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Von der Bibliographie zu den Informationswissenschaften

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Dokumentation ist ein älterer Fachausdruck, der, im allgemeinen Sprachgebrauch zum Modewort geworden, zur Bezeichnung des Fachbegriffs kaum mehr taugt. Dieser hat deswegen im Kreise der Dokumentalisten, Spezialbibliothekare, Bibliothekare usw. bereits neue Benennungen erhalten: «Information und Dokumentation», «Dokumentation und Information», «Dokumentistik», «Dokumentologie», «Informatologie», «Informationscience», «Informatik», «Informatics», usw. usf.

Doch auch in den Bereichen der ungefestigten «Theorie» funktioniert die «Praxis». Es gab Bibliotheken Jahrhunderte bevor es eine Bibliothekswissenschaft gab; Dokumentationsstellen wurden eingerichtet, Jahrzehnte bevor eine Dokumentationswissenschaft sich zu entwickeln begann.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der BibliographieBearbeiten

Aus den Neuerern aber werden mit der Zeit Bewahrer. Solche Neuerer waren im Gründungsjahrzehnt der VSB zwei belgische Advokaten, die Dokumentation zu ihrem Lebenswerke machten, sich der Entwicklung der Internationalen Dezimalklassifikation widmeten und die internationale Zusammenarbeit forderten und förderten. Mit Paul Otlet und Henri Lafontaine beginnt die Geschichte der Dokumentationsbewegung. Sie gründeten 1892 in Brüssel das «Office International de Bibliographie», nannten es ab 1895 «Institut International de Bibliographie». Sie empfahlen 1905 die «Organisation rationnelle de l‘information et de la documentation», was für Dokumentalisten, die Anhänger der Doppelbezeichnung «Information und Dokumentation» sind, eine historische Rechtfertigung abgibt. 1910 veranstalteten sie den 1. Weltkongress für Bibliographie.

Bibliographische Aktivität war gewiss nicht neu, und große Unternehmungen waren im 19. Jahrhundert in Gang gekommen: Das erste moderne Referatenblatt erschien in Deutschland als «Pharmazeutisches Centralblatt» ab 1830; von 1851 an publizierte die Royal Society in London den «Catalogue of scientific papers», ein nach Verfassern geordnetes, teilweise mit Sachregistern versehenes Verzeichnis der Aufsätze in den wissenschaftlichen Zeitschriften des 19. Jahrhunderts: ab 1895 gab in Zürich das «Concilium bibliographicum» (Herbert H. Field) einen internationalen Literaturdienst in Karteiform für die Zoologie heraus. Neu war hingegen die Absicht von Otlet und Lafontaine, eine weltumspannende bibliographische Auskunftsstelle aufzubauen, zu diesem Zweck eine auch sachlich geordnete Universalbibliographie zu schaffen und ihr ein Universalsystem mit internationaler Geltung zugrunde zu legen.

Das Unternehmen des Gesamtverzeichnisses scheiterte. Das Unternehmen der Internationalen Dezimalklassifikation war erfolgreich, weil sich das propagierte Ordnungssystem als rationelles Organisationsmittel für die «Information und Dokumentation» in den neu aufkommenden Behördenbibliotheken, Firmenbibliotheken, Werkbibliotheken erwies.

SpezialbibliothekenBearbeiten

Diese Spezialbibliotheken verlangten:

  1. Ausrichtung auf die speziellen Informationsbedürfnisse von Gruppen mit vorgegebenen wissenschaftlichen oder praktischen Arbeitszielen;
  2. aufgabenspezifischen Bestandesaufbau unter Berücksichtigung aller Dokumentgattungen, nicht bloß Bereitstellung von Büchern;
  3. Erschließung des Dokumentationsmaterials in immer kleineren Bezugseinheiten durch rationelle Klassifizierung unter Verwendung genormter Ordnungssysteme;
  4. Auskunfterteilung und Beratung des engeren Benutzerkreises.

