei hellsten Sterne des nördlichen Sternhimmels südlich der genannten Sternhaufen in Verbindung gebracht:[20]

  • Der markante Rote Überriese Beteigeuze (α Orionis) im Sternbild Orion, die Schulter des Himmelsjägers (auch als linker Schulterstern bezeichnet, weil er vom Betrachter aus links oben ist).
  • Der hellste Stern im Sternbild Orion Rigel (β Orionis), der gegenüberliegende Fuß des Himmelsjägers.
  • Der hellste Stern des Sternhimmels Sirius (α Canis Majoris) im Hals- und Kopfbereich des Sternbilds Großer Hund (Canis Major).

In einer weiteren Untersuchung von Peter Kurzmann wird darauf hingewiesen, dass die Kanten der Steintafel nicht gebrochen, sondern bearbeitet und teilweise recht gerade sind, so dass davon ausgegangen werden kann, dass die Geometrie der Steintafel beabsichtigt ist und dass es sich nicht um ein Bruchstück aus einer größeren Tafel handeln dürfte. Eine in der Tafel erkennbare fünfeckige Struktur hat Ähnlichkeiten mit den Grundrissen maltesischer Tempel.[13]

Auch in einer anderen Tempelanlage auf Malta, im Südtempel von Mnajdra, haben sich Hinweise auf die mögliche Beobachtung der Plejaden im Altertum gefunden.[23]

Andere Forscher gehen davon aus, dass das halbkreisförmige Symbol eine Vogelbarke sei, mit der die Bewohner Maltas damals das Mittelmeer befahren hätten. Die Sternkonstellationen seien Abbilder der Adria-Region, des östlichen Mittelmeers und des Schwarzen Meers.[24] Folgt man diesem Ansatz, liegt die Basis der Steintafel nicht im Zentrum der Strahlen, sondern genau gegenüber, damit die Barke richtig, nämlich im Wasser schwimmend ausgerichtet wäre. Es wird mit Verweis auf Isaac Newtons Schrift The Chronology of Ancient Kingdoms Amended[25] davon ausgegangen, dieser hätte postuliert, dass Sternbilder zur Navigation verwendet wurden. In der Chronik finden sich zwar Verweise auf die Navigation mit Sternen und auf die Verwendung von Sternbildern im Altertum, jedoch betrifft dies weder die Zeit vor 4500 Jahren noch werden Navigation und Sternbilder von Newton in eine direkte Beziehung gebracht. Vielmehr weist er nur darauf hin, dass im Altertum zur Navigation die Auf- und Untergänge (Morgenerst und Morgenletzt beziehungsweise Abenderst und Abendletzt) einzelner Gestirne beobachtet wurden (auch heliakische und akronychische Auf- und Untergänge genannt). Von Übereinstimmungen von Sternbildern mit geographischen Gegebenheiten ist bei Newton ebenfalls keine Rede.[26]

Im Folgenden werden einige der erwähnten Himmelsobjekte sowie einige astronomische Sachverhalte etwas näher beschrieben und in Zusammenhang gebracht.

Die PlejadenBearbeiten

 
Die hellsten Sterne im offenen Sternhaufen der Plejaden.

Der mit bloßen Auge sichtbare und sehr auffällige offene Sternhaufen der Plejaden (Siebengestirn, „M45“ im Messier-Katalog) befindet sich am Rand unserer Milchstraße im Sternbild Stier (Taurus), umfasst deutlich über 1000 Sterne und ist ungefähr 125 Millionen Jahre alt. In sehr vielen Kulturen haben die Plejaden einen Eigennamen, und auch deren hellste Sterne wurden in der Tradition der antiken griechischen Mythologie mit den Namen der Plejaden genannten Nymphen und deren Eltern versehen.

→ Ausführungen zu den Plejaden finden sich im Exkurs „Die Plejaden“.

SichtbarkeitBearbeiten

Die Plejaden stehen von Malta aus gesehen heute sowohl am 20. Mai (in Konjunktion zur Sonne sind sie dann unsichtbar) als auch am 18. November (in Opposition zur Sonne und um Mitternacht mit einer Höhe von 78 Bogengrad sehr hoch über dem südlichen Horizont) im Meridian. Der Meridian ist der gedachte Großkreis, der sowohl durch die beiden Himmelspole als auch durch den Zenit und den Nadir läuft. Im Winter und im Frühjahr sind die Plejaden am Abendhimmel in westlicher Richtung und im Sommer und im Herbst am Morgenhimmel in östlicher Richtung zu beobachten.

Die folgende Tabelle gibt die Zeitpunkte der ersten und letzten zu beobachtenden Auf- und Untergänge der Plejaden für Malta an (das Julianische Datum des Frühlingsanfangs war vor 5000 Jahren der 14. April). Heliakisch bedeutet hierbei "zur Sonne gehörend", also in Nähe zur aufgehenden Sonne. Diese muss allerdings unter dem Horizont stehen, und der Abstand zur Sonne (also die Elongation) muss mehr als 18 Bogengrad betragen, damit das in der Atmosphäre gestreute Sonnenlicht die Plejaden nicht überstrahlt. Die akronychischen, also "am Rand der beginnenden Nacht" befindlichen Aufgänge (Abenderst) sowie die heliakischen Untergänge (Morgenletzt) spielen für Fixsterne (und somit auch für die Plejaden) keine Rolle, da diese im Gegensatz zum Mond, zu den Planeten und zu Kometen in den Nächten zwischen Morgenerst und Abendletzt immer zu sehen sind:

Die Lage der Plejaden am Sternenhimmel
Ereignis Astronomische
Bezeichnung
Datum
heute
Julianisches Datum
vor 5000 Jahren
Tageszeit Richtung Höhe
Abendletzt Akronychischer Untergang 30. April 17. März Abends Westen Am Horizont
Sonnennähe Konjunktion zur Sonne 20. Mai 6. April Mittags Süden Dicht am Zenit
Morgenerst Heliakischer Aufgang 10. Juni 27. April Morgens Osten Am Horizont
Sonnenferne Opposition zur Sonne 18. November 7. Oktober Mitternacht Süden Dicht am Zenit

Von Malta aus gesehen kreuzten um 3000 vor Christus die Plejaden den Horizont beim Untergang in recht steilem Winkel, so dass sie besonders gut zu beobachten waren. Damals wie heute gehen die Plejaden auf der Linie des Horizonts ungefähr bei 7 Bogengrad nördlich der Ekliptik bei einem Azimut von rund 60 Bogengrad im Osten auf und bei 5nbsp;Bogengrad nördlich der Ekliptik bei einem Azimut von rund 300 Bogengrad im Westen unter.

Astronomische BezugssystemeBearbeiten

 
Eine historische Armillarsphäre im Historischen Museum in Basel.

Die wichtigsten astronomischen Bezugssysteme für die Beschreibung des von der Erde aus beobachteten Sternenhimmels werden bei einer Armillarsphäre mit drei beweglichen Ringen, die die drei astronomischen Ebenen des Horizonts, des Himmelsäquators und der Ekliptik realisiert. Mit einfachen Ausführungen von solchen Armillarsphären beobachteten schon die Babylonier in der Antike das Geschehen am Nachthimmel.

→ Ausführungen zu den astronomischen Bezugssystemen

  • des Horizonts mit den vier Himmelsrichtungen, dem Zenit und dem Nadir,
  • des Himmelsäquators mit den beiden Himmelspolen, dem Frühlingspunkt und dem Herbstpunkt
  • sowie der Ekliptik mit dem Goldenen Tor der Ekliptik, dem Himmelsstier und dem Trichter der Thuraya

finden sich im Exkurs „Astronomische Bezugssysteme“.

Lage der Ekliptik in MaltaBearbeiten

Die Ekliptik kreuzt auf der Breite von Malta (zirka 36 Bogengrad) den Horizont in westlicher Richtung je nach Epoche, Tages- und Jahreszeit zwischen den Azimuten 240 Bogengrad und 300 Bogengrad, also in einem Bereich zwischen 30 Bogengrad südlich (links) und 30 Bogengrad nördlich (rechts) um den Westpunkt. Die Schwankungen der azimutalen Lage der Ekliptik auf dem Horizont im Laufe der letzten Jahrtausende sind moderat:

  • Zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühling
    • bei Sonnenaufgang relativ flach genau im Westen (Azimut = 270 Bogengrad)
    • mittags südlicher (Azimut = 240 Bogengrad)
    • bei Sonnenuntergang mit der Sonne fast senkrecht genau im Westen und im Goldenen Tor der Ekliptik (Azimut = 270 Bogengrad)
    • um Mitternacht nördlicher (Azimut = 300 Bogengrad)
  • Zur Sommersonnenwende
    • bei Sonnenaufgang südlicher (Azimut = 240 Bogengrad)
    • mittags fast senkrecht genau im Westen und im Goldenen Tor der Ekliptik (Azimut = 270 Bogengrad)
    • bei Sonnenuntergang nördlicher (Azimut = 300 Bogengrad)
    • um Mitternacht relativ flach genau im Westen (Azimut = 270 Bogengrad)
  • Zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Herbst
    • bei Sonnenaufgang fast senkrecht genau im Westen und im Goldenen Tor der Ekliptik (Azimut = 270 Bogengrad)
    • mittags nördlicher (Azimut = 300 Bogengrad)
    • bei Sonnenuntergang mit der Sonne relativ flach genau im Westen (Azimut = 270 Bogengrad)
    • um Mitternacht südlicher (Azimut = 240 Bogengrad)
  • Zur Wintersonnenwende
    • bei Sonnenaufgang nördlicher (Azimut = 300 Bogengrad)
    • mittags relativ flach genau im Westen (Azimut = 270 Bogengrad)
    • bei Sonnenuntergang mit der Sonne südlicher (Azimut = 240 Bogengrad)
    • um Mitternacht fast senkrecht genau im Westen und im Goldenen Tor der Ekliptik (Azimut = 270 Bogengrad)

In Malta erreicht der Vollmond zur Sommersonnenwende um Mitternacht heute nur eine Horizonthöhe von rund 30 Bogengrad, die Sonne steht dann mittags allerdings mit einer Horizonthöhe von über 77 Bogengrad (vor 4500 Jahren nur ungefähr 76 Bogengrad) fast im Zenit (Horizonthöhe = 90 Bogengrad), und es resultiert der längste Tag des Jahres. Zur Wintersonnenwende ist es umgekehrt, und es ergibt sich der niedrigste Sonnenstand und damit der kürzeste Tag des Jahres. Bei der Tag-und-Nacht-Gleiche zum Herbstanfang erreicht die Ekliptik zum Sonnenaufgang ihre maximale Höhe und maximal über dem Horizont sichtbare Bogenlänge und zum Sonnenuntergang das jeweilige Minimum, bei der Tag-und-Nacht-Gleiche zum Frühlingsanfang ist es wiederum umgekehrt.

Am westlichen Abendhimmel von Malta befinden sich Aldebaran und die Hyaden zum Frühlingsbeginn etwas südlich (links unterhalb) und die Plejaden etwas nördlich (rechts oberhalb) der Ekliptik. Die Verbindungslinie zwischen den Sternhaufen ist beim Untergang in etwa parallel zum Horizont.

Beim Aufgang stehen die Plejaden im Osten fast senkrecht über den Hyaden, und die Ekliptik verläuft dann nicht aufrecht, sondern relativ flach entlang dem Horizont nach Süden ansteigend.

Tage, Monate und JahreBearbeiten

 
Die leuchtende Sphäre der Sonne ist durch einen ausgesprochen präzisen Kreis begrenzt. Auf dem Bild sind auch einige Sonnenflecken zu erkennen, deren besonders große Exemplare beim Sonnenauf- oder -untergang sogar mit bloßem Auge gesehen werden können.

Das Sonnenjahr (auch tropisches Jahr, altgriechisch τρόπος (tropos) = Drehung) beschreibt einen vollständigen Umlauf der Erde um die Sonne und hat 365,242 Tage - das sind knapp fünfeinviertel Tage mehr als 360, die Zahl, die im Gradsystem der Winkelmessung einem vollen Kreis entspricht. Da es knapp einen Vierteltag länger ist als 365 Tage, wird in den Kalender fast alle vier Jahre der 29. Februar als Schalttag am ehemaligen Ende des Kalenderjahres (der September war der siebente Monat, der Oktober der achte und so weiter) eingeschoben, damit die Jahreszeiten synchron mit dem Sonnenlauf bleiben. Dadurch bleibt auch der Zeitpunkt im Sonnenkalender, in dem die Sonne bei der Tag-und-Nacht-Gleiche den Frühlingspunkt erreicht, immer am gleichen Tag, nämlich dem Frühlingsanfang.

MondzyklenBearbeiten

 
Um Mitternacht fast im Zenit stehender Dezember-Vollmond.

Der Mond hat von allen wandelnden Gestirnen die kürzeste siderische Umlaufzeit, die nur einen Monat beträgt, und er ändert mit seinen ständig wechselnden Mondphasen täglich sein Aussehen und seine Lage in Bezug zum Fixsternhimmel. Mit einem scheinbaren Winkeldurchmesser, der mehr oder weniger so groß ist, wie derjenige der Sonne, kann er sehr gut und einfach beobachtet werden. Dies gilt insbesondere auch bei der Bedeckung von Sternen und Planeten (Okkultation) oder auch bei der Bedeckung der Sonne während einer Sonnenfinsternis. Der Mond kann während seiner Vollmondphase vom Erdschatten getroffen werden, so dass es zu einer Mondfinsternis kommt, bei der der Mond im Falle der Totalität eine stark rötliche Verfärbung erfährt („Blutmond“).

Da der Mond hell genug ist, im Gegensatz zur Sonne jedoch nicht blendet, kann er sowohl am Tag als auch in der Nacht beobachtet werden, sofern er über dem Horizont und nicht zu dicht an der Sonne steht. Dies macht ihn zum vorrangigen Objekt für die Beobachtung und die Gestaltung von Mondkalendern. Ein Mondviertel dauert ungefähr sieben Tage beziehungsweise eine Woche, und in jedem der vier Mondviertel steht er zu einer bestimmten Tageszeit in einem anderen Himmelsquadranten und somit in einer anderen der vier Himmelsrichtungen. Viele alte Mondkalender basieren daher auf der Einteilung der Ekliptik in 27 oder 28 Mondhäuser, in denen der Mond sich immer ungefähr einen Tag lang aufhält. Ein Mondjahr hat zwölf synodische Monate beziehungsweise 354,37 Tage - das sind gut fünfeinhalb Tage weniger als 360.

Durch die Beobachtung von mehrjährigen Mondzyklen können Finsternisse und Bedeckungen vorhergesagt werden.

→ Ausführungen zu verschiedenen Mondzyklen finden sich im Exkurs „Mondzyklen“.

Der Kalenderstein vom Tempel MnajdraBearbeiten

 
Skizze der Lochreihen auf dem Kalenderstein von Mnajdra nach Ventura und Hoskin.[23]

Indizien für die Beobachtung des Mondes durch die Neolithiker auf Malta sind auf Kalendersteinen vom maltesischen Tempel Mnajdra zu finden, die ebenfalls aus der Tempelperiode der Insel stammen.[23]

Es ist interessant festzustellen, dass auf dem östlichen Kalenderstein mehrere Lochreihen mit verschiedenen typischen Lochzahlen auftreten, die mit lunaren und solaren Kalendern im Zusammenhang stehen könnten. Die Bohrungen sind heute in horizontaler Richtung ausgerichtet, wurden möglicherweise jedoch senkrecht nach unten auf dem noch liegenden Stein durchgeführt, um die Wirkung der Gravitation ausnutzen zu können. Danach wäre es möglich gewesen, für Markierungs- oder Zählzwecke beispielsweise kugelförmige Steine in die Löcher zu legen.

→ Ausführungen zu diesen Kalendersteinen finden sich im Exkurs „Mondzyklen“ im Abschnitt „Der Kalenderstein vom Tempel Mnajdra“.

InterpretationBearbeiten

 
Skizze der Himmelsregion mit dem Sternengürtel am westlichen Nachthimmel, der auf der Himmelstafel von Tal-Qadi möglicherweise dargestellt ist.

Die Sterne sind keineswegs gleichmäßig über dem Himmel verteilt. Besonders viele, mit bloßem Auge jedoch meist nicht als einzelner Lichtpunkt auflösbar, verschmelzen in unserer Galaxie zu einem uns ringförmig umgebenden Lichtteppich, der Milchstraße. Unabhängig davon gibt es Regionen mit überwiegend schwach leuchtenden Sternen, wie den Trichter der Thuraya, und Bereiche mit zahlreichen hellen Sternen, wie den im Folgenden beschriebenen Sternengürtel.

Der Sternengürtel vom hellsten Stern des Firmaments Sirius im Sternbild Großer Hund (Canis Major), über das sehr markante Sternbild Orion mit dem Roten Überriesen Beteigeuze und dem sehr hellen Stern Rigel, die sehr auffälligen offenen Sternhaufen der Hyaden mit dem sehr hellen Roten Riesen Aldebaran und Plejaden im Sternbild Stier (Taurus), das sich direkt angrenzende Sternbild Fuhrmann (Auriga) mit dem sehr hellen Stern Capella, das ebenfalls seit sehr langer Zeit etablierte Sternbild Perseus mit dem Hauptstern Mirfak bis hin zum Sternbild Kassiopeia ("Himmels-W") ist auf der nördlichen Halbkugel der Erde gut erkennbar und einprägsam. Dieser Sternengürtel überbrückt zudem den schwach mit Sternen besetzen Ausschnitt unserer Milchstraße und grenzt ungefähr mittig an den sich nach Westen hin öffnenden Trichter der Thuraya.

Ein weiterer sich kreisförmig über den gesamten Himmel spannende Gürtel, in welchem sich die sieben hellen Wandelgestirne, Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, und Saturn bewegen, wird durch die bogenförmige Linie der Ekliptik beschrieben. Siehe hierzu auch Exkurs „Die Ekliptik“.

Der Schnittpunkt des oben genannten Sternengürtels mit der Ekliptiklinie befindet sich im Goldenen Tor der Ekliptik im Sternbild Stier (Taurus). In diesem Schnittpunkt lag vor 4500 Jahren zudem der Frühlingspunkt. Insofern ist es also nicht überraschend, wenn dieser Schnittpunkt als leicht und zuverlässig aufzufindender Referenzpunkt für freiäugige astronomische Beobachtungen ausgewählt wird, zum Beispiel, um die ekliptikalen Breiten und Längen der Wandelgestirne oder die Mondphasen zu untersuchen.

 
Das Sternbild Orion in der linken Bildhälfte mit dem Roten Überriesen Beteigeuze (α Orionis, links oben), das Sternbild Stier (Taurus) in der rechten Bildhälfte mit dem Roten Riesen Aldebaran (α Tauri, links oben in der V-förmigen Konstellation des offenen Sternhaufens der Hyaden) und dem offenen Sternhaufen der Plejaden (rechts oben). Der rote Planet Mars (rechts unterhalb der Plejaden) auf dem Weg in das Goldene Tor der Ekliptik. Ganz rechts unten der helle Stern Menkar (α Ceti) und der Stern Kaffaljidhma (γ Ceti) im Sternbild Walfisch (Cetus).

Ausgehend von der Hypothese, dass die beiden Winkelsegmente links und rechts der Mitte der Himmelstafel von Tal-Qadi die Asterismen der Hyaden und der Plejaden im Sternbild Stier (Taurus) zeigen, die das Goldene Tor der Ekliptik bilden, könnte das halbkreisförmige Symbol im dazwischenliegenden mittleren Segment für den Bogen der Ekliptik über dem Horizont stehen. Im Goldenen Tor der Ekliptik können alle sieben gegenüber dem Fixsternhimmel hindurchziehenden Wandelgestirne beobachtet werden. Genau an dieser Stelle befand sich während der maltesischen Tarxien-Phase der Frühlingspunkt der Sonne respektive der Herbstpunkt des Vollmonds.

Bei der astronomischen Beobachtung der Hyaden und der Plejaden können mit Hilfe der entsprechend ausgerichteten und eingepassten Himmelstafel jederzeit und an jeder Stelle des Himmels unmittelbar Lage und Neigung der Ekliptik abgelesen werden, ohne die Wandelgestirne oder gar deren Lauf beobachten zu müssen. Mit dieser Kenntnis ist es dann ebenfalls möglich, die jeweilige Lage der beobachteten Wandelgestirne auf der Ekliptik zu bestimmen, also eine Messung der ekliptikalen Länge zum Beispiel vom Frühlingspunkt aus oder von der langen rechten Kante der Himmelstafel aus vorzunehmen.

Die Ekliptik steht bei der unten beschriebenen Ausrichtung senkrecht in der Mitte dieser Kante. Von dort aus kann entlang der Kante nach oben oder nach unten die ekliptikalen Breite abgelesen werden. Somit ist bei längerfristiger Beobachtung eine Bestimmung der drakonitischen Periode zwischen den Durchgängen des Mondes durch die Mondknoten auf der Ekliptik möglich.

Die Höhe über der Ekliptik ist bei der Sonne definitionsgemäß Null, und bei den sichtbaren Planeten sowie dem Mond beträgt die Abweichung nur einige Grad. Somit tritt der Mond bei der Ausrichtung der Tafel alle 27 1/3 Tage senkrecht über die rechte untere Kante der Himmelstafel in das Goldene Tor der Ekliptik. Trifft er hierbei ungefähr vier Bogengrad nördlich der Ekliptik auf die Kante, kommt es einen Tag später zu einer Bedeckung der Plejaden durch den Mond. Läuft die Mondbahn hingegen auf der gegenüberliegenden Seite ungefähr fünf Bogengrad südlich auf die Kante, kommt es anderthalb Tage später zu einer Bedeckung des Sterns Aldebaran durch den Mond. Beides sind außergewöhnliche und besondere astronomische Ereignisse.[27][28]

Befindet sich der Mond bei dieser Beobachtung in der Nähe der Ekliptik, also in der Mitte der rechten unteren Kante der Himmelstafel, kann es bei zeitlicher Nähe zum Vollmond zu Mondfinsternissen und bei zeitlicher Nähe zum Neumond zu Sonnenfinsternissen kommen. Bei regelmäßiger und langfristiger Beobachtung anhand der im Goldenen Tor der Ekliptik auftretenden ekliptikalen Breiten und Mondphasen konnte der 19-jährige Meton-Zyklus zu allen Zeiten nachvollzogen werden. So erschien der Vollmond zum Beispiel in der Nacht vom 29. zum 30. November 2020 im Goldenen Tor der Ekliptik (Bild siehe Exkurs „Astronomische Bezugssysteme“). An folgenden Vormittag kam es wegen der betragsmäßig hinreichend geringen ekliptikalen Breite von -1,8 Grad zu einer partiellen Halbschattenmondfinsternis, die allerdings nur außerhalb von Europa auf der Nachtseite der Erde sichtbar war.[29]

Zuordnung der Sterne zur DarstellungBearbeiten

Ob und welche Sternbilder vor 4500 Jahren in Gebrauch waren, ist unbekannt. Da in der Dämmerung und bei vorhandenem Mondlicht nur die hellsten Sterne des Firmaments zu sehen sind, empfiehlt es sich, für eine Zuordnung der auf der Himmelstafel dargestellten Sterne insbesondere diese in Betracht zu ziehen. Die folgende Tabelle zeigt die hellsten Objekte im Bereich der möglicherweise auf der Himmelstafel von Tal-Qadi dargestellten Himmelsregion:

 
Die hellsten Himmelsobjekte im Bereich der grob eingepassten Himmelstafel von Tal-Qadi.
Eigenname Astronomische
Bezeichnung
Scheinbare
Helligkeit
Sirius α Canis Majoris -1,5m
Capella α Aurigae 0,0m
Rigel β Orionis 0,0m
Beteigeuze α Orionis 0,5m
Hyaden Sternhaufen (Taurus) 0,5m
Aldebaran α Tauri 1,0m
Plejaden Sternhaufen (Taurus) 1,5m
Alnilam ε Orionis 1,5m
Alnitak ζ Orionis 1,5m
Bellatrix γ Orionis 1,5m
Elnath β Tauri 1,5m
Alamak γ Andromedae 2,0m
Algol β Persei 2,0m
Caph β Cassiopeiae 2,0m
Hamal α Arietis 2,0m
Menkalinan β Aurigae 2,0m
Mintaka δ Orionis 2,0m
Mirfak α Persei 2,0m
Saiph κ Orionis 2,0m
Schedir α Cassiopeiae 2,0m
Tsih γ Cassiopeiae 2,0m
Ruchbah δ Cassiopeiae 2,7m

Abgesehen von den in Bezug auf die beschriebene Region auf der linken Seite deutlich abgelegenen Sterne Sirius, Rigel und Saiph und den weit oberhalb gelegen Sternen Menkalinan und Capella im Sternbild Fuhrmann (Auriga) können alle anderen hellen Sterne der Himmelstafel zugeordnet werden.

Es sei angemerkt, dass unter den hier genannten Voraussetzungen das radiale Zentrum der Begrenzungslinien der fünf Segmente der Himmelstafel beim Stern ο Tauri (omikron Tauri) liegt, der zwar mit einer scheinbaren Helligkeit von 3,5m nicht ganz so hell wie die anderen beschriebenen Sterne im Sternbild Stier (Taurus) ist, aber dennoch zu den gut erkennbaren Sternen der Region zählt und sich daher sehr gut für eine präzise Einpassung der Tafel verwenden lässt.

Schließlich sei darauf hingewiesen, dass die Himmelstafel durch den großen dargestellten Winkelbereich auch bei störenden Wolken korrekt eingepasst werden kann. Beteigeuze, Aldebaran, Mirfak und Algol sowie die Cassiopeia-Sterne sind über einen so weiten Bereich verteilt, dass auch bei verdeckter Sicht auf vereinzelte Himmelsregionen immer eine zuverlässige Ausrichtung der Himmelstafel möglich ist.

Linkes Segment (1)Bearbeiten

Der einzelne Stern im linken Segment könnte in dieser Konstellation zum hellsten Stern des gesamten Nachthimmels Sirius im Sternbild Großer Hund (Canis Major) passen, der auch schon im alten Ägypten im 3. Jahrtausend vor Christus eine Kalenderfunktion hatte, da sein Auftauchen in der Morgendämmerung die Nilflut ankündigte.

Zwischen Sirius und dem Goldenen Tor der Ekliptik liegt allerdings das auffällige Sternbild Orion. Die Sumerer sahen in diesem Sternbild ein Schaf, der Jäger der griechischen Mythologie Orion und das Sternbild Orion sind erst später belegt. Dessen auffällig roter Schulterstern Beteigeuze kommt aus geometrischer Sicht eher als der auf der linken Seite der Tafel einzeln dargestellte Stern in Frage. Die sechs zwischen dem radialen Zentrum der Himmelstafel und Beteigeuze dargestellten Linien können in der heutigen Darstellung des Orion hierbei dem aus den sechs π-Sternen bestehenden Bogen (der zentrale und mit 3m hellste dieser Reihe π3 Orionis wird nach seinem arabischen Namen al-thābit auch Tabit genannt), dem Arm zum Stern der Schulter Bellatrix, der Schulterlinie zum Stern der anderen Schulter Beteigeuze sowie unterhalb davon zum Gürtel mit den drei Gürtelsternen Mintaka, Alnilam und Alnitak entsprechen.

Halblinkes Segment (2)Bearbeiten

Der Y-förmige Teil des Sternbilds Taurus (Stier) besteht heute aus den folgenden hellen Himmelsobjekten:

  • Nördlich der Ekliptik:
    • Elnath (β Tauri, rechte Hornspitze, gehört gleichzeitig zum Sternbild Auriga (Fuhrmann))
  • Südlich der Ekliptik:
    • Offener Sternhaufen der Hyaden (Kopf des Stieres, inklusive Ain)
    • Aldebaran (α Tauri, rotes, rechtes Auge)
    • Tien Kuan (ζ Tauri, linke Hornspitze)

Die Linien zwischen unterhalb der Hyaden können mit den dunkleren, noch mit bloßem Auge sichtbaren Sternen im Sternbild Stier (namentlich λ Tauri (3,5m) und e Tauri (5m)) zusammenhängen und auf den Stern ο Tauri an der unteren Spitze der ausgerichteten Himmelstafel zulaufen.

Die Spitze zwischen dem halblinken und dem mittleren Segment markiert das vierte Mondhaus Manazil al-Qamar Aldebaran, also beim Nachfolgenden der Plejaden, dem Roten Riesen Aldebaran, (indisch: Nakshatra Rohini, der Rötliche) .

Mittleres Segment (3)Bearbeiten

 
Die Ekliptik über dem Horizont in Blickrichtung Süden beim Sonnenuntergang zum Frühlingsanfang.

Der Bogen mit der dazwischenliegenden geraden Linie im mittleren Segment der Himmelskarte von Tal-Qadi dürfte kein Symbol für ein Tor sein. Tore mit halbrunden Bogen waren während der Entstehungszeit der Himmelstafel in der Tarxien-Phase noch gar nicht verbreitet.

Es muss in diesem Zusammenhang jedoch zur Kenntnis genommen werden, dass die Ekliptik vom Horizontsystem der Erde aus gesehen einen konvexen Kreisbogen darstellt, der den Horizont an zwei Punkten schneidet und sich unterhalb von diesem fortsetzt. Wegen der großen Ähnlichkeit ist es nicht abwegig anzunehmen, dass das im mittleren Segment der Steintafel gezeigte Symbol, das genau im Goldenen Tor der Ekliptik liegt, den Kreisbogen der Ekliptik über dem Horizont und auch noch etwas unterhalb des Horizonts darstellt.

Vor 4500 Jahren befand sich der Frühlingspunkt auf der ausgerichteten Himmelstafel in dem D-förmigen Symbol dieses mittleren Segments.

 
Monduntergang am Horizont des westlichen Morgenhimmels.

Neben der einfachen Deutung des Kreisbogens im mittleren Winkelsegment der Himmelstafel als Bogen der Ekliptik über dem Horizont gibt es noch eine weitere Möglichkeit für eine Erklärung: heute kann zur Wintersonnenwende morgens alle 19 Jahre der Vollmond im Goldenen Tor der Ekliptik beim Untergang beobachtet werden, wo er dann direkt über dem westlichen Horizont oder an der oberen Kante der eingepassten Himmelstafel als nach oben gewölbter Halbkreis zu sehen ist.

Halbrechtes Segment (4)Bearbeiten

 
Detail an der rechten, 22 Zentimeter langen Kante der in 60 Zentimeter Betrachtungsabstand eingepassten Himmelstafel mit maßstäblich dargestellten Vollmonden. Die roten Linien zeigen die senkrecht auf der rechten Kante der Tafel stehende Ekliptik sowie parallel dazu die beiden extremen ekliptikalen Breiten der Mondbahn nördlich und südlich der Ekliptik an. Trifft der Mond die Kerbe an der langen Kante der Himmelstafel (grau), kommt es einen Tag später zu einer Bedeckung der Plejaden. Auch bei der maximal südlichsten Lage der Ekliptik ist an der langen Kante eine eingekerbte Markierung zu erkennen. Trifft der Mond diese Stelle, kommt es anderthalb Tage später zur Bedeckung des Sterns Aldebaran.

Im Sternbild Taurus (Stier) liegt nördlich der Ekliptik der offene Sternhaufen der Plejaden, die im halbrechten Segment dargestellt sind. Im Schwerpunkt dieser Darstellung befinden sich nach der Ausrichtung der Himmelstafel die Plejaden und somit die ekliptikale Länge des dritten Mondhauses Manazil al-Qamar Thuraya (indisch: Nakshatra Krittika). Von Plejaden in Richtung radialem Zentrum der Himmelstafel sind mehrere Striche vorhanden, die die entsprechenden dort liegenden Sterne andeuten könnten (namentlich ξ Tauri (3,5m), s Tauri (5m) und f Tauri (4m)). Die Plejaden kreuzten den Horizont vor 5000 Jahren beim Untergang fast senkrecht und exakt im Westen und beim Aufgang exakt im Osten, da deren Deklination damals null Bogengrad betrug.

An der Stelle und in der Richtung, wo in den beiden rechten Winkelsegmenten die dicke Querfurche erkennbar ist, verläuft am Nachthimmel ungefähr die – an dieser Stelle allerdings nur schwach ausgeprägte – Milchstraße. Jenseits der Milchstraße liegen im Segment rechts der Mitte gegenüber den Plejaden zwei Sterne, die mit den beiden Hauptsternen Menkalinan (links) und Capella (rechts) des Sternbilds Fuhrmann (Auriga) identifiziert werden könnten.

Aufgrund der Erfahrungen mit dem Einpassen einer maßstäblichen Replik der Sterntafel in die Konstellation scheinen die beiden Sterne ζ Persei (4m) und Atik (ο Persei, 2,7m) dargestellt sein, die heute den hinteren Fuß des Sternbilds Perseus direkt nördlich der Plejaden bilden. Bei den Babyloniern wurde dieses Sternbild - vermutlich wegen der nach vorne gebeugten Anmutung - als Alter Mann (SU.GI) bezeichnet. Bei den Beduinen werden die beiden Sterne al-Atiq (bestehend aus ζ Persei und ο Persei) seit Urzeiten als das Schulterblatt von Thuraya (auch al-Thurayya) angesehen.[30] Die beiden Arme der Thuraya breiten sich vom Betrachter aus gesehen von den Plejaden im Sternbild Stier (Taurus) nach links bis zu Menkar im Sternbild Walfisch (Cetus) und nach rechts über das Sternbild Perseus bis hin zum Sternbild Kassiopeia (Cassiopeia) aus, wo sich jeweils die Hände befinden. Die deutlich kürzere Hand auf der linken Seite gilt als die amputierte Hand, und die Hand auf der rechten Seite als die mit Henna tätowierte Hand. An der Stelle des tätowierten Handgelenks befinden sich die beiden mondgroßen, mit bloßem Auge sichtbaren offenen Sternhaufen h und χ Persei.[31]

Eine weitere Möglichkeit der Deutung wäre, dass alle neun mit bloßem Auge sichtbaren Sterne des offenen Sternhaufens der Plejaden in diesem Winkelsegment dargestellt sind, also zusätzlich zu den sieben Hauptsternen auch Celaeno und Asterope, beziehungsweise die beiden Eltern, also der Titan Atlas und die Okeanide Pleione, mit all ihren sieben Töchtern Alkyone, Asterope, Elektra, Kelaeno, Maia, Merope und Taygete.

Rechtes Segment (5)Bearbeiten

Das rechte Segment zeigt einen Stern, der zu dem sehr hellen, mitten in der Milchstraße liegenden Stern Mirfak im Sternbild Perseus passt. Diesseits der Milchstraße gibt es in diesem Segment die drei hellen Sterne Algol im Sternbild Perseus, Alamak im Sternbild Andromeda und ganz unten eventuell auch noch Hamal im Sternbild Widder (Aries). Dahinter liegt das sehr auffällige Sternbild Kassiopeia (Cassiopeia oder auch Himmels-W) mit seinen fünf Sternen, von denen Segin (ε Cassiopeiae, 3,3m) allerdings erkennbar dunkler ist als Ruchbah, Tsih, Shedar und Caph.

Die Konstellation dieser vier Sterne könnte also in der rechten Ecke der Himmelstafel angedeutet sein. Hierzu kann zur Kenntnis genommen werden, dass von Malta aus gesehen heute lediglich die Sternbilder Giraffe (Carmelopardalis), Kassiopeia, Kepheus (Cepheus) und Kleiner Bär (Ursa Minor) vollständig zirkumpolar sind. Von diesen vier Sternbildern hat nur das Sternbild Kassiopeia vier Sterne zweiter Größenklasse (2m) und ist somit zu jedem Zeitpunkt der Nacht und sogar in der Dämmerung einfach und eindeutig zu erkennen. Vor 4500 Jahren lag der nördliche Himmelspol allerdings zwischen dem Großen Wagen im Großen Bären (Ursa Major) und dem Kleinen Bären (Ursa Minor), und nur die heutigen Sternbilder Kleiner Bär (Ursa Minor) und der langegezogene Drache (Draco) waren damals zirkumpolar. Das Sternbild Kassiopeia stand aber immerhin 15 Stunden lang täglich über dem Horizont und kündigte mit seinem Aufgang rechtzeitig den Aufgang der Plejaden an.

In diesem Zusammenhang sei auch darauf hingewiesen, dass die Trennlinie zwischen dem halbrechten und dem rechten Segment der ausgerichteten Himmelstafel damals genau auf die Pole des Himmelsäquators gezeigt hat. Ferner zeigt die senkrecht auf der Ekliptik stehende langen Kante der ausgerichteten Tafel naturgemäß auf die beiden Himmelspole des ekliptikalen Koordinatensystems. Die Schiefe der Ekliptik zum Datum 2500 vor Christi Geburt entspricht mit 24 Bogengrad erstaunlich genau dem Winkel des rechten Segments der Himmelstafel.

Die lange Kante der ausgerichteten Himmelstafel befindet sich im zweiten Mondhaus Manazil al-Qamar Botein, also im Bäuchlein des Widderlammes, (indisch: Nakshatra Bharani, der Wegtragende) und lässt sich zum Ablesen der vom Mond erreichten ekliptikalen Breiten verwenden. Die markante Furche an dieser Kante markiert die nördliche ekliptikale Breite der Plejaden. Die ekliptikalen Breiten des Mondes ändern sich an dieser Stelle nur langsam, so dass es am Folgetag zur Bedeckung der Plejaden durch den Mond kommen wird, wenn der Mond auf diese Furche stößt. Dies war zu allen Zeiten ein besonderes Ereignis, so dass diese auffällige Markierung eventuell auch in diesem Zusammenhang als ein Werkzeug für eine solche Vorhersage gesehen werden kann.

Auf- und UntergängeBearbeiten

 
Die eingepasste Himmelstafel beim Aufgang der Plejaden am östlichen Horizont von Malta.

