Computerhardware: Wirkungsgrad

Auf der Webseite www.formfactors.org sind detaillierte Spezifikationen für Hauptplatinen, Netzteile, Gehäuse und andere PC-Komponenten veröffentlicht[1]. Die aktuelle Version ist „ATX12V Version 2.2“.

Wirkungsgrad

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Wenn das Netzteil 250 W aus der Steckdose braucht, um die angeschlossene Elektronik mit 200 Watt zu versorgen, hat das Netzteil einen Wirkungsgrad von 80 %. Die Differenz von 50 W wird im Netzteil in Wärme verwandelt. Die restlichen 200 W werden im PC hauptsächlich in Wärme verwandelt, ein sehr kleiner Teil der Energie wird in Schall sowie in elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder verwandelt. Der Wirkungsgrad ändert sich nicht proportional mit der Auslastung. Das Netzteil hat auch bei geringer Auslastung einen Eigenbedarf (z. B. läuft der Lüfter in den meisten Netzteilen ständig). Außerdem gerät die Netzteil-Elektronik bei maximaler Last in ein nicht-optimalen Arbeitsregime (nicht anders als beim Auto: Ständiges Fahren mit Vollgas erhöht den Treibstoffbedarf überproportional und erhöht auch den Verschleiß).

Der „Power Supply Design Guide“ (siehe Link am Anfang des Kapitels) definiert ein Minimum für den Wirkungsgrad. Beachten Sie die Verschärfung im Laufe der Jahre!

Mindestanforderungen an den Wirkungsgrad eines Netzteils
Dokument   20 % Last 50 % Last 100 % Last
V2.2 (2005) Gefordertes Minimum 50 % 60 % 70 %
Empfohlenes Minimum 75 % 80 % 77 %
V2.2 Rev. 1.2 (2008) Gefordertes Minimum 65 % 72 % 70 %
Empfohlenes Minimum 80 % 80 % 80 %
Energy Star (2011) Gefordertes Minimum 87 % 90 % 87 %

„Energy Star“ ist ein Gütesiegel des US-Umweltministeriums, ähnlich dem „Blauen Engel“ in Deutschland. Hierzulande brauchen die Behörden keine Umweltkriterien beachten, meist gewinnt der billigste Anbieter. Nicht so in den USA: Dort dürfen Behörden nur solche EDV-Geräte kaufen, die den Energy Star tragen. Das hat die Hersteller kräftig motiviert, und es zeigte sich: 90  % zu erreichen ist kein Problem. Doch es werden noch veraltete Modelle mit einem Wirkungsgrad unter 70 % „preiswert“ verkauft.

Im Jahr 2004 wurde die Initiative „80 PLUS“ gestartet, um Netzteile mit einem Wirkungsgrad über 80 % auszuzeichnen. In den folgenden Jahren wurden die Bronze- und höhere Zertifizierungen hinzugefügt. Etwa ein Drittel der in Europa erhältlichen Netzteile ist mit Silber, Gold oder Platin zertifiziert.

Kriterien für die "80 PLUS" Zertifizierung
Last 10 % 20 % 50 % 100 %
80 Plus   82 % 85 % 82 %
80 Plus Bronze   85 % 88 % 85 %
80 Plus Silver   87 % 90 % 87 %
80 Plus Gold   90 % 92 % 89 %
80 Plus Platinum   92 % 94 % 90 %
80 Plus Titanium 90 % 94 % 96 % 94 %

Lohnt es sich, ein effizienteres, aber teureres Netzteil zu kaufen, um Energiekosten zu sparen? Betrachten wir beispielhaft die jährlichen Energiekosten zweier Computer, die 40 Stunden wöchentlich genutzt werden.

