Babybuch: Schreien

Sicher stellt man sich als werdende Eltern darauf ein, dass ein Baby auch mal schreit. Schließlich ist das das einzige Kommunikationsmittel, das dem Baby am Anfang zur Verfügung steht. Aber die Lautstärke und die Ausdauer mit denen die Kleinen schreien können, überrascht und erschreckt gleichzeitig. Vor allem, wenn das Schreien längere Zeit andauert, kann das erheblich an den Nerven zerren. Anstatt friedvoll und harmonisch mit dem Kind zusammen zu leben, entstehen Ratlosigkeit, Stress, Hilflosigkeit und Ohnmachtsgefühle, sogar Ablehnung gegenüber dem Kind.

Allgemeine RatschlägeBearbeiten

Bevor auf einzelne Gründe eingegangen wird, sollte der Rat gegeben werden, dass man sich, wenn das Kind schreit, möglichst schnell darum kümmert. Untersuchungen haben ergeben, dass es um so länger dauert, das Kind zu beruhigen, je länger man wartet.

"Ein Kind muss auch einmal schreien. Das kräftigt die Lunge." Solche oder ähnliche Sprüche hört man immer wieder, wenn man als Mutter gleich zum Kind läuft, weil es einen Mucks von sich gibt. Lassen Sie sich solchen Unfug gar nicht einreden! Das Schreien des Kindes ist ein Hilferuf, der sich aus seiner Hilflosigkeit ergibt. Wenn man nicht auf das Schreien seines Kindes reagiert, stört man damit das wachsende Urvertrauen des Babys zu den Eltern.

Viele Eltern haben Angst, dass sie ihr Kind verwöhnen würden, wenn sie immer sofort auf das Rufen des Kindes reagieren. Babys und insbesondere Säuglinge bis zu sechs Monaten verfügen allerdings noch gar nicht über die Denkfähigkeit, das Schreien auszunutzen, um etwas Spezielles von Ihren Eltern zu wollen.

Gründe für SchreienBearbeiten

Letztendlich kann man nur Tipps und gewisse Ansätze geben. Wirklich herausfinden, was das Baby mit dem Schreien bewirken will, müssen die Eltern. Grundsätzlich ist zu sagen, dass Schreien die Kommunikation des Babys ist und daher Bedürfnisse ausdrückt. Diese entwickeln im Laufe der Zeit auch verschiedene Ausprägungen, so dass man nach kurzer Zeit den Unterschied hören kann zwischen Hunger, Schmerz, Müdigkeit, Ärger, Angst.

HungerBearbeiten

Gerade am Anfang sind die Anzeichen für Hunger recht deutlich. Und am Anfang ist das auch am häufigsten der Grund. Nach einem ersten Aufschrei folgen meist sehr regelmäßige Schreie.

EinsamkeitBearbeiten

Nach dem Hunger ist das wichtigste Bedürfnis des Babys natürlich die Nähe zu seiner Mutter. Dieses Bedürfnis ist allen Primaten gemeinsam. Sowohl bei Affen als auch bei Menschen in traditionellen Gesellschaften ist das Baby ständig in der Nähe bzw. in Körperkontakt zu seiner Mutter. Moderne Industriegesellschaften fallen hier aus der Rolle, in denen Babys ein eigenes Kinderzimmer bekommen, in dem sie die ganze Nacht alleine verbringen sollen. Das Schreien nachts ist dann oft nur eine Erinnerung an das Fehlen der Mutter.

Mittlerweile ist das Verständnis für die natürlichen Bedürfnisse aber gewachsen. Mütter stillen nun wieder häufiger als in den 70'ern, Babys werden nicht mehr so fest eingewickelt, in Krankenhäusern wurde Rooming-In wieder zum Standard, und auch das Kinderbett findet nun wieder häufiger einen Platz im elterlichen Schlafzimmer. Sehr praktisch sind Kinderbetten, wenn die Gitter an einer Seite aufgemacht werden und dann eine Ebene mit dem Elternbett hergestellt wird. Baby und Eltern haben dann ihren Platz und das Stillen kann nachts nach Bedarf ohne Aufstehen realisiert werden. Erfahrungen zeigen, dass so in der Nacht kaum Anlass zum Schreien besteht. Eine wissenschaftliche Studie zum Schreiverhalten in Bezug auf solche Schlaf-Anordnungen ist nicht bekannt. Im Zweifel schaut man auf die biologische Evolution, die die ständige Nähe des Babys zu seiner Mutter als beste Strategie ausgewählt hat.

Blähungen/KolikenBearbeiten

Dreimonatskoliken:
In den ersten 3 Lebensmonaten haben viele Kinder Blähungen. Diese kommen teilweise mit, oft aber auch ohne Verbindung mit irgendwelchen Ernährungsgewohnheiten der Mutter oder sonstigen Problemen. Sie verursachen vielen Eltern schlaflose Nächte. Es gibt zahllose Mittel dagegen, jedoch ist der Erfolg eher gering. Böse Zungen behaupten, die ganzen Mittel wären nur dazu da, um die Eltern drei Monate lang zu beschäftigen.

Jetzt aber doch zu einigen Mitteln, die Linderung bringen können.