Der Aufgang der Plejaden wurde bereits vier Stunden im Voraus durch die oben im rechten Winkelsegment genannten Sterne angekündigt. Kassiopeia ging auf Malta damals genau im Nordosten auf, zwei Stunden später etwas weiter östlich gefolgt von Mirfak (α Persei) und Alamak (γ Andromedae). Ungefähr eine Stunde danach erschienen Algol (β Persei) und Hamal (α Arietis), eine weitere Stunde später genau im Osten die Plejaden sowie noch eine Stunde später dann dort die Hyaden und der Rote Riese Aldebaran (α Tauri, arabisch al-dabaran für der (Nach-)folgende). Noch zwei Stunden später - insgesamt also sieben Stunden nach Kassiopeia - ging schließlich der Rote Überriese Beteigeuze (α Orionis) im Osten auf. Alle genannten Sterne kreuzten den östlichen Horizont beim Aufgang unter einem Winkel von ungefähr 45 Bogengrad.

Die untere Spitze der eingepassten Himmelstafel steht bei der schwierigen letzten, nur kurzzeitigen Möglichkeit zur Beobachtung der Plejaden am Abendhimmel, beim akronychischen Untergang beziehungsweise Abendletzt (heute am 1. Mai) und bevor sie in den nördlichen subtropischen Breiten mit bloßem Auge für vierzig Tage nicht mehr zu sehen sind, auf dem westlichen Horizont. Stehen die Plejaden an diesem Abend höher, werden sie vom Tageslicht überstrahlt, stehen sie niedriger, wird ihr Licht auf dem langen Weg durch die Atmosphäre durch starkes Streulicht und die vermehrte Extinktion verschleiert.

Eventuell könnte die dicke Querfurche in den beiden rechten Segmenten der Himmelstafel daher den Verlauf des östlichen Horizonts vor dem Aufgang der Plejaden andeuten, die damals fast exakt im Osten aufgegangen waren. Von Tal-Qadi aus gesehen wird der Horizont in Richtung Osten durch einen flachen Hügel bestimmt. Wenn die Furche während des Aufgangs der Plejaden mit der Kontur dieses Hügels in Übereinstimmung gebracht wurde, waren Mirfak (α Persei), Algol (β Persei) und Hamal (α Arietis) bereits gut eine Stunde zu sehen, und Bharani (41 Arietis oder auch Nair al Butain) war knapp eine Stunde vorher sowie Atik (ο Persei) nur knapp eine halbe Stunde zuvor aufgegangen. Da die beiden Sterne Atik und Bharani zur Einpassung der Himmelstafel verwendet werden können, ist auf diese Weise über die Darstellungen auf der Himmelstafel eine Lagebestimmung der Plejaden und von Aldebaran möglich, obwohl sich diese noch unter dem Horizont befinden und somit gar nicht sichtbar sind.

Beim Untergang verschwand von diesen Sternen damals zuerst Hamal (α Arietis) genau im Westen, eine Stunde danach gefolgt von Alamak (γ Andromedae) etwas weiter nördlich und vom heutigen Sternbild Kassiopeia zuerst Caph (β Cassiopeiae) im Nordwesten. Ungefähr eine weitere Stunde später folgten das Goldene Tor der Ekliptik im Westen und Algol (β Persei) sowie Mirfak (α Persei) etwas weiter nördlich. Die Sterne Algol (β Persei) und Ruchbah (δ Cassiopeiae) gingen hierbei erst gleichzeitig mit den Plejaden unter und danach ebenfalls gleichzeitig Aldebaran (α Tauri) und Mirfak (α Persei) sowie übrigens auch zusammen mit dem hellen Stern Rigel (β Orionis). Den Abschluss machte weitere anderthalb Stunden später Beteigeuze (α Orionis) gleichzeitig mit den beiden Hornspitzen des Sternbilds Stier (Taurus) Tien Kuan (ζ Tauri) und Elnath (β Tauri). Alle genannten Sterne kreuzten den westlichen Horizont beim Untergang fast senkrecht.

Praktische AnwendungBearbeiten

ÜbersichtBearbeiten

Die folgende Galerie zeigt eine Astrophotographie der relevanten Himmelsregion, mit verschiedenen Elementen und schließlich auch der eingepassten Himmelstafel von Tal-Qadi zur besseren Orientierung:

VollmondBearbeiten

Das folgende Bild zeigt, wie mit der Himmelstafel von Tal-Qadi die ekliptikalen Breite des Vollmonds gemessen werden kann, indem sie zwischen vier markanten Sternen eingepasst wird, die in Bezug auf die Plejaden in der Mitte der Anordnung in vier senkrecht zueinanderstehenden Richtungen liegen. Wird die Himmelstafel zwischen dem Hauptstern des Sternbilds Stier (Taurus) Aldebaran links in der Kerbe des halblinken Segments, dem Sternenpaar ζ Persei und Atik im Sternbild Perseus an der Oberkante des halbrechten Segments und ο Tauri im radialen Zentrum unten eingepasst, schneidet die Ekliptik die gerade Kante am äußersten rechten Segment sowohl mittig, als auch senkrecht dazu. Der Stern Bharani im Widder (Aries) befindet sich dann direkt an der rechten oberen Ecke der langen, geraden Kante.

Der Mond hatte während der Aufnahme eine (südliche) ekliptikale Breite von -3,0 Bogengrad und stand im zweiten Mondhaus beim Stern Bharani im Sternbild Widder (Aries).

MerkurBearbeiten

Der Merkur nährt sich jedes Jahr im Frühling zusammen mit der Sonne dem Goldenen Tor der Ekliptik. Meistens wird sein Licht vom Licht der Sonne oder dem Licht der Dämmerung überdeckt, manchmal ist er dabei zu beobachten, wie zum Beispiel im Jahr 2022, als er am Ende April in großem Glanz am westlichen Abendhimmel in der nautischen Dämmerung zu sehen war. Ende April 2022 stand er dann bei fast drei Bogengrad nördlicher Breite und somit bester Sichtbarkeit im Goldenen Tor der Ekliptik. Danach war er rückläufig und erschien zwei Monate später zum Sommeranfang 2022 mit rund drei Bogengrad südlicher ekliptikaler Breite in den Morgenstunden am Osthimmel, wobei die Ekliptik zu diesem Zeitpunkt einen sehr flachen Winkel zum Horizont eingenommen hatte. Unter solchen Voraussetzungen ist er mit bloßem Auge nicht zu sehen.

Der Merkur hat kurz vor Sonnenaufgang und kurz nach Sonnenuntergang stets nur eine geringe Höhe über dem Horizont und die Sonne steht immer so dicht unter dem Horizont, dass die bürgerliche Morgendämmerung bereits viel Streulicht erzeugt. Der Merkur kann deswegen mit bloßem Auge nicht ohne weiteres beobachtet werden. Hierzu müssen gute Randbedingungen herrschen, wie eine große Elongation (maximal 28 Bogengrad), eine möglichst nördliche ekliptikale Breite (maximal 7 Bogengrad) sowie eine möglichst steile Ekliptik über dem Horizont, wie um den Frühlingsanfang im Westen beim Untergang des Merkurs (bei östlicher Elongation), oder um den Herbstbeginn im Osten beim Aufgang des Merkurs (bei westlicher Elongation). Ferner müssen klare Sichtverhältnisse herrschen, und der korrekte Ort über dem Horizont muss beim Betrachten gut fixiert werden. Der Merkur ist mit bloßem Auge also nur selten zu beobachten und eignet sich nicht, um mit der Himmelstafel von Tal-Qadi vermessen zu werden, da diese mangels sichtbarer Fixpunkte nicht in den Sternenhimmel eingepasst werden kann.

  Nikolaus Kopernikus hatte es bedauert, den Planeten Merkur in ermländischen Frauenburg bei einer geographischen Breite von über 54 Bogengrad selber nie beobachten oder gar dessen Position bestimmen zu können:[33][34][35]

Über neuere Beobachtungen der Bewegung des Merkur
Diesen Weg, den Lauf des Planeten zu prüfen, hatten uns die Alten vorgezeichnet. Sie waren von einem heiteren Himmel begünstigt, da der Nil, wie sie berichten, nicht solche Dünste aushaucht, wie bei uns die Weichsel. Uns aber, die wir in einem rauheren Klima wohnen, versagte die Natur diese Bequemlichkeit, da die Luft selten ruhig ist, und außerdem, wegen der großen Schiefe der Himmelskugel seltener Gelegenheit ist, den Merkur zu sehen.
Nikolaus Kopernikus aus Thorn, De recentioribus Mercurii motibus observantis, 1543

Die folgenden beiden Bilder zeigen das untergehende Neulicht des Mondes beim Abenderst (Mondalter 43 Stunden, visuelle Helligkeit -4m) in Konjunktion mit dem Planeten Merkur (20 Bogengrad östliche Elongation, visuelle Helligkeit 2m) zu Beginn der nautischen Dämmerung ungefähr sieben Bogengrad über dem Horizont am 2. Mai 2022. Die Plejaden sind beim Abendletzt (akronychischer Untergang, die visuelle Helligkeit des hellsten Einzelsterns Alkyone beträgt 4m) gerade noch wahrnehmbar.

VenusBearbeiten

 
Die Venus am 2. April 2020 kurz vor Beginn der astronomischen Dämmerung bei großer nördlicher ekliptikaler Breite und großer östlicher Elongation kurz vor der Annäherung an die Plejaden.

Aufgrund der Eigenbewegung der Plejaden konnte die Venus bei maximaler nördlicher ekliptikaler Breite den südlichsten Stern dieses Sternhaufens, Atlas, vor 4800 Jahren noch bedecken. Danach konnte dann nur noch die Annäherung der Venus an den Sternhaufen beobachtet werden. Heute ist der minimal mögliche Abstand zwischen Atlas und Venus auf über ein halbes Bogengrad angewachsen.

Die folgenden Bilder zeigen ein Anwendungsbeispiel mit der eingepassten Himmelstafel von Tal-Qadi mit der Messung der ekliptikalen Breite der Venus, die im Moment der Aufnahme Ende März 2020 über dem westlichen Horizont des Abendhimmels eine nördliche ekliptikale Breite von 3,0 Bogengrad hatte:

MarsBearbeiten

Hier ein Anwendungsbeispiel mit der zwischen den Sternen Aldebaran (α Tauri) im Sternbild Stier (Taurus), Atik (ζ Persei) im Sternbild Perseus, Bharani (41 Arietis) im Sternbild Widder (Aries) und ο Tauri (omikron Tauri) eingepassten Himmelstafel von Tal-Qadi bei der Messung der ekliptikalen Breite vom Planeten Mars am 12. Februar 2021, 24 Tage vor dessen Erreichen des Goldenen Tors der Ekliptik. Der Mars hatte während der Aufnahme eine (nördliche) ekliptikale Breite von 1,35 Bogengrad, und somit nur etwas weniger als der Stern Botein (δ Arietis) direkt links neben Mars in der Abbildung bereits innerhalb der Himmelstafel.

JupiterBearbeiten

Im April 2024 wird sich der Planet Jupiter mit einer südlichen ekliptikalen Breite von zirka 0,75 Bogengrad nach knapp zwölf Jahren (zuletzt also im Frühjahr 2012) erneut dem Goldenen Tor der Ekliptik nähern. Mitte April erscheint er beim Untergang im Westen an der langen Kante der am abendlichen Himmel ausgerichteten Himmelstafel. Am 18. Mai 2024 steht er dann unsichtbar mit der Sonne in Konjunktion, und eine Woche später hat er die ekliptikale Länge der Plejaden erreicht. Im Juni steht er im Goldenen Tor der Ekliptik und kann dann am östlichen Morgenhimmel beim Aufgang beobachtet werden.

SaturnBearbeiten

Der Saturn hat eine siderische Umlaufzeit von fast dreißig Jahren. Das nächste Mal erreicht er das Goldene Tor der Ekliptik in Bezug auf den Fixsternhimmel rückläufig (retrograd) erst im Sommer 2030. Nach einer Kehrtwende beim Stern Ain im September und Oktober 2030 passiert er das Goldene Tor der Ekliptik im November und Dezember 2030 noch einmal rechtläufig (prograd). Nach einer erneuten Kehrtwende Anfang Februar 2031 wird er dann wieder rückläufig und passiert von Ende März bis Anfang April 2031 schließlich zum dritten Mal das Goldene Tor der Ekliptik. Am 24. April 2031 kommt es in nördlichen Breiten am Nachmittag übrigens in wenigen Bogengrad Entfernung von den beiden Sternen Ain und Aldebaran zu einer Bedeckung des Saturns durch den nicht einmal drei Tage alten Mond, die wegen des Tageslichts in Europa allerdings mit bloßem Auge nicht zu beobachten sein wird.

Im Jahr 2059 wird er dann bereits kurz vor dem Erreichen des Goldenen Tors der Ekliptik rechtläufig, so dass er dann nur einmal im Mai 2060 und zwar in Konjunktion mit der Sonne hindurchtritt.

SchlussbetrachtungBearbeiten

Jeder Astronom weiß, wie schwierig es ist, in der Dunkelheit der Nacht Geräte zu bedienen sowie Dokumente zu lesen oder zu schreiben. Eine gut ertastbare und gegebenenfalls vom Dämmerlicht oder von roter Glut in moderater und für eine gleichzeitige Himmelsbeobachtung hinnehmbarer Weise beleuchtete Tafel ist in diesem Kontext gewiss ein brauchbares Hilfsmittel.

Mit den hier dargelegten und naheliegenden Annahmen wäre die Himmelstafel von Tal-Qadi nicht nur ein historisch bedeutendes Abbild des maltesischen Abendhimmels vor rund 4500 Jahren, sondern hätte bereits zu diesem Zeitpunkt für die Bestimmung von kalendarischen Daten und zur Vorhersage von Sternbedeckungen gedient. Dies wäre ein Beleg für die frühen und keineswegs trivialen astronomischen Kenntnisse der damaligen Bewohner der Insel.

WidmungBearbeiten

 
Das Goldene Tor der Ekliptik als Photomontage mit der Kontur einer abgestorbenen Fichte, die zufälliger Weise die Form des Stierkopfs darstellt. Unten in der Mitte die helle Venus, in der Bildmitte die Plejaden und rechts oben das Sternbild Perseus.

Diese Zusammenstellung ist dem deutschen Wissenschaftler   Friedrich Wilhelm Bessel (* 1784; † 1846) gewidmet, der völlig zu Unrecht unbeachtet im Schatten der prominenten Persönlichkeiten seiner Zeit und seines Umfelds steht.

Air de Cour "Je suis ravi de mon Uranie" von Étienne Moulinié (1625). Die Urania war im antiken Griechenland die Schutzgöttin der Sternkunde.

Text:
Je suis ravi de mon Uranie,
Toute beauté pres d'elle est ternie;
Jamais l'amour dedans ces bois
N'en a fait voir, n'y régner de pareille.
C'est une merveille,
Sa seule voix
Peut dompter, et sousmettre les plus grands Roys.

Übersetzung:
Ich bin entzückt von meiner Urania,
Alle Schönheit in ihrer Nähe ist verblasst;
Niemals hat die Liebe in diesen Wäldern
weder so etwas vorgewiesen, noch solches verbreitet.
Das ist ein Wunder,
Allein ihre Stimme
kann bezwingen, und unterwerfen die mächtigsten Könige.

Der Hauptautor dankt besonders seinem Hochschullehrer   Fritz Hinderer (* 1912; † 1991). Er hat ihn mit seiner stets freundlichen, interessierten und zugewandten Art sowie seinem profunden Wissen nicht nur die Astrophysik gelehrt, sondern ihm mit seinem sehr umfangreichen astronomischen Handwerkszeug auch die zahlreichen Facetten der astronomischen Beobachtung nahegebracht.

LiteraturBearbeiten

  • Markus Bautsch: Betrachtungen zur Himmelstafel von Tal-Qadi, in: Journal für Astronomie, Nummer 80, Seiten 109 bis 113, Vereinigung der Sternfreunde, Heppenheim, Januar 2022, ISSN 1615-0880
  • Peter Kurzmann: Weitere Untersuchungen zur neolithischen Sternkarte von Tal-Qadi auf Malta, Archäologie Online, archaeomedia, Freiburg, 10. Juli 2016
  • Peter Kurzmann: Die neolithische Sternkarte von Tal-Qadi auf Malta, Archäologie Online, archaeomedia, Freiburg, 25. Juli 2014
  • Chris Micallef: The Tal-Qadi Stone: a moon calendar or star map, in: The Oracle, Ausgabe 2, Seiten 36 bis 44, Grupp Arkeologiku Malti, Malta, January 2001
  • Vincent Zammit: It-tempju preistoriku tal-Qadi, in: Mument, Seite 9, Media.Link Communications, 12. Januar 1997

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Fernando Coimbra: The Sky on the Rocks - Cometary Images in Rock Art, in: 11/ Prehistoric art: signs, symbols, myth, ideology - Arte Pré-histórica: signos, simbolos, mitos, ideologia, Congresso Internacional da IFRAO 2009, Piauí, Brasil
  2. Halley (1986) - Begleiter der Jahrhunderte, Astro Corner
  3. F. Richard Stephenson, David M. Willis, Thomas J. Hallinan: The earliest datable observation of the aurora borealis, Astronomy & Geophysics, Volume 45, Issue 6, December 2004, Pages 6.15–6.17
  4. Vergleiche hierzu auch Hesekiel 1, Einheitsübersetzung, bibleserver.com
  5. Rita Gautschy: solar eclipse -2146/05/18, Kanon der Sonnenfinsternisse von 2501 vor Christus bis 1000 nach Christus, Version 2.0, Januar 2012
  6. 2.000 Jahre vor Stonehenge… – Das Sonnenobservatorium von Goseck, scienexx, 1. Februar 2008
  7. Rolf d'Aujourd'hui: Belchen, Historisches Lexikon der Schweiz, 7. Mai 2002, Bern
  8. Kiril Kirilov: An excerpt of my Magura cave paintings study, 1. November 2014
  9. Exodus 13,21+22, bibleserver.com, Einheitsübersetzung 2016
  10. 10,0 10,1 Chris Micallef: „The Tal-Qadi Stone: A Moon Calendar or Star Map“, The Oracle, Number 2, 2001, pages 36 to 44
  11. Stone fragment with incised rays, stars, and crescent, New York University, Institute for Studies of the Study of the Ancient World, Globigerina Limestone. H. 23.5, W. 30.0, D. 4.5 cm Tal-Qadi Temple (Malta) HM–NMA: 21314
  12. National Museum of Archaeology
  13. 13,0 13,1 Peter Kurzmann: Weitere Untersuchungen zur neolithischen Sternkarte von Tal-Qadi auf Malta, Archäologie online, 10. Juli 2016
  14. Kalkstein - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung, steine-und-minerale.de
  15. Stèle du rocher des Doms, Avignon Musée Calvet, Collections permanentes Préhistoire
  16. Jean-Pierre Girault, Jean Gascó: DEUX STÈLES PROTOHISTORIQUES REDÉCOUVERTES AU PUY D’ISSOLUD (VAYRAC, LOT), PDF-Datei, französisch
  17. Alexandra Figueiredo, Fernando Augusto Coimbra, Cláudio Monteiro, Nuno Ribeiro: PRELIMINARY ANALYSIS OF THE ROCK ART FROM BURACAS DA SERRA, ALVAIÁZERE (PORTUGAL) - ESTUDIO PRELIMINAR DEL ARTE RUPESTRE DE LA SIERRA DE BURACAS, ALVAIÁZERE (PORTUGAL), in: REVISTA CUADERNOS DE ARTE PREHISTÓRICO, Seiten 127 bis140, 15. Juni 2017, ISSN 0719-7012
  18. Luigi Maria Ugolini: Malta: Origini della Civilta Mediterranea, Seite 128, Malta, La Libreria dello Stato, 1934
  19. Siehe auch Klaus Albrecht: Die „Sternenkarte“ von Tal-Qadi (Malta) und die Ausrichtung des Tempels von Tal-Qadi nach Osten, Kapitel 9 in: Gudrun Wolfschmidt (Herausgeberin): Orientierung, Navigation und Zeitbestimmung - Wie der Himmel den Lebensraum des Menschen prägt, Tagung der Gesellschaft für Archäoastronomie in Hamburg 2017, aus der Reihe Nuncius Hamburgensis - Beiträge zur Geschichte der Naturwissenschaften, Band 42
  20. 20,0 20,1 Peter Kurzmann: Die neolithische Sternkarte von Tal-Qadi auf Malta, Archäologie online, 25. Juli 2014
  21. Ernst von Bunsen: Die Plejaden und der Thierkreis oder: Das Geheimnis der Symbole, Verlag von Mitscher und Röstell, Berlin, 1879
  22. Offenbarung des Johannes, Kapitel 22, Vers 13, bibleserver.com, Einheitsübersetzung
  23. 23,0 23,1 23,2 Frank Ventura, Michael Hoskin: Temples of Malta, in: Clive Ruggles (Herausgeber), Handbook of Archaeoastronomy and Ethnoastronomy, 7. Juli 2014, Seiten 1421-1430, Springer, New York, ISBN 978-1-4614-6140-1
  24. Kai Helge Wirth: „The Zodiac of Malta - The Tal Qadi Stone Enigma - Ultimate proof of Newtons Theory”, 2016, 2. Auflage, ISBN 978-3741250590
  25. Isaac Newton: The Chronology of Ancient Kingdoms Amended, London, 1728
  26. Isaac Newton: A Short Chronicle from the First Memory of Things in Europe, to the Conquest of Persia by Alexander the Great
  27. Dirk Lorenzen: Aldebaran-Bedeckung am frühen Morgen - Sternbedeckung wie einst bei Copernicus, Deutschlandfunk, 5. November 2017
  28. Werner Papke: Zwei Plejaden-Schaltregeln aus dem 3. Jahrtausend, Archiv für Orientforschung, 31. Band, 1984, Seiten 67-70
  29. 29–30. November 2020 Halbschatten-Mondfinsternis, timeanddate.de, Time and Date AS, Stavanger, Norwegen
  30. Emilie Savage-Smith: Islamicate Celestial Globes - Their History, Construction, and Use, Smithsonian Studies in History and Technology, Nummer 46, Smithsonian Institution Press, Washington, D.C., 1985
  31. Danielle Adams: Thuraya, the Abundant Darling of the Heavens - The quintessential asterism, Two Deserts, one sky - Arab Star Calendars, 3 December 2015
  32. Danielle Adams: The Lamb - A folkloric celestial complex, Two Deserts, one sky - Arab Star Calendars, 2017
  33. Vergleiche Johann Elert Bode (Herausgeber): Berliner Astronomisches Jahrbuch für das Jahr 1794 nebst einer Sammlung der neuesten in die astronomischen Wissenschaften einschlagenden Abhandlungen und Nachrichten, Berlin, 1791, Seite 187
  34. Siehe Nikolaus Kopernikus aus Thorn: De revolutionibus orbium coelestium, Liber quintus, Capitulum 30: De recentioribus Mercurii motibus observantis, Johannes Petreius, Nürnberg, 1543, Seite 169a (rechts)
  35. Nikolaus Kopernikus aus Thorn: Über die Kreisbewegungen der Weltkörper, Fünftes Buch, Capitel 30: Ueber neuere Beobachtungen der Bewegung des Merkur, übersetzt und mit Anmerkungen von Dr. C. L. Menzzer, durchgesehen und mit einem Vorwort von Dr. Moritz Cantor, herausgegeben von dem Coppernicus-Verein für Wissenschaft und Kunst zu Thorn, Verlag Ernst Lambeck, Thorn, 1879


TarxienBearbeiten

 
Lage von Tarxien auf der Insel Malta.
 
Landkarte vom heutigen maltesischen Ort Tarxien.

Dieser Exkurs beschäftigt sich mit der Tarxien-Phase und dem gleichnamigen, südöstlich gelegenen Ort auf der Insel Malta.

TarxienBearbeiten

Die über 500-jährige Periode um 3000 bis 2500 vor Christus wird die Tarxien-Phase der Insel Malta mit ihren beiden kleineren Nachbarinseln Gozo und Comino genannt. Sie ist nach dem zirka 13 Kilometer weiter südöstlich von Tal-Qadi gelegenen Ort Tarxien (Aussprache ['tarʃiɛn] mit „sch“, auf Maltesisch [tar'ʃɪ:n]) benannt, in dem - wie auch an vielen weiteren Orten auf der Insel - Tempel errichtet worden waren. Aus dieser Zeit stammt auch das   Hypogäum von Ħal-Saflieni, in welchem die sterblichen Überreste von mehreren tausend Menschen gefunden wurden. In Tarxien wurde bereits in der frühen Ggantia-Phase der bedeutende Tempel "Kordin III" angelegt und bis zum Ende der Tarxien-Phase immer weiter ausgebaut. Die Anlage wurde 1914 zufällig entdeckt, und die Ausgrabungen wurden von 1915 bis 1919 durchgeführt.[1]

Malta und die Nachbarinsel Gozo hatten in der Tarxien-Phase der Insel über zwei Dutzend Tempelanlagen, von denen insbesondere beim maltesischen Tempel von Mnajdra nachgewiesen werden konnte, dass er für astronomische Beobachtungen eingesetzt wurde. Die Tempel wurden ab dem vierten vorchristlichen Jahrtausend bis ungefähr 2500 vor Christus errichtet, nachdem dort schon seit über 2000 Jahren die Vorfahren der Menschen gelebt hatten, die die Tempelanlagen bauten. Sie stammen aus der Jungsteinzeit und gehören seit 1992 zur UNESCO-Welterbestätte „Megalithische Tempel von Malta“.

Mit dem Ende der Tarxien-Phase brach der Tempelbau auf Malta abrupt ab. Mehrere Gesellschaften im geographischen Bereich von Italien bis nach Indien wurden in dieser Zeit stark geschwächt oder sind sogar untergegangen. Dies könnte eventuell mit der irgendwann zwischen 2300 und 1800 vor Christus mindestens mehrere Jahrzehnte angedauert habenden Dürreperiode in diesen Breiten zusammenhängen.[2]

SchifffahrtBearbeiten

Während der maltesischen Tarxien-Phase wurden im Süden Ägyptens Darstellungen von Schiffen in Stein gemeißelt, und aus dem Ägypten dieser Zeit ist auch die Darstellung eines Segels auf einer Keramik bekannt. Das älteste erhaltene Schiff ist die mit Rudern angetriebene, 40 Meter lange Cheops-Totenbarke aus Zedernholzplanken von 2565 vor Christus. Die Ägypter blieben mit ihren Schiffen allerdings wohl eher auf dem Nil und in Küstennähe.

Malta ist jedoch nur gut 200 Kilometer von der nordafrikanischen Küste entfernt, so dass es sich bei der Insel um eines der ersten Ziele der nordafrikanischen Hochseeschifffahrt im Mittelmeer gehandelt haben könnte. Die Minoer auf Kreta drangen im zweiten vorchristlichen Jahrtausend mit ihren Schiffen weit in den Westen vor, wo sie ebenfalls bis nach Malta gekommen sein könnten.[3]

PhönizierBearbeiten

 
Die Karte zeigt wichtige Orte im Mittelmeerraum und die Seehandelswege der Phönizier, nachdem diese das gesamte Mittelmeer bis ganz nach Westen hin erkundet und bereist hatten.

Der Wahlspruch der Einwohner von Tarxien soll auch heute noch „Tyrii Genure Coloni“ lauten, was so viel bedeutet wie „Tyrische Siedler haben (uns) hervorgebracht“ und was sich auf die uralte Stadt Tyros in Phönizien bezieht, die heute an der südlichen Küste des Libanons liegt und spätestens im 15. vorchristlichen Jahrhundert von Seefahrern bevölkert war, von denen leider nicht viel überliefert ist. Der römische Dichter   Vergil hat im ersten Buch seiner Aeneis mit „Tyrii tenuere coloni“ eine sehr ähnliche Formulierung für die Gründung der afrikanischen Küstenstadt Karthago durch die Tyrer verwendet.[4]

Der große Schriftprophet Hesekiel schreibt in seinem 27. Kapitel über das prächtige Schiff Tyrus:[5]

4 Im Herzen der Meere liegt dein Gebiet. Vollendet schön schufen dich deine Erbauer.
...
6 Deine Ruder machten sie aus Terebinthen vom Baschan, dein Deck aus Elfenbein und Eschenholz von den Inseln der Kittäer.
7 ... Deine Planen waren aus violettem und rotem Purpur von den Küsten Elischas.
8 ... Deine Weisen, Tyrus, waren bei dir. Sie waren deine Seeleute.
...
12 Tarschisch kaufte bei dir wegen der Fülle all deiner Güter; Silber, Eisen, Zinn und Blei gaben sie für deine Waren.
13 Jawan, Tubal und Meschech, sie waren deine Händler. Menschen und Kupfergeräte gaben sie für deine Handelswaren.
...
15 ... Viele Inseln standen als Kaufleute an deiner Seite; als Abgaben brachten sie dir Elfenbein und Ebenholz.
...
25 Die Schiffe von Tarschisch dienten dir als Karawanen für deine Waren. So fülltest du dich, wurdest schwer beladen im Herzen der Meere.
26 Über gewaltige Wasser brachten dich deine Ruderer. Da zerbrach dich der Ostwind im Herzen der Meere.

Altes TestamentBearbeiten

Auf der Insel Malta befand sich im Altertum eine hochentwickelte Tempelkultur, die vermutlich auch in vielen anderen Küstenregionen des Mittelmeers bekannt war. Der legendäre in der Bibel mehrfach erwähnte und im Mittelmeer vermutete Ort Tarschisch (auch Tarsis oder Tharsis, griechisch: "Θαρσις", hebräisch: "תַּרְשִׁ֥ישׁ") hat einen sehr ähnlichen Wortstamm wie „Tarxien“.

Die vier Söhne des Enkels Jawan vom Urvater Noach hießen Elischa, Tarschisch, die Kittäer und die Rodaniter. Wie im zehnten Kapitel der Genesis nachzulesen ist, waren sie die Urväter von den "Inseln der Völker in ihren verschiedenen Ländern":[6]

Die Söhne Jawans sind Elischa, Tarschisch, die Kittäer und die Rodaniter.
5 Von ihnen trennten sich die Inseln der Völker in ihren verschiedenen Ländern,
jedes nach seiner Sprache, gemäß ihren Sippenverbänden, innerhalb ihrer Völker.

Die von Noachs Urenkel Kittim abstammenden Kittäer werden mit dem Königreich Kition auf der Mittelmeerinsel Zypern, und die Rodaniter werden auch mit der östlich gelegenen und viertgrößten griechischen Insel Rhodos in Verbindung gebracht.[7]

 
Die Karte zeigt die mutmaßlich frühen Seehandelswege der Phönizier im Mittelmeerraum. In der Anfangszeit der phönizischen Seefahrt wurden aus Sicherheitsgründen und wegen der einfacheren Navigation vermutlich nur die küstennahen Regionen befahren, so dass nur Zypern, Rhodos und Kreta sowie weiter westlich über die nordafrikanische Küste bis zur erst im späten 9. Jahrhundert vor Christus gegründeten Stadt Karthago nur die Inseln Malta und Sizilien zu den erreichbaren bedeutenden Inseln gezählt haben dürften.

Bei einer Inschrift des Königs Asarhaddon (7. vorchristliches Jahrhundert) aus dem Assyrischen Reich in Mesopotamien heißt es in Bezug auf das Mittelmeer:[8]

Alle Könige, die mitten im Meere wohnen,
von Iadanana und Iaman an bis nach Tarsisi,
unterwarfen sich unter meine Füße.

Diese Aussage hat sicherlich weniger mit einem assyrischen Machtanspruch auf die beschriebene Gebiete zu tun, sondern vielmehr mit einem politischen Bündnis und den dazugehörigen Tributen, die aus ökonomischen Interessen von diesen reichen aber vergleichsweise kleinen Inselstaaten gezollt wurden. Bei der Insel Iadanana handelt es sich um die Insel Zypern. Iaman lag wohl im Bereich der Inseln des antiken Griechenlands[9]. In der Septuaginta wird das hebräische "Jawan" als "Ιωνοι" ("Ionoi") und in der Vulgata als "Javan" übersetzt, was mit den Stämmen des alten Griechenlands gleichgesetzt wird.

Tartisi kann wahrscheinlich der noch weiter westlich gelegenen Inselregion Sizilien und Malta zugeordnet werden, wie mit den folgenden Ausführungen nahegelegt wird:

Die Seefahrer aus Tarschisch (hebräisch: תַּרְשִׁישׁ) sollen laut dem Ersten Buch der Könige bereits im 10. vorchristlichen Jahrhundert mit Edelmetallen und auch mit afrikanischen Waren gehandelt und diese bis nach Israel geliefert haben:[10]

Einmal in drei Jahren kam die Tarschischflotte und brachte Gold, Silber, Elfenbein, Affen und Pfauen.

Das hinter der Meerenge von Gibraltar am äußersten westlichen Ende des Mittelmeers gelegene Tartessos wird manchmal in Verbindung mit diesem Ort gebracht. Diese Hypothese wird allerdings mit Recht angezweifelt[7], denn Malta liegt vom östlichen Rand des Mittelmeers aus gemessen nur auf halbem Weg bis nach Tartessos, Malta ist die nächste Insel westlich von Zypern und Kreta, der südlich gelegenen und größten der griechischen Inseln, und Malta ist vom östlichen Ende des Mittelmeers aus mit einem Schiff somit erheblich einfacher und früher erreichbar gewesen als das westliche Ende des Mittelmeers. Die von Malta aus nicht weit entfernte nordafrikanische Küstenstadt Tunis bestand bereits vor dem Eintreffen der ersten phönizischen Seefahrer, Händler und Siedler im 9. Jahrhundert vor Christus, die dort damals die nahegelegene Küstenstadt Karthago gegründet haben. Die Septuaginta setzt das hebräische Wort Tarsis an mehreren Stellen mit Karthago gleich, das sich nur rund 300 Kilometer von der Insel Malta entfernt an der nordafrikanischen Küste befindet. Malta und Karthago können geographisch also ohne Umstände der gleichen Mittelmeerregion zugeordnet werden.

Mehrere entsprechende Textstellen finden sich im 23. Kapitel beim Propheten Jesaja, wie hier im ersten Vers:[11]

Septuaginta: Τὸ ὅραμα Τύρου. ᾿Ολολύζετε, πλοῖα Καρχηδόνος
Vulgata: onus Tyri ululate naves maris
Einheitsübersetzung: Dies ist die Last für Tyrus: Heult, ihr Tarsisschiffe

Die Vulgata ordnet die Meeresschiffe ("naves maris") keinem der beiden Orte zu. Der Prophet Hesekiel (Ezechiel) wird im Kapitel 27, Vers 12 wie folgt übersetzt,[12] und hier folgt die Vulgata, nicht jedoch die Einheitsübersetzung, der Septuaginta in der Interpretation:

Septuaginta: Καρχηδόνιοι ἔμποροί σου ἀπὸ πλήθους πάσης ἰσχύος σου, ἀργύριον καὶ χρυσίον καὶ σίδηρον καὶ κασσίτερον καὶ μόλυβον ἔδωκαν τὴν ἀγοράν σου
Vulgata: Carthaginienses negotiatores tui a multitudine cunctarum divitiarum argento ferro stagno plumboque repleverunt nundinas tuas
Einheitsübersetzung: Tarschisch kaufte bei dir wegen der Fülle all deiner Güter; Silber, Eisen, Zinn und Blei gaben sie für deine Waren

Im Kapitel 38 des Propheten Hesekiel wird der 13. Vers in der Vulgata allerdings wieder mit "Tarsis" übersetzt:[13]

Septuaginta: Σαβα καὶ Δαιδαν καὶ ἔμποροι Καρχηδόνιοι καὶ πᾶσαι αἱ κῶμαι αὐτῶν ἐροῦσίν σοι
Vulgata: Seba et Dedan et negotiatores Tharsis et omnes leones eius dicent tibi
Einheitsübersetzung: Saba, Dedan und die Kaufleute von Tarsis und alle seine Gewaltigen werden zu dir sagen

 
Der Beginn des gregorianischen Offertoriums "Reges Tharsis" (Psalm 72) in moderner Neumennotation im C-Schlüssel:
Reges Tharsis et insulae munera offerent, Reges Arabum et Saba dona adducent.
Wörtlich übersetzt:
Die Könige aus Tarschisch und von den Inseln werden Geschenke darbieten, die Könige aus Arabien und aus Saba werden Gaben bringen.
Die Silbe "-sis" ist mit insgesamt sieben Neumen versehen, die alle auf der gleichen Tonhöhe liegen und von denen drei mit zeitlicher Dehnung notiert sind. Dies ist im gesamten mittelalterlichen Repertoire des gregorianischen Gesangs der längste Ton auf einer Tonhöhe. Der Komponist wollte damit verdeutlichen, dass Tharsis ein sehr weit entfernter Ort ist und die Könige eine sehr lange Reise hinter sich haben werden.
 
Der Beginn des gregorianischen Offertoriums (OF) "Reges Tharsis" im Graduale des handschriftlichen Codex Sangallensis 342 aus dem 10. und 11. Jahrhundert mit adiastematischen Neumen.
Die ersten beiden Wörter "Reges Tharsis" des Offertoriums in gesungener Fassung.

Auch die im zehnten Vers des 72. Psalms erwähnten „Könige von Tarschisch“[14]

Septuaginta: βασιλεῖς Θαρσις καὶ αἱ νῆσοι δῶρα προσοίσουσιν
Vulgata: reges Tharsis et insulae munera offerent
Einheitsübersetzung: Die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Gaben.

sowie der geplante Fluchtort des Propheten Jona werden mit von Vorderasien aus gesehen weit westlich gelegenen Orten in einem großen Meer in Verbindung gebracht:[15]

Jona machte sich auf den Weg; doch er wollte nach Tarschisch fliehen, weit weg vom HERRN.
Er ging also nach Jafo hinab und fand dort ein Schiff, das nach Tarschisch fuhr.
Er bezahlte das Fahrgeld und ging an Bord, um nach Tarschisch mitzufahren, weit weg vom HERRN.

