Gitarre: verschiebbare Akkorde

Mindest-Voraussetzungen
offene Akkorde
Verwandte Kapitel
-
Weiterführende Kapitel
Aufbau von Akkorderweiterungen

Verschiebbare Akkorde

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Wie der Name schon sagt - hier geht es um Akkorde, die man beliebig auf dem Griffbrett verschieben kann. Der Zweck dieser Griffe besteht darin, jeden einfachen Dur- oder Moll-Akkord in jeder beliebigen Tonart parat zu haben.

Das Griffbrett

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Wichtig für das sichere Anwenden verschiebbarer Akkorde ist die Kenntnis der ganzen Noten auf den ersten drei Saiten (E-A-D) des Griffbretts bis zum 12. Bund. Aus diesem Grund ist hier zunächst ein Diagramm des Gitarrenhalses abgebildet.

 
Griffbrett mit ganzen Noten

Entstehung

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Verschiebbare Akkorde kommen Zustande, indem man auf leer klingende Saiten verzichtet. Anders als bei den offenen Akkorden wird hier jede angespielte Saite auch gegriffen. Wer dieses Kapitel verinnerlicht hat, besitzt die auch theoretischen Grundlagen für die später folgenden Barré-Griffe, die schon im Kapitel "offene Akkorde für Fortgeschrittene" angesprochen wurden.

Als Grundlage für dieses Kapitel dienen bereits bekannte Dur- und Moll-Griffe:

Ausgangsgriffe
Dur      
Moll      

Hier zeigt sich schon, worauf das Ganze hinausläuft. Werfen wir aber zunächst noch mal einen Blick auf die Standard-Stimmung einer Gitarre: E-A-D-G-B-E. Hier wird deutlich, dass die ersten drei Saiten genau die Grundtöne der oben genannten Griffe darstellen. Wenn wir nun z. B. den E-Dur Akkord ansehen und dabei beachten, dass er mit nur 3 Fingern gegriffen wird dann fällt auf, dass noch ein Finger zur Verfügung steht um den Grundton, der bei E-Dur auf der tiefen E-Saite liegt, zu greifen.

Um den Akkord nun verschiebbar zu machen muss aber ein anderes Griffmuster her, da die tiefe E-Saite mit dem kleinen Finger sonst nicht erreichbar ist. Das kann man durch einfaches Umschichten der Finger erreichen, so dass der Akkord wieder Greifbar wird. Natürlich muss man den E-Dur Griff auch um mindestens einen Bund nach oben verschieben, sonst müsste man den Grundton ja gar nicht erst greifen.

Umsetzung der Akkorde

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Zur Vereinfachung der Sache ist im Folgenden die Rede von verschiedenen Grifftypen. Dabei werden die aus den Ausgangsgriffen entstehenden, verschiebbaren Akkorde nach ihrem Ursprungsgriff benannt. Danach werden z. B. alle Griffe, die den E-Dur-Griff zur Basis haben auch als E-Dur-Typ bezeichnet.

Der Klang der verschiebbaren Akkorde ist wesentlich dezenter als der von offenen Akkorden. Das liegt vor allem daran, dass hier meist weniger Saiten Verwendung finden.

verschiebbare Dur-Dreiklänge

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Der E-Dur-Typ hat E-Dur zur Basis, lässt sich aber beliebig verschieben. Er hat den Grundton auf der tiefen E-Saite und die nicht gegriffenen Saiten sind nicht anzuschlagen.  
Der A-Dur-Typ hat A-Dur zur Basis, lässt sich aber beliebig verschieben. Er hat den Grundton auf der tiefen A-Saite und die nicht gegriffenen Saiten sind nicht anzuschlagen.  
Der D-Dur-Typ hat D-Dur zur Basis, lässt sich aber beliebig verschieben. Er hat den Grundton auf der D-Saite und die nicht gegriffenen Saiten sind nicht anzuschlagen.  

