Geschichte/ Die Gracchen

Tiberius und Gaius Gracchius/Gracchus waren Brüder, die um 162 bzw. 153 v.Chr. geboren wurden.

Zu ihrer Zeit gab es im Römischen Reich zwei Krisen, bedingt durch die Punischen Kriege: 1) Die Agrarkrise und 2) Die Militärkrise

Auf der einen Seite gab es im römischen Reich zu viele Bauern für das ihnen zur Verfügung stehende Land. Aufgrund von Karthager war das Land verwüstet. Auf der anderen Seite war es Pflicht der Bürger, ihre Ausrüstung selbst zusammenzustellen und zu bezahlen, um sich und den Staat im Falle eines Krieges verteidigen zu können. Die Bauern wurden allerdings immer ärmer, sodass sie sich keine qualitativ hochwertigen Ausrüstungen leisten konnten, was zur Folge hatte, dass die Militärmacht immer schwächer wurde. Zusätzlich ging die Geburtenrate aufgrund der finanziellen Lage der Bauern zurück, sodass auch die Zahl der Soldaten sank. Sowohl Tiberius als auch Gaius Gracchus hatten Pläne, diesen Krisen entgegenzuwirken.

Tiberius Sempronius GracchusBearbeiten

Tiberius Gracchus hatte Ideen, diese Probleme grundlegend zu lösen und arbeitete sich somit bis zum Amt des Tribuns hoch. Er hatte sich mit einer Gruppe zum Ziel gesetzt, den Landbesitz des Reiches gerecht zu verteilen, damit die Bauern wieder ein selbständiges Auskommen hatten. Zuvor durfte das Land nur gegen eine Grundgebühr bearbeitet werden, wovon besonders die höheren Stände, also Patrizier (alteingesessene, politisch wichtige Familien) und Ritter (neureiche Handelsleute), profitierten. Patrizier und Ritter haben Bauland bearbeitet, Höfe errichtet und Außergewöhnliches angebaut, z.B: Wein und Oliven, was ihnen zu weiterem Reichtum verhalf. Die kleineren Bauern pflanzten nur Getreide an, wurden somit auch nicht reicher. Später wurden sie sogar u.a. durch versteckte Gewalt und Drohungen von ihrem Land verdrängt. Tiberius Gracchus' Vorschlag war nun eine Agrarreform, nach der jedem Bauern 25ha Land zugeschrieben werden sollte und weitere 50ha für jeweils zwei erwachsene Söhne. Die höheren Stände bekämen ein Rückforderungsanspruch, der möglichst nicht in Anspruch genommen werden sollte. Tiberius schlug den Gesetzesantrag dem Senat vor, der diesen ablehnte. Trotzdem stellte Tiberius seine Bodenreform der Volksversammlung vor, welche der Durchsetzung zustimmte. Zuvor setzte Tiberius mithilfe der Volksversammlung seinen Kollegen Oktavius ab, der seinen Veto gegen die Vorschläge eingesetzt hatte. Seine Taten wurden zum Skandal, da er 1. nicht dem Senat gefolgt ist, 2. seinen Kollegen abgesetzt hatte und 3. weil er aus Sicht anderer Macht anhäufe, um Alleinherrscher zu werden.

Publius Scipio, Pontifex Maximus, rief mit Zustimmung des Senats das Volk auf, Tiberius aufzuhalten. Das Volk erhörte ihn, da er einen großen Einfluss auf es hatte und ihm näher stand, obwohl sie die Reformen als gut bewerteten. Tiberius und seine gesamten Anhänger wurden somit vom Volk gelyncht. Trotz seines Todes wird die Agrarreform durchgeführt (bis 129v.Chr.).

