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Haltung von Süßwassergarnelen: Eingewöhnung

Einsetzen von GarnelenBearbeiten

 
Zu abruptes Umsetzen ins Aquarium kann zu Häutungsproblemen und in Folge dessen zum Tod der neu erworbenen Garnelen führen

Auch wenn viele Garnelen sehr tolerant gegenüber den Wasserwerten sind, so darf man sie trotzdem nicht einfach aus dem Transportbeutel ins Becken leeren. Ein zu schnelles Umsetzen führt nicht selten zum Tod vieler neu erworbener Tiere. Das Sterben kann auch noch Wochen später, bei der Häutung, auftreten. Um dies zu verhindern, werden Garnelen langsam eingewöhnt.

Man braucht hierzu einen sauberen Kübel. Dort leert man den Inhalt des Transportbeutels hinein. Nun wird über mindestens zwei Stunden die Wassermenge mehr als verdoppelt, und zwar mit Wasser aus dem Aquarium. Am besten wäre es, das Aquariumwasser kontinuierlich in den Kübel tropfen zu lassen (z.B. über einen Schlauch mit Klemme). Steht diese Möglichkeit nicht zur Verfügung, so kann man auch jede Viertelstunde eine kleine Menge Wasser mit einem Becher in den Kübel leeren. Nach mindestens zwei Stunden fängt man die Garnelen mit einem Netz und gibt sie ins Aquarium. Das Transportwasser sollte nicht mit in das Aquarium gelangen, da man sich so leicht ungebetene Gäste oder ungünstige Keime ins Becken bringt.

QuarantäneBearbeiten

Wenn man bereits Garnelen besitzt stellt der Zukauf von neuen Garnelen (oder anderen Tieren) auch ein gewisses Risiko dar. Denn in jedem Aquarium entwickelt sich eine eigene Mikrofauna mit eigenen Bakterienstämmen. Treffen nun Garnelen aus verschiedenen Aquarien zusammen, sind die Immunsysteme der Tiere jeweils an das Mikroklima des Aquariums angepasst, aus dem sie stammen. Daher können Bakterien, die für eine Garnele harmlos sind, für eine andere, aus einem anderen Aquarium tödlich sein. Ähnliche Effekte konnte man auch schon in der Menschheitsgeschichte beobachten. So zum Beispiel nach der Entdeckung Amerikas als Millionen von Ureinwohnern an für die Europäer eher harmlosen Krankheiten wie Schnupfen oder Windpocken starben. Neu zugekaufte Garnelen haben es in dem Zusammenhang doppelt schwer, denn sie sind zusätzlich noch durch den Transport geschwächt und daher besonders anfällig, auch für ansonsten harmlose Bakterien. Wenn man zwei Gruppen unterschiedlicher Herkunft zusammen führen will, ist also Vorsicht geboten. Auch wenn beide Gruppen kerngesund sind, kann jede für die andere tödliche Keime mit bringen. So kann es leicht geschehen, das es nach dem Zukauf von neuen Garnelen zum Garnelensterben kommt. Dies äußert sich dann in einer erhöhten Todesrate und der Pfleger findet regelmäßig einzelne tote Garnelen im Aquarium. In diesem Fall ist wie es im Kapitel Probleme und Krankheiten: Bakterielle Infektionen beschreiben wird vorzugehen.
Um derartigen Verlusten vorzubeugen, ist Quarantäne ein altbewährter Weg. Neu gekaufte Tiere werde dabei nicht sofort in das eigentliche Haltungsaquarium gesetzt sonder erst ein mal in ein separates Quarantänebecken. Quarantänebecken sollten zweckmäßig eingerichtet sein: Etwas Laub, ein Sprudelstein eventuell eine Schwimmpflanze und bei Bedarf eine Heizung, das genügt. Verstecke für die Tier sind eher kontraproduktiv, da man in einem Quarantänebecken alles im Blick haben will.
Die ersten Tage sollten die neuen Garnelen gut beobachtet werden, um zu sehen ob sie vielleicht Anzeichen für Krankheiten zeigen. Ist das der Fall werden die Tiere direkt im Quarantänebecken behandelt. Sind die Tiere augenscheinlich Gesund, kann der vorsichtige Aquarianer beginnen, sie an das neue Mikroklima zu gewöhnen. Hierzu werden immer wieder kleine Wassermengen zwischen dem Quarantänebecken und dem Haltungsbecken ausgetauscht. So kommen die alt eingesessenen Garnelen im Haltungsaquarium mit wenigen Keimen der Neuankömmlinge in Kontakt und können sich an diese gewöhnen. Nach zwei Wochen des Wassertauschens sollte sich dann das Mikrolima in beiden Becken ähneln und die neu gekauften Garnelen können halbwegs gefahrlos zum Altbestand gesetzt werden.
Die beschriebene Methode ist der wohl sicherste Weg neue Garnelen zum Altbestand zu setzen, hundert prozentige Sicherheit kann diese Methode aber auch nicht garantieren. Der unvorsichtige oder ungeduldige Aquarianer wird in der Regel neue Tiere gleich in das Haltungsbecken setzen. Denn leider sieht man den Sinn der Quarantäne oft nur nach Ausfällen im Zusammenhang mit Zukäufen ein verfällt aber auf Dauer doch wieder der Faulheit.