Langzeitarchivierung: Verpacken der Güter

In diesem Kapitel geht es darum, wie man die ausgewählten Dokumente sicher verpackt und sie somit für Jahrzehnte haltbar macht.

Versiegelte Box

(Zurück zu Langzeitarchivierung).

Grundlage

Bearbeiten

Egal was man auch einpackt, die Feinde der Haltbarkeit sind immer die gleichen, diese gilt es zu bekämpfen. Daran muss man immer denken und wenn man diese Tipps ernst nimmt, wird die Haltbarkeit sehr groß. Also, schauen wir uns unsere Feinde an:

  • Wasser: Hauptfeind unserer guten Daten, denn Wasser zerstört praktisch alles, was uns Lieb und teuer ist. Papier löst sich einfach auf, Festplatten, USB-Sticks und solide Datenträger (SSD) werden zerstört, Fotografie zerfällt ebenso, nur Kunststoffe und optische Datenträger können H2O länger aushalten.
  • Licht: Auch das gute Sonnenlicht ist nichts für unsere Objekte. Bilder und Papier bleichen aus und das UV-Licht greift Plastik und Datenträger an, deshalb auch immer gut auf den Lichtschutzfaktor achten.
  • Feuer: Sowieso immer gefährlich, Feuer zerstört alle Güter in kürzester Zeit. Aber dafür ist der Schutz vor Feuer auch einfach und die wenigsten Güter werden den Flammen zum Opfer fallen, wenn man alles richtig macht.
  • Menschen: Ja, Menschen klauen und zerstören, seit der Urzeit, bis zum Ende der Rasse wird das auch so bleiben. Wie man sich und seine kostbaren Güter davor schützt, werden wir aber in einem anderen Kapitel weiter unten erklären.

Da wir nun unsere Gegner kennen, können wir uns darauf einstellen und anfangen, alle Güter zu verpacken. Licht sollte für uns das geringste Problem sein, da die Güter am Ende sowieso in Kellern verschwinden oder eingegraben werden, deshalb ist ein extra Lichtschutz kaum nötig, Wasser hingegen ist unser größtes Problem, hier müssen wir besonders konsequent anpacken.

 
Versiegelung einer Weinflasche mit Heißkleber

Schutz von Dokumenten aus Papier

Bearbeiten

Wie sichert man wichtige Dokumente, Verträge oder Urkunden? Es gibt mehrere Möglichkeiten. Sind nur wenige Dokumente vorhanden, kann man jedes Papier einzeln mit einem Laminiergerät einschweißen. Solch ein Gerät kostet knapp 30 Euro, ist aber extrem wichtig und muss unbedingt vorhanden sein. Beim Betrieb nimmt man eine spezielle Laminierfolie und legt das Papier zwischen die Folie, danach lässt man dieses Folienpapier durch das Gerät laufen. Hierbei wird es meistens durch Hitze verschweißt, das Papier ist luftdicht von der Umwelt abgeriegelt, die Folie liegt direkt auf dem Papier. Diese Methode ist für kleine Papiermengen geeignet, falls man aber Bücher hat oder ganze Ordner voller Dokumente einfach zu aufwendig. Hier sollte man nun ganz verpacken, also in Plastikboxen. Hierbei werden die Papiere einfach in eine passende Box gelegt, die man luftdicht verschließen kann. Das ist nicht ganz so sicher wie das Einschweißen, aber dennoch gut und einfacher. Wie man eine solche Box weiter sichern kann, beschreibe ich weiter unten.

Anmerkung zur Haltbarkeit von verschweißten Dokumenten

Bearbeiten

Im Vorfeld habe ich einen Versuch unternommen, um herauszufinden, wie widerstandsfähig diese Folien sind. Dabei habe ich ein günstiges Foliengerät von einem Discounter verwendet und ein DIN A4 Dokument mit Text eingeschweißt, dies war im November 2007. Dann habe ich dieses Dokument in den Garten gebracht und jeder erdenklichen Naturgewalt ausgesetzt, die man sich denken kann. Das Dokument war im Schnee, im Eis eingefroren, im Gartenteich, zwischen Eis und Wasser zusammengefroren, in Erde und wochenlang auch jetzt im Sommer direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt, auch Regen und Hagel hat es abbekommen. Als Ergebnis bis jetzt bin ich sehr erstaunt, das Papier ist in einem sehr guten Zustand, die Schrift lesbar wie direkt nach dem Ausdrucken und es ist anscheinend kein Wasser ans Papier gelangt, sonst wäre es bereits aufgelöst. Anscheinend halten die Folien sehr viel aus und solche Bedingungen sind ja keine realen Lagerbedingungen, sondern Extremversuche.

