Soziologische Klassiker/ Geschlechterforschung/ Arbeitsteilung

Definition

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Geschlechterdifferenzierung

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Bezeichnet die geschlechterspezifische Arbeitsaufteilung der gesellschaftlichen Funktionen. Die Zuweisung der Aufgaben unterscheiden sich in den Gesellschaften und in den verschiednen Zeitaltern. Was bedeutet, dass sie gesellschaftsabhängig und jeder Zeit wandelbar sind.

Geschlechterspezifische Arbeitsteilung

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Ist die Differenzierung bei der Verteilung von gesellschaftlichen Aufgaben des Berufes, im Haushalt, in der Familie, so wie auf der kulturellen, kultischen und politischen Ebene, je nach Geschlechterzugehörigkeit.

In vielen Gesellschaften hat solch eine „geschlechterspezifische Arbeitsteilung“ die soziale Isolation der Frau zur Folge. In dem sie auf die Tätigkeiten im Haus beschränkt wird, fehlen ihr die Möglichkeiten zur Teilnahme am öffentlichen und politischen Leben.

Es ist noch nicht geklärt, in wie weit diese Arbeitsteilung eine Folge der biologischen Unterschiede von Mann und Frau, oder ein Resultat der patriarchalischen Gesellschaft ist.

Theorien zur Arbeitsteilung

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Ilona Ostner

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„Beruf und Hausarbeit“

Ostner ist der Ansicht, dass die Differenzierung von „Beruf“ und „Hausarbeit“ in unserer Gesellschaft eine große Rolle in den Geschlechterunterschieden spielt.

Sie erachtet die Hausarbeit als die „primäre Form der Arbeit überhaupt“. Diese Arbeit ist einer der Hauptfaktoren, die eine Gesellschaft funktionieren lässt.

Sie ist die Ausgangsbasis für ein geregeltes Familienleben und die Grundlage für ein Arbeitsverhältnis außerhalb der Familie (Beruf). Diese sogenannte „Weibliche Kultur“ beruht auf „objektiven (geschlechterspezifischen Arbeitsteilung) und subjektiven (Fertigkeiten, Verhaltensweisen) Voraussetzungen zur Bewältigung der Reproduktionsarbeit.“

Die Frau erkennt ihre private Reproduktionsarbeit als eine Art der Erschaffung an und somit wird sie bei Ostner einer „Kultur“ gleichgesetzt. In dieser Kultur sieht die Frau eine „Quelle von Ideologie motivierenden Handlungen und Tätigkeiten.“ Durch die Industrialisierung der Gesellschaft und der großen Entwicklung in der Arbeitsteilung, kam es zu einer radikalen Trennung von „Erzeugen“ und „Verbrauchen“.

Hausarbeit lässt sich nicht zum Beruf machen- „es können nur gewisse Funktionen an den Berufsbereich abgegeben werden“. Der Beruf hat somit auf den ersten Blick die vorherrschende Form in unsere Gesellschaft. Der Frau wird immer noch die Rolle der Erzieherin zugeschrieben und das Erziehen der Kinder „kennzeichnet die Familie als Arbeitsbereich der Frau.“

Ostner ist der Ansicht, dass Frauen stark durch ihre Rolle als „Mutter“ und „Ehefrau“ definiert werden und dadurch die eigentliche Persönlichkeit in den Hintergrund gedrängt wird. Somit hat die Frau in der Familie große Schwierigkeiten sich selbst zu entfalten.

Emile Durkheim

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Geschlechtliche Arbeitsteilung und der Mann als Produkt der Gesellschaft

Der Anzahl der erwähnten Textstellen, zu denen sich Durkheim zum Geschlechterverhältnis äußert, zufolge, kann man ihn nicht zu den Klassiker zuordnen, die eine in soziologischer Hinsicht relevante Geschlechtertheorie miterarbeitet haben. “Das Verhältnis der Geschlechter, Unterschiede der sozialen Funktion von Frau und Mann spricht Durkheim jedoch immer wieder an, und er analysiert sie auf der Folie der von ihm entwickelten soziologischen Kategorien.” [1] Dabei sind vor allem die 1893 über die soziale Arbeitsteilung und 1897 über den Selbstmord erschienenen Werke zu erwähnen. Aus ihnen lässt sich eine Geschlechtertheorie herleiten, die Entwicklung und Funktion von geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung, die männliche und weibliche Position in ehelichen Verbindung und die Bedeutung der Familie zum Inhalt hat.