Schweiz in den 1930er JahrenBearbeiten

Beim Punkt 3 bot Brüssel Hilfe; in der Schweiz beispielsweise so: Eine auf Anregung des Internationalen Bibliographischen Instituts 1929 gegründete und von W. Janicki, dem damaligen Werkbibliothekar von Landis & Gyr präsidierte «Schweizerische Kommission für Literaturnachweis» setzte sich für den Aufbau eines einheitlich organisierten Literaturnachweisdienstes und die Verbreitung der Dezimalklassifikation ein.

Am Anfang der Dokumentationsbewegung steht der Wille in Industrie, Wirtschaft und Verwaltung, durch die Einrichtung von Spezialbibliotheken, «Wirtschaftsarchiven», «Literaturbüros», «Nachweisstellen» den Nachfrageüberhang nach Informationen für bestimmte Gruppen in den Betrieben durch ein vermehrtes und verbessertes Dienstleistungsangebot abzubauen. Die Betriebe versuchten ihre Informationsprobleme durch Übernahme bibliothekarischer Arbeitsverfahren zu lösen. Schon 1909 war die amerikanische «Special Libraries Association» gegründet worden. 1920 folgte die erste nationale Dokumentations-Gesellschaft, das «Nederlands Institut voor Documentatie en Registratuur“, 1924 schlossen sich die Spezialbibliotheken in England zur „Association of Special Libraries and Information Bureaux» zusammen. Die «Schweizerische Kommission für Literaturnachweis» wurde schon erwähnt; 1931 richtete die Bibliothek der ETH Zürich eine zentrale Dokumentationsstelle für technisch-wissenschaftliche Literatur ein. Sie erhielt noch den Namen «Technischer Literaturnachweis der ETH», obwohl im selben Jahr das «Institut International de Bibliographie» in Brüssel mit neuer Zielsetzung den Namen «Institut International de Documentation» bekam.

DokumentationBearbeiten

Der Ausdruck «Dokumentation» war nun nebst der Bezeichnung einer Disziplin so etwas wie ein Programm, das im «Traité de documentation» von Paul Otlet 1934 grundlegend dargestellt wurde. In die dreißiger Jahre fallen Gründungen weiterer nationaler Dokumentationsgesellschaften (1932 Union Française des Organismes de documentation, 1935 American Documentation Institute, 1939 Schweizerische Vereinigung für Dokumentation) und die Umwandlung des Internationalen Dokumentationsinstituts in einen Dachverband der nationalen Dokumentationsvereinigungen, in die «Fédération Internationale de Documentation», FID (1938).

Dokumentalisten waren ihrer Ausbildung nach Naturwissenschafter, Ingenieure, Verwaltungsspezialisten usw., und sie übernahmen, wie schon erwähnt, bibliothekarische Arbeitsverfahren zur Lösung der Probleme des Informationsaustausches sowohl innerhalb von Spezialistengruppen wie auch zwischen Spezialistengruppen. Die im 20. Jahrhundert einsetzende Demokratisierung des Wissens und die Verwissenschaftlichung des Lebens bilden den Hintergrund ihrer Tätigkeit. Diese steht auch im Zusammenhang mit den weltweiten Wandlungen des Wirtschaftsgefüges. Die handwerkliche und gewerbliche Erzeugung wurde durch die Industrieproduktion in wachsenden Betrieben abgelöst.

Neben dem «Sachkapital» entschied der Einsatz des «Wissenskapitals» über Erfolg oder Misserfolg. Darum stand die Dokumentationsbewegung überall in Zusammenhang mit der Rationalisierungsbewegung.

Bibliothek versus DokumentationBearbeiten

Bei vielen Bibliothekaren galten Dokumentalisten als Praktiker, die Schnelligkeit und Aktualität überbewerteten und auf Technisierung der Literaturarbeit drängten. Selbstverständlich machten sich die Dokumentalisten auch ein Bild von den Bibliothekaren - als Formalisten, als Leuten, denen das Buch und nicht die Information zwischen den Buchdeckeln wichtig sei, als Traditionalisten, als Technophoben usw. usf.

