Grundstruktur des Kapitels:

Biographie in Daten

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Karl Marx


Marx Karl

  • geboren am 05.Mai 1818 in Trier (Moseltal/Deutschland)
  • gestorben am 14.März 1883 in London


  • seine Eltern: Heinrich Marx, Rechtsanwalt, lebte von 1777 bis 1838, Henriette Marx, geboren als Henriette Preßburg,
  • seine Geschwister: Sophie, Hermann, Henriette, Louise, Emilie und Caroline Marx
  • seine Ehefrau: Johanna Bertha Julie, lebte von 1814 bis 1881
  • seine Kinder:
  • Jenny Caroline, lebte von 1844 bis 1883;
  • Jenny Laura, lebte von 1846 bis 1911;
  • Charles Louis Henri Edgar, lebte von 1847 bis 1855;
  • Heinrich Edward Guy (Guido), lebte von 1849 bis 1850;
  • Jenny Eveline Frances (Franziska), lebte von 1851 bis 1852;
  • Jenny Julia Eleanor, lebte von 1855 bis 1898;
  • Frederick Lewis Demuth, lebte von 1851 bis 1929;




Sein Lebenslauf

  • 1830-1835 Besuch des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums in Trier
  • 1835 Abitur
  • 1835-1836 studiert er Rechtswissenschaft an der Bonner Universität
  • 1836-1841 studiert er Rechtswissenschaft an der Berliner Universität
  • 1841 Promotion in Philosophie an der Jenaer Universität in absentia; sein Betreuer ist Ernst Reinhold, ein Philosoph, lebte von 1793-1855; Thema seiner Arbeit: Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie. Die akademische Laufbahn wurde ihm aus Gesinnungsgründen verwehrt.
  • 1842-1843 wird er Redakteur bei der "Rheinischen Zeitung für Politik, Handel und Gewerbe" in Köln
  • 1843-1845 zieht er nach Paris, wo er mit seinen ökonomischen Studien beginnt
  • 1844 ist er mit Arnold Ruge (ein deutscher Schriftsteller, wurde wegen der Mitgliedschaft in einem geheimen Bund verhaftet, lernte Marx in Paris kennen, die Zusammenarbeit endete nachdem sie sich nicht auf die politische Richtung einigen konnten, er lehnte den Kommunismus ab, lebte von 1802-1880), Herausgeber der Zeitschrift "Deutsch-Französische Jahrbücher" in Paris
  • 1844 beginnt die Freundschaft mit Friedrich Engels, der Politiker, Philosoph, Unternehmer und Militärhistoriker war, lebte von 1820-1895, die erste Begegnung fand 1842 statt, darauf hin entstand eine enge Zusammenarbeit
  • 1845-1848 Exil in Brüssel, nachdem er auf Veranlassung Preußens, Frankreich verlassen musste, da er im Wochenblatt "Vorwärts" den Absolutismus angriff, in Deutschland wäre er wegen Hochverrat angeklagt worden
  • 1845 Abgabe der preußischen Staatsbürgerschaft, da er erfuhr, dass Preußen seine Auslieferung von Belgien forderte
  • 1845 erste Studienreise nach England mit Friedrich Engels im Sommer, dort nahmen sie Kontakt zu den Chartisten (Reformer in Großbritannien, die die Zulassung von Gewerkschaften, Arbeitszeitverkürzungen, Verbesserung des Wahlrechts und die Abschaffung der Kornzölle forderten) auf
  • 1846 Gründung des kommunistischen Korrespondenz-Komitees mit Friedrich Engels, es soll den Zusammenschluss von Arbeiterbewegungen in mehreren Ländern koordinieren, darin sollen revolutionäre Kommunisten und Arbeiter mit einer gemeinsamen Idee vereinigt werden und Grundlage für eine Parteigründung schaffen
  • 1847 gründet er mit Friedrich Engels einen "Deutschen Arbeiterverein" in Brüssel, gleichzeitig ist er Mitglied des "Bunds der Kommunisten", der 1848 aufgelöst wurde; für diesen Verein schrieb er mit Friedrich Engels das "Kommunistische Manifest"
  • 1847-1848 ist er Mitarbeiter bei der "Deutsch-Brüsseler-Zeitung" in Brüssel
  • 1848-1849 Exil in Paris, da er aus Belgien ausgewiesen wurde
  • 1848-1849 nach der Märzrevolution (in Deutschland 1848-1849, der erste Versuch einen einheitlichen und demokratischen Staat in Deutschland zu schaffen, sie wurde von Preußen niedergeschlagen)
  • 1848-1849 arbeitet er als Chefredakteur der "Neuen Rheinischen Zeitung. Organ der Demokratie" in Köln
  • 1849 im Prozess aufgrund der "Aufreizung zur Rebellion" wurde er freigesprochen, doch nachdem die Reaktionäre wieder an der Macht waren, wurde er aus Deutschland ausgewiesen
  • 1849-1883 Exil in England, wo er als Journalist und Privatgelehrter arbeitete
  • 1850 wird er Herausgeber der "Neuen Rheinischen Zeitung. Politisch-ökonomische Revue"
  • 1850 Beginn der Beziehung mit seiner Haushälterin Helena Demuth, lebte 1823-1890 und gebar ihm einen Sohn (Frederick Lewis Demuth)
  • 1852-1856 arbeitet er bei der Zeitung "The People's Paper. The Champion of Political Justice and Universal Right" in London mit
  • 1855 arbeitet er bei der "Neuen Oder-Zeitung" in Breslau mit
  • 1861 reist er nach Deutschland
  • 1861 in Berlin trifft er Ferdinand Lassalle (deutscher Schriftsteller, Politiker, Staatssozialist und Arbeiterführer, war erster Präsident des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereines, aus dem die Sozialdemokratische Partei Deutschlands entstanden ist, gilt damit als einer der Gründerväter der deutschen Sozialdemokratie, lebte von 1825 bis 1864)
  • 1861-1862 arbeitet er bei der Zeitung "Die Presse" in Wien mit
  • 1864 gründet er die "Internationale Arbeiter-Assoziation" oder auch "Erste Internationale" genannt mit
  • 1865 beendet er die Zusammenarbeit mit dem "Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein"
  • 1866 wurde er auf dem 1. Kongress der "Internationalen Arbeiter-Assoziation" in Genf in den Generalrat gewählt
  • 1871 arbeitet er bei der Zeitung "Der Volksstaat. Organ der sozial-demokratischen Arbeiterpartei und der Internationalen Gewerksgenossenschaften" in Leipzig mit
  • 1872 Streit auf dem 5. Kongress der "Internationalen Arbeiter-Assoziation" in Den Haag mit den Anarchisten; daraufhin spaltet sich die Internationale und verlegt den Generalrat nach New York, sie wird 1876 aufgelöst, der anarchistische Sektor bleibt bestehen
  • 1882 mehrere Reisen in die Schweiz, Frankreich und Algier


Historischer Kontext

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1848-1849 Märzrevolution

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Politische Hintergründe der Revolution

  • 1815 im Wiener Kongress wurden die politischen Veränderungen, die durch Napoleons Expansionspolitik verursacht wurden, rückgängig gemacht. In dieser Restaurationsphase hat sich vor allem Fürst von Metternich hervorgetan. So wurden die alten Staatsgrenzen wieder gezogen und der Adel hat seine verlorenen Privilegien wieder zurück erlangt. Die Pressefreiheit wurde wieder eingeschränkt und revolutionäre, nicht nationalistisch denkende Schriftsteller wie Heinrich Heine, Georg Büchner (Hessischer Landbote) und Heinrich Hoffmann von Fallersleben, wurden zensiert bzw. verboten.
  • 1817 wurde im Wartburgfest eine politische Einigung Deutschlands gefordert. Reaktionäre Bücher wurden verbrannt, die sich gegen eine solche Einigkeit aussprachen, wie z.B. jenes von August von Kotzebues.
  • 1819 wurden die Karlsbader Beschlüsse durchgesetzt. Sie richteten sich gegen die Burschenschaften, die fortan staatlichen Repressionen ausgesetzt waren. Ursache war die Ermordung des Dichters August von Kotzebue durch den nationalistischen und demokratischen Burschenschafter Karl Ludwig Sand.
  • 1830 gab die Julirevolution von Frankreich, in der der reaktionäre König Karl 10. durch den bürgerlich-liberalen König Louis Philippe von Orleans ausgetauscht wurde, der deutschen demokratischen und nationalen Bewegung neuen Aufwind. An mehreren Orten kam es zu Aufständen und teilweise wurden daraufhin Verfassungen eingeführt.
  • 1832 wurde trotz der Demagogenverfolgung und der Repressionen das Hambacher Fest veranstaltet. Dort versammelten sich die Anhänger der deutschen Einigung und die Schwarz-Rot-Goldene Fahne wurde zum Symbol dieser Bewegung.
  • 1833 fand der Frankfurter Wachensturm statt. Ziel der Aktion war es, die Frankfurter Polizeiwachen zu stürmen und daraufhin alle Abgeordneten des Bundestages festzunehmen. Im Bundestag sahen die Demokraten eine Vertretung der reaktionären Macht. Allerdings scheiterte dieser Versuch von etwa 50 Studenten, da die Aktion verraten wurde.
  • 1848 brach in Frankreich die Februarrevolution aus. Grund dafür war die steigende Unzufriedenheit der Bevölkerung mit dem Bürgerkönig Louis Philippe von Orleans, der vom liberalen Kurs abwich. Diese Revolution griff auf Deutschland über.


