Soziologische Klassiker/ Wolff, Kurt H.

Grundstruktur des Kapitels:

Biographie in DatenBearbeiten

Kurt Heinrich Wolff

  • geboren am 20.Mai 1912im hessischen Darmstadt als 3.Kind einer jüdischen Familie geboren
  • gestorben 2003 in Ohio


Eltern: Weinhändler Oscar Louis Wolff und seine Frau Ida


  • 1930 Abitur im Realgymnasium in Darmstadt
  • danach Studium der Germanistik, Romanistik, Philosophie und Soziologie in Frankfurt,insbesondere bei Karl Mannheim (seinem einflussreichstem Lehrer), 1931/32 auch in München
  • 1933-1939 lebte er in Italien, wo er neben dem Studium in Florenz diverse Gelegenheitsjobs hatte, 1935 promovierte er mit einer Arbeit über die Wissenssoziologie und 1934-1938 unterrichtete er als Lehrer an verschiedenen Schulen (in Recco, Ruta und Pontedilegno)
  • 1936 heiratete er die jüdische Berlinerin Carla Bruck, die er 1934 während ihres Italienurlaubes kennengelernt und zum Bleiben bewegt hatte
  • 1939 emigrierte das Ehepaar über England in die USA (dort erhielt er 1945 die amerikanische Staatsbürgerschaft)
  • 1939-1943 arbeitete er als Forschungsassistent an der Southern Methodist University in Dallas (Texas)
  • 1943/44 konnte er dank eines Stipendiums an der Universität von Chicago die amerikanische Soziologie und Kulturanthropologie bei einigen ihrer bedeutendsten Vertreter näher kennenlernen und führte selbst Feldstudien in New Mexico in einer kleinen Gemeinde, die Wolff in seinen Schriften "Loma" nennt, durch
  • 1944 lehrte Wolff als Assistent Professor im Earlham College in Richmond (Indiana) Soziologie und Önonomie
  • 1945 ging er an die Ohio State University, wo er 1952 Associate Professor wurde
  • ab 1959 unterrichtete er Soziologie an der Brandeis Universität in Waltham (Massachusetts) und war dort drei Jahre lang Vorsitzender des Fachbereichs Soziologie
  • 1982 ging er in den Ruhestand, hielt aber bis 1993 noch alljährlich eine Lehrveranstaltung
  • Wolff war Gastdozent auf den Universitäten in New York, Rom, Oslo, Paris, Montreal, Toronto, Manchester, Manitoba, Neufundland, Frankfurt, Freiburg und machte Vortragsreisen durch Australien (1980)
  • er war außerdem Künstler, Schriftsteller und Dolmetscher
  • vor seinem Tod lebte Wolff in Newton (Massachusetts)


Historischer KontextBearbeiten

  • noch während Wolff für seine bei Mannheim geplante Doktorarbeit zum Thema "Die Intelligenz in Darmstadt" Intellektuelle seiner Heimatstadt interviewte, kam Hitler an die Macht.
  • nachdem Wolff Darmstadt verlassen hatte, um nach Italien zu emigrieren, wurden sein Geburtshaus und sein Realgymnasium, das er besuchte, zerbombt und ersetzt, und sein Bruder und dessen Frau in der Gaskammer ermordet.
  • als im Jahre 1938 auch in Italien antisemitische Gesetze erlassen wurden, waren Wolff und seine Frau gezwungen, binnen 6 Monaten das Land zu verlassen; es gelang ihnen, zwei der wenigen US-Visa zu bekommen und sie konnten deshalb 1939 in die USA auswandern.


Theoriegeschichtlicher KontextBearbeiten

  • maßgeblich beeinflusst wurde Wollf von Karl Mannheim, seinem Lehrer, bei dem er studierte (er war fasziniert von dem Mann mit ungarischem Akzent, seinen seidenen Hemden und seiner Merkwürdigkeit an nicht-angezündeten Zigaretten herumzukauen und zu saugen).
  • Wolff hat die Arbeiten von Simmel und Durkheim in seine Arbeit mit einfließen lassen.
  • Er bemühte sich u.a. um die Herausgabe und Übersetzung der Schriften von Simmel und Durkheim.
  • Er sammelte außerdem die Aufsätze seines Lehrers und ließ sie in seine eigenen Arbeiten mit einfließen.
  • In seinen Büchern erwähnt er u.a. Max Scheler, den er neben Mannheim als einen hervorragenden Vertreter der Wissenssoziologie nennt und versucht in seinem Werk "Gedanken zu Max Schelers Erkenntnis und Arbeit" eine historische Einordnung des Soziologen vorzunehmen.
  • Nachdem Wolff in den USA auch Schüler von Alfred Schütz war, übernimmt er teilweise auch die Theorien seiner Soziologie (und damit auch die von Luckmann und Bergson).
  • In seinen Schriften kritisiert er Max Weber, den Vater der Soziologie, regelmäßig und stellt seine Ideologie in Frage.


WerkeBearbeiten

ab 1935 konzentrierte sich Wolff vor allem auf die Wissenssoziologie

seine wichtigsten Bücher (in englisch):

  • Trying Sociology (1974)
  • Surrender and Catch (1976)
  • o´Loma! (1989)
  • Transformation in the Writing (1995)


Das Werk in Themen und ThesenBearbeiten

  • eine der Grundfragen, mit der sich Wolff im Laufe seines Lebens beschäftigte, war, wie sich die Möglichkeit, sich selbst, sämtliches Leben und sogar den ganzen Planeten auszulöschen, auf das Bewußtsein der Menschheit und das Gewissen von Individuen auswirkt
  • Wolff war derselben Ansicht wie Mannheim, keinem Geist zu glauben, sondern ihn erst zu prüfen, um dem Prinzip der Lüge auf die Spur zu kommen


Rezeption und WirkungBearbeiten

  • 1952/53 hat Wolff in der Funktion eines "Spezialisten des Außenministeriums der USA" jeweils drei Monate am Frankfurter Institut für Sozialforschung mitgearbeitet.


  • seit 1964 gehört Wolff zum Board of Directors der "Sociological Abstracts"; ergänzend zu erwähnen ist auch seine Mitwirkung in den Zeitschriften wie Human Studies, International Journal of Contemporary Sociology, Phenomenological Sociology Newsletter, Philosophy & Social Criticism, Sociological Focus und im Beirat des Jahrbuchs für Soziologiegeschichte.


  • Gastprofessuren in Freiburg im Sommersemester 1966 auf Einladung von Heinrich Popitz und in Frankfurt a.Main im Wintersemester 1966/67 auf Einladung von Friedrich H.Tenbruck folgten.


  • 1966-1972 war Wolff Vorsitzender des Forschungsausschusses für Wissenssoziologie der International Sociological Association.


  • 1972-1979 war er Präsident der International Society for the Sociology of Knowledge.


  • 1984-1988 war er Vizepräsident, und bis 1992 Präsident des Forschungsausschusses zur Geschichte der Soziologie der International Sociological Association.


  • Wolff war Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Soziologie und 1987 verlieh ihm seine Geburtsstadt Darmstadt die Johann-Heinrich-Merck-Medaille.


LiteraturBearbeiten

  • Kölner Zeitschrift für Soziologie, 1980, Jahrgang 22
  • Kurt H.Wolff (1998):
    "Versuch zu einer Wissenssoziologie, 1968
    Darmstadt
  • Kurt H.Wolff (1998):
    "Soziologie in der gefährdeten Welt"
    Frankfurt am Main