Datensicherung/ Festplatte defekt

Die meisten Festplatten werden nach wenigen Jahren zusammen mit dem Computer entsorgt oder gegen größere Platten ausgetauscht. Deshalb werden Festplatten von ihren Herstellern nicht für einen langjährigen Einsatz konzipiert. Je nach Benutzung (24 oder 8 Stunden täglich) hält eine Festplatte zwei bis fünf Jahre mit erträglicher Wahrscheinlichkeit durch, stromsparende „grüne“ Festplatten etwas länger. Natürlich werden auch extrem langlebige und zuverlässige Festplatten gebaut und zu exorbitanten Preisen verkauft, für Server beispielsweise. Warum aber sollte ein Hersteller seine Festplatten für den Massenmarkt mit hohem Aufwand langlebiger machen?

Im Kapitel Festplatte des Wiki-Buches Computerhardware können Sie nachlesen, wie eine Festplatte funktioniert und welche Anzeichen es für Frühausfälle gibt.

Selbst wenn Sie die Warnzeichen für einen bevorstehenden Ausfall kennen und beachten, eines Tages wird es passieren: Die Festplatte geht kaputt.

Stellen Sie sich bitte mal vor: Jetzt, in diesem Moment, geht Ihre Festplatte unrettbar kaputt. Wie groß wäre der Schaden? Wie wertvoll sind Ihre Daten?

Verlust der DatenBearbeiten

Beginnen wir mit den Daten, die jeder hat:

  • Haben Sie alle Zugangsdaten (DSL, E-Mail, eBay, Messenger, Chat, Facebook, ...) aufgeschrieben? Auch die Daten von allen Online-Shops, in denen Sie vielleicht wieder einmal einkaufen wollen? Auf Papier oder nur in einer Datei auf der nunmehr defekten Festplatte? Oder in einem „Password-Safe“, den Sie nicht mehr öffnen können?
  • Wo sind Ihre E-Mails gespeichert? Auf Ihrem PC oder auf dem Server des Providers? Werden sie dort nach drei Monaten automatisch gelöscht? Vielleicht sind auch E-Mails dabei, mit denen Sie Passworte und Zugangskennungen erhalten haben. Habe Sie diese alle ausgedruckt und abgeheftet?
  • Wie viele Einträge hat Ihr E-Mail-Adressbuch? Wie sieht es mit Skype- und Chatpartnern aus? Wie aufwändig wäre es, diese Adressen wiederzubeschaffen?
  • Wie viele Links hat Ihre Favoritenliste? Wie lange würde es dauern, alle oder wenigstens die wichtigsten davon wiederzufinden?
  • Benutzen Sie ein Lohnsteuerprogramm? Wie lange würden Sie brauchen, die Daten ein zweites Mal zu erfassen?
  • Wie bitter wäre es für Sie, Fotos und Filme von den Urlaubsreisen der letzten Jahre, von der Hochzeit und anderen Familienfeiern und von den heranwachsenden Kindern zu verlieren? Selbst wenn die Originale aller Fotos auf irgendwelchen CDs oder DVDs zu finden sind (und diese noch lesbar sind): Wie lange würde es dauern, sie auf die Festplatte zu kopieren, zu ordnen, fortlaufende Bildnummern durch Bildnamen zu ersetzen und die besten auszusuchen?

Eine geübte Schreibkraft braucht für die Neueingabe einer eng beschriebenen DIN A4-Seite etwa 15 Minuten. Auf eine Diskette (1,44 MB) passen etwa 700 Seiten, was 22 Arbeitstagen zu je 8 Stunden entspricht. Auf einen kleinen USB-Memory-Stick von 1 GB passen etwa 500 000 Seiten (60 Arbeitsjahre). Vermutlich ist ein mehr oder weniger großer Teil der alten Daten entbehrlich, aber bestimmt gibt es auch Daten, auf die Sie nicht gern verzichten würden.

Eine Sicherheitskopie für eine übliche Datenmenge zu erstellen kostet Sie weniger als einen Euro und das erste Mal weniger als eine Stunde Zeit. Bei einem wohldurchdachten Konzept dauert jede nachfolgende Sicherung nur einige Minuten.

Verlust des BetriebssystemsBearbeiten

Das Betriebssystem neu installieren zu müssen ist eine langwierige Arbeit. Nicht nur Windows muss installiert werden, sondern auch alle Treiber, alle Updates und alle Anwendungen. Sind Ihre Installations-CDs vollständig und in gutem Zustand? Haben Sie die Seriennummern für alle Programme, die Zugangsdaten und die Lizenzen? Vermutlich haben Sie aktuelle Treiber und zahlreiche nützliche Programme im Internet gefunden und installiert. Haben Sie deren Web-Adressen griffbereit? Falls Sie Abonnements von Antiviren- und anderen Programmen über das Internet verlängert haben, wie können Sie die Zahlung nachweisen?

Eine Schätzung: Wie aufwändig ist eine Neuinstallation?