  1. Wenn die Mutter stillt, sollte Sie ihre Essgewohnheiten beobachten und versuchen festzustellen, ob die Koliken nach bestimmten Nahrungsmitteln schlimmer werden und diese dann meiden. Grund kann hier auch eine Allergie sein.
  2. Kirschkernkissen oder Wärmflasche auf den Bauch legen (oder Kind auf die Wärmflasche, wenn das Kind lieber auf dem Bauch liegt). Dies kann die Schmerzen lindern und dabei helfen, die Blähungen abzubauen.
  3. In der Apotheke erhältliche Kümmelzäpfchen: Der Kümmel wirkt gegen die Blähungen.
  4. Windeöl, eine Zusammenstellung verschiedener ätherischer Öle. Das Einmassieren des Öls auf dem Bauch (im Uhrzeigersinn, wegen des Weges des Darms im Bauch!) hilft auch, Blähungen zu lösen.
  5. Bauchlage (auf einer flachen Unterlagen mit angezogenen Beinen, quer über die Beine, Tragen in der Fliegerhaltung, ...)
  6. In der Apotheke erhältliches Mittel, das der Schaumbildung im Darm entgegenwirkt. Es gibt verschiedene Mittel mit dem gleichen Wirkstoff.
  7. konsequent nach jedem Füttern Bäucherchen machen lassen, denn die Luft, die beim Trinken verschluckt wurde, ist es häufig, die Blähungen verursacht.

Zu heiß/zu kaltBearbeiten

Neugeborene verfügen noch nicht über Methoden, ihre Körpertemperatur zu regulieren. Ob dem Baby zu heiß ist, lässt sich am besten am Nacken ertasten - ist es dort feucht, hat es vermutlich zuviel an. Kälte erfühlen Sie an Händen und Füßen oder merken es daran, dass das Kind bibbert.

Volle WindelBearbeiten

Dank der heutigen Hightech-Windeln, die die Nässe ins Innere der Windeln ableiten, ist das Schreien wegen voller Windeln recht selten. Falls man aber sonst keinen anderen Grund findet, lohnt es sich auf jeden Fall einmal den Windelstatus zu überprüfen.

Kinder sind manchmal auch einfach müde , überreizt, erschöpft und schreien dann auch. Eine hilfreiche Möglichkeit könnte sein sich im abgedunkelten Raum einfach neben das Baby zu legen und sich selbst zu entspannen. Wenn das Kind spürt, dass die Eltern tief entspannt bei ihm sind, dann schläft es leicht ein. Eventuell die Augen sanft zuhalten mit der hohlen Hand. In der Reizüberflutung spüren wir auch oft nicht unsere Erschöpfung. Ruhig sprechen , ruhig athmen.

SchmerzenBearbeiten

LangeweileBearbeiten

ChecklisteBearbeiten

Aus den beschriebenen Problemen ergibt sich also folgende Checkliste für Eltern:

  • hungrig? (eventuell aus der Geruchszone der Mutterbrust entfernen)
  • Windel voll?
  • wunde Stellen? Po, Hautfalten, ...
  • schief gewickelt, irgendwo Druckstelle?
  • Blähungen?
  • Reizüberflutung, zu laut?
  • zu warm / kalt?
  • Baby nicht alleine gelassen? (auch nachts wollen Babys bei der Mutter bleiben)

Allgemeine BeruhigungsmaßnahmenBearbeiten

  • Zu allererst das Baby hochnehmen, liebevoll mit ihm sprechen, kuscheln!
  • ins Gesicht pusten (funktioniert nur ein paar Monate, dann ist der Überraschungseffekt weg)
  • Bäuerchen machen (über Schulter hängen und auf den Rücken klopfen)
  • Lage wechseln (Bauch, Rücken, Seite)
  • Fliegergriff
  • Treppensteigen
  • monoton auf Po oder Rücken klopfen
  • ins Tragetuch packen und umhergehen (wenn das Baby immer noch schreit, ein paar Stockwerke Treppensteigen. Hat bei uns eine 100% Erfolgsquote bisher)
  • Baden (wenn das Kind baden schon gewohnt ist)
  • Bürsten
  • etwas vorsingen, mit ruhiger Stimme etwas erzählen
  • Heizlüfter (nicht zu nah/heiß!)
  • auf die eigene Brust legen (warm und Herzschlag beruhigt)
  • auf den Balkon gehen
  • Stubenwagen umherrollen
  • Schnuller, am Finger oder Fingergelenk saugen lassen (bei Stillkindern erst ab der 6. Woche, weil es sonst zu Stillverwirrung kommen kann, egal welche Form der Schnuller hat).
  • Manche Babys fühlen sich in ihrer neuen Umgebung außerhalb des Mutterleibes verloren, da keine Geborgenheit spendende Enge mehr vorhanden ist. Solche Babys lassen sich oft beruhigen, wenn man sie vom Kopf abwärts fest in eine Decke einwickelt. Vorsicht, nicht zu fest wickeln! Es reicht, wenn das Baby nicht mehr ungehindert strampeln kann.

Nichts hilft?Bearbeiten

Was nun aber tun, wenn nichts hilft und das Kind einfach nicht zu beruhigen ist?

Wenn die Nerven aller Beteiligten am Ende sind (z.B. nach der 3. schlaflosen Nacht) und das Kind auch in der nächsten Nacht so schreit, dass man kurz davor ist, "auszurasten": Kind einpacken und in die nächste Kinderklinik fahren. Warum? 1. Auf der Fahrt geschehen manchmal Wunder und das Kind schläft ein. 2. Kinderärzte können prüfen, ob hinter dem Schreien nicht doch mal eine Erkrankung (z.B. Ohrenentzündung) steckt. Auch gibt es die Möglichkeit, in besonderen Fällen das Kind in der Obhut der Klinik zu lassen und selbst nach Hause zu gehen, um Kraft zu tanken und endlich mal zu schlafen. Am nächsten Tag sieht alles dann schon wieder anders aus.

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QuelleBearbeiten

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