Die Himmelstafel von Tal-Qadi

Der vorliegende Text befasst sich aus astronomischer Sicht mit dem archäologischen Fund einer zirka 4500 Jahre alten Kalksteintafel aus Malta, auf der offensichtlich ein Ausschnitt des Sternenhimmels dargestellt ist.

Die Himmelstafel von Tal-Qadi in einer Vitrine des National Museum of Archaeology in Valletta (Malta).
Maßstäbliche Replik der Himmelstafel von Tal-Qadi aus Buchenholz.
In den Sternenhimmel eingepasste Himmelstafel von Tal-Qadi mit Lage der Ekliptik.

Es wird in diesem Beitrag nachgewiesen, dass die im Sternbild Stier am Goldenen Tor der Ekliptik ausgerichtete Himmelstafel von Tal-Qadi heute genauso wie vor Jahrtausenden unmittelbar zur Vermessung der ekliptikalen Breite von Mond und Planeten verwendet werden kann. Mit Hilfe derartiger Beobachtungen lassen sich nicht nur die siderische und drakonitische Periode des Mondes bestimmen, sondern auch Sternbedeckungen sowie Mond- und Sonnenfinsternisse vorhersagen. Die Himmelstafel belegt somit, über welche herausragenden astronomischen Kenntnisse und Fertigkeiten schon die neolithischen Bewohner der Insel Malta verfügten.

VorredeBearbeiten

Im Altertum konnte der Mensch den Nachthimmel nur mit bloßem Auge betrachten. Dabei hat er jedoch schon feststellen können, dass die ungefähr 5000 sichtbaren Fixsterne untereinander eine ewig feststehende geometrische Konstellation bilden, nur dass zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten immer ein etwas anderer Ausschnitt des Universums zu sehen ist.

Der Anblick unserer Galaxie in der Milchstraße, der benachbarten Andromedagalaxie oder offener Sternhaufen, allen voran der Plejaden (Messier 44), aber auch der Hyaden, der Krippe (Praesepe, Messier 44) oder des Doppelsternhaufens h Persei und χ Persei, wurde sicherlich immer schon als besonders und geheimnisvoll erfahren. Auch hell und farbig leuchtende Sterne wie die roten Riesen Aldebaran, Antares, Arktur, Beteigeuze oder Pollux sowie bläuliche Sterne wie Spica oder Wega waren schon immer auffällig. Die hellsten Fixsterne sind an wenigen Händen abzählbar und konnten nicht nur verhältnismäßig leicht ins Gedächtnis eingeprägt werden, sondern erhielten zur Identifikation oder für die Kommunikation mit anderen Menschen sogar Eigennamen.

Ferner gab es immer wieder auch heute oft noch unvorhersagbare Ereignisse, wie das Auftreten von Novae, Kometen oder Sternschnuppen, die sicherlich mythisch verarbeitet wurden. Beim Betrachten des Nachthimmels fiel den ersten Menschen gewiss schon auf, dass sieben besondere Wandelgestirne sich mehr oder weniger regelhaft und immerwährend gegenüber dem Fixsternhimmel bewegen, allen voran die Sonne und der Mond.

→ Siehe auch Exkurs Zur Sieben.

Im Laufe der Zeit ziehen die Wandelgestirne einmal mehr und einmal weniger dicht an Fixsternen vorbei und ziehen dabei auch durch Asterismen, bei denen von den Beobachtern sicherlich schon seit vielen Jahrtausenden mehrere benachbarte Sterne geometrisch in Verbindung gebracht wurden, um sie leichter wiedererkennen zu können. Manchmal treffen sich sogar zwei oder sogar mehrere von diesen Wandelgestirnen bei einer Konjunktion scheinbar an einer Stelle des Himmels.

→ Siehe auch Exkurs Konjunktionen.

Dieses merkwürdige, mystische und damals noch völlig unerklärliche Verhalten fesselte mit Gewissheit schon im Altertum einige unserer Vorfahren, und immer mehr Mythen sind daraus schließlich erwachsen.

Zwischen den Disziplinen Astronomie (altgriechisch ἄστρον und νόμος, zu deutsch: "Sterngesetz") und Astrologie (altgriechisch ἄστρον und λόγος, zu deutsch "Sternlehre") gab es im Altertum noch gar keinen Unterschied. Durch die langfristige und regelmäßige Beobachtung der Sternenhimmels ergab sich jedenfalls ein Erkenntnisgewinn, und es entstand dadurch sogar die Möglichkeit, bestimmte Konstellationen vorhersagen zu können. Daraus konnten sich das entsprechende mathematisches Vorstellungsvermögen und eine geometrische Ordnung entwickeln, die für lange Zeit allerdings nur mündlich überliefert wurden und denen heute nur mühsam und freilich immer nur unvollkommen in den zahlreichen verschiedenen Traditionen nachgespürt werden kann.

Es ist wenig verwunderlich, dass die Astronomie später im Mittelalter zusammen mit der Arithmetik, der Geometrie und der Musik zu den vier hohen Künsten des Quadriviums gehörte. Die Vorgänge am Himmel sind in der Tat recht abstrakt und komplex und nur mit umfassendem Vorwissen zu verstehen und miteinander in Bezug zu setzen. Leider geht dieses Wissen zunehmend verloren, da der Nachthimmel durch die starke Lichtverschmutzung kaum noch eine umfassende Beobachtung zulässt und das Interesse daran entsprechend abnimmt. Vielleicht tragen diese Ausführungen hier dazu bei, dass ein Interesse an der Materie geweckt wird oder die bereits vorhandenen Kenntnisse vertieft werden können.

Die Archäoastronomie ist eine vergleichsweise junge Wissenschaft, die sich insbesondere im deutschsprachigen Raum noch kaum etablieren konnte. Eventuell tragen die hier dargestellten Ergebnisse auch dazu bei, diese Disziplin ein wenig voran zu bringen sowie interessierten Kreisen die astronomischen Grundlagen für die Einordnung von archäoastronomischen Sachverhalten näher zu bringen und hierfür wichtige Aspekte darzustellen.

EinleitungBearbeiten

 
Stark zerstörter und verfremdeter Zustand der Ruine von Tal-Qadi im Jahr 2014.

Tal-Qadi auf Malta wurde bereits 4000 vor Christus von Menschen genutzt, die ersten Tempelgebäude von Tal-Qadi wurden zwischen 3300 und 3000 vor Christus gebaut und waren danach für längere Zeit in Gebrauch. Die Zeit von 3000 bis 2500 vor Christus wird die Tarxien-Phase der Insel genannt.

In der Tempelanlage wurde bei den 1927 begonnenen Ausgrabungen eine fächerartige Kalksteintafel mit Einritzungen gefunden. Die meisten Markierungen erinnern deutlich an die Darstellung von Sternen, was den Fund zu einem der ältesten archäoastronomischen Objekte macht.

Die Sterne haben in den Mythen aller Völker und zu allen Zeiten eine herausragende Stellung innegehabt. Sie wurden häufig als sich offenbarende Erscheinungsformen beziehungsweise als die himmlischen „Standorte“ von Gottheiten betrachtet. Während die Sterne des Fixsternhimmels für die Navigation von Seefahrern oder von Wüstenwanderern von großer Bedeutung waren, wurden die gegenüber dem Fixsternhimmel beweglichen Himmelsobjekte häufig für astrologische Ausdeutungen herangezogen.

In dieser Abhandlung wird der Schwerpunkt weniger auf die archäologischen Aspekte des Fundes gelegt. Die folgenden Ausführungen stellen vielmehr einen Versuch dar, die Darstellungen auf der Steintafel ausgehend von den bisherigen Befunden aus astronomischer, geometrischer und geographischer Sichtweise zu interpretieren und damit eventuell dazu beizutragen, den Fund in einen erweiterten Kontext einordnen zu können. Anhand der seit Jahrtausenden ohne Fernrohre in freier Natur zu beobachtenden Himmelserscheinungen werden viele grundlegende Begriffe der Astronomie erwähnt, erläutert und miteinander in Bezug gebracht.

Mein Herr, mir ist verwunderlich,
Dass Sie hier Ihre Zeit verschwenden
Und auf dem rechten Wege sich
Schnurstracks an die Natur nicht wenden;
Die Natur ist aller Meister Meister !
Sie zeigt uns erst den Geist der Geister,
Lässt uns den Geist der Körper sehn,
Lehrt jedes Geheimnis uns verstehn.
Ich bitte, lassen Sie sich raten !
Was hilft es, immer fremden Taten
Mit größter Sorgfalt nach zu gehn ?
Sie sind nicht auf der rechten Spur;
Natur, mein Herr ! Natur ! Natur !
Ein Liebhaber zum Schüler in "Künstlers Apotheose" (1816) von Johann Wolfgang von Goethe

Lage der Tempelanlage Tal-QadiBearbeiten

 
Reliefkarte von Malta mit der Lage von Tal-Qadi (35° 46,2′ Nord, 14° 25,2′ Ost).

Die Tempelanlage von Tal-Qadi liegt zehn Kilometer nordwestlich der maltesischen Hauptstadt Valletta im nördlichen Teil der Inselrepublik in der Nähe der heutigen Kleinstadt Sàn Pawl il-Baħar. Die Lage ist bei 35°56'12" nördlicher Breite und 14°25'14" östlicher Länge. Die Höhe über dem Meeresspiegel des Mittelmeers beträgt rund 16 Meter.

Der Ätna auf Sizilien ist bei guten Sichtverhältnissen in nördlicher Richtung über die in anderthalb Kilometer Entfernung befindliche schmale Bucht mit Salinen östlich von Sàn Pawl il-Baħar in gut 200 Kilometern sichtbar. Nur in dieser Richtung ist das Mittelmeer von der Tempelanlage aus von einem um einige Meter erhöhten Standpunkt zu sehen.

Die Ausrichtung der Tempelanlage von Westen nach Osten ist im Vergleich zu allen anderen maltesischen Tempelanlagen außergewöhnlich, da diese größtenteils entlang der Hauptachse der Insel von Nordwesten nach Südosten ausgerichtet sind. In Nord-Süd-Richtung hatte das Gebäude eine Länge von rund 30 Meter, und in Ost-West-Ostrichtung waren es etwa 25 Meter. Wo sich der Eingang des Tempels befand, lässt sich nicht mehr eindeutig feststellen.[1]

Der Azimut (Horizontalwinkel) der noch erkennbaren Achse im Tempel weist nach Osten nach 76 Bogengrad (Richtung zum Sonnenaufgang am 18. April und am 24. August) beziehungsweise in westlicher Gegenrichtung nach 256 Bogengrad (Richtung zum Sonnenuntergang am 17. Februar und am 24. Oktober).

Auf Malta gibt es aufgrund des trockenen und ausgeglichenen Mittelmeerklimas gute astronomische Beobachtungsbedingungen. Dort konnten regelmäßig Mondfinsternisse, aber immer wieder auch totale Sonnenfinsternisse beobachtet werden, wie zum Beispiel mit hoher Wahrscheinlichkeit die Sonnenfinsternis in den Morgenstunden vom 18. Mai 2146 vor Christus.[2]

Zu den besonderen, jedoch weitgehend unregelmäßigen Erscheinungen am Fixsternhimmel zählen neben Meteoren auch Supernovae und Kometen. Im Mittel war in den letzten 2000 Jahren ungefähr alle 200 Jahre eine Supernova mit bloßem Auge zu sehen. Der Komet Halley ist in China bereits im Jahr 240 vor Christus belegt.[3] Der letzte Periheldurchgang des periodischen Kometen C2020 F3 (NEOWISE) dürfte beispielsweise während der Tarxien-Phase der Insel stattgefunden haben.

Bezüge der Tempelanlage zum HimmelssystemBearbeiten

Aus der Archäologie sind verschiedene Beispiele bekannt, wie im Altertum Himmelsrichtungen ermittelt sowie die Auf- und Untergänge von Gestirnen bestimmt und vorhergesagt werden konnten. Genannt seien exemplarisch die Kreisgrabenanlage von Goseck in Sachsen-Anhalt (4900 vor Christus)[4], die Tempelanlagen in Mnajdra auf Malta (um 3500 vor Christus), die Himmelsscheibe von Nebra (um 2000 vor Christus) oder das Belchen-System der Kelten in den Vogesen, bei dem vom Elsässer Belchen aus gesehen die vier anderen, weiter östlich gelegenen Belchen der Region in Bezug auf die Sonnenaufgänge eine Kalenderfunktion haben.[5]

Von der Tempelruine Tal-Qadi aus gesehen befindet sich in Richtung Westen (270 Bogengrad, die Richtung zum Sonnenuntergang bei Frühlings- und Herbstanfang) die gut erkennbare Schneise eines natürlichen Tals, in Richtung Osten liegt ein über 50 Meter hoher Hügel, der den Horizont verdeckt.

Für die Orientierung am Nachthimmel war und ist in der nördlichen Hemisphäre der Himmelsnordpol ein wichtiger Bezugspunkt. Der Polarstern war im Altertum wegen der Präzession der Erdachse noch nicht an der Stelle des Himmelsnordpols und konnte daher nicht unmittelbar zur Bestimmung der Nordrichtung herangezogen werden. Diese kann von der Tempelanlage aus allerdings leicht durch die Anvisierung der Meeresbucht in Richtung des Ätna identifiziert werden. Dies war umso einfacher, wenn der Vulkan aktiv war und eine große, weit sichtbare Rauchsäule erzeugte, und sogar nachts, wenn die entsprechende Feuersäule wahrnehmbar war. Derartige Ereignisse sind in den Überlieferungen aus dem Altertum zur geographischen Orientierung belegt, wie zum Beispiel beim Auszug der Israeliten aus der Sklaverei des Pharaos in Ägypten etwa zwischen 1500 und 1000 vor Christus (vergleiche Exodus 13,21+22).

Die KalksteintafelBearbeiten

BeschreibungBearbeiten

 
Skizze der Einritzungen auf der Himmelstafel von Tal-Qadi nach dem Institute for Studies of the Study of the Ancient World der New York University.[6]

Die Tafel befindet sich im National Museum of Archaeology in Valletta.[7]

Es ist unklar, ob die gefundene Kalksteintafel weitgehend vollständig ist oder nur ein Fragment einer größeren Platte ist, allerdings sind einige Seiten auffällig gerade und glatt gearbeitet.[8] Die Kalksteintafel hat die Form eines unregelmäßigen Sechsecks, ist 29 Zentimeter breit, 24 Zentimeter hoch und ungefähr 5 Zentimeter dick. Kalkstein hat keine große Härte und kann daher leicht bearbeitet und geritzt werden, und so sind auf der ebenen Oberfläche zahlreiche Symbole und graphische Elemente dargestellt. Allerdings gibt es auch viele natürliche Unebenheiten, und es kann nicht an allen Stellen eindeutig erkannt werden, ob die Oberfläche natürliche, bewusst von Menschenhand gemachte, unbeabsichtigte oder auf Beschädigungen zurückzuführende Strukturen aufweist. Die Provenienz der Steintafel ist offenbar noch nicht untersucht worden, wie zum Beispiel anhand der chemischen Analyse der Zusammensetzung des Gesteins.

Entsprechend der Abmessungen ergibt sich für die Steintafel eine Fläche von knapp 500 Quadratzentimetern. Mit einer Dichte von 2,7 bis 2,9 Gramm pro Kubikzentimeter für Kalkstein[9] beträgt die Masse der Tafel also rund sechs Kilogramm. Damit ist sie portabel und kann mit einem entsprechenden Kraftaufwand für einige Minuten in den Händen gehalten werden.

