Kleiner Führer zu Burgen, Schlössern und Rittersitzen: Essen und Umgebung: Schloss Baldeney

Hauptgebäude des Schlosses von Südwesten
Auf einen Blick
Adresse: Freiherr-vom-Stein-Straße 386a,
45133 Essen
Verwendung: Wohnhaus, Atelier, Restaurant
Bauherr(en): Adolf I. von der Mark,
Familie von Bottlenberg
Bauzeit: 1226
Ende 19./Anfang 20. Jahrhundert
Architekturstil: u. a. Historismus
Geokoordinate: 51° 24' 28.7" N, 7° 1' 27.6" O
Bildergalerie: Wikimedia Commons

Überblick

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Das Schloss Baldeney steht im Essener Stadtteil Bredeney am Nordufer des Baldeneysees und ging aus einer mittelalterlichen Wasserburg hervor. Es gab dem 1933 fertiggestellten Baldeneysee, an dessen Nordufer es liegt, seinen Namen und steht als Bau- und Bodendenkmal unter Denkmalschutz.

Beschreibung

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Die heutige Schlossanlage wurde aus Ruhrsandstein erbaut und besteht neben dem Hauptgebäude aus einem ehemaligen Wirtschaftsgebäude und einer sich daran anschließenden Kapelle. Früher war sie von einer Gräfte umgeben, die zwar seit etwa 1890 zugeschüttet aber im Gelände noch erkennbar ist. Das Urkataster von 1875 zeigt das Anwesen noch mit breiten Gräben und Wirtschaftsgebäuden, die heute nicht mehr erhalten sind.

Ältester erhaltener Teil ist der fast quadratische, aus dem 14./15. Jahrhundert stammende Wohnturm mit drei Geschossen und Walmdach. Eine Freitreppe führt zu seinem Portal, über dem sich das Wappen der Freiherren von Bottlenberg befindet. Es stammt - ebenso wie das Kreuzstockfenster und die Fenster mit Werksteingewänden aus dem 19. Jahrhundert. Dem Wohnturm schließen sich östlich und westlich Gebäudeflügel aus dem 17. und 18. Jahrhundert an, die aber im 19. Jahrhundert vollständig umgestaltet worden sind. Der Westflügel ist ein zweigeschossiger Bau mit Gewölbekeller und Walmdach, dessen Fenster Gewände aus Sandstein besitzen. Der Ostflügel besitzt ebenfalls zwei Geschosse, aber keinen Keller.

Nordwestlich des Hauptgebäudes steht mit der sogenannten Remise ein zweigeschossiger Dreiflügelbau, der früher die Stallungen und Gesindeunterkünfte beherbergte. Sein Aussehen wird maßgeblich von großen, rundbogigen Toren im Erdgeschoss bestimmt. Er wurde um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gemäß der damals vorherrschenden Burgenromantik im Stil der Historismus erbaut, was besonders durch seinen mittig gelegenen, zinnenbewehrten Turm zum Ausdruck kommt.

Dem ehemaligen Wirtschaftsgebäude schließt sich westlich eine kleine Kapelle an, die der heiligen Maria Magdalena geweiht ist. Sie wird heute von der Pfarrgemeinde St. Markus in Essen-Bredeney betreut. Ihr Aussehen geht auf einen Umbau im 16. Jahrhundert zurück, während die Ausstattung in ihrem Inneren aus dem Jahr 1821 stammt. Das von Säulen getragene Vordach des Sakralbaus stammt wahrscheinlich ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert. Direkt neben der Schlosskapelle liegt ein kleiner Friedhof, der von einer niedrigen Bruchsteinmauer eingefasst wird. Er ist seit dem 19. Jahrhundert belegt und war Grablege der Schlossbesitzer. Die noch erhaltenen Grabplatten sind jedoch derart stark verwittert, dass die Namen der Verstorbenen nicht mehr entziffert werden können.

Geschichte

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Graf Adolf I. von der Mark ließ am Ort des heutigen Hauptgebäudes 1226 ein erstes festes Haus errichten, doch schon vorher existierte dort wahrscheinlich eine Motte (siehe [Gor2002], S. 142). Das Haus war ein Lehngut der Abtei Werden und wurde im Jahr 1337 erstmals urkundlich erwähnt, als der damalige Besitzer Theodoricus von (der) Leythe (auch Leythen, Leyte und Leithe) gemeinsam mit seinem Sohn Everhard eine Kapelle stiftete.

Bis 1432 war die Anlage im Besitz der Familie von (der) Leythe, anschließend kam sie über weibliche Familienmitglieder an wechselnde Besitzer, von denen einige das Amt des Erbmarschalls von Werden innehatten und zugleich Erbkämmerer der Fürstabtei Essen waren. Unter den Burgherren finden sich zum Beispiel der Ritter Kracht Stecke zu Mylendonk und Meiderich und an Arndt von Vittinghoff, in dessen Besitz das Haus 1445 gelangte. Ihm folgten 1563 die von Eyll. 1612 gelangte die Anlage an die Familie von Neuhoff, der 1655 die Familie von Drimborn folgte. 1747 wurde dann der kaiserliche Hauptmann Freiherr Franz Ernst von Bottlenberg, genannt Schirp, Schlossherr. Seine Familie blieb bis 1968 im Besitz des Anwesens.

Seit 1921 waren die Gebäude verpachtet und wurden erst als Schullandheim dann vorwiegend als Restaurant genutzt, das sich nach Fertigstellung des Baldeneysees zu einer beliebten Ausflugsgaststätte entwickelte. Nach dem Verkauf in den 1960er Jahren ließen die Eigentümer Schloss und Park nach Jahren des Verfalls aufwändig restaurieren, so zum Beispiel 1992 die Schlosskapelle. Auch wurde auf dem Areal wieder eine Gastronomie geführt, die im September 2004 aber einem Brand zum Opfer fiel. Seitdem war die Anlage ungenutzt. Nach der Insolvenz des Eigentümers stand das mehr als 9000 Quadratmeter große Anwesen lange Zeit zum Verkauf. Im August 2011 erwarb es ein Essener Immobilienmakler für 3,9 Millionen Euro.


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