Auseinandersetzungen zur Selbstbehauptung der Dokumentation gab es weltweit. Ein berufsstolzer amerikanischer Bibliothekar soll sein «Librarianship» mit folgenden Worten von der Dokumentation abgehoben haben: «Documentation is librarianship performed by amateurs». Einsichtige Leute in beiden Sparten erklärten allerdings immer wieder, dass Bibliothekswesen und Dokumentation so viele Gemeinsamkeiten mit Bezug auf Studienthemen, Forschungsfelder, Dienstleistungen, Methoden und Berufseinstellung aufweisen, dass Überschneidungen unvermeidbar sind. Darum seien Streitigkeiten über den Vorrang völlig sinnlos und bedauerlich.

Die Dokumentalistin Barbara Kyle argumentiert vom Standpunkt der «Kommunikation» her: «Within the professions of librarianship and documentation, both children of communication, and therefore by piety dedicated to the free and wide exchange of knowledge, we begin to find barriers and closed minds». Solchen Äußerungen zum Trotz findet man heute noch auf beiden Seiten Gefallen an diesem intellektuellen Seilziehen. Da schreibt ein Bibliothekar in seiner «Bibliothekslehre»: «Dokumentationsstellen sind Einrichtungen, die Literatur auf bibliographisch unselbständige Dokumente - Aufsätze, Beiträge, einschlägige Artikel oder Kapitel - hin erschließen oder auswerten... Vom Standpunkt der Kommunikation ist die Dokumentationsstelle eine Variante der Bibliothek».

Die Beschränkung auf Literaturdokumentation ist hier offensichtlich: medizinische Befund-Dokumentation, numerische naturwissenschaftlich-technische Daten-Dokumentation, Spruch-Dokumentation in der Rechtsinformatik, Daten-Dokumentation in den Sozialwissenschaften bleiben außer Betracht.

Und darum reagieren Dokumentalisten sofort, weil sie den Begriff der Dokumentation (= Literaturdokumentation plus Daten-Dokumentation) als den umfassenderen betrachten: «Dieser Auffassung muss widersprochen werden. Sie beruht u. E. insofern auf einer historisierenden Betrachtungsweise, als es Bibliotheken früher gab als Dokumentationsstellen. Mit dem üblichen Vorbehalt gegenüber Beispielen könnte man darum wohl auch behaupten, vom Standpunkt des Verkehrswesens aus sei die Luftfahrt nur eine Variante des Land- und Schiffsverkehrs, sie sei lediglich schneller. In Wirklichkeit aber erschloss sie dem Verkehr eine neue Dimension, ebenso wie die Dokumentation dem Informationswesen eine neue, nämlich die inhaltliche und inhalts-reproduzierende Dimension erschlossen hat.»

In der SchweizBearbeiten

In unserem kleinen Land, wo weder Dokumentalisten noch Bibliothekare Massenorganisationen aufziehen konnten und können, hat man einander ebenso wackere Wortgefechte geliefert, sich aber auch zu fruchtbarer Zusammenarbeit gefunden. «A l‘origine - pourquoi ne pas le rappeler - bibliothécaires et documentalistes, en Suisse comme d‘ailleurs, se regardaient un peu comme des chiens de faïence sur une cheminée. Mais ils savaient que, comme ces bibelots, ils se faisaient pendant et ne pouvaient se passer les uns des autres.. .»‚ schreibt Pierre Bourgeois 1948 in seinem Editorial «Bibliothéques et Documentation» in der ersten Nummer der gemeinsamen Nachrichten

