Soziologische Klassiker/ Mauss, Marcel

ein französischer Soziologe, Ethnologe und Anthropologe


Grundstruktur des Kapitels:

Biographie in DatenBearbeiten

Mauss Marcel


  • geboren am 10.05.1872 in Epinal (Vosges, Frankreich)
  • gestorben am 11.02.1950 in Paris


Eltern:

Vater: Gerson Mauss, Kleinunternehmer in der Textilbranche

Mutter: Rosine Mauss, älteste Schwester von Emile Durkheim

Geschwister: Camille-Henri Mauss


Ausbildung:

1890 Studienbeginn in Bordeaux (Philosophie, Psychologie, Jura und Soziologie; sein Onkel Emile Durkheim lehrt); 1892 erhält er das Lizenziat für seine Studien

1892 Umzug nach Paris; Studienbeginn an der École pratique des Hautes Études (Hochschule für Forschung; vergleichende indo-europäische Linguistik, Indologie, Sanskrit, Hebräisch und Religionen alter Völker); Studienende 1900

1895 Agrégation für Philosophie an der Sorbonne in Paris; seine Habilitationsschrift "Das Gebet" schließt er noch nicht vollständig ab; sein Doktorat schließt er niemals ab


Berufliche Daten:

1892 - 1899 Mitglied der „Parti Ouvrier Socialiste“ Francais (sozialistische Partei)

1894 beginnt für die Zeitschrift „Le Devenir social. Revue internationale d’économie, d’histoire et de philosophie“ in Paris zu schreiben

1897 Beitritt zum Verein „L’Avanir de Plaisance“; bis 1898 unternimmt er einige Studienreisen (Niederlande, England), dabei besucht er auch andere bedeutende Soziologen und Ethnologen

1899 begründet er gemeinsam mit anderen die „Boulangerie Socialiste“ (Sozialistische Bäckerei)

1900 Gründung der „Bourse des Coopératives Socialistes“

1901 - 1912 Herausgeber der Zeitschrift „L’Anneé sociologique“ (gegründet 1896/97) in Paris (gemeinsam mit Emile Durkheim); diese Arbeit beansprucht ihn sehr; er übernimmt vor allem die religionssoziologische Abteilung

1902 Professor für „Religionsgeschichte der nicht-zivilisierten Völker“ an der „Ecole Pratique des Hautes Ètudes“ in Paris, wo er 1914 Studiendirektor und 1938 President dieser Einrichtung wird; 1939 Rücktritt von diesem Amt aufgrund antisemitischer Einstellungen anderer Kollegen und Mitarbeiter

1904 Korrespondent der Zeitung „L’Humanité“

1905 Beginn der Mitgliedschaft bei der „Parti Socialiste. Section Francaise de l’Interantionale Ouvrière“

1906 - 1929 Gesandter und Regierungsbeauftragter in Deutschland, in Großbritannien und in der Sowjetunion

1909 Teile von „Das Gebet“ werden publiziert

1913 - 1925 Anschuss an den Office Technique der „Fédération nationale des Coopératives de Consommation“

1923 - 1925 Herausgeber der Zeitschrift „L’Année sociologique. Nouvelle série“ in Paris

1925 Gründung und Leitung des Ethnologische Institut in Paris bis 1929; gemeinsam mit Paul Rivet und Lucien Lévy-Bruhl

1927 - 1939 Herausgeber des „Annuaire. École pratique des hautes études, section des sciences religieuses“ in Paris

1931 - 1941 Professor für den Lehrstuhl Soziologie am „Collège de France“ in Paris; dies kann als die Krönung seines Lebenswerkes bezeichnet werden

1934 wird er Herausgeber der „Annales sociologiques. Série A-E“


Wichtige Ereignisse

1896 vermehrte Teilnahme an Genossenschaftsbewegungen, denen er bis zu seinem Tod treu bleibt

1914 freiwilliger Soldat im Ersten Weltkrieg; 1919 kehrt er zurück

1934 Heirat mit Marthe Dupret (geboren 1886); sie wird niemals in der Öffentlichkeit gesehen, da sie sehr bald krank wird; Mauss betreut sie bis zu ihrem Tod 1947

1939 Rücktritt von seinem Lehrstuhl an der „Ecole pratique“, da er sich wegen nationalsozialistischen Bewegungen große Sorgen macht

