Buchbinden/ Binden/ Decke: Starr

Buchdecke: Starrer EinbandBearbeiten

MaterialienBearbeiten

Starre Einbände erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit, speziell wegen der hohen Stabilität. Außerdem kann man die Vorderseite nahezu beliebig gestalten. An Material benötigt man:

Karton
Für den Deckel etwa zwei Millimeter dicken Karton.
Für Rückeneinlage und Steg wird zum Beispiel Offsetkarton verwendet. Er ist relativ hart gepresst und weniger als 0,5 mm dick. Alternativ können auch Blauakten (Kartoneinbände von alten Heften) oder ähnliches verwendet werden.
Irgend etwas
Für den Rücken, Deckel und etwaige Ecken. Hier hat man die totale gestalterische Freiheit. Für Rücken und Ecken eignen sich zum Beispiel Leinwand oder Leder, der Deckel kann mit Marmorierpapier, einfarbigem Papier oder Japanpapier eingefasst werden. Auch ein einziges Material für den Rücken ist möglich.
Leim
Leim (verdünnt und unverdünnt) und Kleister; Mit dem Kleister wird der Buchblock mit der Buchdecke zusammengemacht.

Werkzeug:

Japanmesser
Auch Cutter genannt, zum Zuschneiden des Kartons. Luxuriöser wäre natürlich eine möglichst große Schneidemaschine.
Falzbein
Das braucht man als Buchbinder einfach.
Schleifklotz
Ein Stück 80er-Schleifpapier (oder etwas in der Nähe) auf einem Stück Holz aufgeklebt. Damit kann man schön regelmäßig und mit wenig Aufwand (verglichen mit «alles von Hand») Kanten und ähnliches schleifen.
Presse
Dieses Mal tun es zwei Holzbretter und viele dicke Bücher zum Beschweren. Dazu kann man natürlich auch einen großen Wassereimer nehmen oder sonst etwas Schweres. Auch hier leisten die beiden Bretter zusammen mit vier    (Einhand-)Schraubzwingen gute Dienste.

Herstellung eines starren EinbandesBearbeiten

Erst einmal müssen die beiden Deckel zugeschnitten werden. Die Breite kann man vom Buchblock übernehmen, zur Höhe etwa einen Zentimeter dazuzählen. Dann wird die Rückeneinlage geschnitten, mit der selben Höhe wie der Deckel. Zum Abtragen der Breite wird der Offsetkarton um den Rücken gelegt, so dass beide Kanten einer Seite aufeinander liegen. Mit dem Fingernagel kann dann durch etwas Druck die Breite markiert und der Offsetkarton zugeschnitten werden.

Die Deckel werden nun vorbereitet. Mit dem Schleifklotz werden auf der Vorderseite der beiden Deckel die drei Kanten abgeschliffen, die außen liegen (also nicht zum Buchrücken zeigen). Dabei den Schleifklotz um 45° neigen und so lange hin und her fahren, bis einem die Kante gefällt. Zum Schluss für eine schöne Rundung noch zwei Mal in einem flachen Winkel hin und her fahren.

Es fehlt noch der Steg, die Verbindung der beiden Deckel. Die Höhe bleibt natürlich gleich, in der Breite sollte er etwa 4 cm breiter als die Rückeneinlage sein. Letztere kann nun auch gleich auf den Steg aufgeleimt werden, und zwar schön in die Mitte. Danach die Kanten mit dem Falzbein schön ausarbeiten (prägen) und die Rückeneinlage durch Reiben mit der Kante festpressen. Schlussendlich im Abstand von 7 mm zur Rückeneinlage auf der Vorderseite des Stegs (Rückeneinlage nicht sichtbar) links und rechts mit der Spitze des Falzbeins eine Rille ritzen. An diese Rille werden nun mit unverdünntem Leim die beiden Deckel geklebt und mit dem Falzbein angedrückt. Nun steht der rohe Rücken, der getrocknet werden kann, am besten in der Presse.