VSB und SVD. 1929 wurden die ersten Kontakte in Bern aufgenommen, 1937 widmete sich die Generalversammlung der VSB in Genf den Fragen der Dokumentation. «On y parla de définitions, de points de vue et de méthodes; le résultat le plus précieux fut la résolution votée par l‘ABS d‘entrer en relation avec le comité Suisse d‘études de documentation (aujourd‘hui ASD), afin d‘étudier avec lui la possibilité de coordonner les efforts faits de part et d‘autre pour faciliter les recherches. Dès lors, les contacts furent ininterompus. Chaque Association devint membre collectif de l‘autre et envoya d‘office un représentant à son comité. Il n‘est guère de part et d‘autre de commission qui ne se compose de délégués des deux groupements. Et la pratique enseigna mieux que toute théorie ce qui est fief des bibliothécaires et ce qui est apanage des documentalistes».

Terminologie der DokumentationBearbeiten

Einige der Definitionen, Gesichtspunkte und Methoden, die 1937 von Dokumentalisten und Bibliothekaren in Genf diskutiert worden waren sind als «Vocabulaire» in der «Terminologie de la documentation» von Marcel Godet enthalten, die dem «Führer durch die schweizerische Dokumentation» vorangestellt ist.

Das Wörterverzeichnis beruht auf internationalen Vorarbeiten, ist aber «limité prudemment à un nombre restreint de notions essentielles». Daraus seien zur Kennzeichnung des damaligen Selbstverständnisses der Dokumentation herausgegriffen: «Dokumentation: Herstellen, Zusammenbringen, Ordnen und Benutzen von Dokumenten. Auch Gesamtheit dieser Dokumente... »

«Nachweisstelle: Stelle, an der eine Dokumentation methodisch zusammengestellt und den Interessenten zugänglich gemacht wird. Eine ausgebaute Nachweisstelle umfasst die mit der Aufbewahrung der Dokumente oder der Hinweise, ihrer Bearbeitung und ihrer Verbreitung sich befassenden Stellen. Sie bedingt daher die Zusammenarbeit zwischen

  1. einer Stelle, welche die Dokumente aufnimmt (Archive, Bibliotheken, Sammlungen von Filmen und Schallplatten, Museen usw.);
  2. einer Steile, welche die Dokumente auswertet zum Zwecke der Herstellung von Repertorien, Literaturzusammenstellungen, Inhaltsangaben, Verzeichnissen usw.;
  3. einer Stelle, welche die Dokumente für die Öffentlichkeit nutzbar macht durch Erteilen von Auskunft, durch Mitteilen und Vermitteln der Dokumentation, durch Veröffentlichungen, Reproduktionen, Übersetzungen usw.»

Die dreißig Begriffe umfassende dreisprachige Liste ist in fünf Gruppen eingeteilt:

  • Grundbegriffe der Dokumentation (5 Definitionen),
  • Struktur des Dokuments (6 Definitionen),
  • Bibliothekonomie (3 Definitionen),
  • Verbreitung (9 Definitionen),
  • Reproduktion (7 Definitionen).

Auffällig ist das Fehlen von Worterklärungen für Ordnung, Klassifikation, Internationale Dezimalklassifikation (IDK), Schlagwortgebung; das Wort Information kommt nicht vor, doch weist die Aufgabenbeschreibung der Nachweisstelle durchaus auf die «aktive Dokumentation»: Auskunft erteilen, mitteilen, vermitteln, veröffentlichen, reproduzieren, übersetzen. Da ist doch wohl ein schöner Teil des Dynamismus vorausgenommen, der heutzutage expressiv verbis durch die Doppelbezeichnung «Information und Dokumentation» hervorgehoben werden soll:

«Information und Dokumentation ist die aktive und passive Darbietung und Vermittlung der durch einen Dokumentationsprozess direkt oder indirekt erfassten, erschlossenen und gespeicherten dokumentarischen Daten (Informationen)». Oder mit der Betonung des prozessualen Aspekts: «Documentation: The continuous and systematic processing of documents or data for spezialized information of users.»