Die Darstellung wird durch vier gerade Linien strahlenförmig in fünf ungefähr gleichgroße Segmente mit einem Winkel von jeweils gut 20 Bogengrad geteilt. Die Linien haben einen gemeinsamen Schnittpunkt etwas außerhalb der Tafel und gehen dabei radial von dem Eckpunkt links der längsten und geraden Kante aus. In den jeweils zwei Segmenten links und rechts sind sternförmige Symbole dargestellt. Im linken Segment ist ein einzelnes Sternsymbol erkennbar, in den drei anderen mehrere Sternsymbole. Das mittlere Segment zeigt eine halbkreisförmige Figur, deren gerade Kante senkrecht auf der Richtung zum Zentrum der Radialstrahlen und auf der Seite zu diesem Zentrum liegt. Die beiden rechten Segmente werden von einer deutlich stärker ausgeprägten Furche durchquert.

InterpretationBearbeiten

Der italienische Archäologe Luigi Maria Ugolini (* 1895; † 1936) mutmaßte bereits 1934, dass die Steintafel eine astrologische Funktion hätte und dass darauf Sterne und eine Mondsichel zu sehen seien.[10]

Schon früh sind die drei dargestellten Sterngruppen mit Sternzeichen in Verbindung gebracht worden. Es wurde gemutmaßt, dass die drei Sterngruppen für die drei Sternzeichen Skorpion, Jungfrau und Löwe stehen, oder dass die vorhandene Tafel lediglich ein Fragment einer größeren Tafel sei, die einen Mondphasenkalender dargestellt hat. Das Symbol im mittleren Segment wurde hierbei mit einem Halbmond in Zusammenhang gebracht.[1]

Es besteht die Möglichkeit, dass die auf der Himmelstafel dargestellte Himmelsregion mit den dann und dort untergehenden Gestirnen damals vom Tempel von Tal-Qadi aus insbesondere abends und in westlicher Richtung beobachtet wurde.[11]

 
Moderne künstlerische Untermalung des Nachthimmels mit Ausschnitten der benachbarten Sternbilder Orion und Stier. Links unten der Arm und der Bogen vom Jäger Orion und in der Mitte der Kopf des Stieres mit Aldebaran und den Hyaden sowie der Rumpf des Tieres mit den Plejaden weiter oben rechts. Der Stern Omikron Tauri (ο Tauri) liegt rechts unten in der linken Vorderhufe, und die beiden Sterne Tien Kuan (ζ Tauri) und Elnath (β Tauri) liegen links oben in den Spitzen der Hörner. Oberhalb der Plejaden am Bildrand ist ein Fuß des Sternbilds Perseus mit den beiden Sternen ζ Persei und Atik (ο Persei) zu sehen.

Neueren Untersuchungen des Archäologen Peter Kurzmann zu Folge könnte es sich bei den sieben sternförmigen Darstellungen direkt links der Mitte um den Stern Aldebaran (α Tauri) mit den zum offenen Sternhaufen der Hyaden gehörigen Sternen γ, δ, ε und θ Tauri im heutigen Sternbild Stier (Taurus) sowie den beiden Spitzen der Stierhörner und Tien Kuan (ζ Tauri) und Elnath (β Tauri) handeln.[12]

Der Stern ε Tauri wird auch Ain genannt. Die beiden Sterne Aldebaran und Ain stehen für die Augen des Stieres, und es ist interessant darauf hinzuweisen, dass Aldebaran und Ain nicht nur die astronomischen Namen α Tauri (alpha Tauri) und ε Tauri (epsilon Tauri) haben, sondern dass sie auch mit dem ersten Buchstaben Aleph   und dem Buchstaben Ain   des bereits im zweiten vorchristlichen Jahrtausend verwendeten phönizischen Alphabets in Zusammenhang gebracht werden können.[13] Im später eingeführten hebräischen Alphabet entsprechen diese dem ersten Buchstaben Aleph und dem Buchstaben Ajin (zu deutsch "Auge"). Diese Buchstaben tauchen auch im eng verwandten paläohebräischen Alphabet als Aleph und Ayin auf.

Die Konstellation rechts der Mitte könnten die sieben Hauptsterne des offenen Sternhaufens der Plejaden, ebenfalls zum Sternbild Stier gehörig, sowie ganz rechts das nördlich angrenzende Sternbild Perseus darstellen. Der einzelne Stern links wurde mit einem der drei hellsten Sterne des nördlichen Sternhimmels südlich der genannten Sternhaufen in Verbindung gebracht:[12]

  • Der markante Rote Überriese Beteigeuze im Sternbild Orion (α Orionis), die Schulter des Himmelsjägers (auch als linker Schulterstern bezeichnet, weil er vom Betrachter aus links oben ist).
  • Der hellste Stern im Sternbild Orion Rigel (β Orionis), der gegenüberliegende Fuß des Himmelsjägers.
  • Der hellste Stern des Sternhimmels Sirius (α Canis Majoris) im Hals- und Kopfbereich des Sternbilds Großer Hund (Canis Major).

In einer weiteren Untersuchung von Peter Kurzmann wird darauf hingewiesen, dass die Kanten der Steintafel nicht gebrochen, sondern bearbeitet und teilweise recht gerade sind, so dass davon ausgegangen werden kann, dass die Geometrie der Steintafel beabsichtigt ist und dass es sich nicht um ein Bruchstück aus einer größeren Tafel handeln dürfte. Eine in der Tafel erkennbare fünfeckige Struktur hat Ähnlichkeiten mit den Grundrissen maltesischer Tempel.[8]

Auch in einer anderen Tempelanlage auf Malta, im Südtempel von Mnajdra, haben sich Hinweise auf die mögliche Beobachtung der Plejaden im Altertum gefunden.[14]

Andere Forscher gehen davon aus, dass das halbkreisförmige Symbol eine Vogelbarke sei, mit der die Bewohner Maltas damals das Mittelmeer befahren hätten. Die Sternkonstellationen seien Abbilder der Adria-Region, des östlichen Mittelmeers und des Schwarzen Meers.[15] Folgt man diesem Ansatz, liegt die Basis der Steintafel nicht im Zentrum der Strahlen, sondern genau gegenüber, damit die Barke richtig, nämlich im Wasser schwimmend ausgerichtet wäre. Es wird mit Verweis auf Isaac Newtons Schrift The Chronology of Ancient Kingdoms Amended[16] davon ausgegangen, dieser hätte postuliert, dass Sternbilder zur Navigation verwendet wurden. In der Chronik finden sich zwar Verweise auf die Navigation mit Sternen und auf die Verwendung von Sternbildern im Altertum, jedoch betrifft dies weder die Zeit vor 4500 Jahren noch werden Navigation und Sternbilder von Newton in eine direkte Beziehung gebracht. Vielmehr weist er nur darauf hin, dass im Altertum zur Navigation die Auf- und Untergänge (Morgenerst und Morgenletzt beziehungsweise Abenderst und Abendletzt) einzelner Gestirne beobachtet wurden (auch heliakische und akronychische Auf- und Untergänge genannt). Von Übereinstimmungen von Sternbildern mit geographischen Gegebenheiten ist bei Newton ebenfalls keine Rede.[17]

Im Folgenden werden einige der erwähnten Himmelsobjekte sowie einige astronomische Sachverhalte etwas näher beschrieben und in Zusammenhang gebracht.

Die PlejadenBearbeiten

Die Plejaden sind nach dem Mond und den fünf mit bloßem Auge sichtbaren Planeten, das auffälligste Objekt am Nachthimmel. Sie gehören zu einem offenen Sternhaufen und sind unserem Sonnensystem zwar nicht so groß und so nah wie der Sternhaufen der nur 153 Lichtjahre entfernten Hyaden, mit einer Entfernung von rund 400 Lichtjahren sind sie dennoch nah genug, dass einzelne der helleren Sterne mit bloßem Auge unterschieden werden können.

Der offene Sternhaufen der Plejaden besteht aus über eintausend Sternen, von denen die hellsten sieben Hauptsterne im Folgenden aufgelistet sind:

Die sieben Hauptsterne der Plejaden
Eigenname Scheinbare
Helligkeit
Alkione 3,0m
Atlas 3,5m
Electra 3,5m
Maia 4,0m
Merope 4,0m
Taygeta 4,0m
Pleione ≈5,0m
Anmerkung: Die numerische Größenklasse der scheinbaren Helligkeit wird durch ein nach- und hochgestelltes m (für magnitudo beziehungsweise kürzer auch mag) gekennzeichnet. Eine um eine Größenklasse höhere Zahl, bedeutet eine Abnahme der scheinbaren Helligkeit um einen Faktor von rund 2,5. Der Helligkeitsunterschied zwischen dem hellsten Stern des Nachthimmels Sirius (-1,5m) und den dunkelsten gerade noch mit unbewaffnetem Auge sichtbaren Sternen (6m) beträgt demzufolge einem Verhältnis von 1000 zu 1. Die scheinbare Helligkeit sagt nichts über die Größe, Entfernung oder absolute Helligkeit eines Sternes aus.

→ Siehe auch Exkurs Zur Sieben.

Zwei weitere, etwas dunklere Sterne des Sternhaufens haben ebenfalls Eigennamen, nämlich Celaeno (5,5m) und Asterope (6,0m). Alle weiteren sichtbaren Sterne sind deutlich dunkler. Für den Sternhaufen resultiert insgesamt eine scheinbare Helligkeit von ungefähr 1,5m.

SichtbarkeitBearbeiten

Die Plejaden stehen von Malta aus gesehen heute sowohl am 20. Mai (in Konjunktion zur Sonne sind sie dann unsichtbar) als auch am 18. November (in Opposition zur Sonne und um Mitternacht mit einer Höhe von 78 Bogengrad sehr hoch über dem südlichen Horizont) im Meridian. Der Meridian ist der gedachte Großkreis, der sowohl durch die beiden Himmelspole als auch durch den Zenit und den Nadir läuft. Im Winter und im Frühjahr sind die Plejaden am Abendhimmel in westlicher Richtung und im Sommer und im Herbst am Morgenhimmel in östlicher Richtung zu beobachten.

Die folgende Tabelle gibt die Zeitpunkte der ersten und letzten zu beobachtenden Auf- und Untergänge der Plejaden an; heliakisch bedeutet hierbei "zur Sonne gehörend", also in Nähe zur aufgehenden Sonne. Diese muss allerdings unter dem Horizont stehen, und der Abstand zur Sonne (also die Elongation) muss mehr als 18 Bogengrad betragen, damit das in der Atmosphäre gestreute Sonnenlicht die Plejaden nicht überstrahlt. Die akronychischen, also "am Rand der beginnenden Nacht" befindlichen Aufgänge (Abenderst) sowie die heliakischen Untergänge (Morgenletzt), spielen für Fixsterne (und somit auch für die Plejaden) keine Rolle, da diese im Gegensatz zum Mond, zu den Planeten und zu Kometen in den Nächten zwischen Morgenerst und Abendletzt immer zu sehen sind:

Die Lage der Plejaden am Sternenhimmel
Ereignis Astronomische Bezeichnung Zeitpunkt Richtung
Abendletzt Akronychischer Untergang 30. April Westen, am Horizont
Sonnennähe Konjunktion zur Sonne 20. Mai Am Mittag im Süden, dicht am Zenit
Morgenerst Heliakischer Aufgang 10. Juni Osten, am Horizont
Sonnenferne Opposition zur Sonne 18. November Um Mitternacht im Süden, dicht am Zenit

Der Zeitpunkt des heliakischen Aufgangs der Plejaden in Bezug auf die durch die Mondphasen bestimmten zwölf Monate machte diese im babylonischen Lunisolarkalender zu einem Kalendergestirn. Wenn der Aufgang sich bis in den dritten Kalendermonat (Simanu) verschoben hatte, wurde ein dreizehnter Schaltmonat eingelegt, womit die Kalendermonate wieder mit dem Frühlingsbeginn des Sonnenjahrs synchronisiert werden konnten.

Auch die neuseeländischen Māori orientierten sich am heliakischen Aufgang der Plejaden, um den Termin des Neujahrs festzulegen und mit der Aussaat zu beginnen.

Die Plejaden gehen heute von Malta aus gesehen ungefähr 7 Bogengrad nördlich der Ekliptik auf und 31 Bogengrad nördlich der Ekliptik unter. Die Plejaden gehen auf Malta daher bei einem Azimut von 59 Bogengrad im Osten auf und bei einem Azimut von 301 Bogengrad im Westen unter.

Vom Elsässer Belchen aus gesehen gehen die Plejaden heute beispielsweise immer über dem Kleinen Belchen auf, wo auch die Sonne bei der Sommersonnenwende aufgeht. Am 1. Mai, also an dem Tag, an dem die Plejaden in unserer heutigen Zeit in der maltesischen Abenddämmerung verschwunden sind, geht sie genau über dem höchsten Berg der Vogesen, dem Großen Belchen auf. Dieser wurde vermutlich dem keltischen Lichtgott Belenus geweiht, dessen Feiertag Beltane auf den 1. Mai fällt. Der Schwarzwälder Belchen befindet sich exakt in östlicher Richtung, also auf dem gleichen Breitengrad wie der Elsässer Belchen (47,82° nördliche Breite). An den beiden Tagen der Tag-und-Nacht-Gleiche beim Frühlings- und Herbstanfang gehen Himmelsobjekte, die sich in der Nähe des Frühlings- beziehungsweise des Herbstpunktes der Sonne befinden (also auch die Plejaden, die sich vor 4500 Jahren dort befanden), vom Elsässer Belchen aus gesehen genau im Osten über dem Schwarzwälder Belchen auf beziehungsweise vom Schwarzwälder Belchen aus gesehen genau im Westen über dem Elsässer Belchen unter.[18]

Darstellungen im AltertumBearbeiten

Die Plejaden sind vermutlich auf der Himmelsscheibe von Nebra aus der frühen Bronzezeit (um 2000 vor Christus) als sieben goldene Scheibchen abgebildet. In Mesopotamien sind sie auf den Keilschrifttafeln der Astrolab B Kalender verzeichnet. Aber auch das 1891 in Allach bei München gefundene keltische Eisenschwert aus dem dritten Jahrhundert vor Christus ist mit goldenen Tauschierungen ausgeführt, die die Plejaden zeigen.[19]

Es wird auch diskutiert, ob die Plejaden innerhalb des Sternbilds Stier (Taurus) bereits in den steinzeitlichen Zeichnungen in der Höhle von Lascaux dargestellt sind.[20][21]

Auch auf dem bronzezeitlichen Diskos von Phaistos von der Insel Kreta taucht mehrfach ein Symbol mit sieben Punkten auf, das mit den Plejaden in Verbindung gebracht wurde.[22]

Ähnliche Vermutungen gibt es für eine Anordnung von sieben Löchern beim Kalenderstein von Leodagger in Niederösterreich.[23]

ÜberlieferungenBearbeiten

Die Plejaden hatten in vielen Kulturen also eine besondere Bedeutung und tauchen häufig in bildlichen Darstellungen auf. Sie sind ein Kalendergestirn, nach dessen Auf- und Untergängen schon im Altertum landwirtschaftliche und seefahrerische Tätigkeiten ausgerichtet wurden, wie es zum Beispiel schon bei den griechischen Dichtern Hesiod um 700 vor Christus oder Aratos von Soloi (* zirka 310 vor Christus; † 245 vor Christus) belegt ist. Der Name Plejaden geht auf die sieben Töchter des Titanen Atlas und seiner Gattin, der Okeanide Pleione, aus der griechischen Mythologie zurück. Sie heißen: Alkyone, Halcyone, Asterope (oder Sterope), Kelaino, Maia, Merope und Taygete.

Die Plejaden werden im Deutschen auch Siebengestirn genannt, was den unmittelbaren Bezug zur magischen, mystischen und göttlichen Zahl Sieben herstellt.[24]

Für die Plejaden sind zahllose Synonyme im Gebrauch:[25][26][27][28]

Regensterne, Schiffersterne, Buschelsterni, Staubkörner, Sieb, Glucke, Henne, Tauben, Weintraube, Frühlingsjungfern, Sieben Schwestern, Töchter des Atlas (auch Atlantiden, Atlantiaden), ...

