Enzyklopädie der populären Irrtümer/ Religion


Heilige drei Könige (1): Die Heiligen drei Könige waren Könige

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Von den angeblichen Heiligen drei Königen, die den gerade erst geborenen Jesus in Bethlehem besucht haben sollen, wissen wir nur aus dem Matthäus-Evangelium (und dort gibt es nur ein paar wenige Sätze über die heute so bekannten Gestalten). Die Rede ist dabei von „Magiern aus dem Osten“, die den neugeborenen König der Juden aufsuchen, weil sie seinen Stern aufgehen sahen. Es könnte sich dabei um persische Astrologen gehandelt haben, da Persien tatsächlich östlich von Judäa liegt und seinerzeit eine Hochburg der Astrologie war. Von Königen weiß das Matthäus-Evangelium jedoch nichts.

Heilige drei Könige (2): Die Heiligen drei Könige waren zu dritt

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Das Matthäus-Evangelium macht keine Angaben darüber, wie viele „Könige“ (es handelte sich ja eher um Astrologen) dem noch jungen Jesus von Nazareth einen Besuch abstatteten. Es ist lediglich davon die Rede, dass die Anzahl ihrer Geschenke drei betrug: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Frühchristliche Darstellungen zeigen daher zwischen zwei und acht „Könige“.

Heilige drei Könige (3): Die Heiligen drei Könige hießen Caspar, Melchior und Balthasar

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Auch darüber weiß das Matthäus-Evangelium nichts zu berichten. Die Namen der angeblichen Könige werden mit keiner Silbe erwähnt. Genauso willkürlich, wie man die vermeintlichen Könige bei uns Caspar, Melchior und Balthasar taufte, heißen sie in Syrien Larvandad, Hormisdas und Gushnasaph. Die Armenier gehen von zwei Personen aus, die Kagba und Badadilma heißen.

Heilige drei Könige (4): Die Heiligen drei Könige sind heilig

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Eine Heiligsprechung hat es für die „Heiligen Drei Könige“ nie gegeben. Allerdings gilt das auch für viele andere Heilige der ersten Jahrhunderte. Die erste Heiligsprechung (Kanonisation) durch einen Papst war die des heiligen Ulrich von Augsburg (993).

Petrus lebte im Zölibat

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Da der Papst, der als Nachfolger Petrus das Hirtenamt übernommen hat, zölibatär lebt, muss ja auch Petrus selbst im Zölibat gelebt haben. Eine einfache Textstelle, welche hier bewusst aus der von der katholischen Kirche bevorzugten Einheitsübersetzung zitiert wird, zeigt, dass sich diese These nicht halten lässt. Mt 8,14+15 "Jesus ging in das Haus des Petrus und sah, dass dessen Schwiegermutter im Bett lag und Fieber hatte. Da berührte er ihre Hand, und das Fieber wich von ihr. Und sie stand auf und sorgte für ihn." Da eine Stelle in der Bibel natürlich nicht ausreicht, um solch ein heikles Thema zu untermauern, seien auch folgende Zitate des Apostels Paulus genannt: 1.Kor 9,5 "Haben wir nicht das Recht, eine gläubige Frau mitzunehmen, wie die übrigen Apostel und die Brüder des Herrn und wie Kephas (hebräischer Form für den griechischen Namen "Petrus". ) ?". Siehe auch: 1.Timotheus 3,1ff Und wer sich schon damit anfreunden kann, dass Petrus als ein gestandener Fischer nicht im Zölibat lebte, der kann ihm auch zutrauen, einen Sohn gehabt zu haben. In der Grußformel vom 1.Petrusbrief 5,13 nennt ihn Petrus ausdrücklich "und Markus, mein Sohn". Einige Ausleger gehen davon aus, dass es sich hierbei tatsächlich um den leiblichen Sohn von Petrus handeln könnte.

Paulus: Saulus wandelte sich zum Paulus

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Gemäß der Apostelgeschichte im Neuen Testament der Bibel vollzog der Apostel Paulus tatsächlich eine abrupte Wandlung: Vom erbitterten Christenverfolger wandelte er sich nach einer Gottesvision zum engagierten Christen und Missionar. Dass er auch seinen Namen von Saulus in Paulus änderte, ist allerdings ein populärer Irrtum. In der Bibel ist von einer solchen Neubenennung jedenfalls nicht die Rede. Stattdessen steht dort geschrieben, dass die betreffende Person schon von Geburt an beide Namen trug: Paulus als römischer und Saul (die Namensversion Saulus ist eine römische Übersetzung) als jüdischen Namen. Auch der Gleichklang der beiden Wörter Saulus und Paulus dürfte kaum beabsichtigt gewesen sein, da die korrekte Form ersteren Namens ja Saul lautete und etwa „Scha-ul“ ausgesprochen wurde.

