OpenRewi/ Gendern in der Dissertation

Gendern in der Dissertation
Ein Leitfaden für gender- und diskriminierungssensibilisierte Sprache


Team: Nora Radia Aberkane, Anne Dewey, Carolin Heinzel, Caroline Lasserre, Katharina Longin, Annalena Mayr, Jacqueline Melzer, Anna Menzel, Rhea Nachtigall, Sophie Oerke, Cathleen Rabe-Rosendahl, Marie-Louise Reuter, Nele Runkowski, Clara Witaszak, Vanessa von Wulfen

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Vorwort Bearbeiten

„Gendern“ oder auch gendersensibilisierte Sprache ist gegenwärtig im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Es beschäftigt eine Vielzahl von Menschen, insbesondere im akademischen Bereich von der studierenden bis zur dozierenden Person.

Über dieses Thema wird viel diskutiert und gestritten. Es besteht nicht nur Uneinigkeit hinsichtlich der „besten“ Methode gendersensibilisierter Sprache (Spoiler: die gibt es nicht), sondern auch grundsätzlich darüber, „ob“ gegendert werden sollte.

Wir - 15 Autor*innen - kennen die Debatten um gendersensibilisierte Sprache gut. Wir sind allesamt Rechtswissenschaftler*innen und insbesondere die Rechtswissenschaft scheint in weiten Teilen der gendersensibilisierten Sprache noch skeptisch gegenüberzustehen. Wir alle sahen uns deshalb den immergleichen Fragen gegenüber: Sollte ich gendersensibilisierte Sprache verwenden? Wenn ja, wie mache ich das am besten? Wo bekomme ich Unterstützung? Wie gehe ich das an?

Diese Fragen treten insbesondere im Rahmen der Dissertation auf. Diese ist für die meisten Doktorand*innen die erste Veröffentlichung, also der erste Ort, die eigenen Gedanken der Öffentlichkeit zugänglich zu machen – und damit auch der erste Moment, tiefgehender über gendersensibilisierte Sprache nachzudenken. So auch für einige von uns.

Da die meisten Autor*innen von uns auch Doktorand*innen sind, hat dieser Leitfaden seinen Schwerpunkt in gendersensibilisierter Sprache in der Dissertation. Er kann allerdings gewiss auch für Hausarbeiten, Artikel, Blog-Beiträge und andere Veröffentlichungen genutzt werden, da er auch generelle Aussagen zu gendersensibilisierter Sprache trifft. Unsere Kapitel zu Linguistik und Gender, Mehr als nur Gender, Argumente für gender- und diskriminierungssensibilisierte Sprache, Methoden gendersensibilisierter Sprache, Verwendete Schreibweise erklären, Sensibilisiert zitieren sowie das Living Begriffsglossar können hier in gleicher Weise wie für Dissertationen hilfreich sein. Vielleicht fühlen sich auch Schreibende außerhalb der Rechtswissenschaft von unseren Ausführungen ermutigt, sich mit dem Thema zu befassen. Dies würde uns sehr freuen.

Ziel dieses Leitfadens ist es nicht, eine bestimmte Art gendersensibilisierter Sprache vorzugeben oder jegliche Entscheidungen in der Verwendung gendersensibilisierter Sprache abzunehmen. Wir möchten unsere Lesenden über verschiedene Varianten gendersensibilisierter Sprache informieren und euch die Möglichkeit geben, informiert Entscheidungen zu treffen. Wie gendersensibilisierte Sprache verwendet wird, ist eine persönliche Entscheidung, weshalb auch unsere Autor*innen in den folgenden Kapiteln unterschiedliche Methoden verwenden.

Berücksichtigung diskriminierungssensibilisierter Sprache

Bereits früh im Entstehungsprozess unseres Leitfadens ist uns bewusst geworden, dass wir gendersensibilisierte Sprache nicht von anderer diskriminierungssensibilisierter Sprache trennen können. (Sprachliche) Diskriminierung endet nicht mit der Verwendung gendersensibilisierter Sprache. Menschen werden durch Sprache auch rassistisch oder klassistisch diskriminiert, aufgrund einer Behinderung, ihrer sexuellen Orientierung, ihres Alters usw.

