UNTERTITEL: Orte sorbischen Lebens in Dresden.

Seitentitel: Reisen in das Alte Dresden/ Die Nisaner – Dresdens verschwundenes Volk
(Reisen in das Alte Dresden/ Die Nisaner – Dresdens verschwundenes Volk)
Band 32 des Werkes Reisen in das Alte Dresden


Tschechen 730

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Johann Mehler (Fuerstlich Colloredo=Mansfeldischer Hofrath): Urspruengliche, chronologische Geschichte Boehmens. Erster Theil. Von der Ankunft der Slawen in Boehmen, im Jahre Christi 480, bis zur Regierung Kaiser Karls des Vierten 1346. Prag, verlegt und zu haben bei Johann Diesbach. 1806.

S. 36

  • Boehmen soll dazumal an Goldadern sehr reich gewesen sein
  • Stransky: Mnata starb 730 und hatte 40 Jahre über Böhmen geherrscht
  • nach Hagek: Mnata sei an der Pest gestorben, vielleicht weil damals die Pest in Deutschland gewüthet hat

S. 37

  • Nachfolger wird Mnatas Sohn Wogen, damals etwa 30-jährig

Anmerkungen

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Tschechen 757

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Johann Mehler (Fuerstlich Colloredo=Mansfeldischer Hofrath): Urspruengliche, chronologische Geschichte Boehmens. Erster Theil. Von der Ankunft der Slawen in Boehmen, im Jahre Christi 480, bis zur Regierung Kaiser Karls des Vierten 1346. Prag, verlegt und zu haben bei Johann Diesbach. 1806.

S. 37

  • Herzog Wogen starb - ihm folgte Weyslaus (nach Cosmas)

S. 38

  • Balbin sagt: daß Weyslaus in den alten Handschriften des prager Kirche allzeit in der Reihe der Fürsten genannt worden sey; und daß er einen lange Regierung geführt habe.

Anmerkungen

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Tschechen 785

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Johann Mehler (Fuerstlich Colloredo=Mansfeldischer Hofrath): Urspruengliche, chronologische Geschichte Boehmens. Erster Theil. Von der Ankunft der Slawen in Boehmen, im Jahre Christi 480, bis zur Regierung Kaiser Karls des Vierten 1346. Prag, verlegt und zu haben bei Johann Diesbach. 1806.

S. 38

  • Weyslaus starb, ihm folgte Krzesomisl

S. 39

  • Krzesomisl Herzog, bis zum Neklan 803
  • Balbin: er war ein gütiger Herr
    • wird durch andere Historiker bestritten
  • er soll Prag mit Privilegien versehen haben
  • er soll den herumschweifenden Moraviern Einhalt gethan haben
  • ihm folgte in der Regierung sein Sohn Neklan

Anmerkungen

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Ersterwähnung von Chlumec u Chabařovic[1] zusammen mit Ústí nad Labem als Zollplätze

  • Chlumec u Chabařovic: Kreuzung der Lausitzer Straße und des Sorbenweges
    • 1228: Änderung der Wegeführung des Kulmer Steiges -> Chlumec u Chabařovic verliert seine Funktion als Zollstelle

Die Sorben sind ein westslawisches Volk, welches Ende des 6. Jahrhunderts aus dem Gebiet zwischen Oder und Dnepr über die Mährische Pforte und Böhmen in das Elbe-Saale-Gebiet einwanderte.

Die 20 sorbischen Stämme besiedelten nördlich der Mittelgebirge bis etwa zu einer Linie Magdeburg, Jüterbog, Beeskow und Eisenhüttenstadt rund 40.000 km2 Land. Nördlich dieser Linie wurde Altpolabisch gesprochen.

Die Elbtalweitung um Dresden, von den Slawen als Nisan[2] (Niederland) bezeichnet, stand wie bei früheren Besiedlungen von Südosten aus am Beginn der sorbischen Landnahme. Der Besiedlungszug erreichte wahrscheinlich noch vor oder mit den Awaren spätestens 562 den mittleren Elberaum bei Riesa/Strehla, vielleicht sogar schon die Saalemündung.

Die Sorben trafen hier auf eine durch die Völkerwanderung ausgedünnte germanische Bevölkerung, wie die belegten slawisch-germanischen Kontakte z. B. auf dem Gelände des späteren Neustädter Kohlmarktes oder elbaufwärts in Liebersee bei Belgern und Dessau-Mosigkau beweisen.