Wenn der PC 100 W Energie benötigt, bringt ein um 10 % verbesserter Wirkungsgrad 10 Watt Einsparung, was 20 kWh = 5 € pro Jahr ausmacht (bei Gesamtenergiekosten von 50 €). Wenn ein High-End-PC durchschnittlich 500 W Energie benötigt, verursacht er 250 € Energiekosten pro Jahr. Ein um 10 % verbesserter Wirkungsgrad bringt 50 Watt Einsparung, was 100 kWh = 25 € pro Jahr ausmacht. Im ersten Fall ist die Energieeinsparung wahrscheinlich geringer als der Mehrpreis für ein besseres Netzteil. In einem High-End-PC mit einem Leistungsbedarf über 500 W kann dieser Finanzvergleich anders aussehen, hier lohnt sich der Aufpreis bestimmt. Doch wenn Sie Wert auf einen leisen PC legen, sollten Sie in beiden Fällen bedenken: eine höhere Wärmeentwicklung im Netzteil führt zu (durchschnittlich) höherem Lüftergeräusch. Wobei es natürlich auch auf die Qualität des Lüfters ankommt.

Den Wirkungsgrad eines Netzteils erfahren Sie aus dem Datenblatt, das jeder Hersteller im Internet bereitstellt. Weil meine Computer viele Stunden täglich eingeschaltet sind, würde ich ein Netzteil mit einem Wirkungsgrad unter 80 % nicht kaufen.

Wieviel Leistung braucht ein PC?

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Leistungsbedarf eines einfachen PCs
  Normal Leerlauf
CPU 45 W 9 W
CPU-Lüfter 2 W 1 W
Mainboard 15 - 30 W 8 - 15 W
RAM 12 - 20 W 10 - 18 W
HDD 3,5" 8 - 12 W 5 - 10 W
DVD 5 - 10 W 1 W
Netzteil 5 - 15 W 5 - 10 W

Die Tabelle 6.3 zeigt den Leistungsbedarf eines typischen PC für Office- und Standardanwendungen. Er ist mit einer Doppelkern-CPU mit 3 GHz, 4 GB RAM und Onboard-Grafik sowie DVD-Brenner und Magnetfestplatte ausgestattet. Beim Netzteil ist der Eigenbedarf angegeben. Wird mit dem PC gearbeitet, liegt die durchschnittliche Leistungsaufnahme bei etwa 100 Watt, im Leerlauf bei 40 bis 60 Watt. Etwa 80 % aller PC, die ich in den letzten Jahren repariert habe, fallen in diese Kategorie.

Die „etwas besseren“ PC haben eine separate Grafikkarte, die den Strombedarf um 50 Watt (oder viel mehr) erhöht. Eine bessere CPU braucht 80 bis 100 Watt. Die leistungsstärksten Intel-CPUs brauchen maximal 140 Watt, die von AMD bis zu 220 Watt (und deutlich mehr Kühlleistung als ein einfacher PC).

Allgemein wird empfohlen, ein Netzteil zu kaufen, das etwa die doppelte Leistung hat, wie der geplante PC benötigen wird. Dann arbeitet das Netzteil bei 50 % Auslastung im Bereich des höchsten Wirkungsgrades und Sie haben noch Reserven für zukünftige Erweiterungen. Auch wenn Sie (heute) keine Aufrüstung planen, hat eine Reserve mehrere Vorteile:

  • Im Einschaltmoment ist der Leistungsbedarf kurzzeitig viel höher (z. B. für das Anlaufen der Festplatten).
  • Der Energiebedarf der CPU schwankt im Nanosekundentakt. Unzureichende Reserven können zu Fehlern führen, die sehr schwer zu diagnostizieren sind.
  • Wenn das Netzteil ständig bei sehr hoher Last läuft (und dabei überdurchschnittlich warm wird), altert es schneller.
  • Durch Alterung lässt die Spitzenleistung des Netzteils allmählich nach.
  • Sie haben eine Reserve für den Fall, dass der Hersteller die Leistungsangaben „geschönt“ hat.