Soziale und wirtschaftliche Hintergründe

  • Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann ein flächendeckender Pauperismus (lat. Armut). Diese Massenarmut hat eine Massenverelendung und Entwurzelung der Unterschicht zur Folge. Eine Bevölkerungsexplosion, verursacht durch eine bessere hygienische Situation, und die Befreiung der Bauern (1807), sowie eine Überbesetzung im Handwerk hat eine enorme Stadtflucht ausgelöst. Da die Industrialisierung erst im Anfang war, fehlte es an Arbeitsplätzen für die neuen Ströme an Arbeitern, die ihr Glück in der Stadt suchten. Das nun entstandene Proletariat hatte nur die Arbeitskraft zu verkaufen und waren damit lohnabhängig geworden. Durch den starken Konkurrenzdruck sanken Einkommen und Lebensbedingung für die Arbeiter.
  • 1846 fand eine Missernte in Zentraleuropa statt, die das Krisenjahr 1847 zur Folge hatte.
  • Durch allgemeine Verarmung der Bevölkerung stieg der Anteil der Anhänger demokratischer und nationaler Kreise aufgrund der sozialen Notlage.
  • In Manufakturen und Fabriken konnten durch neue rationale Methoden billig Massenprodukte hergestellt werden. Der Einsatz von Maschinen ersetzte immer mehr die menschliche Arbeitskraft. Massenarbeitslosigkeit entstand durch das Überangebot an Arbeitskräften und durch die fehlenden Arbeitsplätzen. Das Handwerk verlor durch die Industrialisierung zunehmend an Bedeutung.
  • Das verarmte Proletariat lebte in Ghettos und Slums und konnte kaum für das Existenzminimum sorgen. Mitunter wurde durch die Landflucht das traditonelle System der Altersvorsorge zerstört.
  • 1844 fand der schlesische Weberaufstand statt. Derartiges gab es bereits im 18. Jahrhundert, jedoch die Heftigkeit und öffentliche Aufmerksamkeit übertraf die vorhergehenden Aufstände. Durch die Annektierung Schlesiens durch den preußischen König Friedrich 2. von 1740, war das Land an das feudale System gebunden und musste Abgaben leisten. Zusätzlich sank im zunehmend kapitalistischeren System die Preise der hergestellten Waren. Diese doppelte Belastung musste mit entsprechender Mehrproduktion ausgeglichen werden. Trotz der Arbeitszeitverlängerung und Kinderarbeit konnte aber die Verelendung nicht verhindert werden. So kam es am vom 4. bis 6. Juni 1844 zum Aufstand. Die aufgebrachte Menge zerstörte teilweise Fabriken und vertrieb die Unternehmer. Am 6. Juni wurde jedoch der Aufstand zerschlagen und die Teilnehmer verhaftet.

Verlauf der Revolution

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  • 1. März 1848 beginnt die Revolution mit der Besetzung des Ständehauses des badischen Landtags in Karlsruhe
  • 4. März Aufstände in München
  • 5. März lädt die Heidelberger Versammlung zu einem Vorparlament
  • 6. März erste Unruhen in Berlin
  • 13. März in Wien Sturm auf das Ständehaus und Rücktritt des Staatskanzlers Fürst von Metternich
  • 18. März in Berlin entsteht ein Aufstand bei der Verlesung eines königlichen Patents, der Reformen in Preußen zum Inhalt hatte. Protestierende Bürger und Mititär liefern sich daraufhin heftige Kämpfe.
  • 20. März dankt der bayerische König Ludwig Ⅰ. ab, an seine Stelle tritt sein Sohn Maximilian ⅠⅠ. Dies ist eine Reaktion auf die Unruhen in Bayern.
  • 31. März bis 3. April tagt das Vorparlament in Frankfurt/ Main
  • April Beginn des Krieges Preußen-Dänemark wegen der dänischen Forderungen in Schleswig und Holstein.
  • 12. April bis 20. April findet der Heckerzug in Baden statt. Dieser wird am 20. April vom Militär niedergeschlagen.
  • 18. Mai wird die Frankfurter Nationalversammlung eröffnet, die das erste mal vom gesamten deutschen Gebiet demokratisch gewählt wurde. Die Aufgabe der Nationalversammlung lag darin, eine Verfassung auszuarbeiten.
  • 24. Juni wird der französische Juniaufstand in Paris niedergeschlagen. Daraufhin gewinnt die Konterrevolution wieder an Stärke.
  • 26. August wird ein Waffenstillstand zwischen Preußen und Dänemark beschlossen. Da die Nationalversammlung zustimmen muss, erleidet die Revolution einen weiteren Rückschlag
  • 18. September Barrikadenkämpfe gegen preußische und österreichische Truppen in Frankfurt
  • 21. bis 25. September findet der zweite badische Aufstand in Lörrach statt
  • 9. November wird Robert Blum, ein Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung, in Wien hingerichtet. Dies gilt als weiteres Symbol des Scheitern der Märzrevolution.
  • 2. Dezember dankt der österreichische Kaiser Ferdinand I. ab. An dessen Stelle tritt sein Neffe Franz Joseph I.
  • 27. Dezember verabschiedet die Nationalversammlung Grundrechte
  • 28. März 1849 verabschiedet die Nationalversammlung nach etlichen Diskussionen die Paulskirchenverfassung
  • 28. April lehnt der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone ab, die die Nationalversammlung ihm anbot. Damit ist endgültig die Idee der Einigung Deutschlands mit einer demokratischen Grundordnung gescheitert.
  • von Mai bis Juli werden zahlreiche lokale Aufstände von preußischen Truppen niedergeschlagen.
  • 23. Juli ist das Ende der Märzrevolution mit der Niederschlagung des badischen Aufstandes.


Industrialisierung

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Begriffsklärung

  • In der Literatur finden sich die Begriffe Industrialisierung und Industrielle Revolution. Beide werden oftmals fälschlicherweise gleichgesetzt. Die Frage ist nun, welcher der Begriffe nun zutreffender ist. Dabei ist es notwendig die vorhandenen statistischen Daten auszuwerten. Ist nun dieser Prozess ein spontaner gewesen, also eine Revolution oder war es eher ein langsam schleichender Prozess.


Ursachen der Industrialisierung

  • Zunächst einmal ist die Frage zu klären, warum die Industrialisierung in Europa und nicht beispielsweise im technisch weiter entwickelten China stattfand. Dazu gibt es mehrere Theorien. Eine davon argumentiert, dass die vorhandenden nichtindustriellen Methoden dominant genug waren, dass eine Industrialisierung sozusagen unnötig war. Außerdem fehlte es China an geeigneten Rohstoffen, die Europa durch die Importe aus den Kolonien im Überfluss hatte. Ein weiterer Grund könnte die Wettbewerbslage sein. Im vielstaatlichen Europa herrschte eine nationale Konkurrenz, die im Kaiserreich China unbekannt war.
  • Die Ursprünge der Industrialisierung liegen in England. Deswegen werden die Bedingungen vor allem von England betrachtet.
  • Gesellschaftlich gesehen waren die Gedanken der Aufklärung eine wichtige Grundlage für die Industrialisierung. Naturbeherrschung, Rationalität
  • Die religiöse Strömung des Calvinismus rechtfertigte das Streben des Menschen in der Industrialisierung. Fleiß, Gewinnstreben als Tugend
  • Verbesserung der Lebensbedingungen durch medizinische und hygienische Verbesserungen.
  • Ausbau der Infrastruktur, Meer, Flüsse, Kanäle, Straßen Technik
  • Bevölkerungsexplosion
  • Wirtschaftsliberalismus in England nach Adam Smith
  • Vorteile aus der Kolonialmachtstellung, Rohstoffe, Ressourcen für England
  • Agrarrevolution, Fruchtwechsel statt Dreifelderwirtschaft, Produktivitätssteigerung, Intensievierung
  • hohe Investitionsfreudigkeit durch Calvinismus
  • Förderlich ist auch der in England herrschende Parlamentarismus.
  • Gesetze schützen den Handel und Patente in England.
  • Urbanisierung


