Datensicherung/ Lebensdauer/ Technologien

Die Lebensdauer von SpeichertechnologienBearbeiten

Zu einer Speichertechnologie gehören Datenträger, Laufwerk, PC und Software. Die Speichertechnologien wechseln schnell. Die ersten PC-Diskettenlaufwerke hatten 1981 eine Kapazität von 160 kByte, dann stiegen die Kapazitäten auf 180, 320, 360, 720, 1200, 1440 und 2880 kByte. Heute sind Disketten ungebräuchlich geworden, die meisten neuen PCs werden ohne Diskettenlaufwerk ausgeliefert. Haben Sie schon alle Ihre Disketten weggeworfen? Im gleichen Zeitraum wechselte das Aufzeichnungsverfahren der Festplatten von FW, MFM zu RLL. Die ST506-Festplattencontroller wurden durch IDE, eIDE, P-ATA und S-ATA abgelöst, wobei es auch noch SCSI, SAS und FC gibt. Ein ähnliches Änderungstempo liegt auch bei anderen Speichertechnologien vor. Mit Blu-ray-Laufwerken, der neuesten optischen Speichertechnologie, sind erst etwa 10% aller PC ausgerüstet, während Samsung daran glaubt, dass Blu-ray schon in fünf bis zehn Jahren wieder vom Markt verschwunden sein wird. [1]

Das bedeutet, dass man nach jeweils fünf bis zehn Jahren beginnen muss, seine Daten zu sichten und sie auf modernere Speichermedien zu übertragen, damit sie - hoffentlich - ein weiteres Jahrzehnt überleben können.

Die Lebensdauer von KodierungenBearbeiten

Ein weiteres Problem ist die verwendete Codierung. Hieroglyphen und Keilschrift sind nur schwer zu entziffern. Mit digitalen Codierungen steht es viel viel viel schlimmer. 1982 war ein geniales Textprogramm namens „WordStar“ allgegenwärtig. 1991 wurde dessen Weiterentwicklung eingestellt, weil das Programm „Word Perfect“ klar überlegen war. Bald danach war auch „Word Perfect“ vergessen. Beginnend 1996 konnte das damals aktuelle WinWord das WordStar-Textformat nicht mehr lesen. Wollte man alte mit WordStar geschriebene Texte heute lesen, bliebe nur, WordStar zu installieren. Das ist fast unmöglich. Wer hat noch lesbare Installationsdisketten? Hat Ihr PC noch ein 5,25" Diskettenlaufwerk? Vermutlich lässt es sich auch nicht nachträglich einbauen, denn die meisten modernen PCs haben keine BIOS-Unterstützung mehr für 5,25"  Laufwerke. Selbst wenn Sie Laufwerk und Installationsdisketten haben: Verträgt sich WordStar mit dem Windows-Betriebssystem? Auch mit den zukünftigen 64-Bit-Systemen? Letztlich bleibt nur die Konvertierung in „Handarbeit“. Leider ist die Konvertierung eines WordStar-Textes extrem schwierig, fast so langwierig wie ihn neu zu tippen.

Ein anderes Beispiel: Das Einsteiger-Officeprogramm „MS Works“ ist „nur“ etwa zehn Jahre alt. Versuchen Sie mal, einen mit MS Works geschriebenen Text mit dem Programm Word zu öffnen! Es ist nicht unmöglich, aber für den „Normalbenutzer“ schwierig. Mit Works-Tabellen und -Datenbanken ist es keinesfalls einfacher...

In wie vielen Jahren wird es vermutlich schwierig werden, einen mit Word geschriebenen Text mit eingebetteten Bildern und Grafiken zu öffnen? Word 5.0 beispielsweise hat ein Jahr-2000-Problem.

In wie vielen Jahren wird man kein Betriebssystem mehr finden können, auf dem sich Word installieren lässt?

