Soziologische Klassiker/ Geschlechterforschung/ Geschlechterspezifische Sexualität

Theorien zur Sexualität

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Sexualität - ein Gegenstand der Soziologie?

Meuser ist der Ansicht, dass die Soziologie Sexualität tendenziell anderen Wissenschaften überlässt, obwohl sie im Alltag eine nicht zu verachtende Rolle spielt. Er hält die Wissenschaft der Sexualität für interdisziplinär- es gibt mathematische, sozialwissenschaftliche und psychologische Ansätze.[1]

Die Sozialwissenschaft liefert mit ihren empirischen Untersuchungen die Grundlage für weitere Schlussfolgerungen in den interdisziplinären Wissenschaften.

Meuser bringt die Frage auf in wie weit es Faktoren gibt die „Sexualität“ zu einem Forschungsgebiet für die Soziologie machen:

  • Es zeigt sich, dass bedingt durch die Moderne sich „Sexualität“ den traditionellen normativen Grundlagen entzieht.
  • Meuser bezieht sich auf Durkheim, der „Sexualität“ als einen sozialen Tatbestand ansieht und Kritik daran ausübt, dass sich in dieser Wissenschaft primär Theologen etabliert haben.
  • „Sexualität“ wird durch Rituale und Tabus sozial geregelt.
  • Sie kann als interaktionistisches Handeln gewertet werden und situationsbedingt zu unterschiedlichen Handeln und Interpretation führen.
  • Da „Sexualität“ über den Geschlechtsverkehr hinaus geht, ist sie Tatbestand zur Erklärung des Geschlechterverhältnises.
  • Sie ist keine natürliche Gegebenheit, sondern ein soziokulturelles Phänomen. Er verweist darauf, „dass gesellschaftliche Lebensformen nicht zu verstehen sind, ohne die Besonderheiten des sexuellen Verhaltens zu kennen und ohne zu wissen, wie dieses Verhalten und die Geschlechtsunterschiede in der Kultur begriffen und symbolisiert werden.

Mit dieser These weißt Meuser darauf hin, dass das Verständnis der „Sexualität“ zu den grundlegenden Kenntnissen einer Gesellschaft gehören und somit Tatbestand der Soziologie ist!

Meusers Theorie

In seinem Werk befasst es sich mit einer Studien zum Thema „Sexualität“, die Befragungen von 1966 mit denen von 1981 vergleicht. Dabei kommt er zu folgenden Ergebnissen:

  • Die 1966 bestehenden Unterschiede zwischen den Geschlechtern, im Verhalten und Einstellungen zur „Sexualität“ sind 1981 weit gehend überwunden
  • Der Begriff unterliegt einem gesellschaftlichen Wandel und damit die Themen, mit denen sich die Gesellschaft befasst. Aktuelle Diskussionspunkte aus dem Jahre 1966 wie Masturbation und Homosexualität, sind 1981 in den Hintergrund gerückt.
  • Die traditionelle Partnerschaft beginnt sich aufzulösen. Meuser sieht dabei die Frau, die mit der Ehe zunehmend unzufrieden, als Ausgangspunkt.
  • Die Sexualität wird zunehmend, als eigenständiges Erlebnis erfasst, welches auch außerhalb emotionaler Beziehungen statt finden kann.

Meuser spricht zusammenfassend von einer „Individualisierung der Sexualität“.

Für die Soziologie ist die Partnerwahl interessant. Sie kann zum Beispiel durch die „Kosten-Nutzen Erwägung“ erklärt werden.

Genau wie Foucault vertritt Butler die These, dass die weibliche und männliche Sexualität durch die Regelwerke in der Gesellschaft gebildet werden. Mit der Sexualität (hetero- oder homosexuelle Neigung) erfährt das Individuum auch seine Identität.