Die Sorben bezeichnen sich selbst als Serb (Substantiv maskulin) bzw. Serbowka (Substantiv feminin) und mit serbski (Adjektiv maskulin). Sie treten in westlichen Quellen erstmals 631 als Surbi auf, wobei der fränkische Annalist auf ein bereits langanhaltendes gutnachbarliches Verhältnis verweist. Der erwähnte, zu diesem Zeitpunkt von den Franken abgefallene Sorbenfürst Derwan herrschte über ein Gebiet zwischen Saale und Mulde, welches an das fränkische Reich grenzte.

Östlich der Surbi machten Ende des 9. und zu Beginn des 10. Jahrhundert westliche Quellen die sorbischen Taleminczi (Daleminzier[3]) aus, welche sich selbst Glomaczi (Lommatzscher) nannten.

Die Nisaner, um die Jahrtausendwende ersterwähnt, schlossen sich östlich an die Daleminzier an.

Alle diese sorbischen Stämme wurden durch die deutsche Ostsiedlung assimiliert. Lediglich etwa 20.000 Nachfahren der Lusiczi in der Niederlausitz und 40.000 der Milczeni in der Oberlausitz existieren bis heute. Mangels anderer sorbischer Stämme hat sich heute die Bezeichnung Sorben allein auf diese übertragen. Im Unterschied zu den Elbsorben erfolgte die Einwanderung der Lusiczi und Milczeni wahrscheinlich erst im 7. Jahrhundert und nicht von Südosten, sondern von Osten aus dem heute polnischen Raum.

Die Sorben sind eine in Deutschland anerkannte nationale Minderheit. Andere anerkannte nationale Minderheiten existieren nicht mehr.

Auf Grund einer Kette von Negativerfahrungen trotz blumiger, vollmundiger politischer Statements in der Sorbenfrage läuft derzeit ein sorbischer Emanzipations- und Transformationsprozess weg von staatlicher Betreuung und Bevormundung durch die Domowina[4] hin zu einer eigenverantwortlichen nationalen Demokratie mittels der Instrumente Rada Starostow (Ältestenrat) und Serbski Sejm (Sorbisches Parlament).

Durch die wachsende wirtschaftliche Bedeutung Dresdens hat sich die Zahl der Sorben hier wieder signifikant erhöht. Die katholische Kirche bietet einen sorbischen Gottesdienst an. Es existiert eine sorbische Studien- und Wohngemeinschaft. 2009 wurde der Stup dale e. V.[5] gegründet, der sich um die Pflege Sorbischer Kultur in Dresden bemüht. Mehrere Mitglieder des Serbski Sejm leben und arbeiten in Dresden, wo auch jährlich eine turnusmäßige Sitzung dieses sorbischen Parlaments stattfindet.

Anmerkungen Sorben

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  1. Vgl. Chlumec u Chabařovic.
  2. Vgl. Nisaner.
  3. Vgl. Daleminzier.
  4. Vgl. Domowina.
  5. Vgl. Stup dale e. V..

Francisci (Frantisek) Pubitschka (Priesters aus der Gesellschaft Jesu): Chronologische Geschichte Boehmens unter den ersten christlichen Herzogen. Zweyter Theil, welcher das christliche Boehmen enthaelt., Leipzig und Prag, bey Franz Augustin Hoechenberg und Compagnie. 1771.

  • Die Waldenser kommen um das Jahr 1176 nach Böhmen. (5)

Francisci Pubitschka Priesters von der Gesellschaft Jesu: Chronologische Geschichte Böhmens ..., Bände 1-2

Quellen

  • Bohuslaus Balbinus (erster Chronist) - gedruckte und handschriftliche Werke[1]
  • Simon Assemann Originum Slauorum - Codex Assemanianus[2]