1941 Rücktritt von seinem Amt am „Collège de France“; einige Freunde und Kollegen sind bereits von den Nationalsozialisten gefangen genommen und in Konzentrationslager verschleppt worden, auch Maurice Halbwachs (Halbwachs wurde im Juli 1944 von den Nationalsozialisten interniert)

1944 Rehabilitation als Ehrenprofessor am „Collège de France“, jedoch nimmt er diese Professur nicht mehr wahr; in seinen letzten Lebensjahren publizierte er nicht mehr; zu dieser Zeit sorgte sein Bruder immer wieder wieder für ihn

Historischer KontextBearbeiten

Seine jüdische Herkunft

Marcel Mauss war ein Enkelsohn des großen, sehr liberalen Rabbi, Moïse Durkheim (Vater von Émile Durkheim) von Epinal. Obwohl er Hebräisch lernte und regelmäßig an jüdischen Festen und Bräuchen teilnahm, entschloss er sich mit ca. 18 Jahren dem Judentum den Rücken zu kehren. Andererseits faszinierte ihn sein zweiter Vorname Israël sehr, darum erkundete er dessen Herkunft und Ursprung. Außerdem war er in den 1930ern auch Mitglied des Zentralkomitees der "Alliance Israëlite Universale". Sein Standpunkt im Hinblick auf das Judentum war und ist nicht ganz klar. Trotz dieses sehr zwiespältigen Verhaltens, war seine Beziehung zu seiner zum Teil sehr religiösen Familie gut.

Seine jüdische Herkunft war aufgrund seines Namens für jeden offensichtlich. Er versuchte jedoch niemals seine Herkunft zu verheimlichen, obwohl dies manches Mal von Vorteil gewesen wäre. Es wird auch heute noch häufig darüber spekuliert, warum Mauss, aufgrund seiner jüdischen Herkunft, nicht von der Gestapo aufgegriffen wurde. Manche sind der Meinung, dass deutsche Anthropologen dafür gesorgt haben, dass in dieser Sache interveniert wird und er auf diese Weise geschützt wurde.


Die Dreyfus Affäre

Ende des 19. Jahrhunderts war ganz Frankreich in Aufruhr, da aufgrund der Dreyfus Affäre antisemitische Ressentiments ihren Höhepunkt erreichten. Marcel Mauss war von der damaligen Situation in Frankreich sehr betroffen und stellte sich auf die Seite Dreyfus’. Vor allem zu dieser Zeit zeigte Mauss großes politisches Engagement (z. B. Beitritt zur sozialistischen Partei). Er war, im Gegensatz zu Émile Durkheim, der Meinung, dass die Gründe für den Antisemitismus nicht in der Moral, sondern vielmehr in den ökonomischen Bedingungen dieser Zeit zu suchen wären. Generell war Mauss ein Verfechter der Menschenrechte.


Theoriegeschichtlicher KontextBearbeiten

Seine Verwandtschaft zu Émile Durkheim

1890 beginnt Mauss sein Studium in Bordeaux, wo sein vierzehn Jahre älterer Onkel, Émile Durkheim (1858 - 1917), lehrt. Schon früh ist Marcel Mauss seinem Onkel bei seinen Schriften über den Selbstmord behilflich. Nach seiner unabgeschlossenen Habilitation arbeitet er vermehrt an der Soziologie seines Onkels, die er absichert und erweitert. Dabei werden Durkheim und Mauss immer engere Freunde. Nach dem Tod Durkheims führt Mauss die Soziologie seines Onkels weiter. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Marcel Mauss eine zentrale Rolle in der sog. Durkheim-Schule einnimmt. Obwohl ihm die Verwandtschaft zu Durkheim sicherlich einige Vorteile einbringt, hat er das Gefühl, dass "...the shadow of Èmile Durkheim stood over him throughout his entire life" (James & Allen, 1998, S. 44)


Bronislaw Malinowski

Der polnische Anthropologe und Funktionalist Bronislaw Malinowski (1884 - 1942) beeinflusst Mauss vor vor allem durch sein Werk "Argonauten des westlichen Pazifik" (1922). In diesem Buch beschreibt Malinowski ein rituelles Gabentauschsystem mit verzögerter Reziprozität auf den Trobriand Islands, Papua-Neuguinea. Getauscht wird ein Objekt namens Kula, das jedoch keinen praktischen Nutzen für die Bewohner der Insel trägt. Durch dieses Geschenk wird eine Art Vertrag geschlossen, wobei der Beschenkte wiederum verpflichet ist den Bewohnern einer anderen Insel ein ähnlich nutzloses Geschenk zu machen. Die Funktion dieses Rituals ist es eine soziale Beziehung zwischen den Bewohnern der einzelnen Inseln aufzubauen und zu verstärken. Diese Phänomen greift Mauss auch in seinem Werk "Die Gabe" auf.