In den meisten Sprachen hatten und haben sie einen Eigennamen:

althochdeutsch thaz sibunstirri (das Siebenstirn), polnisch baby (alte Weiber), russisch baba (altes Weib), japanisch Subaru (Versammlung), türkisch Ülker, aztekisch Tianquiztli (Marktplatz), sumerisch Mul-Mul (Sterne), akkadisch Zappu (Haufen), lateinisch Vergiliae (Geflecht), griechisch heptasteros (Siebenstern), arabisch Al-Thurayya (Kronleuchter oder die vielen Kleinen)[29], hebräisch Kimah (Häuflein), indisch Krittika (sechs Nymphen, die ihren Sohn, den hinduistischen Gott Karttikeya, aufzogen), australisch Mormodellick[13], maorisch Matariki, polynesisch Matarii (Gesellschaftsinseln)[13], hawaiisch Makaliʻi, aragonesisch As Crabetas, walisisch Twr Tewdws, finnisch Seulaset (Siebchen oder Siebengestirn), ...

Im Alten Testament wird der Sternhaufen drei Mal erwähnt: Das 9. Kapitel „Gottes Macht und die Ohnmacht des Menschen“ des Buches Hiob erwähnt die vier auffälligsten Sternkonstellationen im 9. Vers: „Er macht das Sternbild des Bären, den Orion, das Siebengestirn, die Kammern des Südens.“ Im 31. Vers des 38. Kapitels heißt es dann: "Knüpfst du die Bande des Siebengestirns oder löst du des Orions Fesseln ?" Im Buch des Propheten Amos im Kapitel 5, Vers 8 heißt es zu den beiden benachbarten Konstellationen: „Er hat das Siebengestirn und den Orion erschaffen; er verwandelt die Finsternis in den hellen Morgen, er verdunkelt den Tag zur Nacht.“

Der Begriff Quarantäne (von französisch „quarantaine de jours“ = „vierzig Tage“) hängt mit den Plejaden zusammen, da diese in den subtropischen Breiten (heute) vom 1. Mai bis zum 9. Juni, also vierzig Tage lang, von der Sonne überstrahlt werden und dann selbst der hellste Stern dieser Konstellation, Alkione (η Tauri), mit bloßem Auge erst kurz nach Sonnenuntergang nicht mehr und dann kurz vor Sonnenaufgang noch nicht wieder gesehen werden kann. Das sternkundige Volk der Babylonier soll bei der Wiederkehr der Plejaden am Morgenhimmel aus Freude darüber vierzig Schilfrohre abgebrannt haben.

Nach der Unsichtbarkeit der Plejaden begann im alten Ägypten vierzig Tage lang das Nilwasser zu steigen und ebenso lange wieder zu fallen.[30]

Noah öffnete nach vierzig Tagen das Fenster seiner Arche[31], und Moses verbrachte vierzig Tage auf dem Gottesberg Sinai.[32] Es ist vor diesem Hintergrund nicht verwunderlich, dass im Neuen Testament Jesus dann auch vierzig Tage in der Wüste fastet[33][34][35], weswegen es in der österlichen Bußzeit heute ebenfalls vierzig Fastentage gibt.

Die Inuit erzählen sich die Legende, dass ein großer Bär die Menschheit bedrohte und von Hunden an den Himmel verjagt wurde. Die Hundemeute würde als die Plejaden diesen Bären heute weiterhin verfolgen.[27]

Die australischen Ureinwohner der Loritja erzählen sich, dass sieben Mädchen während der Unsichtbarkeit der Plejaden auf die Erde kommen und einen Feuertanz aufführen.[36]

Im Zusammenhang mit der Tatsache, dass der Kuckuck im Frühsommer aufhört zu singen und dass die Plejaden in den Breitengraden der klimatisch gemäßigten Zonen dann deutlich länger nicht zu sehen sind, gibt es eine deutsche Sage über einen hartherzigen Bäcker, der bis zur Sommersonnenwende 72 Tage lang vergeblich nach seiner Frau und seinen Töchtern ruft. In dieser Sage es heißt:

Vom Ursprung der Plejaden wird erzählt: Christus ging an einem Bäckerladen vorüber, wo frisches Brot duftete und sandte seine Jünger hin, ein Brot zu erbitten. Der Bäcker schlug es ab, doch von Ferne stand die Bäckersfrau mit ihren sechs Töchtern und gab das Brot heimlich. Dafür sind sie als Siebengestirn an den Himmel versetzt, der Bäcker aber ist zum Kuckuck geworden und so lange er Frühjahrs ruft, von Tiburtii (Anmerkung: Namenstag Tiburtii von Rom ist der 14. April) bis Johannis (Anmerkung: Namenstag Johannes' des Täufers ist der 24. Juni (Johannistag)), ist das Siebengestirn am Himmel [nicht] sichtbar.[25]

In norddeutschen und ostpreußischen Sagen gibt es Varianten dieser Geschichte, bei denen der Kuckuck die geflüchteten Familienangehörigen nicht zurückrufen kann beziehungsweise deren Rache fürchtet.[26]

Astronomische BezugssystemeBearbeiten

 
Eine historische Armillarsphäre im Historischen Museum in Basel mit drei beweglichen Ringen, die die drei astronomischen Ebenen des Horizonts, des Himmelsäquators und der Ekliptik beschreiben. Mit einfachen Ausführungen von solchen Armillarsphären beobachteten schon die Babylonier in der Antike das Geschehen am Nachthimmel.
 
Beziehung zwischen horizontalem und äquatorialem Koordinatensystem.

Bei der unmittelbaren Beobachtung der Bahnen der Fixsterne gibt es zwei natürliche Bezugssysteme, nämlich das horizontale und das äquatoriale. Für die Beobachtung der sieben gegenüber dem Fixsternhimmel beweglichen Wandelgestirne ist es sinnvoll, neben der Horizontebene und der Äquatorebene eine weitere Ebene einzuführen, nämlich die Ekliptikebene.

Der HorizontBearbeiten

Das horizontale Koordinatensystem entspricht der täglichen Erfahrung der Umwelt, da die beiden Augen des Menschen in der Regel horizontal nebeneinander ausgerichtet sind. Ein Stein fällt im Horizontsystem immer senkrecht von oben nach unten in Richtung Erdmittelpunkt. Es ist das am häufigsten verwendeten Koordinatensystem für die Orientierung im Alltag. Der ideale Horizont ist eine Kreislinie, in deren Mittelpunkt der Beobachter steht. Die Lotrichtung steht senkrecht auf dem entsprechenden Kreis, und daher hat jeder Punkt auf der Erdoberfläche ein anderes Horizontsystem, in welchem zu jedem Zeitpunkt einen anderen Ausschnitt des Himmels gesehen werden kann.

Für die Angabe von Richtungen werden die Himmelsrichtungen Norden, Osten Süden und Westen verwendet. In Bezug auf die Nordrichtung oder alternativ in Bezug auf die Südrichtung kann auch der Azimut als rechtsläufiger Winkel   angegeben werden, wobei bei Bezug auf Norden die Nordrichtung 0 Bogengrad entspricht, die Ostrichtung 90 Bogengrad, die Südrichtung 180 Bogengrad und die Westrichtung 270 Bogengrad.

Die Höhe über dem Horizont wird als Höhenwinkel   von 0 bis 90 Bogengrad angegeben, wobei 0 Bogengrad auf dem Horizont und 90 Bogengrad senkrecht über dem Beobachter im Zenit liegt. Negative Winkel liegen unter dem Horizont, und der Nadir liegt exakt unter dem Beobachter bei einem Höhenwinkel von -90 Bogengrad. Der Meridian ist der Großkreis, der durch den Nord- und Südpunkt sowie durch Zenit und Nadir geht.

Durch die Rotation der Erde ändert sich das Horizontsystem im Bezug zum Fixsternhimmel permanent.

Die HimmelspoleBearbeiten

Bei nächtlichen Beobachtungen der Fixsterne fällt auf, dass diese sich innerhalb eines siderischen (von lateinisch sideris = des Sterns, also auf den Fixsternhimmel bezogenen) Tages von knapp 24 Stunden immer auf dem gleichen Kreis von Osten nach Westen einmal um die Himmelspole drehen und danach im Bezug zum Horizontsystem wieder an der gleichen Stelle stehen. Ein siderischer Tag dauert hierbei ungefähr vier Minuten kürzer als ein Sonnentag, weil die Sonne sich bezogen auf den Fixsternhimmel scheinbar - bedingt durch den Umlauf der Erde um die Sonne - täglich um ein kleines Stück nach links bewegt. Nach einem Jahr summiert sich diese Differenz zu einem ganzen Tag, so dass sich jeder beliebige Stern nach einem Sonnenjahr zur gleichen Tageszeit auf- und untergeht beziehungsweise sich zu den gleichen Tageszeiten an der gleichen Stelle im Horizontsystem beziehungsweise in der entsprechenden Himmelsrichtung befindet. Dies kann durch die folgenden überschlägigen Rechnungen leicht nachvollzogen werden:

 
 
 

Der nördliche Himmelspol ist heute leicht durch den Polarstern (Polaris) im Kleinen Bären (Ursa minor) zu finden, der die ganze Nacht (und den ganzen Tag) an derselben Stelle ziemlich genau im Norden des horizontalen Bezugssystems liegt. Alle anderen Sterne verändern im horizontalen Bezugssystem ständig ihre Lage.

Die Sterne in der Nähe des sichtbaren Himmelspols sind für einen bestimmten Beobachtungspunkt immer über dem Horizont und werden zirkumpolare Sterne genannt. Die zirkumpolaren Sterne des gegenüberliegenden, nicht sichtbaren Himmelspols sind nie zu sehen. Am Nordpol und am Südpol der Erde sind alle Sterne der jeweiligen Hemisphäre zirkumpolar, auf dem Äquator der Erde ist es keiner. Wegen der Neigung der Ekliptik ist von überall auf der Erde aus gesehen kein einziges ekliptikales Sternbild der Lebewesenkreiszeichen vollständig zirkumpolar.

Alle sichtbaren Sterne, die nicht zirkumpolar sind, gehen im Verlauf eines Vierundzwanzigstundentages irgendwann am östlichen Horizont auf und am westlichen Horizont unter. Die Sterne genau in der Mitte zwischen den beiden Himmelspolen liegen auf dem Himmelsäquator, und sie beschreiben den größten Tageskreis am Himmel, der jeweils exakt 180 Bogengrad über dem und unter dem Horizont verläuft.

Die beiden Winkel im äquatorialen Koordinatensystem, die die Lage eines beliebigen Himmelskörper definieren, sind der Stundenwinkel   oder die Rektaszension   entlang des Himmelsäquators und die Deklination   senkrecht dazu in Richtung der Himmelspole, nach Norden positiv und nach Süden negativ. Der Stundenwinkel eines Himmelsobjekts entspricht der Zeit, die seit dem letzten Durchgang des betreffenden Himmelsobjekts durch den Meridian vergangen ist, und Stundenwinkel und Rektaszension werden daher meist in Stunden angegeben. Die Rektaszension wird allerdings auf den Frühlingspunkt bezogen, der sich zum Frühlingsanfang in der Sonnenmitte befindet. Die Rektaszension und die Deklination aller Fixsterne sind abgesehen von deren geringfügiger Eigenbewegung und der Verschiebung des Frühlingspunktes durch die sehr langsame Präzession der Erdachse innerhalb von wenigen Jahren praktisch konstant und werden daher in Sternenkatalogen angegeben. Die größte Differenz von Deklinationen gleichzeitig sichtbarer Himmelsobjekte wird immer in südlicher Richtung auf dem Meridian erreicht die kleinste Differenz in nördlicher Richtung auf dem Meridian.

Die Polhöhe   ist der kleinste Winkel zwischen dem Horizont und einem Himmelspol entlang des Meridians, der genau der geographischen Breite des entsprechenden Beobachters auf der Erdkugel entspricht. Der Winkel zwischen Zenit und Himmelspol ergänzt die Polhöhe zu einem rechten Winkel mit 90 Bogengrad und entspricht gleichzeitig der Neigung zwischen Horizontalebene und Äquatorialebene. Beide Bezugssysteme teilen sich sowohl den Ostpunkt als auch den Westpunkt. Am Nordpol ist die Polhöhe +90 Bogengrad, am Südpol ist sie -90 Bogengrad, und auf dem Äquator beträgt sie 0 Bogengrad.

Der FrühlingspunktBearbeiten

 
Die um   geneigte Lage der kreisbogenförmigen Ekliptik in Bezug zum Himmelsäquator mit seinem äquatorialen Koordinatensystem mit den Koordinaten   (Rektaszension) und   (Deklination), die hier für die ekliptikale Länge   dargestellt sind.

Der Frühlingspunkt (Äquinoktialpunkt) hatte und hat eine herausragende Bedeutung in der Himmelskunde. Wenn die Sonne (und mit ihr ein gleichzeitig auftretender Neumond) im Frühlingspunkt steht, geht sie zum Frühlingsanfang dort überall auf der Erde morgens um 6 Uhr Ortszeit genau im Osten auf und abends um 18 Uhr Ortszeit exakt im Westen unter. Da der Vollmond von der Erde aus gesehen der Sonne immer gegenübersteht, steht ein Vollmond, der zum Frühlingsanfang auftritt, gegenüber dem Frühlingspunkt im Herbstpunkt und geht abends gegen 18 Uhr im Osten auf und morgens gegen 6 Uhr im Westen unter.

Umgekehrt steht die Sonne (und mit ihr ein gleichzeitig auftretender Neumond) zum Herbstanfang im Herbstpunkt und geht dort überall auf der Erde morgens um 6 Uhr Ortszeit genau im Osten auf und abends um 18 Uhr Ortszeit exakt im Westen unter. Ein gleichzeitig auftretender Vollmond befindet sich dann in der Nähe des Frühlingspunktes und geht morgens um 6 Uhr Ortszeit im Osten auf und abends um 18 Uhr Ortszeit im Westen unter.

 
Die Wanderung des Frühlingspunktes entlang der Ekliptik.

Bedingt durch die Präzession der Erdachse verändern sich im Zyklus von 25800 Jahren nicht nur die Lage der Himmelspole entlang einer Kreisbahn, sondern auch der Frühlingspunkt. Er durchwandert in dieser Zeit in westlicher Richtung genau einmal die gesamte Ekliptik mit ihren 360 Bogengrad. In jedem der zwölf Sternbilder entlang dieses Zodiaks mit einem Winkel von 30 Bogengrad pro Sternzeichensegment liegt er also für 2150 Jahre. Anders ausgedrückt: der Frühlingspunkt verschiebt sich in einhundert Jahren um 1,4 Bogengrad, in zehn Jahren um 8,4 Bogenminuten beziehungsweise pro Jahr um 50 Bogensekunden nach Westen. Die Lage der Ekliptik im Bezug auf den Fixsternhimmel bleibt jedoch unverändert.

→ Zum Zodiak und zur Zahl Zwölf siehe auch Exkurs Zur Zwölf.

Von vor 4500 Jahren bis heute ist der Frühlingspunkt vom Sternbild Stier (Taurus) gut 60 Bogengrad nach Westen gewandert, so dass dieses Sternbild zum Frühlingsanfang heute nicht mehr gleichzeitig mit der Sonne, sondern erst gut vier Stunden nach der Sonne untergeht und daher abends im Westen gut sichtbar ist, weil die Sonne sich vor dem Untergang der Hyaden und Plejaden bereits deutlich unter dem Horizont befindet. Vor rund 3000 Jahren befand sich der Frühlingspunkt dann schon im Sternbild Widder (Aries) und heute bereits im Sternbild Fische (Pisces).