Tiara: Die Tiara enthält die Teufelszahl 666

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Papstkrone (Tiara)

Eine klassische Urban Legend besagt, dass die Krone des Papstes, die päpstliche Tiara, die Worte „Vicarius Filii Dei“ (Statthalter des Sohnes Gottes) enthalte. Wenn man daraus die Buchstaben, die zugleich Römische Ziffern sind, aufsummiert, ergibt sich Sechshundertsechsundsechzig, die Zahl des Antichristen, wie sie in der Bibel erwähnt ist. Obwohl diese Geschichte einfach falsifizierbar ist (alle Papstkronen seit dem 16. Jhd. können öffentlich besichtigt werden und auf keiner davon sind diese Worte zu finden), wird dieser Mythos insbesondere in radikal-protestantischen Kreisen weiterhin geglaubt, mit immer dem selben Hinweis auf ein Foto eines Papst-Begräbnisses vom Anfang des 20. Jahrhunderts (wahrscheinlich von Papst Leo XIII. 1903), das die Existenz einer päpstlichen Tiara mit diesen Worten beweise. Das Foto ist allerdings bis heute nicht aufzufinden.

Der Titel "Vicarius Filii Dei" ist zudem in der katholischen Kirche in dieser Form gar nicht gebräuchlich, sondern "Vicarius Christi" oder "Vicarius Iesu Christi". Es ist also zu vermuten, dass die Erfinder der Geschichte dieser Worte auf der Tiara so lange mit Worten versucht haben, bis in der Summe die 666 herauskam.

Turiner Grabtuch: Das Turiner Grabtuch ist ein Fotonegativ

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Im Jahr 1898 entstand das erste Foto des Turiner Grabtuchs, wobei der Fotograf feststellte, dass das Bildnis im Negativ viel detailreicher wirkte als im Original. Viele Befürworter der Echtheit des Grabtuchs halten das Bild darauf seitdem für ein Fotonegativ. Diese These hat jedoch einen Schönheitsfehler: Handelte es sich tatsächlich um ein Negativ, dann hätte die darauf abgebildete Person weiße Haare.

Gegen ein Fotonegativ spricht auch die so genannte Pray-Handschrift (eine illustrierte Handschrift) von 1150 die in der Ungarischen Nationalbibliothek zu sehen ist und das Grabtuch von Turin zeigt.

Der hl. Christophorus ist eine historische Person

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Die beliebte Heiligenfigur "Christophorus", welcher als Schutzpatron der (Auto-)Fahrer gilt, geht weitestgehend auf eine Legende zurück. Die eigentlichen historischen Daten sind zu spärlich, um daraus die Legendenbildung herzuleiten.

Die "unbefleckte Empfängnis" hat bei Maria zur Jungfrauengeburt geführt

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"Unbefleckte Empfängnis" meint die Zeugung Marias durch ihre Eltern (volkstümlich als Joachim und Anna bekannt, biblisch unbekannt). Hierbei soll Maria ohne die sonst beim Menschen quasi vererbte Grundsündhaftigkeit geblieben sein. Diese "Unbeflecktheit" ist eine rein theologische Kategorie, Christen aller Konfessionen glauben daran, dass Maria bei "regulärem" Geschlechtsverkehr gezeugt wurde. Die Schwangerschaft Marias (mit Jesus) hingegen erfolgte unter außerbiologischen Umständen nach der sogenannten Verkündigung des Engels. Hieraus leitet sich die Jungfräulichkeit Marias her. Ob diese Jungfräulichkeit nur theologisch oder auch biologisch zu verstehen ist, darüber streiten sich Wissenschaft und Kirche (teilweise auch untereinander). Für einige jüdische Theologen zeugt die Aussage: eine Jungfrau wurde schwanger bloß auf die Erstgeburt hin - also das älteste Kind.

Adam und Eva aßen einen Apfel

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In der Bibel steht lediglich, dass es sich um eine Frucht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen handelte. Das gängige Bild vom Apfel als verbotener Paradiesfrucht beruht auf einer falschen Übersetzung des lateinischen Wortes malus, das sowohl „böse“ als auch „Apfelbaum“ bedeuten kann.