Haltung von Süßwassergarnelen: Fütterung


Grundsätzliches

Bearbeiten
 
Als Allesfresser fressen Garnelen auch mal eine tote Blasenschnecke.

Garnelen sind grundsätzlich Allesfresser, dementsprechend nehmen sie so ziemlich jedes für die Aquaristik gebräuchliche Futter an. Nicht alles tut den Garnelen aber gut, im schlimmsten Fall führt die falsche Ernährung sogar zum Tod. Deswegen liegt es am Halter, die richtige Fütterung zu gewährleisten.

Zwerggarnelen nehmen in der Natur meist sehr energiearme Kost zu sich, daher sind sie ständig mit der Futtersuche beschäftigt um ihren täglichen Energiebedarf zu decken. Sie fressen dabei Detritus (zerfallende organische Substanzen), Algen und Bakterienaufwuchs, tote Tiere, selten auch kleine lebende Würmer und Insektenlarven. Einen weiteren Hinweis auf eine artgerechte Fütterung gibt die Beschaffenheit von Garnelenbiotopen. Oft halten sich Garnelen in Falllaubansammlungen, auf veralgten Steinen oder zwischen Wasserpflanzen auf. Die Fütterung im Aquarium sollte sich also daran orientieren. Unabhängig von der Futtersorte gilt: Nur nicht zu viel füttern! Gerade an fütterungsfreien Tagen gibt man den Tieren in Aquarium die Chancen, auch die Überreste zwischen den Steinen zu suchen und zu fressen, wodurch das Aquarium saubergehalten wird. In den folgenden Abschnitten werden die wichtigsten Futtersorten beschrieben eine umfangreichere Futterliste befindet sich im Anhang.


Industriefutter

Bearbeiten

Inzwischen wird von vielen Firmen eigenes Futter für Garnelen angeboten. Das Futter enthält zumeist einen niedrigen Eiweißanteil und einen hohen Anteil an Algen. Da die Zusammensetzung auf die Bedürfnisse von Garnelen ausgelegt ist, ist eine ausgewogene Ernährung gewährleistet. Einzig Laubblätter sollten auf jeden Fall noch im Becken sein.

Die Dosierungsangaben auf den Verpackungen sind in der Regel zu hoch. Man sollte nie mehr Futter ins Becken geben, als in ca. einer Stunde von den Tieren gefressen wird. Hier kommen einem die Hersteller aber sehr entgegen, indem die Futterperlen meist ziemlich klein sind. Eine feine Dosierung ist somit möglich. Es ist nicht nötig, die Tiere täglich mit dem Industriefutter zu füttern. Zwei bis dreimal wöchentlich reicht vollkommen.

Gerade als Anfänger fühlt man sich dazu verleitet, die Tiere ständig zu füttern. Es sei hier also in aller Deutlichkeit ausgesprochen: In einem gewöhnlichen Becken ist es möglich, die Tiere einige Wochen lang nicht zu füttern, ohne dass es den Tieren schadet. Aus Fachforen liest man heraus, dass zu viel Fütterung hingegen immer wieder zu toten Tieren geführt hat, da dadurch das Wasser belastet wird wodurch die Garnelen ersticken können.

Es muss nicht unbedingt speziell auf Garnelen abgestimmtes Futter gegeben werden auch handelsübliches Fischfutter wird von Garnelen gerne genommen. Fischfutter enthält jedoch oft viele tierische Proteine, das mögen Garnelen zwar sehr aber sie wachsen dadurch möglicher weise zu schnell, was dann zu Häutungsproblemen führen kann. Von daher ist Fischfutter für Pflanzen fressende Fischen besser geeignet als Futter für Raubfische. Als Nahrungsergänzung und für eine gelegentliches Extra an tierischen Proteinen ist Fischfutter aber allemal geeignet.