Die Septuaginta und die Vulgata verwenden hier ebenfalls den Namen "Tharsis". Der hebräische Ortsname "Jafo" steht für die Hafenstadt "Jaffa", die heute ein Ortsteil der nach Jerusalem zweitgrößten israelischen Stadt Tel-Aviv ist und einen direkten Zugang zum Mittelmeer hat. Jaffa liegt ungefähr 150 Kilometer südlich von einer der ältesten ohne Unterbrechung bewohnten Küstenstädte Tyros im heutigen Libanon, von wo aus die Phönizier ihren Seehandel betrieben.

SchlussbemerkungBearbeiten

Mit Tarschisch kann kein Ort gemeint sein, der üblicherweise auf dem Landweg erreicht werden kann. Er liegt demnach also nicht in Arabien östlich von Kanaan oder an der afrikanischen Küste sowie in Saba südlich von Kanaan. Das Mittelmeer erstreckt sich von den Küsten Phöniziens und des Heiligen Lands aus gesehen nach Westen, und daher sind von dort aus nur westlich gelegene Orte mit dem Schiff erreichbar.

Nach den oben ausgeführten Überlegungen ist es naheliegend, den Ort Tarschisch respektive Tarsis mit dem Ort Taxien auf Malta und die Inseln des Mittelmeeres mit den Inseln von Malta und Sizilien ganz im Westen bis zur Küste von Kanaan ganz im Osten zu identifizieren, namentlich mit den großen Inseln Kreta, Rhodos und Zypern.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Daniel Cilia: Tarxien, The megalithic temples of Malta - the world's most ancient stone architecture
  2. Michael Marshall: Did a mega drought topple empires 4,200 years ago?, Nature, 601, 498-501, 26. Januar 2022
  3. Laut zweiter Schautafeln im Internationalen Maritimen Museum Hamburg, September 2021
  4. Aeneis - Buch 1 - Vers 12
  5. Siehe Hesekiel, Kapitel 27, Einheitsübersetzung, bibleserver.com
  6. Siehe Genesis, Kapitel 10, Einheitsübersetzung, bibleserver.com
  7. 7,0 7,1 Siehe auch Michael Heuhold: Jawan & Söhne
  8. Isaac Kalimi: Anhang C (1), Zur Geschichtsschreibung des Chronisten: Literarisch-historiographische Abweichungen der Chronik von ihren Paralleltexten in den Samuel- und Königsbüchern, Band 226 von Beihefte zur Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft, Seite 338 ff., Walter de Gruyter, 2016, ISBN 9783110884036
  9. Robert Rollinger: Zur Bezeichnung Von “Griechen” in Keilschrifttexten, Revue d’Assyriologie et d’archéologie orientale. 1997;91(2):167-172
  10. Siehe Erstes Buch der Könige, Kapitel 10, Vers 22, Einheitsübersetzung, bibleserver.com
  11. Jesaja, Kapitel 23, Einheitsübersetzung, bibleserver.com
  12. Hesekiel, Kapitel 27, Vers 12, Einheitsübersetzung, bibleserver.com
  13. Hesekiel, Kapitel 18, Vers 13, Einheitsübersetzung, bibleserver.com
  14. Siehe Psalm 72,10, Einheitsübersetzung, bibleserver.com
  15. Siehe Buch Jona, Kapitel 1, Vers 3, Einheitsübersetzung, bibleserver.com


Die PlejadenBearbeiten

Die Plejaden gehören mit dem Mond und den fünf mit bloßem Auge sichtbaren Planeten, zu den auffälligsten Objekten am Nachthimmel, die ohne Hilfsmittel beobachtet werden können.

Die Sterne der PlejadenBearbeiten

Die Plejaden bestehen aus insgesamt über eintausend einzelnen Sternen. Sie gehören zu einem offenen Sternhaufen und sind unserem Sonnensystem zwar nicht so groß und so nah wie der ebenfalls im Sternbild Stier (Taurus) gelegene Sternhaufen der nur 153 Lichtjahre entfernten Hyaden, mit einer Entfernung von rund 400 Lichtjahren sind sie dennoch nah genug, dass einzelne der helleren Sterne mit bloßem Auge unterschieden werden können.

Diese beiden Sternhaufen bilden das Exkurs Das Goldene Tor der Ekliptik, durch das im Laufe der Zeiten immer wieder alle Wandelgestirne hindurchziehen.

Die hellsten sieben Hauptsterne der Plejaden sind im Folgenden aufgelistet:

Die sieben Hauptsterne der Plejaden
Eigenname Scheinbare
Helligkeit
Alkione 3,0m
Atlas 3,5m
Electra 3,5m
Maia 4,0m
Merope 4,0m
Taygeta 4,0m
Pleione ≈5,0m
Anmerkung: Die numerische Größenklasse der scheinbaren Helligkeit wird durch ein nach- und hochgestelltes m (für magnitudo beziehungsweise kürzer auch mag) gekennzeichnet. Eine um eine Größenklasse höhere Zahl, bedeutet eine Abnahme der scheinbaren Helligkeit um einen Faktor von rund 2,5. Der Helligkeitsunterschied zwischen dem hellsten Stern des Nachthimmels Sirius (-1,5m) und den dunkelsten gerade noch mit unbewaffnetem Auge sichtbaren Sternen (6m) entspricht demzufolge einem Verhältnis von 1000 zu 1. Die scheinbare Helligkeit sagt nichts über die Größe, Entfernung oder absolute Helligkeit eines Sternes aus.

→ Siehe auch Exkurs Zur Sieben.

Atlas ist in der griechischen Mythologie der Vater und Pleione die Mutter der sieben Plejaden. Zwei weitere, etwas dunklere Sterne des Sternhaufens haben die Eigennamen der beiden anderen Plejaden aus der Mythologie, nämlich Celaeno (5,5m) und Asterope (6,0m). Alle weiteren sichtbaren Sterne sind deutlich dunkler. Für den Sternhaufen resultiert insgesamt eine scheinbare Helligkeit von ungefähr 1,5m.

SichtbarkeitBearbeiten

Die Plejaden stehen heute sowohl am 20. Mai (in Konjunktion zur Sonne sind sie dann unsichtbar) als auch am 18. November (in Opposition zur Sonne und um Mitternacht mit maximaler Höhe über dem südlichen Horizont) im Meridian. Der Meridian ist der gedachte Großkreis, der sowohl durch die beiden Himmelspole als auch durch den Zenit und den Nadir läuft. Im Winter und im Frühjahr sind die Plejaden am Abendhimmel in westlicher Richtung und im Sommer und im Herbst am Morgenhimmel in östlicher Richtung zu beobachten.

 
Die Plejaden beim Abendletzt (akronychischer Untergang) von Berlin aus gesehen. Die effektive scheinbare Helligkeit zu Beginn der nautischen Abenddämmerung betrug 3,7m (Alkione) bis 6,4m (Celaeno), die Höhe über dem nordwestlichen Horizont 8 Bogengrad.

Seit jeher hatten die zu beobachtenden Auf- und Untergänge der Plejaden eine hohe kulturelle und wissenschaftliche Bedeutung. Heliakische Aufgänge sind hierbei "zur Sonne gehörend", also in Nähe zur aufgehenden Sonne (Morgenerst), und akronychische Untergänge befinden sich "am Rand der beginnenden Nacht", also in Nähe zur untergehenden Sonne (Abendletzt). Für die Beobachtung der Plejaden muss die Sonne allerdings unter dem Horizont stehen, und der Abstand zur Sonne (also die Elongation) muss mehr als 18 Bogengrad betragen, damit das in der Atmosphäre gestreute Sonnenlicht die Sterne des Sternhaufens nicht überstrahlt.

Die akronychischen Aufgänge (Abenderst) sowie die heliakischen Untergänge (Morgenletzt) spielen für Fixsterne (und somit auch für die Plejaden) keine Rolle, da diese im Gegensatz zum Mond, zu den Planeten und zu Kometen in den Nächten zwischen Morgenerst und Abendletzt immer zu sehen sind.

Um 2320 vor Christus befanden sich die Plejaden genau auf der ekliptikalen Länge des Frühlingspunkts und der akronychische Untergang fand demzufolge zirka 20 Tage vor Frühlingsbeginn also am Anfang des Monats März statt, der in alten Sonnenkalendern der erste Monat des Jahres war. Um 1000 vor Christus hatten die Plejaden eine ekliptikale Länge von rund 18 Bogengrad, so dass der akronychische Untergang genau zum Frühlingsbeginn erfolgte.

Der Zeitpunkt des heliakischen Aufgangs der Plejaden in Bezug auf die durch die Mondphasen bestimmten zwölf Monate machte diese im babylonischen Lunisolarkalender zu einem Kalendergestirn. Wenn der Aufgang sich bis in den dritten Kalendermonat (Simanu) verschoben hatte, wurde ein dreizehnter Schaltmonat eingelegt, womit die Kalendermonate wieder mit dem Frühlingsbeginn des Sonnenjahrs synchronisiert werden konnten.

Auch die neuseeländischen Māori orientierten sich am heliakischen Aufgang der Plejaden, um den Termin des Neujahrs festzulegen und mit der Aussaat zu beginnen.

Da die Pole der Ekliptik 3000 Jahre vor Christus in der Nähe des Meridians lagen, gingen die Plejaden überall auf der Erde exakt im Westen (bei einem Azimut von 270 Bogengrad) unter und exakt im Osten (bei einem Azimut von 90 Bogengrad) auf, und waren daher täglich und ganzjährig zur Bestimmung dieser ausgezeichneten Himmelsrichtungen geeignet.

Vor 5000 Jahren gingen die Plejaden auf der Linie des Horizonts ungefähr bei 7 Bogengrad nördlich der Ekliptik auf und bei 4 Bogengrad nördlich der Ekliptik unter. Heute gehen die Plejaden auf der Linie des Horizonts fast unverändert ungefähr bei 7 Bogengrad nördlich der Ekliptik auf und bei 5nbsp;Bogengrad nördlich der Ekliptik unter.

Vom Elsässer Belchen aus gesehen gehen die Plejaden heute beispielsweise immer über dem Kleinen Belchen auf, wo auch die Sonne bei der Sommersonnenwende aufgeht. Am 1. Mai, also an dem Tag, an dem die Plejaden in unserer heutigen Zeit in der maltesischen Abenddämmerung verschwunden sind, geht sie genau über dem höchsten Berg der Vogesen, dem Großen Belchen auf. Dieser wurde vermutlich dem keltischen Lichtgott Belenus geweiht, dessen Feiertag Beltane auf den 1. Mai fällt. Der Schwarzwälder Belchen befindet sich exakt in östlicher Richtung, also auf dem gleichen Breitengrad wie der Elsässer Belchen (47,82° nördliche Breite). An den beiden Tagen der Tag-und-Nacht-Gleiche beim Frühlings- und Herbstanfang gehen Himmelsobjekte, die sich in der Nähe des Frühlings- beziehungsweise des Herbstpunktes der Sonne befinden (also auch die Plejaden, die sich vor 5000 Jahren dort befanden), vom Elsässer Belchen aus gesehen genau im Osten über dem Schwarzwälder Belchen auf beziehungsweise vom Schwarzwälder Belchen aus gesehen genau im Westen über dem Elsässer Belchen unter.[1]

→ Siehe auch Das Belchen-System.

Als BezugspunktBearbeiten

 
Die sieben hellsten feststehenden Himmelsobjekte in der Nähe der Ekliptik liegen zwischen den Sternbildern Stier (Taurus, rechts) und Skorpion (Scorpio, links). Zwischen den Hyaden und den Plejaden befindet sich das Goldene Tor der Ekliptik. Der Bogen der Ekliptik wird von den Wandelgestirnen vom Frühlingspunkt rechts zum Herbstpunkt links durchlaufen. In der Nähe der anderen, nicht dargestellten Bogenhälfte befinden sich keine hellen Fixsterne. Außerhalb des Bogens liegende Punkte befinden sich nördlich der Ekliptik und innen liegende südlich.

Die Plejaden liegen nahe der Ekliptik und sind eines der hellsten und aufgrund ihrer Form das auffälligste Fixsternobjekt an der Ekliptik. Sie sind ein "Pfosten" des Goldenen Tors der Ekliptik. Um 2300 vor Christi Geburt lag der Frühlingspunkt auf der Ekliptik bei der gleichen ekliptikalen Länge wie das Siebengestirn im heutigen Sternbild Stier (Taurus). Es hat eine nördliche ekliptikale Breite von gut Bogengrad. Damit kann es von den Wandelgestirnen bedeckt werden, deren Bahnen eine hinreichend große Neigung zur Ekliptik haben. Dies sind der Mond (Bahnneigung gut 5 Bogengrad) und der Merkur (Bahnneigung rund 7 Bogengrad). Letzterer ist wegen seiner permanenten Sonnennähe allerdings mit bloßem Auge nie gleichzeitig mit den Plejaden zu sehen. Bis heute hat sich der Frühlingspunkt gut 60 Bogengrad in westlicher Richtung verschoben, so dass er über das heutige Sternbild Widder (Aries) in das heutige heute Sternbild Fische (Pisces) weitergewandert ist.

Die beiden Roten Riesen Aldebaran und Antares liegen fast auf der Ekliptik und unterscheiden sich in ihrer ekliptikalen Länge um fast genau 180 Bogengrad. Die beiden äußersten Pole der Reihe sieben hellsten feststehenden Himmelsobjekte in der Nähe der Ekliptik, der Stern Antares und der Sternhaufen der Plejaden, werden in ihrer Eigenschaft als Kalendergespann auch als Plejaden-Waage bezeichnet.[2] Für die damaligen Menschen waren die beiden sehr hellen und rot leuchtenden Sterne Antares im Sternbild Skorpion (Scorpio) und Aldebaran im offenen Sternhaufen der Hyaden mit dem gegenüberliegenden Siebengestirn im Sternbild Stier (Taurus) ein Gespann, um auf einfache Weise die Zeitpunkte des Frühlings- und des Herbstanfangs im Sonnenjahr zuverlässig zu bestimmen. Der in Abbildung zu sehende Halbbogen der Ekliptik befand sich damals zum Frühlingsbeginn bei Sonnenuntergang und zum Herbstbeginn bei Sonnenaufgang vollständig oberhalb des Horizonts. Zum Sommerbeginn war dieser Halbbogen um Mitternacht vollständig unter dem Horizont und daher gar nicht zu sehen. Der sichtbare Teil der Ekliptik war zum Winterbeginn um Mitternacht vom Stern Antares Osten bis zu den Plejaden im Westen vollständig und fast gleichmäßig in 45-Grad-Schritten durch die weitern angegebenen drei ekliptiknahen Sterne Spica im Sternbild Jungfrau (Virgo), Regulus im Sternbild Löwe (Leo) und Pollux im Sternbild Zwillinge (Gemini) markiert. Die Ekliptik schnitt dann den Meridian im Süden bei maximaler Höhe und nahe des Sterns Regulus.

→ Siehe auch Die sieben hellsten Objekte der Ekliptik.

Der Mond durchläuft auf seiner monatlichen Bahn alle ekliptikalen Längen. Diese Längen wurden schon im Altertum in Mondhäuser eingeteilt, in denen sich der Mond jeweils genau einen Tag lang aufhält, bevor er in das nächste Mondhaus weiterwandert. Als Bezugspunkt diente auch schon im Altertum häufig der Frühlingspunkt. Um 700 vor Christi Geburt lag der Frühlingspunkt auf der Ekliptik bei der gleichen ekliptikalen Länge wie der Hauptstern Hamal des heutigen Sternbilds Widder (Aries). Bei den Beduinen wurden 28 Mondhäuser verwendet, und Hamal lag im ersten Mondhaus Scheratan ("die beiden Zeichen") oder Alnath ("das Horn" des Lammes). Wenn sich der Mond in diesem Mondhaus befindet, ist er einen Tag später im zweiten Mondhaus Albotayn ("das Bäuchlein" des Lammes, dort befindet sich auch der Stern Nair al Butain, auch Bharani genannt) und noch einen Tag später im dritten Mondhaus Thuraya, das sind die Plejaden.

 
Die in die Ebene projizierten 28 Mondhäuser (von rechts nach links) mit den wichtigsten Sternen entlang der Ekliptik (rote gestrichelte Linie, ekliptikale Länge von 0 Bogengrad bis 360 Bogengrad zur Epoche J0000.0 in horizontaler Richtung, senkrecht dazu die ekliptikale Breite). Die beiden seitlichen Ränder der Abbildung gehen im Kreisbogen der Ekliptik nahtlos ineinander über. Die Plejaden befinden sich im dritten Mondhaus.

Bei den Indern gab es nur 27 Mondhäuser und Hamal lag ebenfalls im ersten Mondhaus Ashvini ("die beiden Rosseschirrenden"). Das zweite Mondhaus heißt Bharani ("der Wegtragende") und das dritte Mondhaus Krittika, was wiederum Siebengestirn bedeutet.

 
Kreisförmige Darstellung der nördlichen Hemisphäre mit den 28 chinesischen Mondhäusern. Links der Frühling (Osten), oben der Winter (Norden), rechts der Herbst (Westen, in der Mitte der Asterismus Mǎo (昴 = haariger Kopf des Sternbilds "Weißer Tiger") und unten der Sommer (Süden).

Die Chinesen haben die Ekliptik ebenfalls in 28 Mondhäuser eingeteilt. Das Mondhaus mit den Plejaden heißt dort Mǎo ("haariger Kopf"), liegt in der Mitte des Herbststernbilds "Weißer Tiger des Westens" und markiert dort den Herbstpunkt auf der Ekliptik, der dem Frühlingspunkt genau gegenüber liegt. Im Altertum gingen die Plejaden zur Tag-und-Nacht-Gleiche beim Herbstanfang während des Sonnenuntergangs genau im Osten auf.

Darstellungen im AltertumBearbeiten

Bei den Plejaden handelt es sich um einen äußerst auffälligen Asterismus in der Nähe der Ekliptik, und sie sind daher praktisch von jedem Ort der Erde viele Monate lang in der Nacht zu sehen. Die einzelnen Sterne können vom Mond bedeckt werden, und so ist es nicht verwunderlich, dass ihnen zu allen Zeiten und an allen Orten eine besondere Bedeutung und Aufmerksamkeit am Sternenhimmel zugeordnet wurde.

Es wird diskutiert, ob die Plejaden innerhalb des Sternbilds Stier (Taurus) bereits in den steinzeitlichen Zeichnungen in der Höhle von Lascaux dargestellt sind.[3][4]

In der neolithischen Magura-Höhle in Bulgarien tauchen bei den Höhlenmalereien zum Beispiel sehr viele Figuren mit zum Himmel erhobenen Armen auf.[5] Viele Figuren ähneln deutlich dem heutigen Sternbild Orion. An der Wand eines Korridors gibt es eine mythisch anmutende Gruppe mit einer Siebengestalt. In einer anderen größeren Zusammenstellung sind in der oberen Hälfte zahlreiche Gestalten mit erhobenen Händen zu erkennen, wohingegen darunter eher eine irdische Szene mit Menschen und Tieren zu sehen ist. Auch mehrere sonnen- und mondartige sowie stierartige und stierkopfartige Figuren sind in der Nachbarschaft dieser Darstellungen zu erkennen. Es ist daher eine naheliegende Annahme, dass die erwähnte Siebengestalt die Plejaden oder vielleicht auch die sieben Wandelgestirne symbolisieren könnte.

Die Plejaden sind vermutlich auf der Himmelsscheibe von Nebra aus der frühen Bronzezeit (um 2000 vor Christus) als sieben goldene Scheibchen abgebildet. Auch das 1891 in Allach bei München gefundene keltische Eisenschwert aus dem dritten Jahrhundert vor Christus ist mit goldenen Tauschierungen ausgeführt, die die Plejaden zeigen.[6]

 
Sieben Kreise an der Kante des Randsteins 15 vom neolithischen Hauptgrabhügel Knowth in Irland.

Eine sehr ähnliche Darstellung findet sich auf einem Randstein des steinzeitlichen Ganggrabs Knowth im irländischen Boyne Valley in der Nähe von Newgrange. Der Hauptgrabhügel ist rund 5100 Jahre alt, etwa 12 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 67 Metern. Er enthält zwei in Ost-West-Richtung verlaufende Gänge, die ursprünglich von 127 Randsteinen umgeben waren, von denen 124 noch erhalten sind. Auf der ebenen Oberfläche von Randstein 15 (kerbstone 15), der sich am östlichen Rand der Anlage befindet, ist in der Mitte möglicherweise eine Sonnenuhr dargestellt, und am Rand des Steins taucht eine Darstellung aus sieben Kreisen auf.[7][8]

 
Zweispaltige MUL-APIN-Tafel aus Ton mit den astronomischen Abhandlungen zu Himmelsabschnitten, Daten von Auf- und Untergängen sowie 18 Mondstationen inklusive der drei ersten: die Plejaden, der Himmelsstier und Orion.

In Mesopotamien sind die Plejaden auf den aus Ton gefertigten assyrischen MUL.APIN-Keilschrifttafeln der Astrolab B Kalender verzeichnet.

Auch auf dem bronzezeitlichen Diskos von Phaistos von der Insel Kreta taucht 17 Mal ein kreisförmiges Symbol mit sieben innenliegenden Punkten auf, das mit den Plejaden in Verbindung gebracht wurde:  [9]

Seit mehreren Jahren wird vermutet, dass auch auf dem zirka zwei Meter großen Stein mit becherförmigen Vertiefungen (französisch: "roche à cupules") auf der Hexenebene (französisch: "Plan des Sorcières") in der Gemeinde Lillianes im Aostatal die Plejaden abgebildet sind.[10]

Ähnliche Vermutungen gibt es für eine Anordnung von sieben Löchern beim Kalenderstein von Leodagger in Niederösterreich.[11]

ÜberlieferungenBearbeiten

Die Plejaden sind das auffälligste Objekt im Asterismus des Himmelsstieres und auch des heutigen Sternbilds Stier (Taurus).

Die Plejaden hatten in vielen Kulturen also eine besondere Bedeutung und tauchen häufig in bildlichen Darstellungen auf. Sie sind ein Kalendergestirn, nach dessen Auf- und Untergängen schon im Altertum landwirtschaftliche und seefahrerische Tätigkeiten ausgerichtet wurden, wie es zum Beispiel schon bei den griechischen Dichtern   Hesiod um 700 vor Christus[14][15] oder   Aratos von Soloi (* zirka 310 vor Christus; † 245 vor Christus) belegt ist. Hesiod erwähnt in seinem Text auch, dass die Plejaden im Frühjahr für vierzig Tage und Nächte nicht zu sehen sind, da sie vom Sonnenlicht überstrahlt werden. Der Name Plejaden geht auf die sieben Töchter des Titanen Atlas und seiner Gattin, der Okeanide Pleione, aus der griechischen Mythologie zurück. Sie heißen: Alkyone, Halcyone, Asterope (oder Sterope), Kelaino, Maia, Merope und Taygete.

Die Plejaden werden im Deutschen auch Siebengestirn genannt, was den unmittelbaren Bezug zur magischen, mystischen und göttlichen Zahl Sieben herstellt.[16]

Für die Plejaden sind zahllose Synonyme im Gebrauch:[17][18][19][20]

Regensterne, Schiffersterne, Buschelsterni, Staubkörner, Sieb, Glucke, Henne, Tauben, Weintraube, Traube, Frühlingsjungfern, Sieben Schwestern, Töchter des Atlas (auch Atlantiden, Atlantiaden), ...
 
Zeichen für die Plejaden nach dem japanischen Kosmologen Abe no Seimei (* 921; † 1005).[21]

In den meisten Sprachen hatten und haben sie einen Eigennamen:

althochdeutsch thaz sibunstirri (das Siebenstirn), polnisch baby (alte Weiber), russisch baba (altes Weib), japanisch Subaru (Versammlung), türkisch Ülker, aztekisch Tianquiztli (Marktplatz), sumerisch Mul-Mul (Sterne), akkadisch Zappu (Haufen), lateinisch Vergiliae (Geflecht), griechisch heptasteros (Siebenstern), arabisch Al-Thurayya (Kronleuchter oder die vielen Kleinen)[22], hebräisch Kimah (Häuflein), indisch Krittika (sechs Nymphen, die ihren Sohn, den hinduistischen Gott Karttikeya, aufzogen), chinesisch Mǎo (昴 = haariger Kopf des Sternbilds "Weißer Tiger"), australisch Mormodellick[2], maorisch Matariki, polynesisch Matarii (Gesellschaftsinseln)[2], hawaiisch Makaliʻi, aragonesisch As Crabetas, walisisch Twr Tewdws, finnisch Seulaset (Siebchen oder Siebengestirn), ...

Bei der Chaldäern hießen die Plejaden Tamsil (zu Deutsch "Herde" beziehungsweise "Versammelte" oder "Genossen").[23]

Im Alten Testament wird der Sternhaufen drei Mal erwähnt, allerdings weisen die verschiedenen Übersetzungen keine einheitlichen Bezeichnungen oder Begriffe auf.[24][25]

Das 9. Kapitel „Gottes Macht und die Ohnmacht des Menschen“ des Buches Hiob erwähnt die vier auffälligsten Sternkonstellationen im 9. Vers:

Einheitsübersetzung (2016):
„Er macht das Sternbild des Bären, den Orion, das Siebengestirn, die Kammern des Südens.“

Vulgata:
„Qui facit Arcturum et Oriona et Hyadas et interiora austri.“

Septuaginta:
„ὁ ποιῶν Πλειάδα ("Pleiada") καὶ Εσπερον ("Esperon") καὶ Αρκτοῦρον ("Arktouron") καὶ ταμιεῖα νότου ("tamieia notou")“

Der erste Asterismus bei Hiobs Aufzählung lautet im Hebräischen "Aisch" ("איש"), was ebenso wie die entsprechende arabischsprachige Wurzel "Aouas" mit "einen Kreis machen" auch als "zusammenrotten" oder "versammeln" gedeutet werden kann.[24] Diese Interpretation steht im Einklang mit den entsprechenden Bedeutungen im Japanischen, Akkadischen oder Chaldäischen für das Siebengestirn (siehe oben).

Das altgriechische Wort "Esperon" beim zweiten Asterismus der Aufzählung bedeutet "Abendstern", und diese Bezeichnung taucht als "Vesperum" auch in einigen Versionen der Vulgata auf.[24] Im Hebräischen steht "Kimah" ("כימה"), was vom Wort "Kamah" ("כמה") abstammen könnte, welches wiederum soviel wie "begehren" oder "jubeln" bedeutet. Das arabische Pendant "Kaouam" beziehungsweise "Kam" charakterisiert den Frühling (Stichwort "Frühlingspunkt"). Das Wort "Kam" kann auch zur Veranschaulichung einer "Schar" oder einer "Vielfalt" dienen". Letzteres kann leicht mit der wörtlichen Bedeutung des altgriechischen Begriffs "Pleiada" in Bezug gesetzt werden.[24]

An dritter Stelle folgt im Hebräischen die Konstellation "Kesil" ("כזיל"). Die Wurzel dieses Wortes ist "Kasal" ("כזל"), was so viel wie "wechselhaft" bedeutet, wohingegen im Arabischen "starr" oder "kalt" die passenden Bedeutungen sind. Insofern kann in "Kesil" der Gegenpol zu "Kimah" am Sternenhimmel beziehungsweise bei den Jahreszeiten angesehen werden. Einige Interpretatoren gehen darauf basierend davon aus, dass es sich bei den Gegenpolen um zwei gegenüberliegende Sternbilder oder auch nur Sterne handeln könnte, wie der Rote Riese Aldebaran im Stier (α Tauri) im Wintersternbild Stier (Taurus) und der Rote Überriese Antares (α Scorpii) im Sommersternbild Skorpion (Scorpio).[24] Die Sternbilder Orion und Stier (Taurus) mit den Plejaden und den Hyaden werden auch Wintersternbilder genannt, weil sie im Winter um Mitternacht auf dem südlichen Meridian kulminieren, wo sie vollständig und besonders gut zu sehen sind. Umgekehrt ist es mit den zu den Wintersternbildern auf dem Lebewesenkreis diametralen Sommersternbildern Skorpion (Scorpio) und Adler (Aquila) in der Sommermilchstraße, die im Sommer um Mitternacht auf dem südlichen Meridian kulminieren.

Im Hebräischen steht bei Hiob "Mazzaroth" ("מזרות"), was mehrere Sternbilder oder speziell den Zodiak (Lebewesenkreis) meinen könnte, insbesondere wenn das ursprüngliche Wort "Nazar" ("נזר") zugrunde gelegt wird, welches "umzingeln" beziehungsweise "umkreisen" bedeutet. Schließlich könnten mit den (geheimen) Kammern des Südens auch alle Sterne gemeint sein, die zirkumpolar um den südlichen Himmelspol kreisen, somit nie auf der nördlichen Hemisphäre sichtbar werden und demzufolge verborgen sind.[24] Die Kleinschreibung in den alten Sprachen suggeriert, dass es sich bei den "Kammern des Südens" nicht um den Namen für einen Asterismus, sondern um südlich gelegene Mondhäuser (oder "Mondstationen" respektive "Mondkammern") handeln könnte, in denen sich der Mond in der Nähe des südlichen Meridians, wegen der dort auftretenden oberen Kulmination, gut erkennbar jeweils einen Tag lang aufhält.[23] Diese Annahme wird unterstützt durch den ähnlich klingenden assyrischen Begriff "manzaltu" für "Station". Andere Autoren gehen davon aus, dass mit den Kammern des Südens die Milchstraße gemeint ist.[26]

Im 31. Vers des 38. Kapitels des Buches Hiob heißt es dann:

Einheitsübersetzung (2016):
„Knüpfst du die Bande des Siebengestirns oder löst du des Orions Fesseln ?“

Vulgata:
„Numquid coniungere valebis nexus stellarum Pleiadum aut funiculum Arcturi poteris solvere?“

Septuaginta:
„συνῆκας δὲ δεσμὸν Πλειάδος ("Pleiados") καὶ φραγμὸν Ωρίωνος ("Orionos") ἤνοιξας“

Im Buch des Propheten Amos im Kapitel 5, Vers 8 heißt es zu den beiden benachbarten Konstellationen:

Einheitsübersetzung (2016):
„Er hat das Siebengestirn und den Orion erschaffen; er verwandelt die Finsternis in den hellen Morgen, er verdunkelt den Tag zur Nacht.“

Nova Vulgata:
„Qui facit stellas Pliadis et Orionem

Vulgata:
„facientem Arcturum et Orionem

Septuaginta:
„ποιῶν πάντα ("panta") καὶ μετασκευάζων ("metaskeuazon")“

Der offene Sternhaufen der Plejaden hat sieben Sterne, die eine scheinbare Helligkeit von dritter bis fünfter Größenklasse haben und somit gut mit bloßen Auge zu erkennen sind. Die Plejaden liegen auf dem Rücken des Himmelsstieres und könnten aus diesen Gründen als Urquell der sieben Wandelgestirne angesehen werden. Althochdeutsch wird der Sternhaufen mit „sibunstern“, „sibunstirni“, oder „sibunstirri“ bezeichnet.[27] Die Übersetzung ins Lateinische ist nicht eindeutig (siehe oben), da hier sowohl „Pleiades“ und „Hyades“ als auch „septemtriones“[28] („sieben Dreschochsen“) anzutreffen sind. Insbesondere bei den Wörtern für „sieben“ und für „Stier“ sind die Ähnlichkeiten in den uralten (proto-indoeuropäischen oder altsemitischen) Sprachen so auffällig, dass sie gemeinsame Ursprungswörter (Etyma) haben und somit Kognaten sein dürften.[29] Im Althochdeutschen wären die lateinischen „septemtriones“ die „sibunstiori“, was den althochdeutschen „sibunstirri“ wiederum sehr ähnlich kommt. Es wäre demzufolge denkbar, dass der Himmelsstier als "Geburtstrichter" der Thuraya mit seinem Siebengestirn als "Geburtshelfer" für die sieben Wandelgestirne angesehen wurde und dass die göttliche Zahl „Sieben“ mit den göttlichen Begriffen „Gestirn“ und „Stier“ im Laufe der Zeiten mit variierender Kombination, Bedeutung und Verwendung assoziiert wurde.

Anmerkung:
Eine Variante des lateinischen Wortes „septemtriones“ ist die lateinische Bezeichnung „septentrio“ für die nördliche Himmelsrichtung. Die vier Haupthimmelsrichtungen sind geographisch im Horizontsystem definiert. In Italien wurde das Sternbild Großer Bär (Ursa Major) "septentrio" ("Siebenfigur") genannt.[30] Der Asterismus Großer Wagen im Sternbild Großen Bär besteht aus sieben sehr deutlich zu erkennenden Sternen und befindet sich von der Erde aus gesehen immer zwischen Nordwesten und Nordosten. Der Große Wagen ist in nördlichen Breiten seit Jahrtausenden zirkumpolar, befindet sich also nie unterhalb des Horizonts und steht keineswegs immer dicht über dem nördlichen Horizont. Nur im Sommer erfolgt die untere Kulmination auf dem nördlichen Meridian um Mitternacht.
Es möge in diesem Zusammenhang zur Kenntnis genommen werden, dass sich die nördlichen Richtungen auch als Wohnstatt von sieben Gestirnen gesehen werden können. Hierfür kommen sowohl das Siebengestirn, als auch die sieben Wandelgestirne in Frage, die im Norden nie zu sehen sind, weil sich die Ekliptiklinie dort stets unterhalb des Horizonts befindet. Das gleiche gilt für den Himmelsstier. Unabhängig von der genauen Bedeutung könnte also durchaus erwogen werden, dass sich der Begriff „septentrio“ von der Richtung ableitet, in welcher die „septemtriones“ (die „sieben Ochsen“) nie zu sehen sind, sich also in ihrem Ruheort verbergen.

Der Begriff Quarantäne (vom Französischen „quarantaine (de jours)“ = „vierzig Tage“) soll mit den Plejaden zusammenhängen, da diese in den subtropischen Breiten (heute) vom 1. Mai bis zum 9. Juni, also vierzig Tage lang, von der Sonne überstrahlt werden und dann selbst der hellste Stern dieser Konstellation, Alkione (η Tauri), mit bloßem Auge erst kurz nach Sonnenuntergang nicht mehr und dann kurz vor Sonnenaufgang noch nicht wieder gesehen werden kann.

Nach der Unsichtbarkeit der Plejaden begann im alten Ägypten vierzig Tage lang das Nilwasser zu steigen und ebenso lange wieder zu fallen.[31]

Noah öffnete nach vierzig Tagen das Fenster seiner Arche[32], und Moses verbrachte vierzig Tage auf dem Gottesberg Sinai.[33] Es ist vor diesem Hintergrund nicht verwunderlich, dass im Neuen Testament Jesus dann auch vierzig Tage in der Wüste fastet[34][35][36], weswegen es in der österlichen Bußzeit heute ebenfalls vierzig Fastentage gibt.

Bei den Kiowa-Indianern geht die Sage, dass sieben Mädchen sich vor mehreren Bären auf einen Felsen flüchteten und ihn anflehten sie zu retten. Daraufhin sei dieser heute als Devils Tower bekannte Vulkankegelstumpf immer weiter in den Himmel gewachsen und brachte die Mädchen schließlich als die Plejaden an das Firmament. Die von den Bärenkrallen an den Flanken des Berges verursachten vertikalen Schrammen seien immernoch zu sehen.[37]

Die Inuit erzählen sich die Legende, dass ein großer Bär die Menschheit bedrohte und von Hunden an den Himmel verjagt wurde. Die Hundemeute würde als die Plejaden diesen Bären heute weiterhin verfolgen.[19]

Die australischen Ureinwohner der Loritja erzählen sich, dass sieben Mädchen während der Unsichtbarkeit der Plejaden auf die Erde kommen und einen Feuertanz aufführen.[38]

Im Zusammenhang mit der Tatsache, dass der Kuckuck im Frühsommer aufhört zu singen und dass die Plejaden in den Breitengraden der klimatisch gemäßigten Zonen dann deutlich länger nicht zu sehen sind, gibt es eine deutsche Sage über einen hartherzigen Bäcker, der bis zur Sommersonnenwende 72 Tage lang vergeblich nach seiner Frau und seinen Töchtern ruft. In dieser Sage es heißt:

Vom Ursprung der Plejaden wird erzählt: Christus ging an einem Bäckerladen vorüber, wo frisches Brot duftete, und sandte seine Jünger hin, ein Brot zu erbitten. Der Bäcker schlug es ab, doch von Ferne stand die Bäckersfrau mit ihren sechs Töchtern und gab das Brot heimlich. Dafür sind sie als Siebengestirn an den Himmel versetzt, der Bäcker aber ist zum Kuckuck geworden und so lange er Frühjahrs ruft, von Tiburtii (Anmerkung: Namenstag   Tiburtii von Rom ist der 14. April) bis Johannis (Anmerkung: Namenstag   Johannes' des Täufers ist der 24. Juni (Johannistag)), ist das Siebengestirn am Himmel [nicht] sichtbar.[17]

In norddeutschen, ostpreußischen und böhmischen Sagen gibt es Varianten dieser Geschichte, bei denen der Kuckuck die geflüchteten Familienangehörigen nicht zurückrufen kann beziehungsweise deren Rache fürchtet.[18][39] Eine Mecklenburgische Volksüberlieferung lautet:

Viertig Dag un viertig Nacht darf de Kukuk sik man sehn laten, denn is dat Soebenstiern hier wech; wenn dat wedderkümmt, denn mööt de Kukuk wider.[40]

Bei zwei dänischen Varianten geht es um eine Frau mit sieben unehelichen Kindern und um ein zerstrittenes Ehepaar.[41][42]

SchlussbemerkungBearbeiten

Indessen mögen diese Bemerkungen zur Bestätigung des Satzes dienen, dass die Schriften der Alten, wozu die blosse Sprachkenntnis nicht ausreicht, um so vollkommener verstanden werden, jemehr wir mit der Archäologie der Urwelt vertraut werden.