Maurice Halbwachs

Maurice Halbwachs (1877 - 1945) wird ebenfalls zu den "Durkheimianern" gezählt. Wie Mauss engagiert sich Halbwachs politisch und tritt 1906 ebenfalls der sozialistischen Partei bei. Auch er ist Befürworter von Dreyfus. 1905 lernt Halbwachs Émile Durkheim kennen und wird Mitarbeiter bei der "L´Année sociologiqué", wo Mauss gemeinsam mit seinem Onkel als Herausgeber tätig ist.


WerkeBearbeiten

  • La Religion et les origines du droit pénal (Die Religion und die Ursprünge des Straf-rechts), 1897
  • Essai sur la nature et la fonction du sacrifice, 1898, gemeinsam mit Henri Hubert
  • La sociologie: objet et méthode, 1901, gemeinsam mit Paul Fauconnet
  • De quelques formes primitives de classification, 1902, gemeinsam mit Émile Durkheim
  • Esquisse d'une théorie générale de la magie (Entwurf einer allgemeinen Theorie der Magie), 1902, gemeinsam mit Henri Hubert
  • L’Origine des pouvoirs magiques dans les sociétés australiennes. Avec un rapport som-maire sur les conférences pour l’exercice, 1904 - 1905, Paris
  • Mélanges d’histoire des religions. De quelques résultats de la sociologiereligieuse, le sacrifice, l’origine de pouvoir magiques, la représentation du temps, 1909, Paris, mit Henri Hubert
  • La Prière. I. Les Origines (Das Gebet), 1909, Habilitationsschrift, nur Teile publiziert
  • Essai sur le don (Die Gabe), 1924
  • Mémoires, 1934, Paris, gemeinsam mit André Philip
  • Manuel d’ethnographie, 1947, Paris
  • Sociologie et anthropologie (Soziologie und Anthropologie),1950, Paris
  • Oeuvres, 1968-1969, Paris, 3 Bände
  • Essais de sociologie, 1969, Paris
  • Écrits politiques, 1997, Paris
  • Émile Durkheim: Lettres à Marcel Mauss, 1998, Paris


Herausgeber von

  • L’Année sociologique, 1901 – 1912, Paris, gemeinsam mit Émile Durkheim
  • L’Année sociologique. Nouvelle série, 1923 – 1925, Paris
  • Annuaire. École pratique des hautes études, section des sciences religieuses, 1927 - 1939, Paris
  • Émile Durkheim: Le Socialisme. Sa définition, ses débuts. La Doctrine saintsimonienne, 1928, Paris
  • Henri Hubert: Les Celtes et l’expansion jusqu’à l’époque de LaTène, 1932, Paris
  • Annales sociologiques. Série A-E, 1934 - 1942, Paris
  • Robert Hertz: Le Péché et l’expiation dans les sociétés primitives, 1988, Paris


Das Werk in Themen und ThesenBearbeiten

Das Werk von Marcel Mauss ist geprägt von der Methodologie und Soziologie Durkheims. Jedoch versucht Mauss, "die Dimension des handelnden Subjekts und der symbolischen Bedeutung der gesellschaftlichen Gegebenheiten in seinen Arbeiten zu berücksichtigen" (Kaesler, 1999, S. 255).