Staubfutter

Bearbeiten
 
Zerkleinern von Futter im Mörser

Manchmal ist es notwendig z.B. zur Aufzucht von Junggarnelen sehr fein zermahlenes (Aufzucht-)Futter zu geben. Derartiges Futter wird in Zoogeschäften verkauft und ist vor allem in der Fischzucht sehr verbreitet. Aber auch der ein oder andere Garnelenhalter setzt es ein, wenn im Becken nicht genug Aufwuchs vorhanden ist um die Junggarnelen zu ernähren. Staubfutter verteilt sich dabei schnell im gesamten Aquarium, so dass es auch zu den versteckten Junggarnelen gelangt. Außerdem werden manche Garnelen Arten mit spezielleren Ansprüchen an die Ernährung, wie Fächergarnelen oder Arten aus den Seen auf Sulawesi, mit Staubfutter ernährt.
Ein großer Teil wird aber nicht gefressen, sondern zersetzt sich schnell im Aquarium, was sich durch die hohe Bioverfügbarkeit des feinen Materials erklärt. Dadurch belastet Staubfutter zwar im Vergleich zu nicht so fein zerkleinertem Futter der gleichen Sorte auch relativ stark das Wasser aber auch das Mikroklima wird so angeregt, weswegen man mit dem Staubfutter quasi auch das Aquarium "füttert". Die Mikroorganismen welche Staubfutter zersetzten dienen ihrerseits wieder den Garnelen als Futter. Trotz dem sollte Staubfutter nur äußerst sparsam gegeben werden.
Staubfutter kann man auch sehr einfach selber herstellen, indem man das gewöhnliche Futter in einem Mörser fein zermahlt.

Herbstlaub

Bearbeiten
 
Auf dieser Aufnahme erkennt man sehr schön den feinen Algenrasen. Am linken Rand des Blattes haben die Garnelen bereits das Blatt selbst abgeknabbert.

Herbstlaub darf in keinem Garnelen Aquarium fehlen. Im Wasser beginnen Mikroorganismen mit der Zersetzung des Laubblatts. Außerdem bildet sich meist ein feiner Algenrasen auf den Blättern. Beides wird von den Garnelen gefressen. Später ist das Blatt durch den Zersetzungsprozess und durch das Wasser bereits so eingeweicht, dass die Garnelen auch in der Lage sind, das Blatt selbst zu fressen. Übrig bleibt nach einigen Wochen nur mehr ein Gerippe, welches man dann am besten durch ein neues Laubblatt ersetzt. Ein Laubblatt ist somit ein echter Anziehungspunkt für Wirbellose im Aquarium. Nebenbei beeinflussen Laubblätter auch die Wasserqualität positiv.

Laubblätter sammelt man am besten im Herbst direkt vom Waldboden, oder aber direkt vom Baum. Wichtig ist, dass man tatsächlich nur braune Blätter nimmt, da grüne Blätter (eine Ausnahme bilden hierbei Blätter vom Walnussbaum - da diese innerhalb kürzester Zeit gefressen werden) das Wasser unnötigerweise belasten. Man sollte sich einen Wald suchen, der nicht zu stark durch Abgase belastet ist. Die Blätter verstaut man nach dem Sammeln an einem trockenen Ort. Je nachdem woher das Blatt kommt kann man es entweder direkt ins Becken geben, oder sicherheitshalber noch mit heißem Wasser übergießen und abwaschen.


Folgende Blätter wurden bisher erfolgreich in Garnelen Aquarien verwendet:

  • Walnussblätter: werden am besten frisch gepflückt und grün ins Aquarium gegeben. Die Garnelen stürzen sich darauf, und nach wenigen Tagen ist nur noch ein Blattgerippe übrig.
  • Buchenblätter
  • Eichenlaub: Diese Blätter sind sehr hart, und werden für die Garnelen erst nach mehreren Wochen im Aquarium interessant. Allerdings sorgt Eichenlaub für eine gute Wasserqualität, und das bereits bevor die Garnelen das Blatt auffressen.
  • Ahornblätter: Diese Blätter sind recht weich, und werden bereits nach kurzer Zeit für Garnelen interessant, halten sich aber deutlich länger als Walnussblätter.
  • Apfelblätter
  • Kirschbaumblätter
  • Brombeerblätter
  • Seemandelbaumblätter (in Fachgeschäften erhältlich): Diese Blätter werden nach etwa einer Woche im Aquarium weich genug, um von den Garnelen gefressen zu werden. Trotzdem brauchen die Garnelen dann noch mehrere Wochen, um das Blatt komplett zu fressen.

