Seitentitel: 1020-2020: Tausend Jahre Dresdner Frauenkirche/ Böhmische Akademie

Die Böhmische (Geistliche) Akademie entstand in den letzten Jahren des 9. Jahrhunderts, vielleicht noch 895. Sie hatte mehrere Standorte, wobei weder ihre genaue Lage noch die Aufeinanderfolge der Standorte bislang geklärt werden konnten. Auch in Prag hatte es einen Standort gegeben, der aber mehrfach geschlossen wurde. Auch hier ist die Situation unübersichtlich. Wahrscheinlich 897 gegründet, wurde diese kirchenslawische Einrichtung schon 907 in eine Lateinschule verwandelt, 921 wieder Geistliche Akademie, 925 wieder Lateinschule. Das weitere Schicksal ist unsicher.

Um die Mitte des 10. Jahrhunderts kam Wislanien und damit die Akademie Krakau in den Machtbereich Böhmens. Die Akademie Krakau war 886 aus einer 880/881 von Wiching ins Leben gerufenen kirchlichen Schule hervorgegangen. 886 wurde die (Groß)Mährischen Akademie vernichtet, worauf etliche Lehrer und Schüler in Krakau Zuflucht suchten und bekamen. Die Anbindung Wislaniens an das Großmährische Reich hatte eher den Charakter einer Tributherrschaft mit Heeresfolge, aber weniger den einer direkten Regierung. Der wislanische Fürst von Krakau war in seiner Entscheidung, die kirchenslawische Form des Christentums zu wählen, nicht von Svatopluk I. abhängig.

Die Akademie Krakau wurde trotz oder gerade wegen ihrer peripheren Lage zum Hauptstandort der Böhmischen Akademie und erlebte eine Blütezeit, bis sie 990 durch die polnische Eroberung Krakaus zerstört wurde. Teile der Lehrerschaft und mit ihnen viele Schüler flüchteten nach Nisan, an die andere nördliche Peripherie Böhmens.