verschiebbare Moll-Dreiklänge

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Der E-Moll-Typ hat E-Moll zur Basis, lässt sich aber beliebig verschieben. Er hat den Grundton auf der tiefen E-Saite und die nicht gegriffenen Saiten sind nicht anzuschlagen.
 
verschiebbarer G-Moll-Akkord (E-Dur-Typ)
Der A-Moll-Typ hat A-Moll zur Basis, lässt sich aber beliebig verschieben. Er hat den Grundton auf der A-Saite und die nicht gegriffenen Saiten sind nicht anzuschlagen.
 
verschiebbarer B-Moll-Akkord (A-Dur-Typ)
Der D-Moll-Typ hat D-Moll zur Basis, lässt sich aber beliebig verschieben. Er hat den Grundton auf der D-Saite und die nicht gegriffenen Saiten sind nicht anzuschlagen.
 
verschiebbarer E-Moll-Akkord (D-Dur-Typ)

Zusammenfassung

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Durch verschieben der hier vorgestellten Griffe ist man nun in der Lage, fast jedes beliebige Stück in allen Tonarten zu spielen. Man sollte allerdings sattelfest sein, was den Quintenzirkel und die Griffbrettnotation angeht, bevor man diese Akkorde näher erforscht.

Erweiterte Vierklänge (Funky Chords)

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Viele angehende Rhythmusgitarristen sind auf der Suche nach dem "Funk". Dabei stoßen sie häufig auf das Problem, dass auf diese Thematik in kaum einem Gitarrenbuch richtig eingegangen wird. Eigentlich ist der Name dieses Kapitels ein reines Kunstwort, denn die Bezeichnung "Funky-Chords" existiert so nicht wirklich. Allerdings wird dieses Wort wahrscheinlich jeder Musiker richtig verstehen, deshalb ist es hier wohl kaum fehl am Platze.

Akkorde nach Künstlern

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Oft bleibt angehenden Musikern nichts anderes übrig, als die Akkorde nach dem Künstler zu benennen, bei dem sie die Grooves gehört haben. Meistens heißt es dann bei einem Gitarrenlehrer, er solle ihnen mal ein Paar Hendrix- oder Prince- Akkorde zeigen. Dieser Vorgehensweise soll in diesem Kapitel Rechnung getragen werden, deshalb sind die Akkordbezeichnungen hier an ihren Künstlern festgemacht.

Dur-7/#9 (Hendrix-Akkord)

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Wahrscheinlich existiert kaum ein Akkord auf dieser Welt, der noch mehr an Jimi Hendrix erinnert als der Dur-7/#9 Akkord.

B7/#9   Grundton auf der E-Saite
Voicing: 1-3-7-#9
E7/#9   Grundton auf der A-Saite
Voicing: 1-3-7-#9
A7/#9   Grundton auf der D-Saite
Voicing: 1-3-7-#9

Dur-7add9 und Dur-7add9/13 (James Brown-Akkord)

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Um "Funkige" Rhythmusläufe spielen zu können, wird gerade der Dur-7add9-Akkord in der hier gezeigten Form oft verwendet.

B9   Grundton auf der E-Saite
Voicing: 1-3-7-9-5
E9   Grundton auf der A-Saite
Voicing: 1-3-7-9-5
A9   Grundton auf der D-Saite
Voicing: 1-3-7-9

Der Dur-7add9/13-Akkord ist nur eine leichte Abwandlung des Dur-7add9-Akkordes. Er wurde z. B. beim Titel "Sexmachine" von James Brown in Verbindung mit dem Dur-7add9-Akkord eingesetzt. Solche Kombinationen sind im Funk und Jazz an der Tagesordnung, da man diese Akkorde stets nur leicht abwandeln muss, um neue Erweiterungen zu erhalten.

B13   Grundton auf der E-Saite
Voicing: 1-3-7-9-13
E13   Grundton auf der A-Saite
Voicing: 1-3-7-9-13
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