Portugal: Ritterorden von Avis

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Ritterorden von Aviz bzw. auch Avis (Ordem Militar de São Bento de Aviz),

Das Symbol des Ordens war traditionell ein grünes Kreuz oft mit lilienförmigen Enden dargestellt.

Mit der Geschichte dieses Ordens sind eine ganze Reihe von Legenden verbunden, die häufig belegen sollen, dass die Geschichte der portugiesischen Aviz-Ritter älter als die des kastilischen Calatrava-Ritterordens sei, aus dessen Gemeinschaft sie sich Ende des 14. Jahrhunderts lösten.

Als weitgehend gesichert gilt, das der portugiesische Ritterorden von Aviz ursprünglich aus einer 1162 in Coimbra gegründeten Bruderschaft von Rittern (confraria de cavaleiros) zur Bekämpfung der Mauren hervorging. Der König beauftragte die Ritter der Bruderschaft, die 1159 von den Mauren eroberte Stadt Évora gegen deren Gegenangriffe zu verteidigen.

Nach 1166 wurde die Bruderschaft durch den portugiesischen König Alfons I. (Dom Afonso I Henriques) in einen geistlichen Ritterorden umgewandelt und nach ihrem Sitz anfangs als Orden von Évora bezeichnet. Ihr erster Meister in Portugal war zwischen 1175 und 1195 der Militärbefehlshaber von Lissabon und der Estremadura Gonçalo Viegas de Lanhoso.

Um das Jahr 1187 übernahmen die Ordensoberen die Regel der Ordensritter von Calatrava. Fortan wurden sie als Miliz von Évora der Calatravaritter (Milícia de Évora da Ordem de Calatrava) betrachtet, d.h. als portugiesischer Zweig dieses kastilischen Ordens. Die Ordensritter gelobten Armut, Keuschheit und Gehorsam sowie den Kampf gegen die Mauren zu führen. Neben den Ordensrittern gab es, wie in anderen Orden auch, die große Gruppe der Laienbrüder, die diesen strengen Regeln nicht bzw. nicht in vollem Umfang unterworfen waren.

Erst Alfons II. übergab den Rittern unter ihrem Meister Fernando Annes 1211 Festung und Stadt Aviz. Der Orden befestigte die Stadt, bauten die Festung aus und errichtete hier sein Konventsgebäude. 1223 und 1224 übersiedelte die gesamte Miliz von Évora unter ihrem Meister Fernão Rodrigues Monteiro nach Aviz und wurde seit dieser Zeit als Orden von Aviz bekannt. 1248 zeichneten sich die Avis-Ritter unter ihrem Meister Martím Fernandes bei der von Ferdinand dem Heiligen geführten Belagerung und Eroberung der andalusischen Stadt Sevilla aus, die Ferdinand dann in sein Königreich Kastilien eingliederte.

Obwohl der Aviz-Orden formell dem Großmeister der kastilischen Calatrava-Ritter unterstand, der u.a. auch die Wahl des Meisters der Miliz von Évora bestätigen musste, hatte der Aviz-Orden seit seiner Gründung eine eindeutige „national-portugiesische“ Komponente und einen stark autonomen Charakter. Politisch waren die Avis-Ritter von Anfang an dem portugiesischen König, der ihnen umfangreiche Landschenkungen machte, verpflichtet und von diesem abhängig.

Neben anderen Orden waren die Aviz-Ritter ein wichtiger militärischer und wirtschaftlicher Träger der portugiesischen Reconquista. Nachdem diese mit der Eroberung der Algarve Mitte des 13. Jahrhunderts zu ihrem Abschluß kam, wurde die Abhängigkeit der Aviz-Ritter vom Calatrava-Orden zu einer wachsenden Gefahr für die portugiesischen Könige in ihrer latenten Rivalität mit Kastilien. Das portugiesische Königshaus begann daher, die in Portugal begüterten Ritterorden dem kastilischen Einfluß zu entziehen und mit dem Christusorden, in den der aufgelöste Templerorden aufging, unter Billigung des Papsttums einen nationalen Ritterorden für die Fortführung der Reconquista in Nordafrika zu schaffen.

Besonders seit der 1363 zum Meister der Aviz-Ritter ernannte Prinz Johann von Avis ab 1385 gegen den ausdrücklichen Widerstand Kastiliens als Johann I. König von Portugal wurde, erfolgten diese Auseinandersetzungen auch im Aviz-Orden. 1387 wählten die Aviz-Ritter Fernando Rodrigues de Sequeira als ihren Meister, ohne die Zustimmung des Großmeisters des Calatrava-Ordens einzuholen. 1389 bestätigte Papst Bonifatius IX. diese Wahl. Damit hatten sich die Ritter von Aviz endgültig aus dem Verbund mit dem Orden von Calatrava gelöst. 1434 übernimmt der Infante Ferdinand der Heilige das Amt des Großmeisters, welches von da an immer in den Reihen des portugiesischen Königshauses verblieb. Erst 1440 wurde die Unabhängigkeit der Aviz-Ritter durch Kastilien endgültig anerkannt. Nach dem Tod des Infanten Ferdinand in der Gefangenschaft der Mauren am 5. Juni 1443 wird 1444 Peter von Aragon, der 15-jährige Sohn des Infanten und Regenten Portugals Peter von Portugal, zum Großmeister der Aviz-Ritter ernannt.

1789 säkularisierte Königin Maria I., wie alle Orden, auch den Orden der Aviz-Ritter. 1894 wurde ein militärischer Verdienstorden für Angehörige der Streitkräfte u.a. bewaffneter Kräfte des Landes mit drei Klassen gebildet.

Seit der Reform von 1986 steht der portugiesische Präsident als Großmeister an der Spitze des Ordens, der nur für militärische Verdienste in fünf Klassen an in- und ausländische Militärs verliehen werden kann.

Brasilianischer Orden

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Der brasilianische Orden entsprach ursprünglich dem portugiesischen Avizorden, der durch Gesetz vom 20. Oktober 1823 auch für Brasilien als politischer und nichtmilitärischer Orden eingerichtet und am 9. September 1843 genauer bestimmt wurde. Die Rangstufen und die Abzeichen blieben dieselben, nur war das grüne Band rot besäumt.