Das Verstehen menschlichen Praxisverhaltens

Mauss geht davon aus, dass menschliches Handeln nur dann verstanden und erklärt werden kann, wenn die Bedeutung von z.B. gesellschaftlichen Riten, Symbolen, Zeichen etc. bekannt ist. Laut Mauss ist die soziale Wirklichkeit jedoch mehrdeutig. In seinen religionswissenschaftlichen Studien weist er beispielsweise nach, dass die Strafe aus dem Blickwinkel der Religion bzw. der Gesellschaft (institutionalisierte Strafe) jeweils andere Bedeutungen hat und auch andere Funktionen erfüllt. Die Bedeutung von Riten, Symbolen und Zeichen (z.B. Gebet, Magie) wird einerseits durch kollektive Vorstellungen aber andererseits auch durch individuelle Erwartungen generiert. So entsteht die bereits oben angesprochene Mehrdeutigkeit. Marcel Mauss führte auch Studien über sog. "primitive" Völker durch. Beispielsweise weist er nach, dass das Volk der Eskimos rationales Denken aufweist. Die Denksysteme dieses Volkes sind durch gesellschaftliche Srukturen und die damit zusammenhängende Sozialisation bedingt. (Kaesler, 1999, S. 259ff)


Der Gabentausch

Bei seinen ethnologischen Studien findet Mauss heraus, dass in nicht staatlichen Gesellschaften das Geschenk ("die Gabe") ein Phänomen darstellt, das das friedliche Zusammenleben und die Beziehung zwischen Menschen bzw. Gruppen stärkt. Die Handlung des Schenkens integriert so zu sagen jedes einzelne Individuum in die Gesellschaft. Vor allem in "primitiven" Gesellschaften garantiert dieses Phänomen die soziale Ordnung, da dem Schenken Verpflichtungen inne wohnen, nämlich die des Annehmens und des Erwiderns. Können beispielsweise Geschenke nicht sofort erwidert werden, entsteht zwischen den Parteien ein soziales "Band", eine Verpflichtung, die sie verbindet. Wichtig erscheint hierbei, dass dieses Prinzip nicht nur für Waren und Güter Gültigkeit hat, es erstreckt sich auch auf Höflichkeiten, Feste, Dienste aller Art, Religiöses, etc. (-> Reziprozitätsprinzip). Zusammenfassend ist zu sagen, dass laut Mauss der Tausch den sozialen Zusammenhalt einer Gesellschaft gewährleistet.


Soziale Totalphänomene

Unter sozialen Totalphänomenen versteht Mauss Institutionen jeglicher Art (religiöse, juristische, wirtschaftliche, etc. Institutionen). Jede einzelne Institution für sich alleine betrachtet ist etwas "Ganzes" aber zugleich auch ein Element, ein Teil eines übergeordneten "Ganzen". Jedes Phänomen und jede Institution ist somit im Bezugsrahmen gesamtgesellschaftlicher Ordnung zu sehen. (vgl. Kaesler, 1999, S. 258)


Der vollständige Mensch

Unter diesem Begriff versteht Marcel Mauss einen Menschen „der durch seine Leiblichkeit konstituiert, von seiner Vernunft geleitet und von den gesellschaftlichen Bedingungen geprägt wird“ (Kaesler, 1999, S. 259). Laut Mauss müssen soziologische Erklärungen alle diese Aspekte berücksichtigen, die Summe dieser Aspekte bilden sozusagen den "vollständigen Menschen". Dies erscheint wichtig, da beispielsweise Durkheim das Psychische in seinen Theorien vernachlässigt. In seiner Studie "die Techniken des Körpers" beschreibt Mauss, wie selbst der Körper und das Körperverhalten eines Menschen durch die Gesellschaft und die herangetragenen Erwartungen beeinflusst wird. Zusammenfassend ist der "vollständige Mensch" ein Konzept, das alle Erfahrungen und Erwartungen von Individuen aber auch von Gruppen berücksichtigt. (vgl. Kaesler, 1999, S. 259)


Rezeption und WirkungBearbeiten

Marcel Mauss hat keine eigene Schule gegründet, jedoch hat sein Werk in der neueren Soziologie relativ großen Einfluss. Folgende Bereiche hat Mauss nachhaltig geprägt:


Das wissenschaftliche Werk von Marcel Mauss kann als sehr "offen" bezeichnet werden. D. h. er hat viele Themen und Bereiche diskutiert und angesprochen, z. B. die Bedeutung des Körpers (siehe oben), die erst später wissenschaftliche Bedeutung bekamen. Mauss war stets darum bemüht, dass das soziologisches Denken auch praktische Anwendung findet. Zudem setzte er sich mit unterschiedlichen Disziplinen (z. B. mit der Psychologie) auseinander. Dies verschaffte ihm einen weiteren Blick, um menschliches Handeln und gesellschaftliche Institutionen besser verstehen zu können. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Mauss’ Thesen heute immer noch zu Denkanstößen führen. (vgl. Kaesler, 1999, 259f)


