Soziologische Klassiker/ Douglas, Mary

Grundstruktur des Kapitels:


Biographie in DatenBearbeiten

Mary Douglas

  • geboren am 25. März 1921 in San Remo (Italien)


Eltern: Phyllis Margaret Twomey (1900 - 1933), Gilbert Charles Tew (1884 - 1951)

Geschwister: Pat Novy (1924)

Kinder: Janet (1951), James (1954) und Philipp (1956)


  • 1926 Besuch der Grundschule in Devon
  • 1933 Tod ihrer Mutter an Krebs und Versetzung in die „Sacred Heart Convent“ (=Klosterschule) in Roehampton
  • 1938 nach Abschluss der Klosterschule, 6-monatiger Aufenthalt in Paris (Besuch der Sorbonne und Erbwerb des „Diplôme de sivilisation francaise“)
  • 1939 – 43 Studium und Abschluss der Fächer Politik, Philosophie und Wirtschaft an der Universität Oxford, danach Beschäftigung in der Kolonialverwaltung in Burma bis 1947, dann Meldung als Student für Forschung
  • 1946 Beginn des Studiums am Oxford Institute of Social Anthropologie
  • 1949 Beginn der Feldforschung der Lele, im südlichen Belgisch-Kongo
  • 1951 Annahme eines Lehrstuhls für Anthropologie am University College London, Heirat mit James A. T. Douglas (geboren 1919), Kinder: Janet (1951), James (1954) und Philipp (1956)
  • 1953 Abschluss ihres Doktoratsstudiums
  • 1963 The Lele of Kasai
  • 1966 Purity and Danger
  • 1970 UCL, Innehabung eines persönlichen Sitzes
  • 1977 Abreise in die USA
  • 1977-81 Professorin der Grundlagenforschung von Cultural Studies am Russell Sage Institute in New York. (1978 The World of Goods, geschrieben mit Baron Isherwood)
  • 1981 Wechsel an die Northwestern University in Chicago als Professorin für Humanwissenschaften
  • 1982 Risk and Culture (geschrieben mit Aaron Wildavsky)
  • 1987 How Institutions Think, Essays: Risk and Blame, Rückkehr zu den Lele
  • 1993 In the Wilderness. A study of the book of Numbers
  • 1999 Leviticus. A Literature
  • 2004 Ableben ihres Mannes James
  • Professorin Dame Mary Douglas starb am 16. Mai 2007 im Alter von 86 Jahren.


Historischer KontextBearbeiten

Durch ihre Mutter und ihren Vater hatte die Anthropologin Mary Douglas (geborene Mary Margaret Tew) einerseits irische Vorfahren (christlich) und andererseits jüdische Einflüsse. Auf dem Weg zurück in ihre Heimat von Burma wurde Douglas im Urlaub ihrer Eltern in San Remo geboren. In England begann sie im Alter von 5 Jahren die Schule, aufgezogen von den pensionierten Großeltern in Totnes, Devon, während ihre Eltern in Burma waren. Mit 12 starb ihre Mutter an Krebs, Mary Douglas wurde in die Klosterschule „Sacred Heart Convent“ in Roehampton (Klosterschule)versetzt, welche auch schon ihre Mutter besuchte. Dort wurde sie von den Werten der Klosterschwestern geprägt, welche sie in vielen ihrer Werke über Institutionen, Regeln, Symbole und Hierarchie reflektierte. Nach der Klosterschule studierte sie an der Universität Oxford und schloss die Fächer Politik, Philosophie und Wirtschaft ab. Danach war sie in der Kolonialverwaltung in Burma bis 1947 beschäftigt, worauf sie sich als Student für Forschung im Oxford Institute of Social Anthropology (geleitet von E. E. Evans-Pritchard, ein Afrikanist, die beiden wurden später sogar Freunde) meldete und 1946 zu studieren begann. (Nur wenige Universitäten boten Anthropologie an, dieses Institut eignete sich als Übung, da Afrika zum Platz für Feldforschung wurde.)

1949 beginnt Mary Douglas mit der Feldforschung der Lele, im südlichen Belgisch-Kongo. 1951 nimmt sie einen Lehrstuhl für Anthropologie am University College London an, heiratet und schließt 1953 ihr Doktoratstudium ab.

