Bogenbau/ Sehnenbau/ Endlossehne

Endlossehne.jpg

Wer gerne Mittenwicklungen wickelt, ist hier am richtigen Ort – der Autor empfindet Endlossehnen als Sklavenarbeit. Endlossehnen werden nicht gespleisst, sondern nur gewickelt: An den Enden je zwei Mal (plus die Mittenwicklung).

Das Prinzip ist einfach, die Herstellung ebenfalls.[1] Für eine 180 cm lange Sehne werden im Abstand von 180 cm zwei Nägel eingeschlagen.[2] Dann wird mit dem Sehnengarn um diese Nägel gewickelt, bis die gewünschte Strangzahl erreicht ist, und die Enden verknotet. Für die Wicklung wird dieselbe Technik angewendet wie bei der Mittenwicklung.

Für die beiden Öhrchen umwickelt man nun zuerst auf einer Länge von etwa 10 cm die Sehne und schiebt sie so, dass die Mitte der Wicklung um einen Nagel liegt. Danach wird mit einer zweiten Wicklung die Sehne zusammengebunden, so dass sich ein Öhrchen um den Nagel formt.

Das zweite Öhrchen wird gegenüber genau gleich geformt. Da um den Nagel herum nicht gewickelt werden kann, ist es einfacher, die Wicklungen zuerst anzubringen (Anfang und Ende mit einem Filzstift markieren) und erst dann die beiden Öhrchen zu formen.

Querschnitt durch eine Endlossehne; Violett die erste Wicklung, rot die zweite.


Zum Schluss wird die Sehne eingedreht mit mindestens 10 Umdrehungen. Dadurch sind die einzelnen Stränge nicht mehr lose. Weiteres Eindrehen verkürzt die Sehnenlänge, belastet die Sehne aber auch etwas stärker – dann sollte die Strangzahl nicht allzu nah am Limit für die Stärke des Bogens liegen.

Für einen Langbogen kann als Sehnenlänge der Abstand zwischen den beiden Nocken minus 5 cm gewählt werden. Die zweite Wicklung (rot im Bild oben) sollte mindestens 3 cm lang sein.

Spätestens beim Anbringen der Mittenwicklung (wahrscheinlich aber schon viel früher) wird einem klar, warum sich Leute die Mühe gemacht haben, Wickelgeräte[3] zu bauen, falls man selber noch kein solches verwendet.

FussnotenBearbeiten

  1. Ausserdem ist die Herstellung auch einfach mühsam.
  2. Natürlich muss man nicht unbedingt Nägel einschlagen, längere Holzstücke sind praktischer, und von Hand geht es auch – aber es ist eine gute Verbildlichung.
  3. (Mitten-)Wicklungsgerät auf YouTube