Es gibt eine kaum überschaubare Zahl von Codierungen für Videos (Codecs), Musik und Fotos. Ständig werden neue, bessere entwickelt, andere werden ungebräuchlich. Wie viele von ihnen werden überleben? Wird sich ein Programmierer die Mühe machen, auch noch das älteste, inzwischen total ungebräuchliche Format in seinen neuen Player zu integrieren? Wohl kaum. Das gleiche Problem gibt es mit den zahllosen Programmen zur Datenkompression. Es werden nur wenige überleben.

Archivar ist ein Ausbildungsberuf, denn sachkundiges Archivieren ist komplizierter, als nur Kopien in ein Regal zu stellen und sie bei Bedarf wiederzufinden. Wobei das Wiederfinden vermutlich das größte Problem ist. Wenn Ihre Daten überleben sollen, müssen Sie Zeit und Gedanken darauf verwenden.

EmpfehlungenBearbeiten

  • Den größten Einfluss auf die Haltbarkeit haben schonender Umgang und sachgemäße Lagerung.
  • Kaufen Sie hochwertige Datenträger und Geräte.
  • CDs sind etwas zuverlässiger als DVDs, weil DVDs die fünffache Datendichte haben, ohne dass die Codierung mehr Redundanz beinhaltet.
  • DVD-RAM sind die zuverlässigsten optischen Medien: Sie haben ein gutes Defektmanagement. Im Unterschied zu allen anderen optischen Medien gibt es eine Spezifikation, die eine mindest dreißigjährige Haltbarkeit fordert.
  • Einmal-beschreibbare optische Datenträger sind etwas langlebiger als mehrfach-beschreibbare, wenn sie im Dunkeln gelagert werden.
  • Benutzen Sie Medien verschiedener Hersteller, um bei einem Chargenfehler nicht alle Kopien gleichzeitig zu verlieren.
  • Benutzen Sie nur die gebräuchlichsten Dateiformate. Konvertieren sie gegebenenfalls veralternde Dateiformate in aktuellere.
  • Vergleichen Sie gleich nach dem Kopieren jede Kopie mit dem Original.
  • Führen Sie einen Katalog oder ein Verzeichnis, welche Daten sich auf welchen Medien befinden.
  • Mustern Sie die weniger guten Fotos aus. Wenn man fünf gute Fotos hat, wozu weitere zwanzig weniger gute aufbewahren?
  • Mustern Sie uninteressant gewordene Daten aus. Sie werden auch im Rentenalter weder Zeit noch Lust haben, zehntausend Fotos zu betrachten. Ihre Enkel werden vermutlich noch weniger Lust dazu haben.
  • Ein einzelner Bitfehler kann eine einzelne Datei unbrauchbar machen. Wenn Sie viele Dateien zu einer Archivdatei zusammenfassen und komprimieren, gehen durch einen einzigen Bitfehler möglicherweise alle darin enthaltenen Dateien verloren. [2] Komprimieren Sie deshalb die Daten nicht.

LinksBearbeiten

AnmerkungsverzeichnisBearbeiten

  1. http://www.pocket-lint.co.uk/news/news.phtml/17399/18423/samsung-blu-ray-5-years-left.phtml Interview mit dem „director of consumer electronics“ von Samsung UK
  2. Warum komprimierte Daten anfälliger für Fehler sind, ergibt sich daraus, dass wenn es innerhalb dieser Daten zu Fehlern kommt, diese beim Decodieren Folgefehler nach sich ziehen. Einige Bytes Veränderung machen ein Archiv unbrauchbar. Bei einer reinen Huffmancodierung fängt sich der Code wieder, wenn er zufällig auf ein gültiges Codewort trifft und es kommt zu einem Bündelfehler, alle Wörterbuchbasierenden Verfahren (LZ...) führen zu erheblich entstellenden Byte und Bündelfehlern. -- ThePacker 21:57, 28. Jul. 2008 (CEST)