Soziologische Klassiker/ Mead, Margaret

Grundstruktur des Kapitels:

Biographie in Daten

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  • Geboren: 16. 12.1901 in Philadelphia / Pennsylvania
  • Gestorben: 15.11.1978 in New York City


Eltern: Mutter: Emily Fogg Mead (Soziologin); Vater: Edward Sherwood (Wirtschaftsprofessor an der University of Pennsylvania)

Kind: Mary Catherine Bateson (geboren 1939, Anthropologin, Dekanin an der Raza Civar University im Iran)

Margaret Mead studierte am Barnard College Psychologie und Anthropologie (Abschluss 1923) und erlangte 1929 an der University of Columbia den Doktortitel, in weiterer Folge wurden ihr 28 Ehrendoktorate verliehen.

Dreimal verheiratet (Luther Cressmann, Reo Fortune, Gregory Bateson) und geschieden. Mit ihrem letzten Mann, dem Anthropologen und Biologen Bateson, eine Tochter.

Beruflicher Werdegang:

  • 1926 Beginn der Anstellung im Naturhistorischen Museum (die bis an ihr Lebensende andauerte)
  • 1939-41 Gastprofessur am Vassar College
  • 1947-51 Gastprofessur am Teachers College der Columbia Universität
  • ab 1954 außerordentliche Professorin für Anthropologie an der University of Columbia

Forschungsreisen:

  • 1925 Samoa (mit dem resultierenden Werk coming of age in samoa)
  • 1931 Neuguinea (erforschte die Rollenverteilung der Arapesh, Mudugumor und Tchambuli)
  • 1936 Bali, gemeinsam mit ihrem Mann Gregory Bateson

Mitgliedschaften:

  • Präsidentin der American Association for the Advancement of Science (1973)
  • Society for Applied Anthropology
  • World Federation of Mental Health
  • American Anthropological Association
  • Presidential Medal of Freedom (posthum)

Theoriegeschichtlicher Kontext

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  • Während ihrer Studienzeit auf dem Barnard College begann sich Margaret für Anthropologie zu interessieren, vor allem wegen ihres Lehrers Franz Boas (1858-1942) und seiner Assistentin Ruth Benedict. Vor allem Franz Boas hatte auch einen großen intellektuellen Einfluss auf Margaret während ihrer Zeit auf der Columbia University. Er war es auch, der ihre ersten Forschungen auf den Samoa Inseln überwachte. Bis zu seinem Tod blieben sie Freunde. Genauso stand sie immer in engem Kontakt mit Ruth Benedict, die sich mit Indianerstämmen in Nordamerika beschäftigte. Sie konnten gegenseitig von den jeweiligen Ergebnissen profitieren.
  • Sie wurde ebenfalls von William Ogburn unterstützt. Er beeinflusste sie vor allem auf dem Barnard College, wo sie unter ihm Psychologie studierte. Später unterstützte er sie auch in ihren Forschungen auf den Samoa-Inseln.
  • Durch William Ogburn lernte sie die Arbeiten von Sigmund Freud kennen, der ihr vor allem durch seine „early childhood experiences“ imponierte, diese Theorien ließ sie auch in ihre Forschung auf den Samoa-Inseln einfließen. Ebenso wie Talcott Parsons, ein berühmter Zeitgenosse von Mead, greift sie immer wieder auf Freud zurück, wenn Geschlechtsrollen und Geschlechtsidentität analysiert werden.
  • In den letzten Jahren wurde Margarets Forschungen vor allem von dem australischen Anthropologen Derek Freeman hinterfragt, welcher ihre Ergebnisse über das Sexualverhalten der Samoaner als falsch darstellte.

