Übersicht Inhaltsverzeichnis Am Anfang:   Vorwort | Einleitung | 10 Sätze zum naturwissenschaftlichen Weltbild

Die Grundlagen:   Was ist die Natur? | Materie, Energie und Information | Atome, Moleküle, Elementarteilchen, Photonen | Die vier Kräfte | Raum und Zeit |

Die Geschichte der Natur   Die Geschichte der unbelebten Natur | Was ist das Leben? | Die Entwicklung des Lebens | Die Entwicklung des Menschen |

Der menschliche Geist und seine Leistungen   Wie erkennen wir die Welt? | Geist, Seele, Bewusstsein, freier Wille | Gut und Böse in der Natur, das Gewissen | Grundlagen einer Naturethik | Leistungen des Menschen, Transzendenz der Natur |

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Die Zukunft   Wie schaut die Zukunft aus? 

Anhang:   Allgemeine Literatur zum Thema | Literatur zu den einzelnen Kapiteln | Links zum Thema | Abstellraum


 Baruch de Spinoza
„Es gibt in der Natur kein Gutes und kein Schlechtes.“
Quelle: unbekannt
Die  Bildzeitung weiß, wo daß Böse im Gehirn steckt: Im Zentrallappen. 
Diesen gibt es anatomisch aber gar nicht.
Quelle: BILD-Zeitung, 5. Februar 2013 unter der Überschrift „Hier sitzt das Böse“
Gut und Böse im Kinderbuch

Gut und Böse, Einleitung

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Im Verhalten von Tieren sind   Egoismus,   Altruismus, Kindsmord und Selbstaufopferung zu finden. Alle Beispiele sind verwirklicht. Gut und Böse findet man als widerstreitende Gefühlsregungen und Handlungsweisen häufig sogar in ein und demselben Lebewesen. Die Natur ist im menschlich moralischen Sinne nicht allzu anspruchsvoll. Gut und Böse im menschlichen Sinne als fürsorgend-nächstenliebend bzw als aggressiv-egoistisch sind als emotionale Verhaltenseigenschaften in Tieren immer gleichzeitig mehr oder minder stark verwirklicht. Es treten also völlig gegensätzliche Handlungsweisen auf. Ein Affe, der gegen die Mitglieder einer fremden Sippe extrem aggressiv ist, kann gleichzeitig gegenüber seinen eigenen Kindern sehr liebevoll sein. Ob dem Affen dieser Gegensatz bewußt wird, ist schwer herauszufinden. Dem Menschen bereitet die Abgrenzung von Gut und Böse jedenfalls erhebliche Probleme.

 
Ein Reh, für manche Menschen der Inbegriff von Unschuld und Gutem.
 
Die Spinne, für manche Menschen ein Sinnbild des Bösen.


Ein Tier muß sich einerseits gegen andere Tierarten zur Wehr setzen. Auch Artgenossen von anderen Stämmen werden primär als fremd und aggressiv eingestuft. Sie müssen bekämpft werden, zur Not auch durch Mord und Totschlag. Als Raubtier muß ein Tier andere Tiere für sein eigens Überleben umbringen. Gleichzeitig muß jedes Tier sich für das Überleben seiner eigenen Familie oder Sippe einsetzen

Gut und Böse, Krieg und Frieden, ein Problem des Menschen

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Dem Menschen wird offensichtlich als einem der wenigen Lebewesen bewußt, was aggressives Verhalten für den Betroffenen bedeutet. Der Zielkonflikt zwischen Gut und Böse, der Tieren kaum Probleme zu bereiten scheint, bringt den Menschen in erheblichen moralischen Erklärungsnotstand. Der Mensch kann sich in seinen Gegner hineindenken, er kann mit ihm kommunizieren. Er weiß also sehr wohl, daß er es mit einem Artgenossen zu tun hat und er kann auch die Folgen der Aggression gut abschätzen.

Außerdem hat der Mensch moralische Vorstellungen aufgestellt, die in ihrer Absolutheit sehr klar und überzeugend klingen:

Du sollst nicht töten.

Die praktische Durchsetzung dieser sehr wichtigen Regel bereitet ihm aber erhebliche Probleme. Gegenüber offensichtlich aggressivem Verhalten eines anderen Menschen muß der Mensch sich zur Wehr setzen oder er muß fliehen. Bei seiner Verteidigung muß er manchmal den Tod des Angreifers billigend in Kauf nehmen.

Gut und Böse sind ein kulturelles und soziales Problem des Menschen. Das Problem kann man mit naturwissenschaftlichen Methoden untersuchen, aber es ist primär kein naturwissenschaftliches Problem. Entscheidende Lösungsansätze für das Problem kommen vor allem aus der Psychologie, der Rechtssprechung, dem Versicherungswesen und der Politik.