Verlauf der Industrialisierung

  • Weiterentwicklung der Dampfmaschine durch James Watt
  • Gründung von Kapitalgesellschaften
  • Erfindergeist steigt
  • "Spinning Jenny" der mechanische Webstuhl von James Hargreaves
  • Kohleabbau
  • Schwerindustrie


Die soziale Frage

  • Landflucht
  • Frauenarbeit
  • Kinderarbeit
  • Wohnungsfrage
  • "Industrielle Reservearmee" (Karl Marx)


Theoriegeschichtlicher Kontext

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Georg Wilhelm Friedrich Hegel

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Kurze Biografie

  • wurde am 27. August 1770 in Stuttgart geboren
  • Grundschule und Gymnasium in Stuttgart, war vielseitig interessiert, lernte Griechisch, Latein, Französisch und Englisch
  • sammelte Zeit seines Lebens Exzerpte von Zeitungen und eigene Notizen zu allen Wissenschaften seiner Zeit
  • ab 1788 besuchte er das Theologische Seminar im Tübinger Stift; dabei interessierten ihn vor allem die klassischen Philosophen, weniger die zeitgenössische Theologie
  • 1790 erhält er den Titel "Magister der Philosophie"
  • im Sommer 1792 schließt er sich einem Studentenclub an, der die Ideen der Französischen Revolution aufnahm und sprach sich für Freiheit und Gleichheit aus
  • 1793 erhält er eine Anstellung als Hofmeister in Bern bei Kapitän ("Dragonerhauptmann") Karl Friedrich von Steiger (1754-1841), der Mitglied der Gesetzgebung war; als Privatlehrer für die Kinder des liberalen Kapitäns entschied er sich gegen eine kirchliche Karriere
  • erwarb sich in ein umfangreiches Wissen in Philosophie durch die Studien in der ausgewählten Bibliothek der Familie Steiger
  • 1797 bis 1800 war er Hauslehrer in Frankfurt
  • 1801 Habilitation in Jena, 1805 aufgrund der Empfehlung von Goethe zum Professor ernannt
  • ab 1809 Gymnasiallehrer in Nürnberg
  • Heirat mit Marie von Tucher am 16. September 1811
  • ab 1816 Professor in Heidelberg
  • ab 1818 Professor in Berlin
  • starb am 14. November 1831 in Berlin


Seine Philosophie

  • Hegel war ein Anhänger des Deutschen Idealismus
  • er wurde von der Deutschen Klassik beeinflusst
  • er war eng mit den Philosophen Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling und Friedrich Hölderlin befreundet
  • er lehnte die Aufklärung und damit auch Immanuel Kant ab
  • er beeinflusste Karl Marx
  • in seiner Enzyklopedie versuchte er die Welt als System zu begreifen, dabei bildete er den Begriff "Kreis aus Kreisen", der erste Kreis bezeichnet die Logik (begriffliche Grundlage), der zweite die Naturphilosophie (biologische, chemische und physikalische Grundlagen) und letztlich der Geist (Politik und Weltgeschichte)
  • "Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit" bedeutet, dass im Laufe der Geschichte immer mehr Menschen zur Freiheit gelangt sind, im Christentum nun hat jeder Mensch die Freiheit erlangt, auch wenn er beispielsweise im Gefängnis sitzt
  • seine Philosophie schließt die Vergangenheit mit ein, durch die geschichtliche Entwicklung antitetischer Gesellschaftsschichten entsteht eine synthetisch neue bessere Gesellschaft


Die Dialektik

  • das wichtigste Element seiner Philosophie ist seine Dialektik
  • ursprünglich bedeutete Dialektik "Kunst der Gesprächsführung"
  • These - Antithese - Synthese (diese Begriffe stammen nur inhaltlich von Hegel): die Dinge dieser Welt haben alle einen Widerspruch, erst die Synthese von Spruch und Widerspruch bildet die Wahrheit
  • Beispiel: Sein = These, Nichts = Antithese, Werden = Synthese, Hegel stellte fest, dass eigentlich das Sein und das Nichts identisch ist; dies ist vergleichbar mit der Idee des Jin - Yang, beide Pole gehen ineinander über und sind damit Antithese des anderen
  • relevantes Beispiel: durch die antitetische Beziehung zwischen zwei Bewusstheitszuständen kommt es zur Polarität Knechtschaft und Herrschaft. Es geht dabei um die jeweilige Anerkennung durch das Gegenüber. Dabei finden Kämpfe um Leben und Tod statt, aber das Gegenüber wird nicht beseitigt, da sonst keine Anerkennung mehr vorhanden wäre. Unabhängig davon sieht Hegel aber in der Knechtschaft das stärkere Prinzip, denn sie bearbeitet die Natur und wird damit Herr über sie. Wenn der Knecht seine innere Angst der Unfreiheit überwindet und gegen seinen Herrn auflehnt, gelangt er zu Freiheit, die nun im dialektischen System die Synthese ist.
  • historisch interpretiert stellt diese Synthese die Entwicklung von einer feudalen Gesellschaft zu einer bürgerlichen dar
  • Karl Marx entwickelte aus dieser Antithese den Klassenkampf
  • weitere wichtige Begriffe der Philosophie Hegels: das An-Sich-Sein stellt ein Ding an sich dar und ist noch nicht mit seinem dialektischen Gegenüber in Kontakt gekommen
  • Das Für-Andere-Sein ist die erste Antithese des An-Sich-Seins. So hat sich das Ich eigentlich für andere aufgebaut. Das ist vergleichbar mit Martin Bubers "Am Du zum Ich" und dem Meadschen "I, Me and Self". Das An-Sich-Sein hat sich damit verändert.
  • Das Für-Sich-Sein ist die Synthese aus An-Sich-Sein und Für-Andere-Sein und gleichsam die Negation des Für-Andere-Sein, weil es dieses überwunden hat. Das entäußerte Wesen kehrt wieder zu sich zurück und ist am Anderen gereift. Es ist ein von sich selbst wissendes Subjekt geworden.
  • Das An-Und-Für-Sich-Sein ist das nun neu entstandene An-Sich-Sein, ursprünglich aus jenem hervorgegangen, weiterentwickelt zum Für-Andere-Sein und Für-Sich-Sein und schließlich zu diesem, das nun wieder reflektiert wird. Diese Begriffe bilden nun einen Kreislauf.
  • Negation ist für Hegel die Kraft der Dialektik. Sie wird auf drei Arten ausgedrückt: die einfache Verneinung bedeutet die Vernichtung eines Begriffes. Sie kann aber auch eine Aufhebung bedeuten, im Sinne dass ein Begriff im anderen aufgeht (siehe das An-Und-Für-Sich-Sein), oder im Sinne einer Kollision zweier Begriffe und deren Synthese
  • Substanz ist ursprünglich (so bei Aristoteles) das Wesen der Dinge. Bei Hegel ist es das eigentliche Subjekt, das sich aber weiterentwickelt und damit das System einer sich bewegenden Welt darstellt.