Margaret Mead schrieb über 44 Bücher (davon 18 gemeinsam mit anderen) und veröffentlichte über 1000 wissenschaftliche Artikel. Nachfolgend ihre wichtigsten Werke:

  • Coming of Age in Samoa, A Psychological Study of Primitive Youth for Western Civilization (1928)
  • An Inquiry into the Question of Cultural Stability in Polynesia (1928)
  • The Maoris and their Art (1928)
  • Growing up in New Guinea (1930)
  • Social Organizations of Manu’s (1930)
  • The Changing Culture of an Indian Tribe (1932)
  • Sex and Temperament in Three Primitive Societies (1935)
  • The Mountain Arapesh (1938-49; 5 Bände)
  • From the South Seas (1939)
  • Balinese Character (1942; gemeinsam mit Gregory Bateson)
  • And keep your powder dry (1942)
  • Balinese Character, a Photographic Analysis (1942)
  • Male and Female (1949)
  • Soviet Attitudes toward Authority (1951)
  • Growth and Culture (1951, gemeinsam mit Frances Cooke Macgregor)
  • The Study of Culture at a Distance (1953, gemeinsam mit Rhoda Métraux)
  • Primitive Heritage (1953, gemeinsam mit Nicholas Calas)
  • Themes in French Culture (1955, gemeinsam mit Rhoda Métraux)
  • Childhood in Contemporary Cultures (1955, gemeinsam mit Martha Wolfenstein)
  • New Lives for Old (1956)
  • An Anthropologist at Work (1959)
  • People and Places (1959)
  • A Creative Life for your Children (1962)
  • Continuities in Cultural Evolution (1964)
  • Family (1965, gemeinsam mit Ken Heyman)
  • Anthropologists and what they do (1965)
  • American Women (1965, gemeinsam mit Frances B. Kaplan)
  • The Wagon and The Star (1966, gemeinsam mit M. Brown)
  • The Changing Cultural Patterns of Work and Leisure (1967)
  • Culture and Commitment (1970)
  • A Way of Seeing (1970, gemeinsam mit Rhoda Métraux)
  • A Rap on Race (1971, gemeinsam mit James Baldwin)
  • Blackberry Winter: My earlier years; Autobiography (1972)
  • Letters from the Field 1925 – 1975 (1978)
  • Margaret Mead, Some Personal Views (1979, gemeinsam mit Rhoda Métraux)
  • Aspects of the Present (1980, gemeinsam mit W. W. Kellogg)
  • The Atmosphere (1980)

Das Werk in Themen und Thesen

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Margaret Mead ist bekannt für ihre Forschungen in

  • vergleichbarer Kinderpsychologie
  • ozeanischer Ethnologie
  • und Kooperation und Konkurrenz unter primitiven Völkern.

Sie war bereits zu ihren Lebzeiten berühmt. Sie erforschte sieben Südseeinseln, unter anderem Bali, Samoa und Neu Guinea.

  • In Bali setzte sie zum ersten Mal die Photografie für die anthropologische Forschung ein, indem sie über 30.000 Photografien der Balinesen machte.
  • Nach ihrem Studien auf den Samoa-Inseln schrieb sie ihr wohl berühmtestes Buch „Coming of Age in Samoa“. In diesem stellt sie die Theorie auf, dass Adoleszenz nicht eine Zeit der Umwälzung ist, sondern dass die Gesellschaft die Probleme verursacht, dadurch dass sie Sexualität verhindert und versteckt.
  • Mead war auch eine der ersten, welche Kindererziehungspraktiken und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft erforschte. Ihre Theorie der kindlichen Prägung, durch welche Kinder auch lernen, wird bis heute weiter erforscht. Mead glaubte, dass das Studium der Kinder zur Verbesserung und Verständnis unserer Zukunft wichtig ist.
  • Sie kombinierte ebenso Psychologie und Anthropologische Studien zum ersten Mal. Sie fand es sehr wichtig, dass die Anthropologie mit anderen Wissenschaften kombiniert wird. Diese Meinung präsentierte sie auch immer wieder der Öffentlichkeit, durch Artikel, Radiosendungen und Fernsehauftritten.