1,5 h Alle Daten auf DVD o. Ä. sichern, ohne etwas zu vergessen. Die wichtigsten Daten zweimal sichern (die DVD mit Ihrer Datensicherung könnte sich als fehlerhaft herausstellen), am allerbesten mit zwei verschiedenen Verfahren sichern (DVD brennen plus externe Festplatte). Wenn Sie beide Sicherungen auf DVD brennen, sollten Sie Rohlinge verschiedener Fabrikate verwenden. Auf jeder DVD sollte man am Beispiel einiger wichtiger Dateien stichprobenartig prüfen, ob die Sicherung verwendbar ist.
0,5 h Alle Passwörter (T-Online, Ebay, E-Mail, Musicload, ...) heraussuchen. Wenn Sie ein Passwort nicht wissen und Sie das Programm noch mit dem im PC gespeicherten Passwort starten können, wechseln Sie vorsorglich das Passwort und notieren Sie das neue.
0,5 h Zu jedem Programm die Installations-CD und die Seriennummer (den „Product Key“) heraussuchen.
0,5 h Alle Treiber auf einem USB-Stick o. Ä. bereitlegen. Am wichtigsten ist der Treiber für die Netzwerkkarte, damit Sie mit dem neuen Windows ins Internet kommen, um nach weiteren Treibern suchen zu können.
1,0 h Die Partition mit dem alten Windows löschen, Windows installieren und Treiber für Chipsatz, Sound, Netzwerk, Grafikkarte u. a. installieren.
0,5 h Internet-Zugang einrichten, das aktuelle Servicepack herunterladen und installieren. Ein Servicepack ist ungefähr 300 MB groß und liegt vielen Fachzeitschriften bei.
0,5 h Alle Patches und Sicherheitsupdates herunterladen und installieren, das werden wohl mehr als hundert sein. Wenn der Internetzugang über UMTS erfolgt, wird dabei wahrscheinlich das monatliche Download-Kontingent ausgeschöpft und der Download dauert sehr viele Stunden.
5,0 h für Installation, Freischaltung, Updates, benutzerdefinierte Anpassung und Einfügen der gesicherten Daten bei einer Minimalausstattung von zehn Programmen, z. B. Antivirenprogramm, Browser, E-Mail, Brenner, DVD-Player, Adobe Reader, Flash Player, Bildbearbeitungs- oder Bildanzeigeprogramm, Office-Paket oder Schreibprogramm, Kompressionsprogramm.
1,0 h für das Anlernen des Spam-Filters und der Software-Firewall, soweit vorhanden.

Das sind mindestens zehn Stunden, und Sie haben bestimmt noch mehr als nur zehn Programme. Sie werden noch tagelang mit kleinen Nachbesserungen und individuellen Anpassungen zu tun haben. Und wenn Sie nicht ganz genau wissen, wie Sie vorgehen müssen, kann es noch sehr viel länger dauern.

Multiplizieren Sie die Stundenzahl mit dem Stundensatz Ihres Computerexperten, -händlers oder Ihrem eigenen Stundensatz, um den materiellen Schaden abzuschätzen.

Verlust der HandlungsfähigkeitBearbeiten

Für Firmen kann es noch weit schlimmer kommen.

  • Zu dem Wertvollsten, was ein Unternehmen besitzt, gehören Kundendaten: Aktuelle Adressdaten, Ansprechpartner, Besonderheiten, üblicher Bedarf, getätigte Umsätze, Gesamtumsatz, individuell ausgehandelte Preise und Rabatte, aktuelle Angebote, Notizen über mögliche Kaufinteressenten.
  • Wenn Ihre Buchhaltungsdaten verloren sind: Weiß Ihre Buchhalterin auswendig, welche Kunden Ihnen wie viel Geld schulden?
  • Wenn eine Lastschrift Ihres Lieferanten „platzt“, kann es dazu führen, dass Sie nur noch auf Vorkasse oder nie wieder beliefert werden. Können Sie es sich leisten, Ihre Hauptlieferanten zu verlieren?
  • Die Daten der Lieferanten, Preise und Rabatte, Ansprechpartner, Online-Bestelldaten usw. sind ebenfalls sehr wichtig.
  • Die Buchhaltungsdaten des letzten Jahres müssen erneut eingegeben werden.
  • Forschungsergebnisse, Konstruktionszeichnungen, Kalkulationen, Berichte sind weg.
  • Wenn Ihre Unterlagen unvollständig oder unübersichtlich sind, wird das Finanzamt bei der nächsten Betriebsprüfung schätzen. Schätzen Sie mal, wie teuer das für Sie wird.
  • Die Neueingabe einer eng beschriebenen DIN A4-Seite dauert etwa 15 Minuten. Auf eine Diskette (1,44 MB) passen etwa 700 Seiten, was 22 Arbeitstagen zu je 8 Stunden entspricht. Auf einen USB-Memory-Stick von z. B. 1 GB passen etwa 500.000 Seiten (60 Arbeitsjahre). Ein mehr oder weniger großer Teil der alten Daten ist entbehrlich, aber einige Daten sind unverzichtbar.
  • Die Mitarbeiter können viele Stunden oder Tage nicht oder nur eingeschränkt arbeiten und müssen die liegengebliebene Arbeit später mit Überstunden nachholen.
  • Sie werden Termine nicht einhalten und Angebote verspätet abgeben. Vermutlich verlieren Sie Aufträge und Kunden. Das Vertrauen Ihrer verbliebenen Kunden sinkt.