Für andere Weltbilder, die einen grundsätzlicheren moralischen Ansatz haben als das naturwissenschaftliche Weltbild, bereitet die Existenz des Bösen erhebliche Erklärungsnöte. Das sogenannte Theodizeeproblem ist eines der stärksten Argumente gegen die Existenz eines allwissenden und allgütigen Gottes. ( Siehe weiter unten )

Ganz entscheidend war und ist die Naturwissenschaft allerdings gefragt, wenn es darum geht, ob eine neue Waffe technisch machbar ist, ob man sie entwickeln und einsetzen soll. Die Diskussion, um den Einsatz der Atombomben zeigt die ganze Dimension des Problems. Erstmals ist es möglich geworden mit Waffen, die vor allem von Naturwissenschaftlern konstruiert wurden, solche Schäden herbeizuführen, das das Ende der Menschheit durch den Einsatz dieser Waffen denkbar wurde.

Die Entwicklung der Waffentechnik und der Kriegsführung hat außerdem dazu geführt, daß der Beginn einer Aggression nicht mehr direkt deren Folgen zeigt. Das Töten erfolgt nicht mehr mit bloßen Händen sondern meist mit Distanzwaffen, die die direkten Folgen nicht mehr sofort erkennen lassen.

Waffenversicherung. Den Frieden lukrativ und den Krieg teuer machen

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Waffenversicherung: Den Frieden lukrativ und den Krieg teuer machen

Aus Sicht einer pragmatischen Ethik sind Krieg und Bürgerkrieg ein vermeidbares Versagen der Politik. So wie im 19. Jahrhundert Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten ein riesiges Problem der aufkommenden Industrialisierung waren und erst durch die Einführung von Versicherungen und Berufsgenossenschaften weitgehend begrenzt wurden, muß die Waffenindustrie dazu gezwungen werden, ihre Produkte zu versichern. Im Schadensfall muß ein finanzieller Ausgleich erfolgen. Dies wäre ein entscheidender Schritt zur Friedenssicherung. Erst wenn jeder Waffeneinsatz teuer wird und die Folgen bezahlt werden müssen, wird der Waffengebrauch zurückgehen. Diese allgemeine, am besten von der UNO kontrollierte Waffenversicherung muß auch bei Kriegseinsätzen von Waffen zahlen.

Theodizee

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Die Existenz von so vielem Übel in der Welt ist aus Sicht der Naturwissenschaften eines der stärksten und nicht zu widerlegenden Argumente gegen einen aktiv ins Weltgeschehen eingreifenden, allmächtigen und allgütigen Gott. Dieses Problem tritt nicht auf, wenn man Gott als Erschaffer der Welt ansieht, der dann aber nicht mehr ins Weltgeschehen eingreift. Auch das Problem der Verletzung der Naturgesetze durch Wunder kann dann gelöst werden.

Siehe:   Theodizee

In klassischer Weise wurde das Problem bereits durch den griechischen Philosophen Epikur (341-270 v. Chr) formuliert:

Entweder will Gott die Übel beseitigen und kann es nicht: 
dann ist Gott schwach, was auf ihn nicht zutrifft, 
oder er kann es und will es nicht: 
dann ist Gott missgünstig, was ihm fremd ist, 
oder er will es nicht und kann es nicht: 
dann ist er schwach und missgünstig zugleich, also nicht Gott, 
oder er will es und kann es, was allein für Gott ziemt: 
Woher kommen dann die Übel und warum nimmt er sie nicht hinweg? 

Dieser Text wurde durch Lactantius überliefert. Einige Formulierungen dürften eher der Theologie des Lactantius entsprechen als der Theologie Epikurs. Nach Epikur waren die Götter selige Wesen, die sich nicht um die Welt kümmerten.

Das Gewissen

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Bei der Frage nach Gut und Böse kommt eine interessante ethische Funktion im menschlichen Gehirn ins Spiel: das Gewissen.

Über das Gewissen gibt es die unterschiedlichsten Ansichten, Meinungen oder Theorien.

Viele stellen sich unter Gewissen eine spezielle Instanz des menschlichen Bewusstseins vor, die einen dazu drängt aus ethischen und sozialen Gründen bestimmte Handlungen auszuführen oder zu unterlassen. Entscheidungen können dabei als unausweichlich empfunden werden oder mehr oder weniger bewusst, also im Wissen um ihre Voraussetzungen und denkbaren Folgen, vorgenommen werden (Verantwortung).

Handelt ein Mensch entsprechend seinem Gewissen, ist er oder fühlt er sich gut und zufrieden und gibt üblicherweise an, ein gutes oder reines Gewissen zu haben oder zu besitzen; handelt er indessen entgegen seinem Wissen und Gewissen, so fühlt er sich von dieser vermeintlichen Bewusstseinsinstanz vielleicht angeklagt oder gar verfolgt oder unter Druck gesetzt. Andere verspüren eher ein nagendes Gewissen, und wieder andere fühlen sich von Gewissensbissen geplagt oder geradezu gepeinigt.