Auf die Außenseite des Rückens wird jetzt die Leinwand (oder Büchertuch, Leder, etc.) geklebt (außer man will mit einem Stück überziehen, dann fällt die Leinwand weg – das Gravieren aber nicht!). Die Leinwand wird zurecht geschnitten (Breite: Abstand der beiden Deckel plus 3 cm; Höhe: Seitenhöhe plus 3 cm), mit Leim bestrichen und auf die Außenseite des Rückens (also nicht auf die Rückeneinlage!) gelegt. Überstehende eineinhalb Zentimeter oben und unten nach hinten umschlagen. Mit dem Falzbein werden die Kanten wieder sauber eingraviert. Danach wird der Rücken abgerundet, zum Beispiel mit einem runden Holzstab oder Schreiber, auf dem man den Rücken hin und her rollt, oder indem man ihn über die Tischkante zieht.

Dies ist die letzte Chance, die Deckel etwas zu stutzen, falls sie zu lang sind. Probehalber kann der Buchblock in die Buchdecke gelegt werden; falls mehr als 0,5 cm vorstehen, sollte man sich überlegen, ein Stück abzuschneiden. Die Kanten müssen dann neu abgerundet werden.

Nun werden die Deckel (oder die ganze Buchdecke, falls die Leinwand weggelassen wurde) überzogen. Für einen Deckel rechnet man auf den drei äußeren Seiten 1,5 cm dazu, auf der Innenseite beim Buchrücken einen halben Zentimeter zum Überkleben der Leinwand. Falls alles mit einem Stück überzogen wird, nimmt man ein langes Stück Papier und spannt es um den Einband, um den Umfang zu messen. Zum Umfang rechnet man die zwei mal 1,5 cm plus für die Gravuren noch einen Zentimeter dazu, insgesamt also 4 cm.

Der Überzug muss je nach Beschaffenheit zuerst noch kaschiert werden! Danach kann er auf die Deckel geleimt werden. Beim einteiligen Überzug die Gravur nicht vergessen. Wird Papier (zum Beispiel Marmorpapier) als Überzug verwendet, feuchtet man zuerst mit einem Schwamm die Außenseite an und trägt dann den Leim (oder Kleister), von innen nach außen, auf die Rückseite auf. Ohne das Befeuchten würde sich das Papier sofort rollen. Dann legt man das Papier auf den Deckel, so dass es noch einen halben Zentimeter über die Leinwand geht.

Beim Einfassen der Ecken kann man sich nun mit ein paar Tricks das Leben etwas einfacher machen. Zuerst wird an den Ecken eingeschnitten, und zwar so, dass in den Ecken noch mindestens eineinhalb mal die Kartondicke übrig bleibt. Dann faltet man die untere Kante nach innen. Legt man ein Papier darunter, kann man es als «Hebel» verwenden und hat eine sauber eingeschlagene Kante. Danach dreht man mit dem Fingernagel das überstehende Stück an die Kartonwand und faltet die zweite Kante.

Die Ecken können auch mit einem länglichen Stück Klebband, Leder, Leinwand oder ähnliches zusätzlich verstärkt werden. Und schon ist die Buchdecke fertig!

Jetzt muss noch der Block befestigt werden. Er wird schon vor dem Kleistern in die Buchdecke gelegt, denn jetzt kann man die Position noch genau anpassen – nach dem Ankleistern geht das nur noch, wenn man den ganzen Block wieder vorsichtig herauslöst. Damit die Seiten nach dem Trocknen nicht aneinander kleben bleiben, legt man in das Vorsatz ein Stück Backtrennpapier oder etwas ähnliches, der Kleister oder Leim darf daran auf jeden Fall nicht haften.

Das Vorsatz (also das oberste oder unterste Blatt beim Buchblock) wird mit einem breiten Pinsel mit Kleister eingestrichen und der Deckel zugeklappt. Ein wenig andrücken, dann umkehren, Deckel aufklappen und das selbe wiederholen. Kurz andrücken und vergewissern, dass alles in Ordnung ist, etwa die Seiten nicht verkehrt im Buch sind, und dann in der Presse trocknen lassen. Das Buch wird zuerst so zwischen zwei Holzbretter gelegt, dass der Buchrücken nicht mitgepresst wird, dann kann fast beliebig gepresst werden.

Gratulation, ein weiteres handgebundenes Buch ist entstanden!