Für einen „einfachen“ Computer ist die Empfehlung mit der doppelten Leistung kaum zu realisieren: Netzteile mit weniger als 300 Watt sind nur schwer zu finden. Wenn Sie kein gutes 300 Watt Netzteil finden, dann nehmen Sie ein modernes Netzteil mit 400 oder 450 Watt, das bringt Ihnen reichlich Reserve für ein späteres Aufrüsten. Allerdings wird ein 400 Watt Netzteil nur zu 10 bis 15 % ausgelastet, wenn der PC im Leerlauf ist, und bei dieser Auslastung ist der Wirkungsgrad etwas schlechter. Doch das ist nicht schlimm: Ein schlechter Wirkungsgrad fällt bei niedrigem Verbrauch weniger ins Gewicht. Bei 80 % Wirkungsgrad gehen von 50 Watt Verbrauch nur 10 Watt verloren.

Wenn Sie einen „Boliden“ bauen wollen, sollten Sie den Bedarf genauer kalkulieren, und zwar für jede Spannung einzeln. Kaufen Sie ein Netzteil, das die doppelte Leistung hat wie der errechnete Bedarf.

Leider sind die Leistungsangaben manchmal unzuverlässig. Die Belastbarkeit von Transistoren, Gleichrichterdioden und anderen Halbleitern sinkt bei steigender Temperatur. Renommierte Hersteller geben im Datenblatt an, bei welcher Temperatur die Leistungswerte gemessen worden sind. Einige Hersteller messen die maximale Leistung des Netzteils bei Zimmertemperatur, wohl wissend, dass bei 65 °C nur noch 80 % der Leistung verfügbar sind. Und ganz windige Hersteller lügen einfach bei der Leistungsangabe, denn die meisten Nutzer kaufen ohnehin überdimensionierte Netzteile.

Technische Details

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Power Factor Correction (PFC)

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In den Kraftwerken wird der elektrische Wechselstrom als Sinuswelle erzeugt. Doch auf dem Transport und bei den Verbrauchern wird diese Sinuswelle verzerrt, vor allem durch die Magnetfelder von Spulen (z. B. in Transformatoren und Motoren). Es entstehen phasenverschobene Spannungen („Blindleistung“), die den Aufwand für die Energiekonzerne erhöhen, qualitativ hochwertigen Strom bereitzustellen. Außerdem entstehen höherfrequente Spannungen (Oberwellen). Diese können zu Störungen bei anderen Geräten (Rundfunk und Fernsehen) führen. Deshalb gibt es seit 2001 eine Norm für die Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV). Alle elektronischen Verbraucher über 75 Watt müssen einen „Leistungsfaktorkorrekturfilter“ (engl.: PFC = Power Factor Correction) haben. Die Qualität der Entstörung wird mit einem „Power Factor“ beschrieben: Das Verhältnis von aktiver (nützlicher) Energie zu der insgesamt aus dem Stromnetz entnommenen Energie soll möglichst nahe an 1 sein.

Es gibt zwei verschiedene Schaltungen, mit denen die Hersteller ihre Netzteile ausrüsten können: Aktive und passive Korrekturschaltungen. Die „passive PFC“ funktioniert mit Drosseln (Spulen). Die Schaltung ist einfach und billig. Sie ist vor allem bei Netzteilen bis 200 Watt üblich. Bei steigender Leistung des Netzteils werden die Drosseln allmählich ziemlich groß und schwer. Die „aktive PFC“ wird mit elektronischen Schaltungen realisiert. Mit aktiver PFC sind hohe Wirkungsgrade leichter zu erreichen. Diese Bauart ist teurer, hat aber einen Vorteil beim Export: Netzteile mit aktivem PFC vertragen einen weiten Bereich von Eingangsspannungen. Wenn auf Ihrem Netzteil steht „Eingangsspannung von 100 bis 240 Volt“, hat es aktive PFC.

Bei Netzteilen im Leistungsbereich von etwa 200 bis etwa 500 Watt findet man sowohl aktive als auch passive PFC. Die aktiven sind die teureren. Welche sollten Sie nehmen?