Schlusssatz aus:
Erklärung einer Stelle in Sanchuniathons Geschichte nach Philo Byblius Uebersetzung bei Eusebius (Praeparat. Evangel. L. I. cap. X) von   Gustav Seyffarth, ausserordentlicher Professor der Archäologie zu Leipzig.,
in: Neue Jahrbücher für Philologie und Pädagogik oder Kritische Bibliothek für das Schul- und Unterrichtswesen.,
herausgegeben von   Gottfried Seebode,   Johann Christian Jahn und   Reinhold Klotz,
zweiter Supplementband. Erstes Heft. Leipzig, Benedictus Gotthelf Teubner Verlag, 1833.

Es bleibt hinzuzufügen, dass die "Archäologie der Urwelt" mit Hilfe der Archäoastronomie ein wesentlich umfassenderes und somit nutzbringend erweitertes Bild des Altertums geben kann.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Walter Eichin und Andreas Bohner: Das Belchen-System, Universitätsbibliothek Freiburg im Breisgau, in: Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur, 47, 1985, Heft 2, Seiten 176 bis 185
  2. 2,0 2,1 2,2 Ernst von Bunsen: Die Plejaden und der Thierkreis oder: Das Geheimnis der Symbole, Verlag von Mitscher und Röstell, Berlin, 1879
  3. Dirk Lorenzen: Astronomie in der Höhle, Deutschlandfunk, 11. September 2015
  4. Sternenkarten in der Eiszeithöhle – Astronomie in den Höhlenmalereien von Lascaux?, scinexx, 1. Februar 2008
  5. Kiril Kirilov: The origin of civilizations according to the prehistoric paintings of Magura cave, 29. Juni 2017
  6. Peter Kurzmann: Die Plejaden in Gold auf einem keltischen Schwert, Archäologische Informationen 39, 2016, 239-246
  7. Euan W. MacKie: Professor Challenger and His Lost Neolithic World: The Compelling Story of Alexander Thom and British Archaeoastronomy, Archaeopress Publishing Limited, Februar 2021, ISBN 9781784918347
  8. Euan W. MacKie: The Prehistoric Solar Calendar: An Out-offashion Idea Revisited with New Evidence, in: Time and Mind: The Journal of Archaeology, Consciousness and Culture, Band 2, Ausgabe 1, March 2009, Seiten 9 bis 46
  9. Angelika Merk-Schäfer: Der Diskos von Phaistos - ein Venus- und Mondkalender im Kontext der minoischen Altpalastzeit auf Kreta. Die mit Symbolen gestempelte Scheibe aus gebranntem Ton ist höchstwahrscheinlich ein Agrar- und Ritualkalender im Dienste der Mond- und Venus-Gottheiten im minoischen Kreta., drmerkschaefer.files.wordpress.com, Juni 2015
  10. Lillianes Plan des Sorcières, roche à cupules, La Società valdostana di Preistoria e Archeologia
  11. Irene Hager, Hans Katzgraber, Karl Aigner, Stefan Borovits, Ernst Bellant: Die Darstellung von (konkreten oder symbolischen?) Himmelsobjekten auf dem Plateau des Kalendersteins in Leodagger (Niederösterreich), in: Himmelswelten und Kosmovisionen, Imaginationen, Modelle, Weltanschauungen, Abstractbook 2019, Seite 5 und 6, Gesellschaft für Archäoastronomie, Wien
  12. The Pleiades carved by prehistoric people in the Alps, ANSA, Virgilio Notizie, 12 January 2008
  13. Friedhelm Pedde: Götter und Planeten im Alten Orient Die Sterne und ihre Götter, Mitteilungen, Ausgabe 13, Seite 7, Februar 2022, Wilhelm-Foerster-Sternwarte e.V. / Zeiss-Planetarium am Insulaner
  14. Hesiodos: Werke und Tage (ΕΡΓΑ ΚΑΙ ΗΜΕΡΑΙ), Egon und Gisela Gottwein, 13. Juni 2019
  15. Hesiod: Hauslehren II. (’Έργα καὶ ‛ημέραι), Projekt Gutenberg.de, übersetzt von Johann Heinrich Voß
  16. Ferdinand Freiherr von Andrian-Werburg: Die Siebenzahl im Geistesleben der Völker, in: Mittheilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, Band 31, Seiten 225 bis 274, 1901
  17. 17,0 17,1 Jacob Grimm: Kapitel XXII - Himmel und Gestirne, Abschnitt Gestirne / Plejaden, in: Deutsche Mythologie, zweite Ausgabe von 1844
  18. 18,0 18,1 Siehe auch: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Band 9, Sternbilder II, 3. Plejaden, Göschen'sche Verlagshandlung, 1941
  19. 19,0 19,1 The Pleiades in mythology, Pleiade Associates, Bristol, United Kingdom
  20. Siehe auch: Pleiades in folklore and literature in der englischsprachigen Wikipedia
  21. Teru Karasawa: Abe no Seimei, Doppelseite 58, Shinseikan, Tokio, 1912
  22. Emilie Savage-Smith: A Descriptive Catalogue of Oriental Manuscripts at St John's College, Seite 132, St. John's College, University of Oxford, Oxford University Press, 2005, ISBN 9780199201952
  23. 23,0 23,1 Ernst von Bunsen: Die Überlieferung. Ihre Entstehung und Entwicklung, sechstes Kapitel "Früheste astronomische Beobachtungen", Friedrich Arnold Brockhaus, Leipzig, 1889
  24. 24,0 24,1 24,2 24,3 24,4 24,5 Siehe hierzu auch: Upon the constellations which are spoke of in the book of Job, Dissertation III., Seite 395 ff., in: The Origin of Laws, Arts, and Science and their Prograss Among the Most Ancient Nations., Band I, Edinburgh, Alexander Donaldson and John Reid, 1761
  25. Emil G. Hirsch: Constellations, Jewish Encyclopedia, 2002-2021
  26. René Nyffenegger: Hiob 9, Kommentare zur Bibel
  27. Gerhard Köbler: althochdeutsch s, in: Althochdeutsches Wörterbuch, 6. Auflage, 2014
  28. Eduard Adolf Jacobi: septemtriones, Seite 830, in: Handwörterbuch der griechischen und römischen Mythologie, Band 2, Sinner'sche Hofbuchhandlung, Koburg und Leipzig, 1835
  29. Hermann Güntert: Indogermanisch und Semitisch, Kapitel V. Sprachliche Beziehungen der Indogermanen zu anderen Völkergruppen, in: Kultur und Sprache / Der Ursprung der Germanen, Seite 56, Carl Winter, Heidelberg, 1934
  30. Otto Keller: Zur lateinischen Sprachgeschichte - Septentrio, Seite 102 bis 104, Verlag Teubner, 1893
  31. Christian Schulz: Handbuch der Physik: für diejenigen welche Freunde der Natur sind, ohne jedoch Gelehrte zu seyn, Band 2, Kapitel 11, Seite 254, Hilscher, Leipzig, 1791
  32. Genesis, Kapitel 8, Vers 6, bibleserver.com, Einheitsübersetzung (2016)
  33. Exodus, Kapitel 24, Vers 18, bibleserver.com, Einheitsübersetzung (2016)
  34. Evangelium nach Matthäus, Kapitel 4, bibleserver.com, Einheitsübersetzung (2016)
  35. Evangelium nach Lukas, Kapitel 4, bibleserver.com, Einheitsübersetzung (2016)
  36. Evangelium nach Markus, Kapitel 1, Vers 12 und 13, bibleserver.com, Einheitsübersetzung (2016)
  37. First Stories - Devils Tower National Monument (U.S. National Park Service), Devils Tower National Monument Visitor Center, 17. März 2019
  38. Carl Strehlow: Mythen, Sagen und Märchen des Loritja-Stammes, Baer & Company, 1907
  39. Oskar Dähnhardt: 3. Entstehung des Kuckucks: 1 Aus Ostpreußen / 2 Aus Mecklenburg / 3 Aus Pommern, Natursagen. Eine Sammlung naturdeutender Sagen, Märchen, Fabeln und Legenden]], 4 Bände, Leipzig/Berlin, 1907 bis 1912, Seiten 426 bis 428
  40. Richard Wossidlo: Mecklenburgische Volksüberlieferungen, 2 Die Tiere im Munde des Volkes, Verlag Hinstorff, Seite 411, 1899
  41. Oskar Dähnhardt: 3. Entstehung des Kuckucks: 4 a) und 4 b) Aus Dänemark, Natursagen. Eine Sammlung naturdeutender Sagen, Märchen, Fabeln und Legenden]], 4 Bände, Leipzig/Berlin, 11907 bis 1912, Seiten 426 bis 428
  42. Evald Tang Kristensen: Jayske Folkeminder IV, 335, Nummer 428


Astronomische BezugssystemeBearbeiten

 
Beziehung zwischen horizontalem und äquatorialem Koordinatensystem bei einer Himmelsbeobachtung auf dem Breitengrad  .
Im Horizontsystem die vier Himmelsrichtungen Norden (N), Osten (O), Süden (S) und Westen (W), senkrecht nach oben der Zenit, senkrecht nach unten der Nadir, die orthogonalen Koordinaten  ,   und   sowie der Azimut   und der Höhenwinkel  .
Im Äquatorialsystem die beiden Himmelspole Nordpol und Südpol, der Stundenwinkel   und die Deklination  .

Bei der unmittelbaren Beobachtung der Bahnen der Fixsterne gibt es zwei natürliche Bezugssysteme, nämlich das horizontale und das äquatoriale. Für die Beobachtung der sieben gegenüber dem Fixsternhimmel beweglichen Wandelgestirne ist es sinnvoll, neben der Horizontebene und der Äquatorebene eine weitere Ebene einzuführen, nämlich die Ekliptikebene. Der Name Ekliptik leitet sich von der lateinischen Bezeichnung linea ecliptica (Verdeckungslinie) ab, die wiederum auf das altgriechische Wort ἐκλειπτική (ekleiptikē für verdeckend) zurückgeht. Die sieben Wandelgestirne können sich entlang der Ekliptiklinie bei Konjunktionen nicht nur begegnen, sondern die nähergelegenen können die fernerliegenden Wandelgestirne manchmal sogar bedecken, wie zum Beispiel bei Mond- oder Sonnenfinsternissen sowie Transiten.

Der HorizontBearbeiten

Das horizontale Koordinatensystem entspricht der täglichen Erfahrung der Umwelt, da die beiden Augen des Menschen in der Regel horizontal nebeneinander ausgerichtet sind. Ein Stein fällt im Horizontsystem immer senkrecht von oben nach unten in Richtung Erdmittelpunkt. Es ist das am häufigsten verwendeten Koordinatensystem für die Orientierung im Alltag. Der ideale Horizont ist eine Kreislinie, in deren Mittelpunkt der Beobachter steht. Die Lotrichtung steht senkrecht auf dem entsprechenden Kreis, und daher hat jeder Punkt auf der Erdoberfläche ein anderes Horizontsystem, in welchem zu jedem Zeitpunkt einen anderen Ausschnitt des Himmels gesehen werden kann.

Für die Angabe von Richtungen werden die Himmelsrichtungen Norden, Osten, Süden und Westen verwendet. In Bezug auf die Nordrichtung oder alternativ in Bezug auf die Südrichtung kann auch der Azimut als rechtsläufiger Winkel   angegeben werden, wobei bei Bezug auf Norden die Nordrichtung 0 Bogengrad entspricht, die Ostrichtung 90 Bogengrad, die Südrichtung 180 Bogengrad und die Westrichtung 270 Bogengrad.

Die Höhe über dem Horizont wird als Höhenwinkel   von 0 bis 90 Bogengrad angegeben, wobei 0 Bogengrad auf dem Horizont und 90 Bogengrad senkrecht über dem Beobachter im Zenit liegt. Negative Winkel liegen unter dem Horizont, und der Nadir liegt exakt unter dem Beobachter bei einem Höhenwinkel von -90 Bogengrad. Der Meridian ist der Großkreis, der durch den Nord- und Südpunkt sowie durch Zenit und Nadir geht.

Durch die Rotation der Erde ändert sich der Fixsternhimmel im Bezug zum Horizontsystem permanent.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie die Richtungen im Horizontsystem mit einfachen Mitteln bewerkstelligt werden können. Selbst als es noch keine Kompasse gab, war es möglich, die Himmelsrichtungen zu bestimmen:

Die Himmelspole (siehe unten) befinden sich in der Verlängerung der Erdachse und zeichnen sich dadurch aus, dass sich ihre Lage und die Lage der dort am Himmel befindlichen Fixsterne gegenüber dem Horizontsystem trotz der Erdrotation innerhalb eines Tages nicht ändert. Diese Lage lässt sich durch die Beobachtung der in der Nähe der Pole gelegenen zirkumpolaren Sterne, die nie unter den Horizont fallen, leicht herausfinden. Heute markiert der Polarstern (Polaris, α Ursa Minor) ungefähr den Himmelsnordpol. Durch die Präzession der gegen die Ekliptik geneigten Erdachse wandern die Himmelspole im Laufe von Jahrtausenden allerdings auf kreisartigen Bögen um die Pole der Ekliptik, so dass ein bestimmter Ort auf diesen Bögen ungefähr alle 25800 Jahre von den Himmelspolen erreicht wird. Fällt man von einem Himmelspol das Lot auf den Horizont, findet man dort auf der Nordhalbkugel den Nordpol beziehungsweise auf der Südhalbkugel den Südpol.

Bei den beiden Tag-und-Nacht-Gleichen zum Frühlingsanfang und zum Herbstanfang, geht die Sonne exakt im Osten oder im Westen auf und unter. Dies gilt immer für alle anderen Objekte auf dem Himmelsäquator, wie zum Beispiel den rechten Gürtelstern Mintaka (δ Orionis) im Sternbild Orion, die Sterne Zaniah (η Virginis), Porrima (γ Virginis) und Heze (ζ Virginis) im Sternbild Jungfrau (Virgo), den Stern Almizan III (θ Aquilae) in der linken Flügelspitze des Sternbilds Adler (Aquila) sowie den Stern Sadalmelik (α Aquarii) im Sternbild Wassermann (Aquarius).

Alle Gestirne kulminieren auf dem Meridian. Auf der Nordhalbkugel kann dies auf dem südlichen Meridian anhand der maximalen Höhe über dem Horizont beobachtet werden, und auf der Südhalbkugel auf dem nördlichen Meridian. Bei der oberen Kulmination der Sonne oder des Mondes auf dem Meridian erreicht der durch das Licht der Himmelskörper hervorgerufene Schatten eines senkrecht auf der Erdoberfläche stehenden Stabes seine kürzeste Länge in Richtung zu den Himmelspolen beziehungsweise zu den Polen der Erdachse.

Die HimmelspoleBearbeiten

Bei nächtlichen Beobachtungen der Fixsterne fällt auf, dass diese sich innerhalb eines siderischen (lateinisch sideris = des Sterns, also auf den Fixsternhimmel bezogenen) Tages von knapp 24 Stunden immer auf dem gleichen Kreis von Osten nach Westen einmal um die Himmelspole drehen und danach im Bezug zum Horizontsystem wieder an der gleichen Stelle stehen. Ein siderischer Tag dauert hierbei ungefähr vier Minuten kürzer als ein Sonnentag, weil die Sonne sich bezogen auf den Fixsternhimmel scheinbar - bedingt durch den Umlauf der Erde um die Sonne - täglich um ein kleines Stück nach Osten (auf der nördlichen Halbkugel also nach links) bewegt. Nach einem Jahr summieren sich diese täglichen Differenzen zu einem ganzen Tag auf, so dass sich jeder beliebige Stern nach einem Sonnenjahr zur gleichen Tageszeit auf- und untergeht beziehungsweise sich zu den gleichen Tageszeiten an der gleichen Stelle im Horizontsystem beziehungsweise in der entsprechenden Himmelsrichtung befindet. Dies kann durch die folgenden überschlägigen Rechnungen leicht nachvollzogen werden:

 
 
 

Der nördliche Himmelspol ist heute leicht durch den Polarstern (Polaris) im Kleinen Bären (Ursa Minor) zu finden, der die ganze Nacht (und den ganzen Tag) an derselben Stelle ziemlich genau im Norden des horizontalen Bezugssystems liegt. Alle anderen Sterne verändern im horizontalen Bezugssystem ständig ihre Lage.

Die Sterne in der Nähe des sichtbaren Himmelspols sind für einen bestimmten Beobachtungspunkt immer über dem Horizont und werden zirkumpolare Sterne genannt. Die zirkumpolaren Sterne des gegenüberliegenden, nicht sichtbaren Himmelspols sind nie zu sehen. Am Nordpol und am Südpol der Erde sind alle Sterne der jeweiligen Hemisphäre zirkumpolar, auf dem Äquator der Erde ist es keiner. Wegen der Neigung der Ekliptik ist von überall auf der Erde aus gesehen kein einziges ekliptikales Sternbild der Lebewesenkreiszeichen vollständig zirkumpolar.

Alle sichtbaren Sterne, die nicht zirkumpolar sind, gehen im Verlauf eines Vierundzwanzigstundentages irgendwann am östlichen Horizont auf und am westlichen Horizont unter. Die Sterne genau in der Mitte zwischen den beiden Himmelspolen liegen auf dem Himmelsäquator, und sie beschreiben den größten Tageskreis am Himmel, der jeweils exakt 180 Bogengrad über dem und unter dem Horizont verläuft.

Die beiden Winkel im äquatorialen Koordinatensystem, die die Lage eines beliebigen Himmelskörper definieren, sind der Stundenwinkel   oder die Rektaszension   entlang des Himmelsäquators und die Deklination   senkrecht dazu in Richtung der Himmelspole, nach Norden positiv und nach Süden negativ. Der Stundenwinkel eines Himmelsobjekts entspricht der Zeit, die seit dem letzten Durchgang des betreffenden Himmelsobjekts durch den Meridian vergangen ist, und Stundenwinkel und Rektaszension werden daher meist in Stunden angegeben. Die Rektaszension wird allerdings auf den Frühlingspunkt bezogen, der sich zum Frühlingsanfang in der Sonnenmitte befindet. Die Rektaszension und die Deklination aller Fixsterne sind abgesehen von deren geringfügiger Eigenbewegung und der Verschiebung des Frühlingspunktes durch die sehr langsame Präzession der Erdachse innerhalb von wenigen Jahren praktisch konstant und werden daher in Sternenkatalogen angegeben. Die größte Differenz von Deklinationen gleichzeitig sichtbarer Himmelsobjekte wird immer in südlicher Richtung auf dem Meridian erreicht die kleinste Differenz in nördlicher Richtung auf dem Meridian.

Die Polhöhe   ist der kleinste Winkel zwischen dem Horizont und einem Himmelspol entlang des Meridians, der genau der geographischen Breite des entsprechenden Beobachters auf der Erdkugel entspricht. Der Winkel zwischen Zenit und Himmelspol ergänzt die Polhöhe zu einem rechten Winkel mit 90 Bogengrad und entspricht gleichzeitig der Neigung zwischen Horizontalebene und Äquatorialebene. Beide Bezugssysteme teilen sich sowohl den Ostpunkt als auch den Westpunkt. Am Nordpol ist die Polhöhe +90 Bogengrad, am Südpol ist sie -90 Bogengrad, und auf dem Äquator beträgt sie 0 Bogengrad.

Der FrühlingspunktBearbeiten

 
Die um   geneigte Lage der kreisbogenförmigen Ekliptik in Bezug zum Himmelsäquator mit seinem äquatorialen Koordinatensystem mit den Koordinaten   (Rektaszension) und   (Deklination), die hier für die ekliptikale Länge   dargestellt sind.

Der Frühlingspunkt (Äquinoktialpunkt) hatte und hat eine herausragende Bedeutung in der Himmelskunde. Wenn die Sonne (und mit ihr ein gleichzeitig auftretender Neumond) im Frühlingspunkt steht, geht sie zum Frühlingsanfang dort überall auf der Erde morgens um 6 Uhr Ortszeit genau im Osten auf und abends um 18 Uhr Ortszeit exakt im Westen unter. Da der Vollmond von der Erde aus gesehen der Sonne immer gegenübersteht, steht ein Vollmond, der zum Frühlingsanfang auftritt, gegenüber dem Frühlingspunkt im Herbstpunkt und geht abends gegen 18 Uhr im Osten auf und morgens gegen 6 Uhr im Westen unter.

Umgekehrt steht die Sonne (und mit ihr ein gleichzeitig auftretender Neumond) zum Herbstanfang im Herbstpunkt und geht dort überall auf der Erde morgens um 6 Uhr Ortszeit genau im Osten auf und abends um 18 Uhr Ortszeit exakt im Westen unter. Ein gleichzeitig auftretender Vollmond befindet sich dann in der Nähe des Frühlingspunktes und geht morgens um 6 Uhr Ortszeit im Osten auf und abends um 18 Uhr Ortszeit im Westen unter.

Der Frühlingspunkt durchwandert innerhalb eines Tages den Großkreis des Himmelsäquators einmal vollständig. Da die Sonne im Gegensatz zum feststehenden Frühlingspunkt innerhalb eines Sonnentages von exakt 24 Stunden à 60 Minuten knapp ein Dreihundertsechzigstel (also ein Bogengrad) auf dem Ekliptikkreis entgegen der täglichen Sonnenbahn weitergelaufen ist, erreicht sie dieselbe Höhe über dem Horizont oder denselben Meridian bei der Kulmination auf demselben erst etwas später als der Frühlingspunkt, Die folgende Abschätzung ergibt die ungefähre Zeitdifferenz:

 
 

Aus diesem Grund ist ein siderischer Tag, also die Zeitspanne die der Frühlingspunkt oder jeder andere feste Punkt auf dem Himmelsäquator für einen vollständigen Umlauf mit 360 Bogengrad benötigt, gegenüber dem Sonnentag um diese vier Minuten verkürzt.

 
Die Wanderung des Frühlingspunktes entlang der Ekliptik.

Bedingt durch die Präzession der Erdachse verändern sich im Zyklus von zirka 25800 Jahren nicht nur die Lage der Himmelspole entlang einer Kreisbahn, sondern auch der Frühlingspunkt. Er durchwandert in dieser Zeit in westlicher Richtung genau einmal die gesamte Ekliptik mit ihren 360 Bogengrad. In jedem der zwölf Sternbilder entlang dieses Zodiaks mit einem Winkel von 30 Bogengrad pro Sternzeichensegment liegt er also für 2150 Jahre. Anders ausgedrückt: der Frühlingspunkt verschiebt sich in einhundert Jahren um 1,4 Bogengrad, in zehn Jahren um 8,4 Bogenminuten beziehungsweise pro Jahr um 50 Bogensekunden nach Westen. Die Lage der Ekliptik im Bezug auf den Fixsternhimmel bleibt jedoch unverändert.

→ Zum Zodiak und zur Zahl Zwölf siehe auch Exkurs Zur Zwölf.

Von vor 4500 Jahren bis heute ist der Frühlingspunkt vom Sternbild Stier (Taurus) gut 60 Bogengrad nach Westen gewandert, so dass dieses Sternbild zum Frühlingsanfang heute nicht mehr gleichzeitig mit der Sonne, sondern erst gut vier Stunden nach der Sonne untergeht und daher abends im Westen gut sichtbar ist, weil die Sonne sich vor dem Untergang der Hyaden und Plejaden bereits deutlich unter dem Horizont befindet. Vor rund 3000 Jahren befand sich der Frühlingspunkt dann schon im Sternbild Widder (Aries) und heute bereits im Sternbild Fische (Pisces).

Dieses Wanderverhalten war bereits in der Antike bekannt, und wurde von dem chaldäischen Gelehrten   Kidinnu (* vermutlich um 400 vor Christus; † vermutlich 330 vor Christus) dargestellt.   Nikolaus Kopernikus erkannte und benannte vor 500 Jahren die Präzession der Erdachse als Ursache für die Wanderung des Frühlingspunktes, und erst   Friedrich Wilhelm Bessel konnte die Präzessionskonstante mit hoher Genauigkeit bestimmen, was 1813 von der Preußischen Akademie der Wissenschaften mit der Verleihung eines Preises gewürdigt wurde.

Der Frühlingspunkt stellt einen Anker in den Sonnenkalendern (auch Solarkalender) dar. Das jüdische Pessach sowie auch das christliche Osterfest finden seit jeher nach der Tag-Und-Nacht-Gleiche (Äquinoktium) im Frühjahr statt. Der Ostersonntag ist zum Beispiel der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond, der auf dieses Äquinoktium folgt. Die Bestellung von Ackerflächen und die Aussaat von Pflanzensamen wurden und werden in vielen Kulturen mit Bezug auf den Termin des astronomischen Frühlingsanfangs durchgeführt, um gute Ernteerträge zu erhalten.

Die Lage des Frühlingspunkts bei der ekliptikalen Länge 0 Bogengrad kann im Fixsternhimmel nicht direkt im Bezug zum Fixsternhimmel beobachtet werden, weil das Sonnenlicht zum Frühlingsbeginn die Sterne in der Umgebung des Frühlingspunktes bei weitem überstrahlt. Ein gleichzeitig auftretender Vollmond hat die ekliptikale Länge 180 Bogengrad und befindet sich also im Herbstpunkt. Zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Herbst steht die Sonne dann im Herbstpunkt bei der ekliptikalen Länge 180 Bogengrad. Der Herbstpunkt, in dem die Sonne zum Herbstbeginn exakt im Westen untergeht, befindet sich auf der Ekliptik also direkt gegenüber dem Frühlingspunkt, der gleichzeitig exakt im Osten gegebenenfalls mit einem gleichzeitig dort auftretenden Vollmond aufgeht. Aber auch während der Sonnenauf- und untergänge kann der Fixsternhimmel nicht beobachtet werden.

Seit Uhren zur Verfügung stehen, kann die Sternzeit mit ihnen als der Stundenwinkel des Frühlingspunktes gemessen werden. Ohne eine genaue Zeitmessung ist die Bestimmung der Lage des Frühlingspunktes keineswegs eine triviale Aufgabe. Die Aufgabe der Zeitmessung kann mit dem Mond oder dem Planeten Jupiter bewerkstelligt werden. Er bewegt sich innerhalb von knapp zwölf Jahren einmal vollständig durch die Ekliptik. Im Raster von drei Jahren wandert er auf der Ekliptiklinie jeweils ungefähr 90 Bogengrad weiter und steht dann ausgehend vom Frühlingspunkt als Startpunkt bei den ekliptikalen Längen 0 Bogengrad (Frühlingspunkt), 90 Bogengrad, 180 Bogengrad (Herbstpunkt) und 270 Bogengrad. Da er während der zwölf Jahre seiner siderischen Umlaufzeit häufig und wegen seiner großen Helligkeit nicht nur nachts, sondern auch in der Dämmerung gut gesehen werden kann, ist es möglich, die Lage von Frühlings- und Herbstpunkt indirekt durch die Winkelmessung der Lage des Planeten Jupiter zu bestimmen. Der Saturn hat wegen seiner noch größeren Entfernung von der Erde zwar eine geringere Parallaxe zum Fixsternhimmel als der Jupiter, ist aber auch deutlich weniger hell als dieser. Er hat eine siderische Umlaufzeit von fast dreißig Jahren und verändert seine ekliptikale Länge darum im Mittel ungefähr um 12 Bogengrad pro Jahr.

Eine weitere grobe Möglichkeit besteht darin, den Mond zu beobachten, der für einen siderischen Umlauf fast 28 Tage braucht, im Mittel also knapp sieben Tage für ein Viertel des siderischen Umlaufs. Kulminiert der abnehmende Halbmond bei der Tag-und-Nacht-Gleiche während des Sonnenaufgangs zum Herbstbeginn auf dem südlichen Meridian, so muss er eine Woche (sieben Tage) zuvor als Vollmond beim Frühlingspunkt gestanden haben, beziehungsweise muss er eine Woche zuvor beim Herbstpunkt gestanden haben, wenn die Sonne zum Frühlingsbeginn aufgegangen ist. Entsprechend kann auch der auf dem südlichen Meridian kulminierende zunehmende Halbmond bei der Tag-und-Nacht-Gleiche während des Sonnenuntergangs beobachtet werden: eine Woche später erreicht er im im Frühling den Herbstpunkt beziehungsweise im Herbst den Frühlingspunkt. Wegen der gerundeten Rechnung mit ganzen Zahlen und aufgrund der Exzentrizität der Mondbahn können sich hierbei allerdings Winkelfehler von über 10 Bogengrad ergeben. Wenn die Lage des Mondes in seinen 27 oder 28 Mondhäusern während der Tag-und-Nacht-Gleichen langfristig mitgezählt wird, kann dieser Fehler durch langjährige Mittel ausgeglichen werden.

Die EkliptikBearbeiten

 
Die vier Polar- und Wendekreise während der Sommersonnenwende auf der Nordhalbkugel. Die Ekliptik liegt in dieser Darstellung genau horizontal zwischen Erd- und Sonnenmittelpunkt.

Die Ekliptik ist die gedachte Ebene, in der die Erdbahn während eines Jahres um die Sonne läuft. Sie ist gegenüber dem Himmelsäquator um den Winkel   von gut 23 Bogengrad geneigt, so dass auch von der Schiefe der Ekliptik die Rede ist. Dadurch sind vier Breitenkreise auf der Erdoberfläche festgelegt:

  • Der nördliche Wendekreis der Sonnenbahn, auf dem die Sonne zur Sommersonnenwende mittags im Zenit steht.
  • Der südliche Wendekreis der Sonnenbahn, auf dem die Sonne zur Wintersonnenwende mittags im Zenit steht.
  • Der nördliche Polarkreis, wo die Sonne zur Sommersonnenwende gerade nicht mehr untergeht beziehungsweise wo die Sonne zur Wintersonnenwende gerade noch nicht aufgeht.
  • Der südliche Polarkreis, wo die Sonne zur Wintersonnenwende gerade nicht mehr untergeht beziehungsweise wo die Sonne zur Sommersonnenwende gerade noch nicht aufgeht.
Die scheinbare tägliche Bewegung der Sonne
 
Animation der scheinbaren täglichen Bewegung der Sonne zu Beginn der vier Jahreszeiten mit den drei Ebenen des Horizonts (grün), des Äquators (rot) und der Ekliptik (blau). Die Blickrichtung verläuft von vorne im Osten (Sonnenaufgang) nach hinten im Westen (Sonnenuntergang).
Die scheinbaren Sonnenbahnen verlaufen in den Tagbögen oberhalb und in den Nachtbögen unterhalb der ruhenden grünen Horizontalebene, die für eine geographische Breite von 50 Bogengrad dargestellt sind. Im Süden erreichen die Tagbögen mittags ihre oberen Scheitelpunkte, und im Norden erreichen die Nachtbögen um Mitternacht ihre unteren Scheitelpunkte. Der senkrecht auf der Horizontalebene stehende schwarze Zeiger ist zum Zenit ausgerichtet.
Die braune Rotationsachse der Erde verläuft von links unten (Himmelssüdpol) nach rechts oben (Himmelsnordpol). Die Sonne im Frühlingspunkt ist grün eingefärbt, und ihr gegenüber befindet sich die Sonne im Herbstpunkt, wenn es jeweils die Tag-und-Nacht-Gleiche gibt. Zu diesen beiden Zeitpunkten befindet sich Sonne auf dem als roten Kreis dargestellten Himmelsäquator.
Die Ebene der Ekliptik ist als rotierende blaue Scheibe dargestellt. Die obere Sonne stellt die Situation bei der Sommersonnenwende dar, und die untere bei der Wintersonnenwende. Während der Zeit der Sommersonnenwende ist die Ekliptik mittags am stärksten und um Mitternacht am geringsten gegenüber der Horizontalebene geneigt, und während der Zeit der Wintersonnenwende ist es umgekehrt.

Zu jedem Zeitpunkt des Tages und des Jahres hat die Ekliptik gegenüber dem Horizont eine variierende Lage und eine andere Bogenlänge oberhalb des Horizonts, jedoch befindet sich der höchste Scheitel immer ungefähr in südlicher Richtung. Der Vollmond erreicht zur Sommersonnenwende um Mitternacht nur eine geringe Horizonthöhe, die Sonne steht dann mittags allerdings mit bei maximaler Horizonthöhe (unter Umständen sogar im Zenit bei einer Horizonthöhe von 90 Bogengrad), und es gibt somit den längsten Tag des Jahres. Zur Wintersonnenwende ist es umgekehrt, und es resultiert der niedrigste Sonnenstand und damit der kürzeste Tag des Jahres. Bei der Tag-und-Nacht-Gleiche zum Herbstanfang erreicht die Ekliptik zum Sonnenaufgang ihre maximale Höhe und maximal über dem Horizont sichtbare Bogenlänge und zum Sonnenuntergang das jeweilige Minimum, bei der Tag-und-Nacht-Gleiche zum Frühlingsanfang ist es wiederum umgekehrt.

Die Lage des Bogens der Ekliptik über dem Horizont zu verschiedenen Zeitpunkten
Jahreszeit morgens mittags abends nachts
Frühlings-
anfang
       
Sommer-
anfang
       
Herbst-
anfang
       
Winter-
anfang
       

Besonders steile Aufgänge im Osten und Untergänge im Westen sind also zu den folgenden Tageszeiten zu sehen:

  • Beim Frühlingsanfang (Tag-und-Nacht-Gleiche) am Abend
  • Beim Sommeranfang (Sonnenwende) am Mittag
  • Beim Herbstanfang (Tag-und-Nacht-Gleiche) am Morgen
  • Beim Winteranfang (Sonnenwende) um Mitternacht

Besonders flache Aufgänge im Osten und Untergänge im Westen sind entsprechend zu den folgenden Tageszeiten zu sehen:

  • Beim Frühlingsanfang (Tag-und-Nacht-Gleiche) am Morgen
  • Beim Sommeranfang (Sonnenwende) um Mitternacht
  • Beim Herbstanfang (Tag-und-Nacht-Gleiche) am Abend
  • Beim Winteranfang (Sonnenwende) am Mittag

→ In Bezug auf die vier Tages- und Jahreszeiten siehe auch Exkurs Zur Vier.

Die ekliptikale Länge   wird üblicherweise vom Frühlingspunkt aus als Winkel zwischen -180 und +180 Bogengrad in der Ebene der Ekliptik angegeben, zum Frühlingsanfang steht die Sonne also bei der ekliptikalen Länge null. Die ekliptikale Breite   wird wiederum senkrecht dazu als Winkel zwischen -90 und +90 Bogengrad in Richtung der Pole der Ekliptik bestimmt. Die ekliptikale Breite der Sonne   ist definitionsgemäß null. Die Deklination   eines Punktes auf der Ekliptik liegt immer zwischen   und  . Im Frühlings- und Herbstpunkt ist die Deklination der Sonne gleich null, zum Sommeranfang ist sie   und beim Winterbeginn  .

→ Zur scheinbaren Begegnung von beweglichen Gestirnen mit Himmelsobjekten siehe auch Exkurs Konjunktionen.

→ Zur Verwendung von Mondstationen für die Beschreibung der ekliptikalen Länge des Mondes siehe auch Mondhäuser.

Beobachtungen in der Nähe der EkliptikBearbeiten

Alle sieben Wandelgestirne können entlang der Ekliptiklinie ohne technische Hilfsmittel beobachtet werden, teilweise sogar bei Tageslicht und immer auch in der Dämmerung.

Die Mondsichel kann drei Tage vor oder nach Neumond durchaus auch am Mittag gesehen werden, wenn ihre Lage am Himmel bekannt ist und sie daher mit bloßem Auge fixiert werden kann. Die Schattenseite des Mondes ist vom Himmelsblau dabei nicht zu unterscheiden, und nur die schmale Sichel leuchtet etwas heller und weißlicher als der Himmel.

Befindet sich die Sonne in Horizontnähe und die Venus bei großer Elongation, gelingt auch deren Beobachtung am Taghimmel mit bloßem Auge. Die Venus ist nach der Sonne und dem Mond mit Abstand der hellste Planet und wird wegen ihres Glanzes in der poetischen Literatur auch als „Morgenstern“ beziehungsweise „Abendstern“ bezeichnet. Ihre Aufgänge als „Morgenstern“ und ihre Untergänge als „Abendstern“ auf der Ekliptik wurden bereits im 17. vorchristlichen Jahrhundert berechnet und auf den Venus-Tafeln des babylonischen Königs Ammi-saduqa festgehalten. Auf einigen der keltischen Bronzescheiben von   Monasterevin (Irland, erstes bis zweites nachchristliches Jahrhundert[1]) ist möglicherweise der scheinbare Verlauf der Venus- und Merkurpositionen am Abend- und Morgenhimmel über dem Horizont in Bezug zur Sonne künstlerisch dargestellt. Die anderen Planeten (etwas irreführend manchmal auch als Wandel- oder Wandersterne bezeichnet) sind nur zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang sichtbar.

Am schwierigsten ist in nördlichen Breiten die Beobachtung des innersten Planeten Merkur, weil dieser nur kurzzeitig (bei großer Elongation) und bei guten Sichtverhältnissen während der Dämmerung beobachtet werden kann. Am besten gelingt dies, wenn die Ekliptik möglichst steil auf der Horizontlinie steht, weil dann die Sonne noch relativ weit unter dem Horizont steht und den Himmel noch nicht zu sehr aufhellt. Dies ist um die Tag-und-Nacht-Gleichen der Fall – im Frühjahr am Abend (der Merkur muss dann eine große östliche Elongation haben), und im Herbst am Morgen (der Merkur muss dann eine große westliche Elongation haben). Entsprechendes gilt im Übrigen auch für das Alt- und Neulicht des Mondes sowie für die Venus.

Die drei äußeren Planeten, Mars, Jupiter und Saturn, können von der Erde aus gesehen jede ekliptikale Länge annehmen und bewegen sich langsamer entlang der Ekliptik. Sie sind hell genug, um mit bloßem Auge in der Dämmerung sichtbar zu sein, zudem können sie aber auch bei ihrer Kulmination auf dem südlichen Meridian beobachtet werden.

