Das polnische Alphabet

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Das polnische Alphabet beruht auf dem lateinischen, hat aber 32 Buchstaben. Neben einigen im Polnischen nicht benutzten Buchstaben (Q, V, X) beinhaltet es einige nur im Polnischen gebräuchliche.
Das vollständige moderne polnische Alphabet lautet:

Aa Ąą Bb Cc Ćć Dd Ee Ęę Ff Gg Hh Ii Jj Kk Ll Łł Mm Nn Ńń Oo Óó Pp Rr Ss Śś Tt Uu Ww Yy Zz Źź Żż


Der kleine Strich bei ą und ę wird Ogonek (poln. Schwänzchen) genannt.


Neben den einfachen Buchstaben enthält die polnische Sprache auch einige Digraphen (zwei Buchstaben für einen Laut):

ch, cz, dz, dź, dż, rz, sz

Die drei Buchstaben Q, V und X werden nicht als Teil des polnischen Alphabets angesehen, da sie nur als Abkürzung (z.B. V für dt. Volt/ poln. wolt) oder in einigen wenigen (meist veralteten) Fremdwörtern vorkommen, wobei sie hierbei fast immer durch kw, w und ks ersetzt werden. So ist aber sowohl die Schreibweise „quiz“ als auch die Schreibweise „kwiz“ korrekt.


Betonung

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Anders als im Deutschen fällt die Betonung im Polnischen in (fast) allen Fällen auf die vorletzte Silbe.

Ausnahmen, die auf der drittletzten Silbe betont werden, sind:

  • Fremdwörter griechischen Ursprungs auf -ika und -yka (fizyka [ˈfʲizɨka])
  • Verben im Präteritum mit angehängten -śmy und -ście (pytaliście [pɨˈtalʲiɕʨɛ] anstatt [pɨtaˈlʲiɕʨɛ])
  • Verben im Konditional mit angehängten -bym, -byś, -by (robiłbym [ˈrɔbʲiwbɨm] anstatt [rɔˈbʲiwbɨm])
  • Zahlwörter (czterysta [ˈʧtɛrɨsta] anstatt [ʧtɛˈrɨsta])
  • Zahlwörter mit angehängtem -kroć (tysiąckroć [ˈtɨɕɔnʦkrɔʨ] anstatt [tɨˈɕɔnʦkrɔʨ])

Ausnahmen, die auf der viertletzten Silbe betont werden, sind:

  • Verben im Konditional mit angehängten -byśmy und -byście (pisalibyśmy [pʲiˈsalʲibɨɕmɨ] anstatt [pʲisalʲiˈbɨɕmɨ])
  • Verben im Präteritum mit angehängten -żeśmy und -żeście (spytaliżeście [spɨˈtalʲiʒɛɕʨɛ] anstatt [spɨtalʲiˈʒɛɕʨɛ])

Aussprache

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Beachte, dass die Länge der Vokale (Selbstlaute) im Polnischen, anders als im Deutschen, nicht sinnunterscheidend ist (z.B. Schall und Schal). Sie werden in der Regel kurz ausgesprochen.

Buchstabe IPA, Hörbeispiel deutsche Entsprechung
a [a],   (info) Hand, Mann
e [ɛ],   (info) Hände, ändern
i [i],   (info) Idiot
o [ɔ],   (info) offen, Ordnung
ó [u],   (info) wie in gut, Mut aber kurz
u [u],   (info)
y [ɨ],   (info) ähnelt hin, Kind

Beim Buchstabieren werden a, e, i und o auch als solche bezeichnet.
Da aber die Buchstaben ó und u beide wie [u] ausgesprochen werden, bezeichnet man das ó als „u zamknięte“ [u zamˈkɲɛntɛ] (geschlossenes U) und das u als „u otwarte“ [u ɔtˈvartɛ] (offenes U). Weitere Bezeichnungen für das ó sind „o kreskowane“ [ɔ krɛskɔˈvanɛ] (bestrichenes O) und „o z kreską“ [ɔ s‿ˈkrɛskɔ̃] (O mit Strich). Ob ein Wort mit ó oder u geschrieben wird, ist nur etymologisch (aus der Entwicklungsgeschichte des Wortes) zu erklären. Daher stellt dies eine typische Fehlerquelle im Polnischen dar.
Der Buchstabe y kann sowohl als „igrek“ [ˈigrɛk] (aus dem Französischen i grec, dt. griechisches I) als auch als „ipsylon“ [ˈipsɨlɔn] bezeichnet werden, wobei die erste Variante weiter verbreitet ist. Als einziger Vokal kann y nicht am Wortanfang stehen.