Wie man sehen kann, werden manche Blätter sofort weg gefressen, während andere erst nach einigen Wochen weich genug sind, um gefressen zu werden. Kann man also mal eine Zeit lang nicht füttern, so empfiehlt es sich, verschiedene Blätter ins Aquarium zu geben, sodass die Tiere immer was zu fressen haben.

Einrichtungsgegenstände

Bearbeiten
 
Aquarium mit Einrichtungsgegenständen, welche den Garnelen Nahrung bieten: Holz, Stein, Javamoos.

Durch passende Wahl der Einrichtungsgegenstände bietet man Garnelen durchgehend eine Nahrungsquelle, auch wenn man mal nicht füttert.

Ein paar Vorschläge für Einrichtungsgegenstände:

  • Holz: Ähnlich wie bei Laubblättern bildet sich auf dem Holz ein Aufwuchs, der den Garnelen als Futter dient. Aber auch das Holz selbst landet in den Mägen der Garnelen und stellt eine balaststoffreiche, energiearme Kost dar.
  • Steine: Auf diesen bildet sich ein Algenrasen, welcher ein wahrer Anziehungspunkt für die Garnelen darstellt.
  • Javamoos: Durch die feinen Verästelungen des Mooses verfangen sich viele Schwebeteile darin. Vor allem junge Garnelen findet man häufig im Moos, um darin nach Futter zu suchen.


Futter zur Farbverbesserung

Bearbeiten

Das richtige Futter kann die Farbenpracht von Garnelen (und auch anderen Tieren) beeinflussen. Denn im Futter befinden sich auch die Grundstoffe, die die Tiere benötigen, um die Pigmente zu bilden, die sie dann in den Farbzellen, in der Haut einlagern. Besonders von Bedeutung ist hierbei Beta-Carotin oder Vitamin A. Hieraus bilden die Garnelen ihre benötigten Farbstoffe wie Astaxanthin, Zeaxanthin und Luthein. Diese Stoffe sind in der Natur als Sonnenschutz vorgesehen, sie verhindern eine Zerstörung der Zellen durch UV-Strahlen. Futtersorten, die reich an Beta-Carotin sind, erleichtern es den Garnelen, ihre eigenen Farbstoffe zu bilden, noch leichter haben sie es, wenn im Futter schon die fertigen Farbstoffe enthalten sind.
Besonders viel (mehr als Karotten) Carotin enthalten z.B. Hokkaido-Kürbis, Spirulina und Spinat. Löwenzahnblätter enthalten ebenfalls mehr (Beta)Carotin als Möhren. Löwenzahn ist im Vergleich zum Hokkaido-Kürbis auch einfacher verfügbar, billiger und leichter zu verarbeiten. Artemia wie auch andere Schalentiere (Cyclops, Garnelen) besitzen eine relativ hohe Konzentration an Astaxanthin. Alle Carotinoide sind lipophil (nur in Fett löslich). Man sollte daher bei der Futterherstellung auch darauf achten, dass genügend Fette als 'Träger' vorhanden sind. Neben Astaxanthin gibt es auch Canthaxanthin und Lutein als Futterzusätze zu kaufen. Ob dies wirklich nötig ist, muss aber jeder selbst entscheiden.
Bei übermäßiger Gabe von Farbfutter kann es auch zu unerwünschten Nebeneffekten kommen. So wurde auch schon beobachtet, dass bei Red Bees, die täglich Spinat erhielten, der Weißanteil einen unschönen rosa Schimmer bekam.[1]

Sonstiges Futter

Bearbeiten
 
Auch Reiskörner werden von Garnelen gefressen. Da Reiskörner sehr stärkehaltig sind, sollten sie nur äußerst selten und dann auch nur in geringer Menge gefüttert werden.