Ersichtlich handelt es sich bei diesen geläufigen Redeweisen um alltagssprachliche Redewendungen, die über die realen Zusammenhänge kaum etwas aussagen, zumal sie teilweise deutlich metaphorischer Art sind und daher nicht wörtlich verstanden werden dürfen. Auch von anderen Voraussetzungen ausgehende Ansichten und Vorstellungen, Meinungen und Theorien von Natur und Herkunft des Gewissens scheinen kaum geeignet, etwas zur Aufklärung der psychologischen Eigenart des Gewissens beizutragen.

Definition des Gewissens

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Man kann das Gewissen als das Bewusstsein des Menschen um Gut und Böse bezeichnen, welches dem Menschen nach naturwissenschaftlicher Weltanschauung vor allem von der sozialen Gruppe eingegepflanzt wird, in der er aufgewachsen ist oder in der er lebt. Durch den Gruppendruck entsteht der innere Antrieb, diesem Wissen entsprechend zu handeln. Nach naturwissenschaftlicher Ansicht kann man so etwas wie ein Gewissen auch bei sozialen Tieren wie beispielsweise Hunden beobachten.

Unterordnung und Gehorsam

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Stanley Milgram untersuchte in seinen sozialpsychologischen Experimenten der 60er Jahre die Gehorsamsbereitschaft unter verschiedenen Bedingungen. Dabei wies er experimentell nach, wie das Gewissen je nach Versuchsanordnung ganz unterschiedlich reagiert. Ein wichtiges Einzelergebnis ist die Widerstandsfähigkeit des Gewissens bei etwa einem Drittel der Versuchspersonen. Insbesondere der noch höhere Anteil der Verweigerer unter der Bedingung der räumlichen Nähe zum "Opfer" verweist auf die sozialen Komponente des Gewissens hin.

Gewissensgründe

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Der bundesdeutsche Gesetzgeber geht von der Existenz des Gewissens aus, zum Beispiel dadurch, dass er die Möglichkeit zur Verweigerung des Wehrdienstes aus „Gewissensgründen“ ermöglicht (Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, GG Artikel 4, Punkt 3).

Steven Weinberg
„Es wäre ein überzeugenderer Hinweis auf einen gütigen Schöpfer, wenn das Leben besser wäre, als wir es erwarten können ... Mein Leben war bemerkenswert glücklich und liegt wahrscheinlich bei 99,99 in einer 100er-Skala menschlichen Glücks. Doch ich mußte zuschauen, wie meine Mutter unter Schmerzen an Krebs starb, die Persönlichkeit meines Vaters durch die Alzheimer-Krankheit zerfiel und zahlreiche entferntere Verwandte im Holocaust ermordet wurden. Die Anzeichen eines gütigen Schöpfers sind ziemlich gut versteckt. Das Böse und das Leid haben schon immer jene beschäftigt, die an einen gütigen und allmächtigen Gott glauben. Manchmal wird Gott durch die Notwendigkeit des freien Willens der Menschen entschuldigt. Aber es erscheint für meine Verwandten etwas unfair, ermordet zu werden, damit Deutsche eine Gelegenheit für ihren freien Willen hatten. Davon abgesehen: Wie erklärt der freie Wille den Krebs? Braucht ein Tumor ebenfalls einen Spielraum für seinen freien Willen? Ich halte es hier nicht für nötig zu begründen, warum das Böse in der Welt beweist, daß das Universum nicht geschaffen wurde, sondern nur, daß es keine Anzeichen von Güte gibt, die die Handschrift eines Schöpfers zeigen. Die Sichtweise, Gott könne nicht gütig sein, ist schon alt. Die antiken Tragödien machen klar, daß die Götter selbstsüchtig und brutal sind, obwohl sie ein besseres Verhalten von Menschen erwarten. Der Gott des Alten Testaments fordert, daß wir das Leben unserer Kinder auf sein Geheiß hin opfern, und der Gott des traditionellen Christentums verdammt uns in alle Ewigkeit, wenn wir Ihn nicht in der rechten Weise verehren. Ist dies eine nette Art, sich zu benehmen? Ich weiß ja, wir dürfen Gott nicht nach menschlichen Maßstäben messen. Aber welche anderen Maßstäbe können wir denn anlegen, wenn wir nicht bereits von Seiner Existenz überzeugt sind und nach Anzeichen Seiner Güte suchen? Religion hat manches Gute in der Welt bewirkt, aber insgesamt sind ihre Folgen furchtbar. Meine persönliche Ansicht ist: Mit oder ohne Religion werden sich gute Menschen gut verhalten und schlechte Menschen werden Böses tun. Doch der Beitrag der Religion in der Geschichte war, es guten Menschen zu erlauben, Böses zu tun. Eine der größten Errungenschaften der Wissenschaft ist nicht, es intelligenten Leuten unmöglich zu machen, religiös zu sein, sondern es ihnen zumindest zu ermöglichen, nicht religiös zu sein. Dahinter sollten wir nicht zurückfallen.“
Quelle: Bild der Wissenschaft, 12/1999