Soziologische Klassiker/ Mises, Ludwig von

Grundstruktur des Kapitels:

Biographie in Daten

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Ludwig von Mises

  • geboren am 29. September 1881 in Lemberg (Hauptstadt der österreichischen Provinz Galizien, heutige West-Ukraine)
  • gestorben am 10. Oktober 1973 in New York


Eltern: Vater (Ingenieur bei den österreichischen Staatsbahnen), Mutter stammt aus einer bürgerlichen Familie Bruder: Richard von Mises (berühmter Mathematiker, 1883-1953) Kinder: keine, seine Frau Margit hatte 2 Kinder aus erster Ehe


Lebenslauf:

  • 1881: am 29. September in Lemberg (damalige österreichische Provinz) geboren. Er besuchte die Schule in Wien
  • 1900: Jura-Studium an der Universität von Wien, Mises beschäftigte sich nebenbei mit Ökonomie
  • 1904 bis 1913: besuchte er das Seminar des Ökonomen Eugen von Böhm-Bawerk
  • 1906: Promotion, anschließend als Rechtsanwalt tätig
  • 1909: Referent bei der Wiener Handelskammer
  • 1912: Habilitation "Theorie des Geldes und der Umlaufmittel"
  • während des 1. Weltkrieges war Mises als Artillerieoffizier im Einsatz
  • 1918: Leitender Sekretär bei der Wiener Handelskammer
  • 1920 bis 1934: hält regelmäßig ein Privatseminar in seinem Büro. Die bekanntesten Teilnehmer: Friedrich A. von Hayek, Karl Menger (Sohn von Carl Menger), Alfred Schütz, Gottfried von Haberler, Fritz Machlup, Oskar Morgenstern, Felix Kaufmann, Eric Voegelin
  • 1927: Gründung des Österreichischen Konjunkturforschungsinstitut
  • 1934: Flucht nach Genf vor den Nazis; am Genfer Institut für Höhere Studien tätig
  • 1938: Tod seiner Mutter
  • 1939: Hochzeit mit Margit Sereny-Herzfeld
  • 1940: Emigration in die USA, Mises befand sich von da an in finanzieller Notlage
  • ab 1945: Vorlesungen an der New York University, Mises kam jedoch nie zu einer vollbezahlten Professorenstelle
  • Mitglied der Mont Pèlerin Gesellschaft
  • Ludwig von Mises starb am 10.Oktober 1973 in New York im Alter von 92 Jahren.


Historischer Kontext

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Mises erlebte beide Weltkriege mit - im Ersten Weltkrieg war er als Artillerieoffizier an der Front, vor dem Zweiten Weltkrieg immigrierte er zuerst in die Schweiz und später in die Staaten. Die Machtergreifung der Sozialisten in Osteuropa nach dem ersten Weltkrieg beschäftigte ihn damals stark. Er erhielt für sein Werk "Die Gemeinwirtschaft: Untersuchungen über den Sozialismus" - in welchem er den Untergang des Sozialismus vorhersagte - große Anerkennung.


Theoriegeschichtlicher Kontext

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Ludwig von Mises war Anhänger der österreichischen Grenznutzenschule und sah sich selbst als einzig wahrer Nachfolger von Carl Menger. Mit seinem Werk "Theorie des Geldes und der Umlaufmittel" erweiterte er die Lehre von Eugen von Böhm-Bawerk.


Das Werk in Themen und Thesen

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Handlungstheoretisch unterscheidet Mises zwischen unbewusstem und sinnvollem Verhalten. Er enthält sich einer Wertung über menschliche Handlungsziele, denn dies gehört, so Mises, nicht in den Bereich der Wissenschaft. Die Aufgabe sieht er darin, die Wahlakte zu analysieren. Handeln bedeutet immer ein Wählen und Entscheiden. Dadurch sind Denken und Handeln unzertrennlich, folglich ist Handeln immer intentional und vernünftig. Der Begriff "rationales Handeln" bringt also keine Einschränkungen zum Begriff Handeln und ist somit abzulehnen.

Mises gehörte zu der österreichischen Grenznutzenschule, welche von Carl Menger begründet wurde. Die Grenznutzentheorie sagt aus, dass der Wert eines Gutes aufgrund der subjektiven Beziehung zwischen dem Individuum und dem Gut zustande kommt. Mises wollte eine verallgemeinerte Theorie des Handelns auf Basis der Grenznutzentheorie entwickeln. Als Ökonom vertrat er die Ansicht, dass Nationalökonomie die einzig "richtige Soziologie" wäre. Da die Soziologie für ihn eine historische Wissenschaft darstellte, wollte er anstelle dessen die Praxeologie einführen.


Rezeption und Wirkung

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Von seinen Kollegen wird Mises oft als arroganter und hoffnungsloser Pessimist beschrieben. Viele Ökonomen - unter anderem auch Mises Schüler Friedrich A. von Hayek - sehen die Praxeologie als unbrauchbar an und schließen sich seinen Weltanschauungen nicht an. Jedoch finden seine Werke zum Thema Liberalismus heute vor allem unter den Liberalisten Anklang.


Literatur

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  • Gabriel, Manfred (2004):
    "Handeln als Wählen und Entscheiden: Rationalität und lebensweltliche Routine in: Balog, Andreas / Mezetic, Gerald [Hrsg.]: Soziologie in und aus Wien"
    Frankfurt am Main

Internetquellen

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