Die zweite Begriffsbestimmung ist einem Vorentwurf zu einer Terminologie der Dokumentation entnommen, welcher als Hinweis auf die Entwicklung des Fachgebiets in den letzten drei Jahrzehnten sehr aufschlussreich ist. Die dreisprachige Liste enthält rund 1200 Begriffsbestimmungen in englischer Sprache. Sie ist in fünf Gruppen mit folgender Verteilung gegliedert:

  • Grundlegende Aspekte der Information und Dokumentation 30%
  • Dokument-Arten und -Teile 5%
  • Informations- und Dokumentationstätigkeiten: cataloging, indexing, retrieval etc. 40%
  • Informations- und Dokumentationssysteme 20%
  • Organisationen und Berufe in Information und Dokumentation 5%

Als Hinweise auf die Strukturierung des ganzen Begriffsfeldes mögen einige Schwerpunkte dienen: Elements of language. Information and communication theory. Reprography and printing. Elements of documentary languages. Thesaurus-type descriptor languages. Elements and principles of classification. Retrieval. Electronic data processing. Systems testing and evaluation.

Da gibt es nun viele Neuheiten, wenn auch nicht alles neu ist, was mit neuen Wörtern bezeichnet wird. Und es ist auch nicht alles klar, was mit terminologischem Scharfsinn und wissenschaftlichem Eifer definiert wird.

Klar ist zur Zeit dies: dass es keine allgemein anerkannte Definition des Zentralbegriffs «Information und Dokumentation» gibt und auch keine allgemein gebräuchliche Bezeichnung. Weiterhin steht fest, dass die alte Dokumentation der Praktiker im Zuge ist, als wissenschaftlichen Überbau für das praktische Handeln eine „Informations- und Dokumentationswissenschaft» zu entwickeln.

AutomatisierungBearbeiten

Dazu einige Wegmarken: Schon in den Kriegsjahren begannen Versuche, Dokumentationsaufgaben durch den Einsatz des Maschinenlochkarten-Verfahrens und der Handlochkartentechnik zu lösen. In der Absicht, Mikrofilmspeicher für Recherchen dem gezielten Zugriff zu unterwerfen, wurden Photoselektoren entwickelt: der Rapid Selector in Amerika, das Filmorex-Verfahren in Frankreich. Die technischen Neuentwicklungen waren Anlass, dass Dokumentalisten die alte bibliothekarische Aufgabe der Sachkatalogisierung neu überdachten.

So hatte schon 1946 G. Cordonnier in Zusammenhang mit seiner Nacherfindung der in den USA 1915 und in Frankreich 1923 patentierten Sichtlochkarte das Selektionsverfahren der «Dokumentanalyse» entwickelt, das auch dem Zatocoding von Mooers und den Uniterm cards von Taube zugrunde liegt. Seither ist die Methode als «Inverted file» in die EDV-Dokumentationsverfahren übernommen worden.

DeskriptionsmethodeBearbeiten

Calvin N. Mooers führte mit der Theorie zu seinem «Zatocoding» wertvolle Anregungen in die Dokumentation ein: Boolesche Algebra, Aussagenkalkül, mathematische Statistik, Topologie usw. Seine Deskriptoren-Methode stellte er ausdrücklich in die bibliothekarische Tradition. «Descriptors had their origin in, or were derived from, an evolutionary development of the ideas in library classification. They were an enhancement of the ideas of Dewey, Bliss, Ranganathan in a new direction. Descriptors demonstrated that the constraints of hierarchy (as it applies to selection) were unnecessary.» Um so größer ist seine Enttäuschung: «...the greater part of the library profession was unable to understand what descriptors were all about! The im-passe seemed to be the very specific emphasis upon the use of ‚idea units‘, and of idea units which were tailor-made to fit die needs of a particular population of retrieval users. Persons from the library and documentation background were, for the most part, incapable of understanding (or crediting the notion) that ideas have a being apart from the (English) words which are used to represent them!» Die Deskriptorenmethode von Mooers und das kurze Zeit später von Mortimer Taube entwickelte «Coordinate Indexing» im «Uniterm»-Verfahren waren wichtige Beiträge zur Schaffung von «Dokumentationssprachen». Der Descriptor ist ein Hauptelement im «Thesaurus» geworden. Als Thesaurus gilt ein unter terminologischer Kontrolle gehaltenes Klassifizierungsvokabular mit expliziter Darstellung seiner Begriffsbeziehungen.