Die Qualität der PFC hat überhaupt keinen Einfluss auf die Qualität der Stromversorgung im Inneren Ihres PCs. Da ich meinen PC weder ins 110-Volt-Ausland mitnehme noch auf LAN-Partys schleppe, stört mich das Gewicht nicht. Im übrigen ziehe ich einfache, robuste Lösungen vor (Einstein: Mache die Dinge so einfach wie möglich − aber nicht einfacher): Was kann an einer Spule jemals kaputt gehen? Für die meisten PCs genügt die passive Korrektur. Warum sollten Sie mehr Geld ausgeben, um den Energieversorgern eine Freude zu machen? Störungen des Rundfunk- und Fernsehempfangs durch das Netzteil brauchen Sie nicht zu befürchten, die gesetzlichen Vorgaben sind streng genug.

Einzel- und Gesamtleistung

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Etikett eines 500W Netzteils

Der Transformator im Netzteil hat meist eine Wicklung für die Erzeugung von 12 Volt und eine weitere gemeinsame Wicklung für 5 und 3,3 Volt. Zwischen 3,3 und 5 Volt wird die Leistung je nach Bedarf aufgeteilt. Im Beispiel kann das Netzteil 3,3 V × 30 A = 99 W oder 5 V × 30 A = 150 W liefern, aber nicht gleichzeitig: 99 + 150 = 249 W überschreitet die zulässigen 220 W. Auch die +12 V Leitung konkurriert mit 3,3 und 5 Volt: 220 + 360 = 580 W sind mehr als die zulässigen 480 W. Die -12 Volt sind ein Relikt auf früheren Zeiten und werden normalerweise nicht gebraucht. Der Leistungsbedarf der Spannung +5 V Stand By ist ebenfalls gering. Was bedeutet das für uns? Das Netzteil ist flexibel genug, den Strom dort hin zu schicken, wo am meisten davon gebraucht wird. Wenn wir genug Reserven bei der Gesamtleistung haben, müssen wir nicht unbedingt den Leistungsbedarf für jede einzelne Spannung ganz genau ermitteln. Wichtig ist aber − vor allem bei hohen Gesamtleistungen − dass der Löwenanteil der Leistung als +12 Volt bereitgestellt wird.

Die StandBy-Spannung +5 V SB

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Früher einmal wurde der PC mit einem 230-Volt-Schalter ein- und ausgeschaltet. Der PC konnte daher nicht per Software ein- und ausgeschaltet werden. Mit der Einführung des ATX-Formfaktors durch Intel im Jahr 1996 schrumpfte der wuchtige Einschalter zu einem kleinen Taster. Das Netzteil erhält das Einschalt- und Ausschaltsignal von einer kleinen Schaltung, die sich auf der Hauptplatine befindet.

Den Befehl zum Ausschalten sendet Windows am Ende des Herunterfahrens. Der Vorteil: Sie müssen nicht am PC warten, bis das Herunterfahren abgeschlossen ist, um ihn auszuschalten.

Der Einschaltbefehl kann aus verschiedenen Quellen stammen:

  • vom Einschalt-Taster an der Frontseite,
  • von der Uhr. Im BIOS kann man einen Zeitpunkt eingeben (Jahr, Monat, ... , Minute), wann der PC das nächste Mal aufwachen soll.
  • Eine Betätigung von Tastatur oder Maus kann den PC wecken.
  • „Wake on Ring“ oder „Wake on Modem“: Das Modem empfängt einen Anruf und startet den PC.
  • „Wake on LAN“: Die Netzwerkkarte empfängt ein spezielles Datenpaket, das „Magic Packet“.

Ob Netzwerk, Modem, Tastatur oder Maus den PC aufwecken dürfen, müssen Sie im BIOS einstellen. Suchen Sie nach den Befehlen „Wake on LAN“, „Wake on Ring“ usw. und setzen sie diese auf „Enabled“. Falls Ihr PC zu „Geisterstarts“ neigt, ist vielleicht einer dieser Werte gesetzt und Sie müssen ihn nur auf „Disabled“ setzen.

Die Elektronik auf der Hauptplatine, der Empfangsteil der Netzwerkkarte, das Modem, Tastatur und Maus müssen natürlich mit Spannung versorgt werden, um den Einschaltbefehl auslösen zu können. Dazu liefert das Netzteil ständig eine mit „+5 V StandBy“ bezeichnete Bereitschaftsspannung.