Friedrich Engels

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kurze Biografie und Kontakt zu Karl Marx

  • Engels wurde am 28. November 1820 in Barmen/ Preußen (heute Wuppertal) geboren
  • er besuchte die städtische Schule und das Gymnasium in Elberfeld
  • er musste die Schule 1837 vorzeitig abbrechen um als Handlungsgehilfe im Geschäft seines Vaters zu arbeiten
  • 1838 bis 1841 ging er in Bremen wieder zur Schule
  • 1841 leistete er in Berlin Militärdienst und besuchte in dieser Zeit philosophische Vorlesungen und kam mit Junghegelianer in Kontakt
  • 1842 reiste er nach Köln, wo er Karl Marx bei der Rheinischen Zeitung das erste Mal persönlich traf
  • daraufhin reiste er nach Manchester, um in der Baumwollspinnerei seines Vaters seine Ausbildung als Kaufmann zu beenden
  • in England wird er von der harten Realität der Arbeiterklasse geprägt, die seine politische Haltung verändert
  • in London kontaktiert er den Bund der Gerechten, der ersten deutschen revolutionären Arbeiterorganisation
  • in Leeds kontaktiert er die Chartisten (Reformbewegung im Großbritannien des 19. Jahrhunderts, im Fordergrund standen vier Forderungen: Gewerkschaftszulassung, Arbeitszeitverkürzung und bessere Arbeitsbedingungen, Wahlrechtserweiterung und Aufhebung der Kornzölle) und schreibt Artikel für die owenistische Zeitung (geht zurück auf Robert Owen, ein britischer Unternehmer und Frühsozialist sowie Begründer des Genossenschaftswesens, er arbeitete sich zum Besitzer in der Baumwollindustrie hoch, und schuf einen Betrieb mit menschenwürdigen Bedingungen für die Arbeiter und erregte damit internationales Aufsehen, er baute günstige würdige Mietwohnungen, verkürzte die Arbeitszeit, verbot Kinderarbeit bis 10 Jahre, baute eine Schule, gründete eine Kranken- und Rentenversicherung sowie Genossenschaften, sein Erfolg: motivierte Arbeiter, Produktivitätssteigerung und internationale Bekanntheit), die auch in der chartistischen Zeitung The Northern Star erschienen
  • 1844 begann er Artikel für die Deutsch-Französichen Jahrbücher zu schreiben, diese wurden von Karl Marx und Arnold Ruge herausgegeben wurden, in dieser Zeit entstand ein Briefwechsel mit Karl Marx
  • besuchte er Karl Marx in Paris, aufgrund der gedanklichen Kongruenz über den Kapitalismus entschieden sie sich für eine Zusammenarbeit
  • 1845 lud er Karl Marx zu sich nach England ein, wo sie bekannte Chartisten trafen
  • 1846 kamen sie nach Brüssel und gründeten dort das "Kommunistische Korrespondenz-Komitee", mit der Absicht eine europäische Plattform für führende Sozialisten zu schaffen
  • 1847 traten sie dem ehemals genannten Bund der Gerechten bei, dieser hat sich ihrem Gedankengut angenähert und nannte sich nun Bund der Kommunisten; Friedrich Engels und Karl Marx übernahmen das Schreiben des Programms: Das Kommunistische Manifest
  • während der Märzrevolution 1848/1849 schreiben beide für die von Karl Marx gegründete Zeitung
  • 1845 schrieb er nach seinem Aufenthalt in England über "Die Lage der arbeitenden Klasse in England"
  • 1849 tritt Engels in die badisch-pfälzisch Armee ein und kämpft als Adjutant Willichs im revolutionären Kampf
  • nach der Niederlage der Revolutionäre geht Engels nach England, dort arbeitet er im familiären Betrieb, den er schließlich erbt und an den Geschäftspartner Ermen verkauft, durch sein Vermögen konnte er auch Karl Marx unterstützen
  • seine militärischen Erfahrungen im Wehrdienst und im badisch-pfälzischen Aufstand machten ihn zum Militärexperten, so verfasste er mehrere militärische Schriften
  • die Regierung von Preußen forderte von England die Auslieferung beider
  • nach dem Tod von Karl Marx im Jahr 1883 hat er dessen Werk bearbeitet und herausgegeben
  • er starb am 5. August 1895 in London


seine Wirkung

  • Friedrich Engels war Unternehmer, Politiker, Philosoph und Militärhistoriker
  • er entwickelte mit Karl Marx die revolutionäre soziale Gesellschaftstheorie des Marxismus
  • er schrieb mit Karl Marx 1848 das Kommunistische Manifest
  • nach dem Tod von Marx gibt er den zweiten und dritten Band des Kapitals heraus
  • die gemeinsamen Thesen siehe unten


sein Werk

  • 1839 Briefe aus dem Wuppertal
  • 1840 Cola di Rienzi, (dramatischer Entwurf zu Cola di Rienzo)
  • 1844 Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie
  • 1845 Die Lage der arbeitenden Klasse in England
  • 1847 Der Status quo in Deutschland
  • 1847 Grundsätze des Kommunismus
  • 1850 Der deutsche Bauernkrieg
  • 1851/1852 Revolution und Konterrevolution in Deutschland
  • 1855 Die Armeen Europas
  • 1859 Po und Rhein
  • 1865 Die preußische Militärfrage und die deutsche Arbeiterpartei
  • 1866 Betrachtungen über den Krieg in Deutschland
  • 1868 Konspekt über "Das Kapital" (erster Band) von Karl Marx
  • 1870 Die Geschichte Irlands
  • 1872 Zur Wohnungsfrage
  • 1872 Von der Autorität
  • 1873-1886 Dialektik der Natur
  • 1876 Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen (in Dialektik der Natur
  • 1878 Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft
  • 1880 Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft
  • 1884 Ursprung der Familie, des Privateigentum und des Staates
  • 1885 Die Geschichte des Bundes der Kommunisten
  • 1886 Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie
  • 1887/1888 Die Rolle der Gewalt in der Geschichte
  • 1891 Zur Kritik des sozialdemokratischen Programmentwurfs
  • 1893 Kann Europa abrüsten?
  • 1894 Zur Geschichte des Urchristentums
  • 1895 Einleitung zu "Klassenkämpfe in Frankreich" Karl Marx

Werke von Karl Marx

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Das Kapital
  • 1844 Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie
  • 1845 Die heilige Familie (Kritik an der Philosophie Bruno Bauers)
  • 1845 Deutsche Ideologie
  • 1845 Thesen über Feuerbach
  • 1847 Misére de la philosophie (Reaktion auf Proudhons)
  • 1848 Discours sur la question du Libre Echange
  • 1848 Manifest der Kommunistischen Partei oder Das Kommunistische Manifest
  • 1849 Lohnarbeit und Kapital
  • 1850 Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848-50
  • 1852 Enthüllungen über den Kommunistenprozess zu Köln und Die großen Männer des Exils
  • 1852 Der 18. Brumaire des Louis Bonaparte
  • 1853 Die britische Herrschaft in Indien
  • 1853 Die ostindische Kompanie, ihre Geschichte und die Resultate ihres Wirkens
  • 1853 Lord Palmerston
  • 1853 Die künftigen Ergebnisse der britischen Herrschaft in Indien
  • 1854 Das revolutionäre Spanien
  • 1855 Lord John Russel
  • 1858 Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie
  • 1859 Zur Kritik der politischen Ökonomie
  • 1860 Herr Vogt
  • 1864 Inauguraladresse und Satuten der Internationalen Arbeiterassoziation
  • 1864 Lohn, Preis, Profit
  • 1867 Das Kapital
  • 1869 Konfidentielle Mitteilung über Bakunin
  • 1871 Der Bürgerkrieg in Frankreich
  • 1875 Kritik des Gothaer Programms (der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands)
  • 1881 Brief an Sassulitsch
  • 1883 Le programme du parti ouvrier