SchlagwörterBearbeiten

Diese Neuentwicklung der sechziger Jahre ist natürlich auch wieder nicht so neu, wenn man weiß, dass sich die Bibliothekare der Stadtbibliothek Zürich für den seit 1907 bestehenden Schlagwortkatalog haben einfallen lassen, das Schlagwörter-Vokabular mittels der Internationalen Dezimalklassifikation zu systematisieren und in seinen hierarchischen Beziehungen darzustellen. Damit soll der Unterschied zwischen einem Schlagwörtervorrat für einen Bibliothekskatalog und einer Dokumentationssprache zum Ordnen und „Wiederauffinden von Informationen“ keineswegs verwischt werden.

Information RetrievalBearbeiten

Mit der Wortneubildung «Information Retrieval» (IR) war Mooers bei Bibliothekaren und Dokumentalisten weit erfolgreicher als mit den «Descriptors». IR trat einen Siegeszug um die Welt an. Erst allmählich wurden die «Information retrievers» inne, dass man, bevor man Informationen wiederauffinden kann, Informationen dort einspeichern müsse, wo man sie später zu finden hofft. Somit war der neue Terminus technicus «Information Storage and Retrieval» (ISR) begründet und wurde in allgemeinen Gebrauch genommen. Zur selben Zeit sprach man von der Literaturflut und der Informationsexplosion; deshalb konnte sich ein folgenschweres Missverständnis lange unbemerkt ausbreiten: ISR könne nur mit Hilfe spezieller Geräte und komplizierter Rechenmaschinen durchgeführt werden; all das, was in der Vergangenheit in Bibliotheken und Dokumentationsstellen in Wirtschaft und Verwaltung manuell — und das heißt doch wiederum: meist von klugen Köpfen vorbedacht - geleistet worden sei, das verdiene den Namen ISR gar nicht. Noch weniger natürlich die Bezeichnung «Information science».

InformationswissenschaftBearbeiten

«Information science» begann sich anfang der sechziger Jahre durchzusetzen. Denn da jetzt der Computer das Feld beherrschte, gab es «Computer science». Weil Computer Informationen verarbeiten, war «Information science» beinahe ein Synonym zu «Computer science», und das ISR-Missverständnis wurde dadurch nur verstärkt. Michallow, Cernyj und Gillarevskil (9) haben in den UdSSR die Fachbezeichnung «Informatik» (= Information plus Automatik) eingeführt. Der Terminus hat weite internationale Verbreitung gefunden durch eine FID-Publikation «An introductory course on informatics/documentation». Die Verwendung des Begriffs «Informatik» in Westdeutschland als reine Übersetzung für «Computer science» behindert dort den Gebrauch in informations- und dokumentationswissenschaftlichem Sinn.

War die ältere Dokumentation der Versuch, einen Nachfrageüberhang auf Seiten der Nutzer zu beseitigen, ein Versuch, den «Informationsmangel» zu überwinden, so erhielt die neuere Dokumentation (ISR) ein neues Ziel: dem Überangebot zu wehren, die Literaturflut zu kanalisieren, die Informationsexplosion einzudämmen. Das Dokumentationsproblem, bzw. die Frage des Informationsflusses wurde auf höchster wissenschaftspolitischer und politischer Ebene gestellt. Der Weinberg-Report des «President‘s Science Advisory Council» der USA erschien 1963: «Science, government and information: the responsibilities of the technical community and the government in the transfer of information». Das war ein Zeichen dafür, dass sich der amerikanische Staat um Dokumentation zu kümmern begann. Er hatte einerseits Nichtwissen bei seinen Forschern festgestellt, wobei das Wissen in den russischen wissenschaftlichen Zeitschriften keineswegs verborgen lag. Der Sputnik hatte das spektakulär bewiesen. Die US-Regierung hatte andererseits auf den Umschlagplätzen technischer und wissenschaftlicher Ideen Absatzstockungen festgestellt, die sie selbst durch Überproduktion hervorgerufen hatte.