Dieses Wanderverhalten war bereits in der Antike bekannt, und wurde von dem chaldäischen Gelehrten Kidinnu (* vermutlich um 400 vor Christus; † vermutlich 330 vor Christus) dargestellt. Nikolaus Kopernikus erkannte und benannte vor 500 Jahren die Präzession der Erdachse als Ursache für die Wanderung des Frühlingspunktes, und erst Friedrich Wilhelm Bessel konnte die Präzessionskonstante mit hoher Genauigkeit bestimmen, was 1813 von der Preußischen Akademie der Wissenschaften mit der Verleihung eines Preises gewürdigt wurde.

Der Frühlingspunkt stellt einen Anker in den Sonnenkalendern (auch Solarkalender) dar. Das jüdische Pessach sowie auch das christliche Osterfest finden seit jeher nach der Tag-Und-Nacht-Gleiche (Äquinoktium) im Frühjahr statt. Der Ostersonntag ist zum Beispiel der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond, der auf dieses Äquinoktium folgt. Die Bestellung von Ackerflächen und die Aussaat von Pflanzensamen wurden und werden in vielen Kulturen mit Bezug auf den Termin des astronomischen Frühlingsanfangs durchgeführt, um gute Ernteerträge zu erhalten.

Die EkliptikBearbeiten

 
Die vier Polar- und Wendekreise während der Sommersonnenwende auf der Nordhalbkugel. Die Ekliptik liegt in dieser Darstellung genau horizontal zwischen Erd- und Sonnenmittelpunkt.

Die Ekliptik ist die gedachte Ebene, in der die Erdbahn während eines Jahres um die Sonne läuft. Sie ist gegenüber dem Himmelsäquator um den Winkel   von gut 23 Bogengrad geneigt, so dass auch von der Schiefe der Ekliptik die Rede ist. Dadurch sind vier Breitenkreise auf der Erdoberfläche festgelegt:

  • Der nördliche Wendekreis der Sonnenbahn, auf dem die Sonne zur Sommersonnenwende mittags im Zenit steht.
  • Der südliche Wendekreis der Sonnenbahn, auf dem die Sonne zur Wintersonnenwende mittags im Zenit steht.
  • Der nördliche Polarkreis, wo die Sonne zur Sommersonnenwende gerade nicht mehr untergeht beziehungsweise wo die Sonne zur Wintersonnenwende gerade noch nicht aufgeht.
  • Der südliche Polarkreis, wo die Sonne zur Wintersonnenwende gerade nicht mehr untergeht beziehungsweise wo die Sonne zur Sommersonnenwende gerade noch nicht aufgeht.
Die scheinbare tägliche Bewegung der Sonne
 
Animation der scheinbaren täglichen Bewegung der Sonne zu Beginn der vier Jahreszeiten mit den drei Ebenen des Horizonts (grün), des Äquators (rot) und der Ekliptik (blau). Die Blickrichtung verläuft von vorne im Osten (Sonnenaufgang) nach hinten im Westen (Sonnenuntergang).
Die scheinbaren Sonnenbahnen verlaufen in den Tagbögen oberhalb und in den Nachtbögen unterhalb der ruhenden grünen Horizontalebene, die für eine geographische Breite von 50 Bogengrad dargestellt sind. Im Süden erreichen die Tagbögen mittags ihre oberen Scheitelpunkte, und im Norden erreichen die Nachtbögen um Mitternacht ihre unteren Scheitelpunkte. Der senkrecht auf der Horizontalebene stehende schwarze Zeiger ist zum Zenit ausgerichtet.
Die braune Rotationsachse der Erde verläuft von links unten (Himmelssüdpol) nach rechts oben (Himmelsnordpol). Die Sonne im Frühlingspunkt ist grün eingefärbt, und ihr gegenüber befindet sich die Sonne im Herbstpunkt, wenn es jeweils die Tag-und-Nacht-Gleiche gibt. Zu diesen beiden Zeitpunkten befindet sich Sonne auf dem als roten Kreis dargestellten Himmelsäquator.
Die Ebene der Ekliptik ist als rotierende blaue Scheibe dargestellt. Die obere Sonne stellt die Situation bei der Sommersonnenwende dar, und die untere bei der Wintersonnenwende. Während der Zeit der Sommersonnenwende ist die Ekliptik mittags am stärksten und um Mitternacht am geringsten gegenüber der Horizontalebene geneigt, und während der Zeit der Wintersonnenwende ist es umgekehrt.

Zu jedem Zeitpunkt des Tages und des Jahres hat die Ekliptik gegenüber dem Horizont eine variierende Lage und eine andere Bogenlänge oberhalb des Horizonts, jedoch befindet sich der höchste Scheitel immer ungefähr in südlicher Richtung. In Malta erreicht der Vollmond zur Sommersonnenwende um Mitternacht heute nur eine Horizonthöhe von rund 30 Bogengrad, die Sonne steht dann mittags allerdings mit einer Horizonthöhe von über 77 Bogengrad (vor 4500 Jahren nur ungefähr 76 Bogengrad) fast im Zenit (Horizonthöhe = 90 Bogengrad), und es gibt somit den längsten Tag des Jahres. Zur Wintersonnenwende ist es umgekehrt, und es resultiert der niedrigste Sonnenstand und damit der kürzeste Tag des Jahres. Bei der Tag-und-Nacht-Gleiche zum Herbstanfang erreicht die Ekliptik zum Sonnenaufgang ihre maximale Höhe und maximal über dem Horizont sichtbare Bogenlänge und zum Sonnenuntergang das jeweilige Minimum, bei der Tag-und-Nacht-Gleiche zum Frühlingsanfang ist es wiederum umgekehrt.

Die Lage des Bogens der Ekliptik über dem Horizont zu verschiedenen Zeitpunkten
Jahreszeit morgens mittags abends nachts
Frühlings-
anfang
       
Sommer-
anfang
       
Herbst-
anfang
       
Winter-
anfang
       

→ In Bezug auf die vier Tages- und Jahreszeiten siehe auch Exkurs Zur Vier.

Die ekliptikale Länge   wird üblicherweise vom Frühlingspunkt aus als Winkel zwischen -180 und +180 Bogengrad in der Ebene der Ekliptik angegeben, zum Frühlingsanfang steht die Sonne also bei der ekliptikalen Länge null. Die ekliptikale Breite   wird wiederum senkrecht dazu als Winkel zwischen -90 und +90 Bogengrad in Richtung der Pole der Ekliptik bestimmt. Die ekliptikale Breite der Sonne   ist definitionsgemäß null. Die Deklination   eines Punktes auf der Ekliptik liegt immer zwischen   und  . Im Frühlings- und Herbstpunkt ist die Deklination der Sonne gleich null, zum Sommeranfang ist sie   und beim Winterbeginn  .

→ Zu der scheinbaren Begegnung von beweglichen Gestirnen mit Himmelsobjekten siehe auch Exkurs Konjunktionen.

Lage der Ekliptik in MaltaBearbeiten

Die Ekliptik kreuzt auf der Breite von Malta (zirka 36 Bogengrad) den Horizont in westlicher Richtung je nach Epoche, Tages- und Jahreszeit zwischen den Azimuten 240 Bogengrad und 300 Bogengrad, also in einem Bereich zwischen 30 Bogengrad südlich (links) und 30 Bogengrad nördlich (rechts) um den Westpunkt. Die Schwankungen der azimutalen Lage der Ekliptik auf dem Horizont im Laufe der letzten Jahrtausende sind relativ moderat:

  • Zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühling
    • bei Sonnenaufgang relativ flach genau im Westen (Azimut = 270 Bogengrad)
    • mittags südlicher (Azimut = 240 Bogengrad)
    • bei Sonnenuntergang mit der Sonne fast senkrecht genau im Westen und im Goldenen Tor der Ekliptik (Azimut = 270 Bogengrad)
    • um Mitternacht nördlicher (Azimut = 300 Bogengrad)
  • Zur Sommersonnenwende
    • bei Sonnenaufgang südlicher (Azimut = 240 Bogengrad)
    • mittags fast senkrecht genau im Westen und im Goldenen Tor der Ekliptik (Azimut = 270 Bogengrad)
    • bei Sonnenuntergang nördlicher (Azimut = 300 Bogengrad)
    • um Mitternacht relativ flach genau im Westen (Azimut = 270 Bogengrad)
  • Zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Herbst
    • bei Sonnenaufgang fast senkrecht genau im Westen und im Goldenen Tor der Ekliptik (Azimut = 270 Bogengrad)
    • mittags nördlicher (Azimut = 300 Bogengrad)
    • bei Sonnenuntergang mit der Sonne relativ flach genau im Westen (Azimut = 270 Bogengrad)
    • um Mitternacht südlicher (Azimut = 240 Bogengrad)
  • Zur Wintersonnenwende
    • bei Sonnenaufgang nördlicher (Azimut = 300 Bogengrad)
    • mittags relativ flach genau im Westen (Azimut = 270 Bogengrad)
    • bei Sonnenuntergang mit der Sonne südlicher (Azimut = 240 Bogengrad)
    • um Mitternacht fast senkrecht genau im Westen und im Goldenen Tor der Ekliptik (Azimut = 270 Bogengrad)

Beobachtungen in der Nähe der EkliptikBearbeiten

 
Die Venussichel in großem Glanz in über 30 Bogengrad Höhe über dem westlichen Horizont eine Viertelstunde vor Sonnenuntergang am Taghimmel.

Befindet sich die Sonne in Horizontnähe und die Venus bei großer Elongation, gelingt auch deren Beobachtung am Taghimmel mit bloßem Auge. Die Venus ist nach der Sonne und dem Mond mit Abstand der hellste Planet und wird wegen ihres Glanzes in der poetischen Literatur auch als „Morgenstern“ beziehungsweise „Abendstern“ bezeichnet. Ihre Aufgänge als „Morgenstern“ und ihre Untergänge als „Abendstern“ auf der Ekliptik wurden bereits im 17. vorchristlichen Jahrhundert berechnet und auf den Venus-Tafeln des babylonischen Königs Ammi-saduqa festgehalten. Auf einigen der keltischen Bronzescheiben von Monasterevin (Irland, erstes bis zweites nachchristliches Jahrhundert[37]) ist möglicherweise der scheinbare Verlauf der Venuspositionen am Abend- und Morgenhimmel über dem Horizont in Bezug zur Sonne künstlerisch dargestellt. Die anderen Planeten (etwas irreführend manchmal auch als Wandel- oder Wandersterne bezeichnet) sind nur zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang sichtbar.

Von den in der nördlichen Hemisphäre zu sehenden Sternen ist lediglich der nur 8,6 Lichtjahre entfernte und schon vom griechischen Dichter Homer als Hundsstern erwähnte Sirius im Großen Hund (Canis Major) mit -1,5m heller als der Saturn. Die nächst helleren Sterne Arktur (α Bootis) im Sternbild Bärenhüter (Bootes), Wega (α Lyrae) im Sternbild Leier (Lyra), Capella (α Aurigae) im Sternbild Fuhrmann (Auriga) und Rigel (β Orionis) im Sternbild Orion sind mit rund 0m bereits anderthalb Größenordnungen dunkler als Sirius und eine halbe Größenklasse dunkler als der Saturn.

→ Siehe auch Exkurs Die sieben hellsten Objekte der Ekliptik.

Die beiden Roten Riesen Aldebaran und Antares liegen fast auf der Ekliptik und unterscheiden sich in ihrer ekliptikalen Länge um fast genau 180 Bogengrad. Die beiden äußersten Pole dieser Reihe, der Stern Antares und der Sternhaufen der Plejaden, werden in ihrer Eigenschaft als Kalendergespann auch als Plejaden-Waage bezeichnet.[13]

Vor gut 5000 Jahren - als die Keilschrift erfunden[38] und die ersten zeichnerischen Darstellungen von Gottheiten auftauchen - befanden sich Aldebaran im Frühlingspunkt und Antares im Herbstpunkt. Dies bedeutet, dass zum Frühlingsanfang Aldebaran genau im Osten aufgegangen ist, während gleichzeitig zusammen mit der Sonne genau im Westen Antares untergegangen ist. Beziehungsweise ist Aldebaran genau im Westen untergegangen, während Antares und die Sonne genau im Osten aufgegangen sind.

Umgekehrt zum Herbstbeginn, als sich Antares im Frühlingspunkt und Aldebaran im Herbstpunkt befanden: hier ging Antares genau im Osten auf, während gleichzeitig Aldebaran zusammen mit der Sonne genau im Westen untergegangen ist. Beziehungsweise ist Antares genau im Westen untergegangen, während Aldebaran und die Sonne genau im Osten aufgegangen sind.

Für die damaligen Menschen waren diese beiden sehr hellen und rot leuchtenden Sterne daher ein Gespann, um auf einfache Weise die Zeitpunkte des Frühlings- und des Herbstanfangs im Sonnenjahr zuverlässig zu bestimmen. Der in der obigen Tabelle beschriebene Halbbogen auf der Ekliptik befand sich damals zum Frühlingsbeginn bei Sonnenuntergang und zum Herbstbeginn bei Sonnenaufgang vollständig oberhalb des Horizonts. Zum Sommerbeginn war dieser Halbbogen um Mitternacht vollständig unter dem Horizont und daher gar nicht zu sehen. Dafür war der sichtbare Teil der Ekliptik zum Winterbeginn um Mitternacht vom Stern Antares Osten bis zu den Plejaden im Westen vollständig und fast gleichmäßig in 45-Grad-Schritten durch die oben angegebenen fünf Sterne markiert, wobei die Ekliptik den Meridian im Süden bei maximaler Höhe schnitt.

Das Goldene Tor der EkliptikBearbeiten

 
Die Lage des Frühlingspunktes vor 4500 Jahren im Goldenen Tor der Ekliptik.

Vor 4300 Jahren befand sich der Frühlingspunkt noch im Sternbild Stier (Taurus), vor 2150 Jahren im Sternbild Widder (Aries, aus dieser Epoche stammt das Synonym „Widderpunkt“ für den Frühlingspunkt) und heute im Sternbild Fische (Pisces). 2500 vor Christus lag der Frühlingspunkt genau zwischen den Hyaden und den Plejaden im Goldenen Tor der Ekliptik! Vor rund 4500 Jahren befand sich ein zum Herbstbeginn auftretender Vollmond also gleichzeitig im Frühlingspunkt und im Goldenen Tor der Ekliptik und ging abends um 18 Uhr Ortszeit genau im Westen unter.

 
Die Venus (unten Mitte) einen Tag vor der Passage des Goldenen Tors der Ekliptik bei Annäherung an die Plejaden.

Die auffälligen und mit bloßem Auge leicht erkennbaren Sternhaufen der Plejaden und der Hyaden bilden im Bezug zum Fixsternhimmel Asterismen. Zusammen mit dem Stern Aldebaran in den Hyaden (er gehört selber nicht zum Sternhaufen) stellen diese Objekte auf relativ engem Raum in einem Winkelbereich von weniger als 10 Bogengrad, die drei hellsten Objekte in der Nähe der Ekliptik dar.[39] Gemeinsam bilden sie die beiden festen Pfosten des Goldenen Tors der Ekliptik im Sternbild Stier (Taurus). Alle sieben beweglichen Himmelsobjekte ziehen im Laufe der Zeit von der Erde aus betrachtet mehr oder weniger häufig, aber regelmäßig sehr nahe der Ekliptik durch diese Pforte und somit zwischen den beiden Sternhaufen hindurch. Allein der Erdmond, die Venus und der Merkur können aufgrund der etwas größeren Abweichung von der Ekliptik und der relativen Erdnähe gelegentlich die Pfosten des Goldenen Tors treffen oder sogar etwas außerhalb der Plejaden vorbeiziehen.

→ Siehe auch Exkurs Zur Sieben.