Wie bereits erwähnt, sind Garnelen Allesfresser. Es ist also möglich, die Tiere sehr abwechslungsreich zu ernähren. Man sollte aber vorsichtig sein, bevor man neues Futter ausprobiert und lieber mal davor nachfragen. In Fachforen wurde vom ein oder anderem Garnelenhälter schon berichtet, dass es nach sehr außergewöhnlichen Futterzugaben (z.B. Spaghetti) zu einem Massensterben kam.

Wichtige Kriterien für die Futterauswahl wurden oben bereits erwähnt, sollen hier aber nochmal wiederholt werden:

  • niedriger Energiegehalt, also wenig Eiweiß und wenig Stärke / Zucker
  • frei von Insektiziden oder Dünger
  • das Futter darf nicht zu hart sein, im Zweifelsfall weichkochen
  • stets sehr geringe Mengen verwenden, selbst mit einem winzigen Reiskorn sind Garnelen tagelang beschäftigt


Hier nun eine unvollständige Auswahl an Futtersorten:

  • Brennnesselblätter
  • Löwenzahnblätter
  • Vogelmiere
  • Spitzwegerich
  • Paprika
  • Salat (kann das Wasser stark mit Nitrat belasten)
  • Erbsen
  • Möhre (vorher kochen, da Möhren sonst zu hart sind)
  • Gurke
  • Hokkaido-Kürbis
  • Winzige Stücke von getrocknetem Eidotter: In der Literatur[2] wird darauf verwiesen, dass sich im Eidotter wichtige Stoffe für die Häutung der Garnelen befinden. Ich (Benutzer:Harry3) habe dies ausprobiert, der Erfolg war allerdings nur mäßig. Frisch gekochter Dotter war zwar einigermaßen interessant für Garnelen, zerfällt aber in 1000 kleine Stücke, wodurch das Wasser unnötig belastet wird. Getrockneter Eidotter wiederum wird von meinen Garnelen (Neocaridina heteropoda - Red Fire Zwerggarnele) vollkommen ignoriert. Insgesamt muss ich also von diesem Futtermittel dringend abraten.

Tiere gehen nicht an das angebotene Futter

Bearbeiten
 
Wird das Futter nicht innerhalb einer Stunde gefressen, so hat man zu viel gefüttert, und in Folge dessen wird das Wasser belastet.

Gerade in neu eingerichteten Becken finden Garnelen extrem viel Aufwuchsfutter, also kleine Algen, Bakterienbeläge, Kolonien von Kleinstlebewesen und Detritus wie verrottende Pflanzenteile und ähnliches. Dies entspricht ihrer natürlichen Nahrung und reicht ihnen in den ersten Tagen völlig aus. Futter sollte dennoch immer wieder angeboten werden. Manchmal brauchen die Tiere auch einfach eine Weile, bis sie sich an neues Futter gewöhnt haben.[3] [Anmerkung 1]
Futter das nach wenigen Stunden nicht gefressen wurde sollte wieder aus dem Aquarium entfernt werden um eine Belastung des Wassers, durch Abbauprodukte zu vermeiden.

Einzelnachweise

Bearbeiten
  1. Farbfutter? www.garnelenforum.de(abgerufen am 16.Februar 2012)
  2. Reinhard Pekny, Chris Lukhaup: Süßwassergarnelen, 4. Auflage 2011, GU
  3. Anfänger-FAQ www.crustahunter.com (abgerufen am 18.Februar 2012)

Anmerkungen

Bearbeiten
  1. Der Ausgangstext dieses Abschnittes wurde freundlicher weise zur Verfügung gestellt von Ulli Bauer