Soziologische Klassiker/ Geschlechterforschung/ Judith Butler

Judith Butler

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Einleitung

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Das Buch Gender Trouble ist Butlers bisher einflussreichstes Werk und kann als akademischer Bestseller der feministischen Wissenschaft betrachtet werden. In ihm wird von der Annahme ausgegangen, dass das biologische und das soziale Geschlecht nicht natürlich vorgegeben ist.

Gender Trouble

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Butlers Bemühen gilt der Unterbrechung der Gender - Kategorien, welche das System der Geschlechterhierarchie und die Zwangsheterosexualität tragen. Sie versucht Gender und andere Identitätskategorien des biologischen Geschlechts als Resultat bestimmter gesellschaftlicher Relationen zu erklären. Welches der beiden Geschlechter Anspruch auf bestimmte Identitätskategorien erhält, wird dadurch nicht festgelegt und ermöglicht einen neutralen Blick. Im allgemein versucht Butler die Barrieren des Geschlechterverhältnisses aufzubrechen. Bewusst lässt sie den Streit um die Vormacht der Geschlechter in den Hintergrund treten, um einen Weg der Gleichberechtigung für die Zukunft zugänglich zu machen. (Im Mittelpunkt Butlers Diskussion stehen Beiträge der AutorInnen Michel Foucault, Sigmund Freud, Jacques Lacan, Claude Levi - Strauss, Luce Irigaray, Monique Wittig, Julia Kristeva und Joan Riviere.)

Butlers Dekonstruktivismus bildet ein Extrem, da sie die weiblichen und männlichen Geschlechtskörper, die sozialen Geschlechtsunterschiede und damit auch die Unterscheidung zwischen Hetero- und Homosexualität komplett destabilisieren möchte. Sie steuert eine Dezentralisierung der Frau an und macht dabei deutlich, dass sich auch in den feministischen Wissenschaftsströmungen unterschiedliche Standpunkte herauskristallisiert haben.

Butlers Theorie im Detail

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Genau wie Foucault vertritt Butler die These, dass die weibliche und männliche Sexualität durch die Regelwerke in der Gesellschaft gebildet werden. Mit der Sexualität (hetero- oder homosexuelle Neigung) erfährt das Individuum auch seine Identität.

Sie stellt die Theorie auf, dass ein gewisser Zwang zur Heterosexualität existiert, der zur Folge hat, dass der männliche und weibliche Geschlechtskörper automatisch mit dem sozialen Geschlecht und deren Stellung in der Gesellschaft unwiderruflich verbunden wird. Die Verteufelung der Homosexualität vermutet Butler sei im Tabu der gleichgeschlechtlichen Liebe enthalten. “Das Tabu gegen Homosexualität habe die Auswirkung, dass eine homosexuelle Objektbesetzung zunächst geschaffen und dann durch Identifikation mit dem Objekt eliminiert werde.” [1]

Diese Form der Identifikation durch das Geschlecht wird hierbei als krankhaft und anormal verstanden und folgt dem Modell der Trauer gleich gesetzt. Es gilt die Unterscheidung zwischen dem Modell der Trauer und dem Modell der Melancholie. Ersteres steht für die heterosexuelle Geschlechtsidentifikation, wobei die Trauer als ein Prozess verstanden wird, der Verlust bewältigt. Das Modell der Melancholie hingegen steht für die homosexuelle Geschlechtsidentifikation, die einen Prozess beschreibt, der den Verlust nicht verarbeiten kann. Butlers Körpertheorie stützt sich auf die Identifikation durch die Geschlechtsorgane, die Körperoberfläche. Genderansätze sind für Butler dann sinnvoll, wenn es gelingt deren Zusammenhänge und Regelmäßigkeiten der verschiedenen Dimensionen des Geschlechterbegriffs (sozial, biologisch) darzustellen und aufzuzeigen. Dennoch ist das ein schwer erreichbares Ziel, denn nach Butler kann dieser Zustand nie vollkommen erreicht werden. “Weder ließen sich biologisches und soziales Geschlecht, sexuelle Praxis und Verlangen in klare Abfolge zueinander setzten, noch seien die Zeichen jeder einzelnen Dimension in sich widerspruchslos oder ließen sich immer wieder gleich wiederholen.” [2] Butler stellt die naturbedingte Etablierung des Geschlechts dadurch in Frage und versucht zentral deren Thematiken zu durchbrechen.

Literatur

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  • Matina Löw und Bettina Mathes [Hrsg.] (2005)
    Schlüsselwerke der Geschlechterforschung'
    Erste Auflage
    VS Verlag für Sozialwissenschaften/ GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden

Einzelnachweise

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  1. Löw und Mathes, 2005 Seite 256
  2. Löw und Mathes, 2005 Seite 257