Geschlecht und Temperament in drei sog. "primitiven" Gesellschaften

In diesem Werk arbeitet Mead heraus, dass Identität nicht bloß auf die Persönlichkeit zurückzuführen ist, sondern im kulturellen Kontext entsteht und verstehen werden muss. So sind unsere Vorstellungen von aggressiver Männlichkeit und hilfsbereiter Weiblichkeit in anderen Kulturen keine Selbstverständlichkeit. Bei dem Volk der Arapesh sind Männer und Frauen gleichermaßen auf Kooperation und Harmonie bedacht, sexuelle Bedürfnisse werden gleichermaßen von Normen beschränkt. Die Mundugumor hingegen zeigen sich angriffslustiger und ihre Kultur lässt ein höheres Maß an Sexualität zu. Die mindere Rolle der Frau in der amerikanischen Gesellschaft ist rein sozialisationsbedingt, womit sie soziologisch interessant die Relevanz von Sozialisationsprozessen verdeutlicht. Die Unterschiede zwischen Mann und Frau, die wir oft fälschlicherweise auf biologische Unterschiede zurückführen, widerlegt Margaret Mead und hebt die sozialen und kulturellen Einflüsse heraus. So ist sie die Wegbereiterin für die die heute geläufigere Unterscheidung in biologisches Geschlecht (sex) und soziales Geschlecht (gender).


Arbeitsteilung

Im System der Arbeitsteilung der Geschlechter gibt es jedoch Paralellen zu der Entwicklung in westlichen Gesellschaften. So gibt es Dörfer, in denen Männer fischen und Frauen weben, und solche, in denen Frauen fischen und Männer weben. Aber gleichgültig um welche Art der Teilung es sich handelt, die Arbeit der Männer wird höher eingeschätzt. So werden Arbeiten die ursprünglich von Frauen verrichtet wurden und in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung steigen, zumeist von Männern übernommen.


Sexualität

Ähnlich wie bereits Malinowski sieht Mead Sexualität zwar biologischen Ursprungs in ihrer Auslebung und Unterdrückung, aber sozial gesteuert. Unsere Ansicht und Ausübung von Sexualität sind demnach eine Fusion aus Kultur und Natur. Kritisiert wurde sie dabei, zwar bestehenden Vorstellungen die Legitimität zu entziehen, aber mit bestehenden Kategorien zu denken und argumentieren.

Rezeption und Wirkung

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Nach Margaret Meads Tod wurden einige ihrer Theorien in Frage gestellt und auch widerlegt, trotzdem gibt es keinen Zweifel an ihren wichtigen Beiträgen für die Wissenschaft der Anthropologie und des Verständnisses der menschlichen Natur.

Ihre Untersuchungen des Zusammenlebens der Geschlechter wirkte unterstützend für die Frauenbewegung der 70er-Jahre. Teilweise wurden ihre Thesen überhöht und ausgebaut und zum anderen verfiel Mead selbst in eine konsvervativere Auffassung der Geschlechterrollen, ihre Absicht und ihre Wirkung gingen damit in verschiedene Richtungen.

Ihre Theorien fanden aber Eingang in die Queer-Theory und wurden von Michel Foucault unter anderem um Themen wie Homosexualität erweitert.

Literatur

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http://www.fembio.org/frauen-biographie/margaret-mead.shtml (12.04.2006)

http://www.cas.usf.edu/anthropology/women/mead/margaret_mead.htm (12.04.2006)

http://www.mnsu.edu/emuseum/information/biography/klmno/mead_margaret.html (12.04.2006)

http://pages.slc.edu/~cfraver/directory/meadbio.htm (13.04.2006)

http://akak.essortment.com/margaretmead_rbys.htm (13.04.2006)

http://www.gwu.edu/~asc/people/Mead/ (21.04.2006)

http://www.answers.com/topic/margaret-mead (21.04.2006)

http://www.kirjasto.sci.fi/mmead.htm (21.04.2006)