Ferdinand Tönnies

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Weiblicher Wesenwille und männlicher Kürwille

Als anschlussfähiger Theoretiker der 20.Jahrhunderts zeigen sich gerade bei Tönnies auffallende Interpretationsschwierigkeiten, wenn es sich um das Geschlechterverhältnis handelt. Tönnies selbst stellt in einem Aufsatz “ Begriff der Gemeinschaft” fest, dass der wesentliche Unterschied des Menschen in der von der Natur vorgegeben Unterscheidung des Geschlechts begründet liegt. Das Männliche verbindet Tönnies unwiderruflich mit Kraft und der von der Natur vorgegebenen Führungsposition, die sich nicht zuletzt in der Arbeitsaufteilung von Mann und Frau widerspiegelt. Die Frau hingegen ist für Erziehung und Haushalt vorbestimmt. Dennoch stellt Tönnies dabei noch keine hinreichende soziologische Geschlechtertheorie auf, sondern verweist lediglich auf die natürliche Geschlechterdifferenz. Ausgehend von der naturbedingten Geschlechterdifferenz wird Mann und Frau durch den jeweiligen Platz in der Gesellschaft und Gemeinschaft definiert. Gemeinschaft und Gesellschaft tragen in sich zwei gegensätzliche Formen des Zusammenlebens von Menschen. Hierbei schlägt Tönnies eine Brücke zwischen Geschlecht und Gesellschaft/Gemeinschaft. Die Theorie basiert auf Willensformen, welchen verschiedene Schwerpunkten folgen. Die Gesellschaft orientiert sich nach Tönnies am Wesen ideeller und mechanischer Bildung, die Gemeinschaft dagegen folgt dem Wesen des realen und organisierten Lebens. Die Gegenüberstellung beider Willensformen ist mit weiteren Gegensätzen (z.B. Vertrautheit vs. Öffentlichkeit; dauerhaftes Zusammenleben vs. Vorübergehendes Zusammenleben; Einheitlichkeit vs. Differenziertheit) ausgestattet, die sich auch auf die Geschlechterdifferenzierung übertragen lassen. Die Geschlechtscharaktere sind nach Tönnies denen der Gesellschaft/ Gemeinschaft zuzuordnen. Soziale Verhältnisse entstehen hierbei durch vollzogene Akte des Willens, wobei zwei Formen zu unterscheiden sind: Unter Wesenswille (auf die Gemeinschaft bezogen) versteht er den Willen, in dem Denken miteinbezogen wird und der Kürwille (auf die Gesellschaft bezogen) enthält Denken, in dem der Wille eingeschlossen ist. Der Kürwille wird dem Wesenwille übergeordnet, indem er als Konstrukt und Basis des Denkens (=Subjekt des Denkens) gesehen wird und durch ihn Wahrheits- und Wirklichkeitsgehalt erfährt. Aus ihm kann dann der Wesenwille heraus verstanden und definiert werden. Dennoch ist hierbei unklar, ob die Unterscheidung zwischen Gesellschaft und Gemeinschaft nun auch sinngemäß auf die des Geschlechterverhältnisses übertragen werden kann. Tönnies äußert sich deutlich über die Zuordnung der Willensformen. Die Frau, welcher der männliche Kürwille fehlt, orientiert sich an Gefühlen. Der Mann hingegen wird vom Kürwillen, der Verstand voraussetzt, geleitet. Dem Mann wird die Führungs- und Leitungsposition zugeschrieben, da er verantwortlich ist für die Nahrungssuche, daher muss er einen Blick in die Ferne blicken und zukunftsnah planen( =temporale Struktur). Der Blick der Frau bleibt stattdessen im Raum, an ihre heimische Umgeben gebunden. Der Unterschied logisch zu kombinieren und im Voraus zu überlegen schreibt dem Mann die Eigenschaft des abstrakten Denkvermögens zu. Der Frau fehlt das, ihr Denken wird von Tönnies als synthetisch charakterisiert. Sie verkörpert den rundherum natürlichen Menschen, da sie ein unmittelbares Verhältnis zu Situationen und Dingen aufbaut. Ihr entspringen Wesenszüge wie Naivität und Leidenschaft, sie ist gesinnt, gewissenhaft und gutmütig. Der Mann dagegen steht für den künstlichen Mensch, der sein Handeln plant und mit Hilfe des Verstandes organisiert. Männliche Wesenszüge sieht Tönnies im Bestreben, der Berechnung von Situationen und dem darüber allgegenwärtigen Bewusstsein. Ebenso wird die gesellschaftliche Zugehörigkeit beider Geschlechter in Tönnies Theorie aufgezeigt. Der Mann wird mit dem öffentlichen Leben und der Welt außerhalb des Hauses in Verbindung gebracht, der Frau dagegen bleibt diese Sphäre verwehrt.

Literatur

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  • Hartfiel und Hillmann [Hrsg.] (1982)
    "Wörterbuch der Soziologie"
    Dritte Auflage
    Alfred Kröner Verlag Stutgart
  • Fuchs-Heinritz, Lautmann, Rammstedt, Wienold [Hrsg.] (2007)
    Lexikon zur Soziologie
    Vierte Auflage
    Verlag für Sozialwissenschaften Wiesbaden
  • Ilona Ostner (1978)
    Beruf und Hausarbeit: Die Arbeit der Frau in unserer Gesellschaft'
    Campus Verlag Frankfurt/New York
  • Michael Meuser (1998)
    Geschlecht und Männlichkeit: Soziologische Theorie und kulturelle Deutungsmuster'
    Leske + Budrich, Opladen

Einzelnachweise

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  1. Vgl. Meuser, 1998 Seite 41