 
Das Kapital

Das Werk in Themen und Thesen

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Dialektische Methode

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  • Lenin meinte, man könne das Werk von Karl Marx nur verstehen, wenn man die Dialektik von Hegel kennt. Natürlich war das übertrieben, allerdings ist für das Verständnis von Marx die Dialektik Hegels sehr hilfreich.
  • Die Idee einer dialektischen Methode ist in der Philosophie schon sehr alt. Sie beruht auf dem Prinzip der Gegensätze. Während viele philosophische Ansätze sich an der Tatsache der Widersprüche stoßen und nicht weiter kommen, erkennt die Dialektik diese an und baut ihr System darauf auf.
  • Hegel ging davon aus, dass der historische Wandel für die Gegenwart sehr wichtig ist. Er löst Probleme im dialektischen Sinn und schafft damit die Essenz der Gegenwart.
  • Auch Marx sprach von Klassenkämpfen und Widerstreit des Kapitalismus, allerdings glaubte er nicht wie Hegel, dass diese im Kopf stattfinden würden, sondern in der Realität.
  • Marx glaubte nicht, dass ein Philosoph diese Problem am Schreibtisch lösen kann, sondern es ist ein sozialer Kampf um Leben und Tod in der Realität.
  • Genau hier wird Karl Marx relevant für die Soziologie, da er die Dialektik von der philosophischen Realität in die Realität sozialer Beziehungen in der materiellen Welt mitnimmt.
  • Ein dialektisches Beispiel von Marx: Im Kapitalismus sind Arbeiter und Kapitalisten ein dialektisches System. Die Kapitalisten besitzen die Fabriken und beuten die Arbeiter aus, damit sie Gewinn machen. Dies ist für Marx das Zentrum des Kapitalismus. Wenn sich nun der Kapitalismus noch mehr ausweitet, also sowohl die Zahl der Arbeiter als auch der Grad der Ausbeutung steigt, dann wird sozialer Wandel notwendig werden. Da hilft keine Philosophie. Es wird damit der Widerstand der Arbeiter zunehmen. Dieser Widerstand wird letztlich zu mehr Ausbeutung und Repression von Seiten der Kapitalisten führen und schließlich zu einer Konfrontation der beiden Klassen.
  • So entwickelte Marx eine dialektische Analyse.
  • In der dialektischen Analyse wird nicht zwischen persönlichen Werten und Forschung sozialer Tatsachen (hier nicht im Sinne von Durkheim) unterschieden. Auch wenn einige Soziologen dies fordern, scheint dies vielmehr praktische Realität zu sein.
  • Die dialektische Methode kennt keine einfache Einweg-Ursache-Wirkungs Beziehungen zwischen den verschiedenen Teilen der sozialen Welt, sondern es existieren vielmehr Wirkungsketten. Situationen schaukeln sich hoch bis sie eskalieren. Damit wird differenzierter analysiert als bei einfachen Ursache-Wirkungsforschern. Damit existieren reziproke Beziehungen für Dialektiker.
  • Wie bei Hegel auch ist für dialektische Soziologen die Vergangenheit wie Zunkunft für die momentane Entwicklung der sozialen Welt von besonderer Bedeutung. Das heißt, dass dialektische Soziologen ernsthaft die Vergangenheit studieren. Denn die Menschheit kann zwar ihre eigene Geschichte machen, aber sie tut dies in Umständen, die aus der Vergangenheit kommen. Außerdem denken Dialektiker, dass man Prognosen für die Zunkunft auf der Basis der gegenwärtigen Analyse ziehen kann.
  • Die dialektische Methode besagt aber nicht, dass die Zukunft von der Gegenwart bestimmt wird, also unvermeidlich ist. Soziale Phänomene basieren auf ständigem Agieren und Reagieren. So kann die Zukunft auf aktuellen Modellen basieren, muss es aber nicht.
  • So haben Akteure Wahlmöglichkeiten, diese sind aber begrenzt. Marx sagte deshalb, dass die Menschen die Wahl haben, entweder im Klassenkampf teilzunehmen oder den allgemeinen Ruin der streitenden Klassen zu fördern.
  • Marx differenziert hier und geht davon aus, dass es keine Unvermeidlichkeiten gibt. Wenn also einige "Marxisten" behaupten, dass Marx die soziale Realität nur mit These, Antithese und Synthese ausgedrückt hat, ist das eine große Vereinfachung seiner Theorie. Der dialektische Soziologe ist an realen Beziehungen mehr interessiert als an großen Abstraktionen.
  • Marx' Theorie stellt sämtliche Beziehungen zwischen Akteuren, Strukturen und der zeitlichen Dimension dar. So beeinflusst die gesellschaftliche Struktur der Vergangenheit die gegenwärtige, sowie die gegenwärtige die zukünftige und umgekehrt. Außerdem beeinflussen vergangene Strukturen die Akteure der Vergangenheit und Gegenwart; die momentane Struktur hat Wirkung auf die Akteure aller drei Zeiten und die die zukünftige Struktur hat Wirkung auf die Akteure der Gegenwart und Zunkunft. Akteure der Vergangenheit wirken auf die Struktur der Vergangenheit und Gegenwart ein, sowie auf gegenwärtig Akteure; Akteure der Gegenwart haben Wirkung auf die Struktur aller drei Zeiten und auch auf die Akteure der Vergangenheit und Zukunft. Parallel dazu wirken die Akteure der Zunkunft auf die Struktur von Gegenwart und Zukunft ein, sowie auf die Akteure der Gegenwart.
  • Diese großen Strukturen helfen also den Akteuren, sich selbst zu verwirklichen. Andererseits stellen sie aber für Marx eine große Bedrohung für die Menschheit dar.

Die menschliche Natur

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  • Für Marx war es wichtig, sich Gedanken über die menschliche Natur zu machen, damit man die soziale Realität versteht und eine Theorie über den Kapitalismus aufstellen kann.
  • Marx war überzeugt, dass es einen Widerspruch zwischen der Natur des Menschen und der Arbeitsweise im Kapitalismus gibt.
  • Die menschliche Natur ist mit den sozialen Beziehungen und dem institutionellen Kontext verflochten. Daher ist sie nicht statisch, sondern variiert historisch und sozial gesehen. Um also die menschliche Natur verstehen zu können, ist ein Verständnis der sozialen Geschichte notwendig.
  • Einige Marxisten zweifeln jedoch Weise an, dass Karl Marx überhaupt an die menschliche Natur geglaubt hat.


  • Marx definiert Arbeit als Prozess, in dem Mensch und Natur teilnimmt und in dem der Mensch aus eigenem Antrieb beginnt, die materiellen Reaktionen zwischen ihm und der Natur zu regulieren und kontrollieren. Indem der Mensch die externe Welt verändert, verändert er seine eigene Natur. Und dies ist nur dem Menschen zu eigen. Er vergleicht dies mit einer Spinne. Sie konstruiert ein Netz, ein Architekt konstruiert ein Haus, macht sich aber vorher in seiner Vorstellung Gedanken über das Projekt. Die Produktion spiegelt also den Zweck wider. Dies nennt Marx Objektivierung.
  • Arbeit ist materiell. Sie sichert menschliche materielle Bedürfnisse.
  • Arbeit ist die Veränderung der Natur und des Menschen.
  • Vergleich mit künstlerischer Tätigkeit. Ein Künstler hat gedankliche Vorstellungen, die er schließlich umsetzen und präsentieren möchte.
  • Die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse führt zu neuen Bedürfnissen. Der Mensch arbeitet als Antwort auf menschliche Bedürfnisse, die Arbeit verändert die Bedürfnisse, was zu neuen Formen produktiver Tätigkeit führen kann. Nach Marx ist genau diese Transformation der Motor der menschlichen Geschichte.
  • Für Marx ist die Arbeit die Entwicklung unserer wahren menschlichen Kräfte und Potentiale.
  • Arbeit ist auch eine soziale Tätigkeit. Es entstehen reziproke Netzwerke. Notwendige Werkzeuge und Rohstoffe werden ver- und angekauft.
  • Arbeit transformiert die Gesellschaft. Der Mensch ist ein zoon politikon. Er kann sich nur in einer Gesellschaft zum Individuum entwickeln.
  • Diese Transformation betrifft also auch das menschliche Bewusstsein.


Der Mehrwert

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  • Die Kapitalisten zahlen den Arbeitern weniger als den Wert, den diese produzieren und behalten sich den Rest.
  • Dies führt zum Konzept des Mehrwertes. Er definiert sich durch die Differenz zwischen dem Wert des Produktes wenn es verkauft wird und dem Wert aller Elemente, die zur Herstellung des Produkts nötig waren, einschließlich der menschlichen Arbeit.
  • Der Kapitalist kann diesen Gewinn für den eigenen Nutzen verwenden. Er wird ihn aber für weitere Investitionen nutzen, damit sich der Mehrwert vergrößert.
  • Der Mehrwert ist nicht nur ein wirtschaftlicher Faktor sondern auch ein sozialer. Die wahre Quelle des Mehrwertes ist für Marx nämlich die Arbeit der Lohnarbeiter (soweit diese "produktiv" beschäftigt sind). Marx ging davon aus, dass die Höhe des Mehrwertes den Grad der Ausbeutung anzeigt. Je höher dieser ist, desto größer ist auch die Ausbeutung der Arbeiter.
  • Marx vergleicht dies mit folgender Metapher: Kapital ist tote Arbeit, das wie ein Vampir nur leben kann, wenn es lebende Arbeit aussaugt. Je mehr es saugen kann, desto mehr lebt es.
  • Der Kapitalist existiert und kann nur existieren, wenn es viele davon gibt. Durch den Wettbewerb müssen sie immer mehr Gewinn machen und investieren, ansonsten sind sie aus dem Rennen. Das bedeutet, dass sie mehr ausbeuten müssen und das Gehalt der Arbeiter fast bis null drücken müssen.
  • Dieses Verlangen nach mehr Profit und größeren Mehrwert nennt Marx das allgemeine Gesetz der Anhäufung von Kapitalisten.
  • Allgemein gilt: Wert des Produktes = Wert Produktionsmittel + menschliche Arbeitskraft + Mehrwert