Sie stellt die Theorie auf, dass ein gewisser Zwang zur Heterosexualität existiert, der zur Folge hat, dass der männliche und weibliche Geschlechtskörper automatisch mit dem sozialen Geschlecht und deren Stellung in der Gesellschaft unwiderruflich verbunden wird. Die Verteufelung der Homosexualität vermutet Butler sei im Tabu der gleichgeschlechtlichen Liebe enthalten. “Das Tabu gegen Homosexualität habe die Auswirkung, dass eine homosexuelle Objektbesetzung zunächst geschaffen und dann durch Identifikation mit dem Objekt eliminiert werde.” [2]

Diese Form der Identifikation durch das Geschlecht wird hierbei als krankhaft und anormal verstanden und folgt dem Modell der Trauer gleich gesetzt. Es gilt die Unterscheidung zwischen dem Modell der Trauer und dem Modell der Melancholie. Ersteres steht für die heterosexuelle Geschlechtsidentifikation, wobei die Trauer als ein Prozess verstanden wird, der Verlust bewältigt. Das Modell der Melancholie hingegen steht für die homosexuelle Geschlechtsidentifikation, die einen Prozess beschreibt, der den Verlust nicht verarbeiten kann. Butlers Körpertheorie stützt sich auf die Identifikation durch die Geschlechtsorgane, die Körperoberfläche. Genderansätze sind für Butler dann sinnvoll, wenn es gelingt deren Zusammenhänge und Regelmäßigkeiten der verschiedenen Dimensionen des Geschlechterbegriffs (sozial, biologisch) darzustellen und aufzuzeigen. Dennoch ist das ein schwer erreichbares Ziel, denn nach Butler kann dieser Zustand nie vollkommen erreicht werden. “Weder ließen sich biologisches und soziales Geschlecht, sexuelle Praxis und Verlangen in klare Abfolge zueinander setzten, noch seien die Zeichen jeder einzelnen Dimension in sich widerspruchslos oder ließen sich immer wieder gleich wiederholen.” [3] Butler stellt die naturbedingte Etablierung des Geschlechts dadurch in Frage und versucht zentral deren Thematiken zu durchbrechen.

Sexualität

Da bei der Frau nicht unterschieden wird zwischen dem eigentlichen Sein und dem Geschlechtersein, rückt bei ihr die „Sexualität“ auf die sekundäre Ebene. [4]

Während beim Mann Verhalten und Handlungen objektiv betrachtet werden, werden diese bei Frauen immer als „weiblich“ empfunden. Dadurch ist es viel schwieriger „Männlichkeit“ zu definieren, als Weiblichkeit“. Sie kann nur durch die Abgrenzung zu den „weiblichen“ Eigenschaften skizziert werden.

Andererseits kann der Mann besser beschrieben werden, da auch als Synonym für „Mensch“ steht und somit ein viel größerer Begriffsfundus zur Definierung besteht.

Letztendlich ist jeder Mann mehr als „männlich“ und jede Frau mehr als „weiblich“ Simmel erkennt im Mann das übergeschlechtliche Objektive und in der Frau das übergeschlechtliche Fundament, da sie in ihrer Rolle als Mutter, die Grundlage für beide Geschlechter darstellt. Diese Rolle versinnbildlicht das Symbol des absoluten „Weiblichen“. Das heißt die Tatsache, dass Frauen die Kinder gebären und aufziehen macht sie zu Frauen.

Simmel erläutert, dass Frauen „mehr als der Mann aus ihrem eigene Grund herausleben, wäre bedeutungslos, wenn dieser Grund nicht zugleich irgendwie der Grund der Dinge wäre.“ [5]

Frauen machen auf ihn den Eindruck eine innerliche Geschlossenheit zu bilden, im Gegenzug zu den Männern, die viel mehr aus sich heraus gehen. Simmel analysiert, dass die Frau das Gewöhnliche viel persönlicher und selbstbezogener erlebt, als der Mann. Der Geschlechtsakt der zu den gewöhnlichen Interaktionen gehört und von den Männer auch oft so empfunden wird, erhält bei der Frau eine höheren Stellenwert der eigenen Produktivität.

Literatur

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  • Ilona Ostner [Hrsg.] (1987)
    Sozialisation der Geschlechterverhältmisse
    Soziologische Revue, Sonderheft 2 Oldenbourg
  • Heinz-Jürgen Dahme und Klaus Christian Köhnke [Hrsg.] (1985)
    Georg Simmel Schriften zur Philosophie und Soziologie der Geschlechter
    Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main
  • Martina Löw und Bettins Mathes [Hrsg.] (2005)
    Schlüsselwerke zur Geschlechterforschung
    VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden

Einzelnachweise

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  1. Vgl. Ostner, 1987 S. 108
  2. Vgl. Löw und Mathes ,2005 S. 256
  3. Vgl. Löw und Mathes ,2005 S. 257
  4. Vgl.Dahme und Köhnke, 1985, S. 193
  5. Vgl.Dahme und Köhnke, 1985, S. 218