Band 2 1771

S. 32 Jahr Christi 877: Zu diesem Jahr kann ich mit vieler Wahrscheinlichkeit auch das noch rechnen, was Christannus von Borziwojo nach seiner Wiedereinsetzung schreibt: eben dieser Fuerst hatte waehrend seinem Aufenthalte in Maehren, Gott ein Geluebde gethan, im Falle er ihm seine verlohrne Wuerde und vaeterliche Erbschaft wieder schenkte, wollte er zur Ehre der Hl. Jungfrau Maria eine Kirche bauen: und kaum war er wieder nach Prag zurueckgekehrt; so kam er auch diesem Versprechen nach, und errichtete mitten auf dem Markt der Altstadt Prag ein Gotteshaus, welches der noch heutzutage stehende Tein ist. In dieser Kirche pflegt die Universitaet ihre geistlichen Feyerlichkeiten zu halten. Gleich darneben steht der alte Pallast des Herzogs Krzezomysli, der in der Folge laeta curia, der lustige Hof oder der Teiner Hof genannt worden. Hier soll, wie Krugerius erinnert, zwar eine Kapelle seyn, in welcher Spitignaeus, des Borziwoji Sohn, begraben liegt: ie Teinkirche aber, wie man selbige jetz noch sieht, sollen im Jahre 1400 verschiedene Kaufleute haben bauen lassen. Pessina (o) [PESSINA. Phosphor. Rad. 3.] schreibet: nicht weit davon auf der Anhoehe Zderassei von Borziwojo die Kirche St. Petri und Pauli errichtet worden: u. s. w. Der Schriftsteller, welcher das Leben der Hl. Ludmillae beschrieben, versichert, daß selbige den frommen Eifer ihres Gemahls hierin nachgeahmt, ja sogar selbigen uebertroffen habe. Pontanus (p) [PONTANUS, Bohem. piae. I. 4.] zaehlt sieben Kirchen her, welche sie bauen lassen; und Nicolaus Salius verzeichnet beym Surio gleichfalls einige (q) [V. SUYSKENUM AA. SS. in Vita S. Ludmillae]. Daß die Tetiner St Catharinen= [33] Kirche von ihr allein herrühre, dieß bekräftigen hier und da boehmiche Geschichtsschreiber. Die Melniker und Bunzlauer Kirchen sind nach dem Balbino (r) [BALBINUS Miscellan. I. 4. c. 6. p. I. et 7.] von der Hl. Ludmilla eben so mit Kirchengeschenken ausgezieret worden, wie sie zuvor dem Götzenbilde Krosyna dergleichen geopfert hatte. Arsenius, der Verfasser der bunzlauer Geschichte, und Berthold Pontanus (s) [PONTANUS in Boh. pia, Balb. hist. mont. saneti I. 1. C. 9. § 2. n. 2.] versichern, aus dem Goetzenbilde Krosyna sey hernach die bunzlauer Marienbildsaeule gegossen worden: da aber jenes von Golde war und diese Bildsaeule aus verschiedenen Metallen zu bestehen scheint, so kann man obigen Schriftstellern hierin nicht allerdings Glauben beymessen. Carpzov erzaehlt nach einer alten Tradition: bey dem Dorfe Tachau, am Flusse Nissa in der Lausitz, wo vormals ein der Goettinn Isis geheiligter Hain gewesen, habe die H. Ludmilla dem heiligen Apostel Petro eine Kirche errichtet und reichlich beschenkt: vom H. Methodio aber sey selbige eingeweiht worden. Carpzov meldet dieses in den Zittauischen Sammlungen, Großer in den Lausitzischen Merkwuerdigkeiten 2. Th. und Christoph Wiesner in dem Manuscripte der Laubenschen Jahrbuecher. Alles dieses muß man als nach der Taufe der H. Ludmilla erfolgte Begebenheiten betrachten. Das, was hier von Tachau in der Lausitz gesetzt worden, laeßt sich viel wahrscheinlicher auf das boehmische Tachau am Flusse Mißa anwenden, da die Frage noch nicht ausgemacht ist, ob sich des Borziwoji Herrschaft bis in die Lausitz erstreckt habe.


August Schumann: Vollstaendiges Staats= Post= und Zeitungs= Lexikon von Sachsen, enthaltend eine richtige und ausfuehrliche geographische, topographische und historische Darstellung aller Staedte, Flecken, Doerfer, Schloesser, Hoefe, Gebirge, Waelder, Seen, Fluesse &c, gesammter Koenigl. und Fuerstl. Saechsischer Lande, mit Einschluß des Fuerstenthums Schwarzburg, des Erfurtschen Gebietes, so wie der Reußischen und Schoenburgischen Besitzungen, Dritter Band, Friedrichswalde bis Herlachsgruen, Zwickau, im Verlage der Gebrueder Schumann, 1816, S. 209.Goerlitz (Geschichte) […] In Urkunden kommt die Stadt unter dem Namen Horzelecz oder Zgorzelecz vor, welches so viel als Brandstatt bedeutet. […] Früher als sie standen an demselben Platze, am Ufer der Neiße, die beiden Dörfer Drebenau und Tachau; und zu Karl des Großen Zeiten befand sich hier auch eine Burg. Man nimmt an, daß Sobislaw beide Doerfer in einen Marktflecken verwandelte, und im Jahr 1125 zu dessen Beschuetzung ein festes Blockhaus erbauete. Der Marktflecken bluehete schnell auf, wurde aber durch eine Feuersbrunst zerstoert, worauf Sobieslaw (im J. 1131) ihn in eine ansehnliche Stadt verwandeln ließ, die er den Namen Horzelecz (Brandstaette) beilegte.

https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10136381_00005.html

Anmerkungen

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  1. Vgl. Bohuslav Balbín.
  2. Vgl. Codex Assemanianus