 
Westlich des Goldenen Tors der Ekliptik gibt es nur weniger auffällige Sternbilder und Sterne. Die hellsten Sterne nördlich und südlich der Ekliptik bilden in Richtung Plejaden (arabisch Thuraya) eine Art Trichter (orangefarben), durch den alle sieben Wandelgestirne in das Goldene Tor der Ekliptik eintreten. Dies sind nördlich der Ekliptik die Sterne Hamal im Widder (Aries) sowie Algenib, Markab und Enif im Sternbild Pegasus, und südlich der Ekliptik die Sterne Menkar und Diphda im Sternbild Walfisch (Cetus) sowie Formalhaut im Sternbild Südlicher Fisch.

Das Sternbild Stier (Taurus) gehörte schon immer und überall zu den bedeutendsten Sternbildern.[40] Neben den beiden Sternhaufen ist der helle Rote Riese Aldebaran besonders markant und wird häufig als das leuchtende rechte Auge des Stieres betrachtet. Im 18. Jahrhundert wurde er in Deutschland auch als das Ochsen-Auge bezeichnet.[41] Der Name Aldebaran stammt aus dem Arabischen und bedeutet der (den Plejaden beim Aufgang am östlichen Morgenhimmel) Folgende.

Am westlichen Abendhimmel von Malta befinden sich Aldebaran und die Hyaden zum Frühlingsbeginn etwas südlich (links unterhalb) und die Plejaden etwas nördlich (rechts oberhalb) der Ekliptik. Die Verbindungslinie zwischen den Sternhaufen ist beim Untergang in etwa parallel zum Horizont.

Beim Aufgang stehen die Plejaden im Osten fast senkrecht über den Hyaden, und die Ekliptik verläuft dann nicht aufrecht, sondern relativ flach entlang dem Horizont nach Süden ansteigend.

Die ekliptikale Länge wird vom Frühlingspunkt aus entlang der Ekliptik gemessen. Für das Goldene Tor der Ekliptik beträgt sie heute zirka 64 Bogengrad. Im Übrigen sei darauf hingewiesen, dass die Verbindungslinie zwischen den Hyaden und den Plejaden bei der ekliptikalen Breite von 0 Bogengrad ziemlich genau mittig durch die Linie der Ekliptik geschnitten wird. Ferner ist die Ekliptik unter einem Winkel von rund 45 Bogengrad zu dieser Verbindungslinie geneigt. Auf diese Weise können sowohl die Lage der Ekliptik als auch deren Neigung zu jedem Zeitpunkt, von jeder Stelle der Erde und unmittelbar anhand der Ausrichtung des Goldenen Tors der Ekliptik abgelesen werden, ohne die Bahnen oder Lagen von Sonne, Mond oder Planeten beobachten zu müssen.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass vor 4500 Jahren in jedem Jahr zum Frühlingsanfang die untergehende Sonne abends am westlichen Horizont im Goldenen Tor der Ekliptik stand, wobei dieses wegen des hellen Sonnenlichts selbst allerdings gar nicht zu sehen war. Heute ist dies am 25. Mai der Fall, da sich der Frühlingspunkt mittlerweile um gut zwei Monate (ein Monat entspricht einem Winkel 30 Bogengrad entlang der Ekliptik) verschoben hat.

 
Hochaufgelöste Astrophotographie des sehr hellen Vollmonds (-13m) im Goldenen Tor der Ekliptik mit allen Fixsternen bis zur siebenten Größenklasse am südöstlichen Abendhimmel des 29. November 2020. Der Mond befindet sich zwischen den Plejaden (1,5m) oben in der Mitte und dem Kopf im Sternbild Stier (Taurus) mit dem hellsten Stern Aldebaran (1m) und den Hyaden unten links. Die Helligkeitsunterschiede im Objektraum betragen also 20 Größenklassen beziehungsweise dem Faktor einhundert Millionen oder 26 Lichtwertstufen.

Der MondBearbeiten

 
Um Mitternacht fast im Zenit stehender Dezember-Vollmond.

Das Sonnenjahr (auch tropisches Jahr von altgriechisch τρόπος (tropos) = Drehung) beschreibt einen vollständigen Umlauf der Erde um die Sonne und hat 365,242 Tage - das sind knapp Fünfeinviertel Tage mehr als 360, die Zahl, die im Gradsystem der Winkelmessung einem vollen Kreis entspricht. Da es knapp einen Vierteltag länger ist als 365 Tage, wird in den Kalender fast alle vier Jahre der 29. Februar als Schalttag am ehemaligen Ende des Kalenderjahres (der September war der siebente Monat, der Oktober der achte und so weiter) eingeschoben, damit die Jahreszeiten synchron mit dem Sonnenlauf bleiben. Dadurch bleibt auch der Zeitpunkt im Sonnenkalender, in dem die Sonne den Frühlingspunkt erreicht, immer am Frühlingsanfang.

MondzyklenBearbeiten

Synodischer MonatBearbeiten

Der Mond umrundet die Erde ungefähr zwölfmal schneller als die Erde die Sonne und benötigt für einen Umlauf einen Monat. Die einfachste Wahrnehmung des Mondlaufs ergibt sich durch die Beobachtung der Mondphasen beziehungsweise der Elongationen des Mondes. Der synodische Monat (von altgriechisch σύνοδος (synodos) = Zusammentreffen) beschreibt die Dauer zwischen zwei gleichen Mondphasen, also von Neumond zu Neumond beziehungsweise von Vollmond zu Vollmond. Hier wird gemeinhin das Zusammentreffen von Neumond und Sonne am Himmel als Referenzzeitpunkt betrachtet. Ein synodischer Monat dauert etwa 29,53 Tage, und zwölf synodische Monate dauern demzufolge rund 354,37 Tage - das sind gut fünfeinhalb Tage weniger als 360. Dieser Zyklus ist dies Basis für die gängigen Mondkalender (Lunarkalender) mit der gegenüber dem am Sonnenjahr orientierten Solarkalender um zirka 11 Tagen kürzeren Jahreslänge. Bei Lunisolarkalendern wird durchschnittlich alle drei Jahre ein dreizehnter synodischer Monat eingeschaltet, damit der Frühlingspunkt der Sonne ungefähr in der gleichen Jahreszeit bleibt.

→ Zur Zahl Zwölf siehe auch Exkurs Zur Zwölf.

Siderischer MonatBearbeiten

Ferner kann die Zeitspanne betrachtet werden, in der der Mond in Bezug auf den Fixsternhimmel entlang der Ekliptik wieder an der gleichen Stelle erscheint. Dies wird üblicherweise an seinem Erscheinen beim Frühlingspunkt festgemacht. Diese Zeitspanne wird siderischer Monat (von lateinisch sideris = des Sterns) genannt und beträgt 27,322 Tage. Dies ist auch die Dauer zwischen zwei aufeinanderfolgenden Erscheinungen des Mondes im Goldenen Tor der Ekliptik, da dessen Lage durch Sterne des Fixsternhimmels bestimmt ist.

 
Die in Niederösterreich gefundene und aus Sandstein gefertigte Gussform für die Stachelscheibe von Platt.

Die Einteilung der 360 Bogengrad langen Ekliptik in 28 gleiche Teile ist in der Bronzezeit verbreitet gewesen. Daraus ergibt sich ein grobes Koordinatenraster für die ekliptikale Länge des Mondes.

Auf der Stachelscheibe von Platt aus der Bronzezeit (um 1500 vor Christi Geburt) werden die 28 Mondorte der Tage eines Monats beispielsweise durch eine Kreisreihe dargestellt. Die Hohlform diente zur Herstellung von Schmuckscheiben und hat insgesamt sieben konzentrische Kreise. Davon bestehen zwei aus 12 (innen) beziehungsweise aus 28 (außen) gleichmäßig verteilten Mulden.[42] Die zwölf inneren Mulden entsprechen entlang der Ekliptik den 12 Sonnenorten (Monaten) in einem tropischen Jahr beziehungsweise den 12 Jupiterorten (Jahren) in zwölf Jahren. Die 28 äußeren Mulden entsprechen entlang der Ekliptik den 28 Mondorten (respektive Mondhäusern beziehungsweise Mondstationen) und somit den Tagen in einem siderischen Monat. Der große kreisförmige Stachel im Zentrum der Scheibe könnte als Symbol für die Sonne oder die Erde stehen.

Im der indischen Astronomie wurden zu diesem Zweck spätestens 500 Jahre danach die 27 Mondhäuser (oder Mondstationen) eingeführt. Da sich die siderische und die synodische Periode um gut zwei Tage unterscheiden, liegen aufeinanderfolgende Neumonde oder Vollmonde in verschiedenen Mondhäusern, nach denen im hinduistischen Lunisolarkalender die Monate benannt werden.

Dieses System wurde etwas später von den Arabern mit 28 Mondhäusern modifiziert. Das erste Mondhaus liegt bei beiden Einteilungen im Frühlingspunkt in der Epoche um Christi Geburt im Kopf des Lammes beziehungsweise des Widders (Aries) bei den nördlich der Ekliptik liegenden Sternen Scheratan und Hamal (indisch Ashvini = die beiden Rosseschirrenden und arabisch aš-šaraṭān = Die beiden Zeichen). Für das zweite Mondhaus folgt der Bauch des Lammes (indisch Bharani = der Wegtragende und arabisch al-buṭayn = das Bäuchlein). Die Plejaden (indisch Krittika und arabisch aṯ-ṯurayyā) im fetten Schwanz des Lammes markieren im Anschluss das dritte Mondhaus. Das vierte Mondhaus ist durch den roten Riesenstern Aldebaran (arabisch al-dabarān = der Nachfolgende, indisch Rohini = der Rötliche) im Sternbild Stier (Taurus) gekennzeichnet.

Zwischen dem dritten und vierten Mondhaus liegt das Goldene Tor der Ekliptik, wo der Frühlingspunkt zu Beginn der maltesischen Tarxien-Phase lag. Man beachte die fehlenden helleren ekliptiknahen Sterne im Trichter der Thuraya westlich davon, also rechts der Plejaden (ekliptikale Länge ungefähr 32 Bogengrad) bis hin zum Stern Hydor heutigen Sternbild Wassermann (ekliptikale Länge ungefähr 314 Bogengrad). Die hellsten ekliptiknahen Sterne in diesem Gebiet des Sternenhimmels Alpherg im Sternbild Fische (Pisces) sowie Hydor und Ancha im Sternbild Wassermann (Aquarius) erreichen lediglich die vierte Größenklasse, so dass zwischen dem auffälligen offenen Sternhaufen der Plejaden und Deneb Algedi, dem hellsten Stern im Sternbild Steinbock (Capricornus), auf einer Länge von 90 Bogengrad keine hellen ekliptiknahen Sterne vorhanden sind.

→ Zu den Mondhäusern siehe auch Exkurs Mondhäuser

 
Die in die Ebene projizierten 28 Mondhäuser (von rechts nach links) mit den wichtigsten Sternen entlang der Ekliptik (rote gestrichelte Linie, ekliptikale Länge von 0 Bogengrad bis 360 Bogengrad zur Epoche J0000.0 in horizontaler Richtung, senkrecht dazu die ekliptikale Breite). Die beiden seitlichen Ränder der Abbildung gehen im Kreisbogen der Ekliptik nahtlos ineinander über.

Animierte Variante der Abbildung:

Drakonitischer MonatBearbeiten

Außerdem gibt es noch den drakonitischen Monat (von altgriechisch δράκων (drakon) beziehungsweise lateinisch draco = Drache), der eine Dauer von 27,212 Tagen hat. Diese Dauer beschreibt die Zeitpunkte, an denen die um gut 5 Bogengrad zur Ekliptik geneigte Mondbahn die Ekliptik kreuzt; die ekliptikale Breite des Mondes ist dann exakt null. Diese Schnittpunkte werden Mondknoten genannt und werden einmal im Monat im aufsteigenden Mondknoten und einmal im absteigenden Mondknoten erreicht. Befindet sich der Mond auf der Ekliptik, also in der Nähe dieser Mondknoten, kommt es bei dessen Sonnennähe (wenn der Neumond also in Konjunktion mit der Sonne steht) zu einer Sonnenfinsternis und bei dessen Sonnenferne (wenn der Vollmond also in Opposition zur Sonne steht) zu einer Mondfinsternis. Diese Mondpunkte wurden früher als Drachenpunkte bezeichnet, was sich aus der Vorstellung ableitete, dass ein Drache bei einer Mondfinsternis den Mond beziehungsweise bei einer Sonnenfinsternis die Sonne verschlingen würde.

Mit dem folgenden Java-Programm können die ekliptikalen Koordinaten der Sonne und des Mondes für jeden beliebigen Zeitpunkt eines Julianischen Datums in Julianischen Jahrhunderten in Bezug auf die astronomische Standardepoche J2000 berechnet werden: → Java-Programm "EkliptikaleKoordinatenMondSonne"[43]

 
Die ekliptikalen Breiten des Mondes im Verlauf eines drakonitischen Monats beziehungsweise eines nur gut zweieinhalb Stunden längeren siderischen Monats mit gut 27 Tagen.
Die täglichen Änderungen der ekliptikalen Breite des Mondes in Bogengrad innerhalb eines Mondviertels
Tage nach
aufsteigendem
Knoten
Änderung der
ekliptikalen Breite
zum Vortag
1 1,2°
2 1,1°
3 1,0°
4 0,9°
5 0,6°
6 0,3°
7 0,0°

Der Mond hat ähnlich wie die Sonne einen scheinbaren Winkeldurchmesser von ungefähr 30 Bogenminuten beziehungsweise 0,5 Bogengrad. Dies entspricht bei Betrachtung des eigenen Fingers mit ausgestrecktem Arm in etwa einem Viertel der Fingerdicke.

Der Mond kann auf seiner Bahn im Laufe der Zeiten alle ekliptiknahen Himmelsobjekte bedecken und innerhalb einer Stunde wieder freigeben, die sich in einem Band von gut ±5 Bogengrad um die Ekliptik herum befinden. Der ekliptiknahe Hauptstern Pollux im Sternbild Zwillinge (Gemini) hat sich aufgrund seiner Eigenbewegung im Laufe der letzten zehntausend Jahre so weit von der Ekliptiklinie entfernt, dass er inzwischen nicht mehr vom Mond bedeckt werden kann.

→ Für die sieben hellsten Objekte siehe Exkurs Die sieben hellsten Objekte der Ekliptik.

Siderische MondperiodenBearbeiten

Der Mond erscheint innerhalb eines tropischen Jahres dreizehn- oder vierzehnmal an einer bestimmten Stelle des Fixsternhimmels, wobei er wegen der unterschiedlichen Periodendauern von siderischen und synodischen Monaten immer ein anderes Mondalter (die Anzahl der Tage seit dem letzten Neumond) und wegen der unterschiedlichen Periodendauern von siderischen und drakonitischen Monaten immer eine andere ekliptikale Breite aufweist.

Die beiden folgenden Diagramme sollen den zeitlichen Verlauf der Mondphasen und der ekliptikalen Breiten des Mondes bei seinem Erscheinen im Goldenen Tor der Ekliptik während 254 aufeinanderfolgender siderischer Perioden mit jeweils 27,322 Tagen (insgesamt 6940 Tage beziehungsweise 19 Jahre) veranschaulichen:

 
Die Mondphasen bei aufeinanderfolgenden Erscheinungen des Mondes im Goldenen Tor der Ekliptik innerhalb von 254 siderischen Perioden (insgesamt 19 Jahre). Da der synodische Monat (von Neumond zu Neumond) über zwei Tage länger ist als der siderische Monat, kommt es hierbei zu Verschiebungen, weil der Mond nach Ablauf eines siderischen Monats beim Erreichen derselben ekliptikalen Länge noch nicht ganz wieder sein maximales Mondalter erreicht hat.

