Zum Zweck der Datenrettung wird Knoppix gerne genutzt. Geeignete alternative Linux-Live-CDs sind u.a. Kanotix, Grml, SystemRescueCd, Parted_Magic (seit August 2013 hinter einer Paywall), [1] und zahlreiche weitere. Es kann nicht schaden verschiedene dieser Live-CDs vorrätig zu halten, falls die eine oder andere auf problematischer Hardware nicht läuft oder der gewünschte Datenträger just zum Zeitpunkt des Einsatzes defekt ist.

Generell gilt, dass der zu sichernde Datenträger nicht gemountet, der Backup-Datenträger aber eingehangen wird, da die meisten Rettungsprogramme sich selbst um den Datenträger-Zugriff kümmern. Ggfs. wird das zu sichernde Medium read-only (ro) gemountet, um jegliche Beeinträchtigung durch den Datensicherungsprozess zu verhindern! Eine Datenrettung wird im Gegensatz zur Daten-Wiederherstellung stets auf einem externen Datenträger vorgenommen!

Inhaltsverzeichnis

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Vorbereitungen

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Als Erstes müssen Sie einen zweiten Datenträger (z.B. USB-Festplatte, USB-Stick) in ausreichender Größe und einem problemlos beschreibbaren Dateisystem (Ext 3 oder Ext 4 sind ideal) anschließen, um dort die Daten sichern zu können. Einige graphische Desktopumgebungen mounten Wechseldatenträger beim anschließen automatisch. In der Konsole muß dies allerdings von Hand im Kontext root ausgeführt werden.

Einfache Datenübertragung

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Festplatten einbinden

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Das Folgende ist ein Beispielszenario mit einer zu sichernden 200-GB-Windows-Festplatte und einer 8-GB-Backup-Festplatte bei einem nicht mehr bootfähigen Windows ohne logische oder physische Beschädigung des Datenträgers. In dieser Konstellation können natürlich nur elementare Daten gesichert werden. Zuerst müssen Sie herausfinden, welcher Gerätedateien und Partitionen Ihre Festplatten beschreiben. Dies geschieht mit dem Befehl:

Bitte geben Sie in die Bash Folgendes ein:

fdisk -l


Nun sollten Sie Folgendes oder etwas Ähnliches sehen:

Disk /dev/sda: 214.7 GB, 214748364800 bytes
255 heads, 63 sectors/track, 26108 cylinders
Units = cylinders of 16065 * 512 = 8225280 bytes
Disk identifier: 0x000e75ae

   Device Boot      Start         End      Blocks   Id  System
/dev/sda1               1       26108   209712478+   7  HPFS/NTFS

Disk /dev/sdb: 8589 MB, 8589934592 bytes
255 heads, 63 sectors/track, 1044 cylinders
Units = cylinders of 16065 * 512 = 8225280 bytes
Disk identifier: 0x000cedf5

   Device Boot      Start         End      Blocks   Id  System
/dev/sdb1               1        1044     8385898+   b  W95 FAT32

Nun müssen Sie diese Ausgabe auswerten. Die Ausgabe besteht aus zwei Sektionen, da zwei Festplatten angeschlossen wurden. Die eingebaute Festplatte ist üblicherweise /dev/sda, die USB-Platte /dev/sdb. Aber Vorsicht: in einzelnen Fällen wurden Platten falsch erkannt, was zur Zerstörung der eigentlich zur Rettung vorgesehenen Daten führen kann!

Eine Sektion beginnt immer mit Folgendem:

Disk /dev/sda: 214.7 GB, 214748364800 bytes

Dies beschreibt die Gerätedatei und die Größe der Festplatte. In diesem Fall ist /dev/sda die Gerätedatei der ersten Platte und die 214.7 GB, 214748364800 bytes die Größe. Anhand der Gerätedatei und Größe können Sie nun Ihre zwei Festplatten identifizieren. Nun müssen Sie noch Ihre Partitionen identifizieren. Diese befinden sich in der Festplatten-Sektion und sind unter folgender Zeile aufgelistet:

Device Boot      Start         End      Blocks   Id  System

In diesem Fall beinhaltet jede Festplatte nur eine Partition. Die Windows-Partition heißt /dev/sda1 und die Backup-Partition /dev/sdb1. Diese Partitionen müssen Sie nun einbinden. Als erstes mounten Sie die Windows-Partition /dev/sda1 (read-only!):

Bitte geben Sie in die Bash Folgendes ein:

mount -o ro /dev/sda1 /mnt/sda1

Dieser Befehl setzt sich aus der Gerätedatei /dev/sda1 und dem Mountpoint /mnt/sda1, dem Verzeichnis, in das die Festplatte gemountet werden soll, zusammen. Den Mountpoint ermitteln Sie, indem Sie das /dev der Gerätedatei durch ein /mnt ersetzen. Sollte dieser vom Live-System nicht automatisch erzeugt werden, erstellen Sie ihn mit dem Befehl

Bitte geben Sie in die Bash Folgendes ein:

mkdir /mnt/sda1

Das Gleiche gilt für den zweiten Mountpunkt /mnt/sdb1. Sollte Windows nicht ordnungsgemäß heruntergefahren sein, kann es hier zu Fehlern kommen, da das Dirty-Flag nicht gelöscht wurde und eigentlich eine Dateisystem-Überprüfung (bei Windows ist das CHKDSK nötig wäre. Falls Sie diesen nicht durchführen können oder wollen, mounten Sie den Datenträger mit Nachdruck per:

Bitte geben Sie in die Bash Folgendes ein:

mount -o ro,force /dev/sda1 /mnt/sda1

Mit beiden Befehlen erhalten Sie allerdings nur Lesezugriff (ro) auf die Partition, was zur Datensicherung ausreichend ist und weitere Beschädigungen verhindert. Die Backup-Festplatte mounten Sie inkl. Schreibzugriff:

Bitte geben Sie in die Bash Folgendes ein:

mount -o rw /dev/sdb1 /mnt/sdb1

Nun können Sie sehen, ob Sie Lesezugriff auf ihre Daten erhalten. Navigieren Sie auf Ihren zu sichernden Datenträger:

Bitte geben Sie in die Bash Folgendes ein:

cd /mnt/sda1

Jetzt können Sie schauen, ob Ihre Dateien auch vorhanden sind.

Bitte geben Sie in die Bash Folgendes ein:

ls -l

Nun sollten Sie als Ausgabe eine Liste aller Dateien der Partition bekommen.

Daten übertragen

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Nun ist es Zeit, die Daten zu übertragen. Dazu müssen Sie ein paar grundlegende Linux-Befehle kennen. Diese erfahren Sie im Kapitel Grundlegendes zu Linux Damit können Sie die Daten mit cp kopieren. Komfortabler geht dies allerdings mit dem üblicherweise auf den Live-CDs befindlichen Midnight Commander. Anschließend müssen Sie die Partitionen wieder aushängen:

Bitte geben Sie in die Bash Folgendes ein:

umount /dev/sda1

Dieser Befehl hängt die zu sichernde Festplatte /dev/sda1 aus. Entsprechendes gilt für die Backup-Platte /dev/sdb1.

Alternative Rettungsmethoden

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Zu weiteren aufwändigeren, aber auch mächtigeren Methoden der Daten-Wiederherstellung lesen Sie bitte das Kapitel Gelöschte Dateien wiederherstellen.