Anamnese und klinische Untersuchung: Psychiatrisch



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AnamneseBearbeiten

  • Anlass des Arztbesuches / der Klinikaufnahme
  • Aktuelle Beschwerden, aktuelles Befinden, aktuelle Behandlung
  • Vorgeschichte, frühere Beschwerden, Krankheitsgeschichte
  • Biographische Anamnese, Familienanamnese, Familiäre, soziale und finanzielle Situation
  • Körperliche Beschwerden und Erkrankungen
  • Vegetative Anamnese (Schlafstörungen, Schwitzen, Verdauungsstörungen)
  • Medikamente, Drogen

Immer zu fragen:

  • Suizidalität (Lebensüberdrussgedanken?, an Suizid gedacht?, konkrete Pläne?, was hat davon abgehalten?, Versuche?, wann?, augenblicklich?, soziales Netz?, Absprachefähigkeit?)
  • Fremdgefährdung

Einfache psychologische TestsBearbeiten

  • 10 Gegenstände vorlegen und benennen lassen - Agnosie, Aphasie, Bildungsstand
  • Fragen nach Datum, Ort, Situation, Person - Orientierung
  • 100 - 7, Wörter rückwärts buchstabieren lassen - Konzentration, Auffassungsgabe, Bildungsstand
  • Telefonnummer (4- bis 6-stellig nachsprechen lassen) - Merkfähigkeit
  • Sprichwörter erklären lassen (z.B. „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“, „Viele Köche verderben den Brei“, „Wie man in den Wald hineinruft, so schall es heraus“ u.ä.) - Abstraktionsvermögen
  • Erinnern der 10 Gegenstände - Gedächtnis

Psychopathologischer BefundBearbeiten

Die mittels Anamnese und Test herausgearbeiteten Symptome werden im psychopathologischen Befund zusammengefasst. Die Befundbeschreibung ist dabei rein deskriptiv, auch wenn einige Symptome sehr häufig mit bestimmten Erkrankungen assoziiert sind. Systematik z.B. nach dem AMPD-System.

BewusstseinBearbeiten

  • Vigilanz (Bewusstseinslage, Wachheit, Aktivierung - quantitatives Merkmal, genaue Quantifizierung mit der Glasgow-Coma-Scale)
    • Bewußtseinsminderung:
      • benommen
      • somnolent
      • soporös
      • komatös

Kriterien: Augen öffnen, verbale Reaktion, motorische Reaktion

  • Bewußtseinsklarheit, Auffassungsgabe (qualitatives Merkmal)
    • Bewußtseinstrübung (Bsp.: nach Alkoholkonsum kann das Bewusstsein getrübt sein, obwohl die Vigilanz noch normal ist)
  • Bewußtseinsweite (Größe des „Lichtkegels“, Fokussierung)
    • Eineengung („Tunnelblick“, Ausblenden der Umgebung, physiologisch z.B. bei starker Konzentration oder Meditation)
    • Verschiebung (subjektives Gefühl einer intensivierten Wahrnehmung und gesteigerten Bewußtheit)

AufmerksamkeitBearbeiten

Funktionen:

  • Ausrichten
  • Fokussieren
  • Aufrechterhalten (Konzentration)
  • Umstellen

Prüfung: 100 minus 7 rückwärts, Wörter rückwärts buchstabieren lassen, Monate rückwärts, Telefonnummern wiederholen lassen. (Prüft auch Ultrakurzzeitgedächntnis.)

OrientierungBearbeiten

  • zeitlich - geht als erstes verloren. Frage nach Kalendertag, Wochentag, Monat, Jahr, Jahreszeit
  • örtlich - Frage nach Ort
  • situativ - Frage nach der augenblicklichen Situation (Arztbesuch) und dem Hintergrund (wegen...)
  • zur eigenen Person - geht als letztes verloren. Frage nach Name, Geburtsdatum, Beruf, Partner/Kindern/Enkeln

Mnestik (Gedächtnis)Bearbeiten

  • Kurzzeitgedächtnis (Merkfähigkeit) - gestört z.B. beim Wernicke-Korsakow-Syndrom oder Demenz
  • Langzeitgedächtnis

Andere Störungen:

  • Konfabulation - Ausfüllen von Erinnerungslücken mit Fantasien, ohne dass dies dem Patienten bewusst ist. Z.B. beim Wernicke-Korsakow-Syndrom
  • Paramnesien
    • Déjà-vu - Dinge kommen fälschlicherweise bekannt und vertraut vor. Gegenteil: jamais-vu (vermeintliche Fremdheit)
    • Ekmnesie - Die Vergangenheit wird als Gegenwart erlebt
    • Hypermnesie - Gesteigerte Erinnerungsfähigkeit

