Esperanto: Kapitel 45

Das unbestimmte zeitliche Adverb „iam“Bearbeiten

1. Vom unbestimmten Pronomen iu abgeleitet wird das unbestimmte zeitliche Adverb iam (einmal, jemals, irgendwann [einmal]).

Iam mi rakontos la aferon al vi. – Irgendwann einmal werde ich Ihnen die Angelegenheit erzählen.
Reĝo iam loĝis tie. – Ein König wohnte irgendwann einmal dort.
Ĉu vi iam faris proceson kontraŭ li? – Gingen Sie jemals gegen ihn vor Gericht?
Estis iam... – Es war einmal...

Das unbestimmte Adverb „ial“Bearbeiten

2. Das unbestimmte Adverb des Motivs oder Grundes ist ial (aus irgendeinem Grund, aus bestimmten Gründen):

Ial li ne riparis la tendon. – Aus irgendeinem Grund reparierte er das Zelt nicht.
Ĉu vi opinias ke ial li maljuste suferas? – Denkst du, dass er aus irgendeinem Grund ungerecht leidet?

Das Kausativ-Suffix „-ig-“Bearbeiten

3.a Das Suffix -ig- wird für Verben verwendet, die etwas verursachen, was in ihrem Stamm angegeben wird. Solche Verben werden als „Kausativ“ bezeichnet. Auch das Deutsche enthält viele kausative Verben, wenn sie auch nicht mehr als grammatische Form empfunden werden, zum Beispiel:

fali – fallen
faligi – fällen, zum Fallen bringen
dormi – schlafen
dormigi – (ein)schläfern
sidi – sitzen
sidigi – setzen (zum Setzen bringen)
trinki – trinken
trinkigi – tränken

Weitere Beispiele, die keine direkte Kausativ-Form im Deutschen haben:

dolĉigi – etwas süßen, süß machen (von dolĉa, süß; dolĉi = süß sein)
moligi – weich machen (von mola, weich)
plilongigi – verlängern, länger machen (von pli longa, länger)
faciligi – vereinfachen (von facila, leicht, einfach)
beligi – verschönern (von bela, schön)
konigi – miteinander bekannt machen (von koni, kennen)
mirigi – verblüffen, überraschen (von miri, sich fragen/wundern)
mortigi – töten (von morti, sterben)
okazigi – verursachen, bewirken (wörtlich: „geschehen machen“)

Anmerkung: Das Suffix -ig- kann oft mit „ver-“ oder „... machen“ übersetzt werden. Anstelle des Kausativs kann oft auch das Prädikat des Objekts (Kap. 44 #3) verwendet werden, vergleiche:

Li faris la mondon ĝoja. – Er machte die Welt glücklich.
Li ĝojigis la mondon. – Er beglückte die Welt. / Er machte die Welt glücklich.

b. Kausative Verben können von Wortstämmen, Präpositionen, Adverbien, Präfixen und Suffixen abgeleitet werden, solange es Sinn ergibt:

amasigi – anhäufen, ansammeln (von amaso, Haufen, Menge)
kunigi – vereinen, zusammenbringen (von kun, mit)
forigi – entfernen, „weg machen“ (von for, weg)
ebligi – ermöglichen, möglich machen (von -ebl-, Kap. 34 #2)
igi – bewirken, dazu bringen etwas zu tun

Betonung mittels „ja“Bearbeiten

4. Die emphatische Form des Verbs wird im Esperanto dadurch ausgedrückt, dass das Adverb ja (tatsächlich) vor das Verb gesetzt wird:

Vi ja mirigas min! – Du überraschst mich wirklich!
Li ja estas justa juĝisto. – Er ist tatsächlich ein aufrechter Richter.
Li ja havis tiun rajton. – Er hatte wirklich dieses Recht.

Anmerkung: Im Englischen wird dazu das Wort do (tun) verwandt. I do work!, „Ich arbeite wirklich!“ Im Deutschen muss man dazu Adverbien verwenden, „Ich tue arbeiten“ gehört allenfalls der Umgangssprache an.

VokabelnBearbeiten

akompani – begleiten
danĝero – Gefahr
gvidi – leiten, führen
ial – aus irgendeinem Grund ( #2)
iam – irgendwann ( #1)
indiferenta – gleichgültig
ja – ja, doch ( #4)
kredi – glauben
salti – springen
tiri – ziehen

Anmerkung: Im Englischen werden esti indiferenta und ne esti zorga mit not to care for übersetzt. Im Deutschen gibt es dabei in der Regel keine Schwierigkeiten.