Gaius GracchusBearbeiten

Gaius, Tiberius' Bruder, wollte nun seinen Bruder rächen und seine Ziele/Pläne durchsetzen. Auch er wurde, einige Jahre nach dem Tod seines Bruders, Volkstribun. Er wollte jedoch nicht nur den Grundbesitz der Reichen aufteilen, sondern auch Bestimmungen zur Regelung des Getreidepreises einführen. Die Wehrpflicht sollte zusätzlich gekürzt, ein gerechter Gerichtshof (nicht nur Patrizier, sondern auch Ritter) geschaffen und allen die Bürgerrechte der italienischen Stämme gewährt werden. Er versuchte, die Römer im zerstörten Karthargo anzusiedeln, darauf folgten allerdings Unruhen im Volk, da diese Stätte verflucht wurde.

Doch all seine Pläne missfielen dem Senat, er wurde jedoch durch Unterstützung des Volkes wiedergewählt. Dies war inzwischen durch ein Gesetz erlaubt worden. Eine weitere Überlegung war, das Bürgerrecht so abzuändern, dass Bundesgenossen mehr politische Rechte haben. Dadurch bezweckte er mehr Stimmen (da er sich für die Bundesgenossen einsetzte). In diesem Jahr versuchte er weiterhin, seine Pläne durchzusetzen, die Wiederwahl gelang ihm aber kein weiteres Mal. Sein Nachfolger zog seine Gesetze wieder zurück.

Marcus und sein Partner Fulvius Flaccus griffen zu Waffen, um ihre Wahl durchzusetzen (u.a. gegen Livius Drusus, Volkstribun, Optimat, der selbst Pläne zur Landverteilung hatte). Der Senat rief den Notstand aus (Senatus Consultum Ultimum), erklärte sie zu Feinden der Republik. Livius' Armee wurde vom Senat gestärkt, es kommt zu Straßenkämpfen. Gaius Gracchus und seine Anhänger wurden von Truppen umstellt, er lässt sich von einem seiner Sklaven töten. Fulvius wurde mitsamt seiner und Gaius' Anhänger gelyncht.

FolgenBearbeiten

Nach den Morden der Gracchen gab es Meinungsverschiedenheiten: Auf der einen Seite berief man sich auf das Provokationsrecht des Senats, welches besagte, dass kein Römer ohne Zustimmung der Volksversammlung zum Tode verurteilt werden darf. Andererseits war man der Meinung, dass rechtens gehandelt wurde, mit "Feinden der Republik" sollte von nun an immer auf diese Art und Weise verfahren werden. Der Senat wollte den Vorfällen nachträglich rechtliche Form geben: durch das Hinrichtungsrecht.

Arten politischer AktivitätBearbeiten

Es gab im Römischen Reich nur zwei verschiedene Möglichkeiten, politisch aktiv zu sein:

1. populare Politik, also mit dem Volk (--> populare Politiker wurden auch Populare genannt) 2. Politik der Optimaten ("Besten"), gemeint ist der Senat, der seine Politik selbst so nannte. Das Ziel war die Aufrechterhaltung alles Gegebenens (--> Politiker wurden Optimaten genannt)

In Bezug auf die Gracchen: Tiberius und Gaius gingen davon aus, mit der populären Politik erfolgreicher zu sein, da das Volk nicht so stark von Den Patriziern und Rittern beeinflusst war.

Anschließende Fragestellung und FazitBearbeiten

Im Nachhinein stellt sich die Frage, ob Gaius und Tiberius den Staat gefährdet haben, wie der Senat behauptete, der diese Aussage auf den Verdachtsmoment des Absetzen Tiberius' Kollegens stützte. Bei Hinreichender Reflektion kann man zu dem Schluss kommen, dass die Gracchen (ungewollt?) die Macht des Senats, aber nicht die Staatsordnung in Gefahr brachten, da sie nie die Absicht hatten, das Regime zu stürzen, sondern nur im Bereich Agrar und evtl. Militär Reformen durchführen wollten.

Durch die Missachtung der Gesetze durch den Senat zur Rettung der Republik brachte man die Staatsordnung mehr in Diskussion und somit in Gefahr als die Gracchen fähig gewesen wären.