Erste Hilfe/ Vergiftung

UrsachenBearbeiten

PilzvergiftungBearbeiten

Treten Beschwerden auf, die den Verdacht einer Pilzvergiftung nahelegen kann rasches Handeln lebensrettend sein: Umgehend ist der Notarzt zu alarmieren. Die Giftnotrufzentralen können ebenfalls wichtige Anleitungen geben, wie weiter zu verfahren ist. In jedem Fall sollten Reste vom Reinigen der Pilze oder von der Mahlzeit sichergestellt werden. Die Zeitspanne zwischen der Aufnahme der Pilze und dem Auftreten der ersten Symptome ist festzuhalten. Weitere Angaben über das Sammeln, die Zubereitung, den Zustand der Pilze, Transport und Lagerung können ebenfalls wichtig sein.

  • bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung umgehend über die Rufnummer 112 den Rettungsdienst alarmieren, bzw. den Patienten schnellstens in notärztliche Behandlung bringen.
  • ziehen Sie einen geprüften PilzsachverständigenDGfM hinzu [1].
  • betroffene Personen beruhigen und bei Bewusstlosigkeit in eine stabile Seitenlage bringen.
  • Reste der Pilzmahlzeit oder Überbleibsel von der Pilzreinigung, eventuell Erbrochenes sicherstellen.
  • Erfragen, wie lange die Pilzmahlzeit zurücklag und wann die ersten Symptome auftraten
  • Erbrechen lassen durch mechanischen Reiz (Finger in den Hals), wenn die Pilzaufnahme höchstens vier Stunden zurücklag, keinesfalls jedoch bei Bewusstlosen!
  • Keine Hausmittel (Milch, Salzwasser etc.) anwenden!

Aufnahme über den VerdauungswegBearbeiten

  • Unbewusste Einnahme bei Kindern. Bei Kindern kommt es am häufigsten zu Vergiftungen durch Medikamente, gefolgt von Tabak, Reinigungsmitteln und Giftpflanzen.
  • Versehentliche Einnahme giftiger Substanzen aufgrund von Verwechslungen, weil diese zum Beispiel in Lebensmittelgefäßen gelagert sind.
  • Übermäßige Einnahme von Substanzen, zum Beispiel bei einer Alkoholvergiftung
  • Beabsichtigte Einnahme aufgrund eines Suizidversuches.

Aufnahme über die AtemwegeBearbeiten

  • Gase, zum Beispiel Gas im Haushalt, Autoabgase oder Brandgase bei Gebäudebränden
  • Dämpfe, zum Beispiel aggressive Pflanzenschutzmittel
  • Aerosole, zum Beispiel Sprühnebel von Insektiziden oder Desinfektionsmitteln

Aufnahme über den BlutkreislaufBearbeiten

  • Injektionen
  • Tierbisse, Stiche

Aufnahme über die HautBearbeiten

  • Kontaktgifte

ErkennenBearbeiten

Symptome einer Vergiftung sind:

  • Plötzlich auftretende Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
  • Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Bewusstseinstrübung
  • Erregungszustände, Schock
  • Bewusstlosigkeit, Atemstörung, Atemstillstand, Herz-Kreislauf-Stillstand
  • bei Kontaktgiften (z. B. Schädlingsbekämpfungsmittel): Krämpfe, Lähmungen, vermehrter Speichelfluss (blau und schaumig)

Zur Identifizierung des Giftstoffes schauen Sie sich am Notfallort um, ob Sie Verpackungen, Pflanzenreste o. ä. entdecken. So lässt sich die Ursache oft schnell ermitteln.

Besonderheiten bei KindernBearbeiten

Kinder sind besonders von Vergiftungen gefährdet, da sie vieles in den Mund nehmen. Außerdem tritt das Problem auf, dass kleine Kinder Beschwerden nicht oder nicht differenziert artikulieren können.

MaßnahmenBearbeiten

Generell ist das Schema der Rettungskette der Ersten Hilfe auch hier zu beachten.

Absichern und Eigenschutz, NotrufBearbeiten

Wie bei jeder Maßnahme der Ersten Hilfe sind zunächst Maßnahmen zum Eigenschutz zu treffen. Es hilft niemandem, wenn Sie sich auch noch selbst in Gefahr bringen. Zunächst ist nach Möglichkeit die Gefahrenquelle zu beseitigen. Ist dies nicht möglich, so ist die betroffene Person unverzüglich aus der Gefahrenzone zu bringen, da die Schwere der Vergiftung maßgeblich durch Konzentration und Dauer der Gifteinwirkung beeinflusst wird. Bei Atemgiften ist der Eigenschutz zu beachten, so sollte die Rettung bei Verdacht auf z.B. CO oder Kohlenstoffdioxyd Vergiftung durch entsprechendes Fachpersonal (Feuerwehr, THW) erfolgen. Bei Verdacht auf E605 Vergiftung ist es ratsam den Patienten als Ersthelfer nicht zu berühren da es sich hierbei um ein Kontaktgift handelt, welches auch durch den vermeindlich schützenden Handschuh diffundiert.

