Traktorenlexikon: Nordtrak

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Die Norddeutsche Traktorenfabrik kurz Nordtrak fertigte von 1950 bis 1957 in Hamburg Allradtraktoren mit der Bezeichnung Stier. Wegen ihres Allradantriebs wurden sie vor allem in der Forstwirtschaft, im Baugewerbe oder in anderen Spezialgebieten eingesetzt. Obwohl diese Allrad-Pioniere dem großen Allrad-Boom in den frühen 1960ern weit voraus waren, konnten sie sich am Markt nicht durchsetzen und so wurde 1957, nach ca. 1300 [1] gefertigten Traktoren, die Produktion eingestellt.

Geschichte

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1950 stieg der Kaufmann Franz Westermann bei der Georg R. Wille Landmaschinenfabrik Hamburg Bergedorf als Investor ein. Um die Fertigung der neuen Typen 20 und 21 zu steigen wurde die Fertigung Hamburg-Lohbrügge verlegt. Noch im gleichen Jahr kam es aber zwischen Georg Wille und Franz Westermann zu unüberbrückbaren Spannungen. Nach dem Ausscheiden von Georg R. Wille aus dem Unternehmen übernahm Franz Westermann die Leitung und das Unternehmen wurde in Norddeutsche Traktorenfabrik Franz Westermann, Hamburg-Lohbrügge umbenannt. Franz Westermann holte den Konstrukteur Gerhard Kullik von Deuliewag ins Unternehmen, welcher die Traktoren von Grund auf neu entwickelte. Nur das Antriebskonzept mit den vier gleich großen Rädern wurde beibehalten. Die Nachfrag vom Ausland war anfangs recht groß, so wurde 1953[2] ein Teil der Produktion zu dem Metallwerk Creußen nach Oberfranken ausgelagert. Wegen schwindender Absatzzahlen (1955 nur noch 120 Maschinen) musste das Unternehmen 1956 Konkurs anmelden. Von der Bergedorfer Maschinenbau GmbH wurde die Konkursmasse übernommen. Aus den vorhanden Teilen wurden dort noch bis 1963 Nordtrak-Stiere gefertigt.

Norddeutsche Traktorenfabrik Franz Westermann (1951-1957)

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Nordtrak Stier 25 (1953)

Die GERWI-Diesel-Stiere vom Typ 20 und 21 wurden unter Nordtrak noch weiter gefertigt, bis die neu entwickelten Traktoren von Gerhard Kullik gefertigt wurden. Im April 1951 wurde das erste Modell, der Nordtrak Stier 30, vorgestellt. Im Oktober folgte der Stier 18, danach der Stier 25 und Ende des Jahres der Stier 45.

1952 wurde dann eine neu Serie aufgelegt bei der die Ford-Getriebe durch ZF-Getriebe bzw. eine Eigenkonstruktion ersetzt wurden.

 
Nordtrak Stier 240
  • Stier 201 (anlegen) 20 PS (1952-1953)
  • Stier 240 (anlegen) 20 PS (1953-1955)
  • Stier 241 (anlegen) 24 PS (1953-1957)
  • Stier 242 (anlegen) 24 PS (1953-1957)
  • Stier 360 (anlegen) 36 PS (1954-1956)
  • Stier 361 (anlegen) 36 PS (1954-1956)
  • Stier 480 (anlegen) 48 PS (1956-1957)

Bergedorfer Maschinenbau GmbH (1957-1967)

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Ab 1. Juni 1957 übernahm die Bergedorfer Maschinenbau GmbH die Ersatzteilversorgung für die Nordtrak Stiere und fertigte einige bewährte Typen weiter. 1961 wurde der Stier 241 mit einem stärkeren Motor ausgerüstet und unter der Bezeichnung Stier 440 vermarktet.

Literatur

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  • Peter Schulz: Auf allen Vieren – Nordtrak Stier, p.s. Service, 2006
  • Udo Paulitz: Deutsche Traktoren 1920 - 1970. Bd. 2. Von Aktivist bis Zanker. Heel, Königswinter 2003, S. 136-137, ISBN 978-3-89880-161-4.
  • Klaus Herrmann: Traktoren in Deutschland Firmen und Fabrikate von 1907 bis heute, DLG-Verlag 2000, S. 281 ff, ISBN 9783769005820
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Wikipedia: Nordtrak – enzyklopädische Informationen
  Commons: Nordtrak-Traktoren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Traktor Classic 04/2008: Im Reich der wilden Stiere.
  2. Fränkische Presse 21.03.1953
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