In der oberen Hälfte des Diagramms sind zunehmende und in der unteren Hälfte abnehmende Monde zu beobachten. Eine Mondphase von 0 Prozent steht für einen Neumond und eine Mondphase von ±100 Prozent für einen Vollmond.

Der Startpunkt (Tag 0 im Monat 0) kann zum Beispiel mit dem 22. Mai 2020 angesetzt werden, an dem der Neumond zusammen mit der Sonne im Goldenen Tor der Ekliptik stand.
 
Die ekliptikalen Breiten des Mondes bei aufeinanderfolgenden Erscheinungen des Mondes im Goldenen Tor der Ekliptik innerhalb von 254 aufeinanderfolgenden siderischen Perioden (insgesamt 19 Jahre). Da der drakonitische Monat (von einem aufsteigendem Mondknoten bis zum nächsten aufsteigenden Mondknoten) gut zweieinhalb Stunden kürzer ist als der siderische Monat, kommt es hierbei zu Verschiebungen, weil der Mond nach Ablauf eines siderischen Monats den aufsteigenden Knoten bereits wieder hinter sich gelassen hat.

Bei großen ekliptikalen Breiten (oben) kommt es im Goldenen Tor der Ekliptik zu Bedeckungen der Plejaden und bei kleinen ekliptikalen Breiten (unten) kommt es zu Bedeckungen der Hyaden oder des Sterns Aldebaran durch die Mondscheibe.

Der Startpunkt (Tag 0 im Monat 0) kann zum Beispiel mit dem 22. Mai 2020 angesetzt werden, an dem der Neumond bei einer ekliptikalen Breite von zirka -2,5 Bogengrad unterhalb der Sonne, deren ekliptikale Breite immer 0 Bogengrad beträgt, im Goldenen Tor der Ekliptik stand.

Nach 18,61 Jahren (beziehungsweise 6793,5 Tagen oder gut 230 synodischen Monaten, in dieser Abbildung also nach gut 248,6 siderischen Monaten) erreicht der Mond dieselbe ekliptikale Breite und fast die gleiche Mondphase, befindet sich dann allerdings bei einer anderen ekliptikalen Länge.

Die kurzperiodische kleine Wellenbewegung kommt durch die Nutation der Erdachse im Bezug zur Ekliptik beziehungsweise zum Fixsternhimmel zustande; sie hat eine Periodendauer von 35 Tagen und überlagert sich mit den zirka eine Woche kürzeren siderischen Mondperiode.

Der Meton-ZyklusBearbeiten

Nicht nur die Bestimmung und Vorhersage der Auf- und Untergänge der Venus haben die Aufmerksamkeit der Astronomen des Altertums auf sich gezogen, sondern auch der Mondzyklus mit den verschiedenen Mondphasen sowie das Auftreten von Mondfinsternissen bei Vollmond und von Sonnenfinsternissen bei Neumond. Es gibt einen Zyklus, der die Zeit beschreibt, nachdem die Sonne und der Mond die gleiche Konstellation erreichen. Nach 19 Jahren (beziehungsweise knapp 6940 Tagen) hat nicht nur die Sonne dieselbe ekliptikale Länge erreicht, sondern auch der der Mond (nach 254 siderischen Monaten), und er hat daher auch dieselbe Mondphase (nach 235 synodischen Monaten). Außerdem hat er dann auch noch annährend die gleiche ekliptikale Breite (nach 255 drakonitischen Monaten), so dass er fast an derselben Stelle des Fixsternhimmels steht.[44]

Der Zyklus beruht also im Wesentlichen auf der zwar nur langfristig, jedoch leicht zu beobachtenden Tatsache, dass 19 tropische Sonnenjahre (6939,6 Tage), 235 synodische Monate (6939,6 Tage), 254 siderische Monate (6939,8 Tage) und 255 drakonitische Monate (6939,1 Tage) fast die gleiche Länge haben. Der Unterschied zwischen den ersten beiden beträgt sogar nur rund zwei Stunden.

Dieser 19-jährige Mondzirkel beziehungsweise der nach dem antiken griechischen Astronomen Meton (5. Jahrhundert vor Christus) benannte Meton-Zyklus sowie auch der unten erwähnte Saros-Zyklus waren im Altertum spätestens schon den Babyloniern bekannt und dienten als Grundlage für ihren Mondkalender. Auch die 19 Megalithe des Bluestone-Hufeisens von Stonehenge (2270 bis 1930 vor Christus) wurden beispielsweise damit in Zusammenhang gebracht. Im Übrigen werden beispielsweise auch die Goldhüte aus der Bronzezeit mit dem Meton-Zyklus in Verbindung gebracht.[45]

Die Goldene Zahl gibt an, das wievielte von diesen 19 Jahren ein bestimmtes Jahr ist, und sie spielt auch heute noch eine wichtige Rolle bei der Bestimmung des Osterdatums, zum Beispiel mit Hilfe der Formeln zur Berechnung des Osterdatums von Carl Friedrich Gauß (* 1777; † 1855). Der Name Goldene Zahl rührt möglicherweise davon her, dass der diesem Zyklus zugrundeliegende Kalender (Parapegma) des Meton auf den Steinmauern seiner Sonnenuhr (heliotropion) am Pnyx-Hügel in Athen in goldener Schrift zu sehen war.[46][44]

Heute ist in den Monaten um die Wintersonnenwende alle 19 Jahre morgens am westlichen Horizont der untergehende Vollmond im Goldenen Tor der Ekliptik zu sehen, wie zuletzt im Dezember 2018. Die untere Hälfte des Mondes wird dann während des Untergangs vom Horizont verdeckt und der sichtbare leuchtende Teil bildet somit einen Halbkreis, wie er im mittleren Segment der Himmelstafel angedeutet ist. In diesem Fall liegen Hyaden und Plejaden im Westen auf einer Linie parallel zum Horizont und der dazwischenliegende, beim Untergang noch halb zu sehende Vollmond würde der Abbildung auf der Steintafel von Tal-Qadi entsprechen. Vor 4500 Jahren ergab sich diese Himmelsansicht wegen der Verschiebung des Frühlingspunktes bereits um die Tag-und-Nacht-Gleiche im Herbst.

Über diese Koinzidenzen hinaus kann übrigens beobachtet werden, dass der Mond nach 18,03 Jahren (also nach 242 drakonitischen Monaten beziehungsweise 6585,3 Tagen) exakt denselben auf- oder absteigenden Knoten erreicht, wobei Sonne und Mond ebenfalls die gleiche ekliptikale Länge haben (nach 223 synodischen Monaten). Sie befinden sich dann jedoch an einer anderen Stelle des Fixsternhimmels, da diese Dauer nicht mit den siderischen Perioden übereinstimmt. Dieser Zyklus wird Saros-Zyklus genannt.

Ferner existiert ein 18,6-jähriger Mondzyklus, der darauf beruht, dass bedingt durch die Präzession der Mondbahn der aufsteigende und der absteigende Mondknoten nach dieser Zeit die Ekliptik entgegen der Umlaufrichtung des Mondes (retrograd) genau einmal vollständig durchlaufen haben. Die Mondknoten bewegen sich in ihrer ekliptikalen Länge hierbei um einen Winkel von 19,34 Bogengrad pro Jahr. Dies ist zum Beispiel anhand der Abweichungen der ekliptikalen Breiten des Mondes und somit der Azimute bei den Mondauf- und -untergängen am Horizont zu beobachten, die sich nach 18,61 Jahren wiederholen und dabei um die Punkte der Winter- und der Sommersonnenwende pendeln, die definitionsgemäß bei der ekliptikalen Breite null genau in der Ekliptik liegen. Die Zeitpunkte an dem die entsprechenden Punkte zwischen dem nördlichen und dem südlichen Horizont am engsten beziehungsweise am weitesten auseinanderliegen, heißen kleine und große Mondwenden. Zudem werden alle möglichen Positionen des Mondes in Bezug auf die Ekliptik bei den ekliptikalen Längen von -180 bis +180 Bogengrad und den ekliptikalen Breiten von ungefähr -6 bis +6 Bogengrad innerhalb dieser Periode erreicht. Somit erfolgen auch alle möglichen Sternbedeckungen (Okkultationen) innerhalb dieser Periodendauer, insbesondere die der Plejaden, der Hyaden und von Aldebaran im Sternbild Stier (Taurus).

Der Kalenderstein vom Tempel MnajdraBearbeiten

Weitere Indizien für die Beobachtung des Mondes durch die Neolithiker auf Malta sind auf Kalendersteinen vom maltesischen Tempel Mnajdra zu finden, die ebenfalls aus der Tempelperiode der Insel stammen.[14] Es ist interessant festzustellen, dass auf dem östlichen Kalenderstein mehrere Lochreihen auftreten, die mit lunaren und solaren Kalendern im Zusammenhang stehen könnten. Die Bohrungen sind heute in horizontaler Richtung, wurden möglicherweise jedoch senkrecht nach unten auf dem noch liegenden Stein durchgeführt, um die Wirkung der Gravitation ausnutzen zu können. Danach wäre es möglich gewesen, für Markierungs- oder Zählzwecke kugelförmige Steine in die Löcher zu legen.

Am Kopf des Steins gibt es mehrere hundert, flächenhaft angeordnete Löcher, die eventuell für die einzelnen Monate oder Jahre einer langfristigen Beobachtung stehen. Darunter tauchen rechtsbündig sieben horizontale Reihen auf:

 
Skizze der Lochreihen auf dem Kalenderstein von Mnajdra nach Ventura und Hoskin.[14]
Lochreihen auf dem Kalenderstein vom Tempel Mnajdra auf Malta
Reihe Anzahl der Löcher Mögliche Verwendung
A 19 Für die jeweilige Goldene Zahl jedes Sonnenjahres innerhalb des 19-jährigen Meton-Zyklus (235 synodische, 255 drakonitische, 254 siderische Monate beziehungsweise 6940 Tage).
Nach einem Sonnenjahr hat die Sonne wieder die gleiche ekliptikalen Länge. Nach Ablauf der gesamten Meton-Periode hat der Mond wieder die gleiche Mondphase und die gleiche ekliptikalen Breite und die gleiche ekliptikalen Länge (zum Beispiel im Goldenen Tor der Ekliptik oder im Frühlingspunkt).
B B1: 13 (links) In Summe 29, für die Anzahl der vollständigen Tage in einem synodischen Monat (29,5 Tage). Nach dieser Zeit hat der Mond wieder die gleiche Mondphase erreicht.
Vom Altlicht des Mondes bis zum Vollmond sind es 16 Tage, und danach sind es 13 Tage bis zum nächsten Altlicht.
Nachdem die Doppelreihe vervollständigt wurde, gibt es dafür einen Übertrag in die Reihe E und wenn diese bereits voll ist, für das nächste beginnende Goldene Jahr einen Übertrag in die Reihe A.
B2: 16 (rechts darunter)
C C1: 3 (rechts oben) Für die sieben vollständigen Tage eines Mondviertels (7,4 Tage) respektive einer Woche.
Wenn diese Doppelreihe gefüllt ist, gibt es für die Vervollständigung einer neuen Woche einen Übertrag in die Reihe G.
Alternativ könnten hier jeweils die drei Monate in den vier Jahreszeiten markiert und gezählt worden sein.
C2: 4 (rechts unten)
C3: 3 (links) Für die drei nach Neumond vollendeten Mondviertel innerhalb eines laufenden synodischen Monats.
Beim Erreichen eines Neumonds, eines abnehmenden Halbmonds, eines Vollmonds oder eines abnehmenden Halbmonds gibt es jeweils einen Übertrag in die Reihe D und, nachdem diese gefüllt ist, in die Reihe F.
D 25 Für die 25 vollendeten Mondviertel in der ersten Hälfte eines Sonnenjahres.
E 11 Für die elf überzähligen Tage in einem Sonnenjahr (365,2 Tage) im Vergleich zu zwölf synodischen Monaten (354,4 Tage).
F 24 + 1 = 25 Für die 24 bis 25 vollendeten Mondviertel in der zweiten Hälfte eines Sonnenjahres. Das 25. Loch ist etwas abgesetzt, da es für ein am Ende des Jahres eingeschaltetes Mondviertel steht, das nur ungefähr in jedem zweiten Sonnenjahr auftritt.
G 53 Für die begonnenen 53 Siebentagewochen in einem Sonnenjahr (365,2 Tage) beziehungsweise
von einem heliakischen Auf- oder akronychischen Untergang der Plejaden zum nächsten.
 
Über dem östlichen Horizont beim Morgenletzt gerade noch sichtbares Altlicht des abnehmenden Mondes 33 Stunden vor Neumond.

Zu der Doppelreihe B sei angemerkt, dass auch im altägyptischen Mondkalender, der im Neolithikum in Verwendung war, der Monat nicht mit dem unsichtbaren Neumond, sondern mit dem gerade noch sichtbaren Altlicht des Morgenletztes des Mondes begann, also gut einen Tag vor Neumond.[47] Die beiden letzten Löcher sind etwas nach links abgesetzt, was mit folgendem Sachverhalt im Einklang steht: zwei Tage vor dem Ende einer synodischen Periode, also schon nach gut 27 Tagen, ist ein siderischer Monat vorüber, nach welchem der Mond die gleiche ekliptikale Länge erreicht hat. Das heißt bereits nach gut 27 Tagen steht der Mond zum Beispiel wieder im Goldenen Tor der Ekliptik, bevor er erst nach gut 29 Tagen erneut sein Altlicht erreicht (gut einen Tag vor Neumond). Die Sonne ist innerhalb des synodischen Monats durch die Bewegung der Erde um die Sonne gegenüber dem Fixsternhimmel um knapp 30 Bogengrad weiter nach links gezogen.

Alternativ könnten die 50 Löcher in Reihen D und F eventuell auch für die 50 vollständigen Siebentagewochen (350 Tage) innerhalb von zwölf synodischen Perioden stehen, die eine Dauer von 50,6 Wochen beziehungsweise 354,4 Tagen haben.

Auch auf einem weiteren, sogenannten westlichen und heute ebenfalls aufgerichteten Stein der Tempelanlage sind mehrere Lochreihen zu sehen, die aus 16, 12, 19, 7, 30, 31, 32, 35, 37, 12 und 13 Löchern bestehen.[48] Viele dieser Zahlen tauchen auch im Zusammenhang mit dem östlichen Stein auf und sind daher ebenfalls leicht mit lunaren oder solaren Kalendertagen in Verbindung zu bringen.

→ In Bezug auf die Bedeutung von bestimmten Zahlen in der Astronomie siehe auch Exkurs Zahlen.

SchlussfolgerungenBearbeiten

 
Skizze der auf der Himmelstafel von Tal-Qadi möglicherweise dargestellten Himmelsregion am westlichen Abendhimmel.

Ausgehend von der Hypothese, dass die beiden Winkelsegmente links und rechts der Mitte der Himmelstafel von Tal-Qadi die Asterismen der Hyaden und der Plejaden im Sternbild Stier (Taurus) zeigen, die das Goldene Tor der Ekliptik bilden, könnte das halbkreisförmige Symbol im dazwischenliegenden mittleren Segment für den Bogen der Ekliptik über dem Horizont stehen. Im Goldenen Tor der Ekliptik können alle sieben gegenüber dem Fixsternhimmel hindurchziehenden Wandelgestirne beobachtet werden. Genau an dieser Stelle befand sich während der maltesischen Tarxien-Phase der Frühlingspunkt der Sonne.

Bei der astronomischen Beobachtung der Hyaden und der Plejaden können mit Hilfe der entsprechend ausgerichteten und eingepassten Himmelstafel jederzeit und an jeder Stelle des Himmels unmittelbar Lage und Neigung der Ekliptik abgelesen werden, ohne die Wandelgestirne oder gar deren Lauf beobachten zu müssen. Mit dieser Kenntnis ist es dann ebenfalls möglich, die jeweilige Lage der beobachteten Wandelgestirne auf der Ekliptik zu bestimmen, also eine Messung der ekliptikalen Länge zum Beispiel vom Frühlingspunkt aus oder von der langen rechten Kante der Himmelstafel aus vorzunehmen.