DatenflutBearbeiten

Durch Auftragsforschung wurden Reports in Unmengen erzeugt. Dieses neue Wissen musste an möglichst viele, wenn möglich alle potentiellen Nutzer herangetragen werden: das «high pressure selling of recorded knowledge for science and technology» setzte ein. Behörden hatten schon in den fünfziger Jahren Dokumentationsforschungsaufträge vergeben, die Entwicklung des Uniterm-Systems von Taube zum Beispiel. Nun aber nahm die „Information science research“ gewaltig zu, gleichsam als Nachtragsinvestition zu vorausgegangenen staatlichen Forschungsinvestitionen. Inzwischen waren auch die «Computer der dritten Generation» auf den Markt geworfen worden; somit eröffnete sich den forschungsbegierigen „Computer scientists“ und „Information scientists“ ein faszinierendes Tätigkeitsfeld. Nicht nur in Amerika: Seit Mitte der sechziger Jahre wurde «Informations- und Dokumentations-Wissenschaft» Lehrfach an den Universitäten in West- und Ostberlin. Die westdeutsche Computerindustrie erhielt Forschungssubventionen für Dokumentationsprojekte. 1968 änderte das „American Documentation Institute“ seinen Namen in „American Society for Information Science“.

In der Schweiz (1970)Bearbeiten

Als 1970 die «Expertenkommission für Fragen der wissenschaftlichen Dokumentation» den Behörden den Vorschlag zur Gründung eines «Schweizerischen Instituts für Informationswissenschaft» (SII) unterbreitete, versuchte sie nicht, die in aller Welt sich entwickelnden, nirgendwo in der Welt genau bestimmten Informationswissenschaften scharf zu umreißen. Informationswissenschaften - sie mögen im einzelnen definiert sein, wie sie wollen - untersuchen Informationsprozesse und Informationssysteme. Sie stellen in ihren theoretischen Bemühungen die wissenschaftlichen Grundlagen bereit für den Aufbau und den Betrieb von Informationssystemen unterschiedlicher Art: z. B. von Bibliotheken, Dokumentationsstellen usw. Somit können sie den Rahmen für Archivwissenschaft, Bibliothekswissenschaft, Computerwissenschaft und Dokumentationswissenschaft bilden. Das SII soll der Ausbildung dienen. Es muss dann den jungen Informationswissenschaftlern, Dokumentalisten, Spezialbibliothekaren und Bibliothekaren nebst den Informationswissenschaften - andere sagen auch: Kommunikationswissenschaften - nebst Informationstechnologie eine «Philosophie» und Berufseinstellung vermitteln, die sie befähigt, ermächtigt und ermutigt, entscheidende Forderungen an «die Wissenschaft» zu stellen.

SchlussfolgerungenBearbeiten

Wissenschaft ist arbeitsteilige Erkenntnis. Daraus folgt:

  1. Die Wissenschaft muss - um der Wissenschaft willen - bereit sein, auf Produktion und Einspeicherung des Nichtwissenswerten in den Speicher des Wissens zu verzichten.
  2. Die Wissenschaftler müssen – der Wissenschaft zuliebe – verständliche Wissenschaft erzeugen, die nicht nur im Eigenbereich, sondern auch in den übrigen Disziplinen verfügbar sein muss.
  3. Eine Optimalisierung des Verhältnisses von Wissensprodukten und Wissenskonsumption muss erreicht werden.