Ob und welche USB-Buchsen mit +5 V SB versorgt werden, muss im BIOS oder mit einem Jumper auf der Hauptplatine eingestellt werden (siehe in Bild 12.9, S. 95 die gelben Jumper über USB 9-10). Wenn Sie den PC über Maus oder Keyboard einschalten wollen, müssen Sie dafür eine ständig versorgte USB-Buchse finden. Übrigens kann man an so einer Buchse das Handy o. a. aufladen, auch bei ausgeschaltetem PC.

Ein ständig teil-eingeschaltetes Netzteil hat natürlich Nachteile. Der StandBy-Stromverbrauch liegt bei guten Netzteilen bei geringfügigen 1-2 Watt (0,6 bis 1,2 Cent pro Tag), selbst bei schlechten Netzteilen unter 10 Watt. Wenn Sie Tastatur und Maus mit +5VSB versorgen, steigt der Bedarf etwas an. Es ist ratsam, den PC (und Bildschirm sowie weitere Standby-Geräte) zumindest über Nacht mit einer abschaltbaren Steckdosenleise vom Stromnetz zu trennen. Damit schützen Sie Ihren PC auch vor Überspannungen aus dem Stromnetz, die durch Blitzschläge oder Schaltvorgänge auf Hochspannungsleitungen entstehen können.

Schutzschaltungen

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Ein defektes Netzteil kann einen Brand verursachen oder sämtliche Elektronik im PC zerstören. Damit das nicht geschieht, schreibt der ATX12V Standard drei Schutzschaltungen vor: OVP, SCP und OCP.

  • Over Voltage Protection (Überspannungsschutz) schaltet das Netzteil ab, wenn eine der Ausgangsspannungen zu hoch wird, z. B. durch das Versagen eines Reglers. Dadurch wird die Hauptplatine und andere Elektronik geschützt.
  • Short Circuit Protection (Kurzschlussschutz) schaltet das Netzteil ab, wenn eine der Ausgangsspannungen kurzgeschlossen wird. Das schützt das Netzteil vor Überlastung und meist überleben auch die Bauteile, die am Kurzschluss beteiligt waren. Eine häufige Ursache für Kurzschlüsse ist der Versuch, Stromversorgungsstecker unter Spannung verkantet oder verkehrt herum einzustecken.
  • Over Current Protection (Überstromschutz) schaltet das Netzteil ab, wenn an einem der Anschlüsse ein unzulässig hoher Strom entnommen wird. Damit wird verhindert, dass Komponenten des Netzteils überhitzen, was schlimmstenfalls zu einem Brand führen kann.

Manche Netzteile haben weitere Schutzschaltungen. Sie sind optional und sind vor allem dann nützlich, wenn eine der Pflicht-Schutzschaltungen versagt.

  • Under Voltage Protection (Unterspannungsschutz) schaltet das Netzteil bei Unterschreitung der Nennspannung ab, nach dem Motto „lieber abschalten als dass eine unterversorgte CPU falsch rechnet“.
  • Over Power Protection (Überlastschutz): Der oben genannte Überstromschutz OCP reagiert, wenn einer der Ausgangsströme zu hoch ist. Wenn aber von mehreren Ausgangsströmen keiner das Limit überschreitet, aber deren Summe zu hoch ist, reagiert der OPP-Überlastschutz.
  • Over Temperature Protection (Übertemperaturschutz): Schaltet das Netzteil ab, wenn z. B. der Lüfter ausgefallen ist oder die Luftaustrittsöffnung verdeckt ist.

Das Vorhandensein einer Schutzschaltung bedeutet allerdings noch nicht, dass sie auch funktioniert. Es ist nicht genormt, bei welcher Überschreitung der Grenzwerte die Abschaltung erfolgt. Je empfindlicher die Schutzschaltung eingestellt ist, mit desto mehr Reklamationen muss der Hersteller rechnen. In Tests wurden Netzteile gefunden, die auch auf krasse Überschreitungen nicht reagierten.