Die Ekliptik steht bei der unten beschriebenen Ausrichtung senkrecht in der Mitte dieser Kante. Von dort aus kann entlang der Kante anach oben oder nach unten die ekliptikalen Breite abgelesen werden. Somit ist bei längerfristiger Beobachtung eine Bestimmung der drakonitischen Periode zwischen den Durchgängen des Mondes durch die Mondknoten auf der Ekliptik möglich.

Die Höhe über der Ekliptik ist bei der Sonne definitionsgemäß Null, und bei den sichtbaren Planeten sowie dem Mond beträgt die Abweichung nur einige Grad. Somit tritt der Mond bei der Ausrichtung der Tafel alle 27 1/3 Tage senkrecht über die rechte untere Kante der Himmelstafel in das Goldene Tor der Ekliptik. Trifft er hierbei ungefähr fünf Bogengrad nördlich der Ekliptik auf die Kante, kommt es 12 Stunden später zu einer Bedeckung der Plejaden durch den Mond. Läuft die Mondbahn hingegen auf der gegenüberliegenden Seite ungefähr fünf Bogengrad südlich auf die Kante, kommt es zu einer Bedeckung des Sterns Aldebaran oder der Hyaden durch den Mond. Beides sind außergewöhnliche und besondere astronomische Ereignisse.[49][50]

Befindet sich der Mond bei dieser Beobachtung in der Nähe der Ekliptik, also in der Mitte der rechten unteren Kante der Himmelstafel, kann es bei zeitlicher Nähe zum Vollmond zu Mondfinsternissen und bei zeitlicher Nähe zum Neumond zu Sonnenfinsternissen kommen. Bei regelmäßiger und langfristiger Beobachtung anhand der im Goldenen Tor der Ekliptik auftretenden ekliptikalen Breiten und Mondphasen konnte der 19-jährige Meton-Zyklus zu allen Zeiten nachvollzogen werden. So erschien der Vollmond zum Beispiel in der Nacht vom 29. zum 30. November 2020 im Goldenen Tor der Ekliptik (Bild siehe oben). An folgenden Vormittag kam es wegen der betragsmäßig hinreichend geringen ekliptikalen Breite von -1,8 Grad zu einer partiellen Halbschattenmondfinsternis, die allerdings nur auf der außerhalb von Europa liegenden Nachtseite der Erde sichtbar war.[51]

Zuordnung der Sterne zur DarstellungBearbeiten

Ob und welche Sternbilder vor 4500 Jahren in Gebrauch waren, ist unbekannt. Da in der Dämmerung und bei vorhandenem Mondlicht nur die hellsten Sterne des Firmaments zu sehen sind, empfiehlt es sich, für eine Zuordnung der auf der Himmelstafel dargestellten Sterne insbesondere diese in Betracht zu ziehen. Die folgende Tabelle zeigt die hellsten Objekte im Bereich der möglicherweise auf der Himmelstafel von Tal-Qadi dargestellten Himmelsregion:

 
Die hellsten Himmelsobjekte im Bereich der grob eingepassten Himmelstafel von Tal-Qadi.
 
Beispiel für die geometrischen Verhältnisse beim Einpassen der Himmelstafel in die beschriebene Konstellation während einer Beobachtung.
 
Mögliche Zuordnung der hellsten Himmelsobjekte zu den im Bereich der eingepassten Himmelstafel von Tal-Qadi dargestellten Sterne.
Eigenname Astronomische
Bezeichnung
Scheinbare
Helligkeit
Sirius α Canis Majoris -1,5m
Capella α Aurigae 0,0m
Rigel β Orionis 0,0m
Beteigeuze α Orionis 0,5m
Hyaden Sternhaufen (Taurus) 0,5m
Aldebaran α Tauri 1,0m
Plejaden Sternhaufen (Taurus) 1,5m
Alnilam ε Orionis 1,5m
Alnitak ζ Orionis 1,5m
Bellatrix γ Orionis 1,5m
Elnath β Tauri 1,5m
Alamak γ Andromedae 2,0m
Algol β Persei 2,0m
Caph β Cassiopeiae 2,0m
Hamal α Arietis 2,0m
Menkalinan β Aurigae 2,0m
Mintaka δ Orionis 2,0m
Mirfak α Persei 2,0m
Saiph κ Orionis 2,0m
Schedir α Cassiopeiae 2,0m
Tsih γ Cassiopeiae 2,0m
Ruchbah δ Cassiopeiae 2,7m

Abgesehen von den in Bezug auf die beschriebene Region auf der linken Seite deutlich abgelegenen Sterne Sirius, Rigel und Saiph und den weit oberhalb gelegen Sternen Menkalinan und Capella im Sternbild Fuhrmann (Auriga) können alle anderen hellen Sterne der Himmelstafel zugeordnet werden.

Schließlich sei darauf hingewiesen, dass die Himmelstafel durch den großen dargestellten Winkelbereich auch bei störenden Wolken korrekt eingepasst werden kann. Beteigeuze, Aldebaran, Mirfak und Algol sowie die Cassiopeia-Sterne sind über einen so weiten Bereich verteilt, dass auch bei verdeckter Sicht auf vereinzelte Himmelsregionen immer eine zuverlässige Ausrichtung der Himmelstafel möglich ist.

Linkes SegmentBearbeiten

Der einzelne Stern im linken Segment könnte in dieser Konstellation zum hellsten Stern des gesamten Nachthimmels Sirius im Sternbild Großer Hund (Canis Major) passen, der auch schon im alten Ägypten im 3. Jahrtausend vor Christus eine Kalenderfunktion hatte, da sein Auftauchen in der Morgendämmerung die Nilflut ankündigte.

Zwischen Sirius und dem Goldenen Tor der Ekliptik liegt allerdings das auffällige Sternbild Orion. Die Sumerer sahen in diesem Sternbild ein Schaf, der Jäger der griechischen Mythologie Orion und das Sternbild Orion sind erst später belegt. Dessen auffällig roter Schulterstern Beteigeuze kommt aus geometrischer Sicht eher als der auf der linken Seite der Tafel einzeln dargestellte Stern in Frage. Die sechs zwischen dem radialen Zentrum der Himmelstafel und Beteigeuze dargestellten Linien können in der heutigen Darstellung des Orion hierbei dem aus den sechs π-Sternen bestehenden Bogen (der zentrale und mit 3m hellste dieser Reihe π3 Orionis wird nach seinem arabischen Namen al-thābit auch Tabit genannt), dem Arm zum Stern der Schulter Bellatrix, der Schulterlinie zum Stern der anderen Schulter Beteigeuze sowie unterhalb davon zum Gürtel mit den drei Gürtelsternen Mintaka, Alnilam und Alnitak entsprechen.

Halblinkes SegmentBearbeiten

Der Y-förmige Teil des Sternbilds Taurus (Stier) besteht heute aus den folgenden hellen Himmelsobjekten:

  • Nördlich der Ekliptik:
    • Elnath (rechte Hornspitze, gehört gleichzeitig zum Sternbild Auriga (Fuhrmann))
  • Südlich der Ekliptik:
    • Offener Sternhaufen der Hyaden (Kopf des Stieres, inklusive Ain)
    • Aldebaran (rotes, rechtes Auge)
    • Tien Kuan (linke Hornspitze)

Die Linien zwischen unterhalb der Hyaden können mit den dunkleren, noch mit bloßem Auge sichtbaren Sternen im Sternbild Stier (namentlich λ Tauri (3,5m) und e Tauri (5m)) zusammenhängen.

Die hellen Sterne Rigel (β Orionis), Aldebaran (α Tauri) und Mirfak (α Persei) gingen vor 4500 Jahren gleichzeitig im Westen unter. 75 Minuten später folgten ihnen ebenfalls gleichzeitig die ebenso hellen Sterne Beteigeuze (α Orionis) und Elnath (β Tauri).

Mittleres SegmentBearbeiten

 
Die Ekliptik über dem Horizont in Blickrichtung Süden beim Sonnenuntergang zum Frühlingsanfang.

Der Bogen mit der dazwischenliegenden geraden Linie im mittleren Segment der Himmelskarte von Tal-Qadi dürfte kein Symbol für ein Tor sein. Tore mit halbrunden Bogen waren in damaliger Zeit noch gar nicht verbreitet.

Es muss in diesem Zusammenhang jedoch zur Kenntnis genommen werden, dass die Ekliptik von der Erde aus gesehen einen Kreisbogen darstellt, der den Horizont an zwei Punkten schneidet und sich unterhalb von diesem fortsetzt. Wegen der großen Ähnlichkeit ist es nicht abwegig anzunehmen, dass das im mittleren Segment der Steintafel gezeigte Symbol, das genau im Goldenen Tor der Ekliptik liegt, den Kreisbogen der Ekliptik über dem Horizont und auch noch etwas unterhalb des Horizonts darstellt.

 
Monduntergang am Horizont des westlichen Morgenhimmels.

Neben der einfachen Deutung des Kreisbogens im mittleren Winkelsegment der Himmelstafel als Bogen der Ekliptik über dem Horizont gibt es noch eine weitere Möglichkeit für eine Erklärung: heute kann zur Wintersonnenwende morgens alle 19 Jahre der Vollmond im Goldenen Tor der Ekliptik beim Untergang beobachtet werden, wo er dann direkt über dem westlichen Horizont oder an der oberen Kante der eingepassten Himmelstafel als nach oben gewölbter Halbkreis zu sehen ist.

Es sei angemerkt, dass unter den hier genannten Voraussetzungen das radiale Zentrum der Begrenzungslinien der fünf Segmente der Himmelstafel beim Stern ο Tauri (Omikron Tauri) liegt, der zwar mit einer scheinbaren Helligkeit von 3,5m nicht ganz so hell wie die anderen beschriebenen Sterne im Sternbild Stier (Taurus) ist, aber dennoch zu den gut erkennbaren Sternen der Region zählt und sich daher sehr gut für eine präzise Einpassung der Tafel verwenden lässt.

Die untere Spitze der so eingepassten Tafel steht bei der schwierigen letzten, nur kurzzeitigen Möglichkeit zur Beobachtung der Plejaden am Abendhimmel, beim akronychischen Untergang beziehungsweise Abendletzt (heute am 1. Mai) und bevor sie in den nördlichen subtropischen Breiten mit bloßem Auge für vierzig Tage nicht mehr zu sehen sind, auf dem westlichen Horizont. Stehen die Plejaden an diesem Abend höher, werden sie vom Tageslicht überstrahlt, stehen sie niedriger, wird ihr Licht auf dem langen Weg durch die Atmosphäre durch starkes Streulicht und die vermehrte Extinktion verschleiert.

Halbrechtes SegmentBearbeiten

 
Detail an der rechten Kante der grob eingepassten Himmelstafel bei Betrachtung in einem Abstand von einem Meter mit dem maßstäblich dargestellten Vollmond. Die gestrichelten roten Linien zeigen die senkrecht auf der rechten Kante der Tafel stehende Ekliptik sowie parallel dazu die beiden extremen ekliptikalen Breiten der Mondbahn rechts und links der Ekliptik an.

Im Sternbild Taurus (Stier) liegt nördlich der Ekliptik der offene Sternhaufen der Plejaden. Von Plejaden in Richtung radialem Zentrum der Himmelstafel sind mehrere Striche vorhanden, die die entsprechenden dort liegenden Sterne andeuten könnten (namentlich ξ Tauri (3,5m), s Tauri (5m) und f Tauri (4m)). Die Plejaden kreuzten den Horizont vor 5000 Jahren beim Untergang fast senkrecht und exakt im Westen und beim Aufgang exakt im Osten, da deren Deklination damals null Bogengrad betrug.

An der Stelle und in der Richtung, wo in den beiden rechten Winkelsegmenten die dicke Querfurche erkennbar ist, verläuft am Nachthimmel ungefähr die an dieser Stelle allerdings nur schwach ausgeprägte Milchstraße. Jenseits der Milchstraße liegen im Segment rechts der Mitte gegenüber den Plejaden zwei Sterne, die mit den beiden Hauptsternen Menkalinan (links) und Capella (rechts) des Sternbilds Auriga (Fuhrmann) identifiziert werden könnten.

Aufgrund der ersten Erfahrungen mit dem Einpassen einer maßstäblichen Replik der Sterntafel in die Konstellation scheinen die beiden Sterne ζ Persei (4m) und Atik (ο Persei, 2,7m) dargestellt sein, die heute den hinteren Fuß des Sternbilds Perseus direkt nördlich der Plejaden bilden. Bei den Babyloniern wurde dieses Sternbild - vermutlich wegen der nach vorne gebeugten Anmutung - als Alter Mann (SU.GI) bezeichnet. Bei den Beduinen werden die beiden Sterne al-Atiq (bestehend aus ζ Persei und ο Persei) seit Urzeiten als das Schulterblatt von Thuraya (auch al-Thurayya) angesehen.[52] Die beiden Arme der Thuraya breiten sich vom Betrachter aus gesehen von den Plejaden im Sternbild Stier (Taurus) nach links bis zu Menkar im Sternbild Walfisch (Cetus) und nach rechts über das Sternbild Perseus bis hin zum Sternbild Cassiopeia aus, wo sich jeweils die Hände befinden. Die deutlich kürzere Hand auf der linken Seite gilt als die amputierte Hand, und die Hand auf der rechten Seite als die mit Henna tätowierte Hand. An der Stelle des tätowierten Handgelenks befinden sich die beiden mondgroßen, mit bloßem Auge sichtbaren offenen Sternhaufen h und χ Persei.[53]

Eine weitere Möglichkeit der Deutung wäre, dass alle neun mit bloßem Auge sichtbaren Sterne des offenen Sternhaufens der Plejaden in diesem Winkelsegment dargestellt sind, also zusätzlich zu den sieben Hauptsternen auch Celaeno und Asterope, beziehungsweise die beiden Eltern, also der Titan Atlas und die Okeanide Pleione, mit all ihren sieben Töchtern Alkyone, Asterope, Elektra, Kelaeno, Maia, Merope und Taygete.

Rechtes SegmentBearbeiten

Das äußerste rechte Segment zeigt einen Stern, der zu dem sehr hellen, mitten in der Milchstraße liegenden Stern Mirfak im Sternbild Perseus passt. Diesseits der Milchstraße gibt es in diesem Segment die drei hellen Sterne Algol im Sternbild Perseus, Alamak im Sternbild Andromeda und ganz unten eventuell auch noch Hamal im Sternbild Widder (Aries). Dahinter liegt das sehr auffällige Sternbild Cassiopeia mit seinen fünf Sternen, von denen Segin (ε Cassiopeiae, 3,3m) allerdings erkennbar dunkler ist als Ruchbah, Tsih, Shedar und Caph.

Die Konstellation dieser vier Sterne könnte also in der rechten Ecke der Himmelstafel angedeutet sein. Hierzu kann zur Kenntnis genommen werden, dass von Malta aus gesehen heute lediglich die Sternbilder Giraffe (Carmelopardalis), Kassiopeia (Cassiopeia), Kepheus (Cepheus) und Kleiner Bär (Ursa Minor) vollständig zirkumpolar sind. Von diesen vier Sternbildern hat nur das Sternbild Cassiopeia (Himmels-W) vier Sterne zweiter Größenklasse (2m) und ist somit zu jedem Zeitpunkt der Nacht und sogar in der Dämmerung einfach und eindeutig zu erkennen.