Von den in der nördlichen Hemisphäre zu sehenden Sternen ist lediglich der nur 8,6 Lichtjahre entfernte und schon vom griechischen Dichter Homer als Hundsstern erwähnte Sirius (α Canis Majoris) im Sternbild Großer Hund (Canis Major) mit -1,5m heller als der Saturn. Die nächst helleren Sterne Arktur (α Bootis) im Sternbild Bärenhüter (Bootes), Wega (α Lyrae) im Sternbild Leier (Lyra), Capella (α Aurigae) im Sternbild Fuhrmann (Auriga) und Rigel (β Orionis) im Sternbild Orion sind mit rund 0m bereits anderthalb Größenordnungen dunkler als Sirius und eine halbe Größenklasse dunkler als der Saturn. Die Sterne dieser Aufzählung liegen allerdings nicht in Ekliptiknähe und bilden deswegen keine spektakulären Konjunktionen mit den sieben Wandelgestirnen.

 
Die sieben hellsten feststehenden Himmelsobjekte in der Nähe der Ekliptik liegen zwischen den Sternbildern Stier (Taurus, rechts) und Skorpion (Scorpio, links). Der Bogen der Ekliptik wird von den Wandelgestirnen vom Frühlingspunkt rechts zum Herbstpunkt links durchlaufen. In der Nähe der anderen, nicht dargestellten Bogenhälfte befinden sich keine hellen Fixsterne. Außerhalb des Bogens liegende Punkte befinden sich nördlich der Ekliptik und innen liegende südlich.

Die hellsten in Ekliptiknähe liegenden Sterne sind Antares (α Scorpii, 1,0m) im Sternbild Skorpion (Scorpio), Spica (α Virginis, 1,0m) im Sternbild Jungfrau (Virgo), Regulus (α Leonis, 1,5m) im Sternbild Löwe (Leo), Pollux (β Geminorum, 1,0m) im Sternbild Zwillinge (Gemini) und Aldebaran (α Tauri, 1,0m) im Sternbild Stier (Taurus) sowie die beiden offenen Sternhaufen der Hyaden (0,5m)und der Plejaden (Messier 45, 1,5m), die beide ebenfalls im Sternbild Stier (Taurus) liegen. Diese Sterne beziehungsweise Sternhaufen stehen regelmäßig in dichter Konjunktion mit den sieben Wandelgestirnen und werden manchmal sogar von ihnen bedeckt.

Die beiden Roten Riesen Aldebaran und Antares liegen nur geringfügig südlich der Ekliptik und unterscheiden sich in ihrer ekliptikalen Länge um fast genau 180 Bogengrad. Die beiden äußersten Pole dieser Reihe, der Stern Antares und der Sternhaufen der Plejaden, werden in ihrer Eigenschaft als Kalendergespann auch als Plejaden-Waage bezeichnet.[2]

→ Siehe auch Exkurs Die sieben hellsten Objekte der Ekliptik.

Vor gut 5000 Jahren – als die Keilschrift erfunden wurde[3] und die ersten zeichnerischen Darstellungen von Gottheiten auftauchen – befanden sich Aldebaran neben dem Frühlingspunkt und Antares neben dem Herbstpunkt. Dies bedeutet, dass zum Frühlingsanfang die Sonne genau im Osten zusammen mit Aldebaran aufgegangen ist, während Antares gleichzeitig im Westen untergegangen ist. Beziehungsweise ist die Sonne genau im Westen zusammen mit Aldebaran untergegangen, während Antares gleichzeitig im Osten aufgegangen ist. Umgekehrt zum Herbstbeginn: hier ging die Sonne genau im Osten zusammen mit Antares auf, während gleichzeitig Aldebaran im Westen unterging. Beziehungsweise ist die Sonne genau im Westen zusammen mit Antares untergegangen, während Aldebaran gleichzeitig im Osten aufgegangen ist.

Für die damaligen Menschen waren diese beiden sehr hellen und rot leuchtenden Sterne daher ein Gespann, um auf einfache Weise die Zeitpunkte des Frühlings- und des Herbstanfangs im Sonnenjahr zuverlässig zu bestimmen. Der in der obigen Tabelle beschriebene Halbbogen auf der Ekliptik befand sich damals zum Frühlingsbeginn bei Sonnenuntergang und zum Herbstbeginn bei Sonnenaufgang vollständig oberhalb des Horizonts. Zum Sommerbeginn war dieser Halbbogen um Mitternacht vollständig unter dem Horizont und daher gar nicht zu sehen. Dafür war der sichtbare Teil der Ekliptik zum Winterbeginn um Mitternacht vom Stern Antares Osten bis zu den Plejaden im Westen vollständig und fast gleichmäßig in 45-Grad-Schritten durch die oben angegebenen fünf Sterne markiert, wobei die Ekliptik den Meridian im Süden bei maximaler Höhe schnitt.

Das Goldene Tor der EkliptikBearbeiten

 
Das Goldene Tor der Ekliptik in De temporis e stellarum observationibus definiendi ratione apud veteres usitatissima aus dem Jahr 1856 vom deutschen Astronomen Carl Bremiker (* 1804; † 1877). Die Ekliptik verläuft auf der Linie von B nach A, und der Punkt C markiert das Goldene Tor der Ekliptik. Vergiliae = Plejaden; Suculae = Hyaden; Taurus = Stier; Aries = Widder.
 
Die Lage des Frühlingspunktes vor 4500 Jahren im Goldenen Tor der Ekliptik.

Vor 4300 Jahren befand sich der Frühlingspunkt noch im Sternbild Stier (Taurus), vor 2150 Jahren im Sternbild Widder (Aries, aus dieser Epoche stammt das Synonym „Widderpunkt“ für den Frühlingspunkt) und heute im Sternbild Fische (Pisces). 2500 vor Christus lag der Frühlingspunkt genau zwischen den Hyaden und den Plejaden im Goldenen Tor der Ekliptik! Vor rund 4500 Jahren befand sich ein zum Herbstbeginn auftretender Vollmond also gleichzeitig im Frühlingspunkt und im Goldenen Tor der Ekliptik und ging abends um 18 Uhr Ortszeit genau im Westen unter.

Die auffälligen und mit bloßem Auge leicht erkennbaren Sternhaufen der Plejaden (lateinisch: "Vergiliae") und der Hyaden (lateinisch: "Suculae") bilden im Bezug zum Fixsternhimmel Asterismen. Zusammen mit dem Stern Aldebaran (er selber gehört nicht zu den Hyaden) stellen diese drei Objekte auf relativ engem Raum, in einem Winkelbereich von weniger als zehn Bogengrad, die drei hellsten Objekte in der Nähe der Ekliptik dar.[4] Gemeinsam bilden sie die beiden Pfosten des Goldenen Tors der Ekliptik im Sternbild Stier (Taurus). Auch der angelsächsische Benediktiner   Beda Venerabilis ( 672 oder 673 bis 735 ) nannte die beiden Sternhaufen Plejaden und Hyaden Anfang des 8. Jahrhunderts in seinem Werk De natura rerum im elften Kapitel Vergiliae und Suculae. Er wies darauf hin, dass es sich um Frühlingszeichen am Himmel handelt und dass die Benennung von Sternen und Asterismen bei den ihm damals zur Verfügung stehenden Schriften nicht einheitlich gestaltet ist. Über die beiden Sternhaufen schreibt er "de signiferis signis per quae planetae currunt", also "von den Fahnenträgerzeichen, durch die die Planeten laufen".[5] Hierbei bezieht Beda sich offenbar auch auf das 18. Kapitel "Naturae frugum" (Verse 246 bis 248, 280 und 313) in der "Naturalis historia" von   Plinius dem Älteren (23 oder 24 bis 79) aus dem ersten Jahrhundert, der die beiden lateinschsprachigen Begriffe "vergiliae" und "suculae" ebenfalls verwendet hat.[6]

Alle sieben beweglichen Himmelsobjekte ziehen im Laufe der Zeit von der Erde aus betrachtet mehr oder weniger häufig, aber regelmäßig sehr nahe der Ekliptik durch diese Pforte und somit zwischen den beiden Sternhaufen hindurch.

→ Siehe auch Exkurs Zur Sieben.

Der Erdmond, die Venus und der Merkur können aufgrund der etwas größeren Abweichung von der Ekliptik und der relativen Erdnähe gelegentlich einen Pfosten des Goldenen Tors streifen, treffen oder im Falle des Mondes und des Merkurs sogar etwas außerhalb der Plejaden vorbeiziehen. Die Venus, der dritthellste Wandelstern nach Sonne und Mond, bleibt stets südlich der Plejaden und nördlich von Aldebaran. Der Mond kann sowohl die Plejaden als auch den Stern Aldebaran bedecken.

Die ekliptikale Länge wird vom Frühlingspunkt aus entlang der Ekliptik gemessen. Für das Goldene Tor der Ekliptik beträgt sie heute zirka 64 Bogengrad. Im Übrigen sei darauf hingewiesen, dass die Verbindungslinie zwischen den Hyaden und den Plejaden bei der ekliptikalen Breite von 0 Bogengrad ziemlich genau mittig durch die Linie der Ekliptik geschnitten wird. Ferner ist die Ekliptik unter einem Winkel von rund 45 Bogengrad zu dieser Verbindungslinie geneigt. Auf diese Weise können sowohl die Lage der Ekliptik als auch deren Neigung zu jedem Zeitpunkt, von jeder Stelle der Erde und unmittelbar anhand der Ausrichtung des Goldenen Tors der Ekliptik abgelesen werden, ohne die Bahnen oder Lagen von Sonne, Mond oder Planeten beobachten zu müssen.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass vor 4500 Jahren in jedem Jahr zum Frühlingsanfang die untergehende Sonne abends am westlichen Horizont im Goldenen Tor der Ekliptik stand, wobei dieses wegen des hellen Sonnenlichts selbst allerdings gar nicht zu sehen war. Heute ist dies am 25. Mai der Fall, da sich der Frühlingspunkt mittlerweile um gut zwei Monate (ein Monat entspricht einem Winkel 30 Bogengrad entlang der Ekliptik) verschoben hat.

Der HimmelsstierBearbeiten

 
Asterismus des Himmelsstieres mit den Bezeichnungen der hellsten Sterne. Der Stern γ Tauri (Hyadum I) im Maul des Stierkopfes ist der einzige in dieser Darstellung, von dem drei gelbe Linien ausgehen.
Wiktionary – Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen:


Das deutsche Wort „Stier“ lässt sich auf die beiden verwandten mittelhochdeutschen Wörter „stier“ (glasig blickend) und „sterre“ (starr, unbeweglich) zurückführen. Auch die deutschen Wörter „stieren“ (starr blicken) und „starren“ (bewegungslos auf etwas schauen) sind damit verwandt. Das althochdeutsche Wort „stiuri“ bedeutet „stark“. Auch die folgenden Wörter für „Stier“ scheinen auf ein altes gemeinsames Lehnwort zurückzugehen: assyrisch „šûru“, hebräisch „šōr“, phönizisch „thōr“ und aramäisch „tōra“ beziehungsweise im verwandten Mittelpersisch (Pahlavi, Zoroastrier) "tôrâ" (man bemerke die Übereinstimmung zum hebräischen Begriff „Tora“ für den Pentateuch, also die fünf Bücher Mose), altgriechisch „ταυρος“ („tauros“), lateinisch „taurus“.[7] Hierbei fällt auf, dass auch die nordische Himmelsgottheit „Thor“ genannt wird und dass diese mit den antiken Himmelsgottheiten „Zeus“ beziehungsweise „Jupiter“ gleichgesetzt wird. Diese Gottheiten sollen mit dem Fahren eines Wagens über ein Gewölbe ein gewaltiges Donnern verursachen. In Israel hat sich Jahwe vermutlich unter phönizischem Einfluss zum Himmelsgott entwickelt, wobei er mit den Gestirnen in Verbindung gebracht wurde. Als Prototyp der Vorstellung von Jahwe als Himmelsgott findet sich in der westsemitischen Gottheit „Baal des Himmels“ (Baalschamem).[8][9] Im Zoroastrismus hat das ursprüngliche Rind, der ursprüngliche Stier beziehungsweise der Urochse den avestischen Namen Gav-aevo-data. Nachdem dieses Tier getötet wurde floh es als Seele Goshorun (avestisch: "Geush Urvan") zu den Stern-, Mond- und Sonnenstationen auf der Ekliptik und beklagte dort die Zerstörung der Welt. Nach seiner Besänftigung wurde es zum Urahn aller Nutztiere.

Das mittelhochdeutsche Wort „sterre“ kann auch mit „Stern“ übersetzt werden und ist mit dem Wort „Gestirn“ eng verwandt. Im Lateinischen heißt es ebenfalls sehr lautähnlich „aster“ beziehungsweise „astrum“ sowie im Altgriechischen „ἄστρον“ („astron“). Das englische Wort „star“ bedeutet „Stern“ und „starry“ bedeutet „gestirnt“.

Insofern ist es überhaupt nicht überraschend, in einem wichtigen Sternbild des Lebewesenkreises (Zodiak) einen Stier am Nachthimmel zu finden. In diesem Sternbild befand sich im Neolithikum der Frühlingspunkt der Sonne. Der ursprüngliche sehr großflächige Asterismus des Himmelsstieres (lateinisch: „taurus caeli“, griechisch: „ταυρος Ολίμπου“ / „tauros Olympou“) ist als Konstellation sehr gut erkennbar und deutlich größer als das heutige Sternbild Stier. Es befindet sich in der Himmelsregion der aktuellen Sternbilder Stier (Taurus), Walfisch (Cetus), Widder (Aries) und Fuhrmann (Auriga).

Als eines der zwölf Ekliptiksternbilder hat der Stier seit der babylonischen Zeit allerdings nur eine ekliptikale Gesamtlänge von 30 Bogengrad. In der römischen Mythologie wird die Tauroktonie (Kunstwort aus lateinisch "taurus" ("Stier") und altgriechisch "σκοτώνω" ("skotono" = "Herausschneiden")) beschrieben: die ikonischen Darstellungen zeigen den römischen Gott Herakles, der den Stier durch einen Dolchstoß tötet. Vom ursprünglichen Himmelsstier wurde das Sternbild Widder (Aries) "herausgeschnitten", so dass heute nur noch der vordere Teil des Stieres einschließlich der Plejaden zum Sternbild Stier (Taurus) gehört. Bei den Arabern gehören die Plejaden (arabisch: "Thuraya") sowohl zum Asterismus "Hände der Thuraya" als auch als fetter Schwanz des Lammes zum Asterismus "Lamm" (Widder).[10]

Der große Himmelsstier umfasst die folgenden Hauptsterne:

Die Hauptsterne des Asterismus „Himmelsstier“
Astronomische
Bezeichnung
Eigenname Lage im
Himmelsstier
Scheinbare
Helligkeit
ζ Tauri Tien Kuan Rechte Hornspitze 3,0m
β Tauri Elnath Linke Hornspitze 1,7m
α Tauri Aldebaran Rechtes, rotes Auge 0,9m
ε Tauri Ain Linkes Auge 3,5m
γ Tauri Hyadum I Maul 3,6m
M45 (Taurus) Plejaden Rücken 1,6m
41 Aries Bharani / Nair al Butain Schwanz 3,6m
α Aries Hamal Hinterlauf 2,0m
β Aries Sheratan Hinterlauf 2,6m
α Cetis Menkar Vorderlauf 2,5m

Das Sternbild Stier (Taurus) gehörte schon immer und überall zu den bedeutendsten Sternbildern.[11] Neben den beiden offenen Sternhaufen der Hyaden und der Plejaden ist der helle Rote Riese Aldebaran besonders markant und wird häufig als das leuchtende rechte Auge des Stieres betrachtet. Im 18. Jahrhundert wurde er in Deutschland auch als das Ochsenauge bezeichnet.[12] Der Name Aldebaran stammt aus dem Arabischen und bedeutet der (den Plejaden beim Aufgang am östlichen Morgenhimmel) Folgende. Der Stern Elnath ist heute gleichzeitiger Bestandteil des Sternbilds Fuhrmann (Auriga).

Die scheinbare Sonnenbahn wird Ekliptiklinie genannt. Sie dient als Bezugslinie für die astronomischen Koordinaten des Ekliptiksystems. Alle sieben mit bloßem Auge sichtbaren Wandelgestirne ziehen entlang der Ekliptiklinie aus dem dunklen Trichter der Thuraya durch das Goldene Tor der Ekliptik in die sternenreicheren Regionen des Himmels. Üblicherweise werden die ekliptikalen Längen vom Frühlingspunkt aus gemessen, und die ekliptikalen Breiten senkrecht zu dieser Linie nach Norden und nach Süden. Der Frühlingspunkt lag vor gut 5000 Jahren (also zur Epoche J-3000) im Goldenen Tor der Ekliptik, also mitten im Himmelsstier, bei der damaligen ekliptikalen Länge des Sterns Aldebaran (α Tauri, Alphastern oder das rote Ochsenauge des Sternbilds Stier (lateinischsprachig: „Oculus Tauri“)[13][14][15]) von null Bogengrad. Die Sonne stand zum Frühlingsbeginn, der damals häufig den Jahresbeginn markierte, demnach in Konjunktion zu diesem Stern. Während eines Sonnenjahres zog die Sonne auf ihrer kreisförmigen Bahn vom Jahresanfang beim Stern Aldebaran bis zum Jahresende beim Stern Ain (ε Tauri, der andere Augenstern) mit der ekliptikalen Länge von rund 359 Bogengrad kurz vor dem erneuten Erreichen des Frühlingspunktes.

Die Deutung der beiden Sterne Aldebaran und Ain als die Augensterne des Himmelsstieres ist sehr alt:

Der erste Buchstabe unseres Alphabets A wird im Altgriechischen mit Alpha (groß: Α, klein: α) bezeichnet. Dieser wiederum hat seine Entsprechungen in noch älteren Alphabeten. Im Hebräischen wird er Aleph genannt und im Arabischen Alif. Der helle Stern Aldebaran (alpha Tauri) kann mit dem ersten Buchstaben Aleph des bereits im zweiten vorchristlichen Jahrtausend verwendeten phönizischen Alphabets in Zusammenhang gebracht werden:[2] In der sehr alten protosinaitischen und phönizischen Sprache wurden für diesen Buchstaben die folgenden Schriftzeichen verwendet:

Dieser Buchstabe wird paläographisch mit dem Begriff „Ochse“ beziehungsweise „Stier“ gedeutet. Die Ägypter kannten die Hieroglyphe   (F1) für „Ochsenkopf“. In Anatolien wurde im 2. und 1. Jahrtausend vor Christus die luwische Hieroglyphe   für „Rind“ verwendet.

Auch der Buchstabe O unserer Alphabets hat eine Entsprechung im Altgriechischen, den Buchstaben Omikron (groß: Ο, klein: ο) . Auch dieser hat Entsprechungen in noch älteren Alphabeten. Im Hebräischen wird er Ajin und im Arabischen wird er Ain genannt. In der sehr alten protosinaitischen und phönizischen Sprache wurden die folgenden Schriftzeichen verwendet:

Dieser Buchstabe wird paläographisch mit dem Begriff „Auge“ gedeutet. Die Ägypter benutzen für diesen Begriff die Hieroglyphe   (D4).

MythologieBearbeiten

Ernst Christian Ludwig von Bunsen (* 1819; † 1903) wies Ende des 19. Jahrhunderts darauf hin, dass die eine der älteren chaldäischen Formen des hebräischen Gottesnamens „JHWH“, nämlich „JAO“ mit kosmischen Symbolen verknüpft sein könnte. Die beiden paläographischen Buchstaben „A“ (Alpha, Aleph) und „O“ (Omikron, Ajin) waren vor 4000 Jahren vom Frühlingspunkt gerechnet mit dem ersten Zeichen Stier und dem letzten Zeichen Widder des Lebewesenkreises (Zodiak) verbunden. Die Sonne war bei den Phöniziern mit dem Buchstaben „J“ verknüpft, und wenn dieses „J“ dem „A“ und dem „O“ vorangestellt wird, ergibt sich die Buchstabenfolge „JAO“ (Iota - Alpha - Omikron beziehungsweise Jod, Aleph, Ajin). Dies symbolisiert den jährlichen Sonnenlauf der Sonne „J“ von Frühlingspunkt „A“ entlang der Ekliptiklinie bis zum letzten Lebewesenkreiszeichen Widder (Aries) „O“.[16] Es wäre auch auch denkbar, dass die beiden Buchstaben „A“ und „O“ unmittelbar mit den beiden sehr auffälligen Augensternen des Himmelsstiers im Frühlingspunkt der Sonnenbahn Aldebaran (α Tauri = alpha Tauri = Aleph, ekliptikale Länge zur Epoche J-3000 = 0 Bogengrad) und Ain (ε Tauri = epsilon Tauri, Ajin, ekliptikale Länge zur Epoche J-3000 = 359 Bogengrad) verknüpft sind, was auch ganz ohne die Voraussetzung des Zodiaks eine Erklärung liefern würde, der erst später als die Alphabete entwickelt wurde. Wie auch immer, solche Zusammenhänge würden erklären, dass der Gottesname mit dem göttlichen Himmelsstier in Zusammenhang steht.

Anmerkung:
Wie weiter oben ausgeführt, bedeutet das aramäische Wort „tōra“ „Stier“. Unter der Annahme, dass nach dem zweiten Gebot von Gott kein Bild gemacht werden darf (Bilderverbot),[17] wäre es durchaus nahliegend, das ursprünglichste Wort Gottes des jüdischen Glaubens (namentlich die fünf Bücher Mose der Bibel, den Pentateuch der Septuaginta beziehungsweise die Tora des Talmuds) mit dem Namen des Stieres, der als Himmelsbild Gott repräsentiert, gleichzusetzten, also mit dem aramäischen Namen „tōra“.
Vergleiche hierzu auch die Anfertigung zweier goldene Rinderfiguren als Gottesbild durch Jerobam I., den ersten König des Nordreichs Israel, die im zwölften Kapitel des ersten Buchs der Könige beschrieben ist:[18]
28 So ging er mit sich zu Rate, ließ zwei goldene Kälber anfertigen und sagte: Ihr seid schon zu viel nach Jerusalem hinaufgezogen. Hier sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägypten heraufgeführt haben.
29 Er stellte das eine Kalb in Bet-El auf, das andere brachte er nach Dan.
30 Dies wurde Anlass zur Sünde. Das Volk zog vor dem einen Kalb her bis nach Dan.

Der Stier wird offenbar seit jeher im Zusammenhang mit der Urflut und der Sonne gesehen. Viele Mythen bringen auch die Elemente Himmel, Mond, Gestirne, Schöpfer, Gold oder Lichtbringer im Zusammenhang mit Rindern, wie zum Beispiel in der Sage über die kolossale himmlische "Rote Kuh" im zehnten Gesang des finnischen Epos Kalevala (Verse 361 ff.):[19][20]

Eine Kuh dringt aus dem Feuer,
Golden strahlen ihre Hörner,
An der Stirn der Bär vom Himmel,
Auf dem Kopf das Rad der Sonne.

Stiere wurden im Altertum häufig in Abbildungen dargestellt, in denen Bezüge zu Gegenständen, Lebewesen oder Gottheiten zu erkennen sind. Im Alten Testament wir der Stier mit den Attributen Fruchtbarkeit, Macht, Kampf und Stärke in Verbindung gebracht.[21]

 
Hexagonaler Ring mit neunzehn jeweils um eine Radiuslänge überlappenden Kreisen.

Der Himmelsstier symbolisiert die Erschaffung des Himmels als Bringer aller Gestirne:

  • Sieben Wandelgestirne:
    • Ein zentrales Hauptgestirn (die Sonne).
    • Sechs weitere Wandelgestirne: der Mond und die fünf mit bloßem Auge sichtbaren Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn.
  • Die Fixsterne repräsentiert durch den Zodiak mit seinen zwölf Lebewesenzeichen (Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann, Fische, Widder).

Dies sind insgesamt neunzehn Bestandteile. Ein symmetrischer hexagonaler Ring aus neunzehn gleichgroßen Kreisen ist wie folgt aufgebaut:

  • Sieben innenliegende Kreise:
    • Ein zentraler Kreis.
    • Sechs Kreise umgeben den zentralen Kreis gleichmäßig.
  • Je zwei Kreise liegen mit ihren Mittelpunkten gleichmäßig verteilt im äußeren Bereich auf den Umfängen der sechs mittleren Kreise; zusammen sind dies zwölf Kreise.

Der Göttervater Zeus näherte sich der Königstochter Europa als Stier. Auch in orientalischen Mythen taucht die Vorstellung des Himmelsstieres in der Form des Urstieres auf. Schon im uralten Gilgamesch-Epos wird der Himmelsstier erwähnt. Die sechste Tafel aus dem prähistorischen Mesopotamien beschreibt, wie der Göttervater An der Stadt Uruk den Himmelsstier ausgesendet hatte, um Gilgamesch zu bestrafen. In Uruk angelangt, richtete der Himmelsstier große Zerstörungen an und tötete hunderte von Männern.

Auch in der antiken Dichtkunst wurde auf den Himmelsstier Bezug genommen. Im griechischsprachigen Werk „Hoi Tēs Hērōikēs Poiēseōs Palaioi Poiētai Pantes“ (lateinische Übersetzung: „Poetae Graeci vete res carminis heroici scriptores, qui extant, omnes“, zu Deutsch: „Alle alten griechischen Poeten der heroischen Dichtkunst, die als Verfasser herausragen“) des Jacobus Lectius von 1606, also kurz vor der Erfindung des Fernrohrs, das die Möglichkeiten der Einblicke in den Nachthimmel revolutioniert hat, wird der Himmelsstier im ersten Buch der Dionysiaka (Διονυσιακά) des Nonnos von Panopolis noch direkt mit dem obersten römischen Gott Jupiter (respektive mit dem obersten griechischen Gott Zeus) in Verbindung gebracht:[28]

Iupiter taurus in caelo relatus
Iupiter maritus, surgens vero ad pedes agitatoris in caelo
sponsus stellatus fulgebat Taurus caeli.

Zu Deutsch:

Jupiter, der in den Himmel gebrachte Stier
Jupiter der Ehemann, sich wahrhaft erhebend zu Füßen des himmlischen Lenkers,
der gestirnte Bräutigam, leuchtete als Himmelsstier.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass sich der Asterismus Himmelsstier am Himmel direkt unter den beiden Füßen des Sternbilds Perseus befindet. Der Heroe Perseus ist in der griechischen Mythologie der Sohn des Zeus. Bei den Babyloniern hieß das Sternbild SU.GI zu Deutsch „Alter Mann“, was rein geometrisch gut zum Sternbild Perseus passen würde, es gibt jedoch auch die Deutung als der „Wagenlenker“ im angrenzenden Sternbild Fuhrmann (Auriga).[29] Wie auch immer, in beiden Fällen befindet sich der Himmelsstier zu Füßen des SU.GI.

Der himmlische Flussgott der griechischen Mythologie Acheloos soll sich während seines Kampfes mit Kontrahenten Herakles bei des Donners Brüllen in einen Stier gewandelt haben. In diesem Umfeld kann auch der kretische Minotaurus gesehen werden; ihm müssen in jedem Jahr sieben Jünglinge und sieben Jungfrauen dargebracht werden, die als die sieben winterlichen Sonnen- und Mondwesen gelten.

→ Siehe hierzu auch: Die Höhlenmalerei in der Magura-Höhle / Dritte Station.

In keltischen Sagen steigt dieser aus himmlischen Wassern empor und mischt sich unter irdische Herden. Eine mongolische Sage erwähnt den himmlischen Stier Bucha Nojan als die gute Gottheit, die jegliches Erdenglück gespendet hat.[30]

Bei den persischen Parsen, die der Lehre des Zoroastrismus folgen, war der Stier das erste Geschöpf. Dieser wurde vom bösen Geist Ahriman erlegt, woraufhin aus dem Stierkörper der Mensch und die heilsame Pflanzenwelt hervorgingen. Der Urstier wird deswegen als Keim alles Guten angesehen, und es wird geglaubt, dass seine Seele im Himmel fortbesteht. Ahriman ist der Widersacher von Ormuzd (Ahura Mazda), der als Gottheit Licht, Tag und Leben geschaffen hat. Ahriman gilt dagegen als der Verursacher von Finsternis, Nacht und Tod, und ihm sind alle anderen bösen Geister untertan. Zu diesen schlechten Geschöpfen zählen auch die Schlangen.[31]

Der folgende Sachverhalt ist in diesem Kontext bemerkenswert: das Sternbild Stier (Taurus, heutige ekliptikale Längen 49 bis 90 Bogengrad) auf der einen Seite sowie die Sternbilder Schlange (Serpens) und Schlangenträger (Ophiuchus) auf der anderen Seite befinden sich in der Himmelssphäre zwischen Ekliptik und Himmelsäquator an gegenüberliegenden Stellen, so dass sich die ekliptikalen Längen um 180 Bogengrad beziehungsweise die Rektaszensionen um 12 Stunden unterschieden. Das Sternbild Schlange ist zweigeteilt in den Schlangenkopf (Serpens Caput, heutige ekliptikale Längen 216 bis 244 Bogengrad) und den Schlangenschwanz (Serpens Cauda, heutige ekliptikale Längen 260 bis 285 Bogengrad), die durch den Schlangenträger (Ophiuchus, heutige ekliptikale Längen 240 bis 283 Bogengrad) mittig unterbrochen werden.

Der Dualismus zweier Widersacher beziehungsweise zweier Gegenpole, die mit den beiden mythischen Gestalten des Stieres und der Schlange beziehungsweise mit den Attributen Licht, Finsternis oder Urflut in Verbindung gebracht werden können, taucht in erstaunlich vielen Traditionen auf.[32]

Zum Dualismus „Licht / Finsternis“
Kultur
Religion
Sprache Gottheit Widersacher
Vedisch Sanskrit Indra Vritra
Zoroastrismus Altiranisch Ahura Mazda Ahriman
Ägyptische Mythologie Altägyptisch Re Apophis
Judentum Hebräisch JHWH („Jahwe“) Satan
Griechische Mythologie Altgriechisch Zeus Ophion
Hinduismus Sanskrit Krishna Kaliya

Der Trichter der ThurayaBearbeiten

 
Westlich des Goldenen Tors der Ekliptik gibt es nur weniger auffällige Sternbilder und Sterne. Die hellsten Sterne nördlich und südlich der Ekliptik bilden in Richtung Plejaden (arabisch Thuraya) eine Art Trichter (orangefarben), durch den alle sieben Wandelgestirne in das Goldene Tor der Ekliptik eintreten. Dies sind nördlich der Ekliptik die Sterne Hamal im Widder (Aries) sowie Algenib, Markab und Enif im Sternbild Pegasus, und südlich der Ekliptik die Sterne Menkar und Diphda im Sternbild Walfisch (Cetus) sowie Formalhaut im Sternbild Südlicher Fisch (Piscis Austrinus).

Die Beduinen kennen seit alters her das Sternbild Hände der Thuraya. Der Asterismus Thuraya ist die arabische Bezeichnung für die Plejaden beziehungsweise das Siebengestirn. Von diesem Asterismus gehen sowohl die beiden Arme der Thuraya als auch das Sternbild Lamm (al-hamal) aus.[33] Dieses Lamm und der vom Betrachter aus gesehen linke Arm sind gleichzeitig Bestandteile des Körpers und der Beine des Himmelsstiers. In der linken Schulter der Thuraya liegt das Goldene Tor der Ekiptik.

Der Rand des Trichters ist mit fallender ekliptikaler Länge und Rektaszension (Reihenfolge der Sichtbarkeit von Osten nach Westen) durch die folgenden hellen Himmelsobjekte markiert:

  • Offener Sternhaufen der Plejaden (Messier 45, M45) im Sternbild Stier (Taurus)
  • Nördlich der Ekliptik
    • Der hellste Stern Hamal (α Arietis) im Sternbild Widder (Aries)
    • Algenib (γ Pegasi) im Sternbild Pegasus
    • Markab (α Pegasi) im Sternbild Pegasus
    • Der hellste Stern Enif (ε Pegasi) im Sternbild Pegasus
  • Südlich der Ekliptik
    • Menkar (α Ceti) im Sternbild Walfisch (Cetus)
    • Der hellste Stern Diphda (β Ceti, auch Deneb Kaitos) im Sternbild Walfisch (Cetus)
    • Der mit Abstand hellste Stern Fomalhaut (α Piscis Austrini) im Sternbild Südlicher Fisch (Piscis Austrinus)

Bevor die sieben entlang der Ekliptik wandelnden Himmelskörper das Goldene Tor der Ekliptik im Sternbild Stier (Taurus) erreichen, durchlaufen sie in der Regel die Sternbilder Steinbock (Capricornus), Wassermann (Aquarius), Fische (Pisces) und schließlich Widder (Aries). In diesem Himmelsquadranten zwischen dem Stern Deneb Algedi (δ Capricorni), dem „Schwanz des Ziegenböckchens“, und dem Goldenen Tor der Ekliptik gibt es keinen einzigen ekliptiknahen Stern mit einer Größenklasse 3,5m oder heller. Erst im Goldenen Tor der Ekliptik im Sternbild Stier (Taurus) übertreffen die Plejaden, die Hyaden sowie Aldebaran diese Helligkeit, und zwar erheblich. Dies bedeutet, dass alle in diesem Himmelssegment in der Nähe der Ekliptik liegenden Fixsterne in der Helligkeit von mehreren hundert anderen Sternen des Nachthimmels sowie sehr deutlich von den sieben Wandelgestirnen übertroffen werden. Die sieben Wandelgestirne ziehen also aus einer dunklen und sternenarmen Himmelsregion, dem Trichter der Thuraya, quasi wie durch einen Trichter zum Himmelsstier in das Goldene Tor der Ekliptik.

 
Mit dem beduinischen Sternbild Hände der Thuraya (grüne durchgezogene Linien, die Ekliptik ist als rot gepunktete Linie dargestellt). Die anatomischen Bestandteile von unten Mitte über die Plejaden (Thuraya) nach rechts oben: die amputierte Hand (al-kaf al-jadhma), Thuraya (die kleine Reichliche, ath-thuraya), das Schulterblatt (al-'atiq), die Schulter (al-mankib), der Oberarm (al-'adud), die Ellenbogenspitze (ibrat al-mirfaq), der Ellenbogen (al-mirfaq), die Ellenbogengrube (al-ma'bid), der Unterarm von Thuraya (dhira’ ath-thuraya), die Tätowierung des Handgelenks (washm al-mi'sam), die Henna-gefärbte Hand (al-kaf al-khadib).
Thuraya wird von den Beduinen auch als der fette Schwanz des Asterismus Lamm (al-hamal) interpretiert. Dies entspricht dem griechischen Sternbild Widder (Aries). Der Stern Hamal steht für die kleinen Hörner des Lammes.[10]
Der Arm der Thuraya mit der amputierten Hand und der Asterismus Lamm bilden zusammen einen Trichter, durch den alle Wandelgestirne auf der Ekliptik in das Goldene Tor der Ekliptik zwischen den beiden offenen Sternhaufen der Hyaden beim Stern Ain und der Plejaden eintreten.
 
Die Vorderseite der Stele vom Rocher des Doms.

Eine prähistorische Darstellung des Trichters der Thuraya könnte auf der Vorderseite der Stele vom Rocher des Doms zu sehen sein.

Präzession und NutationBearbeiten

 
Befindet sich am rechten Ende der gepunkteten schwarzen Linie eine große Masse, dann ist die Gravitationskraft (rote Pfeile) auf die dieser Masse zugewandten Hälfte größer als auf die dieser Masse abgewandten Hälfte. Ist die rotierende Erdachse gegenüber dieser Linie zudem geneigt, ergibt sich ein Drehmoment, das die Achse entgegen dem Uhrzeigersinn aufrichten möchte. Durch das Gesetz des Drehimpulssatzes erfolgt daraufhin jedoch nicht die Aufrichtung der Achse, sondern eine andauernde kreisförmige Präzessionbewegung der Rotationsachse, bei der sich der Drehimpuls zeitlich stets in Richtung des jeweils wirkenden Drehmoments ändert.
Ein auf einer horizontalen i,j-Ebene schnell rotierender Kreisel erfährt eine langsame Präzessionsbewegung um die senkrechte k-Achse. Stimmt die Hauptträgheitsachse des rotierenden Körpers nicht exakt mit dessen Rotationsachse überein, kommt es gleichzeitig zu einer Nutation, bei der die Rotationsachse des Kreises kleinere Pendelbewegungen ausführt (schwarze Linie).

Im System des Himmelsäquators sind die Rektaszensionen und die Deklinationen aller Fixsterne einer stetigen Änderung unterworfen. Diese sind durch die Präzession der Erdrotationsachse bedingt. Alle großen Massen, insbesondere die der Sonne, aber auch die des Mondes und die der Planeten erzeugen auf der zugewandten Seite wegen der etwas größeren Nähe eine größere Gravitationskraft als auf der abgewandten Seite. Falls die Erdrotationsachse in Bezug auf die Verbindungslinie von Erdmittelpunkt und anziehender Masse geneigt ist, resultiert senkrecht zur Erdrotationsachse ein Drehmoment, das in Verbindung mit dem durch die tägliche Drehung verursachten Drehimpuls der Erdkugel die Präzessionsbewegung hervorruft. Hierbei kreist der Himmelspol innerhalb von knapp 26000 Jahren beziehungsweise innerhalb eines Platonischen Jahres einmal um den Pol der Ekliptik. Dieses Verhalten von sich drehenden rotationssymmetrischen Körpern kann beispielsweise auch bei Peitschenkreiseln beobachtet werden, deren Rotationsachse nicht lotrecht steht und die von Kindern gerne als Spielzeug benutzt werden.

Die Präzession bewirkt gleichzeitig das rückläufige Wandern von Frühlings- und Herbstpunkt innerhalb eines Platonischen Jahres entlang der Ekliptiklinie beziehungsweise der Lebewesenkreiszeichen (Zodiak).