Entfremdung

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  • Marx glaubte an eine innere Verbindung zwischen Arbeit und menschlicher Natur. Der Kapitalismus hat diese Verbindung zerstört. Diese neue zerstörte Beziehung nennt Marx Entfremdung.
  • Er analysierte die besondere Form, die unter dem Kapitalismus entstand. So kann der Mensch nicht mehr die Arbeit als Ausdruck seines Zweckes betrachten. Es gibt keine Objektivierung mehr. Stattdessen arbeitet der Mensch nun zum Zwecke des Kapitalisten, der den Arbeiter einstellt und bezahlt. Der Sinn der Arbeit ist lediglich nur mehr ein Geldverdienen. Da die Arbeit nicht mehr dem Menschen Eigen ist, entsteht auch keine persönliche Transformation. Stattdessen ist der Mensch seiner Arbeit entfremdet worden und damit von seiner menschlichen Natur.
  • Marx nutzte diese Verfremdungstheorie, um die verheerende Wirkung der kapitalistischen Produktion auf die Menschen und Gesellschaft offenzulegen.
  • Das Zweiklassensystem besteht aus den Kapitalisten, die die Arbeiter einstellen, die Produktionsmittel besitzen und schließlich auch die Endprodukte. Um zu überleben sind die Arbeiter gezwungen, ihre Arbeitszeit zu verkaufen. Das ist die soziologische Basis der Verfremdung.
  • Die Menschen fühlen sich nur noch in ihren tierischen Funktionen, Essen, Trinken und Fortpflanzen, frei. Im menschlich wichtigen Prozess der Arbeit fühlen sie sich nur noch als Tiere.
  • Die Verfremdung äußert sich in vier Punkten: Zunächst entfremden sich die Arbeiter in kapitalistischen Gesellschaften von ihrer produktiven Aktivität. Sie produzieren nicht mehr nach ihren eigenen Ideen oder um ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Stattdessen arbeiten sie für die Kapitalisten, die die Produktion vorgeben. Durch die Spezialisierung verliert der Einzelne den Sinn des Gesamten. Die Tätigkeit ist auf eine langweilige Arbeit reduziert worden, und das nur um Geld zu verdienen. Zweitens haben sich die Arbeiter auch von ihren Produkten entfremdet. Das Produkt gehört nur dem Kapitalisten, der es gewinnbringend verkauft. Wenn die Arbeiter dieses Produkt haben wollen, müssen sie dieses wie andere auch erst kaufen, egal wie ihre Lage ist. Drittens sind sie von den Arbeitskollegen entfremdet. Im Kapitalismus werden natürliche Kooperationen gestört. Die Arbeiter sind sich oftmals fremd und die Technisierung isoliert die Leute. Sie werden auch zum Konkurrenzkampf untereinander herausgefordert. Bewusst lassen sie gegeneinander arbeiten und jene die am meisten produzieren, bekommen Prämien. Jene, die nicht mithalten konnten, wurden entlassen. So entsteht unter den Arbeitern eine gegenseitige Feindschaft. Schließlich werden die Arbeiter von ihrem menschlichen Potential entfremdet. Anstatt dass Arbeit eine Vollendung der menschlichen Natur wäre, fühlt sich der Mensch in der Arbeit am wenigsten als Mensch. Diese Misslage kann nur durch einen realen sozialen Wandel verändert werden.


Strukturen der kapitalistischen Gesellschaft

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Veränderungen in der Gesellschaft/ Sozialer Wandel

  • Das Europa zu Marxs Zeiten machte eine steigende Industrialisierung durch. Die Menschen mussten den Landwirtschaftssektor und das Handwerk verlassen und in Fabriken unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten.
  • Bis in die 1840er erfuhr Europa flächendeckend soziale Krisen. Dies führte zu einer Reihe von Revolutionen im Jahre 1848 (Märzrevolution). Das war kurz nach dem Erscheinen des Kommunistischen Manifests.
  • Marxs Analyse des Kapitalismus bezog sich auf die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungen, die er um sich herum sah.
  • Er fand heraus, dass das kapitalistische System die Hauptursache der Entfremdung war. Die Arbeiter wurden von den Kapitalisten ausgebeutet.
  • Der Kapitalismus ist mehr als nur ein wirtschaftliches System, es ist vielmehr auch ein politisches System und ein System von Kräfteverhältnissen.
  • Probleme in der Gesellschaft werden nun der "Wirtschaft" zugeschrieben. Sie werden nicht mehr als Folge sozialer und politischer Fehlentscheidungen gesehen.
  • Marx wollte genau diese sozialen und politischen Aspekte aufzeigen.

Das Kapital, Kapitalisten und Proletarier

  • Marx sah das Herzstück des Kapitalismus in der Massenware. Eine Gesellschaft, die bei Objekten dominiert wird, deren Hauptbedeutung der Umsatz ist, erzeugt gewisse Kategorien von Menschen. Die zwei Haupttypen sind das Proletariat und der Kapitalist.
  • Das Proletariat sind Arbeiter, die ihre Arbeitskraft vermieten und über die Produkte ihrer Arbeit nicht verfügen können. Sie besitzen keine Werkzeuge oder Fabriken, und nach Marx verlieren sie auch ihre Fähigkeiten, da sie ständig nur Maschinen bedienen müssen. Sie produzieren nur für den Umsatz und sind selbst Konsumenten. Sie kaufen diese Waren mit ihrem Lohneinkommen, deshalb sind sie vom Lohn abhängig und damit von denen, die den Lohn auszahlen.
  • Dies machen die Kapitalisten. Sie besitzen die Produktionsmittel.
  • Das Kapital ist Geld, das mehr Geld produziert. In anderen Worten: es wird Geld in Güter investiert, nicht um die menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen, sondern um das Geld zu vermehren.
  • Für Marx gibt es zweierlei Modelle von Warenzirkulation. Das erste Modell: Waren - Geld - Waren ist die nicht-kapitalistische Variante. Als Beispiel dafür dient der Fischer, er fängt seine Ware, verkauft sie und aus dem Geld kauft er sich Brot. Das zweite Modell: Geld - Waren - größere Summe von Geld. Dieses ist eigentümlich für den Kapitalismus.
  • Der kapitalistische Kreislauf hat nur den Zweck, das Geld zu vermehren. Es gilt "kaufen um zu verkaufen". Ein Geschäftsbesitzer kauft Fische und verkauft diese teurer. Schließlich kauft er ein Boot und die Ausrüstung und bezahlt jemanden, der fischen geht.
  • Kapital ist für Marx eine soziale Beziehung. Geld wird also nur zum Kapital, wenn es auf der einen Seite den Proletarier gibt, der die Ware produziert und auf der anderen Seiten den Kapitalisten, der das Geld investiert.
  • Es ist damit ein Kräfteverhältnis gegeben. Kapital kann nur durch die Ausbeutung der Arbeiter wachsen. Sie werden von einem System ausgebeutet, das sie ironischerweise selbst durch ihre Arbeit erschaffen.


Ausbeutung

  • Ausbeutung ist für Marx mehr als nur eine ungleiche Verteilung von Reichtum und Macht.
  • Ausbeutung ist ein notwendiger Bestandteil des kapitalistischen Systems.
  • Natürlich ist Ausbeutung in allen Gesellschaften vorhanden, aber im Kapitalismus entsteht sie durch das unpersönliche ökonomische System.
  • Die Arbeiter können nicht mehr für sich selbst produzieren. Sie sind auf die Beschäftigung durch die Kapitalisten angewiesen.
  • Der Kapitalismus schafft eine Reservearmee von Arbeitslosen. Wenn jemand nicht für den geringen Lohn arbeiten will, gibt es genug Ersatz aus der Reservearmee. Und die Kapitalisten zahlen den Arbeitern nicht den Gesamtwert der Produktion, sondern nur den Wert der Arbeitskraft, die wie eine Ware von den Lohnarbeitern verkauft wird.