1963 veröffentlicht sie ihr Buch The Lele of Kasai und 1987 kehrt sie nach Afrika zurück.

Douglas’ Buch Purity and Danger – An Analysis of the Concepts of Pollution and Taboo hinterließ einen großen Eindruck außerhalb der Anthropologie, es gab unzählige Editionen und wurde in mindestens 15 Sprachen übersetzt.

Über Natural Symbols gab es verschiedene Meinungen unter Anthropologen. Es schien, als hätte Douglas die Inhalte von Purity and Danger zu weit gesteckt, manche kritisierten die Abwehrhaltung gegenüber den katholischen Traditionen.

Douglas entwickelte sich in diesen Jahren mehr und mehr zu einer “Öffentlichkeitsperson”. Sie schrieb häufig für New Society (einer sozialwissenschaftlichen Wochenzeitung) und war zu Gast bei BBC Third Programme. Viele Interviews wurden von The Listener veröffentlicht.

1970 hatte sie einen persönlichen Sitz im UCL, als eine der sehr wenigen weiblichen Professorinnen in der Sozialwissenschaft in Großbritannien.

Als sie ihre Arbeit mit Afrika "abgeschlossen" hatte, weitete sich ihr Interesse auf die dort existierende westliche Gesellschaft aus, sie veröffentlichte auch dazu einige Werke.

Douglas argumentierte, dass die Änderungen des II. Vatikanischen Konzils die Massen zur Abstinenz brachten und dies die soziale Grenzen über den Katholizismus hinaus schwächen würde. Manche der Kritiker von Mary Douglas legten ihr diesebezüglich auch zu Lasten, dass sie ihre eigene Religion zu offen darlegen würde. Eine Kritik betitelte Natural Symbols als römisch-katholische Propaganda.

1977 ging Douglas, gelangweilt vom britischen Universitätsleben, weg in die USA.

Von 1977 bis 81 war sie als Professorin der Grundlagenforschung von Cultural Studies am Russell Sage Institute in New York tätigt und wechselte dann 1981 in die Northwestern University als Professorin der Humanwissenschaften.


In ihren späteren Jahren befasste sie sich mit dem Einfluss der Modernisierung auf Religionen. Im Speziellen auf das Christentum in den USA und den Islam im Nahen Osten. Sie beschäftigte sich mit dem Alten Testament, lernte Hebräisch und befasste sich mit dessen Traditionen. Es entstand In the Wilderness. A study of the book of Numbers (1993) und Leviticus, A Literature (1999)

Ab ihrem 80. Geburtstag unternahm sie trotz Krankheit weiterhin Reisen, verfasste wissenschaftliche Lektüre und bekam Auszeichnungen.

Professorin Dame Mary Douglas starb am 16. Mai 2007 im Alter von 86 Jahren. Sie wurde in die DBE „New Year’s Honours List“ aufgenommen.


Theoriegeschichtlicher KontextBearbeiten

Die Arbeit von Mary Douglas fusst vor allem auf dem von Emile Durkheim und ihrem Lehrer Edward E. Evans-Pritchard geprägtem Denken.


WerkeBearbeiten

Bücher:

1963 The Lele of the Kasai; Oxford University Press, London.

1966 Purity and Danger. An Analysis of Concepts of Pollution and Tabo; Routledge & Kegan Paul, London

1970 Natural Symbols. Explorations in Cosmology; 1973: überarbeitete Auflage; Barrie & Rockliff/Cresset Press, London

1978 The World of Goods. Towards an Anthropology of Consumption; mit Baron Isherwood; Basic Books, New York

1980 Evans-Prichar; Fontana Modern Master, Glasgow

1982 Risk and Culture: An Essay on the Selection of Technological and Environmental Danger; mit Aaron Wildavsk; University of California Press, London

1986 How Institutions Thin; Syracuse University Press, New York

1993 In the Wilderness: Doctrine of Defilement in the Book of Number; Sheffield Academic Press, Sheffield


Artikel:

1975 Implicit Meanings. Essays in Anthropolog; Routhledge & Kegan Paul, London

1982 In the Active Voic; Routhledge & Kegan Paul mit Russell Sage Foundation, London

1992 Risk and Blame: Essays in Cultural Theor; Routledge, London/New York

1992 Objects and Objection; Victoria Colleg; University of Toronto,Toronto

1996 Thought Styles, Critical Essays on Good Taste; Sage, London/New York

(1999 A study of the book of Numbers, und Leviticus; A Literature)


Das Werk in Themen und ThesenBearbeiten

Erforschung der Lele:


Purity and Danger – An Analysis of the Concepts of Pollution and Taboo, bezieht sich auf die Deutlichkeit der Grenzen von „Einheiten“, zu denen die Menschen gehören. (Beispiele aus Douglas’ jüdisch-christlichen Vergangenheit und zeitgenössischen Werke zur außereuropäischen Stammesgesellschaften) Das Buch ist eine wichtige Publikation der neueren Religionssoziologie und Ethnologie. Es befasst sich mit Schmutz, Reinheitsritualen und Tabuvorstellungen von Völkern, die der modernen Welt- und Lebensauffassung fremd zu sein scheinen.

Douglas beschreibt, wie eine neue, positive Ordnung entstehen kann, indem man seine Umgebung den eigenen Vorstellungen anpasst. Darin ist auch der Grundgedanke jener Maßnahmen enthalten, wie es möglich wird soziale Umgebung zu organisieren und auf einheitliche, geordnete Erfahrungen zu gründen.


Natural Symbols. Explorations in Cosmology befasst sich mit der Strenge der Regeln, die das Verhältnis der Individuen zueinander klären und damit, dass man den Begriff „Ritual“ nicht auf eine entfremdende Routinehandlung reduzieren darf. Mary Douglas versteht unter rituellem Verhalten in erster Linie eine Form der Kommunikation.

„Nur mit Hilfe von Symbolen ist Kommunikation überhaupt möglich, nur durch sie können Werte zum Ausdruck gebracht werden; sie sind die Hauptinstrumente unseres Denkens und die einzige Regulative unserer Erfahrung. Wenn überhaupt Kommunikation stattfinden soll, müssen strukturierte Symbole zur Verfügung stehen […].“ Mary Douglas

Obwohl die hierarchische Gesellschaft von starker struktureller Selektion auf „Gruppen“ und „Raster“ (grid and group) geprägt ist, wirkt sich die Schwäche des Individuums auf die Gesamtheit der Gemeinschaft aus. Die Einführung des Begriffes der „group“ and „grid“ Werkzeuge der Analyse sind Charakteristika ihrer späteren Arbeit.


Purity and Danger: befasst sich mit dem Verhältnis von Verschmutzung, Heiligkeit, Unreinheit und Hygiene. Über das Werk Natural Symbols gab es verschiedene Meinungen unter den Anthropologen. Es schien, als wurden die Inhalte von Purity and Danger zu weit gefasst, manche mochten die Abwehrhaltung gegenüber katholischen Traditionen nicht.


Rezeption und WirkungBearbeiten

Hinsichtlich der Arbeiten von Mary Douglas scheiden sich die Geister. Oftmals wurde ihr Sturheit in ihrern Schlussfolgerungen vorgehalten, dennoch fanden viele ihrer Ideen und Perspektiven Eingang in die Lehre. Sie selbst dürfte sich als Außenseiterin betrachtet haben, wobei sie in der zentralen Tradition von Durkheim, einem renommierten französischen Soziologen stand. In der Nachfolge Durkheims warf Douglas ein kritisches Augenmerk auf die von Max Weber und Karl Marx vertretenen Ansichten.


LiteraturBearbeiten

  • Douglas, Mary (1986):
    "Ritual, Tabu und Körpersymbolik"
    Frankfurt am Main
  • Douglas, Mary (1988):
    "Reinheit und Gefährdung. Eine Studie zu Vorstellungen von Verunreinigung und Tabu"
    Frankfurt am Main
  • Fardon, Richard (1999):
    "Mary Douglas: an intellectual biography"
    London


InternetquellenBearbeiten