  • Li estas indiferenta al la libro. – He does not care about (is indifferent to) the book. – Das Buch ist ihm gleichgültig.
  • Li ne zorgas pri la libro. – He does not care for (take care of) the book. – Er kümmert sich nicht um das Buch.
  • Estas indiferente al mi ĉu li venos, aŭ ne. – I do not care whether he is coming or not. – Es ist mir egal, ob er kommt oder nicht.

Ĉe la malnova ponto (Leseübung)Bearbeiten

Iam loĝis en nia urbeto junulo kiu havis afablan pli junan fratinon. Unu tagon en la daŭro de la bela printempa vetero la junulo invitis la fratinon veturi ien en veturilo tirata de du ĉevaloj. La invito ĝojigis la knabinon, kaj ŝi respondis ke ŝi kun plezuro akompanos la fraton. Tuj ŝi pretigis sin por iri, kaj ili ekveturis. Ili pasis preter pitoreskaj kampoj kaj arbaretoj, kaj fine alvenis al ponto trans la rivero. Ili kredis ĝin malnova kaj ne tre forta, kaj ial la junulino estis treege timigita (verängstigt). „Ho, kara frato,“ ŝi ekkriis, kun eksalteto pro timo, „tiu ponto ja estas danĝera! Mi deziras kuri trans ĝin, ĉar iam la pezeco de unu persono estos tiom tro multe por veturilo sur malforta ponto!“ Sed la timemaj petoj de lia fratino ŝajne kolerigis la junulon, kaj li respondis malafable, „Nu, vi ja mirigas min! Vi montras vin tre malsaĝa, ĉar la konstruintoj de tiu ponto certe faris ĝin sufiĉe forta por tia veturilo kia la nia. Ne estos necese eksalti de ĝi, kaj piede transiri la ponton.“ Tiamaniere li penis trankviligi la kompatindan knabinon, sed tiaj vortoj nur silentigis ŝin, kaj ŝi komencis mallaŭte ploreti. Tamen la frato montris sin indiferenta al ŝiaj timemaj sentoj, kaj tute malatentis ŝiajn larmojn. Li gvidis la ĉevalojn rekte trans la ponton, dum la fratino atendis la bruegon de rompigita ligno, kaj imagis ke ŝi estas tuj mortigota. Tamen, la ponto estis tiel forta kiel la junulo estis klariginta, kaj tute ne estis danĝera. Sed pro la malafableco de la frato al la fratino, ili tute ne agrable pasigis la ceterajn horojn de la posttagmezo, malgraŭ la beleco de la vetero kaj de la kamparo.


ÜbersetzungsübungBearbeiten

  1. Irgendwo in derselben Stadt lebte ein anderer Junge, der auch eine liebenswerte Schwester hatte.
  2. Eines bequemen Tages begleitete sie ihn bei einer Fahrt in einem von einem schnellen Pferd gezogenen Gefährt.
  3. Als sie die Brücke erreichten (alvenis al), war dieses Mädchen aus irgendeinem Grund ebenfalls beängstigt, genau wie das Mädchen in der anderen Geschichte.
  4. Sie sagte „Ich beabsichtige nicht, mich zu beschweren, aber die Last wird sicherlich zu schwer sein, solange wir darin sind.
  5. Ich befürchte, dass die Brücke gefährlich ist, daher werde ich herausspringen und zu Fuß gehen.
  6. Ich werde auch irgendwelche Blumen pflücken (kolektos), zwischen den Blumen, die da wachsen, nahe dort wo jemandes Pferde grasen.
  7. Ich werde dich nicht lange aufhalten (atendigi).“ Er antwortete: „Diese Brücke ist völlig sicher (nedanĝera), aber anstatt dir davon zu erklären, werde ich die Pferde über die Brücke führen, während du hinübergehst, da mir deine Angst nicht gleichgültig ist.“
  8. Dann half er seiner Schwester aus dem Wagen heraus (eliri) und führte die Pferde hinüber.
  9. Dann sagte er mit einem freundlichen Lächeln: „Es war nicht nötig, zu Fuß hinüberzugehen.“ Sie antwortete: „Nein, aber du hast dich als ein höflicher Bruder gezeigt und warst sehr geduldig.“
  10. Dann ritten sie weiter (antaŭen) und sprachen sehr freundlich miteinander.