Schutz von Büchern

Bearbeiten

Will man ganze Bücher sichern, was ja gut möglich ist, kann man diese Methode anweden. Entweder man verpackt jedes Buch extra in einer Plastikbox, dies ist aber sehr aufwendig und raubt Platz und Geld. Oder man verschweißt jedes Buch. Dies geht nicht mit dem Laminiergerät, sondern mit einem Vakuumierer. Diese Geräte sind im Handel oder im Internet ebenfalls für wenig Geld zu kaufen und sind eigentlich für Lebensmittel gedacht. Die Lebensmittel kommen in einen Plastikbeutel, dieser wird an das Gerät angeschlossen. Nun wird die Luft abgesaugt und die Plastikfolie umschließt das Produkt hauteng, anschließen werden die Öffnungen verschweißt und sind luft- und wasserdicht. Was man mit Maiskolben machen kann, geht auch bei Büchern, allerdings habe ich damit selbst noch keine Erfahrungen und kann nichts genaues sagen, hoffentlich kann ich die Punkte aber noch ergänzen. Auf diese Weise kann man dutzende Bücher einzeln einpacken und dann zusammen in ein größeres Gefäß packen, dazu mehr unten.

Digitale Sicherung
 
Schnelle Sicherung mittels Filmkamera

Zusätzlich können Papierbücher in kürzester Zeit digital gesichert werden, indem man sie beim Blättern mit einer hochauflösenden Filmkamera (je nach Schriftgröße mit 720p oder höher) in einer gut beleuchten Umgebung abfilmt. Die Standbilder aus den Aufnahmen sind erwartungsgemäß detailliert genug, um Schriftzeichen klar zu erkennen.

Eine niedrige Bildwiederholfrequenz, etwa von zehn oder fünfzehn Standbildern in der Sekunde, sollte genügen. Falls die Filmkamera diese Einstellung zuläßt, kann Speicherplatz gespart werden.

Schutz von Photographien

Bearbeiten

Fotos werden meistens direkt von einer analogen Kamera stammen oder von einer digitalen entwickelt worden sein, hier nimmt man am besten die Bilder stapelweise zusammen und legt sie in wasserdichte Plastikboxen. Hierbei sollen Frischhalteboxen von Toppits® recht gut sein, diese sind im Lebensmittelgeschäft zu kaufen und sind wasser- und luftdicht, außerdem bietet der Hersteller 30 Jahre Garantie. Die Bilder werden dort eingepackt und die Box verschlossen, weitere Maßnahmen sind kaum nötig, vielleicht sollte man die Box noch weiter schützen, mehr dazu unten.

Das Silber von Schwarzweissaufnahmen ist empfindlich gegenueber der Oxidation, diese wird durch Kontakt mir der Luft, Licht, Waerme und Feuchtigkeit gefoerdert. Gleiches gilt fuer die Chemikalien und Farbstoffe in Farbfilmen. Des Weiteren sind Filmnegative generell haltbarer, als die fertigen vergroesserten Abzuege. Die Abzuege haben eine Papier- oder Polyethylenschicht (PE) als Traeger, der schneller Zerfaellt, als das Traegermaterial von Negativen. Insbesondere Schwarz-Weiss-Negative haben eine sehr grosse Haltbarkeit. Die Haltbarkeit von PE-Abzuegen wird meist auf 10-50 Jahre geschaetzt, diese grossen Unterschiede ergeben sich aus der Lagerung. Barytpapier, welches eine Traegerschicht aus Papier besitzt und bis in die 70er Jahre standardmaessig verwendet wurde, ist 50-100 Jahre haltbar, bei sorgfaeltiger Verarbeitung, Tonung und guter Aufbewahrung laesst sich diese Zeit noch steigern, genaue Daten fehlen, weil diese Art Papier noch nicht ausreichend lange verwendet wurde.

Allerdings sollte man bedenken, dass von den Negativen erst ein Abzug gemacht werden muesste, um klar zu erkennen, was fuer ein Bild sich darauf befindet. Die hierzu Notwendigen Chemikalien und Geraetschaften koennten bei der Entdeckung Ihres Archiv eventuell nicht mehr zur Verfuegung stehen. Daher empfehle ich Ihnen, die Negative Ihren Photos bezulegen. Luftdicht eingeschweisst, eventuell sogar in schwarzer, lichtundurchlaessiger Folie, und die Negative werden das letzte Bildmaterial sein, dass in Ihrem Archiv zur Unkenntlichkeit zersetzt wird.