Da das Trägheitsmoment der Erde wegen der inhomogenen Massenverteilung und der Verschiebungen der Massen im Innern der Erde zeitlich nicht konstant ist, kann die Präzession der Erdrotationsachse immer nur empirisch bestimmt werden. Der Hauptteil der jährlichen Lunisolarpräzession wird durch die Sonne und den Mond hervorgerufen, deren Abstände von der Erde wegen der elliptischen Umlaufbahnen jedoch ebenfalls nicht konstant sind. Da der Mond in Bezug auf die Ekliptik permanent seine ekliptikale Breite ändert und seine auf- und absteigenden Knoten dabei innerhalb des drakonitischen Zyklus von 18,6 Jahren einmal vollständig auf der Ekliptiklinie herumwandern, ergibt sich die am deutlichsten erkennbare Schwankung der Präzession mit exakt dieser Periode, die auch als astronomische Nutation bezeichnet wird. Weitere, aber kleinere Störeinflüsse beruhen auf den Gravitationskräften der Planeten.

Siehe auch Kapitel Mondzyklen / Abschnitt Der drakonitische Zyklus.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Robert David Stevick: The Forms of the Monasterevin-Type Discs, The Journal of the Royal Society of Antiquaries of Ireland, Band 136, Seiten 112 bis 140, 2006
  2. 2,0 2,1 Ernst von Bunsen: Die Plejaden und der Thierkreis oder: Das Geheimnis der Symbole, Verlag von Mitscher und Röstell, Berlin, 1879
  3. Ira Spar: The Origins of Writing, Heilbrunn Timeline of Art History, Essays, Department of Ancient Near Eastern Art, The Metropolitan Museum of Art, Oktober 2004
  4. Carl Friedrich von Klöden: Der Sternenhimmel. Eine vollständige populäre Sternenkunde, mit besonderer Beziehung auf die grosse Sternwandkarte des Landes-Industrie-Comptoirs, Kapitel Anleitung zur Kenntnis der Sterne, Teil II In der Nacht vom 29. März, Abends 10 1/2 Uhr, Abschnitt b Aussicht nach Westen, Seite 93, Weimar, 1848
  5. Beda Venerabilis: De natura rerum - Kapitel 11 De stellis ("Über die Sterne"), Monumenta Informatik, Thalwil, Schweiz
  6. Gaius Plinius Secundus: Naturalis historia - Liber XVIII - Naturae frugum, Hochschule für angewandte Wissenschaften Augsburg
  7. Hermann Güntert: Indogermanisch und Semitisch, Kapitel V. Sprachliche Beziehungen der Indogermanen zu anderen Völkergruppen, in: Kultur und Sprache / Der Ursprung der Germanen, Seite 56, Carl Winter, Heidelberg, 1934
  8. Izak Cornelius: 4. Der Himmelsgott in der Religionsgeschichte von Israel und Juda, in: Himmelsgott, Deutsche Bibelgesellschaft, Februar 2011
  9. Matthias Albani: Der eine Gott und die himmlischen Heerscharen - Zur Begründung des Monotheismus bei Deuterojesaja im Horizont der Astralisierung des Gottesverständnisses im Alten Orient, Evangelische Verlagsanstalt, 2000, ISBN 3-374-01820-3
  10. 10,0 10,1 Danielle Adams: The Lamb - A folkloric celestial complex, Two Deserts, one sky - Arab Star Calendars, 2017
  11. Stierschädel mit Sternenbezug – Himmelswissen der Steinzeit älter als gedacht, scinexx, 1. Februar 2008
  12. Siehe Schlagwort "Aldebaran" in: Johann Heinrich Zedlers Grosses vollständiges Universal-Lexikon aller Wissenschaften und Künste, 1731-1754, Spalte 1095
  13. Johann Elert Bode: Deutliche Anleitung zur Kenntniß des gestirnten Himmels, "Zum gemeinnützigen und beständigen Gebrauch", Seite 296, Dieterich Anton Harmsen, Hamburg, 1772
  14. Siehe auch Schlagwort „Aldebaran“ in: Johann Heinrich Zedlers Grosses vollständiges Universal-Lexikon aller Wissenschaften und Künste, 1731-1754, Spalte 1095
  15. Damond Benningfield: Das rote Stierauge, Deutschlandfunk, 16. Januar 2000
  16. Ernst von Bunsen: Die Überlieferung. Ihre Entstehung und Entwicklung, neuntes Kapitel "Früheste Astrologie", Seite 140, Fußnote 1), Friedrich Arnold Brockhaus, Leipzig, 1889
  17. Deuteronomium,, 20. Kapitel, Vers 4 (Einheitsübersetzung (2016): "Du sollst dir kein Kultbild machen und keine Gestalt von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde."
  18. 1. Buch der Könige, Kapitel 12, Verse 28 bis 30, Einheitsübersetzung (2016)
  19. Ernst Ludwig Rochholz: 4. Sturmthiere - 1) Gespenstische Dorfthiere, in: Naturmythen - Neue Schweizersagen, Verlag Benedictus Gotthelf Teubner, Leipzig, 1862
  20. Friedrich Leberecht Wilhelm Schwartz: Kapitel VI: Thierartige an die Sonne mit besonderer Berücksichtigung der Sonnenstrahlen sich anschließende Vorstellungen, in: Sonne, Mond und Sterne - ein Beitrag zur Mythologie und Culturgeschichte der Urzeit, Verlag Wilhelm Hertz (Bessersche Buchhandlung), 1864
  21. Klaus Koenen: 2. Stierbilder als Symbol von Macht und Stärke, in: Stierbilder, Deutsche Bibelgesellschaft, November 2009
  22. Gabriele Theuer: Mond, 2. Mondgottverehrung in Syrien-Palästina, 2.3. Der Mondgott bei den Aramäern – der Mondkult von Haran (Eisenzeit), WiBiLex, Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet, Deutsche Bibelgesellschaft, April 2010
  23. Moritz Abraham Levy: Phönizische Studien - II. Backsteine, Gemmen und Siegel aus Mesopotamien mit phönizischer (altsemitischer) Schrift - B "Gemmen und Siegel" - Nummer 11, Seite 36 und 37, siehe auch Tafel 10, Band 2, Leuckart, Breslau, September 1857
  24. Charles-Tanguy Le Roux, Jean-Paul Gisserot, Philippe Laplace: Gavrinis, Editions Jean-Paul Gisserot, 1995, ISBN 9782877471459
  25. Charles-Tanguy Le Roux: A propos des fouilles de Gavrinis (Morbihan) : nouvelles données sur l'art mégalithique armoricain, Bulletin de la Société préhistorique française, 81-8, 1984, Seiten 240 bis 245
  26. Éric Gaumé: Cornes d'aurochs (supplique pour le réexamen d'une gravure néolithique de bovidé dans l'île morbihannaise de Gavrinis, Bretagne), Bulletin de la Société préhistorique française, 104-1, März 2007, Seiten 81 bis 88
  27. Jean-Pierre Mohen: Le menhir au taureau brisé de Gavrinis (Morbihan), in: Pierres vives de la préhistoire: Dolmens et menhirs, Odile Jacob, 2009, Seiten 133 ff, ISBN 9782738123077
  28. Jacobus Lectius: Hoi Tēs Hērōikēs Poiēseōs Palaioi Poiētai Pantes – 'Iupiter taurus in caelo relatus, 1606
  29. Ernst Friedrich Weidner: kakkab GAM,kakkab SU-GI und kakkab Lu-lim, in: Alter und Bedeutung der babylonischen Astronomie und Astrallehre nebst Studien über Fixsternhimmel und Kalender, Seite 49 ff., Hinrichs, Leipzig, 1914
  30. Wilhelm Schwartz: Der Ursprung der Mythologie dargelegt an der griechischen und deutschen Sage, Verlag Wilhelm Hertz, Bessersche Buchhandlung, Berlin, 1860
  31. Georg Weber: Arier und Iranier - II. Die Iranier, Meder und Perser, Allgemeine Weltgeschichte / Geschichte des Morgenlandes, zweite Auflage, Verlag Wilhelm Engelmann, Leipzig, 1882
  32. Ernst von Bunsen: Die Überlieferung. Ihre Entstehung und Entwicklung, neuntes Kapitel "Früheste Astrologie", Friedrich Arnold Brockhaus, Leipzig, 1889
  33. Danielle Adams: Thuraya, the Abundant Darling of the Heavens - The quintessential asterism, Two Deserts, one sky - Arab Star Calendars, 3 December 2015


MondzyklenBearbeiten

 
Ein bei Vollmond während einer Mondfinsternis aus dem Kernschatten der Erde tretender Blutmond.

Die Bezeichnung Monat stammt etymologisch von unserem Erdmond ab. Es handelt sich um ein Erbwort, das auf die seit dem 8. Jahrhundert bezeugten althochdeutschen Formen mānōd beziehungsweise mānōth zurückgeht. Diese wiederum stammt vom indoeuropäischen Wort mēnōt ab, das sowohl Monat als auch Mond bedeuten kann.[1]

MondzyklenBearbeiten

Die zu beobachtende scheinbare Mondbahn kann im Verlauf verschiedener Perioden durch zahlreiche Mondzyklen beschrieben werden. Die kürzesten Zyklen dauern ungefähr einen Monat im Sonnenkalender, sie längeren Mondzyklen können aber auch mehrere Jahre umfassen.

Der Mond hat ähnlich wie die Sonne einen scheinbaren Winkeldurchmesser von ungefähr 30 Bogenminuten beziehungsweise 0,5 Bogengrad. Dies entspricht bei Betrachtung des eigenen Fingers mit ausgestrecktem Arm in etwa einem Viertel der Fingerdicke.

Synodischer MonatBearbeiten

Der synodische Monat ist durch den Verlauf der Elongation des Mondes in Bezug zur Sonne beschrieben.

Der Mond umrundet die Erde ungefähr zwölfmal schneller als die Erde die Sonne und benötigt für einen Umlauf einen Monat. Die einfachste Wahrnehmung des Mondlaufs ergibt sich durch die Beobachtung der Mondphasen beziehungsweise der Elongationen des Mondes. Der synodische Monat (altgriechisch σύνοδος (synodos) = Zusammentreffen) beschreibt die Dauer zwischen zwei gleichen Mondphasen, also von Neumond zu Neumond beziehungsweise von Vollmond zu Vollmond. Hier wird gemeinhin das Zusammentreffen von Neumond und Sonne am Himmel als Referenzzeitpunkt betrachtet. Ein synodischer Monat dauert etwa 29,53 Tage, und zwölf synodische Monate dauern demzufolge rund 354,37 Tage - das sind gut fünfeinhalb Tage weniger als 360. Dieser Zyklus ist dies Basis für die gängigen Mondkalender (Lunarkalender) mit der gegenüber dem am Sonnenjahr orientierten Solarkalender um zirka 11 Tagen kürzeren Jahreslänge. Bei Lunisolarkalendern wird durchschnittlich alle drei Jahre ein dreizehnter synodischer Monat eingeschaltet, damit der Frühlingspunkt der Sonne ungefähr in der gleichen Jahreszeit bleibt.

→ Zur Zahl Zwölf siehe auch Exkurs Zur Zwölf.

 
Das altägyptische Horusauge als Folge von Rechtecken mit jeweils der Hälfte der Fläche des Vorgängers in einem Quadrat mit der Seitenlänge eins.
 
Deckenrelief im altägyptischen Tempel von Dendera mit der Darstellung von 15 Mondphasen von links (Neumond) nach rechts (Vollmond) mit den Göttern Junit, Sopdet-Tjenenet, Hor-Behdeti, Hathor, Nephthys, Harsiese, Isis, Osiris, Nut, Geb, Tefnut, Schu, Atum und Month. Im Vollmond vor dem Gott des Mondes Thot ist das von ihm geheilte linke Auge („Mondauge“) des Lichtgottes Horus dargestellt.

Es wird in der Literatur manchmal darauf hingewiesen, dass das Verhältnis der Länge eines synodischen Monats zu dreißig vollen Tagen

 

fast identisch mit dem folgenden Verhältnis ist (siehe auch Horusauge und Heqat in der altägyptischen Geschichte[2]):

 
 
 

Die Abweichung der beiden Verhältnisse beträgt nur 0,022 Promille. Erst nach rund 44700 Monaten oder 3700 Jahren hat sich diese Abweichung auf einen Tag aufsummiert.

Die verschiedenen Mondphasen waren für die Menschen schon immer sichtbar und konnten im Laufe eines synodischen Monats verfolgt werden. Es wird davon ausgegangen, dass zum Beispiel auch auf der Himmelsscheibe von Nebra mindestens eine Mondsichel dargestellt ist, eventuell auch der Vollmond und nach dem österreichischen Ur- und Frühgeschichtler Paul Gleirscher zusätzlich das Altlicht des Mondes:[3]

Siderischer MonatBearbeiten

Der siderische Monat ist durch den Verlauf der ekliptikalen Länge des Mondes in Bezug zum Frühlingspunkt beschrieben.

Es kann also auch die Zeitspanne betrachtet werden, in der der Mond in Bezug auf den Fixsternhimmel entlang der Ekliptik wieder an der gleichen Stelle erscheint. Dies wird üblicherweise an seinem Erscheinen beim Frühlingspunkt festgemacht. Diese Zeitspanne wird siderischer Monat (lateinisch sideris = des Sterns) genannt und beträgt 27,322 Tage. Dies ist auch die Dauer zwischen zwei aufeinanderfolgenden Erscheinungen des Mondes im Goldenen Tor der Ekliptik, da dessen Lage durch Sterne des Fixsternhimmels bestimmt ist.

→ Siehe auch Exkurs Das Goldene Tor der Ekliptik.

Die Einteilung der 360 Bogengrad langen Ekliptik in 28 gleiche Teile ist in der Bronzezeit verbreitet gewesen. Daraus ergibt sich ein grobes Koordinatenraster für die ekliptikale Länge des Mondes.

Auf der Stachelscheibe von Platt aus der Bronzezeit (um 1500 vor Christus) werden die 28 Mondorte der Tage eines Monats beispielsweise durch eine Kreisreihe dargestellt. Die Hohlform diente zur Herstellung von Schmuckscheiben und hat insgesamt sieben konzentrische Kreise. Davon bestehen zwei aus 12 (innen) beziehungsweise aus 28 (außen) gleichmäßig verteilten Mulden.[4] Die zwölf inneren Mulden entsprechen entlang der Ekliptik den 12 Sonnenorten (Monaten) in einem tropischen Jahr beziehungsweise den 12 Jupiterorten (Jahren) in zwölf Jahren. Die 28 äußeren Mulden entsprechen entlang der Ekliptik den 28 Mondorten (respektive Mondhäusern beziehungsweise Mondstationen) und somit den Tagen in einem siderischen Monat. Der große kreisförmige Stachel im Zentrum der Scheibe könnte als Symbol für die Sonne stehen. Auf ihm konnte die Scheibe von unten zentrisch und drehbar gelagert werden. Mit der Scheibe konnte (abgesehen von den erforderlichen siderischen Schaltmonaten) zwölf Jahre lang in täglich wechselnden Kombinationen in den beiden Lochreihen die Lagen von Mond und Jupiter abgelesen und markiert werden. Damit konnte nach einer Einmessung der Ost-West-Richtung zum Beispiel bei der Tag-und-Nacht-Gleiche zur Jupiterrichtung im Frühlingspunkt der gesamte Lebewesenkreis (Zodiak) jederzeit mit dem täglich ein Mondhaus weiterwandernden Mond vollständig bestimmt werden, auch ohne dass der Jupiter sichtbar sein musste. Mit dieser Information ist es dann auch ohne weiteres möglich, das nicht sichtbare Lebewesenzeichen zu bestimmen, in welchem die Sonne sich aufhält.

Im der indischen Astronomie wurden zu diesem Zweck spätestens 500 Jahre danach die 27 Mondhäuser (oder Mondstationen) eingeführt. Da sich die siderische und die synodische Periode um gut zwei Tage unterscheiden, liegen aufeinanderfolgende Neumonde oder Vollmonde in verschiedenen Mondhäusern, nach denen im hinduistischen Lunisolarkalender die Monate benannt werden.

Dieses System wurde etwas später von den Arabern mit 28 Mondhäusern modifiziert. Das erste Mondhaus liegt bei beiden Einteilungen im Frühlingspunkt in der Epoche um Christi Geburt im Kopf des Lammes beziehungsweise des Widders (Aries) bei den nördlich der Ekliptik liegenden Sternen Scheratan und Hamal (indisch Ashvini = die beiden Rosseschirrenden und arabisch aš-šaraṭān = Die beiden Zeichen). Für das zweite Mondhaus folgt der Bauch des Lammes (indisch Bharani = der Wegtragende und arabisch al-buṭayn = das Bäuchlein). Die Plejaden (indisch Krittika und arabisch aṯ-ṯurayyā) im fetten Schwanz des Lammes markieren im Anschluss das dritte Mondhaus. Das vierte Mondhaus ist durch den roten Riesenstern Aldebaran (arabisch al-dabarān = der Nachfolgende, indisch Rohini = der Rötliche) im Sternbild Stier (Taurus) gekennzeichnet.

Zwischen dem dritten und vierten Mondhaus liegt das Goldene Tor der Ekliptik, wo der Frühlingspunkt zu Beginn der maltesischen Tarxien-Phase lag. Man beachte die fehlenden helleren ekliptiknahen Sterne im Trichter der Thuraya westlich davon, also rechts der Plejaden (ekliptikale Länge ungefähr 32 Bogengrad) bis hin zum Stern Hydor heutigen Sternbild Wassermann (Aquarius, ekliptikale Länge ungefähr 314 Bogengrad). Die hellsten ekliptiknahen Sterne in diesem Gebiet des Sternenhimmels Alpherg im Sternbild Fische (Pisces) sowie Hydor und Ancha im Sternbild Wassermann (Aquarius) erreichen lediglich die vierte Größenklasse (4m), so dass zwischen dem auffälligen offenen Sternhaufen der Plejaden und Deneb Algedi, dem hellsten Stern im Sternbild Steinbock (Capricornus), auf einer Länge von 90 Bogengrad keine hellen ekliptiknahen Sterne vorhanden sind.

→ Zur Einteilung der Ekliptik nach den monatlichen Mondstationen siehe auch Exkurs Mondhäuser

→ Zum dunklen Himmelsquadranten entlang der Ekliptik siehe auch Exkurs Der Trichter der Thuraya

Drakonitischer MonatBearbeiten

 
Schematische Darstellung der Mondbahn (gelb) im Laufe eines drakonitischen Monats in Bezug auf die Ekliptiklinie (rot). Nach dem Erreichen der südlichsten Lage in Bezug zur Ekliptiklinie wird die Mondbahn aufsteigend, und von der nördlichsten Lage in Bezug auf die Ekliptiklinie wird die Mondbahn dann wieder absteigend. In der deutschsprachigen Schweiz gibt es für diese im Laufe eines drakonitischen Monats täglich mehr oder weniger deutlich wahrnehmbaren Änderungen der ekliptikalen Breite sogar eigene Adjektive. Das Ansteigen der ekliptikalen Breite des Mondes nach Norden wird obsigend und das Abfallen des Mondes nach Süden nidsigend genannt. Direkt auf der Ekliptik befinden sich der aufsteigende und der absteigende Knoten der Mondbahn.

Der drakonitische Monat ist durch den Verlauf der ekliptikalen Breite des Mondes in Bezug zur Ekliptiklinie beschrieben.

Deswegen gibt es noch den drakonitischen Monat (altgriechisch δράκων (drakon) beziehungsweise lateinisch draco = Drache), der eine Dauer von 27,212 Tagen hat. Diese Dauer beschreibt die Zeitpunkte, an denen die um gut 5 Bogengrad zur Ekliptik geneigte Mondbahn die Ekliptik kreuzt; die ekliptikale Breite des Mondes ist dann exakt null. Diese Schnittpunkte werden Mondknoten genannt und werden einmal im Monat im aufsteigenden Mondknoten und einmal im absteigenden Mondknoten erreicht. Befindet sich der Mond auf der Ekliptik, also in der Nähe dieser Mondknoten, kommt es bei dessen Sonnennähe (wenn der Neumond also in Konjunktion mit der Sonne steht) zu einer Sonnenfinsternis und bei dessen Sonnenferne (wenn der Vollmond also in Opposition zur Sonne steht) zu einer Mondfinsternis. Diese Mondpunkte wurden früher als Drachenpunkte bezeichnet, was sich aus der Vorstellung ableitete, dass ein Drache bei einer Mondfinsternis den Mond beziehungsweise bei einer Sonnenfinsternis die Sonne verschlingen würde.

Mit dem folgenden Java-Programm können die ekliptikalen Koordinaten der Sonne und des Mondes für jeden beliebigen Zeitpunkt eines Julianischen Datums in Julianischen Jahrhunderten in Bezug auf die astronomische Standardepoche J2000 berechnet werden:

→ Java-Programm "EkliptikaleKoordinatenMondSonne"[5]

 
Die ekliptikalen Breiten des Mondes im Verlauf eines drakonitischen Monats beziehungsweise eines nur gut zweieinhalb Stunden längeren siderischen Monats mit gut 27 Tagen.
Die täglichen Änderungen der ekliptikalen Breite des Mondes in Bogengrad innerhalb eines Mondviertels
Tage nach
aufsteigendem
Knoten
Änderung der
ekliptikalen Breite
zum Vortag
1 1,2°
2 1,1°
3 1,0°
4 0,9°
5 0,6°
6 0,3°
7 0,0°
 
Simulation des Himmelsausschnitts beim Stern Regulus kurz vor der Bedeckung des Planeten Mars durch den Mond am 4. Mai 357 vor Christus von Athen aus gesehen.

Der Mond kann auf seiner Bahn im Laufe der Zeiten alle ekliptiknahen Himmelsobjekte inklusive aller Planeten und der Sonne bedecken und innerhalb einer Stunde wieder freigeben, die sich in einem Band bis zu gut ±5 Bogengrad nördlich oder südlich neben der Ekliptiklinie befinden.   Aristoteles (384 bis 322) hat dies in seiner Schrift "Über den Himmel" (altgriechisch: Περὶ οὐρανοῦ / Peri uranu) anhand der von ihm beobachteten Bedeckung des Planeten Mars durch den zunehmenden Halbmond in der Nähe des Sterns Regulus (α Leonis) beschrieben und darauf hingewiesen, dass die Babylonier und die Ägypter solche Phänomene über lange Zeit beobachtet und dokumentiert hatten.[6]

Solche Ereignisse fanden zu Lebzeiten von Aristoteles von Griechenland aus gesehen nicht häufig statt:

  • Am 6. April 357 vor Christus passierte der zunehmende Halbmond im Sternbild Löwe (Leo) nahe dem Stern Regulus (α Leonis) den Planeten Mars noch im Abstand von etwa einem Mondradius. Dieses Ereignis fand allerdings am Vormittag beim Aufgang der beiden Himmelskörper am östlichen Horizont statt, so dass dies von Griechenland aus nicht zu sehen war.
  • Einen Monat später, am 4. Mai 357 vor Christus, bedeckte der zunehmende Halbmond den Planeten Mars abends gut sichtbar fast 60 Bogengrad über dem westsüdwestlichen Horizont sowie 4,5 Bogengrad östlich von Regulus über eine Stunde lang. Dies dürfte das Ereignis gewesen sein, über das der 27-jährige Aristoteles berichtet hat und das er in Athen selbst gesehen haben könnte.
  • In den frühen Morgenstunden des 10. Mais 344 vor Christus bedeckte der zunehmende Mond im Sternbild Krebs (Cancer) westlich vom Stern Regulus (α Leonis) den Planeten Mars von seiner Schattenseite her gut eine halbe Stunde lang. Die beiden Sternbilder standen zu dieser Nachtzeit von Griechenland aus gesehen allerdings unterhalb des Horizonts.
  • Am späten Abend des 31. Dezembers 343 verdeckte der Vollmond den Mars hoch am Himmel zwischen den Sternbildern Löwe und Krebs, was jedoch nicht zu der Beschreibung des zunehmenden Halbmonds von Aristoteles passt.
  • Am Nachmittag des 4. März 340 verdeckte der fast volle Mond den Mars am Tageshimmel, was nicht beobachtet werden konnte.
  • Die Bedeckung am 31. Mai 327 vor Christus fand ebenfalls nicht beobachtbar am Nachmittag statt.
  • In der Morgendämmerung des 6. Septembers 326 vor Christus fand hoch am Himmel eine Bedeckung durch den abnehmenden Mond statt.
  • Zwei Stunden nach Mitternacht am 27. Dezember 326 vor Christus fand hoch am Himmel eine Bedeckung durch den abnehmenden Mond statt.
  • Die Bedeckung am 16. März 325 vor Christus durch den zunehmenden Mond war nur streifend und fand am Terminator des Mondes statt.

Der ekliptiknahe Hauptstern Pollux im Sternbild Zwillinge (Gemini) hat sich aufgrund seiner Eigenbewegung im Laufe der letzten zehntausend Jahre so weit von der Ekliptiklinie entfernt, dass er inzwischen nicht mehr vom Mond bedeckt werden kann.

→ Für die sieben hellsten Objekte siehe Exkurs Die sieben hellsten Objekte der Ekliptik.

Siderische MondperiodenBearbeiten

Der Mond erscheint innerhalb eines tropischen Jahres dreizehn- oder vierzehnmal an einer bestimmten Stelle des Fixsternhimmels, wobei er wegen der unterschiedlichen Periodendauern von siderischen und synodischen Monaten immer ein anderes Mondalter (die Anzahl der Tage seit dem letzten Neumond) und wegen der unterschiedlichen Periodendauern von siderischen und drakonitischen Monaten immer eine andere ekliptikale Breite aufweist.

Die beiden folgenden Diagramme sollen den zeitlichen Verlauf der Mondphasen und der ekliptikalen Breiten des Mondes bei seinem Erscheinen im Goldenen Tor der Ekliptik während 254 aufeinanderfolgender siderischer Perioden mit jeweils 27,322 Tagen (insgesamt 6940 Tage beziehungsweise 19 Jahre) veranschaulichen:

 
Die Mondphasen bei aufeinanderfolgenden Erscheinungen des Mondes im Goldenen Tor der Ekliptik innerhalb von 254 siderischen Perioden (insgesamt 19 Jahre). Da der synodische Monat (von Neumond zu Neumond) über zwei Tage länger ist als der siderische Monat, kommt es hierbei zu Verschiebungen, weil der Mond nach Ablauf eines siderischen Monats beim Erreichen derselben ekliptikalen Länge noch nicht ganz wieder sein maximales Mondalter erreicht hat.

In der oberen Hälfte des Diagramms sind zunehmende und in der unteren Hälfte abnehmende Monde zu beobachten. Eine Mondphase von 0 Prozent steht für einen Neumond und eine Mondphase von ±100 Prozent für einen Vollmond.

Der Startpunkt (Tag 0 im Monat 0) kann zum Beispiel mit dem 22. Mai 2020 am Abend (UTC) angesetzt werden, an dem der Neumond zusammen mit der Sonne im Goldenen Tor der Ekliptik stand. Dies geschieht dann nach 19 Jahren am 23. Mai 2039 kurz nach Mitternacht (UTC) erneut.
 
Die ekliptikalen Breiten des Mondes bei aufeinanderfolgenden Erscheinungen des Mondes im Goldenen Tor der Ekliptik innerhalb von 254 aufeinanderfolgenden siderischen Perioden (insgesamt 19 Jahre). Da der drakonitische Monat (von einem aufsteigendem Mondknoten bis zum nächsten aufsteigenden Mondknoten) gut zweieinhalb Stunden kürzer ist als der siderische Monat, kommt es hierbei zu Verschiebungen, weil der Mond nach Ablauf eines siderischen Monats den aufsteigenden Knoten bereits wieder hinter sich gelassen hat.

Bei großen ekliptikalen Breiten (oben) kommt es im Goldenen Tor der Ekliptik zu Bedeckungen der Plejaden und bei kleinen ekliptikalen Breiten (unten) kommt es zu Bedeckungen der Hyaden oder des Sterns Aldebaran durch die Mondscheibe.

Der Startpunkt (Tag 0 im Monat 0) kann beispielsweise ebenfalls mit dem 22. Mai 2020 angesetzt werden, an dem der Neumond vom Erdmittelpunkt aus gesehen bei einer ekliptikalen Breite von zirka -2,5 Bogengrad unterhalb der Sonne, deren ekliptikale Breite definitionsgemäß 0 Bogengrad beträgt, im Goldenen Tor der Ekliptik stand.

Nach 18,61 Jahren (beziehungsweise 6793,5 Tagen oder gut 230 synodischen Monaten, in dieser Abbildung also nach gut 248,6 siderischen Monaten) erreicht der Mond dieselbe ekliptikale Breite und fast die gleiche Mondphase, befindet sich dann allerdings bei einer anderen ekliptikalen Länge.

Die kurzperiodische kleine Wellenbewegung kommt durch die Nutation der Erdachse im Bezug zur Ekliptik beziehungsweise zum Fixsternhimmel zustande; sie hat eine Periodendauer von 35 Tagen und überlagert sich mit den zirka eine Woche kürzeren siderischen Mondperiode.

Der Meton-ZyklusBearbeiten

Nicht nur die Bestimmung und Vorhersage der Auf- und Untergänge der Venus haben die Aufmerksamkeit der Astronomen des Altertums auf sich gezogen, sondern auch der Mondzyklus mit den verschiedenen Mondphasen sowie das Auftreten von Mondfinsternissen bei Vollmond und von Sonnenfinsternissen bei Neumond. Es gibt einen Zyklus, der die Zeit beschreibt, nachdem die Sonne und der Mond die gleiche Konstellation erreichen. Nach 19 Jahren (beziehungsweise knapp 6940 Tagen) hat nicht nur die Sonne dieselbe ekliptikale Länge erreicht, sondern auch der der Mond (nach 254 siderischen Monaten), und er hat daher auch dieselbe Mondphase (nach 235 synodischen Monaten). Außerdem hat er dann auch noch annährend die gleiche ekliptikale Breite (nach 255 drakonitischen Monaten), so dass er fast wieder an derselben Stelle des Fixsternhimmels steht.[7]

Der Zyklus beruht also im Wesentlichen auf der zwar nur langfristig, jedoch leicht zu beobachtenden Tatsache, dass 19 tropische Sonnenjahre (6939,6 Tage), 235 synodische Monate (6939,6 Tage), 254 siderische Monate (6939,8 Tage) und 255 drakonitische Monate (6939,1 Tage) fast die gleiche Länge haben. Der Unterschied zwischen den ersten beiden beträgt sogar nur rund zwei Stunden.

Dieser 19-jährige nach dem antiken griechischen Astronomen   Meton (5. Jahrhundert vor Christus) benannte Meton-Zyklus sowie auch der unten erwähnte Saros-Zyklus waren im Altertum spätestens schon den Babyloniern bekannt und dienten als Grundlage für ihren Mondkalender. Meton ist davon ausgegangen, dass 19 Jahre exakt mit 6940 Tagen sowie mit 235 synodischen Monaten übereinstimmen. Dadurch, dass das Jahr nach dieser Annahme genau fünf Neunzehntel Tage länger ist als 365 Tage, sind neunzehn Jahre nach dieser Berechnung genau fünf Tage länger ist als neunzehn Mal 365 Tage, also 6935 Tage. Aus der Annahme einer festen ganzrationalen Kopplung der Umlaufzeiten der Erde um Ihre Achse (Tag) und um die Sonne (Jahr) sowie der Umlaufzeit des Mondes um die Erde (Monat) ergeben sich die folgenden Zusammenhänge:

  • Abgerundet auf ganze Zahlen:
    • Die Jahreslänge in ganzen Tagen:
       , das heißt, dass für 19 Jahre mit der Länge 365 Tage fünf Schalttage (Jahreslänge dann 366 Tage) erforderlich sind, damit der Frühlingspunkt mit dem tropischen Sonnenjahr synchron bleibt (Solarkalender).
    • Die Monatslänge in ganzen Tagen:
       , das heißt, dass für 235 synodische Monate mit der Länge 29 Tage 125 Schalttage (Monatslänge dann 30 Tage) erforderlich sind, damit ein tropisches Sonnenjahr immer zwölf Monate umfasst (Solarkalender).
    • Die Jahreslänge in ganzen Monaten:
       , das heißt, dass in 19 Jahren mit 235 synodischen Monaten sowie 6490 Tagen sieben synodische Schaltmonate (Jahreslänge dann 13 Monate) erforderlich sind, um das Kalenderjahr mit dem tropischen Sonnenjahr synchron zu halten (Lunisolarkalender).
  • Exakt mit Brüchen (ganzrationale Zahlen):
    • Die Jahreslänge   in Tagen (in einem Sonnenjahr):
       
    • Die Länge eines synodischen Monats   in Tagen:
       
    • Länge von zwölf synodischen Monaten   in Tagen (in einem Mondjahr):
       
    • Die Jahreslänge   in synodischen Monaten (in einem Sonnenjahr):
       
Anmerkung: Man nehme zur Kenntnis, dass das der Mittelwert der Dauern vom Sonnenjahr   und vom Mondjahr   fast genau 360 Tage pro Jahr beträgt, also so viele Tage wie für einen vollständigen Kreis in Bogengrad gerechnet wird:
 
Mit den heutigen, jeweils rund eine halbe Stunde kürzeren Messwerten für die beiden Jahresdauern (tropisches Sonnenjahr mit 365,241 Tagen und Mondjahr mit zwölf Lunationen und 354,367 Tagen) zur Epoche J2000.0 ergibt sich ein nur geringfügig anderer Mittelwert, der ebenfalls nur um zirka eine Dreiviertelstunde von der Dauer von 360 Tagen abweicht:
 

Für diese Erkenntnisse ist entweder die Weitergabe von beobachteten astronomischen Ereignissen, wie der Bedeckung der Plejaden durch den Mond oder die Messung der ekliptikalen Koordinaten des Mondes, an die nächste Generation erforderlich oder ein Lebensalter, das die Beobachtung von mindestens zwei solcher Zyklen umfasst – je nach Zeitpunkt der Geburt also rund 25 bis über 40 Jahre.

Das nächste Mal werden die beiden eng benachbarten Elternsterne der Plejaden (der Titan Atlas und die Okeanide Pleione) von Mitteleuropa aus gesehen in den Morgenstunden des 8. Augusts 2024 von der Scheibe des abnehmenden Halbmonds bedeckt. Am 1. April 2025 werden gegen Mitternacht dann sogar mehrere helle Sterne des Sternhaufen durch die nur vier Tage alte Mondsichel bedeckt.

Die Goldene Zahl gibt an, das wievielte von diesen 19 Jahren ein bestimmtes Jahr ist, und sie spielt auch heute noch eine wichtige Rolle bei der Bestimmung des Osterdatums, zum Beispiel mit Hilfe der Formeln zur Berechnung des Osterdatums von   Carl Friedrich Gauß (* 1777; † 1855). Der Name Goldene Zahl rührt möglicherweise davon her, dass der diesem Zyklus zugrundeliegende Kalender (Parapegma) des Meton auf den Steinmauern seiner Sonnenuhr (heliotropion) am Pnyx-Hügel in Athen in goldener Schrift zu sehen war.[8][7]

Heute ist in den Monaten um die Wintersonnenwende alle 19 Jahre morgens am westlichen Horizont der untergehende Vollmond im Goldenen Tor der Ekliptik zu sehen, wie zuletzt im Dezember 2018. Die untere Hälfte des Mondes wird dann während des Untergangs vom Horizont verdeckt und der sichtbare leuchtende Teil bildet somit einen Halbkreis, wie er im mittleren Segment der Himmelstafel angedeutet ist. In diesem Fall liegen Hyaden und Plejaden im Westen auf einer Linie parallel zum Horizont und der dazwischenliegende, beim Untergang noch halb zu sehende Vollmond würde der Abbildung auf der Steintafel von Tal-Qadi entsprechen. Vor 4500 Jahren ergab sich diese Himmelsansicht wegen der Verschiebung des Frühlingspunktes bereits um die Tag-und-Nacht-Gleiche im Herbst.

 
Detail mit den linken drei der insgesamt neunzehn Göttinnen der Bilderreihe in der Kammer A des hethitischen Heiligtums Yazılıkaya.

In der Kammer A des hethitischen Heiligtums Yazılıkaya (türkisch für „beschriebener Fels“) aus dem zweiten vorchristlichen Jahrtausend existiert eine Bilderreihe, die neunzehn nach links schauende Göttinnen im Ganzkörperprofil darstellt. Auch hier wird vermutet, dass diese Reihe als Zählwerk für den Meton-Zyklus eine Kalenderfunktion innehatte.[9][10]

Die 19 Megalithe des Blaustein-Hufeisens von Stonehenge (2270 bis 1930 vor Christus) werden ebenfalls mit dem Meton-Zyklus in Zusammenhang gesehen. Im Übrigen werden beispielsweise auch die Goldhüte aus der Bronzezeit mit diesem Zyklus in Verbindung gebracht.[11]

Auch im alten chinesischen, mündlich überlieferten Volksmärchen „Morgenhimmel“ wird der Zyklus vom Stern des großen Jahres erwähnt, der sich erst nach 18 Jahren, also im 19. Jahr wiederholt:[12]

Als Morgenhimmel gestorben war, berief der Kaiser den Sterndeuter und fragte: „Kanntest du Morgenhimmel?“
Der sagte: „Nein.“
Der Kaiser fragte: „Was verstehst du denn?“
Der Sterndeuter sagte: „Ich kann nach den Sternen sehen.“
„Sind alle Sterne an ihrem Platz?“ fragte der Kaiser.
„Ja. Nur den Stern des großen Jahres habe ich achtzehn Jahre nicht gesehen. Jetzt aber ist er wieder sichtbar.“
Da blickte der Kaiser zum Himmel auf und seufzte: „Achtzehn Jahre lang war Morgenhimmel mir zur Seite, und ich wusste nicht, dass er der Stern des großen Jahres war.“

Der drakonitische ZyklusBearbeiten

Ferner existiert ein zirka 18,6-jähriger Mondzyklus, der darauf beruht, dass bedingt durch die Präzession der Mondbahn der aufsteigende und der absteigende Mondknoten nach dieser Zeit die Ekliptik entgegen der retrograden Umlaufrichtung des Mondes genau einmal vollständig rechtläufig durchlaufen haben Dieser Zyklus besteht aus 249,83 drakonitischen Monaten, die insgesamt 6798,38 Tagen beziehungsweise 18,61 tropischen Sonnenjahren entsprechen.. Die Mondknoten vermindern sich in ihrer ekliptikalen Länge hierbei um einen Winkel von 19,34 Bogengrad pro Jahr.