Klassenkonflikt

  • Marx verwendete zwar den Begriff der Klasse sehr oft, definierte diesen aber nie ausdrücklich. Er benutzte ihn oftmals für eine Gruppe von Leuten, die in ähnlicher Lage bezüglich der Kontrolle über Produktionsmittel sind.
  • Marx sah aber auch in diesem Begriff das Potential für Konflikte. Individuen schließen sich zu einer Klasse zusammen, weil sie in einem gemeinsamen Konflikt mit anderen aufgrund des Mehrwertes sind.
  • Im Kapitalismus gibt es einen inneren Konflikt zwischen denen, die Lohnarbeiter einstellen, und jenen, deren Arbeit in einen Mehrwert umgewandelt wird. Dieser innere Konflikt schafft Klassen.
  • Für Marx existiert eine Klasse erst richtig, wenn sich die Menschen darin ihrer eigenen Situation bewusst werden, nämlich dass sie in einem Konflikt mit einer anderen Klasse stehen. Ohne dieses Bewusstsein ist es nur eine Klasse an sich. Wenn sie sich des Konfliktes bewusst werden, ist es eine Klasse für sich.
  • Marx fand zwei Klassen: Bourgeoisie und Proletariat. Die Bourgeoisie ist ein besonderer Name für die Kapitalisten in der modernen Wirtschaft. Sie besitzen die Produktionsmittel und beschäftigen Lohnarbeiter.
  • Der Klassenkonflikt kann nur durch die Veränderung der kapitalistischen Struktur gelöst werden.
  • Ausbeutung, Mechanisierung der Arbeit und Reservearmeen werden letztlich dazu führen, dass es nur einige wenige Kapitalisten gibt und eine große industrielle Reservearmee.
  • Der Kapitalismus wird schließlich jene Massen hervorrufen, die unter Missständen leiden und dadurch die Möglichkeit eines Widerstandes gegen das System wächst. Sodann werden gerade die internationalen Firmen zu einem translokalem Bewusstsein führen, das wahrscheinlich in einer Revolution enden wird.
  • Marx macht keine Individuen der Bourgeoisie verantwortlich, denn sie müssen laut der kapitalistischen Logik Mensch ausbeuten, da sie sonst keine Chance am Wettbewerb hätten. Er führt diese Lage auf die Logik des Systems zurück. Sie ist es auch, die den Untergang des Systems bringt. Der Kapitalismus zerstört sich also selbst.


Ideologien

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  • Ideologien sind für Marx Institutionen oder gängige Ideen, die den Wandel verhindern.
  • Marx präzisiert diesen Begriff niemals, aber er scheint ihn für Arten von Ideen zu verwenden. Erstens bezieht sich die Ideologie auf jene Ideen, die natürlicherweise aus dem kapitalistischen Alltag entstehen. Diese Ideen werden aber durch die Natur des Kapitalismus verändert. Für sie verwendet er den Begriff der camera obscura, die eine optische Eigenart anwendet, um ein reales aber umgedrehtes Bild zu erzeugen. Dieser Typ von Ideologie wird vom Geld repräsentiert. Obwohl man weiß, dass Geld nur ein Stück Papier ist, hat es eine enorme Bedeutung durch die sozialen Beziehungen. Es scheint das Geld gibt dem Menschen seine Bedeutung. Diese Ideologie ist anfällig für Brüche, denn menschliche Werte hängen nun einmal nicht an materiellen Verträgen. Zweitens bezieht sich Ideologie auf Regelsysteme, die versuchen, die Klassengegensätze, die das Herz des Kapitalismus sind, zu verstecken. Sie präsentieren ein Ideensystem, wie z.B. eine Religion, Philosophie, Literatur oder Gesetzeswerk, das die Gegensätze kohärent macht. Sie erklären solche Erfahrungen, die die Gegensätze aufdecken würden, meistens als persönliche Probleme. Oder sie präsentieren den kapitalistischen Gegensatz als wirklichen Gegensatz in der menschlichen Natur.
  • Der zweite Typ von Ideologie wird meist von der herrschenden Klasse verwendet. So kritisiert Marx den gutbürgerlichen Philosophen Hegel, dass er nur vortäuscht, dass die materiellen Gegensätze allein durch die Denkweise gelöst werden können. Aber auch das Proletariat kann solche Ideologien bilden. Menschen, die ihre Hoffnung auf einen sozialen Wandel aufgegeben haben, bedürfen solcher Ideologien.
  • Aber egal wer die Ideologien aufgestellt hat, sie begünstigen immer die herrschende Klasse durch das Verheimlichen der Gegensätze.

Religion

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  • Religion ist für Marx eine Ideologie. Sie ist Opium des Volkes.
  • Allerdings ist für ihn die religiöse Verzweiflung sowohl der Ausdruck echter Verzweiflung als auch der Protest gegen die echte Verzweiflung. Religion ist das Seufzen unterdrückter Kreaturen, das Herz einer herzlosen Welt, also das Opium der Menschen.
  • Religion reflektiert also eine Wahrheit, aber sie ist verdreht. Die Menschen können einfach nicht sehen, dass ihre Verzweiflung und Unterdrückung aus dem kapitalistischen System entsteht. Sie geben ihr einfach eine religiöse Form. Marx ist also nicht gegen die Religion, sondern gegen ein System, das religiöser Illusionen bedarf.
  • Diese religiöse Form ist anfällig für Brüche und deshalb ist es denkbar, dass sie Grundlage einer revolutionären Bewegung wird. Marx dachte, dass die Religion leicht die Ungerechtigkeit des Kapitalismus als Test für die Gewissenhaftigkeit nutzt und damit jeglichen revolutionären Wandel aufschiebt, bis in das Leben nach dem Tod. Damit wird der Schrei der Unterdrückten für weitere Unterdrückung genutzt.


Kommunismus

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  • Marx schrieb oft, dass Änderungen in der Produktionsweise unvermeidlich sind. Sein historischer Materialismus ist wahrscheinlich durch die Sehnsucht nach einer Vorhersagbarkeit von Trends erklärbar. Das Aufdecken dieser Trends soll jene Punkte aufdecken, wo eine politische Tätigkeit am effektivsten sein kann. So wird Marx seine Theorien in seinen politischen und ökonomischen Studien eingesetzt haben.
  • Wenn das Ziel von Marxs materieller Sichtweise der Geschichte das Vorhersagen solcher Aspekte war, dann ist aus seiner Sicht, was als nächstes Stadium kommt, sehr wichtig. Marx dachte, dass der Kapitalismus seine produktiven Kräfte so entwickelt hat, dass es Zeit für eine neue Produktionsweise würde. Diese nennt er Kommunismus. Er verweilte bei seiner Analyse vor allem bei solchen Konflikten seiner Gegenwart, die zu dieser neuen ökonomischen Form führen würden.
  • Obwohl ihm die zukünftige kommunistischen Gesellschaft sehr wichtig war, verwendete er nicht sehr viel Zeit damit, diese zu beschreiben. Er weigerte sich, ein Rezept für die Zukunft zu verfassen.
  • Die Zeit, in der Marx schrieb, war erfüllt von Diskussionen über Revolutionen und neuen Gesellschaftsformen, Kommunismus, Sozialismus, Anarchie und anderen. Marx aber intellektuell genug, um von solchen utopischen Zukunftsvisionen abstand zu nehmen.
  • Für ihn war es die wichtigste Aufgabe, die gegenwärtige kapitalistische Gesellschaft zu analysieren. Er glaubte daran, dass eine solche Kritik den Kapitalismus zerstören würde und die Bedingungen für eine neue sozialistische Welt schaffen würde.
  • Generell jedoch glaubte Marx, dass der Kommunismus mit sich bringen würde, dass er Entscheidungen darüber treffen wird, was produziert wird. (Weg also von der vergegenständlichten Wirtschaft, die im Interesse weniger Kapitalisten läuft.) Stattdessen werden soziale Entscheidungen getroffen, die es erlauben, dass die Bedürfnisse der Mehrheit endlich zählen.
  • Kommunismus im Sinne von Marx ist also eine klassenlose Gesellschaft. Durch die Zuspitzung der Gegensätze im Kapitalismus ist eine soziale Revolution entstanden. Anschließend findet eine Vergesellschaftung der Produktionsmittel statt. Eine erste Phase ist die Herrschaft des Proletariats. Danach wird der Staat als Instrument der Klassenherrschaft überflüssig werden und die zweite Phase beginnt. Sie ist gekennzeichnet als höchste Phase des Kommunismus mit dem Prinzip, dass jeder nach seinen Fähigkeiten tätig ist und jeder nach seinen Bedürfnissen lebt.
  • Grundsätzlich war Sozialismus und Kommunismus für Marx und Engels synonym.

