Soziologische Klassiker/ Gehlen, Arnold

Grundstruktur des Kapitels:


Biographie in DatenBearbeiten

Arnold Gehlen


  • Eltern
    • Vater: Max Gehlen, Dr., Verleger
    • Mutter: Margarete Gehlen, geborene Ege
  • Ehe: 1937 Veronika Freiin von Wolff
  • Kinder: Caroline Gehlen


Biographie

  • 29.1.1904: Wurde in Leipzig geboren und besuchte dort das Thomas-Gymnasium. 1923 Abitur
  • 1923: War ein halbes Jahr als Buchhändler tätig.
  • 1924: Übte er den Berruf als Bankangestellter aus.
  • 1924-1927: Machte er das Studium der Philosophie, Germanistik, Psychologie und Kunstgeschichte an der Universität Leipzig und der Universität Köln.
  • 1927: Wurde er Dr. phil. an der Universität Leipzig;
  • 1930: Er habilitierte für Philosophie an der Universität Leipzig;
  • 1930-1934: Wurde er Privatdozent der Philosophie in Leipzig.
  • 1933: Eintritt in die NSDAP und wurde Mitglied des NS-Dozentenbunds.
  • 1933: Er übernahm die Lehrkanzel für Philosophie an der Universität Frankfurt am Main von Paul Tillich, aber nur vertretungsweise.
  • 1933-1934: Wurde er Assistent von Hans Freyer (1887-1969) am Institut für Kultur- und Universalgeschichte der Universität Leipzig.
  • 1934-1937: Er wurde Ordentlicher Professor der Philosophie an der Universität Leipzig.
  • 1938-1939: Wurde er auch Ordentlicher Professor der Philosophie an der Universität Königsberg.
  • 1940-1945: Er wurde dann Ordentlicher Professor der Philosophie an der Universität Wien und 1940-1941 Institutsvorstand in Vertretung von Gunther Ipsen (1899-1984). Von Oktober 1941 bis Mai 1942 unterbrach er seinen Beruf, da er zur Personalprüfstelle der Heerespsychologie nach Prag versetzt wurde. 1942 bis 1945 Leiter des Instituts für Philosophie. Gegen Kriegsende wurde er diesmal als Leutnant wieder einberufen, war aber schwer verletzt.
  • 1945: Nach dem Staatsbürgerschafts-Überleitungsgesetz wurde er als nicht-österreichischer Staatsbürger aus dem österreichischen Staatsdienst entlassen.
  • 1947: Gab es ein Untersuchungsverfahren gegen Arnold Gehlen im Zuge der Entnazifizierung.
  • 1947-1961: Wurde er Ordentlicher Professor der Soziologie und Psychologie an der neu gegründeten Akademie für Verwaltungswissenschaft in Speyer.
  • 1962-1969: Wurde er Ordentlicher Professor der Soziologie an der Technischen Hochschule Aachen.
  • 30.1.1976: Gestorben in Hamburg.

Historischer KontextBearbeiten

Gehlen lebte zur Zeit des zweiten Weltkriegs und wurde als Mitglied der NSDAP von diesem stark beeinflusst. Seine wichtigsten Werke verfasste er in der Nachkriegszeit.


Theoriegeschichtlicher KontextBearbeiten

Schelsky arbeitete ab 1945 kurze Zeit mit Gehlen zusammen. Die beiden exzerpierten viele kulturanthropologische Texte amerikanischer Militärliteratur. Interessant ist, dass nach der Exzerption beide ihre eigenen Ideen entwickelten, und Schelsky das Werk „Soziologie der Sexualität“ verfasste, während Gehlen „Urmensch und Spätkultur“ schrieb. Es ist auch noch wichtig, dass Schelsky Gehlen des Öfteren kritisierte, da er der Meinung war, dass die Institutionstheorie Gehlens zu starr sei. Dennoch knüpfte er an seine Werke an und hat ihm viel zu verdanken.

Die Ideen von Freyer über das Verhältnis von Mensch und Technik hat Gehlen übernommen, hat sie jedoch noch erweitert. Gehlen analysiert noch zusätzlich die Folgephänomene vom Verhältnis zwischen Mensch und Technik.

Gehlen beschäftigte sich mit den Ideen von Fichte und Hegel, welche als philosophische Idealisten angesehen werden. Erst ab 1936 widmete er sich der philosophischen Anthropologie. Zu dieser Zeit vertrat er aber ebenso bereits die Grundmotive seines Lebenswerkes.


WerkeBearbeiten

  • Die Seele im Technischen Zeitalter (Reinbek, 1957)
  • Urmensch und Spätkultur. Philosophische Ergebinsse und Aussagen (Wiesbaden, 1956)
  • Zeit-Bilder. Zur Soziologie und Ästhetik der modernen Malerei (Frankfurt a.M., 1960)
  • Studien zur Anthropologie und Soziologie (Neuwied/Berlin, 1963)
  • Moral und Hypermoral. Eine pluralistische Ethik (Wiesbaden, 1969)
  • Soziologie. Ein Lehr- und Handbuch zur modernen Gesellschaftskunde (Düsseldorf/Köln, 1955)


Das Werk in Themen und ThesenBearbeiten

Gehlen geht davon aus, dass Institutionen als Entlastungssysteme anzusehen sind. Er ist der Meinung, der Mensch brauche einen Instinktersatz, da ihm die Instinktsicherheit des Tieres fehlt. Durch die trotzdem vorhandene Abhängigkeit von der Umwelt ist er auf Entlastung durch Institutionen angewiesen und ständig damit beschäftigt, Natur in Kultur umzuwandeln. Dies ist für Gehlen die Definition des „Mängelwesens“.

Institutionen entstehen durch gleiche Handlungsmuster, welche mehrere Akteure ausführen. Er geht dabei davon aus, dass diese Handlungsmuster durch Glaubensinhalte entstehen, und nennt sie „imitatorische Riten“. Erwähnenswert ist auch, dass Gehlen die Sekundäreffekte von Handlungen und damit Institutionalisierung beobachtet. Er sieht Institutionen nicht als funktionalistisch an, sondern Institutionen entstehen im Prinzip aus den Sekundäreffekten. Unter Sekundäreffekten versteht man folgendes: Ein Individuum setzt sich ein Ziel und wählt die Mittel aus, mit denen es das Ziel erreicht. Mit der Zielerreichung werden jedoch auch andere „Nebeneffekte“ hervorgerufen, welche als Sekundäreffekte zu bezeichnen sind.


Rezeption und WirkungBearbeiten

Dieter Claessens, Jürgen Habermas und Niklas Luhmann griffen die Ideen von Gehlen auf und verwendeten diese für ihre eigenen Theorien. Auch eine Reihe von Soziologen der jüngeren Generation wurden von ihm beeinflusst.


LiteraturBearbeiten

  • Rehberg, Karl-Siegbert, Arnold, Gehlen, in: Kaesler, Dirk (Hrsg.), 1999: Klassiker der Soziologie Band 2: von Talcott Parsons bis Pierre Bourdieu.(Beck Verlag, München)