Dieser drakonitische Zyklus ist zum Beispiel anhand der Abweichungen der ekliptikalen Breiten des Mondes und somit der Azimute bei den Mondauf- und -untergängen am Horizont zu beobachten, die sich nach 18,61 Jahren wiederholen und dabei um die Punkte der Winter- und der Sommersonnenwende pendeln, die definitionsgemäß bei der ekliptikalen Breite null genau in der Ekliptik liegen. Die Zeitpunkte an dem die entsprechenden Punkte zwischen dem nördlichen und dem südlichen Horizont am engsten beziehungsweise am weitesten auseinanderliegen, heißen kleine und große Mondwenden. Aufgrund dieser Zusammenhänge werden alle möglichen Positionen des Mondes in Bezug auf die Ekliptik bei den ekliptikalen Längen von -180 bis +180 Bogengrad und den ekliptikalen Breiten von ungefähr -6 bis +6 Bogengrad innerhalb dieser 19-jährigen Periode erreicht. Somit erfolgen auch alle möglichen Sternbedeckungen (Okkultationen) innerhalb dieser Periodendauer, insbesondere die der Plejaden, der Hyaden und von Aldebaran im Sternbild Stier (Taurus).

Der Saros-ZyklusBearbeiten

Über diese Koinzidenzen hinaus kann beobachtet werden, dass der Mond nach 18,03 Jahren (also nach 242 drakonitischen Monaten beziehungsweise 6585,3 Tagen) exakt denselben auf- oder absteigenden Knoten erreicht, wobei Sonne und Mond die gleiche Elongation haben (nach 223 synodischen Monaten beziehungsweise 6585,2 Tagen). Sie befinden sich dann allerdings nur fast bei den gleichen ekliptikalen Längen und somit an den gleichen Stellen des Fixsternhimmels, da diese Dauer nur mit ungefähr einem halben Tag Differenz mit 241 siderischen Perioden übereinstimmt (6584,6 Tage). Innerhalb eines halben Tagen hat sich die Sonne um zirka ein halbes Bogengrad und der Mond sogar um ungefähr sechseinhalb Bogengrad weiterbewegt.

Dieser Zyklus wird Saros-Zyklus genannt. Innerhalb dieser Zeitspanne ergibt sich eine Reihe von Sonnen- und Mondfinsternissen, die sich in ihrer Abfolge immer wieder ähneln.

Der Kalenderstein vom Tempel MnajdraBearbeiten

Auf Malta wurde im Hypogäum von Ħal-Saflieni beim Ort Tarxien ein annähernd kreisrunder Stein aus der Tempelperiode der Insel mit zirka sechs Zentimeter Durchmesser gefunden, der wie die Darstellung einer Vollmondscheibe aussieht.[13] Im maltesischen Tempel Mnajdra sind and der südlichen Küste Maltas zirka zehn Kilometer entfernt davon zwei große Kalendersteine gefunden worden, die ebenfalls aus dieser Zeit stammen. Auf dem östlichen Kalenderstein gibt es mehrere Lochreihen, deren Lochzahlen alle mit lunaren und solaren Kalendern im Zusammenhang stehen. Die Bohrungen sind heute in horizontaler Richtung ausgerichtet, wurden damals vermutlich unter Ausnutzung der Gravitation senkrecht nach unten auf dem noch liegenden Stein ausgeführt. In dieser Ausrichtung des Steins wäre es auch leicht möglich gewesen, für Markierungs- oder Zählzwecke zum Beispiel kugelförmige Gegenstände in die Löcher zu legen.

Am Kopf des Steins gibt es mehrere hundert, flächenhaft angeordnete Löcher, die eventuell für die einzelnen Monate oder Jahre einer langfristigen Beobachtung stehen. Darunter tauchen rechtsbündig sieben horizontale Lochreihen auf, die in der Skizze mit den Buchstaben A bis G gekennzeichnet sind, wobei die beiden Teilreihengruppen B1 und B2 sowie C1, C2 und C3 zusammengefasst betrachtet werden:

 
Skizze der Lochreihen auf dem Kalenderstein von Mnajdra nach Ventura und Hoskin.[14]
Lochreihen auf dem Kalenderstein vom Tempel Mnajdra auf Malta
Reihe Anzahl der Löcher Mögliche Verwendung
A 19 Für die jeweilige Goldene Zahl jedes Sonnenjahres innerhalb des 19-jährigen Meton-Zyklus (235 synodische, 255 drakonitische, 254 siderische Monate beziehungsweise 6940 Tage).
Nach einem Sonnenjahr hat die Sonne wieder die gleiche ekliptikalen Länge. Nach Ablauf der gesamten Meton-Periode hat der Mond wieder die gleiche Mondphase und die gleiche ekliptikalen Breite und die gleiche ekliptikalen Länge (zum Beispiel im Goldenen Tor der Ekliptik oder im Frühlingspunkt).
B B1: 13 (links) In Summe 29, für die Anzahl der vollständigen Tage in einem synodischen Monat (29,5 Tage). Nach dieser Zeit hat der Mond wieder die gleiche Mondphase erreicht.
Vom Altlicht des Mondes bis zum Vollmond sind es 16 Tage, und danach sind es 13 Tage bis zum nächsten Altlicht.
Nachdem die Doppelreihe vervollständigt wurde, gibt es dafür einen Übertrag in die Reihe E und wenn diese bereits voll ist, für das nächste beginnende Goldene Jahr einen Übertrag in die Reihe A.
B2: 16 (rechts darunter)
C C1: 3 (rechts oben) Für die sieben vollständigen Tage eines Mondviertels (≈7,4 Tage) respektive einer Woche.
Wenn diese Doppelreihe gefüllt ist, gibt es für die Vervollständigung einer neuen Woche einen Übertrag in die Reihe G.
Alternativ könnten hier jeweils die drei Monate in den vier Jahreszeiten markiert und gezählt worden sein.
C2: 4 (rechts unten)
C3: 3 (links) Für die drei nach Neumond vollendeten Mondviertel innerhalb eines laufenden synodischen Monats.
Beim Erreichen eines Neumonds, eines abnehmenden Halbmonds, eines Vollmonds oder eines abnehmenden Halbmonds gibt es jeweils einen Übertrag in die Reihe D oder in die Reihe F (siehe unten).
D 25 Für die 25 vollendeten Mondviertel in der ersten Hälfte eines Sonnenjahres, oder entweder für alle zunehmenden Mondviertel (wenn der Mond zu Beginn des Jahres zunehmend war) oder für alle abnehmenden Mondviertel (wenn der Mond zu Beginn des Jahres abnehmend war) eines Sonnenjahres (vergleiche Reihe F).
E 11 Nachdem die Doppelreihe B vollständig durchlaufen wurde, gibt es einen Übertrag in diese Reihe. Diese elf Mulden stehen dann für überzähligen Tage in einem Sonnenjahr (365,2 Tage) im Vergleich zu zwölf synodischen Monaten (354,4 Tage). Wenn diese Reihe bereits voll ist, gibt es für das nächste beginnende Goldene Jahr einen Übertrag in die Reihe A.
F 24 + 1 = 25 Für die 24 bis 25 vollendeten Mondviertel in der zweiten Hälfte eines Sonnenjahres, oder entweder für alle abnehmenden Mondviertel (wenn der Mond zu Beginn des Jahres zunehmend war) oder für alle zunehmenden Mondviertel (wenn der Mond zu Beginn des Jahres abnehmend war) eines Sonnenjahres (vergleiche Reihe D). Das 25. Loch ist etwas abgesetzt, da es für ein am Ende des Jahres eingeschaltetes 50. Mondviertel (Dauer = 7,38265 Tage) steht, das nur in ungefähr jedem zweiten Sonnenjahr auftritt:
49 x 7,38265 Tage ≈ 361,75 Tage beziehungsweise 50 x 7,38265 Tage ≈ 369,13 Tage
365,242 Tage - 361,75 Tage ≈ 3,5 Tage beziehungsweise 365,242 Tage - 369,13 Tage ≈ -3,9 Tage
G 53 Für die begonnenen 53 Siebentagewochen in einem Sonnenjahr (Dauer = 365,242 Tage) beziehungsweise
von einem heliakischen Auf- oder akronychischen Untergang der Plejaden zum nächsten.
 
Über dem östlichen Horizont beim Morgenletzt gerade noch sichtbares Altlicht des abnehmenden Mondes 33 Stunden vor Neumond mit der vom Erdschein beleuchteten Nachtseite des Mondes. Die Aufnahme entstand kurz vor Herbstbeginn, als die Ekliptik morgens fast senkrecht auf dem Horizont stand.

Zu der Doppelreihe B sei angemerkt, dass auch im altägyptischen Mondkalender, der im Neolithikum in Verwendung war, der Monat nicht mit dem unsichtbaren Neumond, sondern mit dem gerade noch sichtbaren Altlicht des Morgenletztes des Mondes begann, also gut einen Tag vor Neumond.[15] Die beiden letzten Löcher sind etwas nach links abgesetzt, was mit folgendem Sachverhalt im Einklang steht: zwei Tage vor dem Ende einer synodischen Periode, also schon nach gut 27 Tagen, ist ein siderischer Monat vorüber, nach welchem der Mond die gleiche ekliptikale Länge erreicht hat. Das heißt bereits nach gut 27 Tagen steht der Mond zum Beispiel wieder im Goldenen Tor der Ekliptik, bevor er erst nach gut 29 Tagen erneut sein Altlicht erreicht (gut einen Tag vor Neumond). Die Sonne ist innerhalb des synodischen Monats durch die Bewegung der Erde um die Sonne gegenüber dem Fixsternhimmel um knapp 30 Bogengrad weiter nach links gezogen.

Alternativ könnten die 50 Löcher in Reihen D und F eventuell auch für die 50 vollständigen Siebentagewochen (350 Tage) innerhalb von zwölf synodischen Perioden stehen, die eine Dauer von 50,6 Wochen beziehungsweise 354,4 Tagen haben.

Zur Zahl Elf (Reihe E) ist noch festzuhalten, dass die Erde innerhalb eines siderischen Jahres des Planeten Jupiter (zwölf Erdenjahre) elf Mal mit diesem in Opposition steht. Zu diesen Zeitpunkten ist der Abstand zwischen Erde und Jupiter am geringsten, der Jupiter hat steht in seinem größten Glanz und er kulminiert um Mitternacht auf dem südlichen Meridian.

Auch auf einem weiteren, sogenannten westlichen und heute ebenfalls aufgerichteten Stein der Tempelanlage sind mehrere Lochreihen zu sehen, die aus 16, 12, 19, 7, 30, 31, 32, 35, 37, 12 und 13 Löchern bestehen.[16] Einige dieser Zahlen tauchen auch im Zusammenhang mit dem östlichen Stein auf oder sind ebenfalls leicht mit lunaren oder solaren Kalendertagen in Verbindung zu bringen.

→ In Bezug auf die Bedeutung von bestimmten Zahlen in der Astronomie siehe auch Exkurs „Zahlen“.

Malereien in der Höhle von MaguraBearbeiten

In der schon im Neolithikum genutzten Magura-Höhle im Nordwesten des heutigen Bulgariens gibt es nicht nur eine sehr alte bildliche Darstellung eines Schöpfungsmythos, sondern ebenfalls Hinweise darauf, dass verschiedene Mondzyklen bekannt waren. Unter den Darstellungen befindet sich insbesondere eine Reihe von Strichen, mit denen die 16 Tage vom Altlicht des Mondes bis zu Vollmond gezählt worden sein können.

→ Weitere Erläuterungen finden sich im Wikibook „Die Höhlenmalerei in der Magura-Höhle“.

 
Erste Hälfte des synodischen Monats in einer Darstellung der Höhlenmalerei von Magura. Rechts ist die schmale, liegende Mondsichel des Altlichts beim Morgenletzt zu sehen. Ein bis zwei Tage später ist Neumond, danach nimmt der Mond wieder zu, und nach insgesamt sechzehn Tagen wird der Vollmond erreicht (links).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. mēnōt, Pokorny - Indogermanisches etymologisches Wörterbuch
  2. Donald Frazer: Hieroglyphs and Arithmetic of the Ancient Egyptian Scribes, Kapitel 2.6.5 Hekat Fractions and Ro, Xlibris Corporation, 2012, ISBN 9781469136462
  3. Paul Gleirscher: Zum Bildprogramm der Himmelsscheibe von Nebra: Schiff oder Sichel?, Germania: Anzeiger der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts, Band 85, Nummer 1, ISSN 0016-8874, Seiten 23 bis 33, 2007
  4. Irene Hager und Stefan Borovits (Wien, Österreich): Der Vorläufer einer Oktaëteris auf dem Kalenderstein bei Leodagger/Pulkau?, Kapitel 26.2.2 Astronomisch/kalendarische "Zählmaschinen" aus der Bronzezeit, in: Gudrun Wolfschmidt (Herausgeberin): Orientierung, Navigation und Zeitbestimmung - Wie der Himmel den Lebensraum des Menschen prägt, Proceedings der Tagung der Gesellschaft für Archäoastronomie in Hamburg 2017, Band 42 von Nuncius Hamburgensis - Beiträge zur Geschichte der Naturwissenschaften, Verlag tredition, 2019, ISBN 9783749767717
  5. Unter Verwendung der Formeln aus: Oliver Montenbruck, Thomas Pfleger: Astronomie mit dem Personal Computer, Springer-Verlag Berlin Heidelberg GmbH, 1989, ISBN 978-3-662-05865-7
  6. Aristoteles: On the Heavens, Teil 12, Buch II, um 350 vor Christus, ins Englische übersetzt von John Leofric Stocks (* 1882; † 1937)
  7. 7,0 7,1 Thomas Rutherforth: "A System Of Natural Philosophy: Being A Course of Lectures In Mechanics, Optics, Hydrostatics, and Astronomy; Which are Read in St Johns College Cambridge", volume 2, chapter XIV: "Of the devision of time", paragraph 388: "The cycle of Metos", 990 ff.
  8. Michael Wright: The Pnyx, Athens, Greece, Portal to the Heritage of Astronomy, August 2011
  9. Eberhard Zangger, Rita Gautschy: Celestial Aspects of Hittite Religion - An Investigation of the Rock Sanctuary Yazilikaya, Journal of Skyscape Archaeology, 5(1), 5–38, 2019
  10. Edwin C. Krupp, Eberhard Zangger: Die symbolische Darstellung des Kosmos im hethitischen Felsheiligtum Yazılıkaya vom 16. Juni 2021, Archäologie Online, archaeomedia, Freiburg
  11. Wilfried Menghin: „Der Berliner Goldhut und die goldenen Kalendarien der alteuropäischen Bronzezeit“, Acta Praehistorica et Archaeologica, Band 32, 2000, ISSN 0341-1184, Seiten 31 bis 108
  12. Morgenhimmel
  13. Daniel Cilia: Found in a house at Hal Saflieni, stone, c.6 cm wide, The megalithic temples of Malta - the world's most ancient stone architectur, DSCF9754
  14. Frank Ventura, Michael Hoskin: Temples of Malta, in: Clive Ruggles (Herausgeber), Handbook of Archaeoastronomy and Ethnoastronomy, 7. Juli 2014, Seiten 1421-1430, Springer, New York, ISBN 978-1-4614-6140-1
  15. Joachim Friedrich Quack: Zwischen Sonne und Mond - Zeitrechnung im Alten Ägypten, Seite 38, in: Harry Falk (Herausgeber), Vom Herrscher zur Dynastie. Zum Wesen kontinuierlicher Zeitrechnung in Antike und Gegenwart, Bremen 2002
  16. David Humiston Kelley, Eugene Frank Milone: Exploring Ancient Skies: A Survey of Ancient and Cultural Astronomy, Part II Astronomy in Cultures, 6 Paleolithic and Neolithic Cultures, 6.2 Megalithic Cultures, 6.2.18 Mediterranean and North African Megalithic Sites, 6.2.18.1 Malta, pages 201 and 202, Springer, 2011, ISBN 9781441976246


KonjunktionenBearbeiten

Dieser astronomische Exkurs beschäftigt sich mit verschiedenen Konjunktionen von Wandelgestirnen.

KonjunktionenBearbeiten

 
Konjunktion des Kometen C/2020 F3 (NEOWISE) mit dem Stern Talitha Borealis (ι Ursae Majoris) im Sternbild Großer Bär (Ursa Major) in der nautischen Abenddämmerung am 18. Juli 2020 um 21:28 Uhr UTC in einer Höhe von 17° über dem nördlichen Horizont von Berlin (Bildhöhe = 4°). Der Abstand zwischen dem Stern und dem Kometen betrug sieben Bogenminuten. Am unteren Bildrand, etwas links der Mitte der südliche Nachbarstern Talitha Australis (Kappa Ursae Majoris, auch Alkaphrah).

Bei einer Konjunktion (lateinisch coniunctio = Verbindung) begegnen sich am Himmel zwei Objekte scheinbar. Hierbei muss sich mindestens eines der beiden Himmelsobjekte gegenüber dem Fixsternhimmel bewegen. Dies betrifft insbesondere die sieben mit bloßem Auge sichtbaren Wandelgestirne Sonne, Mond, die beiden inneren Planeten Merkur und Venus sowie die drei äußeren Planeten Mars, Jupiter und Saturn. Im weiteren Sinne gehören auch die Planeten Uranus und Neptun, die Zwergplaneten, Asteroiden und Kometen dazu. Wird bei einer solchen Begegnung das Auflösungsvermögen des menschlichen Auges von zirka einer Bogenminute oder des für eine Beobachtung eingesetzten Telekops unterschritten, kommt es zu einer scheinbaren Verschmelzung der betroffenen Himmelskörper. Die Bedeckung eines Himmelskörpers durch einen flächenhaft wahrgenommenen anderen Himmelskörper wird auch Okkultation genannt.

Früher wurde zwischen der Astronomie und der Astrologie nicht unterschieden, und solche Konjunktionen galten häufig als Auslöser oder als Vorzeichen von anderen Ereignissen. Der griechische Universalgelehrte   Aristoteles (* 384 vor Christus; † 322 vor Christus) hat in seinem Werk "Meteorologikon" (altgriechisch: "Μετεωρολογικῶν"), das um 350 entstanden ist, beispielsweise erwähnt, dass er die scheinbare Verschmelzung vom Planeten Jupiter und einem Stern im Sternbild Zwillinge (Gemini) beobachtet hat, ohne dass dabei ein Komet entstanden sei.[1] Hierfür kommen entweder der Stern 1 Geminorum (4,8m) in den Abendstunden des 24. April 360 vor Christus (Julianisches Datum = 1590047,3) mit einem Winkelabstand von sieben Bogenminuten am westlichen Horizont oder der Stern Wasat (3,5m, δ Geminorum) in den Morgenstunden des 13. Juli 360 vor Christus (Julianisches Datum = 1590126,6) mit einem Winkelabstand von zwanzig Bogenminuten am östlichen Horizont in Frage. Zwölf Jahre zuvor kam es ebenfalls zu ähnlichen Begegnungen, zu diesem Zeitpunkt war Aristoteles allerdings erst zwölf Jahre alt.

Eine besonders beachtenswerte Rolle unter den Planeten spielt der Jupiter, da er für einen Umlauf um die Sonne zwölf Jahre benötigt. Daher steht er von der Erde aus gesehen jeweils ein Jahr lang in Konjunktion zu einem der zwölf Lebewesenkreiszeichen im Zodiak entlang der Ekliptik.

Siehe auch → Wikibook Zahlen / Zur Zwölf.

Wegen seiner vergleichsweise geringen Umlaufzeit steht am häufigsten der Erdmond in Konjunktion mit den sechs anderen mit bloßem Auge sichtbaren Wandelgestirnen. Mit einem einfachen Fernrohr lassen sich auch die wegen ihrer noch geringeren Umlaufzeiten noch häufiger sich ergebenden Konjunktionen der vier Galileischen Monde untereinander und mit ihrem Planeten Jupiter beobachten. Wegen der extrem großen Helligkeit der Sonne lässt sich eine Konjunktion mit ihr bei Neumond nur beobachten, wenn es eine Sonnenfinsternis, einen Venustransit oder einen Merkurtransit gibt. Wegen seiner größeren Nähe bedeckt der Erdmond bei einer Konjunktion gegebenenfalls immer die anderen Himmelskörper.

Bei einer Konjunktion vermindert sich die Elongation zwischen den betreffenden Himmelskörpern auf null. Sie wird meist von der Sonne in Bezug auf den Mond oder einen Planeten angegeben. Das Gegenteil der Konjunktion ist die Opposition, bei der sich zwischen den beiden betreffenden Himmelskörpern eine Elongation von 180 Bogengrad ergibt.

Die Sonne liegt vom Erdmittelpunkt aus gesehen stets in der Ekliptik, und alle Planetenbahnen verlaufen mit geringen Abweichungen von wenigen Grad in der Nähe der Ebene der Ekliptik. Der Erdmond hat aufgrund seiner leicht geneigten Umlaufbahn um die Erde ebenfalls eine Abweichung von der Ekliptik, die sich aufgrund seiner im Vergleich zu den Planeten starken Schwerkraftbindung zur Erde in deutlich schnelleren scheinbaren Schwankungen um diese Bezugsebene auswirkt.

Der Mond benötigt für einen vollständigen Umlauf um die Erde einen Monat. Der Zusammenhang zwischen hohen und niedrigen Tiden mit den Mondphasen dürfte auch den Urvölkern, die die Meeresküsten bewohnt haben, nicht verborgen geblieben sein. Springtiden tauchten zum Ende der Flut immer kurz nach einem Neumond oder kurz nach einem Vollmond auf, wohingegen Nipptiden zum Ende der Ebbe nach dem zunehmendem beziehungsweise dem abnehmenden Halbmond eintraten.

Wenn der Abstand zur Ekliptik (also die Höhe über oder unter der Ekliptik beziehungsweise als Koordinate die ekliptikale Breite) hinreichend gering ist, kann es bei gleichzeitigem Vollmond zu Mondfinsternissen oder bei gleichzeitigem Neumond zu Sonnenfinsternissen kommen. Diese nicht allzu häufig zu beobachtenden Ereignisse wurden oft als bedrohlich interpretiert. Dies ist auch im Alten und im Neuen Testament belegt:

Kommendes Heil, Ausgießung des Geistes (Prophet Joel, Kapitel 3):[2]

3 Ich werde wunderbare Zeichen wirken
am Himmel und auf der Erde:
Blut und Feuer und Rauchsäulen.
4 Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln
und der Mond in Blut, ehe der Tag des HERRN kommt,
der große und schreckliche Tag.

Die Pfingstpredigt des Petrus (Apostelgeschichte, Kapitel 2):[3]

19 Ich werde Wunder erscheinen lassen droben am Himmel
und Zeichen unten auf der Erde
Blut und Feuer und qualmenden Rauch.
20 Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln
und der Mond in Blut,
ehe der Tag des Herrn kommt,
der große und herrliche Tag.

Die ersten sechs Siegel (Offenbarung des Johannes, Kapitel 6):[4]

12 Und ich sah: Das Lamm öffnete das sechste Siegel. Da entstand ein gewaltiges Beben. Die Sonne wurde schwarz wie ein Trauergewand und der ganze Mond wurde wie Blut.
13 Die Sterne des Himmels fielen herab auf die Erde, wie ein Feigenbaum seine Früchte abwirft, wenn ein heftiger Sturm ihn schüttelt.
14 Der Himmel verschwand wie eine Buchrolle, die man zusammenrollt, und alle Berge und Inseln wurden von ihrer Stelle weggerückt.

Die beiden inneren Planeten werden von der Erde umrundet und sind daher nur in einem relativ kleinen, zur Sonne symmetrischen Winkelsegment mit geringen Elongationen zu beobachten; abends im Westen nach Sonnenuntergang oder morgens im Osten vor Sonnenaufgang. Die Elongation der Sonne ist definitionsgemäß null. Die äußeren Planeten umrunden die Erdbahn und tauchen wie der Mond im Laufe der Zeit daher auf dem gesamten Kreis der Ekliptik auf. Die Elongationen von Mond und äußeren Planeten können also alle Werte zwischen -180 und +180 Bogengrad erreichen.

Haben zwei oder mehr der sieben stetig wandelnden und gut sichtbaren Gestirne, also Sonne und Mond sowie die Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn, die gleiche ekliptikale Länge, kommt es zu einer Konjunktion zwischen den betroffenen Gestirnen. Bei den beiden größten und äußeren Planeten Jupiter und Saturn wird in diesem Fall von einer großen Konjunktion gesprochen. Solche Ereignisse unterliegen langjährigen Zyklen und wurden seit jeher als spektakulär betrachtet.[5] Wenn eine große Konjunktion innerhalb von wenigen Monaten sogar dreimal stattfindet, dann wird von der größten Konjunktion gesprochen.

Untergang einer Konjunktion von Venus und MondBearbeiten

 
Die Venus ist in Bezug auf die Erde ein unterer Planet mit einer Elongation von maximal 48 Bogengrad.

Wenn Mond und Sonne die gleiche ekliptikale Länge haben, hat die Elongation des Mondes den Wert Null, es herrscht Neumond und es kann dann zu einer Sonnenfinsternis kommen. Der Mond braucht einen Monat, um den Kreis der Ekliptik einmal komplett zu durchlaufen, wobei seine Elongation bei Vollmond auf 180 Bogengrad anwächst und danach wieder bis auf Null zurückgeht. Bei seiner scheinbaren Umlaufbahn kommt er regelmäßig an allen Planeten vorbei. Ist die Elongation eines Himmelskörpers östlich (links der Sonne, positiver Wert), geht er nach der Sonne im Westen unter. Ist die Elongation eines Himmelskörpers westlich (rechts der Sonne, negativer Wert), geht er vor der Sonne im Osten auf.

Bei einer Elongation der Venus von Null befindet sich diese entweder bei der unteren Konjunktion in Erdnähe oder bei der oberen Konjunktion in Erdferne. Die Venus hat eine siderische Umlaufzeit von knapp 225 Tagen (ungefähr siebeneinhalb Monate), und ihre größte Elongation beträgt wegen ihrer Sonnennähe nur 48 Bogengrad. Von der Erde aus gesehen eilt die Venus auf ihrer Umlaufbahn der Erde immer ein wenig voraus, so dass die gleiche ekliptikale Länge respektive Elongation erst nach etwas mehr als einem Erdenjahr (gut 365 Tage) erreicht wird, nämlich nach knapp 584 Tagen (1,6 Erdenjahre). Ungefähr die Hälfte dieser Periode hat die Venus eine östliche und die andere Hälfte eine westliche Elongation. In Sonnennähe, also bei kleinen Elongationen, kann sie mit bloßem Auge nicht beobachtet werden. Bei einer Konjunktion der Venus mit dem Mond hat dieser immer nur eine geringe von der Sonne beleuchtete Fläche, so dass dieses Ereignis nur um den Neumond herum beim Alt- beziehungsweise beim Neulicht des Mondes gesehen werden kann, also in der zeitlichen und örtlichen Nähe des Morgenletztes oder des Abenderstes des Mondes.

In der folgenden Galerie sind acht Bilder der Konjunktion zwischen dem Planeten Venus und dem Mond am 9. Oktober, also gut zwei Wochen nach der Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche, im Sternbild Skorpion (Scorpio) bei fast wolkenlosem Himmel zu sehen. Die Bilder sind abends innerhalb einer guten Stunde zwischen 18:10 Uhr und 19:21 Uhr in südwestlicher Richtung entstanden. Die Ekliptik lag zu diesem Zeitpunkt vom Beobachtungspunkt in Berlin aus sehr flach, also nur wenig gegenüber dem Horizont geneigt, und daher stehen die rund 14 Prozent beleuchtete Sichel vom Mond und der Terminator der zu knapp 60 Prozent beleuchteten Venus fast senkrecht auf dem Horizont. Der Mond war nidsigend und befand sich im Beobachtungszeitraum knapp ein Bogengrad südlich (also unterhalb) der Ekliptiklinie bei Höhen von 10 bis 3 Bogengrad über dem Horizont. Die Venus befand sich bei einer südlichen ekliptikalen Breite von knapp drei Bogengrad ein wenig unterhalb des Mondes und somit bei Höhen von 8,5 bis 2 Bogengrad über dem Horizont. Mit einer östlichen Elongation von knapp 46 Bogengrad hatte die Venus den maximal möglichen Wert noch nicht ganz erreicht und wies einen abnehmenden Phasenwinkel von fast 80 Bogengrad auf. Der fünfthellste Stern des Sternbilds Skorpion, Dschubba (δ Scorpionis), mit einer effektiven scheinbaren Helligkeit von zirka dritter Größenklasse (3m) befand sich knapp ein Bogengrad oberhalb der Venus. Die effektive scheinbare Helligkeit der Venus nahm während der Beobachtung durch die zunehmende Extinktion und Streuung ihres Lichts auf die reduzierten Werte von -3,5m auf -2,5m ab. Die effektive scheinbare Helligkeit der Mondsichel betrug ungefähr -7m. Der Sonnenuntergang fand gegen 18:23 Uhr statt.

MondhäuserBearbeiten

Bedeckung des Sterns Porrima (γ Virginis) im Sternbild Jungfrau (Virgo) beziehungsweise im 13. Mondhaus "Alahue" des Manazil al-Qamar durch den Mond am 13. Mai 2022 um 1:05 Uhr UTC.

Der Mond kann entlang der Ekliptik nicht nur in Konjunktion mit allen anderen sechs Wandelgestirnen stehen, sondern auch mit zahlreichen ekliptiknahen Sternen. Alle Objekte zwischen den ekliptikalen Breiten -5,5 Bogengrad (südlich) und +5,5 Bogengrad (nördlich) können je nach ekliptikaler Breite des Mondes von ihm bedeckt werden, während er innerhalb einer guten Stunde eine bestimmte ekliptikale Länge durchläuft.

Durch die Wanderung des Frühlingspunktes in Richtung niedrigerer ekliptikaler Längen (nach Westen, respektive auf der Nordhalbkugel nach rechts) sind die heutigen ekliptikalen Längen zur astronomischen Epoche J2000.0 um knapp 28 Bogengrad größer als zur Zeit um Christi Geburt zur Epoche J0000.0. Der Frühlingspunkt bei der damaligen ekliptikalen Länge null im Sternbild Fische auf Höhe des Sternes Alpherg liegt heute daher deutlich weiter westlich im Sternbild Fische auf Höhe des Sterns Shemali.

Die Ekliptik kann in kleine, gleichgroße aneinandergereihte Mondhäuser oder Mondstationen aufgeteilt werden, in denen der Mond innerhalb eines siderischen Monats (ungefähr 27,3 Tage) sich immer rund 24 Stunden lang befindet, bevor er in Richtung Osten in das nächste Mondhaus wechselt. Alle Mondhäuser haben entlang der 360 Bogengrad langen Ekliptik demnach eine Länge von jeweils gut 13 Bogengrad. Sie sind somit schmaler als die zwölf Lebewesenkreiszeichen, in denen die Sonne innerhalb eines siderischen Jahres jeweils einen Monat lang steht und die entlang der Ekliptik eine Länge von 30 Bogengrad haben.

Jedem Mondhaus kann ein Stern oder eine kleine Sterngruppe zugeordnet werden, mit denen der Mond im Fixsternhimmel beim Aufenthalt im jeweiligen Mondhaus in Konjunktion steht. Aristoteles (384 bis 322) hat in seiner Schrift "Über den Himmel" (altgriechisch: "Περὶ οὐρανοῦ" / "Peri uranu") festgehalten, dass die Babylonier und die Ägypter bestimmte Konjunktionen über lange Zeit beobachtet und dokumentiert haben. In den Abendstunden des 4. Mais 357 vor Christus konnte er eine von ihm erwähnte Bedeckung des Planeten Mars durch den zunehmenden Halbmond im Sternbild Löwe (Leo) in der Nähe vom Sterns Regulus (α Leonis) beobachten, wo sich vom damals noch im Sternbild Widder befindlichen Frühlingspunkt aus gezählt das zehnte Mondhaus befindet.[6] Dieses Mondhaus hat in der indischen Systematik des   Nakshatra zum Beispiel die Bezeichnung "Magha" und in der arabischen Systematik des   Manazil al-Qamar die Bezeichnung "Algieba" bekommen.

Die Zahl Drei steht arithmetisch in unmittelbarem Zusammenhang zur Siebenundzwanzig, da die folgende Beziehung gilt:

 

Das unten abgebildete gleichseitige Dreieck, dessen Fläche mit regelmäßig angeordneten Punkten markiert ist, zeigt zahlreiche Beziehungen zu ganzen Zahlen, die im Zusammenhang mit dem Mond eine Rolle spielen:

  • Die vier Mondviertel zwischen Neumond, zunehmendem Halbmond, Vollmond, abnehmendem Vollmond und erneutem Neumond.
  • Die sieben Tage eines Mondviertels.
  • Die zwölf synodischen Monate eines Mondjahres.
  • Die siebenundzwanzig vollständigen Tage eines siderischen Monats.

→ Siehe auch Wikibook Die Höhlenmalerei in der Magura-Höhle, Kapitel Sonnenkalender.

→ Siehe auch Wikibook Die Himmelstafel von Tal-Qadi, Kapitel Mondzyklen.

NakshatraBearbeiten

In der indischen Astronomie wurden spätestens 1000 vor Christi Geburt die Aufenthaltsorte des Mondes entlang der Ekliptik in 27 Mondhäuser eingeteilt. Bei den Indern wurde diese Einteilung in 27 Mondhäuser Nakshatra genannt, und sie haben sich dabei offenbar an der siderischen Monatslänge von 655,73 Stunden orientiert, die nur zirka einen drittel Tag länger ist als 27 Tage. Der Mond hält sich im Mittel also rund 24,3 Stunden in einem Mondhaus auf.

Daraus resultiert für jedes der 27 Mondhäuser der folgende ekliptikale Längenabschnitt  :

 

Und jedes der zwölf, entlang der Ekliptik 30 Bogengrad langen Lebewesenkreiszeichen des Zodiaks enthält also genau neun Viertel Mondhäuser:

 

Der Frühlingspunkt bleibt für knapp 956 Jahre in einem der 27 Mondhäuser, bevor er in Richtung Westen in das nächste benachbarte Mondhaus wandert.

Auch im Tibet wurden ab dem 8. Jahrhundert 27 Mondhäuser verwendet, die im 11. Jahrhundert im Kālacakratantra verschriftlicht worden sind.

Die 27 Mondhäuser des Nakshatra:

  1. Ashvini
  2. Bharani
  3. Krittika (Plejaden)
  4. Rohini (der rötliche Aldebaran)
  5. Mrigashirsha
  6. Ardra
  7. Punarvasu
  8. Pushya
  9. Ashlesha
  10. Magha
  11. Purva Phalguni
  12. Uttar Phalguni
  13. Hasta
  14. Chitra
  15. Svati
  16. Vishakha
  17. Anuradha
  18. Jyeshtha
  19. Mul
  20. Purvashadha
  21. Uttarashadha
  22. Shravan
  23. Shravishtha
  24. Shatabhisha
  25. Purva Bhadrapada
  26. Uttar Bhadrapada
  27. Revati

Manazil al-QamarBearbeiten

 
Quadratische Himmelskarte mit den sieben Wandelgestirnen (innen), den zwölf Lebewesenkreiszeichen (Mitte) und den 28 Mondhäusern samt den jeweiligen Mondphasen nach einem Neumond zu Frühlingsbeginn (außen) im Manuskript Zubdat-al Tawarikh von 1583 (Museum der Türkischen und Islamischen Künste in Istanbul). Der Frühlingspunkt befindet sich unten in der Mitte.
 
Die in Niederösterreich gefundene und aus Sandstein gefertigte Gussform für die Stachelscheibe von Platt aus der Bronzezeit (um 1500 vor Christus). Auf der Stachelscheibe sind die 28 Mondorte der Tage eines siderischen Monats durch eine kreisförmige Lochreihe dargestellt.

Bei den Arabern wurde die Einteilung in 28 Mondhäuser etwas später Manazil al-Qamar genannt, wobei die siderische Monatslänge hierfür um zwei drittel Tage aufgerundet wurde. Der Mond hält sich im Mittel also nicht genau 24 Stunden, sondern nur rund 23,4 Stunden am Stück in einem Mondhaus auf.