„einfache“ Konsonanten

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Hier werden zuerst die Konsonanten (Mitlaute) vorgestellt, die wie im Deutschen ausgesprochen werden. (gelb: stimmhaft; grün: stimmlos; rosa: Halbvokal; grau: anderes)

Buchstabe IPA, Hörbeispiel deutsche Entsprechung
b [b],   (info)} Ball
[p],   (info)} ab
p [p],   (info)} Pappe
d [d],   (info)} Dach
[t],   (info)} Hund
t [t],   (info)} Tisch
g [g],   (info)} gut
[k],   (info)} Sog
k [k],   (info)} Kind
w [v],   (info)} Waage, Vase
[f],   (info)} Lauf
f [f],   (info)} Frau
j [j],   (info)} Jäger
l [l],   (info)} Liebe
m [m],   (info)} Maus
n [n],   (info)} Nase

Die stimmhaften Konsonanten b, d, g und w werden stimmlos, d.h. als p, t, k, und f ausgesprochen, wenn sie am Wortende stehen oder auf stimmlose Konsonanten treffen:   (info) [ˈkafka]

1. Lese- und Ausspracheübung

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ptak, okno, matka, ból, jeden,
mewa, mój, lew, bóg, gdy,
twój, ty, wtedy, lodówka


Das ł ist im heutigen Polnisch, wie das j, ein Halbvokal. Dieser Laut kommt nicht im Deutschen vor.

Buchstabe IPA, Hörbeispiel englische Entsprechung
ł [w],   (info)   (info),   (info),   (info)

2. Lese- und Ausspracheübung

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ładny, łapówka, łaska, ławka
Unterscheide: łódka und wódka


Auch das ń kommt nicht im deutschen Alphabet vor und der Laut, für den es steht, lässt sich im Deutschen nur in französischen Fremdwörtern finden.

Buchstabe IPA, Hörbeispiel deutsche/französische Entsprechung
ń [ɲ],   (info) Champignon

Das ń ist der einzige Konsonant, der nie am Wortanfang steht. Daher ist der Großbuchstabe Ń nur dann anzutreffen, wenn das gesamt Wort in Großbuchstaben geschrieben ist: KOŃ.

H/h und Ch/ch

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Wie ó und u werden auch h und ch gleich ausgesprochen. Die Schreibung ist auch hier nur sprachgeschichtlich zu erklären.

Buchstabe IPA, Hörbeispiel deutsche Entsprechung
ch [x],   (info)} Dach, lachen, Macht
h [x],   (info)

3. Lese- und Ausspracheübung

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państwo, dach, hala, wapń, hełm, bańka


Das r ist der erste Konsonant, der für eine Person schwierig auszusprechen ist, die nicht mit dem süddeutschen Sprachraum vertraut ist und die weder Spanisch, Italienisch noch eine andere slawische Sprache spricht. Das r wird nämlich wie z.B. im fränkischen Dialekt „gerollt“.

Buchstabe IPA, Hörbeispiel anderssprachige Entsprechung
r [r],   (info) span.   (info), ital.   (info), russ.   Datei:File:Ru-рак.ogg (info)

4. Lese- und Ausspracheübung

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rum, ryba, rachunek, reklama,
teren, trawa, prawda, dobry


„Zischlaute“

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Die wahrscheinlich größte Schwierigkeit in der polnischen Aussprache stellen die 12 Zischlaute dar, die teilweise in der deutschen Sprache nicht vorkommen, und zusätzlich aneinandergereiht werden können. Dies erschwert die Artikulation für ungeübte Sprecher noch einmal. Die 12 Zischlaute werden im Polnischen zum einen durch einzelne Buchstaben, zum anderen durch Digraphen (Doppelzeichen) dargestellt.

Buchstabe IPA, Hörbeispiel deutsche Entsprechung
z [z],   (info) sagen, Sieg, Rasen
[s],   (info)} lassen, beißen, Reis
s [s],   (info)
dz [ʣ],   (info) d und stimmhaftes dt. s gleichzeitig
[ʦ],   (info) zaubern, Ziel, zeigen
c [ʦ],   (info)
ż [ʒ],   (info) Garage, Journalist
[ʃ],   (info) Schule, schlafen, Groschen
rz* [ʒ],   (info) Garage, Journalist
[ʃ],   (info) Schule, schlafen, Groschen
sz [ʃ],   (info)
[ʤ],   (info) Dschungel
[ʧ] Matsch, Latsche, Tollpatsch
cz [ʧ],   (info)
ź [ʑ],   (info) (Laut zwischen poln. z und j)
[ɕ],   (info) ähnlich wie ich, dich
ś [ɕ],   (info)
[ʥ],   (info) (Laut zwischen poln. dz und j)
[ʨ],   (info) ähnlich wie Entchen
ć [ʨ],   (info)

Wie b, d, g und w werden auch die stimmhaften „Zischlaute“ stimmlos ausgesprochen, wenn sie am Wortende stehen oder auf stimmlose Konsonanten treffen.
Wie bei ó/u und ch/h ist auch die Schreibung von rz und ż nur sprachgeschichtlich zu erklären.
Beachte, dass die deutschen Di- und Trigraphen getrennt gesprochen werden: sp als [sp], st als [st], sch als [sx] und nicht als [ʃp], [ʃt] und [ʃ].
* Es gibt einige wenige Fälle, in denen der Digraph rz getrennt gesprochen wird:   (info) [zaˈmarzaʨ].