Es gibt nicht viele „echte“ Netzteilfabriken: Seasonic, FSP Fortron Source, Delta Electronics, Enhance. Die Liste ist nicht vollständig, hin und wieder eröffnen neue Fabriken. Jeder Geschäftsmann kann bei einer Fabrik Netzteile bestellen, die mit seinem Logo beklebt werden und die nach seinen Vorgaben gefertigt und eingestellt werden. Zu den Marken, die keine eigene Fabrik haben, gehören z. B. Enermax, Corsair, BeQuiet!, Coolermaster, Silverstone und Cougar. Einige Label lassen ihre sehr guten Netzteile in der einen Fabrik fertigen und Netzteile für den Massenmarkt in anderen Fabriken. Deshalb kann ich Ihnen leider keine klare Kaufempfehlung für eine bestimmte Marke geben. Meine Tipps:

  • Fragen Sie den Verkäufer im Fachgeschäft (wobei ich Elektronik-Supermärkte nicht unbedingt zu den Fachgeschäften rechne).
  • Der Kumpel lobt das Netzteil, das er selbst gekauft hat? Um seinen Sachverstand bei der Auswahl eines Netzteils zu betonen, würde er jedes Netzteil loben, das seine Wohnung noch nicht in Brand gesteckt hat. Aber wenn ein Servicetechniker, der schon dutzende defekte Netzteile ausgewechselt hat, von einer Marke abrät, sollten Sie das nicht ignorieren.
  • Ein Netzteil für einen Büro-PC hat eine so geringe Last zu „ertragen“, dass auch ein relativ preiswertes Modell länger lebt als der PC. Doch nehmen Sie nicht das allerbilligste!
  • Wenn Sie ein Netzteil für höhere Anforderungen brauchen, kann ich Ihnen das Studium von Testberichten nicht ersparen. Suchen Sie gezielt, welche Beschwerden unzufriedener Kunden es gibt.

Multiple +12 V Rails

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Die ATX12V-Spezifikation fordert, dass auf keiner Ader ein Strom von mehr als 20 A fließen darf. Das ist eine ganze Menge: 12 V × 20 A = 240 W − das reicht für ein kleines Bügeleisen! Würden die Hersteller diese Spezifikation wörtlich nehmen, müssten sie jede Ader des Netzteils (außer den Masseadern) einzeln absichern. Das wären etwa 20 OCP-Schutzschaltungen für ein einfaches und bis zu 40 Schaltungen für ein anspruchsvolles Netzteil! Viel zu teuer und auch viel zu voluminös.

In den einfacheren Netzteilen gibt es für jede Spannung nur eine Sicherung. Beim relativ „schwachen“ Netzteil von Abb. 6.1 werden fünf OCP-Sicherungen benötigt: für +3,3 V, +5 V, +12V, -12 V und +5 V SB. Die Hersteller gehen (völlig zu recht) davon aus, dass zu allen Großverbrauchern (Mainboard, Grafikkarte, CPU) mehrere Adern parallel verlaufen und sich der Strom gleichmäßig aufteilt. Die +5 V beispielsweise werden über fünf Adern zur Hauptplatine geleitet. Doch ein stärkeres Netzteil (z. B. mit 1000 Watt Leistung) kann an den +12 V Anschlüssen bis zu 90 A liefern. Ein OMA-Amateur (ohne die mindeste Ahnung von Physik) könnte auf die Idee kommen, alle Großverbraucher (EPS12V plus zwei Grafikkarten) über einen einzigen Kabelstrang zu versorgen, damit möglichst wenig Kabel im PC „herumhängen". Einmal abgesehen von dem hohen Spannungsabfall auf dem Strang könnte diese Art der Verkabelung (90 A statt der zulässigen 20 A pro Ader) zu einem Schwelbrand führen. Deshalb unterteilen einige Hersteller die 12 V Leitung auf mehrere Stränge (engl. „Rail“, ein Elektriker würde „Stromschiene“ sagen) und sichern jeden Strang mit einer eigenen Sicherung ab.