Rezeption und Wirkung

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Kritik an Karl Marx

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  • Michail Bakunin: Kritik an Karl Marx wurde zu seinen Lebzeiten am radikalsten vom anarchistischen Revolutionär Michail Bakunin(1814-1876) geäußert. Während er Marxs Analyse des Kapitalismus bewunderte, missfielen ihm insbesondere die autoritären Züge seiner Lehre. Er ahnte bereits, dass das Konzept der "Diktatur des Proletariats" zu einer Diktatur über das Proletariat und zur Errichtung einer "roten Bürokratie" führen würde. Weiterhin war ihm Marxs theoretischer Absolutheitsanspruch zuwider sowie seine Ambitionen zur Kontrolle der Internationalen Arbeiter-Assoziation, in der auch er Mitglied war.
  • Industrielle Revolution: In Großbritannien brachte zwar die Industrielle Revolution umwälzende gesellschaftliche Veränderungen, da dies aber langsam in einem großen Zeitraum geschah, ist es fraglich, ob man noch von einer Revolution sprechen kann. Aus diesem Grund ist es besser von Industrialisierung zu sprechen. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden etwa die Hälfte der erzeugten Waren mit der Hand in Heim- und Hausgewerbe erzeugt und nicht in der Fabrik. So hat die Maschinisierung der Garnspinnerei gar zu einer Ausdehnung der Handweberei geführt, der Aufbau von Textilfabriken führte zum Wachstum der Herstellung von Kleidung in Heimarbeit und das Entstehen der Eisenindustrie führte zur Vervielfältigung handwerklicher Schneidwaren- und Nägelproduktion. Es lässt sich nicht behaupten, dass der Lebensstandard der Unterschichten in der Industrialisierungsphase zurückgegangen ist. Dazu ist es relevant, die Reallohnentwicklung oder den Durchschnittskonsum der Unterschichten dieser Zeit zu betrachten. Die sogenannten Lebensstandardoptimisten verwenden Einkommensdaten und stellen im Zeitraum von 1780 bis 1850 einen Reallohnanstieg von drei Viertel fest, was eine bedeutende Verbesserung des Lebensstandards dokumentiert. Die Lebensstandardpessimisten nehmen die Konsumdaten der Arbeiterschicht zu Hand. Die ökonometrische Abschätzung des Durchschnittseinkommens der Unterschicht mit Hilfe von Konsumdaten ergibt eine weitgehende Konstanz in diesem Zeitraum. Diese Diskrepanz kann damit erklärt werden, dass in diesem Zeitraum die Heimarbeiter überwiegen und deren Lohn nicht von den Statistiken erfasst wurde, jedoch ihr Konsum. Aus diesem Grund kann man ableiten, dass vor allem Fabriksarbeiter ihren Lebensstandard verbessern konnten, während Heimarbeiter zunehmend verelendeten. Ab 1850 fand unbestritten ein Anstieg des Lebensstandards statt. Bedenkt man, dass die Bevölkerung Großbritanniens zwischen 1750 und 1850 auf das Zweieinhalbfache anstieg, hat sich der Lebensstandard der Unterschichten offenbar nicht verschlechtert, sondern verharrte auf relativ hohem Niveau. Anders formuliert, es hat sich der Lebensstandard in der Industrialisierung nicht oder nur wenig verbessert, aber keinesfalls massiv verschlechtert.
  • Die Agrarrevolution: Die Agrarrevolution spielt eine bedeutende Rolle in der Industrialisierung. Das Gleichbleiben des Lebensstandards der Unterschichten war mit der Sicherung der Lebensmittelproduktion verbunden. Etwa Arnold Toynbee behauptet, dass die Industrielle Revolution ohne Agrarrevolution nicht möglich gewesen wäre, da man dann Nahrungsmittel importieren hätte müssen, sodann wären kaum noch Devisen für wirtschaftlich bedeutende Produkte, wie Baumwolle für die Baumwollindustrie, vorhanden gewesen. Dann wäre der Verlauf der Industrialisierung anders gekommen, da die von diesem Rohstoff abhängige Industrie niemals diese Bedeutung erlangt hätte, die sie damals einnahm. Ein weiterer Aspekt ist, dass die heimische britische Landwirtschaft sehr wichtige Rohstoffe lieferte, wie Wolle, Flachs, Stroh, Holz, Talg und Farben. Zudem stammte ein erheblicher Teil des investierten Kapitals aus der Landwirtschaft und diente beispielsweise zum Infrastrukturausbau. Im Verlauf der Industrialisierung erfolgte eine gewaltige Produktivitätssteigerung in der Landwirtschaft. Die absoluten Beschäftigungszahlen in der Landwirtschaft nahmen leicht zu in dieser Phase. Erstaunlich ist, dass das Land der ersten Industriellen Revolution weniger durch die Durchschnittsproduktivität des Gewerbes, sondern der Landwirtschaft, andere Länder überragte. Die kapitalistische Struktur scheint vor allem in der Landwirtschaft genutzt worden zu sein. Überflüssige Arbeitskräfte wurden wegrationalisiert, der Pächterbauer als Kapitalist setzte die Lohnarbeiter nur solange ein, wie ein Gewinn zu erwarten war. So stieg die Kapitalkraft der Landwirtschaft stark an, nicht benötigte Arbeitskräfte mussten in anderen Wirtschaftssektoren nach Arbeit suchen. Die sogenannten Landlords vergrößerten ihre Güter. Einstiges gemeinschaftliches Land wurde privatisiert, die enclosures. Da die Landlords auch die politische Macht inne hatten, wurden die enclosures gegen Willen der Landbevölkerung gesetzlich durchgedrückt. Die Landlords waren sehr an neuen Anbaumethoden interessiert, um die Produktivität zu steigern. (siehe oben- Kapitel Industrialisierung)
  • Industrialisierung in Deutschland: Deutlich zu bemerken ist, dass das Wirtschaftsleben zur Zeit des Wiener Kongresses und sogar noch 1830 in traditionellen Bahnen verlief. Man könnte sogar von einer Deindustrialisierung in dieser Zeit sprechen, auf jeden Fall von einer Stagnation der Industrialisierungstendenz. Moderne Fabrikindustrie fehlte noch und in traditionellen Gewerben war die internationale Konkurrenz zu hoch und ließ die Industrie schrumpfen. So kam es in Deutschland aufgrund des Bevölkerungswachstums und der damit verbundenen Arbeitskräftepotentialsteigerung dazu, dass die Bevölkerung zunehmend verelendete. Aus diesem Grund kann man nur hier am ehesten von einer Krisensituation sprechen. Die Ursache für den Entwicklungsrückstand lag im politisch und religiös gespaltenen Deutschen Bund, der aus vielen kleinen souveränen Staaten bestand. Erst 1834 wurde der Deutsche Zollverein gegründet. Erst der Bau der Eisenbahn in Deutschland war Anstoß der Industrialisierung und verband die Wirtschaftskraft.
  • Es gibt mehrere Probleme in Marx Theorien, die diskutiert werden müssen. Eines davon ist der aktuell existierende Kommunismus. Das Versagen kommunistischer Gesellschaften und ihr Wandel hin zu einer mehr kapitalistisch orientierten Wirtschaft, zwingt die Rolle der marxistischen Theorie in der Soziologie zu überdenken. Seine Ideen scheinen bereits versucht worden zu sein und versagt zu haben. Fast ein Drittel der Gesamtweltbevölkerung lebte schon einmal in Staaten, die von Marxs Ideen inspiriert waren. Jetzt sind viele dieser ehemaligen marxistischen Staaten kapitalistisch, und selbst solche, die immer noch behaupten marxistisch zu sein, sind nichts anderes als eine hochbürokratisierte Form des Kapitalismus. Gegen diese Kritik könnte man einwenden, dass diese Staaten niemals wirklich den marxistischen Ideen gefolgt sind und dass es unfair wäre, Marx für jeden Missstand der Theorie die Schuld zu geben. Jene aber, die solche Kritik einwenden, behaupten, dass Marx selbst insistiert hätte, dass seine Theorie nicht von der aktuell existierenden Praxis getrennt werden dürfe. Wenn der Marxismus niemals in der Praxis funktioniert, ist er für Marx wertlos. Es scheint klar zu sein, dass das Fehlen einer Theorie, die die Probleme der staatlichen Bürokratie abschätzt, zu den Fehlern des aktuell existierenden Kommunismus beigetragen hat. Hätte Marx eine solche komplette Theorie über staatliche Bürokratie geliefert, wäre zu erwarten, dass sie sich vor allem auf die Mängel des Kapitalismus beziehen würde.
  • Ein weiteres Problem wird oftmals als missing emancipatory subject bezeichnet. Es geht dabei um die Marxsche Idee, dass das Proletariat im Mittelpunkt des sozialen Wandels den Kommunismus herbeiführt. Tatsache ist aber, dass es kaum diese führende Position einnahm. Ja, es gehörte sogar zu den Gruppen, die sich am meisten gegen den Kommunismus stellten. Dies ist mit der Tatsache verbunden, dass Intellektuelle, wie zum Beispiel akademische Soziologen, in die Lücke des Proletariats gesprungen sind und den Klassenkampf durch intellektuelle Aktivität ersetzten. Zusätzlich hat sich die Enttäuschung der Intellektuellen über den proletarischen Konservatismus in eine Theorie gewandelt, die die Rolle der Ideologie viel mehr betont, als Marx es tat.

Internetquellen

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Wikiversity hat einen Kurs mit Übungen zu diesem Buch:


Podcast-Tipp

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Soziopod #018: Schlag zu mit Marx