Der Vorteil dieser Einteilung ist jedoch, dass 28 ohne Rest sowohl durch vier, als auch durch sieben teilbar ist. Hierdurch ergibt sich, dass das siebtnächste Mondhaus auf dem Kreis der Ekliptik immer genau im rechten Winkel und auf der nördlichen Halbkugel der Erde somit linksläufig im benachbarten Quadranten steht. Jedem Quadranten werden genau sieben Tage zugeordnet, was exakt den sieben Tagen einer Woche respektive eines Mondviertels entspricht. Im Sonnenjahr entspricht jeder dieser Quadranten einer Jahreszeit mit drei Monaten. Demzufolge sind sieben Mondhäuser auf der Ekliptik genauso lang wie drei Monate, beziehungsweise alle 28 Mondhäuser sind auf der Ekliptik genauso lang wie zwölf Monate. Daraus resultiert für jedes Mondhaus der folgende ekliptikale Längenabschnitt  :

 

Und jedes der zwölf, entlang der Ekliptik 30 Bogengrad langen Lebewesenkreiszeichen des Zodiaks enthält also genau sieben Drittel Mondhäuser:

 

Die Sonne wandert innerhalb eines siderischen Jahres definitionsgemäß exakt einmal vollständig entlang der Ekliptik durch den Lebewesenkreis und bleibt währenddessen daher gut 13 Tage und eine Stunde in jedem Mondhaus:

 

Die Zyklusdauer für die vollständige Wanderung des Frühlingspunktes durch die Ekliptik beträgt zirka 25800 Jahre. Der Frühlingspunkt bleibt also für gut 921 Jahre in einem Mondhaus, bevor er in Richtung Westen in das nächste benachbarte Mondhaus wandert:

 

Die 28 Mondhäuser des Manazil al-Qamar:

  1. Scheratan oder Alnath
  2. Albotayn / Botein
  3. Azoraya / Thuraya (Plejaden)
  4. Aldebaran
  5. Alhachaa / Heka
  6. Alhanhaa / Alhena
  7. Aldirah
  8. Annathra
  9. Altarf
  10. Algieba
  11. Azobra / Subra
  12. Asarfa
  13. Alahue
  14. Azimech
  15. Algafra
  16. Azobene
  17. Aliclil
  18. Alcalb
  19. Axaula / Schaula
  20. Alnahayn
  21. Albelda
  22. Sadalzabih / Dabih
  23. Sadebolah / Albali
  24. Sadalsuud
  25. Sadalachbia
  26. Alfarg Almacadam
  27. Alfarg Almuehar
  28. Baten Alhut
 
Die in die Ebene projizierten 28 Mondhäuser (von rechts nach links) mit den wichtigsten Sternen entlang der Ekliptik (rote gestrichelte Linie, ekliptikale Länge von 0 Bogengrad bis 360 Bogengrad zur Epoche J0000.0 in horizontaler Richtung, senkrecht dazu die ekliptikale Breite). Die beiden seitlichen Ränder der Abbildung gehen im Kreisbogen der Ekliptik nahtlos ineinander über.

Animierte Variante der Abbildung:

BundahischnBearbeiten

Der Text des mittelpersischen Bundahischn behandelt die Urschöpfung im Kontext der zoroastrischen Religion. Gleichzeitig stellt er den Stand der präzoroastrischen iranischen Glaubenswelt dar. Im zweiten Kapitel werden neben den zwölf Sternbildern des Zodiaks auch 28 Mondhäuser aufgezählt:

  1. Padêvar / Padewar
  2. Pes / Pêsh-Parviz
  3. Parviz / Parwez (Plejaden)
  4. Paha
  5. Avêsar / Avecr / Abesar / Azesar
  6. Besn / Basn / Beshn
  7. Rakhvad / Rakhvat / Raavad / Raxwat
  8. Taraha
  9. Avra / Awra / Azara
  10. Nahn / Naxw
  11. Mivên / Mivan / Mayan / Maian
  12. Avdem / Abdom
  13. Mâshâha / Mâsâha
  14. Spûr / Cpûr / SPor
  15. Husru / Hucru / Husraw
  16. Srob / Crob / Sru / Sroi
  17. Nur
  18. Gel / Gêr / Gil / Gelu
  19. Garafsa / Grafsa / Grafsha
  20. Varant / Wanand
  21. Gau / Gao / Ga
  22. Goi / Gôî / Goy
  23. Muru / Muri
  24. Bunda / Bunza
  25. Kahtsar / Kathcr
  26. Vaht / Kahtmayan
  27. Miyân / Mian /Mayan
  28. Kaht

Chinesische MondhäuserBearbeiten

 
Kreisförmige Darstellung der nördlichen Hemisphäre mit den 28 chinesischen Mondhäusern. Links der Frühling (Osten), oben der Winter (Norden), rechts der Herbst (Westen, in der Mitte der Asterismus Mǎo (昴 = haariger Kopf des Sternbilds "Weißer Tiger") und unten der Sommer (Süden).

Auch in der chinesischen Astronomie werden 28 Mondhäuser verwendet. Auch diese sind in vier Quadranten mit je sieben Mondhäusern aufgeteilt, die für die vier Himmelsrichtungen beziehungsweise die vier Jahreszeiten stehen.

Diese vier Richtungen werden durch die chinesischen Sternbilder repräsentiert:

  • "Blauer Drache des Ostens" - Frühling
  • "Roter Vogel des Südens" - Sommer
  • "Weißer Tiger des Westens" - Herbst
  • "Schwarzer Krieger des Nordens" - Winter

Die Plejaden (chinesisch Mǎo) liegen in der Mitte des Herbststernbilds "Weißer Tiger des Westens" und markieren den Herbstpunkt auf der Ekliptik.

Ägyptische KönigselleBearbeiten

Im Zusammenhang mit den Teilern vier und sieben der Zahl 28 sei erwähnt, dass eine altägyptische (große) Königselle ("Meh" oder "meh-nesut") sieben Handbreit ("Schesep") lang war und ein Handbreit wiederum vier Fingerbreit ("Djeba"). Multipliziert ergibt sich, dass die Königselle 28 Fingerbreit lang war.

BibelBearbeiten

Eine weitere Koinzidenz der Zahlen 7 und 28 taucht im ersten Vers der Schöpfungsgeschichte (Genesis, Bereschit, erstes Buch Mose) auf.

Der Vers lautet auf Hebräisch (von rechts nach links):

בְּרֵאשִׁית בָּרָא אֱלֹהִים אֵת הַשָּׁמַיִם וְאֵת הָאָרֶץ

Im hebräischen Original hat der Vers 7 Wörter mit insgesamt 28 Buchstaben.

Mit lateinischen Buchstaben geschrieben lautet dies ungefähr folgendermaßen:

bereschit bara elohim et haschamaijim weet haarez

Die lateinische Vulgata enthält hier die folgenden sieben Wörter:

In principio creavit Deus caelum et terram.

In der Einheitsübersetzung ins Deutsche besteht der erste Satz der Bibel ebenfalls aus sieben Wörtern:

Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.

→ Siehe auch Exkurs Zur Sieben

Dass die Einteilung in Mondhäuser im Altertum wichtig und üblich war, ist durch den Propheten Habakuk in seinem Psalm in Kapitel 3 belegt:[7]

10 Wenn sie dich sehen, erbeben die Berge,
das Tosen der Wasser rauscht vorüber; es erhebt die Urflut ihre Stimme,
hoch oben vergisst die Sonne ihre Strahlen.
11 Der Mond bleibt in der Behausung;
als Beleuchtung schwirren deine Pfeile,
als heller Schein das Blitzen deiner Lanze.

Möglicherweise sind auch die Kammern des Südens, die der Prophet Hiob im 9. Kapitel „Gottes Macht und die Ohnmacht des Menschen“ seines Buches erwähnt, gar kein Sternbild, zumal sie nicht als Eigenname beziehungsweise in Großschreibung verwendet werden. Eventuell handelt es sich um die Mondhäuser, die gut sichtbar und hoch über dem Horizont in südlicher Richtung zu sehen sind.[8]

Einheitsübersetzung (2016):

9 Er macht das Sternbild des Bären, den Orion, das Siebengestirn, die Kammern des Südens.

Vulgata:

9 Qui facit Arcturum et Oriona et Hyadas et interiora austri.

Septuaginta:

9 ὁ ποιῶν Πλειάδα καὶ Εσπερον καὶ Αρκτοῦρον καὶ ταμιεῖα νότου.

Der Stern von BethlehemBearbeiten

 
Zunehmende Mondsichel beim Neulicht zum Abenderst.

In der Antike wurden durch eingeweihte Gelehrte die Konjunktionen von Planeten vorausberechnet und schriftlich festgehalten, wie beispielsweise durch zahlreiche Keilschrifttexte aus den Städten Sippar, Ur oder Babylon belegt ist. 1925 entdeckte und entzifferte der Altorientalist Paul Schnabel darin Aufzeichnungen zu den Planeten von Jupiter und Saturn aus den Jahren 7 und 6 vor Christi Geburt.[9]

Der Astronom   Johannes Kepler (1571–1630) besuchte in Graz eine öffentliche Veranstaltung des Gelehrten   Joseph Justus Scaliger (1540–1609), die sich mit dem Geburtsjahr Jesu beschäftigte.[10] Kepler hat wenig später dann die Hypothese aufgestellt, dass der im zweiten Kapitel des Matthäusevangeliums "Die Huldigung der Sterndeuter" genannte Stern, der die Weisen aus dem Morgenland nach Bethlehem zur Geburtskrippe von Jesus geführt haben soll, mit der größten Konjunktion im Jahr 7 vor Christi Geburt im Zusammenhang stehen könnte.

In den letzten 3000 Jahren fand eine größte Konjunktion im Sternbild Fische nur zwei Mal statt: im Jahre 861 vor Christi Geburt (übrigens mit zweimaligen Bedeckung des Saturns durch den abnehmenden Mond am 17. April und am 15. Mai, und mit mehrmaligen Bedeckungen des Jupiters durch den abnehmenden Mond am 11. Juni sowie am 8. Juli, den Vollmond am 28. September und den zunehmenden Mond am 22. November sowie am 19. Dezember des Jahres) und im Jahr 7 vor Christi Geburt. In der Tat sind einige weitere astronomische Ereignisse des letztgenannten Jahres sehr bemerkenswert. Die folgende Tabelle enthält einige besondere Konstellationen der sieben Wandergestirne zwischen März 7 und Januar 6 vor Christi Geburt (Hinweis: ein Jahr 0 gab es in dieser Zählung nicht):

Besondere Konstellationen
Datum Ereignis Interpretation
23. März Sonne im Frühlingspunkt Frühlingsbeginn, früher gleichzeitig der Beginn eines neuen Jahres.
25. März Mars ist während der gesamten Nacht sichtbar und verschmilzt mit dem bekannten Doppelstern Porrima (γ Virginis) im Sternbild Jungfrau (Virgo) Porrima ist die italienische Göttin der Weissagung und für den Schutz der Ungeborenen.[11] Maria, die Mutter von Jesus, hat das Attribut Jungfrau. Am 25. März wird heute das Hochfest der Verkündigung des Herrn gefeiert.
29. Mai Erste große Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn bei Neumond geht nach Mitternacht im Osten im Sternbild Fische (Pisces) auf
30./31. Mai Neulicht des Mondes nahe Venus bei dem offenen Sternhaufen Praesepe (Krippe, Messier 44) im Sternbild Krebs (Cancer) und nahe Merkur bei maximaler östlicher Elongation Beim Monduntergang am Abend ist dieser im Neulicht mit beiden inneren Planeten bei der Krippe in Konjunktion.
20. Juni Mond geht kurz nach Jupiter und Saturn um Mitternacht im Osten im Sternbild Fische (Pisces) auf
22. Juni Sommersonnenwende
1. Oktober Zweite große Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn im Sternbild Fische (Pisces) geht morgens im Westen unter
5. Dezember Dritte große Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn im Sternbild Fische (Pisces) kurz vor Vollmond geht um Mitternacht im Westen unter
8. Dezember Vollmond bei dem offenen Sternhaufen Praesepe (Krippe) im Sternbild Krebs (Cancer) Heute der Tag des Hochfests der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria
16. Dezember Jupiter und Saturn gehen eine Woche vor der Wintersonnenwende um Mitternacht gemeinsam im Osten im Sternbild Fische (Pisces) auf
22. Dezember Neulicht des Mondes Neulicht als Zeichen der Geburt.
23. Dezember Wintersonnenwende In der Nacht vom 24. zum 25. Dezember wird heute die Geburt des Herrn (Heiligabend und Weihnachten) gefeiert.
31. Dezember Der zunehmende Halbmond steht morgens im Goldenen Tor der Ekliptik Letzter Tag des Jahres.
5. Januar Vollmond bei dem offenen Sternhaufen Praesepe (Krippe) im Sternbild Krebs (Cancer) Am 6. Januar wird heute die Erscheinung des Herrn (griechisch Epiphanias) gefeiert.

Im Zusammenhang mit der letzten Tabellenzeile sei noch darauf hingewiesen, dass die Krippe im 8. Mondhaus Annathra des antiken astronomischen Ekliptiksystems Manazil al-Qamar liegt, das insgesamt 28 Sterngruppen ausweist. Der Ort an dem Jesus geboren wurde heißt "Bethlehem" (zu Deutsch Haus des Brotes oder Haus des Fleisches).

Weitere Koinzidenzen mit der Überlieferung ergeben sich aus den folgenden Sachverhalten:

  • Die drei Wandelgestirne (respektive drei Könige - Sonne (Helios) und die beiden inneren Planeten Merkur und Venus (man beachte die maskuline Grundform)) wandern täglich von Osten nach Westen.
  • Jupiter und Saturn waren vom Ekliptiksternbild Fische (Pisces) auf dem Weg in das Ekliptiksternbild Widder. Dieses Sternbild heißt auf Arabisch al-hamal (Lamm) und entspricht im jüdischen Kalender dem Monat Nisan, der mit Juda gleichgesetzt wird, einem der zwölf Stämme des alten Israels. Der Frühlingsbeginn und das jüdische Pessachfest liegen im Nisan. Das Lamm ist im Christentum als "Agnus Dei" ("Lamm Gottes") seit jeher ein Symbol für Jesus Christus.
  • Abschließend zogen die Sterndeuter auf einem anderen Weg weiter, also ohne umzukehren und dem König Herodes dabei noch einmal zu begegnen.

Ochs und EselBearbeiten

 
Krippe mit dem Jesuskind sowie Ochs (links) und Esel (rechts) an der Schmalseite des Sarkophags des Stilicho in der Basilika Sant’Ambrogio des Heiligen Ambrosius von Mailand (339–397) vom Ende des 4. Jahrhunderts.

Dass bei der Geburt Jesu an der Futterkrippe ein Ochse und ein Esel anwesend waren, ist im Lukasevangelium nicht belegt. Diese beiden attribuierten Tiere sind aber schon seit Beginn des Mittelalters tradiert: Eine schriftliche Erwähnung befindet sich im 14. Kapitel des frühmittelalterlichen Pseudo-Matthäusevangeliums auf Basis des antiken Jakobus-Protoevangeliums:[12]

14. Tertia autem die nativitatis domini egressa est Maria de spelunca
et ingressa est stabulum et posuit puerum in praesepio, et bos et asinus adoraverunt eum.
Tunc adimpletum est quod dictum est per Isaiam prophetam dicentem:
"Cognovit bos possessorem suum et asinus praesepe domini sui."
Ipsa autem animalia in medio eum habentes incessanter adorabant eum.
Tunc adimpletum est quod dictum est per Abacuc prophetam dicentem:
"In medio duorum animalium innotesceris."
In eodem autem loco moratus est Ioseph et Maria cum infante tribus diebus.

Zu Deutsch:

Am dritten Tag nach der Geburt des Herrn verließ Maria die Höhle und ging in einen Stall.
Sie legte den Knaben in eine Krippe; Ochs und Esel huldigten ihm.
Da ging in Erfüllung, was der Prophet Jesaja gesagt hatte:
"Es kennt der Ochse seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn."
Die Tiere nahmen ihn in ihre Mitte und huldigten ihm ohne Unterlass.
So erfüllte sich der Ausspruch des Propheten Habakuk:
"In der Mitte zwischen zwei Tieren wirst du bekannt werden."
An demselben Platz blieben Josef und Maria mit dem Kind drei Tage lang.

Beide Tiere werden beim Propheten Jesaja im dritten Halbvers des ersten Kapitels in einem Atemzug genannt:[13]

Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn;

Beim Propheten Habakuk heißt es nach dem Kirchenvater Augustinus von Hippo (354–430) im 32. Kapitel "Die im Gebet und Lied Habakuks enthaltene Weissagung" des 18. Buches seines Werkes "Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat":[14]

In medio duorum animalium cognosceris.

Zu Deutsch:

In der Mitte zwischen zwei Lebewesen wird man Dich schauen.

 
Einzug in Jerusalem auf einem um 1305 entstandenen Fresko von Giotto di Bondone (1267 oder 1276 bis 1337) in der Cappella degli Scrovegni in Padua.

Zwischen dem Esel und dem erwachsenen Jesus wird in der Bibel ein Bezug hergestellt, da beim Propheten Sacharja erwähnt wird, dass der Friedenskönig auf einem Esel nach Jerusalem kommt:[15]

Der Friedenskönig für Israel und die Völker
9 Juble laut, Tochter Zion! / Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. / Gerecht ist er und Rettung wurde ihm zuteil, demütig ist er und reitet auf einem Esel, / ja, auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin.

Der Evangelist Markus beschreibt den Einzug in Jerusalem in seinem elften Kapitel folgendermaßen:[16]

7 Sie brachten das Fohlen zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Tier und er setzte sich darauf.
8 Und viele breiteten ihre Kleider auf den Weg aus, andere aber Büschel, die sie von den Feldern abgerissen hatten.
9 Die Leute, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!
10 Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt. Hosanna in der Höhe!
11 Und er zog nach Jerusalem hinein, in den Tempel; nachdem er sich alles angesehen hatte, ging er spät am Abend mit den Zwölf nach Betanien hinaus.

Und auch nach dem zwölften Kapitel des Johannesevangeliums kam Jesus auf dem Rücken eines Esels nach Jerusalem:[17]

14 Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich darauf - wie es in der Schrift heißt:
15 Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt; er sitzt auf dem Fohlen einer Eselin.

 
Astronomische Aufnahme des Himmelsstieres mit dem Vollmond in der Himmelsregion der heutigen Sternbilder Stier (Taurus, links oben), Walfisch (Cetus, unten) und Widder (Aries, rechts). Die Ekliptik verläuft entlang der scheinbaren Bahn des Mondes von rechts unten durch das Goldene Tor der Ekliptik in der Bildmitte (zwischen dem Stierkopf und dem Siebengestirn) nach links oben durch die Mitte zwischen den Spitzen der Stierhörner.

Doch wie kann nun der Bezug zu einem Ochsen hergestellt werden ?

Nach dem hochmittelalterlichen Traktat "De Mundi Celestis Terrestrisque Constitutione" (Pseudo Beda) aus Süddeutschland über die Erschaffung der Erde und des Himmels soll Jesus durch goldene Tore nach Jerusalem eingezogen sein. Das heute zugemauerte östliche Stadttor Jerusalems wird auch als das Goldene Tor bezeichnet. In der Astronomie befindet sich das Goldene Tor der Ekliptik im heutigen Sternbild Stier (Taurus) zwischen dem Kopf des Stieres mit den beiden Augensternen Aldebaran und Ain und dem Siebengestirn (die Plejaden).

Durch diese Betrachtung ergeben sich mehrere interessante Bezüge zum Nachthimmel. Die Sterne Aldebaran und Ain werden in der Astronomie α Tauri (alpha Tauri) und ε Tauri (epsilon Tauri) genannt. Diese beiden Sterne Aldebaran und Ain stehen für die Augen des Stieres. Im 18. Jahrhundert wurde der hellste Stern des heutigen Sternbilds Stier (Taurus), Aldebaran, auch als das Ochsenauge beziehungsweise lateinischsprachig als "Oculus Tauri" bezeichnet.[18][19] Wegen seiner Farbe wird der Rote Riese auch das rote Auge des Stieres genannt.[20]

Diese beiden Sterne können auch mit dem ersten Buchstaben Aleph und dem Buchstaben Ain des bereits im zweiten vorchristlichen Jahrtausend verwendeten phönizischen Alphabets in Zusammenhang gebracht werden:[21]

Der erste Buchstabe unseres Alphabets A wird im Altgriechischen mit Alpha (groß: Α, klein: α) bezeichnet. Dieser wiederum hat seine Entsprechungen in noch älteren Alphabeten. Im Hebräischen wird er Aleph genannt und im Arabischen Alif. In der sehr alten protosinaitischen und phönizischen Sprache wurden die folgenden Schriftzeichen verwendet:

Dieser Buchstabe wird paläographisch mit dem Begriff "Ochse" beziehungsweise "Stier" in Bezug gesetzt. Die Ägypter kannten die Hieroglyphe   (F1) für "Ochsenkopf". In Anatolien wurde im 2. und 1. Jahrtausend vor Christus die luwische Hieroglyphe   für "Rind" verwendet.

Der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets Omega (groß: Ω, klein: ω) repräsentiert unseren offenen Vokal O, und es gibt ferner den griechischen Buchstaben Omikron (groß: Ο, klein: ο), der unserem geschlossenen Vokal O entspricht. Auch der Buchstabe Omikron hat seine Entsprechungen in noch älteren Alphabeten. Im Hebräischen wird er Ajin und im Arabischen wird er Ain genannt. In der sehr alten protosinaitischen und phönizischen Sprache wurden die folgenden Schriftzeichen verwendet:

Dieser Buchstabe wird paläographisch mit dem Begriff "Auge" in Bezug gesetzt. Die Ägypter benutzen für diesen Begriff die Hieroglyphe   (D4).

 
Der Sternhaufen Praesepe (Krippe, Messier 44) hat einen deutlich größeren scheinbaren Durchmesser als der Mond. Der Sternhaufen wird von den beiden Sternen Asellus Borealis (γ Cancri, nördlicher Esel) und Asellus Australis (δ Cancri, südlicher Esel) eingerahmt. Die Ekliptik verläuft entlang der roten Linie; der abnehmende Mond (oben links) befindet sich nördlich und der Planet Venus (halb rechts unten) südlich der Ekliptik. Mond und Venus stehen im Sternbild Krebs (Cancer) in Konjunktion.

In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass der Frühlingspunkt auf der scheinbaren Sonnenbahn (Ekliptik) vor 5000 Jahren zwischen den ekliptikalen Längen der beiden Sterne Aldebaran und Ain im Goldenen Tor der Ekliptik lag. Die Sonne stand zum Frühlingsbeginn, der früher auch häufig den Jahresbeginn markierte, also in Konjunktion zu diesen beiden Sternen. Während eines Sonnenjahres zog die Sonne auf ihrer kreisförmigen Bahn vom Jahresanfang bei Aldebaran bis zum Jahresende bei Ain. Alle sieben mit bloßem Auge sichtbaren Wandelgestirne ziehen entlang der Ekliptiklinie aus dem dunklen Trichter der Thuraya durch das Goldene Tor der Ekliptik in die helleren und prachtvoll leuchtenden Regionen des Sternenhimmels. Der offene Sternhaufen Krippe (Praesepe) mit den beiden Eselsternen (siehe Abbildung) im Sternbild Krebs (Cancer) liegt zwischen dem Sternbild Zwillinge (Gemini) und dem Sternbild Löwe (Leo) genau in dieser Region hinter dem Sternbild Stier (Taurus), die im Winter nachts sehr gut am südlichen Meridian zu sehen ist.

Im Christentum werden "das Alpha und das Omega" beziehungsweise "das A und O" sowie "der Anfang und das Ende" im Vers 13 aus dem 22. Kapitel der Offenbarung des Johannes auf Jesus bezogen:[22]

13 Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.

Die beiden Sterne Aldebaran (der Aleph-Stern im heutigen Sternbild Stier (Taurus)) und Ain können also nicht nur über dieses A und O mit Jesus in Verbindung gebracht werden. Über die ursprünglichen astronomischen Bedeutungen der beiden hellen Augensterne Aldebaran und Ain im Sternbild Stier (Taurus) ergibt sich ein unmittelbarer Bezug zu einem Ochsen und somit zu der frühmittelalterlichen Darstellung der Geburt von Jesus von Nazareth im Stall von Bethlehem.

Der Stamm des lateinischen Wortes "asinus" (altgriechisch ὄνος = onos) für das deutsche Wort "Esel" weist eine deutliche Ähnlichkeit zum alten Buchstaben Ain auf. Auch im französischen Wort "âne" ist dieser Wortstamm zu erkennen (altfranzösisch: asne). Der Ausruf "I-A" des Esels ähnelt in umgekehrter Reichenfolge sogar der Aussprache des Buchstaben Ain. Ob dies im frühen Mittelalter dazu geführt haben könnte, dass nicht nur der Ochse Aleph, sondern auch der Esel Ain an der Futterkrippe erschien, bleibt vorerst natürlich reine Spekulation...

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Aristoteles: Meteorology, Teil 6, Buch I, um 350 vor Christus, ins Englische übersetzt von Erwin Wentworth Webster (* 1880; † 1917)
  2. Joel 3, Einheitsübersetzung, 2016
  3. Apostelgeschichte 2, Einheitsübersetzung, 2016
  4. Offenbarung des Johannes 6, Einheitsübersetzung, 2016
  5. Kocku von Stuckrad: Das Ringen um die Astrologie: Jüdische und christliche Beiträge zum antiken Zeitverständnis, Kapitel VIII Die Astrologie im christlichen Kanon, Walter de Gruyter, 2011, ISBN 9783110818666
  6. Aristoteles: On the Heavens, Teil 12, Buch II, um 350 vor Christus, ins Englische übersetzt von John Leofric Stocks (* 1882; † 1937)
  7. Habakuk 3,10-11, Einheitsübersetzung, 2016
  8. Ernst von Bunsen: Die Überlieferung. Ihre Entstehung und Entwicklung, sechstes Kapitel "Früheste astronomische Beobachtungen", Friedrich Arnold Brockhaus, Leipzig, 1889
  9. Daniel Leon: Der ›Stern von Bethlehem‹ oder das astronomische Jahrtausend-Ereignis des Jahres 7/6 BC, Himmelskrieger, 24. Dezember 2016
  10. Herold Mönch: Der Stern von Bethlehem - Astronomische Deutungsversuche, in: Wege in der Physikdidaktik, Band 3, Verlag Palm & Enke, Erlangen, 1993
  11. Siehe auch Richard Hinckley Allen: Star Names - Their Lore and Meaning, Virgo, γ, Binary and slightly variable, 3 and 3.2, white, Dover, 1963
  12. Pseudo-Matthäusevangelium, lateinisch nach der Edition von Constantin Tischendorf, Leipzig, 1853, ins Deutsche übersetzt von Hans Zimmermann, Weihnachten 2006
  13. Jesaja 1,3a, Einheitsübersetzung, 2016
  14. Die im Gebet und Lied Habakuks enthaltene Weissagung, Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat (De civitate Dei: "De prophetia quae in oratione Ambacu et cantico continetur")
  15. Sacharja 9,9, Einheitsübersetzung, 2016
  16. Markus 1,1-11, Einheitsübersetzung, 2016
  17. Johannes12,14-15, Einheitsübersetzung, 2016
  18. Johann Elert Bode: Deutliche Anleitung zur Kenntniß des gestirnten Himmels, "Zum gemeinnützigen und beständigen Gebrauch", Seite 296, Dieterich Anton Harmsen, Hamburg, 1772
  19. Siehe auch Schlagwort "Aldebaran" in: Johann Heinrich Zedlers Grosses vollständiges Universal-Lexikon aller Wissenschaften und Künste, 1731-1754, Spalte 1095
  20. Damond Benningfield: Das rote Stierauge, Deutschlandfunk, 16. Januar 2000
  21. Ernst von Bunsen: Die Plejaden und der Thierkreis oder: Das Geheimnis der Symbole, Verlag von Mitscher und Röstell, Berlin, 1879
  22. Offenbarung des Johannes, Kapitel 22, Vers 13, bibleserver.com, Einheitsübersetzung


AnhangBearbeiten

Java-Programm zur Berechnung der ekliptikalen Koordinaten von Mond und SonneBearbeiten

Das im folgenden aufgeführte Java-Programm verwendet die Formelsätze aus dem Buch Astronomie mit dem Personal Computer von Oliver Montenbruck und Thomas Pfleger von 1989.[1]

/*
  Source file: EkliptikaleKoordinatenMondSonne.java
  Program: Bestimmung der ekliptikalen Koordinaten von Sonne und Mond
  Author: Markus Bautsch
  Licence: public domain
  Date: 23 Juni 2020
  Version: 1.0
  Programming language: Java
 */

// Diese Klasse dient zur Berechnung der ekliptikalen Koordinaten von Sonne und Mond
// für den Zeitpunkt t eines Julianischen Datums in Julianischen Jahrhunderten der Standardepoche J2000.
// Aus den ekliptikalen Längen von Mond und Sonne können Mondphase und Mondalter abgeleitet werden.
// Unter Verwendung der Formeln aus: Oliver Montenbruck, Thomas Pfleger: ''Astronomie mit dem Personal Computer'',
// Springer-Verlag Berlin Heidelberg GmbH, 1989, ISBN 978-3-662-05865-7

public class EkliptikaleKoordinatenMondSonne
{
	// Allgemeine Konstanten
	private final static double pi2 = 2 * java.lang.Math.PI; // voller Kreis im Bogenmaß
	private final static double kreisInBogengrad = 360; // voller Kreis in Bogengrad
	private final static double kreisInBogensekunden = kreisInBogengrad * 60 * 60; // voller Kreis in in Bogensekunden
	private final static double radProGrad = pi2 / kreisInBogengrad; // Umrechnungsfaktor von Bogengrad nach Bogenmaß
	private final static double arc = kreisInBogensekunden / pi2; // Umrechnungsfaktor von Bogenmaß nach Bogensekunden

	// Die Methode "fractionPart" berechnet die dezimalen Nachkommastellen des Parameters "zahl"
	public static double fractionPart (double zahl)
	{
		double fractionPart = zahl - java.lang.Math.floor (zahl);
		return fractionPart;
	}

	// Die Methode "mittlereAnomalieSonne" berechnet die mittlere Anomalie der Sonne zum Zeitpunkt "t".
	public static double mittlereAnomalieSonne (double t) 
	{
		double mittlereAnomalieSonne = pi2 * fractionPart (0.99312619 + 99.99735956 * t - 0.00000044 * t * t);
		return mittlereAnomalieSonne;
	}

	// Die Methode "mittlereAnomalieMond" berechnet die mittlere Anomalie des Mondes zum Zeitpunkt "t".
	public static double mittlereAnomalieMond (double t) 
	{
		double anomalieMond = pi2 * fractionPart (0.37489701 + 1325.55240982 * t + 0.00002565 * t * t);
		return anomalieMond;
	}

	// Die Methode "mittlereElongationMond" berechnet die mittlere Elongation des Mondes,
	// also die Differenz der mittleren Längen von Sonne und Mond, zum Zeitpunkt "t".
	public static double mittlereElongationMond (double t) 
	{
		double mittlereElongationMond = pi2 * fractionPart (0.82736186 + 1236.85308708 * t - 0.00000397 * t * t);
		return mittlereElongationMond;
	}

	// Die Methode "mittlererAbstandMondAufsteigenderKnoten" berechnet den mittleren Abstand des Mondes
	// vom aufsteigenden Knoten zum Zeitpunkt "t".
	public static double mittlererAbstandMondAufsteigenderKnoten (double t)
	{
		double mittlererAbstandMondAufsteigenderKnoten = pi2 * fractionPart (0.25909118 + 1342.22782980 * t - 0.00000892 * t * t);
		return mittlererAbstandMondAufsteigenderKnoten;
	}

	// Die Methode "korrekturLaengeMond" berechnet die Korrektur für die ekliptikale Länge des Mondes zum Zeitpunkt "t".
	public static double korrekturLaengeMond (double t) 
	{
		double mittlereAnomalieSonne = mittlereAnomalieSonne (t);
		double mittlereAnomalieMond = mittlereAnomalieMond (t);
		double mittlereElongationMond = mittlereElongationMond (t);
		double mittlererAbstandMondAufsteigenderKnoten = mittlererAbstandMondAufsteigenderKnoten (t);
		double korrekturLaengeMond =
			22640 * java.lang.Math.sin (mittlereAnomalieMond)
			-4586 * java.lang.Math.sin (mittlereAnomalieMond - 2 * mittlereElongationMond)
			+2370 * java.lang.Math.sin (2 * mittlereElongationMond)
			 +769 * java.lang.Math.sin (2 * mittlereAnomalieMond)
			 -668 * java.lang.Math.sin (mittlereAnomalieSonne)
			 -412 * java.lang.Math.sin (2 * mittlererAbstandMondAufsteigenderKnoten)
			 -212 * java.lang.Math.sin (2 * mittlereAnomalieMond - 2 * mittlereElongationMond)
			 -206 * java.lang.Math.sin (mittlereAnomalieMond + mittlereAnomalieSonne - 2 * mittlereElongationMond)
			 +192 * java.lang.Math.sin (mittlereAnomalieMond + 2 * mittlereElongationMond)
			 -165 * java.lang.Math.sin (mittlereAnomalieSonne - 2 * mittlereElongationMond)
			 +148 * java.lang.Math.sin (mittlereAnomalieMond - mittlereAnomalieSonne)
			 -125 * java.lang.Math.sin (mittlereElongationMond)
			 -110 * java.lang.Math.sin (mittlereAnomalieMond + mittlereAnomalieSonne)
			  -55 * java.lang.Math.sin (2 * mittlererAbstandMondAufsteigenderKnoten - 2 * mittlereElongationMond);
		return korrekturLaengeMond;
	}

	// Die Methode "ekliptikaleLaengeMond" berechnet die ekliptikale Länge des Mondes zum Zeitpunkt "t".
	public static double ekliptikaleLaengeMond (double t) 
	{
		double mittlereLaengeMond = fractionPart (0.60643382 + 1336.85522467 * t - 0.00000313 * t * t); // im Bogenmaß
		double differenzLaengeMond = korrekturLaengeMond (t) / kreisInBogensekunden;
		double ekliptikaleLaengeMond = pi2 * fractionPart (mittlereLaengeMond + differenzLaengeMond) / radProGrad;
		return ekliptikaleLaengeMond;
	}

	// Die Methode "ekliptikaleBreiteMond" berechnet die ekliptikale Breite des Mondes zum Zeitpunkt "t".
	public static double ekliptikaleBreiteMond (double t) 
	{
		double mittlereAnomalieSonne = mittlereAnomalieSonne (t);
		double mittlereAnomalieMond = mittlereAnomalieMond (t);
		double mittlereElongationMond = mittlereElongationMond (t);
		double mittlererAbstandMondAufsteigenderKnoten = mittlererAbstandMondAufsteigenderKnoten (t);
		double differenzLaengeMond = korrekturLaengeMond (t);

		// Korrekturelement S
		double s =
			mittlererAbstandMondAufsteigenderKnoten +
			(
				differenzLaengeMond + 412 * java.lang.Math.sin (2 * mittlererAbstandMondAufsteigenderKnoten)
				+ 541 * java.lang.Math.sin (mittlereAnomalieSonne)
			) / arc;

		// Korrekturelement H
		double h = mittlererAbstandMondAufsteigenderKnoten - 2 * mittlereElongationMond;

		// Korrekturelement N
		double n =
			-526 * java.lang.Math.sin (h)
			 +44 * java.lang.Math.sin (mittlereAnomalieMond + h)
			 -31 * java.lang.Math.sin (-mittlereAnomalieMond + h)
			 -23 * java.lang.Math.sin (mittlereAnomalieSonne + h)
			 +11 * java.lang.Math.sin (-mittlereAnomalieSonne + h)
			 -25 * java.lang.Math.sin (-2 * mittlereAnomalieMond + mittlererAbstandMondAufsteigenderKnoten)
			 +21 * java.lang.Math.sin (-mittlereAnomalieMond + mittlererAbstandMondAufsteigenderKnoten);

		double ekliptikaleBreiteMond = (18520 * java.lang.Math.sin (s) + n) / arc / radProGrad;
		return ekliptikaleBreiteMond;
	}

	// Die Methode "ekliptikaleLaengeSonne" berechnet die ekliptikale Länge der Sonne zum Zeitpunkt "t".
	public static double ekliptikaleLaengeSonne (double t) 
	{
		double anomalieSonne = mittlereAnomalieSonne (t);
		double differenzLaengeSonne =
			6893 * java.lang.Math.sin (anomalieSonne)
			+ 72 * java.lang.Math.sin (2 * anomalieSonne);
		double laenge =
			0.7859453
			+ anomalieSonne / pi2
			+ (6191.2 * t + differenzLaengeSonne) / kreisInBogensekunden;
		double ekliptikaleLaengeSonne = 
			pi2 * fractionPart (laenge) / radProGrad;
		return ekliptikaleLaengeSonne;
	}

	// Die Methode "mondphase" berechnet die Phase des Mondes zum Zeitpunkt "t" in Prozent.
	public static double mondphase (double t)
	{
		double elongation = ekliptikaleLaengeMond (t) - ekliptikaleLaengeSonne (t);
		double sinElongation = java.lang.Math.sin (elongation * radProGrad / 2);
		double mondphase = 100 * sinElongation * sinElongation;
		return mondphase;
	}

	// Die Methode "mondalter" berechnet das Alter des Mondes zum Zeitpunkt "t" in Bogengrad.
	public static double mondalter (double t)
	{
		double mondalter = ekliptikaleLaengeMond (t) - ekliptikaleLaengeSonne (t);
		while (mondalter < 0)
		{
			mondalter = mondalter + kreisInBogengrad;
		}
		return mondalter;
	}

	// Die Methode "t" berechnet den Zeitpunkt "t" des Julianischen Datums "julianischesDatum" in Bezug zur Standardepoche J2000.
	public static double t (double julianischesDatum)
	{
		final double bezugsdatum = 2451545; // Julianisches Bezugsdatum der Standardepoche J2000
		final double julianischesJahrhundert = 36525; // Anzahl der Tage in einem Julianischen Jahrhundert
		double t = (julianischesDatum - bezugsdatum) / julianischesJahrhundert;
		return t;
	}

	// Die Methode "main" dient zum Aufruf des Programms
	public static void main (java.lang.String [] arguments)
	{
		double julianischesDatum = 2458992.237; // 22. Mai 2020, 19:41:17 h:m:s MESZ
		double t = t (julianischesDatum);
		java.lang.System.out.println ("Julianisches Datum = " + julianischesDatum);
		java.lang.System.out.println ("Ekliptikale Länge  der Sonne  = " + ekliptikaleLaengeSonne (t) + "°");
		java.lang.System.out.println ("Ekliptikale Länge  des Mondes = " + ekliptikaleLaengeMond (t) + "°");
		java.lang.System.out.println ("Ekliptikale Breite des Mondes = " + ekliptikaleBreiteMond (t) + "°");
		java.lang.System.out.println ("Mondphase = " + mondphase (t) + "%");
		java.lang.System.out.println ("Mondalter = " + mondalter (t) + "°");
	}
}

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Oliver Montenbruck, Thomas Pfleger: Astronomie mit dem Personal Computer, Springer-Verlag Berlin Heidelberg GmbH, 1989, ISBN 978-3-662-05865-7