5. Lese- und Ausspracheübung

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sklep, samochód, smutek, spać, stróż,
styczeń, soczewica, sześć, szczupak, ćma,
czapka, cztery, bardzo, przykład, zły,
aferzysta, jutrzejszy, rzucać, znaczyć, źdźbło,
środa, żużlowy, żona, życzyć


Konsonanten und „i“

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Treffen im Polnischen Konsonanten auf den Vokal i, so tritt ein Effekt auf, der im Deutschen nicht vorhanden ist. Die Konsonanten werden nämlich weich gesprochen, d.h. mit einem kurzen angehängten „j-Laut“ oder besitzen eine eigene Form. Nur das i reicht aus, um diesen Effekt auszulösen, z.B. mi [mʲi]. Hierbei ist der j-Laut meistens nicht mehr deutlich zu hören. Folgt aber ein weiterer Vokal (a, e, o, ó, u) auf das i, so ist dieser Laut klar zu hören. Daher wird in der folgenden Tabelle diese erweiterte Form aufgeführt.

Buchstabe IPA, Hörbeispiel Anmerkungen
bia [bʲa],   (info)
pia [pʲa],   (info)
gie [ɟɛ],   (info)
kie [],   (info)
wia [wʲa],   (info)
fia [fʲa],   (info)
dia [dʲa],   (info) bei Wörtern „polnischen“ Ursprungs zu dź/dzi entwickelt
dzia [ʥa]   (info) entspricht lautlich + Vokal
tia [tʲa],   (info) bei Wörtern „polnischen“ Ursprungs zu ć/ci entwickelt
cia [ʨa],   (info) entspricht lautlich ć + Vokal
zie [ʑɛ],   (info) entspricht lautlich ź + Vokal
sia [ɕa],   (info) entspricht lautlich ś + Vokal
chi [çi],   (info)
hi [çi],   (info)
lia [lʲa],   (info)
mia [mʲa],   (info)
nia [ɲa],   (info) entspricht lautlich ń + Vokal
ria [rʲa],   (info)

Für die Laute [ʨ], [ɕ], [ʑ], [ʥ] und [ɲ] gilt, dass sie vor Konsonanten und am Wortende als ć, ś, ź, und ń geschrieben werden, vor Vokalen als ci, si, zi, dzi und ni.
Beachte, dass weiche Konsonanten nie vor y stehen können und harte fast nie vor i. (Ausnahmen sind Fremdwörter: z.B. dżinsy [ˈʤinsɨ] = Jeans)

6. Lese- und Aussprachübung

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silnik, widzieć, wiedzieć, wiśnia, trzydzieści,
śmierdzieć, ścieżka, łacina, śnić, dziedzina,
kwiecień, dźwigać, gość, kiedy, kieszonkowiec,
odpowiedź, płacić


Nasalvokale

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Genauso wie bei den polnischen Vokalen ist auch die Länge der Nasalvokale nicht sinnunterscheidend. Auch sie werden in der Regel kurz ausgesprochen.
Die Aussprache hängt aber stark davon ab, welche Konsonanten/Laute ihnen folgen.

Buchstabe folgende Konsonant IPA, Hörbeispiel deutsche Entsprechung
ą f, w, h, ch, s, z, sz, ż, rz,
ś, ź, Wortende
[ɔ̃],   (info) Balkon (französische Aussprache)
b, p [ɔm],   (info) kommen
g, k [ɔŋ],   (info) Onkel
c, dz, d, t, cz, dż [ɔn],   (info) Sonne
ć, dź [ɔɲ], bą Kognak, (franz.   (info))
ę f, w, h, ch, s, z, sz, ż, rz,
ś, ź
[ɛ̃],   (info) Cousin (französische Aussprache)
b, p [ɛm], gęba Hemd
g, k [ɛŋ],   (info) Enge
c, dz, d, t, cz, dż [ɛn],   (info) wenn
ć, dź [ɛɲ], będzie franz. (  (info))
Wortende [ɛ],   (info) Hände, ändern

Zwar handelt es sich bei ę um ein nasales e, bei ą aber um ein nasales o.

7. Lese- und Ausspracheübung

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książka, mężczyzna, chrząszcz, miesiąc, częsty,
księżyc, ręka, porządek, wyglądać,
Unterscheide: część und cześć; pieniądz und pieniądze


Stimmhaftwerdung

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Es gibt auch einige Fälle, in denen stimmlose Konsonanten stimmhaft werden. Dies geschieht, wenn ihnen ein stimmhafter Konsonant folgt:
z.B.   (info) [ˈjagbɨ],   (info) [ˈtagʒɛ],   (info) [ˈlʲiʤba]ˌ niechby [ˈɲɛɣbɨ]ˌ usw.

Umgekehrt gibt es aber auch die sogenannte progressive Kontaktassmilation. Dabei bestimmt der vorangehende Konsonant die Stimmhaftigkeit des nachfolgenden: In den Beispielen Przed (vor) und Trzy (drei) verliert rz die Stimmhaftigkeit