Kognition (Denken)Bearbeiten

Formaler Denkablauf

  • Geschwindigkeit
  • Kohärenz („roter Faden“)
  • Ablauf
  • Abstraktionsfähigkeit - Störung z.B. bei Schizophrenie (konkretistische Verhaftung, Verlust der Projektionsfähigkeit auf eine Metaebene)

Formale Denkstörungen:

  • Denkhemmung (subjektiv)
  • Denkverlangsamung (objektiv)
  • Umständlichkeit, Weitschweifigkeit (fehlende Trennung zwischen wichtigem und unwichtigem)
  • Eingeengtes Denken (Fixierung auf bestimmte Themen, eingeschränkter Themenumfang des Denkens)
  • Perseveration - „Klebenbleiben“ an bestimmten Gedanken, Wörtern oder Einfällen
  • Grübeln - Gedankenkreisen um wenige, meist belastende Themen („Sorgen“)
  • Ideenflucht - Zahlreiche Einfälle, die rasch aufeinanderfolgen, gesteigerte Assoziation, man kommt vom hundertsten ins tausendste.
  • Gedankenabreißen
  • Zerfahrenheit - Verlust des gedanklichen Zusammenhangs. Stadien: Paralogik (unlogisches Denken) 2) Paragrammatismus (Zerstörung des Satzbaus), 3) Schizophasie (Sprachzerfall, „Wortsalat“)
  • Neologismen - Wortneubildungen

Denkinhalte

Inhaltliche Denkstörungen:

  • Befürchtungen
  • Wahngedanken
  • Zwangsgedanken

Affektivität (Stimmungslage, Gefühlsleben)Bearbeiten

  • Lage - z.B. euthym, traurig, ängstlich, hoffnungslos, dysphorisch verstimmt, depressiv, gereizt, innerlich unruhig, Insuffizienzgefühl, euphorisch, manisch, Schuldgefühl, ambivalent,
  • Spektrum - z.B. Affektarmut
  • Schwingungsfähigkeit, Modulationsfähigkeit - z.B. Affektstarre

Andere Störungen:

  • Gefühl der Ratlosigkeit
  • Subjektives Gefühl der Gefühlslosigkeit
  • Störung der Vitalgefühle („Lebendigkeit“)
  • Parathymie (inadäquate Reaktion)
  • Affektlabilität
  • Affektinkontinenz

PsychomotorikBearbeiten

  • Antrieb: ausgeglichen, gesteigert, vermindert, gehemmt (subjektiv), unruhig
  • Motorische Ausgestaltung: Parakinesien (Stereotypien, Negativismus, Befehlsautomatismus), bizarr, theatralisch, mutistisch

WahrnehmungBearbeiten

  • Illusion - Verkennung tatsächlich vorhandener Dinge
  • Halluzination - Wahrnehmung nicht-vorhandener Dinge
    • Akustisch - z.B. bei der Schizophrenie
      • Phoneme (Stimmen)
      • Akoasmen (ungeformte Geräusche, Klänge)
    • optisch - z.B. beim Delir
    • olfaktorisch, gustatorisch - z.B. bei Migräne und Epilepsie (Aura)
    • taktil (SF: Dermatozoenwahn) - z.B. bei Cannabisintoxikation
    • Zoenästhesien - bizarre Halluzinationen des körperlichen Befindens (z.B. „die Organe sind verschoben“)
  • Wahnwahrnehmung

Ich-Wahrnehmung (Ich-Umwelt-Grenze)Bearbeiten

Ich-Störungen:

  • Gedankenentzug
  • Gedankenausbreitung
  • Gedankeneingebung
  • Andere Fremdbeeinflussungserlebnisse
  • Derealisation (physiologisch z.B. bei starker Übermüdung)
  • Depersonalisation (Identitätsstörung)

SonstigesBearbeiten

Befürchtungen:

  • Mißtrauen
  • Hypochondrie

Ängste:

  • spezifisch:
    • Phobien
    • Panikstörungen
  • unspezifisch: generalisierte Angststörung

Zwänge (ich-fremde Gedanken, vorhandene Einsicht)

  • Zwangsdenken
  • Zwangsimpulse
  • Zwangshandlungen

Wahn (ich-eigene Gedanken, Unverrückbarkeit):

  • Aspekte eines Wahns:
    • Wahnwahrnehmung
    • Wahneinfall
    • Wahnstimmung
    • Wahngedanken
    • Wahndynamik
    • Wahnsystematisierung
  • Wahnformen:
    • Beziehungswahn
    • Beeinträchtigungs- oder Verfolgungswahn
    • Eifersuchtswahn - typisch bei Alkoholismus
    • Schuldwahn
    • Verarmungswahn
    • Größenwahn
    • Hypochondrischer Wahn
    • Andere



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