Wie bereits mehrmals angedeutet, ist Marcel Mauss der Nachfolger von Émile Durkheim. Er und Maurice Halbwachs werden daher auch als "Durkheimianer" bezeichnet. Mauss wird vor allem darum so große Bedeutung beigemessen, da er als Vorläufer der strukturellen Anthropologie gilt. Wie im Buch "Die Gabe" ersichtlich, versteht er den Tausch als fundamentales Strukturierungsmoment der Gesellschaft. Außerdem weist er auf die Bedeutung der Sprache für den gesellschaftlichen Aufbau hin. Einfluss nimmt Mauss vor allem auf Claude Lévi-Strauss. Dieser kritisiert, dass Mauss von einer soziologischen Theorie des Symbolischen ausgeht. Lévi-Strauss postuliert, dass die Gesellchaft ihren Ursprung im Symbolischen hat. Die oben besprochenen Thesen über das "soziale Totalphänomen" und den "vollständigen Menschen" werden in der modernen Soziologie relativ selten rezitiert und diskutiert. Dies liegt wohl daran, dass die heutige Soziologie zu Mehrdimensionalität neigt und im Vergleich zu früher, andere, veränderte Methoden verwendet. Die Interpretation der Mauss´schen Tauschtheorie wird heute noch diskutiert, vor allem, ob sich dieser Ansatz für die Untersuchung moderner Gesellschaften noch eignet. (Kaesler, 1999, S. 260f)


Mit den Ausführungen über den Tausch und "die Gabe" verfolgte Mauss auch das Ziel, eine Grundlage zu schaffen um die Wirklichkeit (die "Praxis") zum Besseren zu verändern. Für Mauss stellt das Bessere eine gerechte, solidarische Gesellschaft dar. In seinem Buch "die Gabe" beschreibt er, dass es dem Kapitalismus und seiner Definition des Marktes nicht möglich ist, eine gerechte und solidarische Gesellschaft zu bilden. Mauss stellt somit auch eine utilitaristische Denkweise in Frage und nimmt Einfluss auf die Diskussion über ein anti-utilitaristisches Paradigma in der Soziologie. Hier lässt sich auch der Einfluss von Marcel Mauss auf den Neomarxismus erkennen. (Kaesler, 1999, S. 261f)


Weiters nahm Marcel Mauss Einfluss auf:

  1. Jean Rouch: 1917 - 2004, Filmemacher, v.a. ethnographische Filme, Erfinder Cinéma Vérité
  2. Robert Hertz: Freund und Kollege von Mauss
  3. Michel Leiris: 1901 - 1990, Schriftsteller und Ethnologe, bekanntester Roman ist "Mannesalter" (1939, Mitbegründer des "Collège de Sociologie"
  4. Roger Caillois: 1913 - 1978, Soziologe, Literaturkritiker und Philosoph, Mitbegründer des "Collège de Sociologie"
  5. Louis Dumont: 1911 - 1998, Anthropologe mit dem Spezialgebiet Indien
  6. Henri Lévi-Bruhl
  7. Claude Lévi-Strauss
  8. Georges Gurvitch
  9. Pierre Bourdieu
  10. M.A.U.S.S. (Mouvement Anti-Utilitariste dans les Sciences Sociales)


LiteraturBearbeiten

  • Moebius, Stephan (2006):
    " Marcel Mauss"
    Konstanz
  • Moebius, Stephan/Papilloud, Christian [Hrsg.] (2006):
    "Gift - Marcel Mauss' Kulturtheorie der Gabe"
    Wiesbaden
  • Moebius, Stephan (2006):
    "Die Zauberlehrlinge. Soziologiegeschichte des Collège de Sociologie"
    Konstanz
  • Moebius, Stephan/Papilloud, Christian [Hrsg.] (2006):
    "Das Sakrale, die Sünde und der Tod. Kultur- wissens- und religionssoziologische Studien von Robert Hertz"
    Konstanz
  • James, Wendy & Allen, N. J. (1998):
    "Marcel Mauss. A Centenary Tribute"
    New York
  • Kaesler, Dirk (1999):
    "Klassiker der Soziologie. Von Auguste Comte bis Norbert Elias"
    München


InternetquellenBearbeiten