Vor 4500 Jahren lag der nördliche Himmelspol allerdings zwischen dem Großen Wagen im Großen Bären (Ursa Major) und dem Kleinen Bären (Ursa Minor), und daher war Cassiopeia nicht zirkumpolar, stand aber immerhin 15 Stunden lang täglich über dem Horizont. Nur die heutigen Sternbilder Kleiner Bär (Ursa Minor) und der langegezogene Drache (Draco) waren damals zirkumpolar. Die Sterne Algol (β Persei) und Ruchbah (δ Cassiopeiae) gingen damals gleichzeitig und alle fast senkrecht mit den Plejaden unter.

Praktische AnwendungBearbeiten

ÜbersichtBearbeiten

Die folgende Galerie zeigt eine Astrophotographie der relevanten Himmelsregion, mit verschiedenen Elementen und schließlich auch der eingepassten Himmelstafel von Tal-Qadi zu besseren Orientierung:

VollmondBearbeiten

Das folgende Bild zeigt, wie mit der Himmelstafel von Tal-Qadi die ekliptikalen Breite des Vollmonds gemessen werden kann, indem sie zwischen vier markanten Sternen eingepasst wird, die in Bezug auf die Plejaden in der Mitte der Anordnung in vier senkrecht zueinander stehenden Richtungen liegen. Wird die Himmelstafel zwischen dem Hauptstern des Sternbilds Stier (Taurus) Aldebaran links in der Kerbe des halblinken Segments, dem Sternenpaar ζ Persei und Atik im Sternbild Perseus an der Oberkante des halbrechten Segments und ο Tauri im radialen Zentrum unten eingepasst, schneidet die Ekliptik die gerade Kante am äußersten rechten Segment sowohl mittig, als auch senkrecht dazu. Der Stern Bharani im Widder (Aries) befindet sich dann direkt an der rechten oberen Ecke der langen geraden Kante.

Der Mond hatte während der Aufnahme eine (südliche) ekliptikale Breite von -3,0 Bogengrad und stand im zweiten Mondhaus beim Stern Bharani im Sternbild Widder (Aries).

VenusBearbeiten

Die folgenden Bilder zeigen ein Anwendungsbeispiel mit der eingepassten Himmelstafel von Tal-Qadi bei der Messung der ekliptikalen Breite der Venus, die im Moment der Aufnahme eine (nördliche) ekliptikale Breite von 3,0 Bogengrad hatte:

SchlussbetrachtungBearbeiten

Jeder Astronom weiß, wie schwierig es ist, in der Dunkelheit der Nacht Geräte zu bedienen sowie Dokumente zu lesen oder zu schreiben. Eine gut ertastbare und gegebenenfalls vom Dämmerlicht oder von roter Glut in moderater und für eine gleichzeitige Himmelsbeobachtung hinnehmbarer Weise beleuchtete Tafel ist in diesem Kontext gewiss ein brauchbares Hilfsmittel.

Mit den hier dargelegten und naheliegenden Annahmen wäre die Himmelstafel von Tal-Qadi nicht nur ein historisch bedeutendes Abbild des maltesischen Abendhimmels vor rund 4500 Jahren, sondern hätte bereits zu diesem Zeitpunkt für die Bestimmung von kalendarischen Daten gedient. Dies wäre ein Beleg für die frühen und keineswegs trivialen astronomischen Kenntnisse der damaligen Bewohner der Insel.

WidmungBearbeiten

 
Das Goldene Tor der Ekliptik als Photomontage mit der Kontur einer abgestorbenen Fichte, die zufälliger Weise die Form des Stierkopfs darstellt. Unten in der Mitte die helle Venus, in der Bildmitte die Plejaden und rechts oben das Sternbild Perseus.

Diese Zusammenstellung ist dem deutschen Wissenschaftler Friedrich Wilhelm Bessel (* 1784; † 1846) gewidmet, der völlig zu Unrecht unbeachtet im Schatten der prominenten Persönlichkeiten seiner Zeit und seines Umfelds steht.

Air de Cour "Je suis ravi de mon Uranie" von Étienne Moulinié (1625). Die Urania war im antiken Griechenland die Schutzgöttin der Sternkunde.

Der Hauptautor dankt besonders seinem Hochschullehrer Fritz Hinderer (* 1912; † 1991). Er hat ihn mit seiner stets freundlichen, interessierten und zugewandten Art sowie seinem profunden Wissen nicht nur die Astrophysik gelehrt, sondern ihm mit seinem sehr umfangreichen astronomischen Handwerkszeug auch die zahlreichen Facetten der astronomischen Beobachtung nahegebracht.

ExkurseBearbeiten

Zu diesem Wikibook gibt es die folgenden Unterseiten mit Exkursen:

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. 1,0 1,1 Chris Micallef: „The Tal-Qadi Stone: A Moon Calendar or Star Map“, The Oracle, Number 2, 2001, pages 36 to 44
  2. Rita Gautschy: solar eclipse -2146/05/18, Kanon der Sonnenfinsternisse von 2501 vor Christus bis 1000 nach Christus, Version 2.0, Januar 2012
  3. Halley (1986) - Begleiter der Jahrhunderte, Astro Corner
  4. 2.000 Jahre vor Stonehenge… – Das Sonnenobservatorium von Goseck, scienexx, 1. Februar 2008
  5. Rolf d'Aujourd'hui: Belchen, Historisches Lexikon der Schweiz, 7. Mai 2002, Bern
  6. Stone fragment with incised rays, stars, and crescent, New York University, Institute for Studies of the Study of the Ancient World, Globigerina Limestone. H. 23.5, W. 30.0, D. 4.5 cm Tal-Qadi Temple (Malta) HM–NMA: 21314
  7. National Museum of Archaeology
  8. 8,0 8,1 Peter Kurzmann: Weitere Untersuchungen zur neolithischen Sternkarte von Tal-Qadi auf Malta, Archäologie online, 10. Juli 2016
  9. Kalkstein - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung, steine-und-minerale.de
  10. Luigi Maria Ugolini: Malta: Origini della Civilta Mediterranea, Seite 128, Malta, La Libreria dello Stato, 1934
  11. Siehe auch Klaus Albrecht: Die „Sternenkarte“ von Tal-Qadi (Malta) und die Ausrichtung des Tempels von Tal-Qadi nach Osten, Kapitel 9 in: Gudrun Wolfschmidt (Herausgeberin): Orientierung, Navigation und Zeitbestimmung - Wie der Himmel den Lebensraum des Menschen prägt, Tagung der Gesellschaft für Archäoastronomie in Hamburg 2017, aus der Reihe Nuncius Hamburgensis - Beiträge zur Geschichte der Naturwissenschaften, Band 42
  12. 12,0 12,1 Peter Kurzmann: Die neolithische Sternkarte von Tal-Qadi auf Malta, Archäologie online, 25. Juli 2014
  13. 13,0 13,1 13,2 13,3 Ernst von Bunsen: Die Plejaden und der Thierkreis oder: Das Geheimnis der Symbole, Verlag von Mitscher und Röstell, Berlin, 1879
  14. 14,0 14,1 14,2 Frank Ventura, Michael Hoskin: Temples of Malta, in: Clive Ruggles (Herausgeber), Handbook of Archaeoastronomy and Ethnoastronomy, 7. Juli 2014, Seiten 1421-1430, Springer, New York, ISBN 978-1-4614-6140-1
  15. Kai Helge Wirth: „The Zodiac of Malta - The Tal Qadi Stone Enigma - Ultimate proof of Newtons Theory”, 2016, 2. Auflage, ISBN 978-3741250590
  16. Isaac Newton: The Chronology of Ancient Kingdoms Amended, London, 1728
  17. Isaac Newton: A Short Chronicle from the First Memory of Things in Europe, to the Conquest of Persia by Alexander the Great
  18. Walter Eichin und Andreas Bohner: Das Belchen-System, Universitätsbibliothek Freiburg im Breisgau, in: Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur, 47, 1985, Heft 2, Seiten 176 bis 185
  19. Peter Kurzmann: Die Plejaden in Gold auf einem keltischen Schwert, Archäologische Informationen 39, 2016, 239-246
  20. Dirk Lorenzen: Astronomie in der Höhle, Deutschlandfunk, 11. September 2015
  21. Sternenkarten in der Eiszeithöhle – Astronomie in den Höhlenmalereien von Lascaux?, scinexx, 1. Februar 2008
  22. Angelika Merk-Schäfer: Der Diskos von Phaistos - ein Venus- und Mondkalender im Kontext der minoischen Altpalastzeit auf Kreta. Die mit Symbolen gestempelte Scheibe aus gebranntem Ton ist höchstwahrscheinlich ein Agrar- und Ritualkalender im Dienste der Mond- und Venus-Gottheiten im minoischen Kreta., drmerkschaefer.files.wordpress.com, Juni 2015
  23. Irene Hager, Hans Katzgraber, Karl Aigner, Stefan Borovits, Ernst Bellant: Die Darstellung von (konkreten oder symbolischen?) Himmelsobjekten auf dem Plateau des Kalendersteins in Leodagger (Niederösterreich), in: Himmelswelten und Kosmovisionen, Imaginationen, Modelle, Weltanschauungen, Abstractbook 2019, Seite 5 und 6, Gesellschaft für Archäoastronomie, Wien
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  25. 25,0 25,1 Jacob Grimm: Kapitel XXII - Himmel und Gestirne, Abschnitt Gestirne / Plejaden, in: Deutsche Mythologie, zweite Ausgabe von 1844
  26. 26,0 26,1 Siehe auch: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Band 9, Sternbilder II, 3. Plejaden, Göschen'sche Verlagshandlung, 1941
  27. 27,0 27,1 The Pleiades in mythology, Pleiade Associates, Bristol, United Kingdom
  28. Siehe auch: Pleiades in folklore and literature in der englischsprachigen Wikipedia
  29. Emilie Savage-Smith: A Descriptive Catalogue of Oriental Manuscripts at St John's College, Seite 132, St. John's College, University of Oxford, Oxford University Press, 2005, ISBN 9780199201952
  30. Christian Schulz: Handbuch der Physik: für diejenigen welche Freunde der Natur sind, ohne jedoch Gelehrte zu seyn, Band 2, Kapitel 11, Seite 254, Hilscher, Leipzig, 1791
  31. Genesis, Kapitel 8, Vers 6, bibleserver.com, Einheitsübersetzung (2016)
  32. Exodus, Kapitel 24, Vers 18, bibleserver.com, Einheitsübersetzung (2016)
  33. Evangelium nach Matthäus, Kapitel 4, bibleserver.com, Einheitsübersetzung (2016)
  34. Evangelium nach Lukas, Kapitel 4, bibleserver.com, Einheitsübersetzung (2016)
  35. Evangelium nach Markus, Kapitel 1, Vers 12 und 13, bibleserver.com, Einheitsübersetzung (2016)
  36. Carl Strehlow: Mythen, Sagen und Märchen des Loritja-Stammes, Baer & Company, 1907
  37. Robert David Stevick: The Forms of the Monasterevin-Type Discs, The Journal of the Royal Society of Antiquaries of Ireland, Band 136, Seiten 112 bis 140, 2006
  38. Ira Spar: The Origins of Writing, Heilbrunn Timeline of Art History, Essays, Department of Ancient Near Eastern Art, The Metropolitan Museum of Art, Oktober 2004
  39. Carl Friedrich von Klöden: Der Sternenhimmel. Eine vollständige populäre Sternenkunde, mit besonderer Beziehung auf die grosse Sternwandkarte des Landes-Industrie-Comptoirs, Kapitel Anleitung zur Kenntnis der Sterne, Teil II In der Nacht vom 29. März, Abends 10 1/2 Uhr, Abschnitt b Aussicht nach Westen, Seite 93, Weimar, 1848
  40. Stierschädel mit Sternenbezug – Himmelswissen der Steinzeit älter als gedacht, scinexx, 1. Februar 2008
  41. Siehe Schlagwort "Aldebaran" in: Johann Heinrich Zedlers Grosses vollständiges Universal-Lexikon aller Wissenschaften und Künste, 1731-1754, Spalte 1095
  42. Irene Hager und Stefan Borovits (Wien, Österreich): Der Vorläufer einer Oktaëteris auf dem Kalenderstein bei Leodagger/Pulkau?, Kapitel 26.2.2 Astronomisch/kalendarische "Zählmaschinen" aus der Bronzezeit, in: Gudrun Wolfschmidt (Herausgeberin): Orientierung, Navigation und Zeitbestimmung - Wie der Himmel den Lebensraum des Menschen prägt, Proceedings der Tagung der Gesellschaft für Archäoastronomie in Hamburg 2017, Band 42 von Nuncius Hamburgensis - Beiträge zur Geschichte der Naturwissenschaften, Verlag tredition, 2019, ISBN 9783749767717
  43. Unter Verwendung der Formeln aus: Oliver Montenbruck, Thomas Pfleger: Astronomie mit dem Personal Computer, Springer-Verlag Berlin Heidelberg GmbH, 1989, ISBN 978-3-662-05865-7
  44. 44,0 44,1 Thomas Rutherforth: "A System Of Natural Philosophy: Being A Course of Lectures In Mechanics, Optics, Hydrostatics, and Astronomy; Which are Read in St Johns College Cambridge", volume 2, chapter XIV: "Of the devision of time", paragraph 388: "The cycle of Metos", 990 ff.
  45. Wilfried Menghin: „Der Berliner Goldhut und die goldenen Kalendarien der alteuropäischen Bronzezeit“, Acta Praehistorica et Archaeologica, Band 32, 2000, ISSN 0341-1184, Seiten 31 bis 108
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  47. Joachim Friedrich Quack: Zwischen Sonne und Mond - Zeitrechnung im Alten Ägypten, Seite 38, in: Harry Falk (Herausgeber), Vom Herrscher zur Dynastie. Zum Wesen kontinuierlicher Zeitrechnung in Antike und Gegenwart, Bremen 2002
  48. David Humiston Kelley, Eugene Frank Milone: Exploring Ancient Skies: A Survey of Ancient and Cultural Astronomy, Part II Astronomy in Cultures, 6 Paleolithic and Neolithic Cultures, 6.2 Megalithic Cultures, 6.2.18 Mediterranean and North African Megalithic Sites, 6.2.18.1 Malta, pages 201 and 202, Springer, 2011, ISBN 9781441976246
  49. Dirk Lorenzen: Aldebaran-Bedeckung am frühen Morgen - Sternbedeckung wie einst bei Copernicus, Deutschlandfunk, 5. November 2017
  50. Werner Papke: Zwei Plejaden-Schaltregeln aus dem 3. Jahrtausend, Archiv für Orientforschung, 31. Band, 1984, Seiten 67-70
  51. 29–30. November 2020 Halbschatten-Mondfinsternis, timeanddate.de, Time and Date AS, Stavanger, Norwegen
  52. Emilie Savage-Smith: Islamicate Celestial Globes - Their History, Construction, and Use, Smithsonian Studies in History and Technology, Nummer 46, Smithsonian Institution Press, Washington, D.C., 1985
  53. Danielle Adams: Thuraya, the Abundant Darling of the Heavens - The quintessential asterism, Two Deserts, one sky - Arab Star Calendars, 3 December 2015
  54. Danielle Adams: The Lamb - A folkloric celestial complex, Two Deserts, one sky - Arab Star Calendars, 2017

Zusammenfassung des ProjektsBearbeiten

  „Die Himmelstafel von Tal-Qadi“ ist nach Einschätzung seiner Autoren zu 100% fertig

  • Zielgruppe: Astronomen, Archäologen
  • Lernziele: Anwendung der Himmelskunde anhand eines praktischen Beispiels.
  • Buchpatenschaft/Ansprechperson: Benutzer:Bautsch
  • Sind Co-Autoren gegenwärtig erwünscht? Ja, sehr gerne. Korrekturen von offensichtlichen Fehlern direkt im Text; Inhaltliches bitte per Diskussion.
  • Richtlinien für Co-Autoren: Wikimedia-like.