Schutz von optischen digitalen Speichermedien

Bearbeiten

DVD-RAMs und Blu-Ray-Discs verpackt man am besten vorerst ganz normal in Hüllen aus Plastik, diese sind zwar nicht wasserdicht, aber schützen vor Kratzern. Danach kann man die Packungen (am besten immer 5 Hüllen zusammenfassen) mit einem Vakuumierer einschweißen oder in eine wasserdichte Box geben (siehe oben). Wichtig: Lagerung immer hochkant! Es besteht die Gefahr, dass sich die Scheiben verziehen, falls man sie legt. Jede Scheibe einzeln in eine Hülle geben und Reibung vermeiden. Dann kann man nach Bedarf weitere Hüllen an Plastik hinzufügen, Wasser ist eine große Gefahr. Ansonsten kann man nichts machen, nur man sollte unbedingt zu den Scheiben immer ein eingeschweißtes Blatt geben, auf dem folgende Informationen zu finden sind.

  • Art der Daten, Programme die beiliegen und zum Auslesen wichtig sind
  • Exakte Beschreibung des vorhandenen Discs
  • Betriebssystem, das die Daten anzeigen kann
  • Gerät, das zum Auslesen benötigt wird (also DVD/Blu-ray Leser)
  • Erstellungsdatum

Man sollte es vermeiden, mit einem Stift direkt auf die Scheiben zu schreiben, es könnte sein, dass enthaltene Stoffe die Scheiben nach einigen Jahren angreifen oder so Daten verloren gehen, es ist nicht wahrscheinlich, kann aber angenommen werden. Deshalb lieber die Hüllen aus Plastik beschriften, damit man später die Daten sortieren und ordnen kann.

Zu dem Thema gibt es eine sehr ausführliche und gute Beschreibung als PDF, die unabhängig zeigt, wie sich DVDs (also auch Blu Rays) sicher verpacken lassen und was man immer vermeiden muss. Siehe dazu bitte die Weblinks, die unten zu finden sind.

Schutz von allen anderen Objekten

Bearbeiten

Wie immer gilt, schauen Sie oben auf die Liste und arbeiten Sie diese ab, vor allem Wasser ist eine Gefahr, sofern das Objekt dadurch beschädigt werden kann. Am besten alles in Folie verpacken und vakuumieren, zusätzlich dichte Plastikboxen und sorgfältig arbeiten, dann können auch alle anderen Arten von Objekten für Jahrzehnte sicher einpacken und der Nachwelt erhalten.

Anmerkungen zu weiteren Maßnahmen

Bearbeiten

Wenn Sie den Plastikboxen und Verschlüssen nicht trauen, können Sie auch zusätzlichen Schutz herstellen. Nie vergessen, die Schwachstelle ist immer der Verschluss und die Dichtung, das Plastik an sich wird als letztes zerfallen. Deshalb kann man Silikon und Heißkleber verwenden, um Verschlüsse dauerhaft zu versiegeln. Dabei ist natürlich auch eine spätere Öffnung schwieriger, aber wenn die Boxen für Jahrzehnte lagern sollen, kann man es durchaus machen.

  • Heißkleber gibt es im Baumarkt für wenig Geld. Hierbei wird in einer Pistole fester Klebstoff durch Hitze geschmolzen ( Stromanschluss nötig!) und direkt auf das Plastik verteilt, dabei muss man aber Acht geben, da der Kleber sehr heiß ist und Plastik evtl. dadurch beschädigt und außerdem härtet der Kleber sehr schnell. Nach fünf Minuten ist er fest und nach etwa 30 Minuten vollständig abgekühlt, er verbindet sich mit praktisch allen Materialien dauerhaft und sollte eine sehr hohe Haltbarkeit haben, nur Hitze löst seine Verbindung wieder.
  • Silikon gibt es ebenfalls als Spritze im Baumarkt. Das Material wird wie Heißkleber aufgetragen, ist aber kalt und braucht länger bis es aushärtet. Es ist auch für größere Flächen geeignet und dichtet gut ab. Die Haltbarkeit soll ebenfalls sehr lange sein, da es aus Kohlenwasserstoffverbindungen und Silicium besteht und von der Natur nur sehr langsam abgebaut wird. Die Sauerstoffverbindungen halten die Moleküle dicht zusammen und die Verbindung ist daher sehr stabil.
Bearbeiten