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Inhaltsverzeichnis

AuftaktBearbeiten

Die Geschichte der modernen Photographie (eingedeutsch auch oft: 'Fotografie') ist nunmehr fast 200 Jahre alt, und seit ebenso langer Zeit begeistert sie die Menschen weltweit. Sie ist, physikalisch gesehen, ein recht einfaches Verfahren, dessen Grundzüge bereits im ausgehenden Mittelalter bekannt waren; und dennoch lässt sich ihre Bedeutung heute nicht mehr verleugnen. Wie keine andere Methode ermöglicht sie es jedem, einzelne Augenblicke dauerhaft festzuhalten und einen Blick in die Vergangenheit zu offenbaren. Sie kann beeindrucken, Interesse wecken und empören. Sie hat mal stark künstlerischen und mal nüchternen dokumentarischen Charakter. Sie ist für manche Menschen von hohem persönlichen Wert und für andere völlig uninteressant. Nach ihrer Entstehung hat sie es in kurzer Zeit geschafft, fast alle Bereiche des menschlichen Lebens zu erobern und erlebt insbesondere seit der Jahrtausendwende mit der Digitalphotographie eine bemerkenswerte Renaissance.

 
Photographie - Festhalten von Momenten.

Kaum eine Kunst hat heute einen solch hohen Einfluss wie die Photographie und der mit ihr verwandte Film. In unserer Gesellschaft werden wir kaum jemanden finden, der keine Kamera besitzt, sei es als Digitalkamera, ein Mobiltelephon oder ein tragbarer Rechner (englisch: notebook) mit eingebauter Kamera oder ähnliches. Es wird in unserem technisch ausgerichteten Kulturkreis auch kaum jemanden geben, der noch nie in seinem Leben Photos aufgenommen hat, kaum jemanden, der nicht hin und wieder einmal Photos aufnimmt, und auch kaum jemandem, der selbst keine Photos besitzt. Gerade mit der Digitalkamera entstand ein Aufschwung in der Photographie, der sich noch wenige Jahre zuvor kaum erahnen ließ. Waren die Aufnahmen von Laien im letzten Jahrtausend praktisch nur eingeschränkt und privat zugänglich, hat sich nach dem Aufkommen des digitalen internationalen Netzwerkes (kurz Netz; englisch: internet) zusammen mit den Digitalkameras die Szene komplett gewandelt - jeder kann problemlos Aufnahmen machen und sie im Bedarfsfalle ohne nennenswerte Verzögerung im Netz veröffentlichen.

Auf den privaten Rechnern lagern heute oft tausende Urlaubs-, Familien- und Alltagsbilder, Photo-Gemeinschaften im Netz bieten gar Vorräte mit mehreren Milliarden Photos. Netz-Tagebücher (englisch: blogs), Projekte im Netz, Nachrichtenseiten, Prospekte, Werbung, Produktkataloge und Werbeblätter – sie alle werden meist durch reichhaltiges Bildmaterial ergänzt, von dem wiederum ein großer Teil Photographien sind.

Trotz der offensichtlich weitreichenden Bedeutung und Verbreitung der Photographie, die bewusst oder unbewusst Bestandteil unseres alltäglichen Lebens geworden ist, entsteht gelegentlich insbesondere in der heutigen Zeit der Eindruck, dass erstaunlich wenig Menschen grundlegende Kenntnisse über die technischen und gestalterischen Grundlagen der Photographie besitzen. Der erste Aspekt ist im Grunde nicht ungewöhnlich – man kann ein Auto fahren, ohne zu wissen, wie der Motor funktioniert oder welche internen Prozesse dabei stattfinden. Man kann ein Computerprogramm bedienen, ohne sonstige Computerkenntnisse zu haben, und viele Menschen lesen Belletristik, ohne über größere Literaturkenntnisse zu verfügen. All das klappt indessen nur, weil all diese Bereiche stark automatisiert sind: Die für unkundige Laien geeigneten Kameras erledigen fast alles automatisch. Es gibt sogar welche, die bereits das Motiv aussuchen oder auf Vorrat Bilder machen, aus denen der Nutzer dann nur noch auswählen muss. Auch Automobile sind mittlerweile hochautomatisiert, Pannen, bei denen man selbst reparieren könnte, sind kaum noch zu erwarten, auch Computer baut heute der normale Anwender nicht mehr selbst (zusammen), sondern kauft sie komplett funktionsfähig, meist gar gleich mit einem Betriebssystem. In den Anfängen dieser Technologien war das anders - da gab es keine Automatisierung, keine Computer und Programme, die einem alle Arbeit und Intelligenzleistung abgenommen hätten.