Gendersensibilisierte Sprache und diskriminierungssensibilisierte Sprache sind schon alleine vor dem Hintergrund mehrdimensionaler Diskriminierungen nicht getrennt voneinander denkbar. Wer sich für gendersensibilisierte Sprache einsetzt, muss sich auch für diskriminierungssensibilisierte Sprache stark machen.

Wir wollten in diesem Leitfaden deshalb auch andere Dimensionen diskriminierungssensibilisierter Sprache thematisieren, obgleich der Schwerpunkt des Leitfadens auf gendersensibilisierter Sprache liegt. Hiermit möchten wir keine Hierarchisierung der Diskriminierungsdimensionen vornehmen. Vielmehr würde eine umfassende Betrachtung aller Diskriminierungsdimensionen unsere Kapazitäten und unsere Expertise übersteigen.

Wir mussten uns daher auch auf die Betrachtung sprachlicher Diskriminierungen am Beispiel von Rassismus und aufgrund der Dimension Behinderung beschränken. Trotzdem ermutigen wir unsere Lesenden, sich weiter zu bilden, die Diskriminierung aufgrund anderer Dimensionen zu berücksichtigen und stets die eigene Sprache zu reflektieren.

Unsere Perspektiven

Mit der Reflektion der eigenen Sprache einher geht auch die Reflektion der eigenen Perspektiven. An unseren Kapiteln haben Personen mitgearbeitet, die selbst nicht oder nicht von allen thematisierten Diskriminierungsdimensionen betroffen sind.

Wenn wir mit unserer Sprache oder unseren Ausführungen diskriminieren, ist das nicht unsere Intention, obgleich das eine Diskriminierung selbstverständlich nicht rechtfertigen kann. Wir freuen uns deshalb über Kritik und Anmerkungen unter: gender-in-der-dissertation@web.de.

Entstehungsprozess

Geprägt von unseren eigenen Erfahrungen, haben wir uns im August 2022 zusammengeschlossen, um diesen Leitfaden zu schreiben. Während unseres Studiums, des Referendariats und insbesondere unserer Promotionen hätten wir uns einen Leitfaden gewünscht, der viele drängende Fragen rund um gendersensibilisierte Sprache beantwortet.

Nach unserem Kick-off im August 2022 besprachen wir Autor*innen gemeinsam das Ziel und den Aufbau des Leitfadens. Die einzelnen Kapitel wurden Autor*innen-Teams zugeordnet. Diese konzipierten den Leitfaden inhaltlich und verfassten die Texte in mehreren Schreibsprints. Unsere Kapitel schrieben wir direkt online bei Wikibooks, wo ein aktueller Stand jederzeit einsehbar war.

Nach einem internen Review gaben wir unsere Texte außerdem in ein externes Review-Verfahren, für das wir zahlreiche Expert*innen unterschiedlicher Bereiche gewinnen konnten. Wir haben sehr von der Expertise unserer Reviewer*innen und ihren wertvollen Kommentaren und Anmerkungen profitiert. Unser großer Dank gilt [Hier nennen wir noch unsere Reviewer*innen].

Die Erstellung unseres Leitfadens sowie das externe Review erfolgten ehrenamtlich.

Lebender Leitfaden

Dieser Leitfaden soll ein lebender Leitfaden sein. Ihr findet in jedem einzelnen Kapitel Aufforderungen zur Mitarbeit. Wir freuen uns, wenn ihr mit uns in Kontakt tretet und eure Anmerkungen beisteuert. Das geht wie folgt [Hier kommen noch mehr Anmerkungen].

Mehr Informationen zum Projekt OpenRewi - Initiative für eine offene Rechtswissenschaft gibt es auf dieser Website.

Zitiervorschlag: Autor*innen, in: Kapitel-Name, abgerufen am…

Dieser Leitfaden ist unter der Creative-Commons-Lizenz BY-SA 4.0 offen lizenziert.


Inhaltsverzeichnis Bearbeiten

Dieses Buch steht im Regal Rechtswissenschaft.