Notruf / VergiftungszentralenBearbeiten

Dann sollte schnellstmöglich der Notruf erfolgen. Dabei sind neben den normalen Angaben auch folgende Angaben wichtig:

  • Angaben zu den aufgenommenen Giften (Art, Konzentration)
  • Angaben zum Zeitpunkt und der Dauer der Giftaufnahme
  • Angaben zu Symptomen und ergriffenen Maßnahmen

Für Vergiftungsfälle gibt es in vielen Regionen einen spezialisierten Notruf, die so genannten Vergiftungszentrale:

  • Deutschland:
    • Berlin: 030/19 240
    • Bonn: 0228/19 240
    • Erfurt: 0361/730 730
    • Freiburg: 0761/19 240
    • Göttingen: 0551/19 240
    • Homburg: 06841/19 240
    • Mainz: 06131/19 240
    • München: 089/19 240
  • Österreich: 01/406 43 43
  • Schweiz: 145 (Aus dem Ausland: +41 1 251 51 51)

In Deutschland wird angestrebt, eine einheitliche Nummer ähnlich dem Notruf einzurichten: Ortsvorwahl + 19240

Kontrolle der VitalfunktionenBearbeiten

Wichtig ist gerade bei Vergiftungen eine kontinuierliche Kontrolle der Vitalfunktionen, da der gesamte Organismus durch die Vergiftung belastet wird.

bei Aufnahme über den VerdauungswegBearbeiten

gibt es je nach eingenommener Substanz folgende Maßnahmen:

  • Bei Säuren und aggressiven Substanzen: Wenn der Betroffene bei Bewusstsein ist, können die Gifte durch Einnahme von Flüssigkeit im Körper verdünnt werden. Am besten eignet sich Wasser, Milch ist ungeeignet! Keinesfalls darf Erbrechen ausgelöst werden, da dies zu einer weiteren Schädigung von Speiseröhre und Rachenbereich führen würde.
  • Bei schaumbildenden Substanzen (vor allem in Reinigungsmitteln enthaltene Tenside): Niemals Verdünnen, da dann eine Schaumbildung erfolgt. Das Entstehen von Schaum kann durch Einnahme von Speiseöl oder spezielle Medikamente (Inhaltsstoffe: Simeticon - z.B. Lefax®, Sab simplex®) gemindert werden. Um das Eindringen von Schaum in die Lunge zu vermeiden, darf kein Erbrechen ausgelöst werden.
  • Bei anderen Giftstoffen: Erbrechen durch Auslösen des Brechreizes im Rachen. Dies sollte nur vom Betroffenen selbst unternommen werden, wenn er dazu in der Lage ist (Aspirationsgefahr beachten). Dann ist dem Patienten Hilfestellung zu geben. Das Erbrochene hilft bei der Analyse der Vergiftung und sollte daher, wenn möglich, aufgefangen werden.

Bei Aufnahme über die AtemwegeBearbeiten

  • ist die Gefahr für den Helfer groß. Zum Einen kann er die Giftstoffe selbst einatmen, zum Anderen besteht oft Explosionsgefahr. Im Zweifelsfalle sollte die Rettung immer durch Rettungspersonal mit Atemschutzausrüstung erfolgen.
  • Vermeiden Sie Feuer und elektrisches Licht.
  • Vorsicht bei geschlossenen Räumen, Silos und Gruben, da sich hier schwere Gase ansammeln können!

bei Aufnahme durch Injektionen und TierbisseBearbeiten

  • Vor allem bei Injektionen gilt es, die betroffene Stelle zum Bluten anzuregen, damit das Gift nach Möglichkeit wieder aus dem Körper gelangt. Dazu wird um die betroffene Stelle herum gerieben, idealerweise durch leichte Stauung ein Blutfluss angeregt. Diese Maßnahme sollte 1 bis 2 Minuten durchgeführt werden; wenn vorhanden, die Stelle mit einem alkoholhaltigen Desinfektionsmittel benetzen, da dadurch viele Erreger abgetötet werden können. Das weitere Vorgehen ist unter Nadelstichverletzung beschrieben.

bei Aufnahme über die HautBearbeiten

  • Achtung! Da die Gifte über die Haut auch in den Körper des Ersthelfers eindringen können (Kontaktgift), ist jeglicher Kontakt mit dem Gift und dem Patienten zu vermeiden!
  • Erste Hilfe: Das Gift von der Haut entfernen (abwaschen) bzw. den Betroffenen dabei unterstützen. Darauf achten, dass es nicht zu einer Verteilung des Giftes auf größere Hautbereiche kommt. Soweit möglich, sollten dabei Handschuhe getragen werden. Sollte sich das Gift im Gesichtsbereich befinden (z. B. nach Einnahme von Pflanzenschutzmitteln), darf keine ungeschützte Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung durchgeführt werden.

Besonderheiten bei KindernBearbeiten

  • Beruhigen des Kindes und selbst Ruhe bewahren.
  • wenn das Kind ansprechbar ist, Mund öffnen und eventuell vorhandene Reste des Eingenommenen mit einem Finger auswischen.
  • bei Säuglingen und Kleinkindern auf keinen Fall ein Erbrechen herbeiführen. Das sollte nur von einem erfahrenen Arzt mit einem speziellen Medikament ausgelöst werden.
  • Das „Hausmittel“ Milch kann bewirken, dass das Gift schneller ins Blut aufgenommen wird. Also Finger weg davon! Auch Salzwasser ist schädlich, da es den Elektrolyt-Haushalt des Kindes aus dem Gleichgewicht bringen kann.
  • Wasser, Tee oder Saft in kleinen Schlücken und Mengen verdünnt das Gift.

weitere Maßnahmen durch Rettungsdienst bzw. im KrankenhausBearbeiten

Manche Vergiftungen können mit spezifischen Gegengiften (Antidota) behandelt werden. Der Rettungsdienst wird die Überwachung der Vitalfunktionen vornehmen.

Bewusstsein Atmung Kreislauf

Monitoring: EKG, Sauerstoffsättigung, BZ, Puls, Pupillenfunktion, RR-Messung