In der Tat kann man heute in vielen Situationen zu Photos gelangen, ohne die technischen Grundlagen der Kamera zu beherrschen – die Kameraautomatik kann erstaunlich Vieles. Insbesondere kann eine vollautomatische Kamera spielend in kürzester Zeit viele Parameter gleichzeitig überwachen und einstellen, was dem Menschen zumeist schwerfällt. Möchte man aber mit Photographie mehr anfangen als der Alltagsnutzer, so wird man bald feststellen, dass man an manchen Stellen ohne die Grundlagen nicht mehr auskommt, insbesondere in speziellen Situationen wie beim Photographieren bestimmter Motive, zum Beispiel Makroaufnahmen, Photographieren während der Dämmerung, Darstellen von Bewegung etc. Der Automatikmodus der Kamera wird hier schnell an seine Grenzen stoßen und ein manuelles Einschreiten ist unvermeidlich – spätestens dann sollte man die Grundlagen über Belichtung, Fokussierung und Weißabgleich verstehen. Dies liegt unter anderem auch daran, dass Computerprogramme bislang allenfalls rudimentär das Motiv selbst erkennen können und der Nutzer seine Intentionen auch nur über recht einfache Programmvariationen der Kamera zu vermitteln versuchen kann - diese grobe Motivvorwahl verbessert zwar das 'normale' automatische Resultat in vielen Fällen, kann aber natürlich nicht individuell auf das jeweilige Motiv und Problem eingehen.

Was besagt eigentlich der ISO-Wert? Wie hängen Blende und Belichtungszeit zusammen? Warum verwackeln Photos manchmal oder werden unscharf? Was ist eigentlich die Brennweite und welchen Einfluss hat sie auf das Photo? Wie hängen die Größen der Strukturen des Bildsensors, die Abbildungsqualität des Objektivs, Beugung und die Auflösung des Bildresulates zusammen? Das sind Standardfragen, die jeder ambitionierte Hobby-Photograph beantworten können sollte, und sie werden in diesem Buch in ausführlicher Weise beantwortet.

Der zweite Aspekt, die Bildgestaltung, ist von noch größerer Bedeutung als der erste; wie gut die Kamerautomatik auch sein mag, die Gestaltung eines Photos muss der Photograph stets selbst vornehmen. Hier wird ihm niemand die Arbeit abnehmen, und erst hier entscheidet sich, ob das Photo ein einfacher Schnappschuss oder ein interessantes Kunstwerk wird. Wo sollte das Motiv platziert werden (und was ist eigentlich das Motiv)? Aus welcher Perspektive sollte es photographiert werden? Welche Perspektiven gibt es überhaupt? Welche Arten von Licht gibt es, wie wirkt sich das Licht auf das Bild aus? Welche Rollen spielen Farben in einem Bild? Bei der Gestaltung gilt es eine Handvoll bewährter Regeln anzuwenden, die aus einem Schnappschuss ein anspruchsvolles Photo machen können, und diese Regeln werden in diesem Buch ebenfalls ausführlich vorgestellt. Dabei wird sich zeigen, dass man bei der Bildgestaltung ebenfalls nicht ganz ohne technisches Hintergrundwissen auskommt.

In dem vorliegenden Buch werden daher, neben den Grundlagen, vor allem die Aspekte Technik und Gestaltung betrachtet. Das Buch wird mit einem Kapitel zur digitalen Nachbearbeitung abgerundet und sollte damit jedes Thema behandeln, in dem ein Hobby-Photograph Grundkenntnisse besitzen sollte.

ZielgruppeBearbeiten

Zur Zielgruppe dieses Buches gehören in erster Linie Einsteiger, die kein oder nur wenig photographisches Hintergrundwissen besitzen, jedoch mehr über die Photographie an sich sowie die technischen oder gestalterischen Grundlagen erfahren möchten. Auch Fortgeschrittene werden womöglich den ein oder anderen guten Hinweis finden, auf Spezialwissen wird jedoch weitgehend verzichtet, da dieses für Hobby-Photographen kaum notwendig scheint. Einige relativ spezielle Aspekte sind als Exkurs ausgezeichnet und bieten Hintergrundwissen für besonders interessierte Leser.