Bei diesen „Multiple +12 V Rail“-Netzteilen sind die Spannungen mit „+12 V(1)“, „+12 V(2)“ usw. bezeichnet. Schließen Sie jeden Großverbraucher an eine andere Stromschiene an, dann wird auch keine der Sicherungen rausfliegen.

Ich denke, der Sicherheitsvorteil der Multi-Rail-Technik ist so gering, dass sich ein Aufpreis dafür nicht lohnt.

Modulares Kabelmanagement

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Kabelstrang "Periperal devices" zur Versorgung von SATA-Laufwerken
 
Kabelmanagement eines 750 W Netzteils: Anschlüsse
 
Kabelstrang "PCI-E" mit 6-poligem und (6+2)-poligen PEG-Connectoren

Aus einem Netzteil hängen ungefähr fünf bis acht Kabelbündel heraus. Die meisten davon haben drei bis vier Stecker. Es wäre möglich, mehrere Kleinverbraucher wie Festplatten, DVD und Lüfter mit den Steckern eines einzigen Kabelbündels zu versorgen, die restlichen Bündel würden ungenutzt herumhängen.

Seit 2005 gibt es Netzteile, bei denen man nur diejenigen Kabel ansteckt, die tatsächlich gebraucht werden, siehe Abb. 6.2 bis 6.4. Es hängen keine überflüssigen Kabel herum. Das Innere des Gehäuses sieht übersichtlicher aus und außerdem wird die Luft etwas weniger dabei behindert, durch den PC zu strömen.

Die Idee ist natürlich gut, verteuert aber das Netzteil. Wenn man alle Stromkabel mit Kabelbindern sinnvoll im Gehäuse fixiert, sieht das fast ebenso gut aus. Es ist IMHO (In My Honest Opinion − nach meiner bescheidenen Meinung) kaum sinnvoll, diesen Aufpreis zu zahlen.

Reparaturen

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Ein Netzteil selbst reparieren zu wollen ist aus drei Gründen Unfug: Ohne Schaltplan wird der Erfolg der Reparatur zum Lotteriespiel. Doch einen Schaltplan werden Sie nicht finden. Zweitens steht der Aufwand in keinem Verhältnis zum Neupreis. Drittens ist das Risiko groß, dass ein unsachgemäß repariertes Netzteil den PC in rauchenden Schrott verwandelt oder Ihnen einen Stromschlag versetzt.

Das Netzteil ist vermutlich kaputt und Sie wollen nachsehen, ob vielleicht nur die Sicherung durchgebrannt ist? Das ist sinnlos. Alle Sicherungen sind elektronisch. Es gibt keine Schmelzsicherung, die man auswechseln könnte. Garantiert.

Ich sehe nur einen vernünftigen plus einen einigermaßen vernünftigen Grund, das Netzteil aufzuschrauben:

  • Sie wollen den Lüfter auswechseln. Sei es, weil er defekt ist, weil das Lüftergeräusch einen baldigen Ausfall erwarten lässt, oder weil Sie den Standardlüfter durch einen leiseren ersetzen wollen.
  • Sie wollen das Netzteil gründlich reinigen. Das finde ich etwas übertrieben. Normalerweise reicht es völlig, wenn Sie ein- bis zweimal im Jahr mit der Düse einer Pressluftflasche hineinblasen.

Beachten Sie, dass sich im Netzteil zwei große Elkos befinden, die auf 400 Volt aufgeladen sind. Falls der Hersteller ein paar Entladewiderstände vorgesehen hat (welche den Wirkungsgrad geringfügig verringern), sind die Elkos etwa nach einer Stunde entladen. Ohne diese Widerstände können die Elkos auch nach acht Stunden noch gefährlich sein. Außerdem verlieren Sie die Garantie, wenn Sie das Netzteil öffnen.


Quellen
  1. http://www.formfactors.org/developer/specs/Power_Supply_Design_Guide_Desktop_Platform_Rev_1_2.pdf