Anliegen des Buches ist es, alle Bereiche der Photographie und der eng mit ihr zusammenhängenden Gebiete zu vermitteln. Es wird also sowohl auf analoge als auch digitale Photographie eingegangen, wobei der Schwerpunkt eher auf der weiter verbreiteten digitalen Photographie liegt. Es werden auch Themen wie Farbgestaltung, Bildformate, Nachbearbeitung etc. behandelt und es werden wichtige Fachbegriffe erläutert. Das Buch ist nicht direkt als Nachschlagewerk konzipiert, kann aber natürlich trotzdem zum Nachschlagen bestimmter Themen verwendet werden. Auch für Leser, die sich nur in einem bestimmten Teilgebiet informieren wollen (etwa Bildgestaltung, Belichtung etc.) ist das Buch geeignet – es ist stark thematisch gegliedert.

Ziel des Buches ist ein ausführlicher, verständlicher Einstieg in das recht umfangreiche Sachgebiet – es ist keine Anleitung oder “How-to”. Der Schwerpunkt liegt eher auf dem Verständnis, was manchmal umfangreichere Ausführungen notwendig macht.

GliederungBearbeiten

Nach dem Vorwort werden die Grundlagen der Photographie vermittelt. Was ist Photographie? Wo wird Photographie angewendet, wie wird sie klassifiziert? Welche Vorteile bringt uns die Photographie, welche Probleme verursacht sie? Was darf man alles photographieren, was darf man veröffentlichen und wer behält am Ende die Bildrechte? Gerade dieses Kapitel wird Fragen klären, die die meisten konventionellen Bücher ignorieren.

Im Anschluss soll auf die Bildgestaltung näher eingegangen werden. Hierbei werden Dinge betrachtet, die gewissermaßen über der Photographie stehen, das heißt allgemeiner als diese sind: Bildformate, Farbgestaltung, Auflösung, Dateiformate, Entstehung und Wirkung von Farben etc. stehen hier im Mittelpunkt. Das Kapitel ist vor allem für die später behandelte Bildgestaltung wichtig und kann auch für Personen aus anderen Fachgebieten (zum Beispiel Malerei) interessant sein.

Nach diesen beiden einführenden Kapiteln werden dann technische Bereiche abgedeckt. Im Kapitel “Aufbau und Funktionsweise der Kamera“ soll erläutert werden, welche Arten von Kameras es gibt, wie sie aufgebaut sind und wie das Aufnehmen von Photos technisch funktioniert. Das daran anschließende Kapitel “Das Photographieren” wird technische Hintergründe zum Aufnehmen von Photos zum Hauptgegenstand haben. Was sind Brennweite, Objektiv und Zoom? Wann nimmt man kleine Brennweiten, wann große? Was bedeuten Belichtung, Blende, ISO-Wert und Belichtungskorrektur? Wie hängen sie zusammen und welche Wirkungen lassen sich erzielen? Für den technisch interessierten Leser werden diese beiden Kapitel den Höhepunkt bilden.

Der nächste Teil des Buches betrachtet weniger technische, als viel mehr gestalterische Aspekte und geht damit auf den künstlerischen Charakter der Photographie ein. Es stellt Regeln vor, nach denen Photos aufgenommen werden, um ästhetisch besonders ansprechend zu wirken. Dies ist natürlich immer stark vom photographischen Genre abhängig; daher sollen hier neben fundiertem Grundlagenwissen auch spezielle Tipps zu den einzelnen Genres wie Landschaftsphotographie, Architekturphotographie, Porträts etc. gegeben werden.

Die Nachbearbeitung von digitalen Photos ist heute fast nicht mehr wegzudenken und kann die kaum vermeidbaren Laienfehler und Artefakte oft beheben oder zumindest mildern. In dem letzten Kapitel des Buchs soll daher erläutert werden, welche typischen Möglichkeiten der Nachbearbeitung bestehen und wie diese mit Bildbearbeitungsprogrammen (zum Beispiel Gimp) etwa durchgeführt werden.